9,50 €
Maurice ist Hochschulassistent eines Professors (Adrian) an einem nicht näher bezeichneten Fachbereich einer fiktiven Universität. Über Jahre hat er zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen gefertigt, an denen ihm aber wegen der Anstellung am Institut des Professors keine Rechte zustehen. Gleichwohl hat er im Zusammenspiel mit seiner Geschäftspartnerin Helena außerhalb der Universität sein Wissen und die Ressourcen der Universität heimlich genutzt, um die Forschungsergebnisse an private Unternehmen gewinnbringend zu veräußern. Auch sein Institutskollege Frederic vermag es nicht, ihn und Helena in getrennten Unterredungen von ihren Vorhaben abzubringen, wobei offen bleibt, ob ihn hierbei Eigennutz oder echte freundschaftliche Verbundenheit antreibt. Adrian, der kurz vor seiner Pensionierung steht, bleibt über alle diese Vorgänge in Unkenntnis und plant vielmehr seinerseits als Krönung seiner Laufbahn gemeinsam mit Maurice eine privatwirtschaftliche Betätigung. Er bietet Maurice während des Hochschulballs die Partnerschaft an. Maurice zögert, wagt es aber letztlich nicht, das Angebot seines Professors auszuschlagen. In dieser Schlüsselszene des Hochschulballs verliebt sich Mara, die junge Frau des Professors, beim Tanz in Maurice. Maurice kann ihrem Charme nicht widerstehen und aus der anfänglich nur vereinbarten Freundschaft entwickelt sich eine intensive Liaison. Damit befindet sich Maurice in einer unauflösbaren Zwickmühle zwischen den Erwartungen seines Professors, denen seiner Partnerin Helene und Maras Liebe. Nachdem Mara schwanger wird, aber nicht weiß, ob Adrian oder Maurice die Vaterschaft zuzuschreiben ist, wendet sich Maurice kühl von ihr ab. Adrian, im Glauben Vater zu werden, erfährt durch den Präsidenten der Hochschule von einem Datendiebstahl ungeahnten Ausmaßes. Frederic sieht sich nun in der Verpflichtung, Maurice als Schuldigen zu offenbaren. Adrian sieht in seiner grenzenlosen Enttäuschung keine andere Möglichkeit, als mithilfe seines Freundes und Rechtsanwaltes Spicovius juristisch gegen Maurice vorzugehen, um ihn vor allem wirtschaftlich zu ruinieren. Maurice, wiederum angetrieben von Helena, wendet sich in seiner Hilflosigkeit an Mara mit der Bitte, mäßigend auf Adrian einzuwirken. Nachdem dies gelingt, bleibt es gleichwohl bei seinem Beschluss, Mara endgültig zu verlassen, wobei er sich bewusst bezüglich seiner möglichen Vaterschaft in Unkenntnis hält.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2013
www.tredition.de
Martell Rotermundt
Maurice und die Einsamkeit
Drama in zwei Akten
www.tredition.de
© 2012 Martell Rotermundt
Umschlaggestaltung, Illustration:
Martell Rotermundt
Verlag: Tredition GmbH
Lektorat: Ingo Schadt
Korrektorat: Petra Richter www.textideen.de
Umschlagfoto: terramara / pixelio.de
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-8491-2025-2
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Maurice und die Einsamkeit
Personen:
Maurice, der Hochschulassistent
Adrian, der Professor
Mara, die junge Frau des Professors
Frederic, Kollege des Maurice
Helena, Geschäftspartnerin des Maurice
Präsident, Präsident der Universität
Präsidentengattin
Spicovius, der Advokat
Erster Akt
Adrian und Maurice sitzen im Institutsbüro des Professors. An der Wand Bücher. Maurice sitzt am Schreibtisch, Adrian steht sinnierend im Raum.
Adrian: Die Wissenschaft und Lehre,
Brachte Ruhm und Ehre,
Weil manch vermeintlich kluger Geist,
Zum Überfluss Professor heißt.
Die Verleihung solcher Grade,
Wirkt heute nur noch als Fassade,
Die den alten Muff verbirgt
Und wie Selbstberauschung wirkt.
Erkenntnis, die durch Fleiß erworben,
Ist seit Langem ausgestorben.
Denn wenn nicht ist, was sollte sein,
Trügt dafür der schöne Schein.
Der Mensch glaubt nicht an das, was ist,
Er begehrt nur das, was er vermisst,
Ganz gleich, ob er es wirklich braucht
Oder wirkungslos im Schlot verraucht.
Glaube mir, was ich hier sah
In der Welt der Akademia,
Erschien mir oftmals kleinkariert
Und wenig geistig orientiert.
Was will ein lümmelnder Student,
Der sich selber nicht erkennt,
In dieser Welt der Fakultäten,
Die das wahre Leben nie erspähten?
Von Professores ganz zu schweigen,
Die sich vor sich selbst verneigen,
Und ihren schlechten Bücherhaufen
Als wissenswert verkaufen?
Wer sich beim Müßiggang verschont,
Wird dafür nicht mit Geld belohnt.
Die Wissenschaft bleibt ungefähr,
Wird sie nicht endlich monetär.
Deshalb, mein Freund, ich sag’s mal so:
Unsere Welt liegt anderswo.
Was schert uns dieser Lehrstuhlruhm,
Was reizt, ist freies Unternehmertum.
Maurice: Du leitest dieses Institut,
Mit Professorengrad und Doktorhut,
Entscheidest über Menschen nebst Karrieren,
Errichtest Tore und Barrieren,
Bist auch mit jetzt verdientem Geld
Das Zentrum dieser Geisteswelt.
Ich frage mich, was Dich beschleicht,
Wenn die Lebensleiter das erreicht.
Adrian: Wird nur erfüllt, was wir verlangen,
Bleiben wir im Glück gefangen.
Plötzlich spürst Du schlimmste Angst,
Wenn Du um Deinen Wohlstand bangst.
Wer schon früh nach Schönheit strebt,
Und diese durch die Frau erlebt,
Sucht immer noch, was glänzt und blitzt,
Obwohl es längst zu Hause sitzt.
Das bloße Treiben nach mehr Wissen,
Macht uns Menschen nur verbissen.
Nur der unentwegte Tatendrang,
Schafft Zufriedenheit im Überschwang.
Maurice: Wer immerfort nach Bildung trachtet,
Wird auch gesellschaftlich geachtet.
Adrian: Erfüllt nur Weisheit langes Leben,
Bist Du von Einsamkeit umgeben.
Was der Jüngling sich zu sichern glaubt,
Hat ihm im Alter dann den Sinn geraubt.
Wer seit Langem große Träume hegt
Und beharrlich die Erfüllung pflegt,
Hat die Erkenntnis glatt versäumt,
Dass nur lebt, wer weiterträumt.
Maurice: Wie kann Erreichtes plagen,
Galt es doch stets, sich selbst zu fragen,
Ob man Erkenntnis nicht verschwendet,
Wird sie nicht alsbald angewendet?
Hilft Dir Kritik erst wirklich heute weiter?
War sie nicht ständig Dein Begleiter?
Adrian: Die Kritik gab mir von Anbeginn
Den eigentlichen Sinn.
Zu Recht erwähntest Du ja schon
Die Wichtigkeit der Reflektion.
So treibt den braven Wandersmann
Nicht nur das Ziel, das sich noch ändern kann.
Es ist der Blick, der überrascht,
Und den er auf dem Weg erhascht.
So wollte ich mein ganzes Leben
Nicht nach einem Endpunkt streben.
Ich rieb mich schmerzerfüllt und unbequem
Immer wieder am System.
Maurice: Wenn Dich dieser Drang begleitet,
Der Campus hat die Bühne schon bereitet.
Hier ist Platz für leuchtende Momente
Im Diskurs der Argumente,
Wo der Einzelne entzündet,
Was im Gemeinschaftswerke mündet.
Adrian: Der Fakultäten Ruhmesglanz
War immer schon ein Mummenschanz.
Schon in meinen Studienjahren,
Sah ich Dekangestalten in Talaren,
Die hoben ihre Hand zum Schwur,
Auf die verkrustete Struktur.
Spektabilitäten und Magnifizenzen,
Die nur durch ihre Titel glänzen,
Sind Puppenspieler ohne Kraft,
Ja, Geisel ihrer Wissenschaft.
Gegen diesen alten Mief
Setzten wir das Kollektiv.
Nur wer sich in die Gruppe reiht,
Wird von altem Zwang befreit.
Maurice: Einst war revolutionär,
Was heute Grund zum Lachen wär.
Wessen Sein im Kollektiven mündet,
Sieht alsbald den Zwang begründet.
Adrian: Ja, wir irrten uns mit unsrer These
Der sozialen Exegese.
Als Ergebnis unsres Kampfesruhms
Sind wir Träger besten Bürgertums.
Auch wenn der Irrtum schmerzhaft brennt,
Ist er dem Leben immanent.
Ohne Falsches aufzuklären,
Kann solcher Schmerz auch ewig währen.
Nur wer den Grund des Fehlers findet,
Weiß gewiss, dass er verschwindet.
Maurice: Wer die Vergangenheit zu sehr verehrt,
Sieht sie alsbald darauf nur noch verklärt.
Die Erinnerung darf nichts verkennen,
Muss das Wahre auch vom Falschen trennen.
Adrian:
So stimmt es wohl, dass wir den Staat befreit,
Von Wurzeln der Vergangenheit.
Man gab uns Freiheit auf Papier geschrieben;
Erst die Straße hat sie angetrieben,
Mit uns als ahnungslosen Demonstranten,
Die wie gehetzt den Staat erkannten.
So wird nur manches überlebt,
Weil der Mensch nach Freiheit strebt
Und ungestüm und ungeniert,
Die Macht von unten provoziert.
Doch Kampf um Freiheit wird zur Qual
Ohne Eigentum und Kapital.
Wer frei sein will, braucht Zahlungsmittel,
Nicht Gruppenzwang, nicht Doktortitel.
Maurice: Wird Freiheit nur verehrt,
Als des Geldes Gegenwert?
Die Freiheit ist ein Wert an sich,
Das Geld jedoch veränderlich.
Die Quelle unsrer Geisteszunft,
Ist nicht das Geld, vielmehr Vernunft.
Das Streben nach Gewinn
schafft weder Ordnung noch den Sinn.
Adrian:
Die Vernunft war das, so schrieb auch Kant,
Durch die der Mensch Moral erfand.
Auf sittliches Vertrauen,
Sollte sich der Markt aufbauen.
Moral sei Ordnung, Markt die Chance,
Und so bliebe beides in Balance.
Doch hat der Markt Moral entleert,
Und sie gar gierig aufgezehrt.
Des Menschen Trieb ist nur die Lust,
Und wenn er handelt, unbewusst.
So lautet das Gesetz in der Moderne,
Der Philosoph rückt da in weite Ferne.
Wer sich dort nicht früh einreiht,
Ist dem Untergang geweiht.
Maurice: Du wirfst hinfort, was in Jahrzehnten
Wir als erhaltenswürdig wähnten?
Soll diese Arbeit ganz allein
Nur Schall und Rauch gewesen sein?
War es der Sinn von Deinem Schaffen,
Vor schnödem Mammon hinzuraffen?
Adrian: Mein Älterwerden klärt es,
Trennt Falsches und Bewährtes.
So ist erhaltenswert das Institut
Und für manche Unternehmung gut.
Keineswegs mach ich zunichte
Der Geistesarbeit edle Früchte.
Bedenke nur, was in Laboren,
Wir über Jahre ausgegoren.
Mit Eifer produzierten willig
Studenten viel, dazu noch billig.
Was in Berichten die Regale ziert,
Über Jahre nicht an Wert verliert.
Soll dies hier länger noch versauern
Und uns beide überdauern?
Der Markt wird uns so manches geben,
Wenn wir diese Schätze heben.
Was sich hier im Geiste knöpft,
Wird durch uns erst wertgeschöpft.
Maurice: Deinen Mut kann ich nicht mindern,
Geschweige denn verhindern.
Ich bleibe hier Dein Assistent,
Der sich stets loyal bekennt.
Adrian: Drum habe ich auf Dich gebaut,
Und auch in dieser Sache Dir vertraut.
Mit Deiner Arbeit Kraft,
Wird auch dieses Ziel geschafft.
Nur Du kannst unterstützen
Und wirst dabei Dir selber nützen.
Ich setze daher ganz auf Dich,
als meinen Freund und Helferich.
Adrian geht ab, Maurice bleibt alleine im Institutszimmer zurück.
Frederic betritt das Institutszimmer.
Frederic: Nur ungern trete ich so spät noch ein,
Doch er ist weg, Du bist allein,
Da sind wir gänzlich ungestört,
Und Vertrauliches bleibt ungehört.
Maurice: amüsiert
Komm nur herein und schließ die Tür.
Du bist mein Freund, vertraue mir.
