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Ritter Maximilian, kurz Max genannt, ist ein fröhlicher Junge und lebt gut behütet mit seiner Familie auf der Schwanenburg. Diese hat er noch nie verlassen, doch sein Interesse, die Welt zu erkunden, ist groß. Er überzeugt schließlich seinen Vater mit ihm und einem erfahrenen Freund eine Reise zu machen. Die drei machen sich auf, um einer Route zu folgen, die schon Max' Großvater erkundet hat. Diese führt sie zu vielen anderen Burgen und auch zum Meer. Für Max beginnt ein großes Abenteuer, das auch beängstigende Situationen bereithält. Die Reisenden lernen die unterschiedlichsten Menschen, verschiedene Burggemeinschaften und besondere Orte kennen.
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Seitenzahl: 223
Veröffentlichungsjahr: 2026
Impressum
Vorwort
Der kleine Ritter Maximilian
Wie alles anfing
Sophies Vater hat sich in seiner Einschätzung getäuscht
Max sorgt dafür, dass auf der Burg keine Langeweile aufkommt
Der Abenteurer wird in Max geweckt
Die Eltern von Max entschließen sich zu einem mutigen Schritt
Erfahrung und Vertrauen in das Leben sind wichtig für die Reisevorbereitung
Es geht los – die erste Reise für Max
Auf Opas Reiseroute
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Cover
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
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© 2026 novum publishing gmbh
Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt
ISBN Printausgabe: 978-3-7116-0894-9
ISBN e-book: 978-3-7116-0895-6
Lektorat: BA
Umschlagabbildung: Maximilian Pauli
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Maximilian Pauli, https://www.hennesfinest.com/magazin/garen-im-erdofen_1585/
www.novumverlag.com
Die Geschichte von Maximilian, dem kleinen Ritter, der seine Welt erobert, ist über 2 ½ Jahre bei dem kritischsten Zuhörer, den ich haben konnte, meinem Sohn Maximilian, entstanden. Jeden Abend hat er eine Geschichte vorgelesen bekommen – zumindest habe ich es versucht. Eines Abends kam er mit dem Kommentar „Psst, Papa schläft schon …“ die Treppe herunter. Ich musste etwas verändern. Vorlesen hatte oftmals den Papa in den Schlaf gebracht, aber nicht den Sohn. Also begann ich zu erzählen. Es machte mir Freude, Geschichten zu erzählen. Dann nahm alles seinen Lauf – ein Buch vorzulesen, war nicht mehr möglich, die Geschichte musste jeden Abend fortgesetzt werden. Das ging über 2 ½ Jahre, Abend für Abend so. Und jetzt, nach einigen Jahren, hat er mich aufgefordert: Schreib die Geschichte doch aus der Erinnerung auf. Warum eigentlich nicht …
Die Geschichte ist frei erfunden und entwickelte sich jeden Abend. Daher gibt es keinen zeitlichen Bezug, sondern es ist Fantasie gepaart mit ein wenig Lebenserfahrung.
Ach, was schreibe ich: Ritter Maximilian. Der Kerl ist derzeit ein „Dreikäsehoch“, will aber unbedingt Ritter werden. Er sitzt stabil auf seinem Holzpferd und hat mit seinem Holzschwert schon die wildesten Schlachten gewonnen – ein putziges Kerlchen. Er hat darauf bestanden, eine Rüstung zu tragen. Der Schmied in der Burg hatte ein Erbarmen und baute dem Sohn des Burgherrn eine kleine und leichte Rüstung.
Er kann damit zwar kaum aufrecht laufen, geschweige denn auf dem Holzpferd sitzen, aber das ist nicht wichtig, schließlich hat er große Vorbilder. Er ist halt eben auch schon Maximilian der III. Wenn ich jetzt den kompletten Namen ausschreiben würde, dann wären die nächsten beiden Zeilen voll. Wir bleiben also lieber bei Ritter Maximilian.
Die Schwanenburg, auf der er lebt, ist im Besitz seiner Familie. Ritter Maximilian und seine ältere Schwester Sophie sind nun die dritte Generation, die auf der Burg lebt. Den Namen bekam die Burg, weil sie einen langen, schlanken, weißen Turm mit einem kleinen Balkon an der Spitze hat – seine Großmutter taufte sie daraufhin liebevoll Schwanenburg. Richtig, er ist angehender Burgherr, denn er ist der Sohn und somit der Nachkomme des Burgherren Maximilian II. Die Familie hat entschieden, dass die Nachkommen gemeinsam mit dem Ältestenrat der Burg zu gegebener Zeit über die Nachfolge beraten werden. Das hat in der Vergangenheit immer funktioniert, zum Glück waren es immer weise Menschen mit viel Lebenserfahrung. Somit bleibt festzuhalten, dass diese Adligen oder „Blaublüter“ ganz schön fortschrittlich für die damalige Zeit waren. Die Frauen wurden als Nachkommen gleichwertig angesehen wie der Burgherr. Sie sind die heimlichen Berater in der Geschichte.
Maximilian der II. ist der Vater von unserem kleinen Ritter und verheiratet mit seiner Frau Henriette. Weil die vielen Maximilians in der Geschichte verwirrend sind, nennen wir den Vater bei seinem Namen Maximilian und unseren kleineren Ritter einfach Max. Max wurde der Tradition nach Maximilian getauft, seine Schwester trägt den Namen der verstorbenen Großmutter Sophie.
Sophie hat viele Eigenschaften von ihrer Großmutter. Sie ist eine hübsche junge Frau, sehr liebevoll und clever zugleich. Eine gute Kombination.
Eines Abends saßen Max’ Eltern am Kaminfeuer zusammen und unterhielten sich:
„Sag mal, Henriette …“, sagt Maximilian, „was ist eigentlich mit Max los?“
„Was soll mit ihm los sein?“
„Nun ja, er ist anders als die anderen Kinder auf der Burg …“
„Was erwartest du, Maximilian, er ist dein Sohn. Und sei doch ehrlich: Du bist stolz darauf, dass er nicht ist wie alle anderen, oder irre ich?“ Verdammt, da hatte Henriette mal wieder Recht. Es ist anstrengend, kluge Frauen an seiner Seite zu haben, aber alles andere wäre irgendwie langweilig. Wenn Maximilian sich recht erinnerte, war er als kleiner Junge immer wissbegierig … er stellte Fragen über Fragen und irgendwann schickte ihn sein Vater durch die Burg, weil er all seine Fragen nicht beantworten konnte.
So ist es auch bei Max. Er ist bei allen Burgbewohnern bestens bekannt. Wenn Max Fragen hat, besorgt er sich die Antworten selbst. Er geht zum Beispiel zum Schneider oder zum Schreiner, um Antworten zu finden. Dann gibt es noch einige andere Menschen, auf deren Schoß er früher Platz genommen hat und von denen er eine Geschichte erzählt bekam. Das ist so für alle Kinder auf der Burg möglich, denn alle Bewohner haben verstanden, dass sie die Zukunft sind und ohne dieses süße Gewusel es einfach langweilig auf der Burg wäre. Max – und seine Schwester – machen sicherlich sehr intensiv von diesen Möglichkeiten Gebrauch.
Die Familie lebt in der dritten Generation auf dieser Burg. Max’ Großvater war damals unsterblich in eine junge Frau verliebt. Seine Familie war als Adelsgeschlecht nicht sehr gut angesehen. Das konnte aber die Liebe zwischen seiner Frau Sophie und ihm nicht verhindern. Sie trafen sich damals auf einem Ball – eine wunderschöne Veranstaltung. Sophie war Maximilian I. sofort aufgefallen. Sie hob sich von allen anderen Frauen durch ihre liebevolle Ausstrahlung, ihre positive und natürliche Art ab. Für ihn war sie einfach die schönste Frau im Saal. Er zögerte nicht und forderte sie zum Tanz auf. Die beiden fühlten eine tiefe Verbindung, so, als ob sie schon immer bestanden hätte. Dem Großvater war klar: Diese Frau oder keine. Er war bereit, für diese Liebe zu kämpfen.
Die Eltern von Maximilian I. versuchten, diese Liebe auseinanderzubringen. Maximilian erfuhr eine strenge Ausbildung, um keine Gelegenheit zu haben, Sophie wiederzusehen. Das machte ihn unglücklich. Eines Tages konnte er die Sehnsucht nach Sophie nicht weiter ertragen. Er lebte von einem Tag in den anderen und in ihm reifte immer mehr die Erkenntnis, dass er sich auf den Weg zu Sophie machen musste, bevor es ein anderer tat. Er traf langsam die Vorbereitungen für seine Reise. Das gab ihm neue Kraft und Lebensfreude für jeden Tag. Er wollte einfach nicht mehr ohne Sophie leben, sondern einen Menschen an seiner Seite haben, mit dem er sein Leben in Freude, Leid und Glück teilen konnte. Er bereitete tagsüber sein Pferd vor. Maximilian packte in eine große Ledersatteltasche die ihm wichtigsten Begleiter ein: einige Goldstücke, eine Decke, Verpflegung für sein Pferd und ihn für mindestens zwei Tage. Seinen Talisman, den er als kleiner Junge von der Kräuterfrau erhalten hatte, trug er immer bei sich. Es war ein Lederband, an dem auf einem kleinen Holzanhänger ein Adler aufgemalt war. Sie sagte damals zu ihm: „Das ist dein Krafttier! Sieh zu, dass du frei wirst, damit du frei fliegen und deine Kraft entfalten kannst.“
Das hatte er nie vergessen. Die Kräuterfrau war seine Begleiterin, die immer einen weisen Rat für ihn hatte. Er war oft in ihrem Häuschen. Dort verströmten die getrockneten Pflanzen und Kräuter einen besonderen Duft, den er sehr genoss. An diesem Ort durfte er sein, wie er war. Sie schenkte ihm ihre Liebe, denn sie hatte nicht das Glück erfahren, eine Familie gründen zu können. Während dieser Zeit lernte er sehr viel über die Kräfte der Natur. Als er sich dazu entschlossen hatte die Reise anzutreten, schob er ihr einen Zettel unter der Tür durch mit der Aufschrift: „Vielen Dank für alles, was du für mich getan hast. Der Adler nimmt jetzt Flugstunden …“. Das war der einzige Weg für ihn, sich von ihr zu verabschieden. Er wusste, dass er anders nicht die Kraft gehabt hätte, und ihm war bewusst, dass der Abschied für eine längere Zeit war. Er schaute nach vorne, sah seine Zukunft mit Sophie vor sich und damit wusste er, dass seine Entscheidung, die Burg zu verlassen, richtig war.
Er wartete geduldig im Stall, bis alle Burgbewohner wieder zurück auf der Burg waren. Damit der Hufschlag nicht zu laut war, zog er seinem Pferd kleine Säcke über die Hufe. Als die Dämmerung hereinbrach, kurz bevor das Burgtor geschlossen wurde und während des Wachwechsels, ritt er mit einem schwarzen Umhang bekleidet in die Dämmerung. Maximilian ritt, so schnell er konnte und so leise, wie noch nie ein Pferd die Burg verlassen hatte. Er musste möglichst schnell und unbemerkt in den nahegelegenen Wald kommen. Sein Umhang wehte im Wind und er fühlte sich das erste Mal in seinem Leben frei. Der Mond schien hell und wies ihm den Weg.
Im Wald angekommen, tauchte er in ihn ein. Unbemerkt hatte er die Burg verlassen. Als der Schrei eines Adlers ertönte, bekam er eine Gänsehaut. Er dachte an seinen Glücksbringer und wusste, dass er auf dem richtigen Weg war. Sein Herz pochte vor Aufregung, er verspürte keine Müdigkeit und ritt die ganze Nacht hindurch. An einem Flusslauf machte er Halt und gönnte sich und dem Pferd eine Pause. Der Mond spiegelte sich im klaren, erfrischenden Wasser. Er schaute in den Fluss und sah sein Spiegelbild – ja, dachte er, du wirst Sophie erobern und deinen Lebensweg gehen!
Der Mond leuchtete seinen Weg aus und begleitete ihn durch die Nacht. Nichts konnte ihn mehr aufhalten. In der Morgendämmerung gönnte er sich eine weitere kurze Pause. Bei einer Rast zum Frühstück in einem Gasthof am Wegesrand wollte Maximilian ein wenig Ruhe finden. Er stand in der Morgensonne und trank einen Kaffee und genoss dazu frisches Gebäck. Es schmeckte wunderbar. Sein Pferd erholte sich an der Tränke und kaute dazu frisches Heu. Von diesem Punkt aus hatten sie beide eine schwierige Strecke vor sich, die die volle Konzentration des Reiters und ein fittes Pferd erforderte. Maximilian hörte ein lautes Lachen, drehte sich um und schaute durch das Fenster in den Gastraum. Er erschrak: Stand da im Gastraum der Händler seiner Heimatburg, der dort die Waren anpries? Er schien auf dem Weg zu Maximilian’s Burg zu sein. Damit war es für Maximilian Zeit sofort aufzubrechen. Der dicke Händler erzählte immer gerne Geschichten, damit die Leute bei ihm kauften. Maximilian wollte unbemerkt bleiben und verhindern, dass er eine Geschichte über ihn verbreitete. Spätestens in zwei Stunden würden seine Eltern bemerken, dass er nicht auf der Burg war. Seine Route sollte unbekannt bleiben und der Händler würde keine Gelegenheit auslassen, über ihn zu tratschen. Er bezahlte, stellte die leere Tasse an der Tür ab und verabschiedete sich kurz. Sein Pferd war gut versorgt worden und so machten sich die beiden frisch gestärkt auf den Weg.
Am Abend wollte Maximilian bis zu einem Holzschuppen kommen, der etwas versteckt in der Nähe seiner Route lag. Dort gab es einen Bachlauf, eine saftige Wiese für das Pferd und die Möglichkeit, einige Stunden in Ruhe zu schlafen. Als die Sonne unterging erreichte er sehr erschöpft sein Ziel. In der eintretenden Dämmerung tranken die beiden das frische Quellwasser des Baches und genossen die Ruhe. Vor dem Holzschuppen machte er ein kleines Feuer. Er saß noch eine Weile dort, bis er sein Nachtlager einrichtete. In dem Schuppen lag noch etwas Stroh, welches er zu einer warmen Unterlage schichtete. Eingehüllt in seine Decke machte er es sich gemütlich. In der klaren Nacht war das letzte Bild, das er bevor er einschlief sah, ein Adler, der über diesem Platz kreiste. Er dachte kurz an die Kräuterfrau, die Kette mit seinem Talisman, dem Adleranhänger und dass sie ihm dazu gesagt hatte, dass sein Krafttier ihn in die Freiheit bringen würde. Der Mond und der Adler waren bei ihm, mit diesem Bild tauchte er in einen tiefen Schlaf ein.
Von Sonnenstrahlen und einem energisch zwitschernden Vögelchen wurde er geweckt. Der Morgentau war auf der Wiese, ein leichter Nebel lag über dem Bach. Die frühen Sonnenstrahlen vertrieben schnell den Dunst und ein schöner Tag brach an. Das morgendliche Bad im Bachlauf erfrischte ihn und er war voller Energie, um seine Reise fortzusetzen. Die Natur zeigte sich von ihrer schönsten Seite, als er mit seinem Pferd im leichten Galopp durch die Morgensonne ritt. Die Vögel zwitscherten. Er kam gut vorwärts, schaute nicht rechts und links, weil er auf sein Ziel fokussiert war. Dabei merkte er nicht, wie schnell er vorwärtskam und vergaß, eine weitere Pause zu machen. Zur Mittagszeit kam er völlig erschöpft an der Burg von Sophie an. Er verspürte ein Glücksgefühl und eine tiefe Sorge zugleich. Sein Herz schlug schneller. Er war überglücklich, das Ziel erreicht zu haben. Ihm schoss der Gedanke durch den Kopf: Was aber, wenn Sophie nicht da wäre, er sie nicht finden würde oder sie sich vielleicht verliebt hat?
Aus den Erzählungen von Sophie wusste er, dass sie an sonnigen Tagen am liebsten außerhalb der Burg am Flusslauf an der alten Buche saß. Es gab einen breiten Weg, der zu der Burg führte. Es herrschte reges Treiben. Ein paar Kühe standen vor dem Gebäude auf der Weide. Auf den Wiesen wurde schon das Heu gemacht und auf Karren verladen, damit es vor dem nächsten Regen trocken in der Burg war. Die Menschen nahmen Maximilian wahr. Sie machten einen freundlichen Eindruck.
Er stoppte sein Pferd und suchte das Gelände rund um die Burg nach dem Platz ab, der auf Sophies Beschreibung passte. Vor der Burg konnte er den kleinen Flusslauf entdecken. Die Burg konnte über eine Zugbrücke, die unerwünschte Besucher aufhalten sollte, erreicht werden. Von seinem Standort aus konnte sein Blick dem Flusslauf folgen. Er entdeckte eine Baumgruppe und konnte nicht glauben, was er sah – Sophie saß singend am Flussufer und badete ihre Füße. Sie war noch hübscher, als er sie in Erinnerung hatte. Sein Herz schlug so schnell, dass es fast schmerzte. Er hatte Mühe, nicht vom Pferd zu fallen – er war überwältigt von seinen Gefühlen. Er war angekommen. Sophie saß mehr oder weniger direkt vor ihm. Er konnte es nicht glauben. Er war aufgeregt und fragte sich, wie sie wohl reagieren würde, wenn sie ihn sah.
Wie von Zauberhand schlug sein Pferd die richtige Richtung ein. Sophie hörte die Tritte der Hufe und drehte sich um – sie erschrak vor der finsteren Gestalt. Maximilian verstand ihre Reaktion nicht, bis er merkte, dass er noch immer den dunklen Umhang mit Kapuze trug, in dem er die Burg verlassen hatte. Erst als Maximilian die Kapuze abzog, strahlten ihre Augen. Maximilian sprang vom Pferd und beide lagen sich weinend vor Glück in den Armen. Von da an nahm alles seinen Lauf. Die Liebe zwischen den beiden hatte gewonnen! Sie waren überwältigt. Und doch stieß Sophie Maximilian zurück. Er wusste nicht, was das bedeuten sollte. „Wir müssen vorsichtig sein, es sollte uns niemand zusammen sehen.“ Nun hatte Sophie jedoch eine große Herausforderung vor sich – ihre Eltern wollten die Liebe zwischen Maximilian und ihr ebenso verhindern wie Maximilians Eltern. In ihrem Kopf rasten die Gedanken – Glück und Sorge zugleich. Zuerst einmal musste sie überlegen, wo Maximilian bleiben konnte. Sie musste ein gutes Versteck finden, damit der Besuch unbemerkt blieb. In der Burg war das nicht möglich. Das wäre viel zu gefährlich. Es blieb ihnen nicht viel Zeit, vor der Burg verweilten zu dieser Zeit zu viele Menschen. Besucher waren selten und blieben nicht lange unbemerkt. Sophie hatte eine Idee.
Sie gingen gemeinsam zu einem nahegelegenen kleinen Bauernhaus. Die Bäuerin war so etwas wie eine Großmutter für Sophie – eine zweite oder ihre wirkliche Heimat. Der kleine Hof war immer ein sicherer Zufluchtsort, wenn das Burgleben zu stressig war. Als die beiden den Hof betraten, brauchte Sophie nichts mehr zu sagen. „An deinen strahlenden Augen sehe ich, dass er endlich gekommen ist. Du brauchst mir nichts zu erklären, er wird sich bei uns wie zu Hause fühlen.“, empfing die Bäuerin die beiden. Sie nahm Maximilian ohne Zögern auf. Sie sah die Liebe und die intensive Verbindung zwischen den beiden. Sophie musste jetzt schnell zurück in die Burg. Maximilian wusste nicht so recht, wie ihm geschah. Die Bäuerin hatte er schnell ins Herz geschlossen. Sie zeigte ihm das Haus und bot ihm an, erst einmal anzukommen. Er nahm ein Bad und konnte sich im Anschluss stärken. Das Essen schaufelte er in sich hinein, so einen riesigen Hunger hatte er. Die Anspannung ließ langsam nach. Er hatte Sophie gefunden und scheinbar noch zur richtigen Zeit. Müde legte er sich nach dem Essen hin. Kurz darauf fiel er in einen tiefen, in Liebe gehüllten Schlaf. Um sein Pferd kümmerte sich der Bauer. Vom ersten Moment an fühlte er sich geborgen. Die Familie war sehr herzlich. Maximilian fiel es leicht sich zu integrieren.
Sophie wusste nicht so richtig, wie sie es anstellen sollte, ihren Eltern von der Verbindung mit Maximilian zu erzählen. Wie sollte sie erklären, dass er jetzt da war und sie gemeinsam ihr Leben verbringen möchten?
Sie sahen sich jeden Tag auf dem Bauernhof. Maximilian lernte derweil den Beruf des Landwirtes. Im Garten gab es einen herrlichen Pavillon, der dicht zugewachsen war. Sobald ein Besucher aus der Burg kam, wurden die beiden gewarnt und sie hatten genug Möglichkeiten, unentdeckt zu bleiben. Sie erzählten sich in der Geborgenheit des Bauernhofes ihr Leben. Es dauerte nicht lange, da wollte Sophie dieses Versteckspiel nicht mehr. Sie liebte Maximilian. Das wollte sie öffentlich zeigen und mitteilen können.
Ein gemeinsames Leben unter einem Dach, das war der Wunsch der beiden. Sophie kam zurück zur Burg und bat noch am gleichen Abend um ein Gespräch mit ihren Eltern. „Lasst mich bitte frei. Wenn ihr mich wirklich liebt, lasst ihr mich mit Maximilian gehen. Ich liebe ihn von ganzem Herzen. Ich möchte mit ihm leben und wir wollen uns gemeinsam ein eigenes Leben aufbauen.“ Die Eltern waren empört. Das war eine große Überraschung. Nein, dachten die Eltern, dieser junge Mann sollte nicht ihre Tochter heiraten. Sie wollten eine andere Verbindung für Sophie und daher die Beziehung zu Maximilian unbedingt unterbinden. Der Vater wollte entscheiden, wer seine Tochter zur Frau nahm. In Zorn und Wut schickte er sie in ihr Gemach und postierte eine Wache vor der Zimmertür. Sophie war aufgelöst und weinte die ganze Nacht. Es gab eine lange Diskussion zwischen den Eltern.
Sophie wollte nicht mehr warten und sprach erneut mit ihrer Mutter, von der sie sich ein Einsehen erhoffte. „Ich möchte die Liebe leben und werde sie leben, daran kann mich niemand hindern. Lasst uns bitte die Chance.“ Und wieder schickten die Eltern Sophie in ihr Zimmer. Sie diskutierten bis tief in die Nacht. Ihr Vater war nicht bereit, seine Tochter dem Nachkommen einer Familie, mit so schlechtem Ruf, herzugeben. Doch die Liebe der Mutter zu ihrer Tochter siegte. Sie hielt ihren Mann davon ab, nach Maximilian zu suchen, ihn zur Rede zu stellen und regelte, was nötig war. Sie sorgte dafür, dass ihre Tochter ihre Liebe leben konnte, ein gutes Auskommen hatte und dass Sophie ihr eigenes Leben beginnen konnte. Der Vater aber pflegte seinen Groll. Sophie war für ihn einfach nur anstrengend. Er kam nicht mit dem Gedanken klar, dass ein Kind erwachsen wird und einen eigenen Weg gehen will. Widerwillig gab er Sophie frei. Er war davon überzeugt, dass sie schon sehr bald wieder am Tor anklopfen und um Hilfe flehen würde, weil der Nichtsnutz nicht in der Lage war, für sie zu sorgen. Dann würde seine Frau einsehen, dass er die Lage richtig eingeschätzt hatte. So kam es, dass Sophie und Maximilian frei waren und in ihr Leben starten konnten.
Von der Mutter bekam Sophie eine Art Hochzeitsmitgift. Ein paar Goldstücke, eine Kette der Familie, etwas Tischwäsche und ein Silberbesteck. Ihre Mutter nahm Sophie in den Arm, es liefen ihr die Tränen und sie wünschte ihrer Tochter viel Glück.
Maximilian und Sophie konnten ihr Glück kaum fassen. Ab diesem Tag lebten sie in Freiheit auf dem Bauernhof. Die Bauernfamilie teilte mit den beiden das Glück. Die beiden schmiedeten einen Plan, wie sie sich ihr Leben aufbauen wollten.
Am nächsten Morgen kam der Bauer zum Frühstückstisch. Die beiden strahlten. „Maximilian, du bist ein toller Bursche. In der kurzen Zeit, die wir uns kennen, bist du für mich wie ein Sohn geworden. Du weißt, dass meine Frau und ich leider keine Kinder empfangen konnten. Ihr beiden seid so etwas wie unsere Kinder. Wenn du anwendest, was du bei mir gelernt hast, werdet ihr nie verhungern. Das Einzige, was ihr beide jetzt benötigt, ist etwas Land.“ Er übergab den beiden eine Rolle Papier mit einem dicken roten Siegel darauf. „Dies ist unser Geschenk für einen guten Start in euer Leben. Meiner Familie gehört, etwa zwei Tagesritte entfernt, ein alter Hof. Er ist heute wahrscheinlich zerfallen und die Natur wird sich ihren Weg gesucht haben. Um den Hof herum gibt es fruchtbares Land, den Wald und einen Bachlauf. Das Land bietet dort alles, was ihr benötigt. Neben dem Grundstück mit dem Hof schenken wir euch für den Start die wichtigsten Pflanzensetzlinge, ein paar Hühner, vier Ferkel und Werkzeuge. Wir reparieren die kleine Kutsche, die könnt ihr mitnehmen. Darauf werden wir alles irgendwie verstauen können. Wenn ihr mit dem Proviant sorgsam umgeht, könnt ihr davon eine Zeit leben. Es ist nicht viel, aber vielleicht ist dies ein Grundstein für euch. Passt auf euch auf, ihr habt bei uns beiden einen Platz im Herzen. Wenn der Plan nicht aufgeht, könnt ihr immer wieder hierher zurückkehren.“ Für alle an diesem Tisch war dies ein sehr emotionaler und bewegender Moment. Sie waren so glücklich und dankbar für die Großzügigkeit der Bauernfamilie. Die beiden spürten jedoch, dass es jetzt auch Zeit war, aufzubrechen und Abschied zu nehmen.
Von nun an konnten sie ihr gemeinsames Leben selbst gestalten und aufbauen. Sie hätten nie damit gerechnet, eine solche Chance zu bekommen. Es ging jetzt alles sehr schnell, sie wollten keine Zeit verlieren. Die Bauern schauten ihnen nach, freuten sich für die beiden und hatten Tränen in den Augen.
Der Wegbeschreibung folgend kamen sie wie angekündigt nach fast zwei Tagen an einen kleinen, verlassenen Hof. Mit der Beschreibung in der Urkunde war es einfach, den Platz zu finden und sie waren sich sicher, am richtigen Ort zu sein. Glücklich, aber müde, bereiteten sie einen Platz für ihre erste Nacht vor.
Am kommenden Morgen erkundeten sie die Gegend. Dabei entdeckten sie das Dorf, von dem der Bauer gesprochen hatte. Da musste dann auch der alte Fritz leben, dem sie die Besitzurkunde zeigen und die schönen Grüße bestellen sollten.
Der kleine, verlassene Hof, die Mitgift der Mutter und der Inhalt von Maximilian’s Satteltaschen waren ihr Grundstein für die Zukunft. Sie waren so glücklich und nahmen ihr gemeinsames Leben in die Hand. Maximilian und Sophie zögerten nicht und heirateten in der Woche nach ihrer Ankunft in einer kleinen Kapelle oben auf dem Berg. Der Pfarrer versprach ihnen, diese Trauung zunächst einmal für sich zu behalten. Mit der Hochzeit trennten die beiden sich von ihren Familien, die ihre Verbindung nicht wollten und gründeten ihre Familie. Voll Zuversicht und Liebe starteten sie in ihr gemeinsames Leben.
Sophie und Maximilian wollten bewusst neue Wege gehen und die starren Denkweisen, die ihre Elternhäuser gepflegt hatten, ablegen. Auf dem Bauernhof hatten sie viel Zeit zu reden und erzählten sich gegenseitig ihr Leben. Jetzt setzten sie um, was sie sich vorgenommen hatten. Mit ihrer Lebensenergie starteten die beiden fröhlich in den neuen Tag, arbeiteten an ihrem Hof und schmiedeten bis tief in die Nacht Pläne für ihr gemeinsames Leben.
