Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Als frischgebackene Katzeneltern fragt man sich so allerhand. Wozu klaut der Kater die Eierschalen? Warum schubst er so gern Dinge vom Tisch? Wer hat den Streit zwischen ihm und der Küchenrolle eigentlich angefangen? Und wie kommt seine Katzenmama eigentlich auf den Kleiderschrank? Katzen, das wurde der Autorin und Neu-Dosenöffnerin Sandra Elgaß im Zusammenleben mit der scheuen Emily und ihrem forschen Sohn Gobbolino schnell klar, kann man eigentlich gar nicht wirklich voll umfänglich verstehen. Doch solange Katzen nicht unsere Sprache sprechen und wir ihre jedenfalls nicht akzentfrei, bleibt die fahrlässige Interpretation das Mittel der Wahl in der Mensch-Katze-Kommunikation. Und was dabei rauskommt, wenn man diese Technik konsequent im Alltag mit den neuen Miezbewohnern anwendet, ist wirklich zum Schreien komisch. Am Ende bleibt dann nur eine letzte Frage offen: Warum, ja warum, kriegen diese Katzen eigentlich trotz allem doch immer von uns, was sie wollen? Autorin Sandra Elgaß verarbeitete ihre kuriosen Erlebnisse als frischgebackene Katzenmama zwei Jahre lang wöchentlich in einer großen Regionalzeitung. Die ganze Wahrheit über das Leben mit Katzen in 91 heiteren Kolumnen und 22 Farbfotos aus dem echten Stubentigerleben.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 221
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Für Mama, Papa und den besten Typen überhaupt. Ohne euch wär das alles doch nix!
Vorwort: Auf die Katz' gekommen
Tiere machen die Seele fluffig
Wenn, dann Katzen!
Katzen sind korrupt
Katzenmöbel und Möbel für Katzen
Konfusion ums Katzenklo
Zwei Seelen – ach! – in Emmis Brust
So stellt man den Katzenwecker
Wir haben die Kontrolle. Nicht
„Seid ihr glückliche Katzen?“
Namen für die Katz'
Die Entdeckung der Beinsamkeit
Sprechen Sie, Katze!
Fressen oder nicht fressen
Wo ist die Katz'?
Katzenklo-Sisyphos
Echte Spielertypen
Der Wohnungswald
Der unsichtbare Eierdieb
Fünf irre Minuten
Der „Ohrenmann“
Tatz-Sachen-Bericht
Der Technikater
Tierischer Regentanz
Der Rauken-Rabauke
Drogen und Spiele
Auf Derridas Spuren
Kätzischer Komparativ
Stubentigers Schandtat(en)
Cat in the Box
Mag Mieze uns?!
Nicht-Party-Miezen?
Miez-Management für Minderjährige
Partylö… – äh – kater
Ein echter Katzenkrimi
Miez-Tours empfiehlt: Zuhause bleiben
Sabotiertes Packen
Mein Reisetagebuch
Beleidigte Katzen-Leberwürste?
Der Tasta#jkdfsvefjhvf%kater
Der beschuhte Kater
Problem? Gedöst!
Dingeschubsen
Bügelbrettflaneure
Schwarze Katzenhorrorshow
Dr. Schnurr rät
Phantomkatzeritis
Tuchtanz à la Gobbolino
Interview mit einem Katztier
Oh Tannenmaunz
Miezmultitasking
Still(er)e Nacht
Leise rieselt der Pelz
Parlez-vous Katzais?
Copy-Cat
Miezen: „Unerhört!“
Fräulein Emmis Gespür für Schnee
Die Pipigate-Affäre
Ermittlungen im Fall Pipigate
Der Umfall-Bericht
Katzen an die Macht
Der Schmuseruf
Die Miezgrantin
Die 3-Katzen-Oper
Gobbolinos Reisen
Die Kostverächter I
Die Kostverächter II
Der Abwickler
Klicken die eigentlich ganz richtig?
Die klicken doch nicht ganz richtig!
Der Krisen-Stab
Heiße Miezen unterm heißen Blechdach
Der Miezmob hält dicht
Mein Steuerbekater
Wach! Jetzt! Auf!
Klänge für die Katz'
Stiftung Katzentest
Pelztierpädagogik
Für eine Handvoll Leckerlis mehr
Vorsprung durch Kraultechnik
Gobbos Tagebuch
Mamis wissen's halt
Die Bettelprinzessin
Kätzchen-Sätzchen
Es hat endlich geklickert!
Miezfernweh
Weniger Wuff, mehr Klassik!
Spaghetti Katzonara
Wahlfieber – Emilys Programm
Wahlfieber – Gobbos Programm
Katzen-Karrieristen
Sie sind schon unter uns!
Nachwort
Gestatten, mein Name ist Sandra Elgaß, und ich bin auf die Katz' gekommen. Genauer genommen auf die Katzen, zwei an der Zahl: den süßen Fratz da oben – ich darf vorstellen: Gobbolino – und seine Mutter Emily. Zwei Jahre lang schilderte ich für eine Regionalzeitung in einer wöchentlichen Kolumne die Erlebnisse mit unseren beiden Miezbewohnern. Da sind einige Geschichten zusammengekommen, die ich hier in überarbeiteter Form noch einmal gesammelt veröffentlichen möchte, ergänzt um die besten Schnappschüsse unserer Fellnasen, von denen es übrigens noch mehr auf meinem Instagram-Kanal gibt. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit und freue mich über Ihr Feedback!
Lange ging ich schwanger, bevor der kleine schwarze Kater Gobbolino und seine Mama Emily zu uns stießen – schwanger mit dem Gefühl, dass ich mehr Tier im Leben brauche.
Die Ursachen liegen lange zurück – in meiner Kindheit. Einen Teil davon verbrachte ich in einem kleinen 300-Seelen-Dorf in Baden-Württemberg. Gefühlt 297 der 300 Einwohner des Dorfes waren Bauern, die Hälfte der Gebäude in dem Dorf waren Bauernhöfe mit kleinen Ställen, klappernden Scheunen und knarzenden Holzschuppen. Ein Duft von Hagebutten und der typischen Mischung aus Schweiß, Jauche, verlorenen Federn und Fellbüscheln nach dem nächtlichen Katzenkampf wehte sommermorgens über die Glitzerbeton-Hofeinfahrten. Einige Schritte weiter fing der Beton an zu bröckeln und ging dann in einen schotterigen Untergrund zwischen den Bauerngebäuden über, auf dem die Hofkatzen faul in der Sonne dösten und die jeweiligen Hofhühner herumflatterten, Körner pickten oder im Staub badeten.
Als ich also fünf Jahre jung war, gab es nichts Schöneres für mich, als Kettcar-tretend die Bauernhoftiere zu besuchen. Weil ich außerdem leider Einzelkind bleiben würde, beschlossen meine Eltern, mir früh ein paar tierische Gefährten zur Seite zu stellen. Seit ich zwei Jahre alt war, begleitete mich Vita, eine treue Neufundländerin mit wuschelig braunem Fell, einer neugierigen Hundenase und unverwechselbarem Rennstil – immer mit dem Hintern knapp über dem Boden. Nach unserem Umzug ins Dorf kam das Katzengeschwisterpärchen Blacky und Whiskey dazu, er gelbäugig, schwarz, verschmust und mit weißer Blässe an der Pfote, sie wild, eigen und bunt gescheckt, mit grünen Augen und rosa Stupsnase. Weil unsere Hundedame die beiden adoptiert hatte, sprachen sie Hundesprache, besonders Blacky. Der lief beim Gassigehen mit fröhlich wedelndem Schwanz neben Vita und mir her, setzte zum Befehl „Such Platz für großes Gassi“ brav sein Häufchen auf die Blumenwiese neben die alte Eiche. Anschließend machte er Sitz, um sich dafür sein Hundeleckerchen abzuholen.
Während des Studiums war an Haustiere nicht zu denken. Doch mit dem Berufseinstieg ging es los: Immer öfter zog es mich in den Zoo oder ins Wildfreigehege, stürzte mich auf die Tiere von Fremden und Freunden. So auch auf die junge Katzenmama Emily und ihre drei tapsigen fünf Wochen alten Kitten, die von der örtlichen Katzenhilfe zur Pflege bei einer Kollegin untergebracht waren.
Tja, und so habe ich mich in die schwarze Bande verliebt. „Tiere machen die Seele fluffig“, erklärte ich meinem Liebsten, den ich hier in Reminiszenz an Ephraim Kishons „beste Ehefrau von allen“ künftig als „besten Typen überhaupt“ bezeichnen werde. Und als bester Typ überhaupt sah er das natürlich ein. So nahmen wir Emily und ihren Sohn Gobbolino bei uns auf. Und was wir alles zusammen erlebten, das will ich Ihnen erzählen.
Von meiner Tier-Vorgeschichte unterscheidet sich die von meinem Liebsten, dem besten Typen überhaupt, schon etwas.
Als er acht Jahre alt war, führten seine Eltern einen schwarzen Jagdhund namens Berry zur Haustür herein. Als der damals beste kleine Junge überhaupt den riesigen Schatten des Hundes gewahrte, lief er so schnell er konnte ins Wohnzimmer und rettete sich auf den Esstisch. Nur einen Wimpernschlag später umkreiste Berry bellend den Tisch. Meinem Liebsten war sofort klar, dass er und Berry keine Freunde werden würden. Nicht nur ihm machte der große, schwarze Hund Angst. Seine Grundschulfreunde trauten sich nicht mehr, ihn morgens abzuholen. Seine kleine, hundenärrische Schwester hingegen ließ sich furchtlos von Berry durchs Viertel schleifen. Seine beste Erinnerung an die Zeit mit Berry, sagt er heute mit glänzenden Augen, war „die Rache mit der Trompete!“.
Und das begab sich so: Frisch an der Musikschule angemeldet, durfte er regelmäßig ein Instrument kennenlernen und nach Hause ausleihen. Für das Trompetenspiel brachte er wenig Talent mit, das war schnell klar. Eine Woche lang kriegte er keinen Ton aus dem Teil heraus. Irgendwann in der zweiten Woche löste sich aber einer. Der war alles andere als schön, machte aber mächtig Eindruck auf Berry. Diesen Triumph kostete der beste Typ überhaupt aus. Auf der fünften Stufe der offenen Holztreppe sitzend – so weit traute sich Berry die glatten Stiegen nicht hinauf –, empfand er diebische Freude daran, so laut zu tröten, wie er konnte. Wirklich bestertypmäßig nett war das nicht. Aber irgendwie hat er das wohl gebraucht. Weil Berry seinen Bewegungsdrang in dem kleinen Garten nicht befriedigend ausleben konnte und mein damals künftiger Liebster Angst vor ihm hatte, führten seine Eltern den Hund bald wieder für immer aus der Tür hinaus. Für Berry gab es übrigens auch ein glückliches Ende: Er konnte bei einem Jäger endlich die Aufgabe erfüllen, für die er bestimmt war.
Seine Schwester kaufte sich später einen eigenen Hund, der den besten Typen überhaupt erst aus unerfindlichen Gründen nicht leiden konnte, nach ein paar Jahren mochte er ihn aus ebenso unerfindlichen Gründen dann doch. Auch mit den zwei großen schwarzen Neufundländern meiner Eltern verstand sich der beste Typ überhaupt überraschend gut. Als wir sie das erste Mal zusammen besuchten, hatte er, obwohl mittlerweile selbst hochgewachsen, ein wenig Bammel vor den großen Tieren, die mit aus dem schwarzen Fell freudig hervorblitzenden, bernsteinfarbenen Augen zur Begrüßung an ihm hochsprangen. Aber er merkte schnell, wie schön es ist, wenn sie ihn morgens am Fuß der Treppe freudig warten und sich beim Kraulen vertrauensvoll an ihn lehnen.
Das Einzige, vor dem ihm manchmal mulmig ist, ist der Tick der beiden, nackte Füße ausgiebig abzuschlecken. Er ist nämlich kitzelig. Ein eigener Hund erschien ihm aber mit unserem Lebensstil nicht zu vereinbaren. Und so sagte er zu mir, die damals zwischen Hund und Katze schwankte: „Wenn, dann Katzen.“
Bis unsere zwei Mitbewohner, Gobbolino, zu dem Zeitpunkt zarte elf Wochen alt, und seine Mama Emily, zirka anderthalb Jahre alt, zu uns zogen, hatten wir die vierköpfige Familie oft in der Pflegestelle besucht. Die Kleinen tollten – winzig, tollpatschig, uns mit (noch) blauen Augen neugierig musternd – um unsere Füße, während Emily uns mit ihren riesigen grünen Augen skeptisch aus einer Ecke des Raumes beobachtete. Nach ein paar Besuchen hopste sie aber bereits auf uns zu, sobald wir eintraten. Nicht weil sie uns immer mehr mochte, so gern ich das behaupten würde. Es lag daran, dass wir sie knallhart bestochen haben.
Mit Katzensnacks. Jenen, die laut Werbung außen knusprig und innen cremig sind. Im Werbespot knistert Frauchen mit der Verpackung, woraufhin der Kater im Garten alles stehen und liegen lässt, zum Ort der Snackverkostung rast, die Katzenklappe ignoriert, durch die Mauer ins Wohnzimmer brettert und in selbiger ein katergroßes Loch hinterlässt. Emily holte sich bei unseren Besuchen die Snacks trotz Scheu direkt aus unseren Händen und beehrte uns dann und wann sogar mit einer Pfote auf dem Knie. Zwar zog sie sich zum Verspeisen der Köstlichkeit stets wieder zurück, tappte aber beim nächsten Rascheln wieder zu uns. Der Tütenrascheltrick funktionierte. Zuverlässig. Katzen sind einfach hoffnungslos korrupt!
Und dann, am Einzugstag, stellte Emilys und Gobbolinos Betreuerin den Transportkorb auf den Boden im Wohnzimmer und öffnete die Gittertür. Auf der Couchlehne sitzend, beobachtete ich gespannt das Korbprofil. Nach ein paar Sekunden erschien ein schwarzes Babykatzennäschen mit neugierig zuckenden Schnurrhaaren, dann zwei goldige Augen, zwei winzige Öhrchen – und schon war der kleine Gobbolino aus der Kiste. Einige Sekunden später erschien Emily auf dem Spielfeld. Mit einem Satz hopste sie aus dem Korb und landete neben Gobbolino, sah sich panisch um, gab ein energisches „Prrrrt“ in Gobbos Richtung von sich, rannte durch den Flur ins Gästezimmer, wühlte sich in den Bettkasten der Gästecouch – und ward sodann nicht mehr gesehen. Gobbolino gehorchte seiner Mama und tapste erst mal hinterher. Zwei schüchterne Tage lang sah ich die Miezen wenig – trotz Bestechungsversuchen. Gobbolino wankte zwar ab und an neugierig im Gästezimmer umher, Emmi aber ließ sich nicht blicken. Nach zwei Tagen quittierte Emmi mit einem Schnurren, wenn ich sie – flach auf dem Boden ausgestreckt und den Arm zur Hälfte im Bettkasten der Gästecouch versenkt – in ihrem Versteck mit Snacks versorgte. Nach zwei weiteren Tagen machte Emmi für einen kleinen Snack sogar kurze Ausflüge ins Wohnzimmer. Einen weiteren Tag später gehörte ihr die Wohnung. Aber der Raschelalarm funktionierte wieder!
Leider lag der beste Typ überhaupt in dieser ersten Miezwoche im Krankenhaus. Weil ich so abends niemanden zum Reden hatte, redete ich mit Emily – mir selbst rede ich ein, dass ich ihr so das Einleben ins neue Revier vielleicht ein bisschen erleichtert habe. Oder es waren doch die Katzensnacks.
Wer das Leben mit Katzen teilt, lernt, dass es ab Einzug der Miezen zwei Sorten Möbel gibt. Zum einen Katzenmöbel, die vorab eigens für die Katzen gekauft wurden. Dazu gehören der Kratzbaum, das Katzenklo, Näpfe, die Hängematte, Rascheltunnel und Höhlenmöbel zum Verstecken. Zum anderen gibt es Möbel für Katzen – das sind im Prinzip alle anderen Möbel, die es in der Wohnung gibt.
Als Gobbolino und Emily ihr Revier begutachteten, beäugten sie die liebevoll gestellten Katzenmöbel skeptisch: „Was soll das?!“ Ich erklärte den beiden: „Das sind eure Plätze!“ Darauf sagten die beiden: „Öhm. Nö, danke. Die suchen wir uns selbst aus.“ Und das machten sie dann auch. Und erklärten einfach sämtliche Möbel zu ihrem Eigentum. Die kunststoffgepolsterten Rückenlehnen der Esstischstühle zum Beispiel eignen sich offenbar perfekt dazu, mit darin versenkten Krallen nach oben zu klettern und dann, auf der Kante balancierend, die eigene Leistung miauend kundzutun. Naja, die Stühle waren sowieso nicht für die Ewigkeit gedacht. Und das Lochmuster verkaufen wir jetzt eben als „Shabby Chic“. Oder der Basslautsprecher: „Prima zum Krallenwetzen“, fanden die Miezen. „Bitte nicht!“, protestierten wir. „Was wollt ihr dagegen machen?“, entgegneten die beiden. Und damit war auch das Thema erst mal erledigt.
Nach diesem Etappensieg unserer Miezen fuhren wir stärkere Geschütze auf. Sie heißen Katzenminze, Leckerli und Wohlfühlspray. Katzenminze animiert zum Krallenwetzen – also rieben wir alle dafür vorgesehenen Stellen damit ein. Auf und in jedes Katzenmöbel platzierten wir vor Verlassen des Hauses Leckerchen. Außerdem besprühten wir die vorgesehenen Liegeplätze täglich mit Wohlfühlspray. Mehrere Tage verließen wir hoffnungsvoll das Haus und siehe da: Die Übergriffe auf Lehnen und Co. wurden weniger, und Emmy und Gobbolino lümmelten immer öfter in der Hängematte, auf dem Kratzbaumplateau oder im Höhlenmöbelchen. Ha!
In unendlicher Dankbarkeit gestalteten wir unsere Wohnung weiter nach den kätzischen Vorlieben um: „Ich würde gern rausgucken, während ich euch ignoriere“, teilte uns Emily mit. Also räumten wir die Fensterbänke. „Wir würden gern mit gruselig großen Augen geheimnisvoll auf euch herabschauen“, erklärte uns Gobbolino. Also räumten wir die Oberseiten von den Schränken in den Zimmern. „Hey, wenn ich auf diesem Kunstfell rumtrete, werde ich vor Wohlgefühl fast wahnsinnig!“, erklärte der kleine Kater laut schnurrend. Ich kaufte daraufhin eine Auswahl Kunstfelle, taufte sie „Schnurrfelle“ und verteilte sie auf Hocker, Sessel sowie auf der Oberseite des DVD-Regals. „Ich bin noch zu klein, um da raufzukommen“, maunzte Gobbolino kläglich, also halfen wir mit einer Treppe Marke Eigenbau nach. „Und Höhlen, Höhlen finden wir supergut!“, sagte Emily. Also wurde der Transportkorb als weitere Höhle unter einen Beistelltisch ins Wohnzimmer integriert. Warum uns Letzteres ganz recht ist, ist nicht für Miezenohren bestimmt: So gehen sie nämlich bereitwilliger und ruhiger in den Korb, wenn es zum Tierarzt geht. Ja, so hatte die gar nicht so dummen Dosenöffner auch was davon...
„Hoch auf DVD-Regahaalen / sitz‘ ich beim Schnurrfell vorn.“
Unsauberkeit kommt bei Katzen selten vor, und meistens ist die betreffende Katze krank oder beleidigt. Leider empfinden viele Katzen schon kleinste Veränderungen als unfassbar beleidigend. Am Ende war das Malheur, das Gobbolino in seinen ersten Wochen bei uns passierte, aber wohl eher ein großes Missverständnis. Ein Umzug in ein neues Zuhause ist natürlich eine große Veränderung. Deshalb nahmen wir das vertraute offene Babykatzenklo mit den niedrigen Rändern, das Emilys Familie von Anfang an benutzt hatte, mit und stellten es bei uns im Flur auf. Getreu der Regel „Immer ein Klo mehr als Katzen“ stellten wir zwei weitere „Katzenklokalitäten“ bereit. Ein geschlossenes Klo steht im Wohnzimmer und das Eckklo im Arbeitszimmer. Gobbolino ging in den ersten Tagen brav aufs Babyklo im Flur, Emily wählte gleich das Wohnzimmerklo als Favoriten. Alles war paletti. Doch ganz entgingen wir dem Schicksal frischgebackener Katzeneltern leider nicht.
Die Herausforderung, in einer neuen Umgebung das Klo im Flur zu finden, wenn man merkt, dass man mal dringend muss, meisterte Gobbolino ja eigentlich ganz gut. Doch er hatte seine Mama dabei beobachtet, wie sie das Klo im Wohnzimmer durch die Öffnung oben betrat und das typische Scharren und Plätschern vernommen. „Klick, ein Klo!“, machte es da offensichtlich zwischen seinen Öhrchen. Doch leider konnte der Kleine es auch auf den Hinterbeinen stehend nicht erklimmen. Wie nett, dass er uns regelmäßig in dieser Stellung mit Maunzen auf die Dringlichkeit seines Geschäftes aufmerksam machte, sodass wir ihn zügig aufs Flur-Babyklo tragen konnten.
Nun hatten wir das Katzenklo im Wohnzimmer neben unserem großen Sitzsack platziert. Als Gobbo ihn das erste Mal inspizierte, stakste er begeistert schnuppernd auf der seinen Pfötchen leicht nachgebenden Styroporfüllung herum. Er wankte nach links, drehte und erkundete den rechten Rand. Verzückt beobachtete ich, wie er wieder in die Mitte der Sitzfläche stolperte und dann leicht in die Hocke ging. Viel zu spät erkannte ich meinen Irrtum: „Och guck mal, wie süß, er setzt sich auf den Sitz ... Oh, nein, GOBBOOOO, FAAAALSCH!“ Eine Spur kleiner Tröpfchen führte den besten Typen überhaupt, der aus der Küche gestürzt kam, aus dem Wohnzimmer den Flur entlang, wo er mich fluchend vor einem kleinen Kater vorfand, der verdutzt aus dem Babykatzenklo hochschaute und zu sagen schien: „Ich muss jetzt aber nicht mehr!“
Was war passiert? Wir erklären es uns so: Der Kater bemerkte das Klo im Wohnzimmer, kam da aber noch nicht rein. Als er die kleinen Styroporkügelchen im Innern des Sitzsacks rieseln hörte, ging er davon aus, dass dieses Ding in der Nähe von Mamas Klo zu dem Zweck da sei, zu dem auch die anderen Kistchen mit rieselnden Kügelchen da waren. Uns blieb also nur, den schicken Sitzsack grundgereinigt aus der Wohnung zu entfernen, um weitere Missverständnisse zu vermeiden. Er verschönert jetzt mein Büro. Die Kollegen reagieren ja glücklicherweise nicht auf rieselnde Kügelchen.
Unsere Emily ist in vielem das Gegenteil von Gobbolino. Er hat einen goldfarbenen, warmen Blick, sie hat kalte, aber wunderschöne grüne, große Augen. Er ist vertrauensselig, sie misstrauisch. Er ist neugierig, sie vorsichtig. Er ist anhänglich und Emmi ... naja, das ist nicht so einfach. Sie sucht Kontakt – und huch! – überlegt es sich plötzlich doch wieder anders. Emily ist jetzt circa zwei Jahre alt. Sie lebte wohl früher in einem Haushalt mit vielen vernachlässigten Katzen, bevor sie zur Katzenhilfe Neuwied kam. Katzen, denen Menschen in jungen Jahren nicht viel oder nicht freundlich begegnet sind, bleiben oft ihr Leben lang scheu, eröffnete man uns, bevor wir uns für sie entschieden. Und ja, Emmi wollte uns anfangs lieber aus dem Weg gehen. Der beste Typ überhaupt und ich lasen im Ratgeber: „Scheue Katzen ignorieren.“ Und das taten wir auch.
Die ersten Tage versteckte sich Emmi im Bettkasten des Gästebetts. Auch morgens, wenn wir die Näpfe füllten, ward sie nicht gesehen. Kamen wir abends von der Arbeit nach Hause, erwischten wir Emmi jedoch immer öfter in flagranti auf der Couch. Genau genommen lag sie auf unseren Stammplätzen. Und verschwand, sobald sie uns bemerkte. Dann fing sie an, sich, aus ihrer Sicht unauffällig, zu uns zu gesellen. „Ich lege mich jetzt mal zur Abwechslung zu euch ins Wohnzimmer“, verkündete sie eines Tages, „und zwar unter den Couchtisch, wo ihr mich nicht sehen könnt.“ Gesagt, getan. Ein paar Tage später kam sie angeschlendert: „Dumdidum, ich lege mich jetzt ans andere Ende der Couch und drehe euch den Rücken zu. Bin also praktisch gar nicht da.“ Und beglückte uns mit der Ansicht ihres hübschen Katzenrückens. Die Versuchung war groß, aber wir unterließen jeden Streichelversuch. Und dann eines Tages erwartete sie mich morgens direkt vor der Schlafzimmertür. „Streicheln?“, gähnte ich verwirrt. „Ja!“, schienen Blick und Körperhaltung zu sagen, und so fuhr ich ihr mit der Hand über den Rücken. Sie reagierte erfreut: Schwanz und Hintern hoch, kurzer Stoß mit dem Köpfchen gegen meine Hand – und zuckte dann wieder unvermittelt zusammen. „Was mache ich hier eigentlich?!“, schien sie sich zu fragen – und nahm Reißaus. So ging das eine Weile. „Ja, ja, streicheln“, schnurrte sie und erschrak dann: „Bloß weg hier!“ Nach und nach vergisst Emmi aber, dass sie eigentlich scheu ist. Mittlerweile fordert sie oft Streicheleinheiten ein. Sie haut nur ab, wenn wir mal wieder nicht verstehen, wenn ihr statt nach Gestreicheltwerden nach Spielen ist.
Streicheln oder nicht streicheln – das ist hier die Frage!
„Sie ist schon eine komplizierte Katze“, teilte ich dem besten Typen überhaupt irgendwann morgens mit. Und kam über den Tag ins Grübeln: Vielleicht kriegt jeder die Katze, die er verdient? Als ich an diesem Tag nach Hause kam, lag Emmi auf dem Bürodrehstuhl im Gästezimmer und blinzelte mir zu. Blinzeln, das bedeutet: „Ich kann dich leiden.“ Nichts wie hin, dachte ich, und ging ebenfalls blinzelnd auf sie zu. Da warf sie sich charmant auf die Seite und präsentierte ihren Bauch – ein Riesenvertrauensbeweis. Schau an, dachte ich, wie bei uns Menschen: Vielleicht kompliziert und abweisend, aber ein weicher Kern – und im Grunde wollen wir alle doch einfach nur geliebt werden.
Ein paar Wochen lebten der beste Typ überhaupt und ich nun mit unseren zwei „Miezbewohnern“ Emily und Gobbolino zusammen. Nach den ersten schüchternen Tagen nahmen sie unsere Wohnung in Beschlag. Und wie. Wir hatten mit Mitbewohnern gerechnet. Aber Emily und Gobbolino sahen das anders: Für die beiden ist unsere Wohnung jetzt ihr Revier. Mit etwas Glück, das wurde uns rasch klar, würden wir geduldet. Die Küche und das Schlafzimmer, katzenfreie Zonen?! Unerhört.
„Wieso dürfen wir nicht ins Schlafzimmer“, schimpften die Miezen, wann immer wir darin verschwanden. Besonders in den ersten Nächten rumorten sie derart – „Miaaaauuuu“, Wumms (Sprung an der Tür hoch), Krrrrchchchcht (mit den Krallen Halt suchend an der Türe wieder runterrutschen) – , dass wir uns nur mit Ohrstöpseln zu helfen wussten. Dann bescherten sie uns einen üblen Schreck: Nach 20 Minuten wütenden Gezeters vor der Tür war ich endlich eingeschlafen – und schrak plötzlich wieder auf. Die knarzende Schlafzimmertür öffnete sich gruselig langsam im Mondlicht wie von allein. Mit fliegenden Ohrstöpseln setzten der beste Typ überhaupt und ich uns auf, bereit, unser Leben gegen Einbrecher oder übersinnliche Mächte zu verteidigen. Doch nichts kam durch die schwarze Öffnung – und dann hörten wir das leise Getrippel von acht krallenbewährten Pfötchen auf dem Laminat hinter dem Bettkantenhorizont. Emily hatte also gelernt, Türen zu öffnen.
Gegenmaßnahmen mussten her: Der beste Typ überhaupt schnappte sich einen Schraubenzieher und drehte die Türklinke des Schlafzimmers in die Vertikale. Doch ach, der nächtliche Terror hielt an – die Empörung über die umgedrehte Klinke war groß. „Wir müssen konsequent bleiben“, sagte ich, mit dem Fuß aufstampfend, zum besten Typen überhaupt. Deshalb klebte er ein Kissen unter die Klinke. Das sah zwar bescheuert aus, reduzierte aber die Lautstärke an der Tür abprallender Katzen. Weil die beiden nach dem Sprung an die Klinke mit den Krallen im Stoff hängen blieben und nicht wieder herunterrutschten, fiel das „Krrrrchchchcht“ sogar ganz weg. Das empörte Miauen blieb uns erhalten.
Nach etwa drei weiteren Wochen, die wir mit dicken Ringen unter den Augen hinter uns brachten, machte sich unsere Beharrlichkeit bezahlt. Unsere beiden nachtaktiven Mitbewohner akzeptierten, dass wir Menschen nachts im eigenen Zimmer schlafen wollen. Auch die umgedrehte Klinke an der Küchentür genehmigten die beiden, wenn auch mürrisch. Dass wir vor dem Schlafengehen jeden Abend Snacks in allen Winkeln der Wohnung verstecken, beschäftigt die umtriebigen Miezen in unserer kritischen Einschlafphase. So schimpften sie uns bald weniger aus – zumindest zur (menschlichen) Einschlafzeit. Ihre Standpauken verlegten Emily und Gobbolino gnädiger Weise auf ihre morgendliche Fressenszeit, zwischen sechs und halb sieben – täglich. Und sie haben ja so recht: Wer auch am Wochenende zu früher Stunde aufsteht, hat viel mehr von seiner Freizeit. Danke für die Erleuchtung, ihr weisen Miezen!
„Wenn ihr euch zwei Katzen holt, zerlegen die euch die Bude!“, rief meine Mama, als ich ihr am Telefon den Entschluss, mein Leben zukünftig mit zwei Stubentigern zu teilen, mitteilte. Als unsere beiden Miezen bei uns einzogen, war Gobbolino noch ein Baby. Klar war der Kleine verspielt. Aber eben noch so klein, dass er nicht viel anrichten konnte. Emily hingegen war scheu und erkundete alles vorsichtig –auch sie „zerlegte“ unsere Wohnung also nicht. In der Pubertät angekommen, wurde Gobbolino wilder – aber wir waren vorbereitet.
Alle für Katzen giftigen Pflanzen zogen um ins Schlafzimmer – der (damals noch) komplett katzenfreien Zone. Die auf den Fensterbänken im Wohnzimmer verbleibenden Töpfe – also die mit Katzengras – klebten wir mit doppelseitigem Klebeband fest, ebenso alle Stehlämpchen und Stehrums. Den empfindlichen Kunstleder-Couchrücken schützt eine Wolldecke, die darüber hinaus eine tolle Höhle unter der Couch schafft. Die Küchentüre ist immer verschlossen. So bewahrheitete sich die Prophezeiung meiner Mama nicht. Keine Chance dem Tatzenterror. Wir hielten uns für die größten Trickbären überhaupt: Wir waren doch tatsächlich Katzenbesitzer, die die Kontrolle behielten. Ein Trugschluss. Denn Emily legte bald ihre Schüchternheit ab.
Wilde Verfolgungsjagden wurden zum neuen Hobby: Wie zwei geölte Blitze schossen die beiden an uns vorbei und beizeiten auch über uns drüber. Emily hat zudem einen Narren an unserer großen Palme Uschi gefressen, nach deren obersten Blättern sie liebend gern hascht – auf einer Stuhllehne am Esstisch balancierend. Die Kletterwut packte auch Gobbolino. Weil er jetzt größer und geschickter war, erreichte er auch hoch gelegene Ziele. Natürlich war auch dort alles festgeklebt. Deshalb ging dennoch kaum etwas zu Bruch. Wir wähnten uns in Sicherheit. Mit einer drastischen Maßnahme während eines Spieleabends mit Freunden führte uns Emily jedoch vor: Zu früh gefreut, Keule!
Während der vertrauensselige kleine Kater an solchen Spieleabenden meist zwischen den Gästen umherstreift, streckt Emily nur ab und zu den Kopf um die Flurecke, um zu prüfen, ob die Eindringlinge schon gegangen sind, und schläft ansonsten im Gästezimmer auf meinem, äh, ihrem Bürostuhl. Dieses Mal hatte sie es sich aber unbemerkt auf einem der Esstischstühle im Wohnzimmer bequem gemacht. Das Gespräch auf der Couch drehte sich um die Katzen. Gerade sage ich stolz zu einem Freund: „Also wir haben die Miezen im Griff. Die haben hier noch nie was kaputt gekriegt.“ Genau in diesem Moment springt Emily von der Sitzfläche auf die Stuhllehne und dann in unsere Palme Uschi – und segelt mitsamt der großen Pflanze zu Boden. Aus Protest verteilt Uschi Erde und Blätter großzügig über das Laminat. Für meine Freunde war ich natürlich der Lacher des Tages. Den Rest des Abends unterhielt ich mich zähneknirschend mit unserem Staubsauger.
Nach unserer Entscheidung für mehr Miez im Leben dauerte es eine Weile, bis wir tatsächlich „auf die Katz“ kamen. Ich wollte nämlich keine „Wohnungskatze produzieren“, sprich: Ich wollte keine gesunde Katze mit guter Vermittlungschance, die theoretisch Freigang haben könnte, bei uns im fünften Stock einsperren. Damit blieben für mich eigentlich nur noch alte, kranke und verhaltensgestörte Katzen übrig. Und danach suchte ich auch ganz ernsthaft.
So lernten wir im Tierheim Fibi kennen. Gespannt betraten wir das Zimmer dieser 11-jährigen Katze. Fibi kam angelaufen, scheinbar ebenfalls interessiert an ihrem Besuch. Kaum streckte der beste Typ überhaupt jedoch vorsichtig seine Hand aus, um sie zu streicheln, langte Fibi ihm ordentlich eine. Ich meinte, wenn wir Fibi noch mal besuchten, wäre sie vielleicht schon netter. Der beste Typ überhaupt teilte mir mit, er wolle Fibi nicht mehr besuchen.
