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Das Buch "Mein Kurschatten – Eine gefährliche Liebe" ist ein Werk, das auf einer wahren Begebenheit basiert. Mit beeindruckender Intensität zeigt es, wie eine Affäre das Leben der Beteiligten völlig aus den Angeln heben kann. Durch eine fesselnde Erzählweise und tiefgehende Charakterstudien beleuchtet der Autor die emotionalen und sozialen Auswirkungen einer verbotenen Liebe. Der Leser wird in die komplizierte Welt der Protagonisten hineingezogen, deren Leben durch Leidenschaft, Geheimnisse und moralische Konflikte auf eine harte Probe gestellt wird. Die Geschichte entfaltet sich vor dem Hintergrund einer intensiven Liebesbeziehung, die nicht nur die persönlichen Grenzen der Charaktere testet, sondern auch ihr Umfeld und ihre bestehenden Beziehungen tiefgreifend beeinflusst.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Inhaltsverzeichnis
Drei Herzen, drei Seelen
Schwerer, steiniger Weg zur Frau meines Lebens
Plötzlich DJ – Ein unerwarteter Anruf und die Kellnerin Simone
Mein erstes Date mit Simone
So lernte Simone mich kennen
Mein neuer Job und seine Tücken
5 Wochen Reha
Musikalische Begegnungen
Als ich Melanie in der Bücherei traf
Ein heißer Jogginglauf
Der Sonntagsbesuch
Eine unvergessliche heiße Nacht
Eine Begegnung die ich nicht wollte
Wir waren uns verfallen, dann kam das Geständnis
Gefangen im fremden Bett
Stunde der Wahrheit?
Die Offenbarung
Das war das Ende mit meiner großen Liebe
Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus
Mein Leben in Trümmern
Die unerwartete Wende
Mein Job war er gerettet?
Ein unverhofftes Angebot
Impressum
Mein Kurschatten
Eine gefährliche Liebe
Aufgeschrieben von Hannes Jürgens
Simone war meine große Liebe. Seit dem Moment, als ich sie das erste Mal traf, wusste ich, dass sie die Frau meines Lebens war. Sie war einfach perfekt - liebevoll, klug und mit einem Lächeln, das meine Welt erhellen konnte. Nie hätte ich gedacht, dass ich sie je betrügen könnte. Doch das Leben hat seine eigenen Pläne, und manchmal führt es uns auf Wege, die wir nie für möglich gehalten hätten.
Es begann mit der medizinischen Rehabilitation, einem Wendepunkt, der unser Leben auf den Kopf stellte. Nichts war mehr so, wie es einmal war. Die Routinen, die Sicherheit, die Gewissheit - alles wurde in Frage gestellt. Doch vor allem wurde mein Herz auf die Probe gestellt. Denn inmitten dieser turbulenten Zeiten fand ich mich plötzlich zwischen zwei Frauen wieder, die beide einen Platz in meinem Herzen beanspruchten. Meine Liebe zu Simone zerbrach daran, und es schien keine Hoffnung mehr zu geben.
Wie konnte ich nur mein Herz teilen? Diese und andere Fragen quälten mich, während ich versuchte, einen Weg durch das Labyrinth meiner Gefühle zu finden. Und so begann eine Reise, die nicht nur mein Leben, sondern einfach alles in einen riesigen Scherbenhaufen verwandelte.
Ich lernte den Autor Hannes kennen, er hat für mich diese Geschichte aufgeschrieben.
In Leipzig, einer Stadt durchdrungen von Geschichte und pulsierendem Leben, lebe ich Max. Bodenständig und zuverlässig, habe mein Leben fest im Griff.
Ich bin 1,76m groß, habe halblange dunkelblonde Haare und stahlblaue Augen. Meine Figur würde ich als sportlich-athletisch beschreiben. In meiner Freizeit spiele ich gelegentlich Tischtennis, und hin und wieder gehe ich zum Kickboxen.
Meistens trage ich einen Dreitagebart, einfach weil ich zu faul bin, mich täglich zu rasieren. Nach meinem Abitur habe ich mich für ein Jurastudium eingeschrieben und hatte ursprünglich vor, Rechtsanwalt zu werden. Aber wie das Leben so spielt, kam alles anders.
Während ich auf mein Studium wartete, habe ich hier und da Gelegenheitsjobs angenommen, um über die Runden zu kommen. Zu der Zeit wohnte ich noch bei meinen Eltern und hatte eine eigene Wohnung im Haus. Schon während meiner Schulzeit und auch danach habe ich in einer kleinen Tanz Band Schlagzeug gespielt und gelegentlich als DJ in kleinen Bars oder bei privaten - und Firmenfeiern aufgelegt. Das hielt mich finanziell über Wasser.
Eines Tages, nach unserer Bandprobe, lud mich mein Bandkollege und ehemaliger Schulkamerad Jörg in einen kleinen Tanzkeller zum "Absackertrinken" ein.
"Komm, Max, lass uns noch einen Absacker im Dance-Keller Nord nehmen", schlug Jörg vor.
Jörg und ich hatten beide keine feste Freundin, daher hatten wir keine Verpflichtungen wie unsere anderen Bandkollegen, die nach der Probe immer schnell zu ihren Freundinnen oder Ehefrauen eilten.
Also beschlossen wir, gemeinsam in den Keller-Club zu gehen.
Wir parkten unsere Fahrräder an der Hauswand des Clubs und Jörg ging direkt auf den Türsteher zu.
"Das ist mein Kumpel und DJ Max", sagte Jörg mit lauter Stimme zum Türsteher.
Der ließ uns mit einer flüchtigen Geste passieren.
"Da hast du aber ganz schön übertrieben", flüsterte ich lächelnd Jörg zu.
Jörg grinste nur, wie so oft, und sagte, ich solle jetzt ganz dicht hinter ihm bleiben.
Durch einen langen Gang und eine steile Treppe betraten wir den Club.
Das gedämpfte Licht machte den Keller gemütlich. Gelegentlich blitzten Stroboskoplichter auf.
Aus zwei riesigen Lautsprechern, die links und rechts neben der Bühne standen, dröhnte House-Musik. Ich folgte Jörg brav und ließ mich vom Rhythmus der Musik mitreißen.
Etwa 50 Leute, schätzte ich, saßen an Tischen oder standen auf der Tanzfläche.
Jörg begrüßte während unseres Gangs durch den Club unzählige Leute, mal mit Handschlag, mal mit einem Handcheck und gelegentlich mit einer Umarmung. Es schien, als würde ihn hier jeder kennen.
Nun kamen wir an einen kleinen Tisch, der gleich neben der Bühne stand.
"Hock dich hin", befahl mir Jörg.
Ich schob mir den Stuhl zurecht, setzte mich und begann, das Lokal nochmals abzuchecken. Jörg erklärte mir nun, wen er da alles begrüßt hatte. Mal war es ein Schulfreund, mal eine verflossene Liebe, mal ein alter Kumpel und so weiter. Seine endlosen Erzählungen ließen mich etwas schläfrig werden, und ich bemerkte nicht einmal, dass bereits eine Kellnerin an unserem Tisch stand und auf unsere Bestellung wartete.
"Jörg, was wollt ihr trinken?", sprach sie mit bestimmter Stimme.
Ich schreckte etwas auf und musterte die blonde, gutaussehende Kellnerin mit ihren locker in der Bluse bedeckten Brüsten, wo man den BH-Ansatz sehen konnte. Mein Blick glitt von oben nach unten, und ich konnte keinen Makel an ihr entdecken. Ihr Aussehen war so hinreißend, dass ich irgendwie nervös wurde und mein Herz heftiger zu schlagen begann.
Jörg riss mich aus meinen Gedanken.
"Zwei Long Island Iced Tea, bitte", brummte er die Schöne an.
Sofort verschwand sie von unserem Tisch, und ich starrte ihr nach, bis sie im Getümmel verschwunden war. Ihr Gang war so elegant, ihr Po wippte nach jedem Schritt in der prallen Jeans.
Jetzt wandte ich mich wieder an Jörg.
"Ist schon ganz schön heftig, das Zeug, das du da bestellt hast."
"Ach, was ist schon dabei? Ein bisschen Tequila, Wodka, weißer Rum, Triple Sec, Gin, Zitronensaft, Gomme-Sirup und ein Spritzer Cola", rasselte Jörg die Zutaten herunter, als ob er das alles auswendig gelernt hätte. Ich war ziemlich beeindruckt, dass er das alles wusste.
"Ey Alter, wie kommst du auf sowas?", fragte ich ihn halblaut, da die Musik inzwischen immer lauter wurde.
"Ich bin seit dem letzten Monat Barkeeper hier im Club", antwortete er flapsig und setzte ein breites Grinsen auf.
Inzwischen tänzelte die durchaus hübsche Kellnerin mit unseren Gläsern auf unseren Tisch zu. Sie strahlte dabei, und ich glaube, sie hat mich kurz angelächelt.
"Lasst es euch schmecken", hauchte sie jetzt mit einer durchaus süßen Stimme.
Ihre Worte ließen ein leichtes Kribbeln in meinem Bauch aufsteigen. Was für eine Stimme! Was für eine tolle Erscheinung!
Ich starrte ihr noch lange nach, bis sie wieder im Getümmel verschwand. Jörg hob sein Glas, und wir prosteten uns zu.
Heimlich warf ich einen Blick auf die Getränkekarte und sah, dass unser Drink 11 Euro kostete.
"Schon stolzer Preis", bemerkte ich zu Jörg.
"Mach dir keine Sorgen, geht alles aufs Haus."
"Aufs Haus?"
"Ja, aufs Haus. Trink und genieße", antwortete er nur.
Sicherlich ging es aufs Haus, weil er hier arbeitete? Ich fragte daher nicht weiter nach.
Mich interessierte jetzt nur eines: die hübsche Kellnerin.
Wir unterhielten uns über unsere Bandauftritte, unsere Proben, aber sobald ich auf die Kellnerin zu sprechen kam, unterbrach er das Gespräch. Er faselte etwas von einem fehlenden DJ hier im Club.
Das hörte ich nur so wie aus der Ferne, denn meine Augen suchten ständig nach der Schönheit mit dem bezaubernden Lächeln.
"Jörg, weißt du, wie die süße Maus heißt?"
Ich glaube er war etwas genervt über das Thema mit der Kellnerin. Irgendwie knurrig verriet er mir nun, dass sie Simone hieß.
Unsere Gläser waren bald geleert, und er deutete von der Ferne auf die hübsche Kellnerin Simone, während er auf sein Glas tippte, dass wir noch einen solchen Drink haben wollten.
Da es nichts kostete, legte ich kein Veto ein, obwohl ich schon die Wirkung des hohen Alkoholgehalts spürte.
Ich trommelte mit meinen Fingern auf dem Tisch im Takt der Musik, als wäre es mein Schlagzeug. Simone, die schmucke Kellnerin, näherte sich unserem Tisch. Sofort hörte ich auf mit meinem "Tisch-Schlagzeug".
Wiederum blinzelte sie mir zu, und dieses Mal traf ihr Blick mich tief, so dass hunderte von Schmetterlingen in meinem Bauch munter wurden und ich unkontrollierte Bewegungen mit meinen Händen machte.
Mit zittrigen Händen und fixiertem Blick auf sie, nahm ich mein Glas von ihr entgegen.
Jörg bemerkte durchaus, dass Simone mich ganz schön nervös machte und mich durcheinanderbrachte, denn sein grinsen verriet mir sein Wissen.
"Willst du Simone öfter sehen? Ich kann das arrangieren", meinte er mit seinem verschmitzten breiten Lächeln.
"Ist sie noch Single?" hakte ich nach.
"Ja", entgegnete Jörg.
Nervös nahm ich mein Glas in meine zittrige Hand und trank einen Schluck daraus.
"Klar will ich das", rief ich ihm halblaut zu.
Plötzlich stand ein Typ neben uns am Tisch. Ich hatte ihn gar nicht kommen sehen. Er klopfte mit lockerer Faust auf den Tisch, nickte mir zu und wandte sich dann an Jörg.
"Eh Jörg Alter, ist das der neue DJ?"
Jörg wurde plötzlich etwas nervös und stand vom Tisch auf. Er griff den Typen an die Schulter und schob ihn weg. Ich hörte, wie er ihm zuflüsterte, dass er in 10 Minuten wiederkommen solle. Der Mann verließ unseren Tisch und verschwand hinter dem Tresen, wo Simone gerade ihr Tablett mit vollen Gläsern füllte.
Jörg setzte sich wieder zu mir, beugte sich herüber und tippte mich an die Schulter.
"Max, wie gefällt dir Simone, der Laden und überhaupt alles hier? Kannst du dir vorstellen, hier zu arbeiten?"
Ich verstand seine Frage nicht. Deshalb fragte ich noch einmal nach.
"Jörg, ich verstehe nicht, was die Frage soll. Bist du betrunken?" Er hatte wohl den zweiten Drink nicht so gut verkraftet.
"Klar, ich übernehme den Laden und heirate die tolle Kellnerin", witzelte ich zurück.
Nun musste er auch lauthals lachen.
"Heiraten kannst du Simone, das ist mir egal, aber kannst du dir vorstellen, hier jeweils freitags und samstags aufzulegen und den Laden hier in Schwung zu bringen?"
Ich war über seine Frage verblüfft und dachte nur an unseren Alkoholkonsum.
Sofort laberte er weiter:
"Du kannst hier gutes Geld verdienen, und deine Simone könntest du immer sehen. Außerdem werde ich dich hier in allen Belangen unterstützen, Deal?"
"Deal? Willst du mich verarschen? Ich bin doch kein professioneller DJ und schon gar nicht in so einem großen Laden", entgegnete ich schroff.
Jörg hielt sein halbvolles Glas hoch und prostete mir zu.
"Prost, Digga, trink mit mir noch einen und versuch es doch mal als DJ hier. Du hast es drauf, das weiß ich, und Kohle kommt außerdem noch satt."
Mit einer flapsigen Bewegung winkte er den Typen, der eben an unserem Tisch gestanden hatte, heran.
Jetzt schlenderte der fremde Typ an unseren Tisch. Er rückte einen Stuhl heran, reichte mir jetzt seine Hand und stellte sich als Marc, der Inhaber des Dance-Kellers, vor.
"Wirst du es machen? Das ganze Equipment ist da, du brauchst dich um nichts zu kümmern", meinte er mit bestimmter Stimme.
Auf den Schrecken trank ich mein Glas in einem großen Schluck aus, und ich merkte, wie mein Alkoholpegel weiter stieg.
Inzwischen unterhielten sich der Boss und Jörg, und irgendwie schmiedeten sie irgendwelche Pläne. Ich verstand nicht alles, denn einerseits der Alkohol, dann, dass ich hier als DJ auflegen sollte, und dann noch die Traumkellnerin. Irgendwie war ich gerade überfordert.
Um ihr näher zu kommen, war mir aber alles recht. Aber so als DJ zu arbeiten ließen in mir Zweifel aufkommen.
"Ja, klar mache ich das", sagte ich und meinte es allerdings etwas ironisch, während mein Blick immer nur hinter Simone her war.
Marc, der Chef, merkte wohl, dass ich wegen Simone nicht ganz bei der Sache war und meine Antwort nicht ganz so überzeugend gemeint hatte. Plötzlich sprang er auf und ging stürmisch zu Simone rüber. Beide diskutierten heftig und nach einer Weile kamen beide zurück an unseren Tisch.
Mein Herz schlug immer schneller, je näher sie kamen. Die Schmetterlinge spielten wieder verrückt, und mein kleiner Max wurde auch etwas munterer, als er Simone so sah.
Am Tisch angekommen, zog Marc einen Stuhl vom Nachbartisch heran und platzierte Simone neben mich. Sie ließ sich langsam und mit düsterer Miene neben mich nieder. Dabei verschränkte sie die Arme und schaute nur an die Decke.
Ich roch ihr tolles Parfüm, das wie ein Aphrodisiakum wirkte und sich fest in mein Hirn einbrannte.
Marc holte nun verbal aus: "Simone, das hier ist unser neuer DJ, was sagst du dazu?"
Sie wandte ihren Blick auf mich und scannte mich ab.
"Mir eigentlich egal wer hier auflegt, aber den Typen könnte ich mir vorstellen, denn Charisma hat er, ob er gute Musik macht, weiß ich nicht", säuselte sie mit ihrer lieblichen Stimme.
Sie fand mich also schon mal gut und charismatisch.
Mich, den unscheinbaren 20-Jährigen. Ich schaute sie verliebt an, taxierte sie und schätzte ihr Alter auf etwa 22-23 Jahre. Jörg und Marc sprangen plötzlich vom Tisch auf und liefen in Richtung Bar.
Jetzt saß ich mit der schönsten und tollsten Frau, die ich je gesehen hatte, allein am Tisch. Ziemlich schnell fanden wir auch Gesprächsstoff. Es ging um ihren Beruf, meinen Job als Schlagzeuger und gelegentlichen DJ-Jobs.
Simone brach plötzlich unser Gespräch ab, reichte mir ihre Hand entgegen und verabschiedete sich mit den Worten: "Ich muss dann mal wieder. Viel Erfolg, würde mich freuen, wenn du hier DJ wärst."
Lange schaute ich ihr noch hinterher, bis ich von Marc aus meinen Träumen gerissen wurde. "Also, Deal, und wir sehen uns am Freitag. Bring gute Laune und gute Ideen mit. Wenn du gut bist, bekommst du einen Hunni zum Einstieg für deinen Job hier." Marc reichte mir die Hand und sagte nur noch: "Sei pünktlich um 19:00 Uhr da."
Den Hunni, was hundert Euro bedeutete, konnte ich gut gebrauchen und würde meine stets knappe Kasse gut aufbessern.
Der Abend zog sich noch sehr lange hin, und Simone kam oft an unseren Tisch und brachte Getränke vorbei. Ich weiß nur noch, dass ich jedes Mal, wenn sie an unserem Tisch stand, sie mir mit einer kleinen Krone auf dem Kopf vorgestellt habe, und sie sah einfach traumhaft aus. Irgendwann forderte der Alkohol seinen Tribut. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie ich den Club verlassen habe, aber ich weiß noch, dass ich der hübschen Kellnerin einen Luftkuss zugeworfen habe.
Am nächsten Morgen, oder besser gesagt, in der Nacht, stellte sich ein enormer Kater ein. Mein Kopf dröhnte, und ich hatte einige "Karussellfahrten" hinter mir. Zudem überkamen mich unzählige Durstgefühle, die mich immer wieder schwankend in die Küche trieben.
Langsam schob ich mich aus meinem Bett. Meine Beine waren wacklig, und mein Kopf fühlte sich an, als steckte er immer noch unter einer riesigen Kirchturmglocke.
Ich schlich schwankend in die Küche und holte einen Tetrapack Milch aus dem Kühlschrank. Gierig schlürfte ich die eiskalte Milch. Immer noch schwankend begab ich mich ins Bad.
Der Blick in den Spiegel zeigte mir genau das Bild, wie ich mich auch fühlte. Ich wich leicht vor der Gestalt zurück, die ich im Spiegel erblickte. Zu geschwollene Augen, ein verzerrtes, entstelltes Gesicht und das Gefühl, um 50 Jahre gealtert zu sein. Bei diesem Anblick schwor ich mir, nie wieder Alkohol zu trinken.
Eine kalte Dusche sollte mich nun aus dieser Situation befreien. Ich pellte mich aus den Sachen, drehte das kalte Wasser auf und schwang mich todesmutig unter das Eiswasser. Lange hielt ich es nicht aus unter der Eisbrühe und drehte warmes Wasser hinzu. Jetzt wurde es erträglicher.
Ich genoss den lauen Wasserstrahl der Dusche. Eine gefühlte halbe Stunde ließ ich das Wasser über mich prasseln und es schien mich zurück ins Leben zu bringen.
Da meine Eltern auf Arbeit waren, musste ich mich jetzt selbst um die Nahrungsaufnahme kümmern. Während ich mein kleines Müsli zu mir nahm, versuchte ich, den gestrigen Abend nachzuvollziehen. Aber irgendwie kamen nur Bruchstücke zusammen.
Da war die hübsche Kellnerin Simone, ein Typ, dessen Namen ich nicht mehr wusste, und irgendetwas mit einem Deal als DJ. Plötzlich wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als mein Handy klingelte.
"Alter, hier ist Jörg", dröhnte es aus dem Gerät.
"Nicht so laut", entgegnete ich.
"Wir sehen uns am Freitag um 19:00 Uhr, und vergiss nicht, Marc baut auf dich!" Bevor ich antworten konnte, hatte Jörg schon wieder aufgelegt.
Nun kamen die Erinnerungen langsam wieder zurück. Ein mulmiges Gefühl durchzog mich, da war ja der DJ-Job den ich wohl zugesagt hatte.
Immer noch leicht taumelnd ging ich zurück ins Bett und versuchte mehr Erinnerungen vom vergangenen Abend zurückzuholen. Leider bekam ich immer noch nicht alles zusammen.
Der Gedanke an die schöne Kellnerin Simone war allerdings für mich unvergesslich und ließ mich jetzt innerlich lächeln.
Die Woche verging ziemlich schnell und unspektakulär. Aber am Freitagmorgen war alles anders.
Ich stand gegen 11:00 Uhr mit einem mulmigen Gefühl auf. Heute war es soweit. Vor großem Publikum sollte ich mein Können als DJ zeigen. Wie ich inzwischen von Jörg erfahren hatte, passten knapp 300 Leute in den Dance-Keller.
Ich machte mich eiligst über meinen Laptop her und checkte die Musik, die sich über Jahre so zahlreich angesammelt hatte. Hastig begann ich, eine Playlist zu erstellen. Die Zeit lief mir davon.
Als ich wieder auf die Uhr blickte, war es bereits 15:30 Uhr. Ich war noch nicht geduscht, hatte noch nichts weiter gegessen, und in 4 Stunden musste ich voll da sein.
In Gedanken kalkulierte ich meine Zeit. Mich salonfähig zu machen dauerte eine halbe Stunde, dann noch die Fahrtzeit mit dem Fahrrad zum Club, auch fast eine halbe Stunde. Also hatte ich für die Vorbereitung vor Ort nur noch sehr wenig Zeit.
Gerade als ich mich ins Bad begeben wollte, läutete mein Handy erneut. Schnell griff ich danach, und auf dem Display stand "Unbekannter Anrufer". Hmmm, stöhnte ich vor mich hin, da ich normalerweise keine unbekannten Anrufe entgegennehme. Das konnte nur wegen meines neuen Jobs sein, dachte ich mir, und drückte auf das grüne Hörersymbol.
"Moin", schallte es aus dem Gerät.
"Moin", stammelte ich zögerlich zurück.
"Weißt du, wer hier dran ist?" Nein", hauchte ich zurück.
"Hier ist Marc. Wir sehen uns doch gleich? Oder?"
"Klar, Deal ist Deal. Ich mache mich gleich auf den Weg", antwortete ich selbstverständlich.
"Okay, bis gleich", schallte es zurück.
Nun lief ich auf Hochtouren, um alles rechtzeitig zu schaffen. Ich machte mich eiligst zurecht, schnappte mir meinen Laptop, schwang mich auf mein Fahrrad, und flugs ging es zum Dance-Keller.
Der Einlassdienst, der bereits letztes Mal an der Tür stand, winkte mich gleich durch. Offenbar war er instruiert, dass ich hier als DJ auflege.
Ich packte meinen Laptop aus und schloss ihn an die Anlage an.
Dann legte ich den ersten Titel auf und überprüfte das Mikrofon.
Alles lief soweit reibungslos und ich war zufrieden, dabei bemerkte ich auch, wie einige der wenigen Gäste bereits gespannt auf mich schauten.
Ich war „Kampfbereit“ und setzte mich auf meinen kleinen Hocker.
Ich bemerkte wie Marc, der am Tresen stand, mich zu sich winkte.
Mit einem Handzeichen signalisierte ich, dass ich es gesehen hatte und ich stürmte auf ihn zu. Bei ihm angekommen ging er wortlos in Richtung seines Büros und ich sollte ihm folgen.
Dort angekommen, befahl er mir auch gleich:
„Setz dich Max, wenn du das hier sauber hinbekommst, kannst du hier Stamm-DJ werden, und du bekommst pro Tag am Freitag und Samstag jeweils 300 Tacken", sagte er.
Damit meinte er 300 Euro. Ich war sprachlos. 300 pro Abend? Das wären am Wochenende 600, leicht verdiente Kohle. Das würde alle meine finanziellen Probleme lösen.
"Klar, Marc, wenn du zufrieden bist, bin ich es auch", erwiderte ich mit kräftiger, sicherer Stimme, obwohl ich sehr nervös war.
"Legen wir los und gib dein Bestes", sagte er und deutete zur Tür.
Eilig begab ich mich, an der Bar vorbeigehend, an mein DJ-Pult. Dabei hielt ich Ausschau nach Simone. Ich konnte sie bisher allerdings nirgendwo erblicken.
Nur noch wenige Handgriffe, und ich war einsatzbereit.
Ich machte noch einen letzten Rundblick im Saal, der sich jetzt langsam mit Publikum füllte. Jörg wirbelte schon eifrig an der Bar und mixte für die wenigen Gäste, Getränke. Wir nickten uns aus der Ferne zu, und er hob den Daumen.
Jetzt legte ich los, und schnell waren die ersten Tanzwilligen auf der Tanzfläche. Der Saal füllte sich zusehends und meine Musik schien gut anzukommen, denn die Tanzfläche war immer sehr gut besucht. Nun steigerte ich mich immer mehr in meine neue Aufgabe und heizte den Laden richtig ein.
Alles lief sehr gut. Aber von der schönen Simone war keine Spur.
Ich hatte viele Blicke von Frauen erhascht. Es wurde mir ein Kussmund zugeworfen, zugezwinkert und auffällig gelächelt.
Zwischen zwei Titeln eilte ich an die Bar zu Jörg.
"Jörg, wo ist denn heute Simone?"
"Sie hat heute frei", zischte er mir beschäftigt zurück.
Etwas traurig und missmutig ging ich zurück zu meinem neuen Arbeitsplatz und ließ mich auf meinen Hocker nieder.
Was nützten mir all die tollen Frauen, die mich anhimmelten und mir tolle Blicke zuwarfen, wenn es nicht Simone war?
In Gedanken an Simone vertieft, klopfte es plötzlich an meine Schulter. Erschrocken drehte ich mich um. Es war meine Traumfrau. Es war die schönste Frau aller Zeiten. Mein Herz hüpfte nur so vor Freude.
"Simone", stammelte ich aufgeregt. Die Schmetterlinge in meinem Bauch hatten gerade Höhenflüge, und ein fetter Kloß besetzte gleichzeitig meinen Hals.
Sie schien das zu bemerken und lächelte nur. Langsam sank ich auf meinen DJ-Hocker und war gerade von der Umwelt abgeschnitten, dabei merkte ich nicht, dass die aufgelegte Mucke gleich zu Ende war und ich einen neuen Titel auflegen muss.
"Hallo Max, lebst du noch?" witzelte sie. Dabei schüttelte sie mich an der Schulter. "Max, deine Musik." Ich empfand ihre Worte nur noch als Echo. Ich kam zurück ins Leben. Musik, ach ja. Jetzt merkte auch ich, dass der letzte Titel kurz vor dem Ausklang stand. Schnell sammelte ich mich und kümmerte mich um die Musik, während Simone auf meinem Hocker Platz nahm.
Als ich wieder alles im Griff hatte, wandte ich mich an sie.
"Hey, Simone, ich war schon traurig das ich dich nicht sehe, wo warst du denn heute?“
"Ich hatte heute frei und wollte mal schauen, wie du dich hier schlägst."
"Und?" hakte ich nach.
"Ja, die Tanzfläche ist voll, und meine kleine Umfrage hat ergeben, dass du hier gut ankommst und einigen Frauen den Kopf verdreht hast", säuselte sie mit ihrem schönen Lächeln mir ins Ohr.
Ich musste bei diesen Worten ein wenig schmunzeln.
"Simone, ich freue mich sehr, dich zu sehen", flüsterte ich ihr zurück ins Ohr. Sie lächelte, gab mir ein Küsschen auf die Wange und verschwand von der Bühne, genauso schnell, wie sie gekommen war.
Etwas irritiert und verwundert schaute ich ihr nach, bis sie in der Menschenmenge verschwand. Ich war schon traurig, dass sie mich wieder so schnell verlassen hatte. Dabei wollte ich gern noch ihre Nähe spüren.
Die Nacht war vorbei, es war bereits 4:00 Uhr und ich packte schon einige Utensilien zusammen, während der letzte Titel lief.
Eiligst kam der Chef zu mir gelaufen, "Alter, gut gemacht, wir haben einen Dauerdeal", sagte er und drückte mir einen Hunderter in die Hand.
"Wenn du morgen noch einmal so eine Show abziehst, gibt es das nächste Mal 300 pro Abend", sprach er und verschwand im Gemenge.
Freudig über die gerade erhaltene Nachricht und den erhaltenen Hunderter, stöpselte ich meinen Laptop von der Anlage ab und packte alles in meine Tasche.
Ich schlenderte nun in Richtung Ausgang und da kam eine junge Frau auf mich zu. Ich hatte sie schon auf der Tanzfläche bemerkt, da sie sehr toll tanzte und viele Männer sie bei ihrem Tanz beobachteten.
Sie war dunkelhaarig, toll geschminkt und hatte High Heels an. In ihrem dunklen Minirock sah sie wirklich bezaubernd aus. Ich scannte sie von oben bis unten ab, was sie wohl auch bemerkte. Sie zwinkerte mir kurz zu und lächelte dabei süß.
Trotzdem rauschte ich an ihr vorbei und radelte eiligst nach Hause und verschwand umgehend in meinem Bett.
Ich habe bis zum nächsten Tag Mittag durchgeschlafen und bereitete mich nach meinem Frühstück bereits für den kommenden Abend vor. Meine Gedanken schweiften immer wieder ab und verweilten bei Simone. Ich ließ die letzten Stunden es ruhig angehen, bevor ich mir meine Nacht um die Ohren schlagen werde.
Dann sollte es auch schon losgehen. Ich setzte mich auf mein Fahrrad und fuhr zur Location.
Wie bereits am Vorabend füllte sich die Location schnell.
Gegen 23:00 Uhr war der Laden supervoll. Meine Musik kam wieder gut an, denn die Tanzfläche war wieder sehr gut gefüllt.
Ich beobachtete das Geschehen im Saal ganz genau.
Die Kellner hatten alle Hände voll zu tun und gelegentlich konnte ich im Getümmel auch meine Traumfrau ausmachen. Immer wenn ich sie so mit ihrem Tablett durch die Menge huschen sah, hüpfte auch gleich mein Herz vor Freude.
Ich konzentrierte mich jetzt auf meine Musik. Schließlich musste ich den Chef zufriedenstellen, der mich ja gut bezahlen will.
Also wippte ich an meinem Pult im Takt der Musik und machte flapsige Gesten mit den Armen.
Die Schönheit vom Vorabend die mir Ausgang begegnete, tanzte ganz vorne und ganz nah am Pult. Sie sah heute noch aufregender aus und ich bemerkte, wie sie während des Tanzens mich immer wieder mit ihren schönen Augen fixierte. Unauffällig musterte ich sie. Sie war wirklich eine wunderschöne Frau, was sie wohl auch wusste.
Aber ich hatte mich bereits verliebt und gegen meine Traumfrau konnte sie nicht mithalten.
Während ich mich auf meiner Playlist die nächsten Titel suchte, klopfte mir jemand auf die Schulter, und die Schönheit stand mit einem frisch gezapften Bier an meinem Pult. Mit einer reichenden Geste hielt sie mir das Glas hin, dabei lächelte sie mich innig an.
Ich setzte meine Kopfhörer ab, ergriff dann das Glas und war etwas unruhig dabei, von so einer schönen Frau etwas spendiert zu bekommen.
Sowas passiert einem ja schließlich nicht jeden Tag. Sie war wieder top geschminkt. Rote Lippen, dazu passender Nagellack, und ihre strahlend weißen Zähne boten mir wirklich einen atemberaubenden Anblick. Das Gesamtpaket war schon ein wirklicher Hingucker. Ihr Lächeln, ihr Minirock und ihre High Heels rundeten das Paket ab.
"DJ, klappt es heute mit dem Drink nach der Arbeit?" säuselte sie mir lächelnd zu.
Ich beugte mich zu ihr herüber. "Du bist tatsächlich eine atemberaubende Frau und sicherlich eine der schönsten Frauen hier, aber ich kann leider nicht mit dir was nach der Arbeit trinken, weil ich schon vergeben bin."
Trotz dieser Worte lächelte sie mir zu, blinzelte kurz und verließ meine kleine Bühne.
Hoffentlich hatte ich die Schönheit nicht so sehr vor den Kopf gestoßen. Aber so wie sie aussah, hatte sie sicherlich überhaupt kein Problem, einen Typen kennenzulernen. Gelegentlich sah ich sie mit verschiedenen Männern vor mir tanzen. Und immer wieder lächelte und zwinkerte sie mir zu.
Es ging nun langsam auf den Feierabend zu. Zwischen vielen "Fern-Küssen" und süßen Gesten mit fremden Frauen, die sich tanzend vor mir bewegten, war es wieder ein gelungener Abend.
Nur Simone ließ sich während der ganzen Zeit nicht blicken.
Zwischen den nun scheidenden Gästen konnte ich jetzt hin und wieder Simone bei der Arbeit erhaschen. Mit einem Lächeln und Schwung trug sie ihr Tablett und hinterließ gelegentlich Kommentare an die scheidenden Gäste. Jetzt schaute sie aus der Ferne zu mir, zuckte mit den Schultern und gab mir zu verstehen, dass wir uns nachher noch einmal sehen würden.
Nun packte ich meinen Kram zusammen und konnte es kaum erwarten, meine Traumfrau bald ganz nahe zu sein. Geduldig wartete ich auf sie, während ich auf meinem Hocker am Pult die restlichen gehenden Gäste beobachtete.
Endlich war es soweit. Simone kam auf mich zu und hielt dabei zwei Sektgläser in der Hand. Wie ein Engel schwebte sie so auf mich zu, und die Schmetterlinge in meinem Bauch fingen an, mit ihren Flügeln zu schlagen. Ihre Schönheit, ihr Näherkommen, ließen mich jetzt kurzatmiger werden. Nur nichts anmerken lassen, schoss es mir durch den Kopf, nur nichts anmerken lassen.
Sie erreichte gleich meine kleine Bühne und war nur noch wenige Zentimeter von mir entfernt. Mein Herz raste vor Aufregung.
Sie reichte mir nun eines der beiden Gläser. "Prost, mein Max."
Ich glaubte gleich ohnmächtig zu werden. Hatte sie wirklich 'mein Max' gesagt?
"Prost, meine Simone", erwiderte ich frech grinsend und wieder halbwegs gefasst. Unsere Gläser stießen zusammen, dabei schaute sie mich durchdringend an, so dass die Schmetterlinge im Bauch wieder verrückt spielten. Lieblich nippte sie an ihrem Glas, während ich meines auf Ex kippte.
"Simone, wollen wir uns nicht mal außerhalb dieses Ladens treffen?" sprach ich mit leicht zitternder Stimme.
"Warum nicht", entgegnete sie lächelnd.“ Dann gab sie mir ein Küsschen auf die Wange und verschwand mit den Worten, dass sie noch ihre Abrechnung machen müsste, dabei machte sie eine flapsige Handbewegung.
Hurra, jetzt hatte ich ein Date. Ein Date mit der atemberaubendsten Frau die ich je gesehen hatte. Mein Herz hüpfte vor Freude auf und ab.
Unruhig packte ich meine restlichen Utensilien zusammen, und immer wieder glitt mein Blick in den Saal, um meine Herzensfrau, mein Date zu erhaschen, die aber nirgendwo zu sehen war und vermutlich sich in einen der vielen Nebenräume befand.
Lächelnd und überglücklich schwebte ich nun zum Ausgang.
Am Tresen vorbei kam sie gerade aus der Schwingtür gestürmt, warf mir noch einen Handkuss zu.
Glücklich und beschwingt, mit einem Date im Kopf, radelte ich nach Hause. Im Bett ließ ich den Abend Revue passieren und dabei fiel mir auf, dass ich überhaupt keine Telefonnummer von ihr hatte und dieses stimmte mich jetzt etwas traurig. Wie konnte mir das nur passieren, wo hatte ich nur meine Gedanken? Fragte ich mich immer und immer wieder. Irgendwann war ich dann auch eingeschlafen.
Nun begann das ewige Warten auf das nächste Wochenende, und das ohne Simone. Jetzt hieß es warten, warten, warten.
Wieder war in der Woche Bandprobe. Auch Jörg war gekommen.
Jörg stürmte auf mich zu. „Hey Alter, läuft da was mit Simone und dir?“
„Das wüsste ich auch gern. So schnell wie sie immer bei mir ist, so schnell ist sie aber auch wieder weg“, schmollte ich Jörg zu.
„Sie hatte eben viele schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Ich glaube, die wird sich nie wieder auf einen Mann einlassen“, bemerkte er mit ernster Miene.
Diese Worte von ihm ließen mich gedanklich in ein tiefes Loch fallen. War das mit dem Treffen von ihr nur so dahingesagt?
Jörg hatte mit diesen Worten nicht gewusst, was er damit angerichtet hatte.
Ich konnte mich an diesem Abend kaum noch auf die Bandmusik konzentrieren, da mir Jörgs Worte immer wieder in den Kopf kamen. Dadurch verhaute ich gelegentlich die Takte am Schlagzeug und erntete böse Blicke von meinen Kollegen.
Nach der Bandprobe erwähnte unser Bandchef, dass wir am Freitagnachmittag einen Auftritt in unseren Dorfrestaurant haben und alle pünktlich 17:00 Uhr erscheinen sollten. Mit leisen murmeln verließen wir den Proberaum. Als ich an der Tür stand, rief der Bandchef Ronald, ich möge mal zu ihm kommen. „Max, ein Wort“, begann er und nahm mich zur Seite. „Du warst heute nicht ganz bei der Sache. Ich hoffe, du bekommst dich wieder in den Griff.“ „Klar, Chef“, entgegnete ich mit gesenktem Kopf.
Die „Dorftanzmucke“ am geplanten späten Nachmittag lief sehr gut. Konzentriert war ich allerdings nicht richtig, weil ich nur an heute Abend und an Simone denken musste. Aber ich gab mein Bestes um nicht wieder aufzufallen.
Gleich nach dem Tanznachmittag machte ich mich auf in den Dance-Keller. Ich musste, bevor ich am DJ-Pult gefangen war, Simone sehen, denn ich musste unbedingt wissen, ob sie es ernst meinte mit dem Date.
Schnell radelte ich zum Keller, stürmte hinein und hielt Ausschau nach ihr.
Nur der Chef Marc war da.
„Hey Max, hast du dich wohl in der Zeit geirrt. Du bist eine Stunde zu früh“, sagte er.
„Ist Simone da? Ich muss sie etwas fragen.“
„Simone? Nein, sie hat heute frei und ist erst morgen wieder da.“
Das war ein Tiefschlag für mich. Ich war sehr traurig und unruhig.
Ein Abend ohne Simone, das Ungewisse, ob sie es ernst mit dem Date gemeint hatte – wie sollte ich das nur ohne dieses Wissen, es aushalten?
Ich ließ mir an der Bar einen Kaffee einschenken und meine Laune war irgendwie nicht gerade gut.
Schlendernd begab ich mich an mein DJ-Pult. Ich bastelte meine Utensilien an die Anlage, machte irgendwie lustlos den Soundcheck. Obwohl ich jetzt richtig Geld verdiente, war mir das alles irgendwie egal ohne Simone. Ich saß auf meinem DJ-Hocker und begann mit dem Einspielen der Musik.
Der Saal füllte sich langsam, die Frauen tanzten wieder aufreizend vor mir und die Schönheit war auch wieder da und rekelte sich sexy vor mir auf der Tanzfläche. Sie lächelte mich an und ich lächelte etwas gequält zurück.
Der Abend näherte sich dem Höhepunkt. Inzwischen hatte ich mich professionell wieder hinbekommen und ließ den Saal kochen. Die Schönheit kam wieder mit einem Getränk auf mich zu. Sie reichte es mir und säuselte mir ins Ohr.
„DJ, sei nicht traurig, dein Abend wird noch gut.“ Mit diesen Worten verschwand sie von der Bühne und begab sich ins Getümmel.
Was meinte sie?
Wollte sie mich verführen?
Was hatte sie nur vor?
Den ganzen Abend hatte ich die Schönheit nicht mehr gesehen.
Zur frühen Stunde sah ich dann aus der Ferne die Schönheit mit einer Frau ankommen, die wie Simone aussah.
Ich kniff die Augen zusammen. Ist das Simone?
Nein, korrigierte ich mich selbst, was soll sie denn hier?
Und dann noch mit der Frau und um diese Zeit.
Das konnte nicht sein!
Irgendwie spürte mein Bauch, dass es nur Simone sein konnte. Aber was hatte sie mit der fremden Frau zu tun?
Bevor ich meine Fragen gedanklich beantworten konnte, standen bereits beide Frauen neben mir auf der Bühne.
Simone umarmte mich und gab mir einen Kuss auf den Mund. „Du bist ein toller Typ, ich will mich mit dir Daten“, hauchte sie mir ins Ohr.
Währenddessen griff sie nach meiner Hand und drückte mir einen kleinen Zettel in die Hand. Ich war vollkommen verdutzt und gelähmt über das eben Geschehene.
Bevor ich mich besann, war sie so schnell wieder mit der Schönheit verschwunden, wie sie beide aufgetaucht waren.
Ich faltete eiligst den kleinen Zettel auf. Eine Telefonnummer war zu sehen, umschlungen von einem roten Herz.
Simone hatte mir tatsächlich ihre Nummer gegeben! Immer wieder las ich die Nummer leise vor mich hin, als würde ich sie wie ein Gedicht einprägen wollen.
Nun hatte ich jetzt enorme Schwierigkeiten, mich weiterhin auf meine Arbeit zu konzentrieren, denn immer wieder ging mir das eben Erlebte durch den Kopf. Ich spürte noch immer ihren sanften Kuss auf meinen Lippen, und meine Gedanken waren nur noch bei ihr.
Ein kleiner Schlag auf meiner Schulter holte mich aus meinen Gedanken. Der Chef des Hauses grinste mich an und bemerkte, dass ich neben der Spur war. Sein Gesicht verzog sich zu einem noch breiteren Grinsen. „Max, packe hier alles zusammen und träume schön“, spöttelte er, während er sich langsam von mir wegbewegte. „Nacht, Chef“, hauchte ich hinterher, „ich bin verliebt“, flüsterte ich leise.
Am nächsten Morgen wurde ich durch lautes Hundegebell auf der Straße aus meinen Träumen gerissen.
Mein schöner Traum den ich gerade über Simone und mich hatte, wie ich sie in meinen Armen hielt und küsste, wurde durch das Gebell abrupt zerrissen.
Meine Uhr zeigte gerade mal 7:00 Uhr an, und an das Einschlafen mit einer Traumfortsetzung glaubte ich nun selbst nicht mehr. Also wälzte ich mich aus meinem Bett, ging zu meiner Jeans und zog mit leicht zittrigen Händen den kleinen Zettel aus der Tasche. Ich küsste den Zettel, starrte ihn an und murmelte immer wieder die Nummer, die darauf stand. Inzwischen hatte ich sie mir zwar eingeprägt, aber das rote Herz darauf ließ meinen Puls schneller schlagen.
Wie ein Tiger im Käfig lief ich in meiner kleinen Wohnung auf und ab und hoffte, dass die Zeit schneller vergehen würde, damit ich sie anrufen konnte. Dabei ging mein Blick immer wieder zur Uhr. Ob ich sie jetzt schon anrufen könnte? fragte ich mich selbst, während ich wieder auf meinen Radiowecker schielte. Es war 7:25 Uhr, ich hielt es nicht mehr aus!
Ich tippte die ersten Zahlen vom Zettel in mein Handy ein. Ich zitterte, mein Blutdruck war an der Belastungsgrenze, mein Atem wurde immer schwerer. Doch dann hielt ich inne und konnte nicht weitermachen. Ich warf mich auf mein Bett und hoffte, so wieder runterzukommen. Was war denn mit mir geschehen? Warum war ich so aufgeregt? Diese Gedanken kamen immer wieder auf. Mein Puls raste immer noch, aber mein Atem kam langsam wieder zur Normalität zurück.
Jetzt musste ich mich erst einmal kalt abduschen und dann noch einmal Anlauf nehmen, um später noch einmal meine Liebste anzurufen. Unter der Dusche dachte ich nur an sie, an die Frau, die mir den Kopf verdreht hatte. Mein kleiner Max schien das kalte Wasser nicht zu stören, denn er blieb in seiner aufrechten Position und dachte nicht daran, sich zurückzuziehen. Ich musste an etwas anderes denken, mich ablenken. Aber wie?
Denk an etwas Schlechtes, sprach ich mir selbst zu.
