Mein Weg im Licht eines Meisters - Brigitte Nickel - E-Book

Mein Weg im Licht eines Meisters E-Book

Brigitte Nickel

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Beschreibung

Als eine junge Frau eine Yoga-Stunde in ihrer Heimatstadt München besucht, ahnt sie nicht, dass sie dort ihrem spirituellen Lehrer begegnen würde und dass damit ihre Reise auf dem inneren Weg beginnt. Inmitten von Studium, Beruf, Alltag, Familie und dem Großstadtleben taucht sie immer tiefer in die mystische Verbindung zwischen Lehrer und Schüler ein. Eine Beziehung, die ihr Leben über viele Jahre hinweg mal schleichend, mal plötzlich tiefgreifend verändert und alle Ebenen ihres Hierseins durchlichtet, aber auch erschüttert. Das Erwachen und der Aufstieg der Kundalini, die unmittelbare Präsenz der geistigen Welt, Erinnerungen an Inkarnationen, das Empfangen einer transformierenden Lehre und vieles Unbekanntes mehr werden zu ihrem Lebensmittelpunkt. Bis sich nach vielen Jahren dieser mystischen Schulung zeigt, dass dies Vorbereitungen dafür sind, letztlich innerlich alles zurückzulassen, wenn das Göttliche wahrhaftig erfahren werden möchte. Für den Verstand absolut bedrohlich, für die Befreiung der Seele essentiell. Die/Der LeserIn wird mitgenommen auf eine außergewöhnliche, spannende sowie authentische Reise durch Höhen und Tiefen eines inneren Weges. Sie/er taucht beim Lesen mit in eine Liebe ein, die nicht von dieser Welt ist.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 299

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Brigitte Nickel

Mein Weg im Licht eines Meisters

IMPRESSUM

© 2021 – Brigitte Nickel

1. Auflage

Alle Rechte vorbehalten.

Autorin: Brigitte Nickel

Umschlaggestaltung: Katrin Heitzmann

Lektorat und Korrektorat: Anja Angermann, Dominique Münßinger,

Verena Di Bernado, Yvonne Siegwarth

Buchlayout: Brigitte Nickel

Verlag und Druck: tredition GmbH. Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

Taschenbuch: ISBN 978-3-347-36593-3

ebook: ISBN 978-3-347-36595-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Brigitte Nickel, 1981 geboren in München, lernte und arbeitete viele Jahre im Gesundheitsbereich als Kos- metikerin, Masseurin, Fachverkäufe- rin und Yoga-Lehrerin. Diese Tätig- keiten erfüllten sie in ihrem Anliegen, Menschen zu unterstützen und halfen ihr, sich ihren Traum des Germanistik- studiums zu finanzieren, welches sie 2008 absolvierte.

2004 begegnete sie ihrem spirituellen Lehrer Daniel Hertlein, der sie in die yogische Praxis mit Körper- und Energieübungen, Meditation und in geistiger Heilarbeit einführte. Es folgten viele Jahre der Selbstergründung und Transformation. Nach ihrem Studium arbeitete sie selbstständig als Masseurin und journalistisch als Ghostwriterin in den Bereichen Medizin und Achtsamkeit. Im Daniel Hertlein Verlag erfüllt sich seit 2011 ihr Wunsch, die Lehre für andere Menschen zugänglich zu machen, indem sie die Redaktion und Publikation von Büchern und Audio-Aufnahmen unterstützt.

2018 schloss sie die vierjährige Ausbildung in Yogischer Heilkunst bei Daniel ab und unterrichtet und begleitet seitdem Menschen auf ihrem inneren Weg durch Meditation, Yoga und Gespräche. In energetischen Behandlungen, in Tierkommunikation sowie in der Verbindung mit der geistigen Welt stellt sie dabei ihre medialen Fähigkeiten zur Verfügung.

INHALT

Vorwort

1 – Yoga, anders als gedacht

2 – Der Versuch, unabhängig zu bleiben

3 – Weglaufen als Option?

4 – Einweihung in Meditation

5 – Begleitet in Indien

6 – Von göttlicher Energie berührt

7 – Mystisches mit anderen erleben

8 – Im Zen-Kloster

9 – Eine Entscheidung

10 – Einblicke in die Schau meines Lehrers

11 – Das Mysterium zwischen Lehrer und Schüler

12 – Zazen, Kinhin und Sitzen mit Meistern

13 – Heilungen ohne Worte

14 – Durch Trauer gehen

15 – Zwischen Himmel und Erde

16 – Wegweiser studieren

17 – Unbequemes Lernen

18 – Gott an erster Stelle

19 – Befreiung aus einer Inkarnation

20 – Die Freude an wahren Worten

21 – Eine Liebe, die alles durchdringt

22 – Die Hand geben

23 – Meine heile Welt loslassen

24 – Shakti lebt

25 – Nicht stehenbleiben

26 – Abhängigkeiten lösen

27 – Läuterung in der Liebe

28 – Stille Einweihungen

29 – Gnadenvolle Veränderungen

30 – Erste Hilfe

31 – Karma abgeben

32 – Yogische Heilkunst

33 – Über den Tod hinaus

34 – Reinigung im Feuer des Lichts

35 – Ein Ort hoher Schwingung

36 – Besuche aus anderen Dimensionen

37 – Wer bin ich?

38 – Ohne Aufgabe

39 – Was immer war, sein wird und jetzt ist

Die Guru-Schüler-Beziehung ist der höchste Ausdruck von Freundschaft, denn sie basiert auf bedingungsloser göttlicher Liebe und Weisheit. Es ist die erhabenste und heiligste aller Beziehungen.

Um in der göttlichen Suche erfolgreich zu sein, ist es wie in jedem anderen Aspekt des Lebens notwendig, Gottes Gesetzen zu folgen. Um das in einer Schule verfügbare weltliche Wissen zu verstehen, muss man von einem Lehrer lernen, der es kennt. Um spirituelle Wahrheiten zu verstehen, ist es notwendig, einen spirituellen Lehrer oder Guru zu haben, der Gott kennt.

Paramahansa Yogananda

VORWORT

Eine tiefe Sehnsucht nach „irgendetwas“ ließ mich suchen seit ich auf diese Welt kam. Ich wusste nicht, dass es eine Sehnsucht war und dass sie gestillt werden konnte. Ich fühlte mich eher wie Mr. Bean, der von oben in einen Lichtspot herunterplumpste, aufstand und dann orientierungslos in eine Richtung rannte. So rannte ich in die Richtung, in die die meisten Menschen liefen. Ich versuchte mich im gesellschaftlichen Regelwerk zurechtzufinden, mich anzupassen, einen vernünftigen Lebensweg zu planen und als Ausgleich geistig in meiner heilen Fantasiewelt Zuflucht zu finden.

Anscheinend sah „jemand“ meinen inneren Schmerz, meine Sehnsucht nach mehr und half mir, meinen Meister zu finden. Oder fand er mich? Natürlich war mir das alles nicht bewusst. Als ich meinem Meister mitten in München in einer Yoga-Stunde begegnete, ahnte ich weder etwas von einem inneren Weg, dem Erwachen der Kundalini, noch von meiner eigenen Dunkelheit oder einem Lichtkörperprozess. Ich ahnte auch nicht, dass aus einer unverbindlichen Yoga-Stunde über siebzehn Jahre in einer mystischen Verbindung resultieren würden.

Siebzehn Jahre, in denen ich immer wieder durch meine eigene Schattenwelt gelaufen bin und gleichzeitig in Dimensionen des Lichts angehoben wurde, von denen ich bis dahin nichts ahnte. Jahre, in denen sich mir neue Türen öffneten und alte Türen schlossen, so dass ich immer weiter gehen musste. Es gab kein Zurück mehr. Auch wenn es sich ein Teil in mir in manch schlaflosen Nächten so wünschte. Mein Ich, an dem permanent gerüttelt wurde und das immer wieder um sein Überleben im göttlichen Licht kämpfte.

Auf dem Weg zur Wahrheit wird alles beleuchtet, was nicht wahrhaftig ist. In Verbindung mit einem Meister kommt alles ans Licht, was nicht Licht ist. Wo ich manche Lehren so interpretieren kann, wie sie mich in meiner kleinen Welt bestätigen, so ist das in der Verbindung zu einem lebendigen Lehrer nicht möglich. Wie der westliche Guru Adi Da Samraj einmal zusammenfasste: „Dead Gurus can´t kick ass.“

Es ist ein unbequemer, mit vielen Veränderungen verbundener Prozess, der jedoch von und in einer Liebe getragen ist, die nicht von dieser Welt ist. Die Liebe des Göttlichen durch einen inkarnierten Meister in homöopathischen Dosen aufnehmen zu dürfen, ist, was mich immer weiter gehen ließ, was ich als höchste Gnade empfinde und mich mit einer Dankbarkeit erfüllt, die kaum in Worte zu fassen ist. Die Buddhisten sagen, es gibt drei große Gnaden: als Mensch geboren zu sein, die Sehnsucht zu spüren, die im Herzen ruft und einen Pfad zu finden, der den Weg nach Hause weist. Mehr braucht der Mensch nicht. Auch, wenn ich oft dachte durchzudrehen, weil ich mich in meiner Welt, wie ich sie bisher kannte, nicht mehr zurechtfand, so kam ich letztlich doch immer zu dem Schluss: Alles geschah aus Gnade und tiefer Liebe. Nicht in blindem Vertrauen, sondern vor dem Hintergrund einer bewährten spirituellen Praxis mit jahrtausendalter Tradition. Jede Übung, die mir mein Meister gab, öffnete mir Türen, bereicherte mein Leben, stärkte mich auf meinem Weg und ließ mich immer tiefer in diesen mystischen Weg vertrauen. Ich musste nichts glauben. Alles war unmittelbar erlebbar.

In vielen Traditionen ist die Beziehung zwischen dem Meister und seinem Schüler selbstverständlich. Doch was ist, wenn du deinen Lehrer nicht im Himalaya oder einem fernen Land findest? Sondern mitten in München, in deinem Leben? Wie lebt es sich mit einer erweckten Kundalini inmitten einer Welt der Ablenkungen, des Konsums und des Leistungsdrucks? Und wie herausfordernd ist die Begleitung der Menschen für den Lehrer in einer schnelllebigen Kultur, in der sich wenige Suchende wirklich verpflichten möchten?

Meine Seele buchte in diesem Leben anscheinend das All-inclusive-one-way-ticket. In diesem Buch nehme ich dich mit auf meine persönliche Reise der letzten Jahre und teile mit dir meine Erfahrungen. Während der zehn Jahre, die ich an diesem Buch schrieb, überlegte ich immer wieder, ob und weshalb ich es veröffentlichen sollte. Ich war sehr dankbar über alle Bücher, die ich über Meister-Schüler-Verbindungen las. Ich fühlte mich inspiriert, verstanden, amüsiert und nicht so allein auf einem mystischen Weg, über den kaum jemand schreibt oder spricht und den vielleicht nur wenige erleben. Gleichzeitig fanden all diese Geschichten in Ashrams, in Höhlen des Himalayas, in Indien oder Tibet statt – in Kulturen, in denen diese Beziehung Tradition hat im Vergleich zu Mitteleuropa. Vielleicht unterstützt und inspiriert dich dieses Buch, wo auch immer du bist und auf welche Weise auch immer du dich mit Spiritualität beschäftigst.

Aufgrund der langen Zeitspanne der letzten siebzehn Jahre, und um die Privatsphäre meines Umfelds zu wahren, ist das Buch nicht ganz vollständig. Umso dankbarer bin ich den MitschülerInnen Bettina, Jindra, Katrin, Vjerena und Christian, deren Erfahrungen auf ihrem inneren Weg mit unserem Meister ich hier ebenfalls teilen darf.

Ich wünsche viel Freude beim Lesen!

Brigitte

1

YOGA, ANDERS ALS GEDACHT

Mein innerer Weg begann sehr unspektakulär. Ich bin dafür nicht nach Indien oder in den Himalaya gefahren. Ich habe tatsächlich auch nicht nach einem erleuchteten Menschen gesucht oder hatte das Ziel, selbst erleuchtet zu werden. Bis dahin hatte ich nicht einmal das Gefühl, dass es irgendetwas in meiner Seele zu heilen gibt.

Was mich allerdings schon immer begleitet hat, war der starke Glaube an etwas Mystisches, an einen größeren Sinn des Lebens, an etwas Überirdisches und eine Faszination an der geistig-seelischen Kommunikation. Ich hatte das bisher in der Esoterik gesucht. Als Teenager habe ich mein Umfeld und mich durch Numerologie analysiert und Horoskope gelesen – von keltisch bis chinesisch. Die Hände meiner Familie versuchte ich stundenlang zu lesen. Ich bin jedes Jahr auf der Esoterikmesse in München zu verschiedenen Kartenlegerinnen gegangen. In unserem Abiturbuch wurde ich von meinen Schulfreundinnen mit folgenden Worten beschrieben: „Freizeit zur Selbstfindung – in ihrer Freizeit widmet sie sich gerne ihren Hobbys: Astrologie, Numerologie, Traumdeutung, Handlesen, weiße Magie, da sie sich für Übersinnliches interessiert.“

Mit meiner Ausbildung zur Kosmetikerin, der Arbeit in der Parfümerie und dem Studium der Germanistik rückte all das etwas in den Hintergrund, weil ich durch die Schule verinnerlicht hatte, etwas „Vernünftiges“ zu lernen und zu arbeiten. Und auch, weil ich nirgendwo in der Esoterik etwas Zufriedenstellendes gefunden hatte. Ich hatte mich bis dahin numerologisch von oben bis unten durchgerechnet, meine Hände gelesen und kannte meine Horoskope auswendig. An die Aussagen der Kartenlegerinnen kann ich mich nicht mehr genau erinnern – nur, dass meine Zukunft nicht allzu spannend zu werden schien.

An diesen Punkt kam ich nun. Wo sollte ich sonst nach etwas Größerem suchen? Ich war zwar katholisch, aber in der Kirche war ich eher ein sehr seltener Gast – nur zu meiner Taufe und den Vorbereitungen auf die Kommunion und Firmung. Selbst da fand ich mehr Gefallen an dem schönen weißen Kleid und an den Jungen in der Gruppe.

Nun war ich 24 Jahre, Germanistikstudentin und arbeitete in der Parfümerie. Eines Tages fragte mich meine Mitstudentin, ob ich Lust habe, mit ihr einen Yoga-Kurs zu besuchen. Sie hatte gehört, dass es gut gegen Rückenprobleme sei. Unser Stundenplan war ähnlich, somit hatten wir beide Freitagsvormittags frei und wir beschlossen, diesen dafür zu nutzen.

Von mir aus hätte ich vermutlich nie mit Yoga begonnen, weil es mich nicht so sehr interessierte. Aber ich fand es eine schöne Idee, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren und sagte zu. Yoga war bis dahin absolutes Neuland für mich.

Auf meinem Weg in die Arbeit fuhr ich täglich mit dem Bus an einem Sportstudio vorbei, an dessen Fenster ein Poster von einem sehr attraktiven Mann hing. Er saß mit freiem, sehr trainiertem Oberkörper meditierend auf einem Seesteg. Über ihm stand mit großen roten Buchstaben „Yoga“ geschrieben. Das Plakat war sehr ansprechend, nicht unbedingt wegen des Yoga, sondern mehr wegen des tollen Mannes darauf. Das Studio befand sich gleich in der Nähe, zehn Minuten mit dem Fahrrad von meiner Wohnung entfernt und auch nicht weit von meiner Studienkollegin. Ich informierte sie, und wir beschlossen, dass ich dort mal vorbeischaue und frage, ob wir das mit dem Yoga einmal ausprobieren dürfen.

Dem Plakat zufolge fanden die Kurse freitags statt, so dass ich an einem Freitagmorgen in das Studio ging. Der Mann, der auf dem Plakat zu sehen war, stand hinter einer Theke und schien Bücher und CDs zu sortieren. Er schaute auf, als ich hereinkam. Er sah sehr locker und entspannt aus und nicht weniger attraktiv als auf dem Plakat.

„Hallo“, sagte ich. „Ich wollte fragen, ob eine Freundin und ich mal ganz unverbindlich an einem Freitagvormittag am Yoga teilnehmen dürfen.“

„Ja, klar“, sagte er und strahlte mich an.

„Dann können wir einfach so mal nächste Woche kommen?“, ich war fast verwirrt, über diese Unkompliziertheit und Freiheit in seiner Antwort.

„Ja, klar“, sagte er.

Meine Freundin und ich besuchten fortan jeden Freitagvormittag seine Yoga-Stunde. Der Lehrer hieß Daniel. Es war Wirbelsäulen-Yoga und daher ganz sanft und so, dass wir den Übungen gut folgen konnten. Oft, das muss ich zugeben, hinkte ich den Übungen etwas hinterher, weil ich es auch genossen habe, wie er mit seinem durchtrainierten Körper die Übungen zeigte. Ich war damals glücklich in einer Beziehung. Aber hinsehen durfte ich ja.

Dennoch war es nicht nur das, was meine Stimmung jeden Freitag anhob. Nach dem Unterricht war ich immer für den ganzen Tag außergewöhnlich glücklich. Der Freitag war von da an immer mein schönster Tag in der Woche, selbst wenn ich nachmittags arbeiten musste. Es war ein Höhenflug, der an dem Tag durch nichts gebremst werden konnte.

Es ging weit über ein gewöhnliches „Es tut mir gut.“ hinaus. Es – und damals war mir nicht klar, was „es“ war – hat mein Herz und meine Seele unglaublich angehoben. Ich war erleichtert und beschwingt, obwohl sich im Außen in meinem Leben gar nichts verändert hatte.

Nach einigen Monaten zog meine Freundin in die Innenstadt und konnte nicht mehr ins Yoga kommen. Ich blieb trotzdem dabei und ging jede Woche zu Daniel. Dieses „Etwas“ zog mich dorthin. Ich wusste nur immer noch nicht, was es war.

Einige Jahre später, meine Studienkollegin und ich hatten kaum noch Kontakt, schrieb ich ihr einen Brief, in dem ich mich bei ihr bedankte. Dank ihres Impulses habe ich Daniel gefunden und seitdem unzählige tiefgreifende Veränderungen erlebt.

Ich besuchte über Monate hinweg freitags Daniels Yoga-Stunde. Dabei versuchte ich häufig nahezu unbemerkt zu kommen und zu gehen. In dieser Kurszeit waren ausschließlich Frauen als Teilnehmerinnen da, und sie unterhielten sich oft lange vor und nach dem Unterricht mit Daniel, umarmten einander und ihn zur Begrüßung und zum Abschied. Es schien alles sehr innig. Ich hatte nicht so sehr das Bedürfnis nach Kontakt zu ihnen, und mit Umarmungen hatte ich es damals nicht so sehr – in meiner Familie oder im Freundeskreis gab es das so nicht bzw. hatte es keinen so hohen Stellenwert.

Ich war noch nie ein sogenanntes Groupie, sondern genau das Gegenteil. Wenn Mädchen in der Schule auf irgendwelche Boygroups standen, verweigerte ich das immer erst recht. Ich wollte nicht zu den Menschen gehören, die jemanden „anhimmeln“, hysterisch werden oder sich abhängig machen. Und so blieb ich weiterhin distanziert und erfreute mich an der Praxis, dem Unterricht und die Euphorie, die ich währenddessen und danach empfand.

In den darauffolgenden Monaten bin ich allerdings mit wechselnden Gefühlen in Daniels Unterricht gewesen. Zum einen wurden diese unglaublichen Glücksgefühle frei, zum anderen war es mir teilweise unangenehm, was er alles ausgesprochen hat. Er sprach so viel von dem aus, was in mir vorging – auch die „unangenehmen“ Dinge, bei denen ich mich oft „ertappt“ fühlte. Beispielsweise nicht liebevolle Gedanken, die Art, wie ich mich Dinge nicht zu leben traute, meine Unnahbarkeit und vieles mehr. Es war, als hätte er in mich reingeschaut und eben nicht nur über die guten Seiten gesprochen, sondern auch darüber, wovon man insgeheim weiß „Ja, könnte ich besser machen …“.

Es war mir auch sehr fremd, dass jemand etwas bei mir wahrgenommen und ausgesprochen hat. Damals lief das bei mir unter „Privatsphäre“ und es war eine Selbstverständlichkeit für mich, über gewisse Dinge einfach nicht zu sprechen. Ich kannte es bis dahin so, dass man einfach gut funktionieren sollte, keine Schwächen zeigt oder in die Tiefe geht, was Gefühle oder Probleme betrifft. Wenn Daniel neben mir stand und auf einmal all das „Unperfekte“ aussprach, war mir das extrem unangenehm. Es war zwar bewusst, aber ich versuchte es zu verbergen. Manchmal nervte es mich richtig, und ich schaute während der Schlussentspannung an die Decke und wartete bis die Stunde vorbei war. Einmal, als ich so dalag, ging er an mir vorbei und fragte, ob alles in Ordnung sei. „Ja klar“, sagte ich und es war offensichtlich, welche Art von „Ja klar.“ ich meinte. Jetzt wurde sogar mein Genervtsein gesehen! Aber – und das hatte es mir leichter gemacht – ich konnte noch so tun, als hätte das Angesprochene mit mir nichts zu tun. Ich wurde nicht direkt darauf angesprochen und teilte mich auch nicht mit. Ich tat also so, als würde das Gesagte mich nicht betreffen.

Irgendwann kaufte ich mir eine von Daniels Yoga-CDs, um auch zu Hause unter Anleitung zu üben. Es war eine sehr ruhige und entspannte Übungsreihe. Seine Anleitung war mit wunderbarer Flötenmusik hinterlegt und so konnte ich mir eine schöne Zeit zu Hause mit mir selbst machen. Vor allem auch in den Ferien, wenn kein Yoga stattfand.

Einmal, als ich diese Übungsreihe in den Ferien machte, vollkommen entspannt war und final in den Schulterstand ging, geschah etwas Unerwartetes mit mir. Ich musste auf einmal weinen. Es brach völlig ungebremst aus mir heraus. Ich hatte keine Ahnung, was da mit mir passierte. Mir ging es bis eben doch noch sehr gut. Ich beruhigte mich wieder und machte die Schlussentspannung. Aber es ließ mir keine Ruhe. Damals war mir nicht bewusst, dass das Yoga und speziell Daniels Übungsreihen tiefere und unbewusste Schichten berühren können.

Ich erzählte Daniel das nächste Mal von meinem Erlebnis. Er schaute mich keineswegs überrascht an, lächelte und sagte nur „Okay“. Obwohl es mich verwirrte, fragte ich nicht weiter nach. Es schien wohl nichts Beunruhigendes zu sein. So blieb es eine Erfahrung – meine erste eigene Erfahrung, dass die Übungen tiefer gehen und etwas bewegen können.

Nicht allzu lange danach kam Daniel während der Schlussentspannung zu mir und begann, meinen Bauch zu massieren. Ich fand das schön und genoss es. Ich hatte das Gefühl, dass mein Bauch ganz wohlig und weich war. Dann ging Daniel wieder auf seinen Platz und meditierte.

Auf einmal wurde mir eiskalt und Tränen stiegen in meine Augen. Was war das denn jetzt? Ich spürte, dass ich stärker weinen musste, stand etwas benebelt auf, ging nach draußen auf die Toilette, sperrte mich ein, setzte mich auf den Toilettendeckel und weinte. Bilder tauchten in mir auf, aus der Familie und aus verschiedenen erlebten Situationen. Irgendetwas war in den Bildern, die in mir hochkamen, belastend und traurig. Ich schluchzte und gab mir anschließend Zeit, mich zu beruhigen. Ich wollte nicht zu lange weg sein – schließlich war die Stunde bald zu Ende.

Als die Tränen versiegten, ging ich zurück in den Yogaraum. Die anderen Teilnehmerinnen räumten bereits auf. Ich nahm meine Matte, legte sie auf den Stapel, zog mich in der Umkleide um und verabschiedete mich beim Rausgehen. Während ich mein Fahrrad aufsperrte, ging die Tür auf, Daniel steckte seinen Kopf durch die Tür und fragte mich: „Ist alles okay bei dir? Wenn du etwas fragen oder teilen möchtest, melde dich gerne.“ 1Ich nickte nur und sagte „Mach ich!“ Es war diese Aussage, bei der klar war, dass ich das keinesfalls machen würde. Ich schwang mich aufs Fahrrad und fuhr mit einem riesigen Fragezeichen über meinem Kopf nach Hause. Dass sich im Körper Lebensthemen finden, sollte ich erst sehr viel später erkennen.

In einer weiteren Yogastunde lagen wir zur Schlussentspannung auf dem Rücken. Neben mir lag eine Teilnehmerin, deren Körper unwillkürlich immer wieder zuckte. Arme und Beine hoben sich immer wieder vom Boden ab und kamen wieder auf.

Sehr beunruhigt schaute ich zu ihr rüber. Es schien, als hätte sie keine Kontrolle über ihren Körper. Daniel ging an uns vorbei, unterrichtete und leitete die Entspannung weiter an, als wäre alles ganz normal. Das beruhigte mich insofern, dass die Frau nichts Schlimmes zu haben schien. Nach der Stunde war diese Frau auch völlig normal. Dennoch fühlte es sich für mich komisch an, dass ihr Körper so unkontrolliert schien. Diese Bewegungen und das Zucken kamen sehr plötzlich und unberechenbar unregelmäßig. Ich habe mir dabei gedacht: „Das möchte ich nicht haben.“

Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die geweckte Kundalini im Körper der Frau ihre Arbeit machte. Das Zucken und die Bewegungen waren ein Zeichen, dass sich die göttliche Energie einen Weg durch ihren Körper und durch die Blockaden suchte. Stieß die Energie auf eine Blockade, kam es zu einer Kontraktion und damit zu einer Bewegung oder einem Zucken. Ich wusste damals auch nicht, dass es ein Segen ist, wenn die Kundalini – unsere Urkraft – zum Leben erweckt wird, und dass ich selbst bald damit gesegnet sein würde.

Über sehr viele Jahre hinweg besuchte ich nur Daniels Yogastunden. Ich sah keinen Grund dafür, andere Kurse auszuprobieren, weil ich dort vollkommen zufrieden war. Irgendwann, als Daniel immer seltener Yoga anbot, probierte ich diverse Kurse und Studios aus, um körperlich flexibel zu bleiben und nicht allein daheim üben zu müssen. Ich bemerkte bald den Unterschied. Mir wurde bewusst, dass anderswo sehr viel mehr Wert auf die Ausführung der Asanas gelegt wurde als auf die innere Verbindung. Die Wahrnehmung innerer Prozesse war nicht miteingebunden. Ebenso musste man sich manchmal so schnell bewegen, dass man mit dem Atem nicht mehr hinterherkam und dass energetisch bei den Menschen nichts geschah. Sie zuckten nicht, es flossen keine Tränen und sie sahen nach dem Yoga nicht verändert aus. Mir fehlte der achtsame Umgang mit sich, mit den anderen und der Respekt vor der Praxis, wie auch das Ritual des Verbeugens vor dem Platz. So übte ich lieber wieder allein zu Hause mit Daniels CDs und genoss die inneren Öffnungen, die Inwendigkeit und Selbsterforschung während der Übungen. Und ich schätzte diese, wie es schien, ganz eigene und besondere Qualität noch mehr.

2

DER VERSUCH, UNABHÄNGIG ZU BLEIBEN

Nach ungefähr eineinhalb Jahren bei Daniel besuchte ich mit einer Freundin ein Seminar bei jemandem, in dem es um die Verbindung zum Höheren Selbst ging. Ich war sehr gespannt. Es klang vielversprechend, mich mit dem Höheren Selbst zu verbinden.

Leider kam die Verbindung nicht so zustande, wie ich es mir vorgestellt hatte. Den ganzen Tag lang spielte eine dudelige „Heile-Welt-Musik“ mit Gesang über das „Höhere Selbst“. Immer dasselbe Lied. Schließlich kam es zu einer Übung, in der wir auf Stühlen im Kreis saßen und wir TeilnehmerInnen uns vorstellen sollten, wie wir innerlich im Körper mit einem Aufzug nach oben fahren. Ich nahm an, zu unserem Höheren Selbst. Ich versuchte der Übung zu folgen, aber mein Aufzug blieb irgendwo zwischen Solarplexus und Hals stecken.

Die Seminarleiterin ging währenddessen von TeilnehmerIn zu TeilnehmerIn und unterstützte jede/n in ihrem oder seinem Prozess. Als sie bei mir war, erklärte ich, dass mein Aufzug anscheinend irgendwie steckengeblieben war. Sie sah mich etwas prüfend an und sagte „Oh, da ist es ja ganz dunkel.“ Dann wandte sie sich von mir ab und ging zu meiner Nachbarin, um sie zu unterstützen. So saß ich mit einem festgesteckten Aufzug in mir in einer Dunkelheit und hörte unerträgliches Gedudel über das Höhere Selbst. Beinahe wäre ich gegangen. War ich froh, als dieses Seminar zu Ende war! Diese Atmosphäre hält eigentlich kein normal fühlender Mensch lange aus.

Am nächsten Tag war mir unglaublich übel. Ich musste mich wieder und wieder übergeben, was bei mir selten vorkommt. Ich lag im Badezimmer neben der Toilette und versuchte klarzubekommen, was mit mir los war. Etwas Schlechtes gegessen hatte ich nicht, und nach einer Grippe fühlte es sich auch nicht an. Eher so, als würde ich mich von dem vergangenen Seminar auf diese Weise befreien. Ich versuchte, die Seminarleiterin zu erreichen. Als ich ihr meine Situation beschrieb, meinte sie, sie könne mir da jetzt nicht weiterhelfen.

Ich verbrachte den Tag im Bad, wartete bis sich mein Körper komplett entleert hatte, und ruhte mich aus. Das Gefühl, dieses komische Erlebnis des Vortages ins Klo zu befördern, brachte tatsächlich Erleichterung. Dass ich Daniel hätte anrufen können, kam mir damals nicht in den Sinn. Das Problem war eher, dass ich mich durch diese Erfahrung von ihm distanzierte. Was im HöherenSelbst-Seminar geschah und wie dort mit meinen Erfahrungen umgegangen wurde, hat mein langsam wachsendes Vertrauen und meine vorsichtige Öffnung gegenüber energetischen Prozessen wirklich erschüttert.

Ich ging weiter in Daniels Unterricht, versuchte aber immer, in einer hinteren Ecke des Raumes zu sein. Ich wollte zwar dabei sein, aber öffnen konnte ich mich nach dem Erlebnis in dem anderen Seminar nicht mehr so einfach. Ich schrieb Daniel in einer Email, dass ich eine Pause benötigte und nicht wüsste, wann ich wiederkomme. Er antwortete mir, dass ich jederzeit wiederkommen könne und vermittelte mir das Bild, dass hinter den Wolken die Sonne scheint. Nur, dass man sie eben manchmal nicht sieht.

Als der Freitag nahte, habe ich die ganze Zeit an den Unterricht gedacht. Ich hatte den Tag wie immer frei und konnte nicht anders als permanent an diese Yogastunde zu denken. Ich fragte mich, wann wohl die ersten TeilnehmerInnen kommen und war zu Unterrichtsbeginn und während der ganzen Stunde mit meinen Gedanken in dem Raum.

Als ich mit meinem damaligen Mann darüber sprach, dass ich nicht in die Stunde gehen würde, ging ein stechender und ziehender Schmerz von meinem Brustraum aus, die Arme entlang bis in die Fingerspitzen. Es fühlte sich an wie Fäden des Schmerzes, die meinen Körper bei dem Gedanken daran durchzogen. So, als würde ich mir damit selbst weh tun und meine Seele zeigte mir das sehr deutlich.

Kurz nach dieser langerdachten Unterrichtspause, die immerhin eine ganze Woche andauerte, bin ich auf ein Retreat von Daniel mitgefahren. Ein Retreat sind Tage des Rückzugs, in denen man sich ohne viel Ablenkung von außen der Praxis widmen kann. Während alle anderen in Fahrgemeinschaften dort hinfuhren, bin ich allein mit dem Zug angereist, ziemlich umständlich mit Umsteigen und dem ganzen Yoga-Gepäck. Zu diesem Zeitpunkt war ich voller Zurückhaltung.

Als ich eintraf, begrüßte ich Daniel und die anderen Teilnehmerinnen nur kurz. Ich war oft allein in meinem Zimmer und tauchte nur zum Unterricht auf. Daniel hielt einen Satsang. Satsang ist ein Begriff aus der indischen Philosophie und heißt übersetzt „Zusammenkommen in Wahrheit“. Insbesondere bezeichnet es ein Zusammentreffen mit einem spirituellen Lehrer, der als erwacht gilt. Während des Satsangs stellen die SchülerInnen in der Regel Fragen, auf die der Lehrer antwortet. Satsangs können außerdem auch Elemente wie kurze Vorträge und gemeinsame Meditationen beinhalten.

An diesem Tag trafen mich Daniels Worte wie Hammerschläge. Ich erinnere mich nicht mehr an die Inhalte der Worte in diesem Satsang, sondern vielmehr an die Energie der Worte und ihre Wirkung auf mich. Es fühlte sich an, als würde Daniel energetisch unaufhörlich gegen eine Rüstung hämmern, die ich mir seit dem HöherenSelbst-Seminar als Schutz um mich herum angelegt hatte. Ich versuchte, dem standzuhalten und mir vor allem in der Gruppe während des Satsangs nichts anmerken zu lassen. Ich atmete, schluckte und versuchte etwas Undefinierbares aufrecht zu halten, was mich unglaublich viel Kraft kostete. In mir bröckelte es, und ein Schwall an Traurigkeit wanderte vom Bauch zum Hals. Ich versuchte durchzuhalten, bis Daniel zum Abschluss die Klangschale anschlug. Geschafft. Ich stand auf und ging so schnell ich konnte in mein Zimmer. In meinem Bett ist meine Schutzrüstung dann vollkommen in sich zusammengebrochen. Ich weinte aus tiefster Seele. Ich fühlte mich allein, schutzlos und verletzlich. Als alles herausgeweint war, und ich mich erschöpft ausruhte, konnte ich wieder freier atmen und die Anstrengung des Mich-schützens fiel von mir ab. Ich fühlte mich endlich friedlich, entspannt und mir selbst wieder näher.

Innerlich war ich viel ruhiger. Die ersten Gedanken kamen auf und mir erschien plötzlich etwas sehr wichtig. Ich stand auf, machte mich kurz frisch und ging dann, ohne viel nachzudenken, zu Daniels Zimmer und klopfte an seine Tür. Er bat mich herein und ich erzählte ihm von meinem Erlebnis auf diesem Seminar. Er schien nicht überrascht. Warum überraschte ihn eigentlich nie, was ich ihm erzählte? Ich vermittelte ihm, dass ich jetzt wieder offener bin und dass ich nicht so nah wie die anderen TeilnehmerInnen oder in irgendeiner Weise abhängig sein will. Er hörte mich ruhig an und antwortete, dass es in der Verbindung nicht darum geht, abhängig zu werden oder zu sein, aber er akzeptierte, was ich ihm mitteilte und wie ich alles für mich auslegte. Damit zeigte mir jegliche Freiheit seinerseits.

Auf dem Weg in mein Zimmer wunderte ich mich über mich selbst. Ich kam mir ein bisschen komisch vor.

Einige Jahre später verstand ich, warum es mir so wichtig war, unabhängig zu sein und mich auf Verbindungen nicht zu tief einzulassen. Ich konnte fühlen, dass es da unterschiedliche Ebenen und Tiefen gab. Es ging für mich nicht mehr darum, den Unterricht nicht zu besuchen, sondern mich auf eine andere Tiefe der Verbindung einzulassen und zu vertrauen. Damals empfand ich es als Verteidigen oder Vertreten meiner Unabhängigkeit und Freiheit. Da war auch etwas Stolzes, etwas Unberührbares in mir, aber hinter all dem war einfach nur pure Angst. Angst davor, gesehen zu werden, mich auf Verbindung einzulassen, zu vertrauen, mich zu öffnen und wahrscheinlich noch vieles mehr.

3

WEGLAUFEN ALS OPTION?

Wie ich später in vielen Lehrer-Schüler-Geschichten gelesen habe, war ich nicht die Einzige, die immer mal wieder davonlaufen und/oder unabhängig bleiben wollte. In den kommenden Jahren gab es viele Phasen, in denen ich weglaufen wollte – hauptsächlich aus Angst und aus Stolz.

Angst vor dem Unbekannten, Angst davor, wie sehr die Praxis und die Beziehung zu Daniel mein Leben verändern würde, Angst vor dem Verlust meiner Sicherheiten. Ich hatte auch Angst, die Verbindung zu ihm zu verlieren. Diese Vorstellung war oftmals so schmerzhaft, dass ich dachte „Da gehe ich lieber selbst“ oder „Da lasse ich mich lieber nicht so tief darauf ein“ – in dem Irrglauben, dass mir diese Den-kweisen auf meinem inneren Weg helfen würden.

Meinem Stolz begegnete ich bis heute noch sehr oft. Insbesondere, wenn Daniel Punkte in mir berührte, die unangenehm waren. Dann tauchten Gedanken auf wie „Ich habe ja jetzt die Praxis. Ich schaffe das mit ihr schon allein.“ Das war noch einer der harmlosen Gedanken. Die anderen möchte hier lieber nicht niederschreiben. Trotz all der Gnade, die mir durch Daniel immer wieder und kontinuierlich zuteilwurde, gab es diese Punkte, an denen ich so wütend auf ihn war. Vor allem, wenn er mich mit meiner Macht, meinem Stolz und meiner Identifikation mit meinem eigenen kleinen Willen konfrontierte.

Als Daniel drei Monate in Italien war, leitete er via Skype eine Meditation für uns an, die mir bis heute eindrücklich im Gedächtnis blieb. Hier ist ein Auszug daraus:

„Spürt in euch hinein, wo euch das Leben hinbewegt, wie es euch bewegt, was euch bewegt und erfühlt, wie sehr ihr euch von dem Leben bewegen lasst und inwieweit ihr dieser Bewegung vielleicht auch entgegenstrebt – aufgrund von eigenen Vorstellungen, wie es zu sein hat, wie es besser wäre, wie ihr zu sein habt oder wie andere zu sein haben. Bemerkt einfach, wie weit auch Vorstellungen von einem spirituellen Leben möglicherweise dem Fluss des Lebens im Wege steht. Wir können das sehr deutlich fühlen, indem wir die Energien und das Fließen unseres Atems in unserem Körper wahrnehmen.

Wenn ihr diesen Energiefluss nicht wahrnehmen könnt: Wie sehr versucht ihr euer Leben in die Hand zu nehmen und selbst vorzugeben, wie es zu sein hat? Wo sind wir nicht fähig, den höheren Willen über unseren kleinen Willen zu stellen? Manchmal sind wir uns zu sicher, dass wir nicht dem kleinen Willen folgen, daher ist es gut, wenn wir Möglichkeiten finden, zu überprüfen, ob wir mit etwas Höherem in Kontakt sind oder ob wir eine weitere Vorstellung haben, uns in einer weiteren Illusion verlieren. Sind wir bereit, uns ganz neu zu finden? Auch im Vertrauen, dass wir neu gefunden werden und gefunden werden möchten?

In einer Beziehung, auch in einer Lehrer-SchülerBeziehung, ist es entscheidend, dass ich mich, aber auch euch, immer neu finden möchte. Diese Beziehung ist nichts Starres, sie ist nicht an einem bestimmten Gefühl festzumachen, sondern sie hat ganz viele Facetten. Und da ist es gut, wenn ihr euch von mir immer wieder neu finden lasst, ihr mich immer wieder neu findet, so dass die Beziehung immer wieder erneuert wird und dadurch überhaupt vertieft werden kann. So dass es einen Prozess, einen Fortschritt gibt, ohne dass es stagniert.

In diesem Neufinden gibt es natürlich Phasen des Nicht-wissens, es gibt Phasen der Unsicherheit. Das Feinere löst das Grobe ab und es findet sich im Feineren eine neue Stabilität. Eine Stabilität, die sehr viel Kraft hat, aber diese Kraft ist wichtig, neu kennenzulernen, weil sie mit einem höheren Willen verbunden ist. Und da ist es gut, wenn wir uns langsam hinbewegen.

Ihr könnt zum Beispiel in eurem oberen Bauch spüren, wie sehr ihr den Willen Gottes unterbindet durch eure eigenen Vorstellungen, Ängste, Ideen, wie ihr zu sein habt, wie ihr euch möglicherweise dagegen wehrt, eurer Bestimmung zu folgen, geschweige denn, die Bestimmung anzunehmen. Und das ist nicht etwas, was ihr glauben müsst, sondern das könnt ihr spüren.

Ist es euer Anliegen, ein lichtvolleres Leben zu führen? Wo zieht es euch hin? Wie wissend glaubt ihr euch? In diesem Wissen finden wir keine Stärke, keinen Halt, keine Stabilität. Wir finden eine ganz andere Stärke in uns, wenn wir uns mit dem Willen verbinden, der in uns vollbracht werden will, der angenommen werden möchte, verwirklicht werden möchte. Dazu braucht es Klarheit, Beständigkeit, Entschlossenheit, innere Aufrichtung und Hingabe an Etwas, das größer ist als unser kleiner Willen und unser Wissen.

Ein Meister kann auch per Skype sehen, inwieweit der Körper leuchtet und inwieweit die Verbindung gesucht wird. Das heißt zu einem wahrhaft lichtvollen Leben braucht es Entschlossenheit, Klarheit, Stärke. Stärke, die wir durch die Verbindung zu etwas finden müssen, das nicht unser kleiner Wille ist, sondern das, was in uns vollbracht werden möchte. Und was in uns vollbracht werden möchte, können wir als Sehnsucht in uns spüren.

Wie oft verlieren wir uns in unserem eigenen Willen, trennen uns dadurch ab und beklagen dann die Trennung? Die Trennung von einem Meister, von einem Lehrer heißt immer, dass wir nicht in einem größeren Willen stehen. Wir können niemals getrennt sein von einem Meister, wenn wir im Willen Gottes handeln. Sonst gibt es zwei Möglichkeiten, entweder wir handeln nicht im Willen Gottes, wenn wir es nicht spüren oder der, mit dem wir uns verbunden fühlen, ist kein Meister. Wir können nur in Gott verbunden sein. Wir sind in Gott verbunden. Und ein Meister, der Gott nah ist, in Gott lebt, aus Gott lebt, steht in Verbindung mit diesem Willen. Und wenn wir einem Meister nah sein wollen, dann ist es wichtig, dass wir diesem großen Willen in uns folgen, mit all der Entschlossenheit, mit all der Kraft, die uns zur Verfügung steht, in dem Moment. Sie muss nicht mehr sein, sie muss nicht weniger sein, sondern sie ist genau richtig, wie sie ist. Zu meinen, man bräuchte mehr Kraft, um den Willen zu tun, ist bereits schon der kleine Wille. Es wird das gegeben, was wir brauchen, um das zu leben, was gelebt werden möchte. Und wenn wir das Gefühl haben, wir bräuchten mehr, dann können wir darum bitten, in freudiger Erwartung sein und für das danken, was wir haben.

Ihr werdet merken, je mehr ihr dem Willen folgt, desto mehr Unterstützung bekommt ihr und desto mehr könnt ihr diesen Meister, den ihr möglicherweise nach außen projiziert, in euch fühlen. Dann wird der Meister in euch lebendig. Das ist die tiefe Freude einer LehrerSchüler-Verbindung. Dass man fühlt wie er.

Lasst euch nicht verunsichern, indem ihr alles im Außen abgleicht. Geht in euch, spürt euch, prüft euch, bittet. Und in das, was ihr empfangt oder hören könnt, wenn ihr ruhiger werdet, vertraut und lernt vom Leben. Wenn wir praktizieren, lassen wir uns formen, auch wenn es weh tut. Und auch in unserem Zusammensein ist es für mich sehr wichtig, wenn ich euch sehe, dass ihr euch danach sehnt, geformt zu werden vom Leben, vom Licht.