Meister der Pyramiden - Artjom Vadimovich Maier - E-Book
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Meister der Pyramiden E-Book

Artjom Vadimovich Maier

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Beschreibung

Eine Gruppe von hochrangigen Freimaurern führt, auf der Suche nach Wissen, ein uraltes Ritual durch. Kurz darauf erhält die NASA merkwürdige Satellitenbilder von einem ihrer Marsorbiter, auf denen ein unbekannter, fremder Planet auf der anderen Seite der Sonne zu sehen ist. Ist das nur Zufall? Gleichzeitig macht sich ein mysteriöser Meister aus den Wudang Bergen in China, zusammen mit seinem Schüler und einer neuen Schülerin, auf den Weg um die Harmonie im Universum wiederherzustellen. Auf diesem Weg lernen die Schüler viel über die Geschichte des Planeten, über sich selbst und darüber, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als wir auf den ersten Blick erkennen können. Schließlich wird das Geheimnis um den wahren Zweck der Pyramiden gelüftet. Stargate trifft Tiger and Dragon! Das Buch ist ein Wuxia-Science-Fiction Roman, mit dem der Autor gekonnt ein neues Literatur Genre kreiert und eine Brücke zwischen Ost und West schlägt.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 294

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Artjom Vadimovich Maier

Meister der Pyramiden

Ein Wuxia-Science-Fiction Roman

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Wuxia:

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Epilog

Danksagung und Ausblick

Impressum neobooks

Wuxia:

Wuxia ist ein Genre der chinesischen Literatur, welches etwa seit der Tang Dynastie (618-907 n. Chr.) existiert. Einer der bedeutendsten Vertreter dieses Genres ist Jin Yong (auch als Louis Cha bekannt, geb. 1924). Wuxia ist eine Art Fantasy aus dem Osten. Es handelt meist von Kampfkünstlern, die ihre Kunst auf das höchste Level gebracht haben und ihr Qi (Lebensenergie) kontrollieren können. Dadurch erlangen sie übernatürliche Fähigkeiten, wie beispielsweise das Fliegen. Wuxia basiert auf einigen Theorien der chinesischen Medizin, der Philosophie, auf Legenden über die unglaublichen Fähigkeiten der historischen Meister und auf Jahrtausende alten chinesischen Volksmärchen.

Die folgende Geschichte enthält einige Wuxia-Elemente.

Kapitel 1

„David Parker“, sprach der Mann seinen Namen laut aus, ohne dass jemand anderes im Raum war, der ihn hätte hören konnte. Er sprach den Namen so aus, als würde er sich auf diese Weise auf die Schulter klopfen. Gleichzeitig brachten diese zwei Wörter den Mann, der schon seit einiger Zeit gedankenverloren an einem offenen Fenster stand, wieder zurück in die Wirklichkeit. Seine Augen wurden von Leben erfüllt und sein Blick glitt zu den Pyramiden, die nicht weit von seinem Standort in das weiche Licht des Sonnenuntergangs eingebettet schienen. David Parker konnte kaum glauben, dass er tatsächlich hier war. Nicht der Ort an sich war für ihn so unglaublich, auch wenn Gizeh doch eine gewisse Faszination ausstrahlte, vielmehr war es der Zweck seiner Reise, der ihn zum Lächeln brachte. Die rote Sonnenscheibe bewegte sich unabänderlich weiter hinter den Horizont und es wurde von Minute zu Minute dunkler. In diesen Zeitzonen wird es immer schon früh dunkel. - Umso besser, dachte Parker, - die Magie der Dunkelheit wird uns bei unserem Vorhaben unterstützen.-

Parker drehte sich vom offenen Fenster und dem unglaublich schönen Ausblick weg und ging in Richtung Tür. Auf dem Weg hinaus erblickte er sein Spiegelbild und blieb stehen. Ein älterer Herr, mit beinahe vollständig ergrautem kurzgeschorenem Haar, kantigen Gesichtszügen, sowie nur mit einer hellen Baumwollhose bekleidet, starrte ihm entgegen. Parker schaute auf seinen Bauch, der sichtlich flacher geworden war, ja der Kerl sah richtig frisch aus, nur etwas bleich. Doch zum Sonnenbaden würde er noch genug Gelegenheit bekommen –das Fasten hat mir richtig gut getan- schoss es Parker durch den Kopf. Den Schlüssel vom Hotelzimmer ließ er einfach liegen, heute würde er ihn nicht brauchen. Das Hotel, das sowieso nur für Herrschaften wie ihn, oder hochrangige Politiker errichtet wurde, war schon die ganze Woche geschlossen. Nur Menschen, denen er vollkommen vertraute, befanden sich momentan in diesem Gebäude. Auch wenn er manche von ihnen nie gesehen hatte, so wusste er dennoch, dass Brüder einander nicht bestehlen. Er schien der Letzte zu sein, die glamourösen Flure des Hotels waren bereits menschenleer und vollkommene Stille umgab den älteren Herrn. Im Aufzug, welchen er barfuß betrat, drückte er auf Untergeschoss –ein sinnloser Luxus, denn das Hotel hatte gerade mal drei Stationen, an denen der Aufzug halten konnte: Untergeschoss, Erdgeschoss und den ersten Stock. Die alte Maschine setzte sich langsam in Bewegung und seilte sich sanft nach unten ab. Parker versuchte, sich zu sammeln, an nichts mehr zu denken und zur Ruhe zu kommen. Doch das fiel ihm alles andere als leicht, ja selbst er verspürte hin und wieder Aufregung, wo man doch meinen könnte ein C.I.A.-Direktor hätte Nerven aus Stahl.

Der Aufzug brauchte nicht lange und kam zum Stillstand, die Metalltüren öffneten sich und Parker erblickte einen langen, schmalen Korridor, der mit einem weinroten Teppich ausgelegt war. Seine nackten Füße zerdrückten die weichen Fasern des Teppichs und hinterließen einen kleinen Abdruck nach jedem Schritt, den er machte, der jedoch nach wenigen Sekunden wieder verschwand. Am Ende des Korridors angelangt blieb Parker vor einer dunkelbraunen schweren Tür stehen, nahm einen tiefen Atemzug, klopfte drei Mal und schaute in die Überwachungskamera, die direkt neben der Tür befestigt war. Ein Sicherheitsmann der einem Grizzlybär in einem schwarzen Anzug glich, öffnete mit einem gespielt freundlichen Lächeln auf den Lippen die Tür.

„Bitte, Mr. Parker“, der Sicherheitsmann machte eine einladende Geste. „Die anderen sind schon alle da. Danke, dass Sie so kurzfristig kommen konnten.“

Parker nickte und lief ein Stück hinein. Vor ihm erstreckte sich eine Art riesige Tiefgarage. Der Raum war etwa 30 Meter breit und etwa 50 Meter lang, vielleicht auch länger. Das Ende konnte er nicht sehen, da die Beleuchtung sehr spärlich war. Die Höhe des Raumes betrug etwa fünf bis sechs Meter, doch das war nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Direkt vor ihm befand sich eine mit Hieroglyphen verzierte Wand mit einem weiteren offensichtlich antiken Eingang. Parker ging hindurch und erblickte steile Stufen, die ihn weiter in die Tiefe führten. Er begann damit die Stufen hinunterzusteigen, immer in Richtung des Lichtes, das aus einem Raum am Ende der antiken Treppe leuchtete.

Beim Hinuntersteigen erinnerte sich Parker daran, wie er das erste Mal in diesen Räumlichkeiten gewesen war. Das müsste bereits 15 Jahre her sein. Damals kam er mit seinem Mentor hierher, der ihn in die Geheimnisse der Freimaurerei einführte. Und jetzt? - Jetzt ist es endlich geschafft, wir haben es entziffert, - dachte Parker, womit er seinen im Aufzug gefassten Vorsatz sich zu beruhigen und nicht zu denken brach. - Ein klarer Geist, vollkommen frei von Gedanken ist sehr mächtig und daher wichtig für dieses Ritual. -

Endlich war er unten an der Lichtquelle angelangt. Es handelte sich dabei um einfache Neonröhren, die einen Korridor beleuchteten. Dieser Korridor war noch schmaler als der im Untergeschoss des Hotels, bestand jedoch aus sandfarbenem Stein, genauso wie man es von altägyptischen Anlagen und anderen ägyptischen Bauten aller Art erwarten würde. Er ging hinein in diesen merkwürdigen Tempel, der tief unter dem Hotel verborgen lag und von dem keine Menschenseele, bis auf einige auserwählte Kreise, etwas wusste. Ein geheimer Ort.

Parker war erstaunt darüber, wie gut alles restauriert worden war! Doch schließlich hatte das auch eine Menge gekostet. Allein die richtigen Arbeiter zu finden war schon problematisch, denn sie sollten ihren Mund halten können! Daher konnte man selbst zum Steine schleppen nur Profis engagieren und ja, die meisten waren Amerikaner. - Ein ägyptischer Arbeiter würde sichwohl kaum so brav an eine Verschwiegenheitserklärung halten, wie einer aus „unseren“ Breitenkreisen. Gerüchte würden schnell entstehen und das möchte man ja vermeiden. - Parker sah sich weiter um. Die Wände waren reich verziert mit Hieroglyphen und verschiedenen Zeichnungen von Menschen und Göttern, doch je tiefer man in den Bau ging, desto weniger sah man diese aus jedem Buch über Ägypten bekannten Zeichen. Denn nun mischten sich plötzlich der Ägyptologie gänzlich unbekannte Zeichen und geometrische Figuren hinzu. Es waren Planetenumlaufbahnen zu sehen, Sterne, Menschen in seltsamen Posen und sehr viel Text.

Er betrat einen großen Raum, der von keiner einzigen Säule gestützt wurde. Obwohl die Decke rechteckig war, wusste der C.I.A.-Mann, dass er sich im Inneren einer kleinen Pyramide befand, die aus vordynastischer Zeit stammte. Überall im Raum sah er Menschen, die genau wie er, nur mit dünnen hellen Baumwollhosen bekleidet waren, und im Schneidersitz hockend auf ein Blatt Papier starrten. Sie lasen etwas, manche bewegten dabei leicht ihre Lippen mit. - Sie üben die Formel. - Einer seiner Brüder kam zu ihm geeilt und wies Parker einen Platz zu. Als Parker sich setzte ging der Mann rasch zu einem anderen und meldete, dass man nun vollzählig sei: „Die Nummer 99 ist eingetroffen.“

Zwei der Anwesenden, die unmittelbar links und rechts neben dem Eingang standen, zerrten je eine Kiste, die sich hinter ihnen befand, vor und öffneten diese. Jeder der Anwesenden wusste nun, was zu tun war. Die Männer bildeten zwei Reihen, wobei sich in jeder Reihe 49 Mann befanden. Auch David Parker stellte sich an, um einen Gegenstand aus einer der Kisten zu erhalten. Nur einer der Männer blieb regungslos in der Mitte des Raumes, er stand direkt vor einem Sarkophag und schloss die Augen, während er etwas rezitierte. Die zwei Herren vom Eingang gingen nun, die Kisten hinter sich herziehend, zu jedem der aufgereihten Teilnehmer. Aus den Kisten kam ein ägyptisches Kreuz hervor, das allen der Reihe nach ehrfurchtsvoll überreicht wurde. Das ägyptische Angh sieht aus, wie das Kreuz, das den Christen heilig ist. Im Gegensatz zum christlichen Kreuz hat es aber noch eine Schlaufe im oberen Teil. Es bestand aus einem merkwürdigen Material, welches zwar wie Glas aussah, jedoch kalt und für seine Größe von etwa 15 Zentimeter, sehr schwer war. Parker hatte das Ding bisher nur auf schwarzweißen Fotos gesehen, die direkt bei den Ausgrabungen dieser Pyramide gemacht wurden.

Als nun alle so ein Angh erhalten hatten, setzte man sich mit überkreuzten Beinen hin, und der Mann in der Mitte, der neben dem Sarkophag aus massivem Stein stand, offensichtlich ein Zeremonienmeister, begann zu sprechen:

„Brüder ich danke euch für euer zahlreiches Erscheinen.“ Dieser Satz schien Parker überflüssig, denn er wusste, dass jeder in diesem Raum alles dafür geben würde hier dabei sein zu dürfen. Doch der Mann fuhr fort:

„Jeder von uns hat große Opfer gebracht um hier und jetzt das zu erfahren, was wir zu erfahren wünschen. Wir haben uns 90 Tage lang allen weltlichen Vergnügens enthalten, wir haben auf Alkohol verzichtet, wir haben kein Fleisch verzehrt und keinen Geschlechtsverkehr gehabt. Des Weiteren waren die letzten neun Tage besonders hart für uns alle. Wir haben uns von jeglichem Essen ferngehalten, alles was die Schrift verlangt, haben wir erfüllt.“

Der Zeremonien Meister machte eine lange Pause und blickte in die Gesichter seiner Brüder, so als ob er prüfen würde, ob auch wirklich jeder die 81+9 Tage lang die Weisungen befolgt hatte und sich unter Kontrolle gehabt hat. Zufrieden sprach er schließlich mit einer ruhigen Stimme weiter.

„Und das alles für den heutigen Abend. Heute Abend werden wir das erreichen, wonach wir alle schon sehr lange auf der Suche sind: Antworten, Weisheit und Macht!“

Er beugte sich vor und tastete nach etwas auf dem Boden. Als er die Stelle gefunden hatte, hob er einen kleineren Stein hoch, der als Abdeckung für eine Nische diente, die sich direkt beim Sarkophag befand. In dieser Nische befanden sich zwei merkwürdige Steinchen, zylinderförmig, 5 Zentimeter im Durchmesser und milchig-durchsichtig. Keiner außer dem Zeremonienmeister konnte die schemenhaften Linien, die sich im Stein befanden und die zackigen Einkerbungen auf der Oberfläche des Steins, sehen. Er nahm die Steine vorsichtig in seine Hände, schloss die Nische und hob sein Bein um in den Sarkophag zu steigen. Darauf folgte das andere Bein und der Mann setzte sich im Sarkophag aufrecht hin, je ein Steinchen in einer Hand haltend. Alle Brüder schauten ehrfürchtig zu ihm, als einer der Anwesenden eine schwarze Flüssigkeit über den im Sarg sitzenden Zeremonien Meister goss und dieser sich hinlegte. Das war das Zeichen. Die Männer, die sich hier versammelt hatten, fingen an etwas in einer unbekannten Sprache zu rezitieren und hoben das zuvor ausgeteilte Angh vor die Stirn - vor das Auge der Weisheit, - erklärte Parker sich selbst den Vorgang. Im Sarkophag zischte es kurz auf, aber schon bald wurde das Zischen leiser und hörte schließlich auf. Das Rezitieren dieser merkwürdigen Sätze schien immer intensiver zu werden obwohl keiner der Brüder lauter wurde. Allem Anschein nach wurden diese Worte von der Pyramide in eine Art Vibrationen umgewandelt, die Parkers ganzen Körper durchdrangen, so dass er sich langsam einbildete schwerelos zu sein. Mehr noch, als Parker kurz seine Augen öffnete, sah er merkwürdige, dunkle, schattenähnliche Blitze, die im ganzen Raum wie ein Tornado kreisten. Es war unheimlich, aufregend, spektakulär. Es war angenehm, sich schwerelos zu fühlen, aber die Vibrationen fühlten sich alles andere als Angenehm an. Es war anstrengend, es war unglaublich. Aber jeder der Anwesenden wusste, was zu tun war. Schließlich hat man die Anleitungen Jahrzehntelang studiert. Jeder war vorbereitet, hoffentlich würde es funktionieren! - Ja, es wird funktionieren, - Parkers Augen wurden größer. Es war offensichtlich, dass er nicht allein diese Blitze sah. Vieler seiner Brüder beobachteten dieses Schauspiel mit sichtbar erregtem Gemüt. Doch ließ sich keiner zu sehr aus dem Konzept bringen und jeder murmelte die Verse in dieser fremden Sprache weiter.

Dies würde eine lange Nacht werden.

Kapitel 2

Der junge Mann öffnete die Tür und stieg aus dem Wagen aus. Ein tiefer Atemzug und eine sich streckende Bewegung hatten verraten, dass er schon eine ganze Weile im Auto saß. - Frische Luft, - flüsterte er, müde aber etwas tröstend, sich selbst zu, während sein Körper sich wieder mit Leben füllte. Seine Fahrt von Wuhan, Wuhan mit h, in die Wudang Berge, Wudang mit d, dauert normalerweise etwa 5 Stunden. Nach einer etwas über 6 Stunden andauernden Fahrt von Wuhan ist er jedoch in Shiyan gelandet. Ein leerer Handyakku und eine falsch genommene Ausfahrt führte Wu Guan Tai direkt zum Bahnhof von Shiyan. Dabei hätte er die Stadt lieber umfahren. Als Sportler war er es nicht gewöhnt so lange auf einem Platz zu sitzen, deshalb, aber nicht nur deshalb, beschloss er eine Pause zu machen. Neben dem offensichtlichen Bewegungsmangel hatte er auch ein bisschen Hunger. Er kramte in seiner hellen, modischen Jeans nach dem Mobiltelefon um sich nach der Uhrzeit zu erkundigen, doch dann fiel ihm auch der leere Akku wieder ein und sein Blick geleitete zu der Bahnhofsuhr während er das Telefon wieder in die Tasche sinken ließ. Durch eine einfache Kopfrechnung stellte er fest, dass er noch etwa 3 Stunden bis zur Dämmerung hatte. Von hier aus müsste er in geschätzt einer Stunde Autofahrt in die Berge kommen und dann lag ja noch der 45-minütige Marsch zur Hütte des Meisters vor ihm. Nach einer kurzen Überlegung machte er sich auf den Weg, um ein gemütliches Plätzchen zu suchen, wo er seinen Hunger stillen könnte. Ein voller Magen ist ein glücklicher Magen. Und in China gilt der Spruch gleich zehnfach, denn hierzulande kann man sehr gerne statt „wie geht’s?“ auch die Floskel „hast du Hunger?“ verwenden. Guan Tai verriegelte die Tür seines kleinen, japanischen Geländewagens und machte sich auf den Weg. Er musste nicht weit laufen. In der Nähe des Bahnhofs fand er ein schlicht eingerichtetes Restaurant, das ziemlich leer stand. Die Besitzer, ein älteres Ehepaar, schauten gerade Fern. Der kleine Fernseher stand einfach auf einem der Tische. Das erinnerte Wu Guan Tai an seine Großeltern, bei denen es ähnlich zuging, sie lebten förmlich in ihrem Restaurant und schauten dort auch während der Arbeit teilweise recht unsinnige Serien. Aber das Essen dort war das frischeste und beste, das er je gegessen hatte. Naja, schließlich war sein Opa ja auch der Koch dort.

Als Wu Guan Tai nun das Restaurant betrat, zog er seine Sonnenbrille aus, wobei seine braunen, mandelförmigen Augen, zum Vorschein kamen. Seine Augen strahlten eine gewisse Selbstsicherheit aus und schienen fast zu leuchten. Dieses Leuchten bemerkte selbst die Wirtin, die seinen Blick gespürt hatte und sich sofort vom Fernseher wegdrehte.

„Kommen Sie, kommen Sie!“, die alte Frau stand auf und wies Guan Tai einen Tisch zu.

Der schlichte weiße Tisch nah am Fernseher wurde extra für ihn nochmal mit einem feuchten Lappen abgewischt. Die freundliche ältere Dame wollte Wu Guan Tai sogleich die Speisekarte reichen, er jedoch brauchte sie nicht:

„Für mich bitte eine Portion Bao Zi mit Gemüse und eine Tasse Pu Erh Tee.“

Die Dame lächelte ihn an, nickte und verschwand in die Küche.

Bao Zi, mit Gemüse gefüllte Teigtaschen, aß er sehr gerne, ganz besonders wenn er unterwegs war, denn die lagen ihm gut im Magen. Der Pu Erh Tee ist die Teesorte, die sein Meister am liebsten trank. Dieser Tee ist ebenfalls sehr gut für den Magen. „Pu Erh Tee ist die ursprünglichste aller Teesorten“, pflegte sein Meister zu sagen. Wu Guan Tai war schon als Kind von den Geschichten des Meisters über seine Reisen nach Tibet entlang der Tee-Route sehr angetan. Über diese Route wurde der Pu Erh Tee in verschiedene tibetische Städte transportiert. Sein Meister war jedoch kein Händler, sondern ein Pilger, der sich den Händlern auf ihrer Reise anschloss. Bei diesen langen Wanderungen hatte der Meister sehr viel erlebt und gesehen. Allerdings sprach er nicht gern über Vergangenes und Guan Tai konnte ihn nur bei einer guten Tasse Tee dazu bringen diese Geschichten zu erzählen.

Wu Guan Tai ließ seinen Blick durch das Restaurant wandern, der auf dem älteren Herren, der ganz gebannt in den Fernseher starrte, eine Zeitlang stehen blieb. Dann schaute er in Richtung Küche und daraufhin aus dem Fenster. Er dachte wieder an diesen Traum. Mit einem Ohr verfolgte er, was im Fernsehen lief und das weckte schließlich sein Interesse.

Im Fernsehen wurde ein Nachrichtenmagazin ausgestrahlt und er hörte wiederholt das Wort Kornkreise. Guan Tai wandte sich dem Bildschirm zu.

„Seit der gestrigen Nacht wurden weltweit mittlerweile mehr als 30 Kornkreise gemeldet…“ Diesen Satzfetzen hatte er nur kurz von der Nachrichtensprecherin vernommen und da wechselte der Sender schon das Thema.

„Kornkreise?“, sagte Guan Tai und schaute dabei den alten Mann an.

„Die zeigen das schon den ganzen Morgen“, erwiderte er, ohne Guan Tai anzuschauen. „Angeblich sind seit gestern 30 Kornkreise in den verschiedensten Regionen der Welt gemeldet worden.“

Der Alte drehte sich Guan Tai zu.

„Kornkreise sind eine Art Erdzeichnungen die auf Kornfeldern entstehen, sehen aus wie die Mandalas aus Tibet. Die Fernseh-Fuzzis sind wieder einmal voller Panik und spekulieren wer diese Kreise gemacht haben könnte.“

„Und wer hat die gemacht?“, fragte Guan Tai neugierig.

„Na bestimmt die Reporter selbst. Wenn es keine Nachrichten zu berichten gibt, erfinden sie eben welche!“

Da kam seine Frau mit Guan Tais Essen aus der Küche und rief sarkastisch:

„Natürlich, die Reporter setzen sich in ein Flugzeug, fliegen die ganze Nacht um die Welt und mähen das Korn mit dem Rasenmäher, damit sie dir eine Geschichte präsentieren können!“

„Das machen die doch nicht selbst!“, konterte der Mann, mit seiner krächzenden Stimme, „die bezahlen Profis, die haben doch gerade erst gezeigt, dass der erste Kornkreis gestern von Spaßvögeln gemeldet wurde. Die hatten eine Spezialausrüstung dabei. Irgendwelche Stöcke, Maßbänder und Walzen mit denen sie diese Kornkreise machen um die Leute zu verwirren. Und jetzt behaupten sie, als sie dabei waren ihren Kornkreis zu machen, ist ein echter vor ihren Augen entstanden? Das kannst du doch nicht glauben, die halten doch die ganze Welt zum Narren!“

Die alte Dame schüttelte über die Worte ihres Ehemannes nur den Kopf und wandte sich an Guan Tai. „Was halten Sie denn davon?“

„Ich weiß nicht so recht.“

„Lass doch den jungen Mann in Ruhe, woher soll er denn was darüber wissen, er hat doch eben erst von der Sache erfahren“, schimpfte der Greis.

„Er ist doch sicher ein Soldat, die wissen über sowas Bescheid“, erklärte seine Ehefrau.

„Woher willst du wissen, dass er Soldat ist?“, konterte der Alte neckisch.

„Sieh dir doch sein Gesicht an, sein starkes Kinn, seinen aufrechten Gang, wie er sitzt, seine Körpergröße, er ist sicher ein Soldat.“

„Ich bin kein Soldat, ich trainiere bloß ein wenig Kung Fu“, stellte Guan Tai richtig.

„Oh!“, lächelte die Dame und drehte sich wieder zu ihrem Ehemann. „Diese Kornkreise sind sicher echt!“, der Tonfall der Dame sagte, dass die Diskussion beendet sei.

Doch der Alte ließ es nicht einfach auf sich beruhen. „Du meinst doch immer recht zu haben! Der junge Mann ist aber kein Soldat und die Kornkreise sind Unfug!“

Guan Tai schaute sich das Essen an, welches die Dame gerade hereingetragen hatte. Es sah nicht nur gut aus, es duftete auch köstlich und er griff sofort zu. Die beiden stritten noch eine Weile so weiter, doch Guan Tai genoss das Essen und amüsierte sich über den kindischen Streit des alten Paares. Das Essen sollte ihm schließlich Kraft für das geben, was noch bevorstand, einen anstrengenden Weg hoch in die Berge.

***

Der Bus hielt direkt an einer Straßenkreuzung und es stieg nur ein einziger Fahrgast aus. Eine Haltestelle gab es dort nicht, zumindest keine, die durch ein Schild markiert gewesen wäre. Es war auch keine echte Straßenkreuzung, sondern eher eine kleine Kreuzung zwischen einer asphaltierten Straße und einem kleinen Trampelpfad, der hinauf in die Berge führte. Der Busfahrer wartete noch eine Weile, in der Annahme, dass der Ausländer, der in der Nähe am Straßenrand saß, einsteigen würde. Als der Ausländer sich nicht rührte, fuhr der Bus weiter. Auch der Fahrgast, der den Bus verlassen hatte, sah man hinter der Kurve verschwinden. Es war mittlerweile Abend und Guan Tai wollte eigentlich nur noch an seinem Ziel ankommen. Als der Bus Platz machte, führ Guan Tai direkt auf den Trampelpfad und parkte seinen SUV an der Böschung. Und nicht etwa auf dem Schotterplatz der als eine riesige Bushaltestelle diente. Der Ausländer, der am Straßenrand saß, warf Guan Tai, der aus dem Auto ausstieg einen verzweifelten Blick zu. Er war ein sehr junger Mann, vielleicht achtzehn oder neunzehn Jahre alt. Er hatte eine kleine Sporttasche um die Schulter und einen Koffer der einige Meter von ihm entfernt am Straßenrand stand. Guan Tai konnte nicht anders als zu ihm zu gehen und nach den Rechten zu fragen. - Vermutlich braucht er Hilfe und kann kein Chinesisch. - Ausländer waren im Wudang-Gebirge keine Seltenheit.

„Ni Hao!“, grüßte Guan Tai.

„O, sorry I don´t speak Chinese”, antwortete der Ausländer betrübt.

- Eine gute Gelegenheit, um Englisch zu üben. - dachte Guan Tai

„Woher kommst du?“, fragte Wu Guan Tai nun auf Englisch.

„Du sprichst Englisch!?“, der Ausländer, strahlte plötzlich und konnte sein Glück kaum fassen. „Ich komme aus Finnland, ich glaube ich bin in den falschen Bus gestiegen“, fing der Ausländer überstürzt zu erzählen an, bevor Guan Tai antworten konnte. Er kramte in seiner Tasche und holte einen Zettel hervor, auf dem etwas geschrieben stand.

„Ich suche diese Tai-Chi Schule!“, der Ausländer reichte Guan Tai den Zettel, auf dem mit Pinyin Umschrift der Name einer Schule stand. In Pinyin werden die chinesischen Schriftzeichen in lateinische Buchstaben übertragen. Das können nicht alle Chinesen lesen.

Guan Tai schaute auf den Zettel, beim Blick auf den Zettel bemerkte er aus dem Augenwinkel, wie sich seiner Position ein LKW näherte.

„Ja, ich kenne diese Schule, sie ist etwa 10 km von hier entfernt. Du hättest lieber ein Taxi nehmen sollen“, gab Guan Tai zurück.

„Das habe ich schon versucht aber der Taxifahrer konnte entweder nicht lesen was auf dem Zettel stand, oder kannte diese Schule nicht“.

Guan Tai hörte nur mit halber Aufmerksamkeit hin, denn der LKW kam immer näher und er sah durch die Windschutzscheibe den Fahrer. Leider sah es aber so aus, als ob der Fahrer keine Notiz von Guan Tai und seinem neuen ausländischen Freund neben ihm nahm, stattdessen schaute er auf sein Smartphone.

„Ich fuhr nicht weiter mit“, erklärte der Ausländer weiter, „ich weiß schließlich nicht ob wir überhaupt nicht komplett in die falsche Richtung fahren würden.“

Guan Tai beobachtete weiterhin den LKW aus dem Augenwinkel. Die beiden standen in einer recht unübersichtlichen Kurve. Guan Tai quetschte sich nicht um sonst mit seinen Wagen auf dem kleinen Trampelpfad, hier auf der Hauptstraße gab es Platz genug um seinen SUV abzustellen. Und es würde auch niemanden kümmern, die Straße war zwar gut asphaltiert aber recht schlecht befahren. Und der aufgeschotterte Teil der Straße, der als Bushaltestelle diente, könnte locker gleich drei Busse fassen. Doch gerade in dieser Kurve gab es öfters kleinere Unfälle, besonders, dass jemand von der Fahrbahn abkam, hat Guan Tai schon mehrmals gehört.

„Kein Problem, hast du einen Stift?“, Guan Tai wollte dem Ausländer den Namen der Schule mit chinesischen Zeichen aufschreiben, doch ehe der Ausländer reagieren konnte, machte Guan Tai einen Sprung auf den Ausländer zu und überbrückte so die zwei Schritte Distanz die sie zueinander hatten. Dann umklammerte er den Ausländer und machte mit ihm zusammen noch zwei Schritte zur Seite, indem er sich selbst und den Ausländer zwei Mal um die eigene Achse drehte. Der Ausländer fühlte sich wie im Drehkarussell, denn Guan Tais präzise Schrittfolge brachte ihn kaum aus dem Gleichgewicht. Seinem überraschtem und etwas amüsierten Gesichtsausdruck folgte ein entsetzter, als er bemerkte, dass direkt neben ihm mit quietschenden Bremsen ein LKW stehen blieb und ihn sogar die Beifahrertür ganz leicht berührte.

Sogleich sprang auch der LKW-Fahrer aus dem Fahrerhaus. Ein leicht untersetzter Herr kaum älter als 40 Jahre. Sein Gesicht war kreideweiß, doch Guan Tai legte ihm gleich die Hand auf die Schulter „keiner ist verletzt, alles in Ordnung“.

Der Fahrer lief zum Ausländer, der kaum realisierte, was gerade passiert ist, und schnappte nach seiner Hand, „Duibuqi, duibuji“, wiederholte dieser andauernd und musterte ihn von Kopf bis Fuß, um sich zu vergewissern, dass dieser nicht verletzt ist. Der Ausländer schaute fragend zu Guan Tai hinüber.

„Er entschuldigt sich“.

„Okay, okay“, sagte der Ausländer zum Fahrer und versuchte zu lächeln.

Der Fahrer lehnte sich etwas erleichtert gegen den LKW und sank zu Boden.

Er schaute zu Guan Tai und hob den Daumen hoch, „sehr gute Reaktion, mein Junge. Militär?“

Guan Tai nickte zum ersten Teil des Satzes und antwortete, „Kung Fu“.

Der Fahrer, der noch sichtlich unter Schock stand, nickte auch, „sehr gut, sehr gut“.

Guan Tai machte ein paar Schritte zur Straße hin und winkte ein Taxi herbei, das gerade zufällig vorbeifuhr. Was schon in dieser verlassenen Gegend an ein Wunder grenzte.

Der Taxifahrer hielt an, was hier passiert ist, schien ihn nicht zu interessieren, denn nichts deutete auf etwas Auffälliges hin. Ein LKW stand am Straßenrand, der Fahrer saß auf dem Boden, ein Ausländer stand daneben, beide etwas bleich. Und Guan Tai, er machte einen ganz normalen, sogar sehr nüchternen Eindruck.

„Kennen Sie diese Tai-Chi Schule“, Guan Tai zeigte dem Taxifahrer die Visitenkarte mit der Pinyin Umschrift, welche er immer noch in der Hand hatte. Diese war jedoch nun etwas zerknüllt.

Der Taxifahrer kratzte sich am Kopf und versuchte, die fremde Schrift zu entziffern. Als Guan Tai das sah, lass er ihm vor was dort stand, worauf der Fahrer nickte und Guan Tais vorherige Schätzung bezüglich der Entfernung ziemlich genau wiedergab „Etwa 10 km von hier, ich bringe euch hin.“

Guan Tai hob abwehrend die Hände vor seine Brust, „Ich komme nicht mit, ich frage nur für ihn“, sein Blick zeigte auf seinen neuen Freund, der noch etwas erschrocken neben dem LKW-Fahrer stand.

„Kein Problem!“, der Taxifahrer winkte den Ausländer ins Auto. Dieser gewann sogleich an Fassung und lief schnell hinüber.

„Kannst du ihn fragen ob ich die Fahrt auch in Euro bezahlen kann, ich habe vor der Reise leider sehr wenig Geld gewechselt, es reichte nur für ein Essen und für das Busticket, das ich mir kaufen musste. Die von der Tai-Chi Schule sollten mich eigentlich vom Flughafen abholen, sie kamen jedoch nicht. Ich habe es daraufhin auf eigene Faust versucht“, entgegnete der Ausländer, sein Tonfall war noch sehr erregt.

„Was soll die Fahrt denn kosten?“, fragte Guan Tai den Fahrer.

„60 Yuan!“

„Hm, er sagt er hat nur Euro dabei ist das okay?“

„Was soll ich denn mit Euro?“, zuckte der Taxifahrer mit den Schultern.

Guan Tai wandte sich dem Ausländer zu: „Er sagt er nimmt keine Euro.“

„Was soll ich…, dann muss ich wohl laufen…“, lamentierte der Ausländer, der nun gedankenverloren schien.

„Kennst du ihn?“, fragte der Taxifahrer Guan Tai. Anfangs hatte er angenommen die zwei währen Bekannte. Jetzt dämmerte es ihm, dass Guan Tai hier nur zu helfen versucht.

Wu Guan Tai griff in seine Hosentasche, holte seinen Geldbeutel heraus und reichte dem Fahrer 60 Yuan. „Ich sehe ihn heute zum ersten Mal.“

Der Ausländer schaute etwas verwirrt zu Guan Tai. Der Taxifahrer nickte jedoch und forderte den Ausländer gestikulierend auf, in das Auto zu steigen.

Der Ausländer kramte wieder in seiner Tasche, holte einen 10 Euroschein hervor und reichte diesen Guan Tai mit einem dankbaren Gesichtsausdruck.

Guan Tai jedoch lehnte ab und schob die Hand des Unbekannten bei Seite.

„Ist schon okay!“

„Bitte, nimm es!“

„Nein, Nein, es ist in Ordnung. Wenn Geld ein Problem lösen kann, dann gebe ich es gerne dafür aus.“

Der Ausländer verstand, dass Guan Tai das Geld nicht bloß aus Höflichkeit ablehnte. Er steckte den Schein achtlos in seine Hosentasche zurück, stieg rasch in das Taxi ein und bedankte sich tausendfach bei dem anonymen Wohltäter. Als Guan Tai gerade gehen wollte, winkte ihn der Fahrer nochmal zu sich und streckte ihm 20 Yuan entgegen:

„Ich glaube ich habe Fahrpreis wohl etwas zu hoch angesetzt, wenn ich es mir recht überlege ist es ja gar nicht so weit von hier“, sagte der Fahrer lächelnd. Guan Tai nahm das Geld, lächelte zurück, und hob die Hand zum Abschied.

Das Taxi fuhr davon, durch das offene Fenster hörte Guan Tai den Ausländer nochmal „Xiexie!“, rufen, „Danke“, wohl das einzige Wort, das er auf Chinesisch kannte.

Der LKW-Fahrer saß immer noch einfach da. Guan Tai kniete sich neben ihn und reichte ihm eine Wasserflasche, die er vorher aus seinem Wagen geholt hatte. „Trink etwas, du stehst noch unter Schock“. Der immer noch bleiche Mann nahm die Flasche und trank. Guan Tai fasste den Kopf des Mannes und schaute in seine Augen. Danach nahm der sein Handgelenk und fühlte dort mit drei Fingern den Puls. Der Mann ließ alles emotionslos über sich ergehen. Der junge Mann drückte dem Fahrer ein paar Punkte am Kopf, an der Schulter und auch am Rumpf, und langsam aber merklich kehrte auch die Farbe in sein Gesicht zurück. Er war verblüfft und musterte nun Guan Tai sehr genau. „Akupunktur?“, fragte er ehrfurchtsvoll.

Guan Tai lächelte mit einem Seufzer, dann er stand auf, und sagte nach einer Pause „Das hat mir mein Meister gezeigt“.

Wu Guan Tai machte sich nun auf den Weg, als er sah, dass es dem Fahrer besser ging. Er lief den Trampelpfad entlang, an seinem Wagen vorbei. Ein rosafarbener Roller, der etwas weiter weg von seinem Wagen ebenfalls am Straßenrand stand, fiel ihm nicht besonders auf, jedoch nahm er Notiz davon. Tief in die Berge, das was sein Ziel. - Wenn ich mich beeile, schaffe ich es noch leicht zum Abendessen. Vorausgesetzt der Meister ist überhaupt da, der braucht echt ein Telefon-.

Das Wudang-Gebirge liegt im Herzen Chinas in der Provinz Hubei. Es zieht sich über 400 Kilometer und gilt als heilig. Viele, vor allem daoistische Meister ziehen sich seit jeher dorthin zurück um nach dem Dao zu suchen und im Einklang mit der Natur zu leben. Seit Wu Guan Tai denken konnte, lebte sein Meister in diesem Gebirge. Er pilgerte jedoch auch sehr viel umher, manchmal sogar über Jahre, deshalb machte sich Guan Tais Verstand möglicherweise zu Recht Sorgen darüber, dass er bei seiner Ankunft eine leere Hütte vorfinden könnte. Aber tief in seinem Herzen wusste er, dass der Meister da sein würde. Er musste an diesen Traum denken, den er vor drei Tagen geträumt hatte. Der Meister war ihm erschienen und hatte ihn gebeten, zu ihm zu kommen. Er hatte ihm außerdem gesagt, dass es sehr wichtig sei und dass er Guan Tais Hilfe benötigen würde. Aber auch, dass Guan Tai dabei sehr viel lernen würde. Da gerade die Semesterferien angefangen hatten, hatte er genügend Zeit gehabt. Guan Tai sagte daher eine Reise mit Freunden ab und machte sich auf den Weg nach Wudang. Einer seiner Freunde hatte damals gefragt „Du glaubst doch nicht wirklich, dass dir dein Meister erschienen ist, oder?“. Guan Tai hatte darauf nichts erwidert. - Du wirst es nicht verstehen, der Meister kann weitaus mehr, als du glaubst. -

Kapitel 3

- Washington D.C., USA-

Ein Mann rannte aufgeregt durch ein Großraumbüro auf eine Tür zu, auf der stand:

Administrator of National Aeronautics and Space Administration (NASA)

FRANK COHEN

Er klopfte an der Tür und stürmte gleich rein. „Mr. Cohen, Houston meldet etwas, das Sie sich unbedingt ansehen sollten.“

Mr. Cohen musterte den Eindringling. Cohen war kein Mann, der leicht aus der Ruhe zu bringen war. Das spürte jeder in seiner Gegenwart und wurde dadurch automatisch auch ruhiger.

„Robert wie oft habe ich Ihnen gesagt, dass Sie mich Frank nennen sollen“, sagte Cohen in einem ruhigen Tonfall.

Der Eindringling neigte seinen Kopf etwas zur Seite und sagte fast schon verschwörerisch: „Frank, kommen Sie mit, es geht um die Nationale Sicherheit.“

„Nationale Sicherheit “, ahmte Frank Cohen den Mann nach, „was haben Sie denn?“

„Kommen Sie doch einfach mit und sehen Sie selbst“, sagte der Mann, ohne das Gesicht zu verziehen.

Frank Cohen atmete tief durch, stand langsam auf und griff nach seinem Sakko. - Was habe ichdamit zu tun? - „Zeigen Sie mir was Sie haben.“

Der große dünne Mann vor ihm schoss sofort aus dem Büro, so dass der stabile und eher gemütliche Frank Cohen kaum mit ihm Schritt halten konnte. Die beiden gingen in einen leeren Konferenzraum und der dünne Typ holte aus einem Regal einen silbernen Koffer heraus. - Was will er denn damit? - dachte Cohen, der wusste, dass sich darin ein abhörsicheres Satellitentelefon befand.

„Setzen Sie sich Mr. Cohen“, stotterte der Dünne „oh verzeihen Sie, Frank. Es dauert eine Weile.“

„Es dauert eine Weile? Wieso haben Sie mich dann gerade so gedrängt?“

„Ich mache nur was mir aufgetragen wurde. Ich sollte Sie schnellstmöglich mit Houston verbinden“, antwortete der dünne Typ geduldig.

Frank Cohen setzte sich auf einen der Stühle und verschränkte wartend seine Arme vor der Brust.

„Und wozu das Satellitentelefon?“

„Es ist abhörsicher.“

„Abhörsicher?“ - Sie wissen, dass ich das weiß. -

„Die Nationale Sicherheit“, erinnerte der dünne Mann den gemütlichen Frank Cohen.

„Natürlich, die Nationale Sicherheit.“ Frank Cohen war alles andere als aufgeregt. Nach einer Weile hörte er wie der Dünne mit jemandem „aus“ dem Koffer kommunizierte.

„Mr. Cohen“, er drehte den Koffer zu Frank Cohen, der dann ein Fernsehbild sehen konnte. Im Bild war sein alter Kollege zu sehen, der etwas verstört schien.

„Jon! Du hättest mich auch auf mein Handy anrufen können wozu die Mühe mit dem Satellitentelefon“, auf Cohens Gesicht erschien ein breites Grinsen.

„Frank, schön dich zu sehen. Wir haben hier etwas. Du solltest vielleicht nach Houston kommen.“

„Was? Kein wie geht’s, kein wie läuft’s mit deiner Diät? Immer noch der alte Jon, nur Arbeit im Kopf! Was ist denn bei euch los?“

„Ich bin nicht sicher, ob ich dir das am Telefon sagen sollte…“

„Und wieso hast du mich dann holen lassen?“

„Ich wollte…“

„Pack schon aus, das Telefon soll doch abhörsicher sein!“

Der Mann auf der anderen Seite schaute kurz zur Seite, wo offensichtlich noch eine weitere Person stand, die man nicht im Bild hatte. Die Person sagte etwas zu dem Mann im Satellitentelefon. Was genau konnte Frank jedoch nicht hören.

Dann sprach der Kollege langsam „Frank wir haben MÖGLICHERWEISE einen neuen Planeten entdeckt.“

Frank Cohen starrte entgeistert in den Bildschirm.

„Na und? Bei der Anzahl der Planeten im Universum. Wen wundert das. Mir wurde gesagt es ginge um die Nationale Sicherheit.“

Frank Cohen sah wie der glatzköpfige General auf seinem Bildschirm tief Luft holte: „Frank, wo soll ich bloß anfangen? Ist Mr. Patterson noch im Raum?“

„Natürlich!“

„Bitten Sie Ihn uns allein zu lassen“, sagte die raue Stimme durch das Telefon.

Cohen schaute kurz zu seinem dünnen Begleiter. „Mr. Patterson.“

„Aber natürlich.“ Patterson nahm sein Telefon vom Tisch und verschwand aus dem Konferenzraum.