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"Manchmal sind die Perlen in unserem Inneren klein und hässlich, aber sie sind wertvoll, weil sie echt sind. Aber was können sie schon ausrichten gegen die großen, kitschigen Immitationen, nach denen die Welt schreit und von denen sie scheinbar nie genug bekommen kann." Das denkst du und schweigst und eine unüberwindliche Macht hält dich davor zurück, deine Perlen zu verschenken. Verborgen liegen sie in diesem Buch, warten darauf, auch die deinen hervorzuholen. Dich zum Lachen, Weinen und Nachdenken zu bringen.
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Seitenzahl: 104
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhalt
Impressum 7
Das Gesicht der Kunst 8
Das Begräbnis 8
Der Becher des Lebens 9
Der Ausbruch des Vesuvs 10
Die Litfaßsäule 11
Die Kernseife 11
Kopflos 11
Die B-Seite der CD 12
Die Erotik des „L“ 13
Der Pfiff 13
Wunschkennzeichen 14
Venedig retten 14
Ein Stern 15
Die Frage nach dem Weg 16
Wo waren sie? 16
Fühl dich ganz wie zu Hause 17
Tief „Frederik“ 18
Die Lichthupe 18
Zweite Wahl 18
Endstation Sehnsucht 19
Die Kartoffelchips 20
Die Liebe malen 20
Anders lachen 21
Running Sushi 21
„A-Daneben“(Definition eines Österreichers)22
Eine gute Idee 23
Der Gemeindebau 23
Gewöhnungsbedürftig 23
Wohin soll ich mich wenden 24
Die Versöhnung in der Streitbar 25
Ortsnamen 25
Das schlagende Wochenende 26
Gokart-Rennen 27
Großglocknerlauf 28
Ein interessantes Wesen 28
Mein Typ 29
Der Besucher 29
Unfinished Look 29
CB Mattersburg 30
Impfgegner 31
Wien, Wien, nur du allein 31
Der Schrei der Vergessenen 32
Unauffällig 33
Mein kleiner Bruder 36
75 Jahre Ausschwitz 36
Der Journalist 38
Er hört sich so gern 38
Die Auskunft 38
„Model Shop“ 39
Fuerteventura 39
Erwischt 40
Beim Heurigen 40
An der Donau 41
Die Beziehungskiste 42
Die Melodie des Lebens 42
In deinen Armen 42
Unser Uns 45
Der Täter 45
Der Kern 46
Der Kuss 46
Mein Leben 46
Gott erschießen 47
Kennst du das Land, wo die Privilegien blühen? 47
Heimat 49
Das Leben auf „Au“ 50
Das Feld überlassen 50
Die Karriereleiter 51
Das Trinkglas 52
Drüberfahren 52
Reich und arm 52
Globalisierung 53
Der Beruf des Drehers 53
Kreatives Arbeiten 54
Freiheitlich 54
Die arme Kreatur 55
Das Stofftier 56
Die Frau bei der Wasserrutsche 57
Die Bierflasche 58
Let’s talk about Sex 59
… ein Lächeln 61
Das Schuhband 62
Sandras Weg 62
Empty Room 65
Du und die Welt 65
Getrennt voneinander? 65
Ein Raum, ein Mensch 66
Die Stimmung treffen 66
Ein Pinguin ist erfroren 67
Sonnenfinsternis 67
Das Vogelnest 68
Halbwertszeit 68
Homöopathie 68
Die zweite Geldbörse 69
Sie sprechen mit Franz Müller 69
Die Schachtel in der Schachtel 70
Der Versuch 71
Der Knopf (digitale Bedienungsanleitung) 72
Ich Arsch (anatomisch nicht ganz richtig) 73
Zeitalter 74
Einfache Technik 75
Aus der Werbung 75
Ungeschriebene Gesetze 75
Unser Bernie 77
Vorgestellt werden 78
Miteinander reden 78
An wenigen Ecken 79
Der Wiener 79
Die Rosenstängel-zwischen-den-Zähnen-Halterin 80
Der Ursprung des Schoßhundes 80
Die Briefbombe 86
Seid Pessimisten 87
Der Schatz 88
Small und Large 88
Umweltschutz 89
Der Lehrer 89
Finanzwelt 89
Vorurteil (Konstante vor Klammer) 89
Theorie und Praxis 90
Ein Monolog 90
Liebe ist … 90
Die Welt 91
Die Welt bleibt stehen 91
Die Wahrheit 91
Der Ring, die Ringe 92
Übertönen 93
Das Gesicht 94
Gesprächspausen 94
Mit anderen Augen 96
Die Gegenwart 97
Kommunikation im Internet 97
Zahlensysteme 98
Das Leben 99
Gesprächsanfang 100
Jeder Mensch ist eine Nummer 100
In der U-Bahn 102
Paradoxe Jahreszeiten 103
Sein eigener Werbemanager 103
Wetterbericht 103
Natürliche Zahlen 104
Rekursiv 104
Modernes Management 104
Der Stoffwechsel 105
Partnersuche 105
Griechischer Wein 105
Sich dumm anstellen 106
Erfahrung 106
Skrupel 106
Das liebe Vieh 106
Unfähigkeit 107
Unsere Zeit 107
Liebe 107
Selbstzensur 107
Geburtstag 108
Gefühle 108
Schnellfahren 108
Der Boden der Realität 108
Der Gipfelsieg 109
Jung und alt 109
Der Amtsweg 110
Dieselben Menschen 110
Das Leben 110
Unsere Gedanken 110
Anerkennung 111
Die Zukunft 111
Erwachsene 111
Dummheit 111
Gemeinschaft 112
Umverteilung 112
Helden und Verlierer 112
Das Viele, das Wenige 112
Kapitalismus 113
Die Faulheit des Kapitals 113
Kleine Freuden 113
Die Weisheit mit Löffeln essen 114
Unser Universum 114
Moderne Physik 114
Wirklichkeit versus Realität 114
Schrödingers Katze 115
Textverkostung 115
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-605-3
ISBN e-book: 978-3-99131-606-0
Lektorat: Lucas Drebenstedt
Umschlagfoto: Valio84sl, Flowersofsunny | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Das Gesicht der Kunst
Ist es echt, oder nur dargestellt?
Ist es Wahrheit oder Fantasie?
Die Menschen versuchen, es zu ergründen,
versuchen, in diesem Gesicht zu lesen.
Und manchmal kommen sie dir auf die Schliche,
kommen bedrohlich nahe der Wahrheit.
Deshalb wandelst du es immer wieder, dieses Gesicht.
Du bist ihnen immer um eine Nasenlänge voraus,
ihrem Denken, ihrem Verstehen und ihrem
Verstehenwollen.
Du zeigst ihnen ein lachendes, ein weinendes,
ein trauriges, ein emotionsloses Gesicht.
Und manchmal ist es sogar echt.
Das Begräbnis
Von überall, aus der Hotelanlage kamen sie dahergeströmt, die Kinder. Die helle Stimme meiner Schwester hatte sie angelockt. Grausam, wenn eine Vogelmutter ihr Junges, weil es kleiner und schwächer ist als die anderen, verhungern ließ und jetzt aus dem Nest warf, direkt vor den Balkonen der Urlauber. „Schau, schnell …“ Und wie schnell die Kinder kamen.
Nackt und bloß lag es da, das Vogeljunge, auf den weißen Marmorfliesen. Manche versuchten, es zu berühren, herumzudrehen, redeten leise, aber keines benahm sich auffällig. Die Natur hatte sie vereint.
Ich nahm dann eine Plastikschaufel, mit der sonst die Kinder Sandburgen bauen, und trug darauf das Junge über den feucht gesprengten grünen Rasen zu einer Blumenreihe neben der Gartenmauer. Dort begrub ich es. Die Kinder standen daneben, friedlich, redeten leise. Sie legten ihm ein Blütenblatt vom rosa blühenden Oleander auf sein Grab.
Kinder. Dann gingen sie wieder zurück in ihr Nest.
Der Becher des Lebens
„Du hast was?“
„Du hast den Becher des Lebens getrunken?“
„Ja, ich hatte Durst.“
„Sag mal, du spinnst wohl. Der Becher des Lebens ist doch nicht zum Trinken da!“
„Wozu denn dann?“
„Na ja. Zum Aufbewahren, Herzeigen. Als Pfand für das, was man dafür geliehen bekommt. Zum Beschützen und Festhalten, um mehr daraus zu machen. Aber doch nicht zum Trinken.“
„Ich hatte Durst.“
„Aber jetzt ist er leer, dein Becher. Dein Leben ist vorbei.“
„Aber ich lebe doch. Sieh her! Ich lebe!“
„Aber nicht mehr lange, wirst schon sehen!“
„Ich hätte auch nicht länger gelebt, hätte ich den Becher noch.“
„Du hättest aber etwas vorzuweisen. Einen vollen Becher. Dein Leben. Aber wie stehst du jetzt da? Wie ein Gieriger, der nicht einmal sein Leben in einem Becher bewahren kann.“
… so und so ähnlich sprechen sie zu mir, die Menschen, die vorgeben, es gut mit mir zu meinen.
Dann aber kommt jemand – er gehört zu den wenigen, die anders sind – und sagt frei heraus: „Es stimmt ja gar nicht, was man dir da nachsagt. Du hast ihn gar nicht selber ausgetrunken. Jemand anderer hat deinen Becher getrunken.“
Du hast ihn ihm gegeben, weil du ihn liebtest und weil er ihn brauchte. Jetzt deckst du ihn und ziehst auch noch den Spott und die Verachtung für den leeren Becher auf dich.
„Du bist ein kluges Kind“, antworte ich ihm. Oder besser noch: Sensibel genug, um das zu erkennen und zu verstehen. Und sensibel genug, um nicht weiter in mir zu bohren. Ein anderer läuft mit meinem Becher herum. Einmal wird er nicht stehen wie eine Vase auf meinem Grab, mein Becher, voll und trotzdem nutzlos, er wird leben, irgendwo, bei einem anderen Menschen, dem ich ihn gab, weil ich ihn liebte.
Der Ausbruch des Vesuvs
Geht es rasch – so wie damals vor einigen hundert Jahren – bleibt alles, so wie es war. Für Archäologen ein gefundenes Fressen: Menschen am Küchentisch sitzend, im Bett schlafend, Kinder im Unterricht, Vieh im Stall. So, wie sie waren, wurden sie überrascht, konserviert in glühender Lavaflugasche.
Heute brach der Stöckel eines Frauenschuhs. Auf der Reichsbrücke passierte das, unweit der Bootsanlegestelle. So wie er war, nach dem Bruch, quasi den letzten Schritt seiner Trägerin konservierend, blieb er dort auf dem Gehweg liegen, auf der Brücke unweit der Bootsanlegestelle.
Kein Vulkan hatte sie überrascht, die Frau, nur die Hektik unserer Zeit.
Die Litfaßsäule
Ich lehnte an einer sich drehenden Litfaßsäule, einfach nur, um das Gefühl kennen zu lernen, wie es ist, sich an eine, sich drehende, Litfaßsäule zu lehnen. Die Leute – so sagen die Werbeleute – sollen mehr sehen können, wenn die Litfaßsäule sich dreht.
Und das taten sie auch.
Die Kernseife
Die G-Saite eines Klaviers verwendet man, um sie zu schneiden. Weil diese Saite stark und geschmeidig ist und die Spannung verträgt, die gebraucht wird, um die biologisch, ohne Erhitzen angefertigte Kernseife durchzuschneiden. Mehrere G-Saiten sind dazu nebeneinander gespannt.
Ist der große Kernseifenteil komplett durchgezogen, erklingt ein melodisches, leicht seifengedämpftes, helles G. Vielleicht deshalb die Bezeichnung: Seifenoper.
Kopflos
Seinen Kopf zur Seite gelegt hatte ein junger Mann, so schien es jedenfalls. Es war der Kopf seiner Freundin, auf seinem Schoß. Den seinen, auf der Seite liegend zurückgebogen, sah man nicht. So wirkte es eben, als ob er ihn zur Seite gelegt hätte.
Vielleicht tut man das auch, wenn man verliebt ist.
Die B-Seite der CD
Früher gab es sie, auf den Singles, den 45-igern für Plattenspieler. Ein großer Hit war drauf, auf der A-Seite. Das, was sich verkaufen ließ. Das aber, was der Künstler kreativ entworfen, gerne unters Volk gebracht, sich aber dafür geniert hatte, es deshalb vielleicht nicht so ausfeilte und verfeinerte, das, was er meinte, was nicht für die Allgemeinheit bestimmt sei, das gab er auf die B-Seite.
Dafür verlangte er auch nicht extra einen Preis. Urtümlichkeit, Natürlichkeit, abseits vom Mainstream. A- und B-Seite. In und out.
Bonus Track, heißt es jetzt. Sie probieren’s wieder, die Kreativen. Sie probieren’s wieder, Urtümlichkeit, Natürlichkeit unters Volk zu bringen. Da kauft man was Marktschreierisches und hat im Körberl Einfachheit, etwas, was man nicht vermutete.
Sieht er so hungrig aus, der moderne Käufer, so sehnsuchtsvoll, gierend nach Urtümlichkeit? Schiebt er die A-Seite nur vor, weil er nicht weiß, wie er ihn formulieren soll, seinen Wunsch nach der B-Seite, und sich deshalb nur des Klischees der A-Seite bedient?
Die A-Verkäufer wachen darüber, dass Autor und Konsument streng getrennt bleiben, nur über Klischee miteinander kommunizieren. Die B-Seite schafft plötzlich Nähe und Intimität. Trotz Marktwirtschaft und Kapitalismus.
Die Erotik des „L“
Was wäre Mode ohne das „L“? Verleiht es doch der Leere Empfindung, dem toten Stoff Leben.
Vor den Fassaden alter Häuser, in einer Pariser Seitengasse, im kitschigen graublauem Rock mit Rüschenabschluss, der aussieht, als ob der Unterrock vorstünde. Und hässliche durchsichtige Nylon Kniestrümpfe mit Bündchen. Kitschige rosafarbene spitze Schuhe. Zuckerlrosa Pulli, übervoll mit Pommeln besetzt. Eine Perlenkette, nicht um den Hals, sondern ums Handgelenk gewickelt.„Coco Chanel“ betitelt. Hinweis auf ihre Entstehung.
Jede „normale“ Frau würde man fragen, welchem Altkleidercontainer sie das entnommen. Die Coco-Chanel-Gekleidete nicht. Sie wirkt sogar hübscher als vorhin im modernen Look.
Diesen Vorgang nenne ich „die Erotik des L“. Der Buchstabe L. Fügt man ihn nämlich zum an und für sich nüchternen Wort Mode hinzu, ergibt sich der gleiche Effekt.
Der Pfiff
Sie pfiff nach mir, dort im Birkenhain. Eine tiefe Schneise hatte man hinein geholzt. Ein neuer Weg, schlammig, Raupen-, Bagger- und Lastwagenspuren, schmutziger Schnee, kaum getauter Boden.
Sie, in lockerer Leinenhose mit aufgesetzten Taschen, einem Rucksäckchen auf dem Rücken. Vorauslaufend der Hund. Natürlich pfiff sie nach ihm, nicht nach mir, der ich mich – im frühlingshaften Joggerwahn – zwischen sie geschoben hatte.
Aber sie pfiff gut. So gut, dass er gepasst hätte, der Pfiff, für mich, und dass ich mich dieser Illusion hingeben konnte.
Wunschkennzeichen
„1Leben“, auf seinem Auto. Sein Wunschkennzeichen. Ob er es sich gewünscht hat, sein Leben? Er weiß es nicht. Aber er wünscht, dass es ein Leben ist, und dass es jeder sieht, so wie jetzt sein Wunschkennzeichen.
„1Leben“ wird bestraft. Man lächelt darüber. Man ärgert sich, wenn es einem die Vorfahrt raubt. Man lobt die kreative Idee dahinter.
„1Leben“ ist unterwegs. Zu schnell, zu oberflächlich, zu vorsichtig. Es wird wahrgenommen, aber nur von jenen, die gerade in seiner Nähe sind.
„1Leben“. In diesem halbrunden Ding aus Blech, dem wir viel zu viel Bedeutung geben, zuviel Sinn, zuviel Aufmerksamkeit, obwohl sein Inhalt das Wertvollste ist: ein Leben.
Venedig retten
Mit Gummistiefel und Regenschutz in Venedig. Wasser von oben und Wasser von unten. In den Seitengassen sieht man Maurer bei der Arbeit. Ich kann mir vorstellen, dass es Mühe macht, das Mauerwerk trocken zu halten. Schönheit, Außergewöhnlichkeit nur für die Touristen.
Der Kaffee ist klein und schwarz. In den Kanälen schwimmen Plastikflaschen und Styropor. Von der Adriaseite schwappen die Wellen über die Gehsteige. Auf kleinen Seitenwegen gibt es oft kein Durchkommen. Nasse Füße und grell beleuchtetes Muranoglas. Geschäfte mit Masken vor der Tür.
