Melodien des Lebens - Stefan Pinter - E-Book

Melodien des Lebens E-Book

Stefan Pinter

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Beschreibung

"Manchmal sind die Perlen in unserem Inneren klein und hässlich, aber sie sind wertvoll, weil sie echt sind. Aber was können sie schon ausrichten gegen die großen, kitschigen Immitationen, nach denen die Welt schreit und von denen sie scheinbar nie genug bekommen kann." Das denkst du und schweigst und eine unüberwindliche Macht hält dich davor zurück, deine Perlen zu verschenken. Verborgen liegen sie in diesem Buch, warten darauf, auch die deinen hervorzuholen. Dich zum Lachen, Weinen und Nachdenken zu bringen.

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Impressum 7

Das Gesicht der Kunst 8

Das Begräbnis 8

Der Becher des Lebens 9

Der Ausbruch des Vesuvs 10

Die Litfaßsäule 11

Die Kernseife 11

Kopflos 11

Die B-Seite der CD 12

Die Erotik des „L“ 13

Der Pfiff 13

Wunschkennzeichen 14

Venedig retten 14

Ein Stern 15

Die Frage nach dem Weg 16

Wo waren sie? 16

Fühl dich ganz wie zu Hause 17

Tief „Frederik“ 18

Die Lichthupe 18

Zweite Wahl 18

Endstation Sehnsucht 19

Die Kartoffelchips 20

Die Liebe malen 20

Anders lachen 21

Running Sushi 21

„A-Daneben“(Definition eines Österreichers)22

Eine gute Idee 23

Der Gemeindebau 23

Gewöhnungsbedürftig 23

Wohin soll ich mich wenden 24

Die Versöhnung in der Streitbar 25

Ortsnamen 25

Das schlagende Wochenende 26

Gokart-Rennen 27

Großglocknerlauf 28

Ein interessantes Wesen 28

Mein Typ 29

Der Besucher 29

Unfinished Look 29

CB Mattersburg 30

Impfgegner 31

Wien, Wien, nur du allein 31

Der Schrei der Vergessenen 32

Unauffällig 33

Mein kleiner Bruder 36

75 Jahre Ausschwitz 36

Der Journalist 38

Er hört sich so gern 38

Die Auskunft 38

„Model Shop“ 39

Fuerteventura 39

Erwischt 40

Beim Heurigen 40

An der Donau 41

Die Beziehungskiste 42

Die Melodie des Lebens 42

In deinen Armen 42

Unser Uns 45

Der Täter 45

Der Kern 46

Der Kuss 46

Mein Leben 46

Gott erschießen 47

Kennst du das Land, wo die Privilegien blühen? 47

Heimat 49

Das Leben auf „Au“ 50

Das Feld überlassen 50

Die Karriereleiter 51

Das Trinkglas 52

Drüberfahren 52

Reich und arm 52

Globalisierung 53

Der Beruf des Drehers 53

Kreatives Arbeiten 54

Freiheitlich 54

Die arme Kreatur 55

Das Stofftier 56

Die Frau bei der Wasserrutsche 57

Die Bierflasche 58

Let’s talk about Sex 59

… ein Lächeln 61

Das Schuhband 62

Sandras Weg 62

Empty Room 65

Du und die Welt 65

Getrennt voneinander? 65

Ein Raum, ein Mensch 66

Die Stimmung treffen 66

Ein Pinguin ist erfroren 67

Sonnenfinsternis 67

Das Vogelnest 68

Halbwertszeit 68

Homöopathie 68

Die zweite Geldbörse 69

Sie sprechen mit Franz Müller 69

Die Schachtel in der Schachtel 70

Der Versuch 71

Der Knopf (digitale Bedienungsanleitung) 72

Ich Arsch (anatomisch nicht ganz richtig) 73

Zeitalter 74

Einfache Technik 75

Aus der Werbung 75

Ungeschriebene Gesetze 75

Unser Bernie 77

Vorgestellt werden 78

Miteinander reden 78

An wenigen Ecken 79

Der Wiener 79

Die Rosenstängel-zwischen-den-Zähnen-Halterin 80

Der Ursprung des Schoßhundes 80

Die Briefbombe 86

Seid Pessimisten 87

Der Schatz 88

Small und Large 88

Umweltschutz 89

Der Lehrer 89

Finanzwelt 89

Vorurteil (Konstante vor Klammer) 89

Theorie und Praxis 90

Ein Monolog 90

Liebe ist … 90

Die Welt 91

Die Welt bleibt stehen 91

Die Wahrheit 91

Der Ring, die Ringe 92

Übertönen 93

Das Gesicht 94

Gesprächspausen 94

Mit anderen Augen 96

Die Gegenwart 97

Kommunikation im Internet 97

Zahlensysteme 98

Das Leben 99

Gesprächsanfang 100

Jeder Mensch ist eine Nummer 100

In der U-Bahn 102

Paradoxe Jahreszeiten 103

Sein eigener Werbemanager 103

Wetterbericht 103

Natürliche Zahlen 104

Rekursiv 104

Modernes Management 104

Der Stoffwechsel 105

Partnersuche 105

Griechischer Wein 105

Sich dumm anstellen 106

Erfahrung 106

Skrupel 106

Das liebe Vieh 106

Unfähigkeit 107

Unsere Zeit 107

Liebe 107

Selbstzensur 107

Geburtstag 108

Gefühle 108

Schnellfahren 108

Der Boden der Realität 108

Der Gipfelsieg 109

Jung und alt 109

Der Amtsweg 110

Dieselben Menschen 110

Das Leben 110

Unsere Gedanken 110

Anerkennung 111

Die Zukunft 111

Erwachsene 111

Dummheit 111

Gemeinschaft 112

Umverteilung 112

Helden und Verlierer 112

Das Viele, das Wenige 112

Kapitalismus 113

Die Faulheit des Kapitals 113

Kleine Freuden 113

Die Weisheit mit Löffeln essen 114

Unser Universum 114

Moderne Physik 114

Wirklichkeit versus Realität 114

Schrödingers Katze 115

Textverkostung 115

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2022 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-605-3

ISBN e-book: 978-3-99131-606-0

Lektorat: Lucas Drebenstedt

Umschlagfoto: Valio84sl, Flowersofsunny | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Das Gesicht der Kunst

Ist es echt, oder nur dargestellt?

Ist es Wahrheit oder Fantasie?

Die Menschen versuchen, es zu ergründen,

versuchen, in diesem Gesicht zu lesen.

Und manchmal kommen sie dir auf die Schliche,

kommen bedrohlich nahe der Wahrheit.

Deshalb wandelst du es immer wieder, dieses Gesicht.

Du bist ihnen immer um eine Nasenlänge voraus,

ihrem Denken, ihrem Verstehen und ihrem

Verstehenwollen.

Du zeigst ihnen ein lachendes, ein weinendes,

ein trauriges, ein emotionsloses Gesicht.

Und manchmal ist es sogar echt.

Das Begräbnis

Von überall, aus der Hotelanlage kamen sie dahergeströmt, die Kinder. Die helle Stimme meiner Schwester hatte sie angelockt. Grausam, wenn eine Vogelmutter ihr Junges, weil es kleiner und schwächer ist als die anderen, verhungern ließ und jetzt aus dem Nest warf, direkt vor den Balkonen der Urlauber. „Schau, schnell …“ Und wie schnell die Kinder kamen.

Nackt und bloß lag es da, das Vogeljunge, auf den weißen Marmorfliesen. Manche versuchten, es zu berühren, herumzudrehen, redeten leise, aber keines benahm sich auffällig. Die Natur hatte sie vereint.

Ich nahm dann eine Plastikschaufel, mit der sonst die Kinder Sandburgen bauen, und trug darauf das Junge über den feucht gesprengten grünen Rasen zu einer Blumenreihe neben der Gartenmauer. Dort begrub ich es. Die Kinder standen daneben, friedlich, redeten leise. Sie legten ihm ein Blütenblatt vom rosa blühenden Oleander auf sein Grab.

Kinder. Dann gingen sie wieder zurück in ihr Nest.

Der Becher des Lebens

„Du hast was?“

„Du hast den Becher des Lebens getrunken?“

„Ja, ich hatte Durst.“

„Sag mal, du spinnst wohl. Der Becher des Lebens ist doch nicht zum Trinken da!“

„Wozu denn dann?“

„Na ja. Zum Aufbewahren, Herzeigen. Als Pfand für das, was man dafür geliehen bekommt. Zum Beschützen und Festhalten, um mehr daraus zu machen. Aber doch nicht zum Trinken.“

„Ich hatte Durst.“

„Aber jetzt ist er leer, dein Becher. Dein Leben ist vorbei.“

„Aber ich lebe doch. Sieh her! Ich lebe!“

„Aber nicht mehr lange, wirst schon sehen!“

„Ich hätte auch nicht länger gelebt, hätte ich den Becher noch.“

„Du hättest aber etwas vorzuweisen. Einen vollen Becher. Dein Leben. Aber wie stehst du jetzt da? Wie ein Gieriger, der nicht einmal sein Leben in einem Becher bewahren kann.“

… so und so ähnlich sprechen sie zu mir, die Menschen, die vorgeben, es gut mit mir zu meinen.

Dann aber kommt jemand – er gehört zu den wenigen, die anders sind – und sagt frei heraus: „Es stimmt ja gar nicht, was man dir da nachsagt. Du hast ihn gar nicht selber ausgetrunken. Jemand anderer hat deinen Becher getrunken.“

Du hast ihn ihm gegeben, weil du ihn liebtest und weil er ihn brauchte. Jetzt deckst du ihn und ziehst auch noch den Spott und die Verachtung für den leeren Becher auf dich.

„Du bist ein kluges Kind“, antworte ich ihm. Oder besser noch: Sensibel genug, um das zu erkennen und zu verstehen. Und sensibel genug, um nicht weiter in mir zu bohren. Ein anderer läuft mit meinem Becher herum. Einmal wird er nicht stehen wie eine Vase auf meinem Grab, mein Becher, voll und trotzdem nutzlos, er wird leben, irgendwo, bei einem anderen Menschen, dem ich ihn gab, weil ich ihn liebte.

Der Ausbruch des Vesuvs

Geht es rasch – so wie damals vor einigen hundert Jahren – bleibt alles, so wie es war. Für Archäologen ein gefundenes Fressen: Menschen am Küchentisch sitzend, im Bett schlafend, Kinder im Unterricht, Vieh im Stall. So, wie sie waren, wurden sie überrascht, konserviert in glühender Lavaflugasche.

Heute brach der Stöckel eines Frauenschuhs. Auf der Reichsbrücke passierte das, unweit der Bootsanlegestelle. So wie er war, nach dem Bruch, quasi den letzten Schritt seiner Trägerin konservierend, blieb er dort auf dem Gehweg liegen, auf der Brücke unweit der Bootsanlegestelle.

Kein Vulkan hatte sie überrascht, die Frau, nur die Hektik unserer Zeit.

Die Litfaßsäule

Ich lehnte an einer sich drehenden Litfaßsäule, einfach nur, um das Gefühl kennen zu lernen, wie es ist, sich an eine, sich drehende, Litfaßsäule zu lehnen. Die Leute – so sagen die Werbeleute – sollen mehr sehen können, wenn die Litfaßsäule sich dreht.

Und das taten sie auch.

Die Kernseife

Die G-Saite eines Klaviers verwendet man, um sie zu schneiden. Weil diese Saite stark und geschmeidig ist und die Spannung verträgt, die gebraucht wird, um die biologisch, ohne Erhitzen angefertigte Kernseife durchzuschneiden. Mehrere G-Saiten sind dazu nebeneinander gespannt.

Ist der große Kernseifenteil komplett durchgezogen, erklingt ein melodisches, leicht seifengedämpftes, helles G. Vielleicht deshalb die Bezeichnung: Seifenoper.

Kopflos

Seinen Kopf zur Seite gelegt hatte ein junger Mann, so schien es jedenfalls. Es war der Kopf seiner Freundin, auf seinem Schoß. Den seinen, auf der Seite liegend zurückgebogen, sah man nicht. So wirkte es eben, als ob er ihn zur Seite gelegt hätte.

Vielleicht tut man das auch, wenn man verliebt ist.

Die B-Seite der CD

Früher gab es sie, auf den Singles, den 45-igern für Plattenspieler. Ein großer Hit war drauf, auf der A-Seite. Das, was sich verkaufen ließ. Das aber, was der Künstler kreativ entworfen, gerne unters Volk gebracht, sich aber dafür geniert hatte, es deshalb vielleicht nicht so ausfeilte und verfeinerte, das, was er meinte, was nicht für die Allgemeinheit bestimmt sei, das gab er auf die B-Seite.

Dafür verlangte er auch nicht extra einen Preis. Urtümlichkeit, Natürlichkeit, abseits vom Mainstream. A- und B-Seite. In und out.

Bonus Track, heißt es jetzt. Sie probieren’s wieder, die Kreativen. Sie probieren’s wieder, Urtümlichkeit, Natürlichkeit unters Volk zu bringen. Da kauft man was Marktschreierisches und hat im Körberl Einfachheit, etwas, was man nicht vermutete.

Sieht er so hungrig aus, der moderne Käufer, so sehnsuchtsvoll, gierend nach Urtümlichkeit? Schiebt er die A-Seite nur vor, weil er nicht weiß, wie er ihn formulieren soll, seinen Wunsch nach der B-Seite, und sich deshalb nur des Klischees der A-Seite bedient?

Die A-Verkäufer wachen darüber, dass Autor und Konsument streng getrennt bleiben, nur über Klischee miteinander kommunizieren. Die B-Seite schafft plötzlich Nähe und Intimität. Trotz Marktwirtschaft und Kapitalismus.

Die Erotik des „L“

Was wäre Mode ohne das „L“? Verleiht es doch der Leere Empfindung, dem toten Stoff Leben.

Vor den Fassaden alter Häuser, in einer Pariser Seitengasse, im kitschigen graublauem Rock mit Rüschenabschluss, der aussieht, als ob der Unterrock vorstünde. Und hässliche durchsichtige Nylon Kniestrümpfe mit Bündchen. Kitschige rosafarbene spitze Schuhe. Zuckerlrosa Pulli, übervoll mit Pommeln besetzt. Eine Perlenkette, nicht um den Hals, sondern ums Handgelenk gewickelt.„Coco Chanel“ betitelt. Hinweis auf ihre Entstehung.

Jede „normale“ Frau würde man fragen, welchem Altkleidercontainer sie das entnommen. Die Coco-Chanel-Gekleidete nicht. Sie wirkt sogar hübscher als vorhin im modernen Look.

Diesen Vorgang nenne ich „die Erotik des L“. Der Buchstabe L. Fügt man ihn nämlich zum an und für sich nüchternen Wort Mode hinzu, ergibt sich der gleiche Effekt.

Der Pfiff

Sie pfiff nach mir, dort im Birkenhain. Eine tiefe Schneise hatte man hinein geholzt. Ein neuer Weg, schlammig, Raupen-, Bagger- und Lastwagenspuren, schmutziger Schnee, kaum getauter Boden.

Sie, in lockerer Leinenhose mit aufgesetzten Taschen, einem Rucksäckchen auf dem Rücken. Vorauslaufend der Hund. Natürlich pfiff sie nach ihm, nicht nach mir, der ich mich – im frühlingshaften Joggerwahn – zwischen sie geschoben hatte.

Aber sie pfiff gut. So gut, dass er gepasst hätte, der Pfiff, für mich, und dass ich mich dieser Illusion hingeben konnte.

Wunschkennzeichen

„1Leben“, auf seinem Auto. Sein Wunschkennzeichen. Ob er es sich gewünscht hat, sein Leben? Er weiß es nicht. Aber er wünscht, dass es ein Leben ist, und dass es jeder sieht, so wie jetzt sein Wunschkennzeichen.

„1Leben“ wird bestraft. Man lächelt darüber. Man ärgert sich, wenn es einem die Vorfahrt raubt. Man lobt die kreative Idee dahinter.

„1Leben“ ist unterwegs. Zu schnell, zu oberflächlich, zu vorsichtig. Es wird wahrgenommen, aber nur von jenen, die gerade in seiner Nähe sind.

„1Leben“. In diesem halbrunden Ding aus Blech, dem wir viel zu viel Bedeutung geben, zuviel Sinn, zuviel Aufmerksamkeit, obwohl sein Inhalt das Wertvollste ist: ein Leben.

Venedig retten

Mit Gummistiefel und Regenschutz in Venedig. Wasser von oben und Wasser von unten. In den Seitengassen sieht man Maurer bei der Arbeit. Ich kann mir vorstellen, dass es Mühe macht, das Mauerwerk trocken zu halten. Schönheit, Außergewöhnlichkeit nur für die Touristen.

Der Kaffee ist klein und schwarz. In den Kanälen schwimmen Plastikflaschen und Styropor. Von der Adriaseite schwappen die Wellen über die Gehsteige. Auf kleinen Seitenwegen gibt es oft kein Durchkommen. Nasse Füße und grell beleuchtetes Muranoglas. Geschäfte mit Masken vor der Tür.