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Satire darf alles! Diesem Leitspruch frönt Bruno Busch in seinen „Satirischen Monologen“ mit hintergründigem Humor, stichelndem Hohn und beißendem Spott, ohne dabei ins Geschmacklose abzurutschen; denn allzu spitz sticht nicht und allzu scharf schneidet nicht … Quer durch den bunten Garten alltäglicher Ungereimtheiten von A wie Abkürzungen über M wie Mitesser bis W wie Wintertulpen führt diese Sammlung satirischer Monologe – mal heiter, mal mehrdeutig, mal schräg.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungen
Augengläser
Ausreden
Bierabsatz im Keller
Brüder und Schwestern
Chips und Halbleiter
Dick und Doof
Freiheit für die Pobacken
Gendern
Grenzwerte
Grüße vom Arbeitsamt
Kleider machen Leute
Komplimente
Links und rechts
Männer-Sale
Mensch sind wir que(e)r
Mitesser
Nächste Bank
Opa for Future
Positiv und negativ
Rentner
Runtermacher
Steigende Erzeugerpreise
Tageszeiten
Tsipras-Krawatte
Über den Mund fahren
Vorn und hinten
Was man nicht im Kopf hat
Weiße VW-Busse
Winter-Tulpen
Impressum
Es war bei der Wiedereinweihung einer kleinen fränkischen Pension. Die Wirtin führte durch die renovierten Zimmer. In den sanierten Bädern lagen frische Handtücher – alle in derselben Farbe, aber mit unterschiedlichen Buchstaben bestickt: „A“ und „G“. Jemand erkundigte sich nach der Bedeutung. Die Wirtin gab zur Antwort: „A steht für Antlitz, G für Gesäß.“ Da platzte es aus einem Rundgang-Teilnehmer heraus: „Und ich dachte, die beiden Buchstaben stehen für Gesicht und Arsch!“
Die Geschichte ist mir im Gedächtnis haften geblieben. Nicht nur wegen der derben Ausdrucksweise. Sondern weil der Vorfall deutlich macht, wie vieldeutig Abkürzungen sein können. Tatsächlich kommt es immer wieder vor, dass Abkürzungen nicht nur unterschiedlich verstanden werden, sondern für Inhalte stehen, die nichts miteinander zu tun haben oder sogar das Gegenteil voneinander bedeuten.
Allein im Abkürzungsverzeichnis der Stadt Karlsruhe finden sich sage und schreibe 96 Abkürzungen mit mehreren Bedeutungen gefunden. Einige sind nur regional gebräuchlich, viele Allgemeingut. Eine kleine Auswahl gefällig? Die Buchstaben A, C, K stehen sowohl für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen als auch für ein Signal zur Bestätigung einer Datenübertragung. Die Abkürzung AG kann Aktiengesellschaft, Arbeitsgemeinschaft oder Agendagruppe bedeuten. Die Buchstaben B und A stehen für British Airways, die Bundesagentur für Arbeit und den Bachelor of Arts, aber auch für Bier-Akademie und – mit Ziffern versehen – für unterschiedlich ansteckende Varianten des Corona-Virus.
Wikipedia kennt 27 Bedeutungen für die Abkürzung BW, darunter Baden-Württemberg, Bundeswehr, Bergwacht und Bahnwärter.
Sie dachten, die Abkürzung TV steht allein für Television? Weit gefehlt! Auch hier gibt es 27 verschiedene Bedeutungen wie Tarifvertrag, Textverarbeitung, Trachtenverein und Transvestitismus. Fast genauso viele Treffer erzielt die Abkürzung für die Übertragung von Textnachrichten in Mobilfunk und Festnetz, „Short Message Service“ – SMS. Zu den Konkurrenten zählen die Staatsministerien für Soziales, ein Festival im Bereich der elektronischen Musik und das Straßenbahnmuseum Stuttgart. Dagegen muss sich der Verein für deutsche Sprache die Abkürzung VDS nur mit 15 anderen Organisationen teilen. KGB hieß der sowjetische In- und Auslandsgeheimdienst. KGB heißt aber auch eine Punkrock-Band. Und die Kommunalen Galerien in Berlin kürzen sich genauso ab. LSG steht sowohl für Landschaftsschutzgebiet als auch für Laufsportgemeinschaft, SSV für Spiel- und Sportverein, Sportschützenverein und Sommerschlussverkauf.
Sie fragen: Wie kommen wir aus diesem Abkürzungs-Dschungel heraus?
Meine Antwort: Nichts leichter als das. Wir schreiben Abkürzungen nur noch aus!
„Glasauge, sei wachsam!“, pflegte mein Großvater zu sagen. Das Witzige daran war, dass in einer seiner Augenhöhlen tat-sächlich ein künstliches Auge steckte.
Ursprünglich heißt die Redewendung: „Holzauge, sei wachsam!“ Das kommt aus der Soldatensprache und bedeutet so viel wie: Pass auf, dass man dich nicht überrumpelt! Zieht man dazu mit dem Zeigefinger das untere Augenlid herunter, simuliert das den Blick durch ein Astloch, zum Beispiel in einem Bretterzaun, und bedeutet so viel wie: Man kann etwas sehen, ohne selbst gesehen zu werden.
Ein Glasauge besitze ich nicht, aber Augengläser. Die sitzen in meinem Brillengestell. Ich bin froh und dankbar, dass ich sie habe. Aus mindestens zwei Gründen: Erstens sehe ich dadurch schärfer. Und zweitens sehe ich mit Brille besser aus als ohne. Behauptet jedenfalls meine Tochter.
In jüngster Zeit kommt es häufiger vor, dass ich ohne Augengläser aus dem Haus gehe. Entweder, weil ich meine Brille verlegt habe und sie nicht schnell genug finde. Oder weil mir gar nicht auffällt, dass ich sie abgenommen habe. Ob das daran liegt, dass die Alters-Weitsicht mit zunehmendem Alter die Jugend-Kurzsicht verdrängt? Ich hoffe, das gilt auch im übertragenen Sinn, denn Weitsicht ist doch etwas Erstrebenswertes.
Gar nicht anfreunden kann ich mich mit Kontaktlinsen. Das sind auch Augengläser, aber ohne Fassung. Es schüttelt mich schon bei dem Gedanken daran, wie ich sie dorthin bugsiere, wo sie hingehören. Ich habe Sorge, mir dabei meine Augen zu verletzen. Von einer anderen Person will ich sie mir schon gar nicht einsetzen lassen. Ich bin nämlich kitzlig.
Kontaktlinsen haben einen Vorteil: Für das Gegenüber lassen sie die Augen strahlender erscheinen, ausdrucksvoller. Bilde ich mir zumindest ein.
Ob der Schauspieler Humphrey Bogart wohl Kontaktlinsen trug, als er in der berühmten Szene des legendären Films „Casablanca“ in der deutschen Fassung zu Ingrid Bergmann sagte: „Schau mir in die Augen, Kleines!“?
Wenn Sie einem anderen Menschen tief in die Augen schauen, signalisieren Sie Interesse und Nähe, aber auch Selbstbewusstsein. Sie können ihn oder sie sogar mit einer rosaroten Brille ansehen, ohne überhaupt eine Brille aufzuhaben. Das kann gefährlich werden.
Zu tief ins Glas schauen kann ebenfalls gefährlich sein, vor allem, wenn sich in dem Glas eine alkoholhaltige Flüssigkeit befindet. Der Blick wird nach und nach glasig. Und vor den Augen beginnt alles zu verschwimmen. Manch einer bekommt Probleme mit dem Gleichgewicht oder beginnt sogar zu schielen. Im schlimmsten Fall rebelliert der Magen und zwingt zum Blick durch die Klobrille. Da helfen dann weder der Augenarzt noch der Optiker. Und nicht einmal die besten Augengläser.
„Jetzt lassen Sie mich doch mal ausreden!“ Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört! Weil ich den anderen immer ins Wort falle. Irgendeiner spricht irgendeinen Gedanken aus und schon habe ich einen eigenen dazu, den ich unbedingt sofort loswerden muss. Warum kapieren die das nicht? Andererseits ärgere ich mich sehr, wenn man m i c h nicht ausreden lässt. Eine Unart ist das!
Ausreden – dieser Begriff kommt mir noch in einem ganz anderen Zusammenhang unter: Ich lade jemand ein, mit mir essen zu gehen oder ins Kino oder zu einer kleinen Wanderung am Alten Kanal. Der oder die andere lehnt ab. Er oder sie lehnt aber nicht nur ab, sondern meint, auch noch eine Rechtfertigung dafür vorbringen zu müssen: „Ich würde ja so gerne! Aber gerade gestern habe ich mir eine Erkältung eingefangen. Die muss ich erst mal auskurieren.“ „Tolle Idee! Aber du weißt doch, dass ich jetzt gleich ins Fitness-Studio gehe. Zu schade!“ „Tut mir leid, ausgerechnet für heute habe ich einen Termin beim Augenarzt ergattert.“ Und so weiter und so fort.
Ich frage Sie: Können die Leute wirklich nicht oder sind das einfach nur Ausreden? Weil sie sich zieren, weil sie sich von mir bedrängt fühlen oder weil sie fürchten, sich für meine Einladung revanchieren zu müssen?
Mir ist schon klar, dass es gewichtige Gründe geben kann, eine Einladung auszuschlagen. Aber ich bin mir sehr sicher: In vielen Fällen gibt es diese gewichtigen Gründe nicht, sondern es sind – Ausreden.
Meine Tante Adelheid zum Beispiel schwärmt noch immer von den guten alten Zeiten, in denen sie regelmäßig schwimmen ging. Hundert Bahnen am Stück hat sie damals geschafft. Ohne Pause! Und sie würde so gerne mal wieder ins Stadtbad gehen. Aber seit Onkel Paul nicht mehr da ist, geht niemand mit ihr. Und allein traut sie sich nicht.
Weil Tante Adelheid mir leidtut, habe ich ihr großherzig angeboten, sie am Montag ins Schwimmbad zu begleiten. Wie hat sie sich gefreut! Wie fest hat sie mich an ihren stattlichen Busen gedrückt. Um mich dann loszulassen, einen Schritt zurückzutreten und zu erklären: „Aber am Montag gehe ich zur Fußpflege.“
„Kein Problem“, sagte ich, „dann gehen wir eben am Donnerstag.“
„Donnerstag? Da gehe ich auch zur Fußpflege.“
„Am Montag Fußpflege – und am Donnerstag? Das kann ja gar nicht sein. Das ist doch eine Ausrede!“
„Aber nein, mein Junge“, versicherte Tante Adelheid und wurde nicht einmal rot dabei.
„Am Montag ist es der rechte Fuß – und am Donnerstag der linke.“
Na, das war doch mal eine Zeitungsüberschrift: „Bierabsatz im Keller!“ Ich mag solche Wortspiele. Im konkreten Fall ging es darum, dass heimische Brauereien für ihre Produkte drastisch gesunkene Verkaufszahlen beklagten. Hintergrund war der Lockdown während der Corona-Pandemie. Hotels, Restaurants, Gaststätten, Pubs und Clubs waren zu, Schauspielhäuser, Konzertsäle und Kinos ebenso. Das bedeutete auch, dass dort kein Bier ausgeschenkt werden konnte. Die Brauereien blieben auf ihren vollen Fässern sitzen. Eine Unmenge des schal gewordenen Gerstensafts sickerte in die Kanalisation oder wurde zur Bewässerung von Feldern missbraucht. Welch ein Frevel!
„Bierabsatz im Keller!“ Diese Schlagzeile weckte bei mir freilich noch ganz andere Assoziationen. Vor meinem geistigen Auge sah ich ausgesperrte Zechbrüder nun in unterirdische Gemächer verbannt ihrem Laster frönen. In privaten Kellern. Aber auch in denen der bereits erwähnten Hotels, Restaurants, Gaststätten, Pubs und Clubs und so weiter.
Was den doppelten Wortsinn betraf, blieb es in diesem Fall nicht bei der Fiktion. Aus dem Untergeschoss des Sportheims vom TSV 1890 drangen mir beim Verdauungsspaziergang am Sonntagnachmittag plötzlich bierselige Gesänge ans Ohr, obwohl an der Eingangstür unübersehbar das Schild mit der Aufschrift „Geschlossen“ prangte und sämtliche Fensterläden fest verriegelt waren. Hatte sich jetzt der im Sinkflug befindliche Bierabsatz etwa in den Keller unserer Sportheimgaststätte verlagert? schoss es mir durch den Kopf.
Was sollte ich machen? So tun, als hätte ich nichts gehört und einfach weitergehen? Die Polizei rufen, die eigenen Sportfreunde anschwärzen und später von ihnen als Verräter gebrandmarkt werden? Ich entschied mich für eine dritte Möglichkeit: Ich zückte mein Smartphone, wählte die Handynummer unseres Trainers, erklärte ihm meine Situation und bat um seinen Rat. Der Hansi überlegte nicht lange, sondern meinte, ich solle einfach auflegen und kurz warten. Eine Minute später öffnete sich von innen die Sportheimtür. Im Spalt stand der Trainer, zwinkerte mir listig zu und forderte mich mit weit ausholender Handbewegung auf, ihm zu folgen. Vor mir stieg er die Kellertreppe hinab und rückte für mich einen freien Stuhl an die vollbesetzte Tafel.
Wie ich an diesem Sonntagabend nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Nur, dass die Zeitungsüberschrift recht hatte: „Bierabsatz im Keller!“
Geschwisterliebe ist nicht selbstverständlich. Mein Bruder und ich haben uns immer gezofft, solange wir klein waren. Heute sind wir wie die besten Freunde. Das mag am fortgeschrittenen Alter liegen. Es liegt aber auch daran, dass wir tausend Kilometer weit weg voneinander wohnen und uns nur noch alle Jubeljahre sehen.
Mein Vater hatte eine Schwester. Sie waren also ebenfalls zu zweit, nur nicht vom selben Geschlecht.
Meinen Bruder und mich versuchte unser Vater einmal mit diesem Rätsel hinters Licht zu führen: Ein Mann hatte fünf Söhne, jeder dieser fünf Söhne hatte eine Schwester – wie viele Kinder hatte der Mann? Wir zählten zwei und zwei zusammen und kamen auf zehn. Was meinen Vater hämisch grinsen ließ.
Ich kenne eine Kirche, in der sich die Verantwortlichen gegenseitig mit „Bruder“ und „Schwester“ ansprechen. Das wunderte mich, da die meisten dieser Leute gar nicht miteinander verwandt sind. „Wir sind Brüder und Schwestern im Geiste“, erklärten sie mir. „Aha“, sagte ich, ohne wirklich zu verstehen, was sie meinten. Nachdem ich in den Medien über Missstände in dieser Kirche gelesen hatte, befürchtete ich eher, dass sie von allen guten Geistern verlassen waren.
