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Um die Menschenwürde zu wahren werden in der Zukunft strenge Gesetze ausgearbeitet, die das Klonen von Menschen verbietet und zu medizinischen Zwecken reguliert. Selbst die ersten geklonten Menschen, die noch vor dem Aufkommen dieser Gesetze entstanden sind, haben erkannt, dass ihr Dasein für die weitere Entwicklung der Menschheit von Nachteil ist und sogar zum Aussterben Derselben führen könnte. Sie versuchen dies zu verhindern und führen Anschläge auf Mediziner und Wissenschaftler aus, die gegen diese Gesetze verstoßen. Ein norwegischer Professor, der Genforschung zum Zweck der Organknappheit betreibt, entgeht knapp einen dieser Attentate. Damit sie ihn dennoch habhaft werden können, verbündet sich eine der Klone mit dem Vorsitzenden des Gremiums gegen Menschenklonung, der Mithilfe von Interpolagenten auf die Spur des Professors ist. Bei ihren Recherchen stoßen sie auf ungeheuerliches: Zur Verpflanzung für den menschlichen Organismus verträglichen Spenderorganen, verschmelzt der Professor die DNA von Menschen und Schweinen und schafft somit neue Lebewesen; die Menschenschweine, die er anschließend kaltblütig für seine Zwecke ausschlachtet. Um Beweise zu sammeln, begeben sich die Klonin mit ihren Begleitern in Lebensgefahr.
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Seitenzahl: 90
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Georg Jansen
Menschenschweine
Eine Geschichte in der Zukunft
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Menschenschweine
Prolog
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Epilog
Impressum neobooks
Sein Leben grübelte er seitdem:
Warum ihm dies geschah, von wem?
C. Morgenstern, Galgenlieder
Eine Geschichte in der Zukunft
Von Georg Jansen, 2015
Mike Reinhardt ging ins Arbeitszimmer, holte die alte Aktenmappe hervor und schlug sie auf. Die Doktrin, die er las, lautete wie folgt: Die unentwegt auftauchenden Hindernisse, die der menschlichen Spezies seit Beginn ihres Daseins im Wege stehen und ihr in seiner positiven Weiterentwicklung hemmen, müssen ausgeräumt werden. Sie machen sich in Diskriminierung, Ausbeutung, Unterdrückung, diktatorischem Verhalten, gereift durch egoistische Selbstsucht bemerkbar und enden meist in Volksaufständen und Kriegen. Nachdem er noch einmal die Einführung des Dossiers gelesen hatte klappte er die Aktenmappe wieder zu. Es bestand kein Zweifel dass die Gesinnung der Verfasser durchaus ehrenwert war. Die Mitglieder bestanden damals aus Politikern, Philosophen und Wissenschaftler der verschiedensten Fachbereiche, handelten ohne finanziellen Eigennutz und hatten zu Beginn ihrer Tätigkeit beachtliche Erfolge vorzuweisen. Reinhardt dachte an die gelungenen Friedensverhandlungen verfeindeter Staaten. An ausgearbeiteten, gerechteren Regierungsformen für sogenannte Drittländer, aber auch an die bedeutenden Fortschritte in der Medizin, welche zur Beseitigung einiger chronischen, wie auch erblichen Krankheiten führten. >Vielleicht wären sie auch imstande gewesen seine Frau zu heilen? < Es war nun fünf Jahre her, als diese verdammte Krankheit ihm unerwartet seine Frau genommen hatte. Mike Reinhardt setzte sich in einen Sessel und reflektierte die Ereignisse, die sein damaliges Leben entscheidend geprägt hatten. Eine Splittergruppe der Organisation gelang es, in der Überlegung den perfekten Menschen zu schaffen, sich selbst zu klonen. Die Geschehnisse danach waren Reinhardt noch genau im Bewusstsein. Er war damals freier Journalist und einer der Ersten, der Kenntnisse über die geklonten Menschen bekam. Mehr noch; bei einem Treffen mit einem von Ihnen, war er es, der die Öffentlichkeit im Anschluss über ihre Existenz und der darauf folgenden Tragödie informierte. 17 Jahre nach ihrer Erschaffung trafen sich die Klone mit ihren Genspendern an einem geheimen Ort in Kolumbien wieder. In dieser Zeit waren die Jahre der Entspannung vorbei und die Welt stand wieder einmal vor großen, selbstverursachten Problemen. Es drohte sogar ein Krieg der Supermächte. Mit der Zusammenkunft, der inzwischen zu superintelligenten herangewachsenen Jugendlichen, wollte die Gruppe der selbsternannten Weltretter nach Lösungen suchen um die Katastrophe zu verhindern. Der Grund für den anschließenden Amoklauf der Klone war ein einziger Punkt im vorgelegten Programm der Politiker und Wissenschaftler: Ein bevorstehender Schwund der Menschheit sollte durch ein umfassendes Klonprojekt verhindert werden. Die Jugendlichen Klone gingen davon aus, dass aber genau Dies das Ende der Spezies Mensch bedeuten würde. Um ein Exempel zu statuieren töteten sie alle Beteiligten des Treffens, um sich anschließend selbst das Leben zu nehmen. Reinhardt sah im Gedanken die Klonin Maria vor sich, dieses vollkommen und wunderschöne Geschöpf, die ihm den Bericht auf der Veranda eines Hotels in Kolumbien diktiert hatte. Und an die Explosion aus dem nahen Dschungel. Mit der Vernichtung des geheimen Versammlungsortes wurden die letzten Zeugen und die aktuellsten Aufzeichnungen zur Technik der Menschenklonung vernichtet. Kurz darauf verschwand Maria und Reinhardt ging davon aus, dass Sie, ihrer Aussage nach zu, ebenfalls Suizid begehen würde. Das einzige was Mike blieb, war die Reportage zu veröffentlichen. Bei der Untersuchung der Unglücksstelle wurde sein Bericht dadurch bestätigt, dass an den Resten, der bis zur Unkenntlichkeit verbrannten verschiedenen Leichen, identische DNA festgestellt wurde.
Anschließend kam es zu weltweiten Protesten Menschen zu klonen, nach deren Verlauf ein internationales Gremium festgelegt wurde die genaue Richtlinien für die Grenzen der medizinischen Klonung bestimmten. Weil auch Reinhardts Name durch seine Veröffentlichung nun in aller Munde war und er durch Interviews und Ereignisberichte über das Geschehene sehr bekannt wurde, konnte er sich kaum dagegen wehren zu einem Vorsitzenden des Gremiums ernannt zu werden.
Ich konnte mich noch an meine Mutter erinnern. Sie hatte rosige Haut und einen warmen Herzschlag. Der Geruch von frischem Stroh ließ mein Herz schneller schlagen. Aber dann war sie weg. Von einem Augenblick zum Anderen. Von da an war mein Leben ein großes Fragezeichen. Ich sah die Menschen in ihren weißen Kitteln. Helle Räume wurden in ein noch helleres Licht getaucht. Nun roch es nur noch steril. Später erfuhr ich, dass es sich um Desinfektionsmittel handelte. Alkohole, Aldehyde, Halogene und Phenole, waren die Düfte die mich von da an eine lange Zeit begleiteten. Und ich sah zum ersten Mal den Mann mit der Brille. Ja, er musste mein Vater sein.
Der Mann im Blaumann lächelte. Er saß in einen echten Oldtimer, BMW M5, Baujahr 2011. Es musste eine Freude sein den Wagen zu fahren. Allein schon das Geräusch, das der 8 Zylinder Verbrennungsmotor beim Gas geben erzeugte, beeindruckte ihn. Heutige Elektroautos glitten fast geräuschlos über die Straßen. Hochleistungsbatterien sorgten für ihren Antrieb. Die inzwischen genormten Batterien konnten Zuhause am Stromnetz geladen werden oder an Verkaufsstellen, die immer noch „Tankstellen“ hießen, gegen eine Gebühr gewechselt werden. Natürlich besaß der Besitzer des Oldtimers eine Sonderzulassung. „Tomas, hör mal auf damit!“, schrie ein weiterer Arbeiter seinen Kollegen hinter dem Steuer zu, der genüsslich im Leerlauf immer wieder aufs Gaspedal drückte. „Du weißt gar nicht, wieviel Spaß das macht“, erwiderte der Angesprochene, stellte aber schließlich den Motor aus. „Kann ich mir schon denken. Aber man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Außerdem wird die Luft hier immer dicker.“ „Und wir müssen den Sprit bezahlen wenn wir den Tank leerfahren!“, mischte sich ein dritter Mechaniker ein. „Ihr wisst ja wie teuer der heutzutage ist.“ „Müssen wir am Motor auch was verändern?“, wollte der Mann hinter dem Steuer wissen. „Nein, wenn wir fertig sind wird das Auto zwar über 2 Tonnen wiegen, aber der Besitzer ist ein älterer Herr den Geschwindigkeit nicht sonderlich interessiert. Er fährt ihn nur als Prestigeobjekt. Zudem macht das zusätzliche Gewicht den 560 PS und den zwei Turboladern nicht wirklich besonders viel aus!“ „Na, dann frisch ans Werk“, entgegnete der Fragesteller und schwang sich aus dem Fahrersitz. Es kam viel Arbeit auf die Männer zu. Die Werkstatt, die auch für das Königshaus arbeitete, war darauf spezialisiert Fahrzeuge sicherer zu machen. Aus normalen Straßenfahrzeugen wurden durch einen kompletten Umbau gepanzerte Kraftwagen. Sämtliche Blechteile wie Türen, Koffer- und Motorhaube, Heck- und Frontschürze, sowie das Dach wurden mit Stahlplatten verstärkt. Die Reifen wurden durch Spezialräder mit Innenrollkörpern ausgetauscht, die selbst bei einem „Platten“, problemlos weiter fahren konnten. Die Scheiben wurden durch 2 mm starkes Panzerglas ersetzt. Die Kunst an der Veränderung war, dass die Fahrzeuge nach der Adaptierung noch genauso aussahen wie zuvor. Doch dann geschah ein Missgeschick welches für das Fahrzeug und seinen Fahrer später weitreichende Bedeutung haben sollte. Während an einer Kette hängend ein komplett verstärktes Frontteil zum Anmontieren herabgelassen wurde, verschätzte ein Arbeiter dessen Gewicht und nahm zu viel Schwung. Eine Kante des Bauteils knallte gegen den freiliegenden Motorblock. Sofort hasteten zwei Kollegen zu Hilfe und richteten die Schürze aus. Der herbeigeeilte Vorarbeiter untersuchte mit einer Taschenlampe den Motor und das Bauelement nach etwaigen Schäden. Er befühlte das Triebwerk auf festen Sitz und achtete auf austretende Flüssigkeit. „Noch mal gut gegangen“, sagte er schließlich, „diese Motoren sind robuster als man denkt.“ Nach diesem Schrecken ging die Arbeit weiter. Zuletzt wurden die Federbeine und Stoßdämpfer verstärkt, danach konnte der Wagen hinausgefahren werden. Dass nun bei laufendem Motor sehr wohl Flüssigkeit aus einem Haarriss des Kühlers austrat bemerkte nun keiner mehr.
Nur wenige Kilometer entfernt, in einer angemieteten Garage, wurde ebenfalls an einem Gefährt gearbeitet. Ein junger Mann verstärkte aber nicht die Bleche, sondern baute lediglich einen stärkeren Motor ein und montierte breitere Räder auf. In wenigen Tagen sollten diese Fahrzeuge zu einem schicksalhaften Zusammenkommen aufeinandertreffen.
Das blaue E–Car parkte in der Eckersbers gate im Zentrum Oslos. Am Steuer saß der junge Mann von der Garage. Er trug eine Sonnenbrille, hatte dunkle Haare und einen gepflegten Dreitagebart. Er trug, für diese Jahreszeit im Sommer nicht außergewöhnlich, einen legeren hellen Anzug. Anfangs fiel der Wagen den Anwohnern noch auf doch mittlerweile, nach mehreren Wochen, hatte man sich an Ihn gewöhnt. Der junge Mann ging wie immer zum Bäcker, kaufte sich ein paar Brötchen mit einem Becher Kaffee und eine Tageszeitung. Dann setzte er sich hinter das Steuer und verrichtete seine Pause. In der Nachbarschaft hielten die Leute ihn für einen Geschäftsmann, oder einen Studenten, der hier in seinem Auto ein ruhiges Plätzchen für sein Frühstück nutzte. Dass sein Anliegen ein ganz anderes war konnten sie nicht wissen. Er hatte sich den Vormittagsverlauf des Bewohners, der schräg im Hause gegenüber wohnte, genau einstudiert. Heute wollte er das Attentat auf Professor Mats Berdal verüben. In der letzten Nacht hatte er bereits Vorbereitungen getroffen. Eine Stunde nachdem das Licht im Schlafzimmer des Professors erloschen war und seine Haushälterin das Haus verlassen hatte, war er in die Tiefgarage eingedrungen. Hier hatte er sich an den Oldtimer, den BMW M5, Baujahr 2011, den sich der Professor leistete, zu schaffen gemacht. Erst vor kurzem wurde der Wagen von einem Mechaniker nach einem längeren Werkstattaufenthalt zurückgebrachte. Er vermutete eine Routineinspektion.
Im diffusen Licht seiner Stirnlampe hatte er nicht den Umbau an dem Auto bemerkt. Er nahm ein Päckchen aus seinem Rucksack und glitt damit unter den Wagen. Geschickt befestigte er die Magnesiumbombe in der Nähe des Tanks. Kurz darauf war er auch schon wieder verschwunden.
Und heute hatte sein Warten endlich ein Ende. Er blickte kurz auf seine Armbanduhr. Der Professor war pünktlich. Das Automatiktor hatte sich geöffnet und der BMW fuhr auf die Straße. Wie immer führte sein Weg Richtung Universitätsbibliothek. Das Labor des Professors lag ganz in der Nähe des Observatoriums. Der junge Mann startete seinen Wagen und folgte den BMW. Vorsichtig nahm er die kleine elektronische Schachtel, den Fernzünder vom Beifahrersitz. Er war der festen Überzeugung dass diese Tat ein notwendiges Übel war, um schlimmeres zu vermeiden. Daher zeigte er keinerlei Regung als er seinen Daumen auf den Auslöser legte. Sie hatten nun die Höhe der Uranienbergkirche erreicht. Hier war der Straßenverkehr nicht ganz so dicht und er drückte auf den Knopf.
Doch nichts passierte. Irritiert schaute er den Kasten an und versuchte es erneut. Wieder tat sich nichts. Strom war vorhanden, dass konnte er am roten Leuchtmelder erkennen. Auch der Empfänger am Zündkasten der Bombe war eingeschaltet; dass hatte er kurz an der Lichtdiode des Sprengsatzes beim Hinausfahren des BMW´s aus der Tiefgarage erkennen können. Im Gedanken spielte er die Möglichkeiten des Versagens durch. Er hatte alle Komponenten der Bombe selbst zusammengebaut. Es blieben nicht viele Ursachen übrig. Irgendetwas musste den Zündfunken der Sprengkapsel verhindern. Und damit lag er genau richtig: Durch den feinen Haarriss am Kühler entstand ein dünner Wasserfilm. Kleine Wassertropfen glitten nach unten, genau zu der Stelle, wo sich die Zündkapsel befand. Durch die Feuchtigkeit konnte kein Funke entstehen und die Bombe versagte.
