Meta - Anneliese Blum - E-Book

Meta E-Book

Anneliese Blum

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Beschreibung

Nach einer schicksalshaften Begegnung mit dem König von Camroth, der einer Intrige zum Opfer fallen soll, macht sich Meta, Pferdefrau aus Hochland, im Gefolge des Königs auf den gefährlichen Weg über das Gebirge ins Südliche Land. Als Beregir, Metas Ehemann, aus der Sklaverei bei den Ostländern nach Hochland zurückkehrt, kommt er nur schwer wieder in der Gemeinschaft zurecht, während Raa, Metas Tochter, ihre große Liebe findet. Wird Raa mit Metas Hilfe Königin des Südlichen Landes werden, und wird es ihr gelingen, die acht Stämme zu einen?

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Seitenzahl: 379

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Mit den Lebenszeiten ist es

wie mit den Tagen.

Keiner ist ganz schön

und jeder hat

wo nicht seine Plage,

doch seine Unvollkommenheit.

Aber rechne sie zusammen

so kommt eine Summe Freude und Leben heraus.

F. Hölderlin

Inhaltsverzeichnis

Erster Teil

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Zweiter Teil

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Dritter Teil

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Epilog

ERSTER TEIL

In der Zeit vor der Zeit vor der großen schwarzen Leere hatten in einem anderen Land Menschen gelebt. Sie hatten sich über die Schöpfung erhoben und alle Tiere und Pflanzen sich unterworfen. Die Menschen in der Zeit vor der Zeit vor der großen schwarzen Leere erfanden sogar neue Pflanzen und Tiere, weil sie in ihrer Unbescheidenheit vergessen hatten, dass nur das große Eine der Schöpfer ist. Von allem konnten sie nicht genug bekommen, und über allem hatte für sie ihre Bequemlichkeit gestanden und kurzweilige Vergnügungen. Sie hatten kein Erbarmen gekannt mit ihrem Nächsten und mit ihren Mitgeschöpfen. Als sie sich aber mit ihrer Medizin über den Tod hatten erheben wollen, war von Neuem der Hass in ihren Herzen erwacht und sie hatten sich gegenseitig getötet und manche sogar in Seinem Namen. Die anderen verhungerten, weil sie in ihrer Dummheit ihr eigenes Essen vergiftet hatten. Nachdem sie alle verhungert oder erschlagen waren, wurde es dunkel und leer und still in der Welt und der Himmel fiel ab von der Erde, denn es sind die Menschen, die mit ihren Füßen auf der Erde stehen und den Himmel mit ihrem Geist an der Erde halten. Und so war nichts mehr.

Kapitel 1

Am Fuße eines nach Süden ausgerichteten Steilhangs, zwischen Abhang und Fluss, liegt ein kleines Gehöft, wie man es oft in Hochland findet.

Wohnhaus, Stall und Tenne sind in einem Gebäude untergebracht. Daneben gibt es einen Schuppen, ein Hühnerhaus, ein Waschhaus und einen Vorratsspeicher. Vor dem Wohnhaus liegt ein großer Gemüsegarten. Um die Bienenstöcke, die an der Südseite des Schuppens aufgereiht sind, herrscht emsiges Summen. Die Witterung ist rau in Hochland. Doch aufgrund der geschützten Lage des Hofes baut man hier Obst und Gemüse an, welches man sonst nur in südlicheren Gegenden findet. Lavendel wächst am Hang und Kirschbäume gedeihen im Garten.

Jenseits des langen wilden Flusses, der vom Gebirge her kommend ganz Hochland bis zum Meer durchfließt, dehnt sich die Ebene, auf der sich kleine Wäldchen und Strauchgruppen finden, bis zum Horizont. Im Frühjahr verwandelt sich das nun träge dahinfließende Gewässer in einen reißenden Strom, tritt über seine Ufer und sammelt sein Wasser in den Senken. Doch der Hof liegt, vom Hochwasser unberührt, erhöht am Fuße des Steilhangs auf einem zum Fluss sanft abfallenden Hang, der jedoch zum Wasser hin einige Meter jäh abbricht und gegen die Fluten von großen Felsbrocken gesichert wird. Auf dem weiten Grasland weiden Tiere, die die Kinder abends zu Pferd zurück in den Stall treiben. Hier liegen die Felder des Lavendelhofs. Über den Fluss führt eine Zugbrücke, die bei Gefahr hochgezogen werden kann. Freitags wird im Waschhaus eingeheizt, und die Frauen waschen die Wäsche. Anschließend nehmen erst die Frauen und danach die Männer ein Schwitzbad. Man kühlt sich ab und reinigt sich, indem man nach dem Schwitzen in eine Gumpe springt, die vom eiskalten Wasser eines Baches gespeist wird, dessen Quelle oberhalb des Steilhangs liegt. Wegen dieser Sitte bauen die Menschen in Hochland ihre Siedlungen gerne an Flüssen oder Seen. Die Menschen des Hochlandes sind hochgewachsen, kräftig und vital. Viele von ihnen sind kriegerische Leute.

Seit ihrer Geburt vor sechsunddreißig Jahren lebt auf dem Lavendelhof eine Frau namens Meta. Sie ist Mutter von vier Kindern und arbeitet als Heilerin und Hebamme. Häufig suchen Kranke sie auf, um nach Heilung oder Linderung ihrer Beschwerden zu suchen. Manchmal sieht man einen werdenden Vater oder Bruder im Galopp zum Hof reiten und kurz darauf Meta mit demjenigen, der um Beistand für Frau oder Schwester bittet, davongaloppieren.

Nun endet der letzte Erntemond und sie haben noch genug zu tun auf dem Lavendelhof, bevor die Herbststürme über die Ebene fegen werden, um die letzten Blätter von den Zweigen zu rütteln.

Metas älteste Tochter, Raa die Schöne, der bei der Geburt Schönheit und Kinderreichtum geweissagt wurden, hat vor einem Jahr das Schwert ihrer Großmutter erhalten. Erst vor einer Woche ist sie von ihrer Wanderschaft zurückgekehrt. Raa ist für ein Jahr im Hospital in Inroth gewesen, um zu lernen. Von klein auf haben ihr ihre Mutter und Großmutter vieles beigebracht und Raa fühlte sich schon früh zur Heilerei hingezogen. Auf dem langen Weg des Erlernens der Heilkunst befindet sie sich erst am Anfang. Meta hat neben Raa noch drei Söhne. Der jüngste Sohn, Jos der Helle, wird ab dem Herbst in Inroth, der Hauptstadt von Hochland, zur Schule gehen.

Hana, der Zwischengeborene mit dem roten Haar, will in die Fußstapfen seines Onkels Gohor treten und Schwertschmied werden.

Metas ältester Sohn, Begard, ist hochgewachsen und von schöner Gestalt. Mit dem schulterlangen hellbraunen Zopf und den strahlend blauen Augen sieht er ganz seinem Vater gleich. Als Vierzehnjähriger steht er auf der Schwelle vom Jungen zum jungen Mann. Erst im vergangenen Frühjahr hat er die Grundschule abgeschlossen und wird nach seiner Schwertleite auf Wanderschaft gehen. Im darauffolgenden Herbst will er eine Laufbahn bei der Armee einschlagen. Begard ist ein guter Kämpfer, den der Großvater vieles lehrte. Seine Mutter spürt manchmal ein leichtes Ziehen in ihrer Brust, wenn sie ihn betrachtet. Vor sechs Wintern ist Beregir, ihr Ehemann und Vater ihrer Kinder, zu den Waffen gerufen worden. Er ist aus der Schlacht am grauen Berg, in der neben vielen anderen auch der König fiel, nicht zurückgekehrt. Doch Hochland und seine Verbündeten waren siegreich. Die Ostländer zogen sich zurück in ihre kargen Gebiete, als die Schlacht schlecht für sie stand. Meist ist der Alltag zu ausgefüllt mit Arbeit, als dass sie allzu viel Zeit hätte, ihren verschollenen Mann zu vermissen. Nur manchmal, zu den großen Festen, wenn sie bestimmte Lieder hört oder eben ihren ältesten Sohn anschaut, spürt Meta, wie sehr Beregir ihr fehlt. Ihre Ehe ist glücklich gewesen.

Bisher hatten sie Glück bei der Ernte und der Regen macht ihnen keinen Strich durch die Rechnung. Gestern haben sie den Hafer eingebracht, der Hanf ist gebrochen und auch die weiblichen Hanfstängel liegen in der Ebene, um zu rösten. Alle haben mitgeholfen und die Arbeit ist ihnen gut von der Hand gegangen. Im kurzen Sommer müssen genug Vorräte für den Winter angelegt werden. Beeren, Hülsenfrüchte, Pilze und Kräuter sind getrocknet und in Säcken verpackt im Vorratsspeicher eingelagert, neben dem Knaster, den schönsten Blättern vom Hanf zum Rauchen.

Nur die Hanfsamen werden noch in der Sonne gedörrt. Im Rauchfang hängen Forellen und Speck. Meta wird zur Jagd gehen, um Fleisch und Felle für den Winter zu bekommen.

Zum Herbstmarkt muss sie noch ihre beiden jüngeren Söhne nach Inroth, Hauptstadt und Königssitz von Hochland, zum Haus der Bücher bringen und Wolle, Honig, Lavendelseife, Gerste, Käse und ihre Kräutermischungen auf dem Markt und an die Krämer verkaufen. Die Pferde, die vor vier Sommern geboren worden sind, sind in diesem Jahr angeritten worden und werden nun in Inroth feilgeboten.

Auf dem Lavendelhof wird oft gestritten, doch meist verträgt man sich hinterher wieder recht schnell. Ihre Mutter ist manchmal rechthaberisch, trotzdem versteht sich Meta gut mit ihr. Metas Vater ist ein besonnener Mann, der lange Zeit als Kämpfer in der königlichen Leibgarde diente. Ungeachtet seines hohen Alters und eines arbeitsreichen Lebens ist er ein lebensfroher und gesunder Mann. Seine beiden Töchter, die Söhne und auch seine Enkel hat er zu kämpfen gelehrt. Metas ältere Schwester hat in Freistatt, der Heimat der Großmutter, einen Kaufmann geheiratet. Bei der Geburt ihres ersten Kindes ist sie verstorben und auch der Säugling hat nicht überlebt. Ein Bruder ist im Kampf gegen die Ostländer gefallen, der andere lebt als Schmied mit seiner Frau und seiner Tochter im Handwerkerviertel von Inroth.

In diesem Jahr fällt die Ernte gut aus. Gemeinsam mit den Erntehelfern feiern sie das Erntedankfest. Nachdem die Tiere versorgt sind, senkt sich die Dämmerung über das Land und alle versammeln sich um den großen Tisch in der Wohnstube. Meta entzündet die Talglampen. Die Großmutter hat Lammfleisch, Rübenmus und Klöße gekocht, einen wahren Festschmaus. Dazu gibt es frischen Apfelsaft, der noch nicht gegoren hat. Großmutter lädt die Speisen in die Schüsseln und der Großvater erhebt sich. „Wir danken unserer guten Mutter Erde für unsere reiche Ernte“, beginnt er, während Hana unter dem Tisch nach seinem jüngeren Bruder tritt, der den Zeigefinger in sein Rübenmus getaucht hat, um ihn danach abzulecken. Raa hingegen bedenkt beide Jungen mit einem strafenden Blick und Meta tut so, als hätte sie nichts bemerkt. „In diesem Winter werden wir wieder genug zu essen haben und es sieht so aus, als müsste in Hochland dieses Jahr keiner hungern.“ Begard grinst und starrt angestrengt in seine Schüssel. Der Großvater setzt sich und die Großmutter steht von ihrem Sitz auf. „Wir gedenken der Toten, die in der Anderswelt sind.“ Sie hält kurz inne. „Wir erinnern uns in Dankbarkeit an unsere verstorbenen Eltern und mit Schmerz und Zärtlichkeit an unsere verstorbenen Kinder und Geschwister. Unsere guten Wünsche begleiten sie in der Anderswelt.“ Die alte Frau setzt sich und alle schweigen, auch die Jungen, und jeder hängt für einen Augenblick seinen Gedanken nach, bis Meta ihren Löffel in ihr Rübenmus taucht und somit das Mahl eröffnet.

„Morgen früh werde ich noch vor Sonnenaufgang zur Jagd aufbrechen. Wenn du möchtest, kannst du mich begleiten, Begard“, sagt Meta, während die Großmutter erneut Speisen in die Schüsseln der Jungen schöpft. Selbstverständlich will Begard mit seiner Mutter durch die Wälder streifen. „Ich will auf jeden Fall auch mitkommen“, wirft Hana mit vollem Mund ein. Meta zögert, es wäre schön, mit ihren beiden älteren Söhnen zu jagen, doch der Großvater hat einen Einwand. „Hana, bitte bleib bei uns auf dem Hof. Seit die Menschen aus dem Osten besiegt sind, zieht niemand mehr mordend und plündernd durch das Land. Um den Lavendelhof jedoch gegen wilde Tiere, Trolle oder Werwölfe zu verteidigen, braucht es mindestens vier waffenfähige Leute. Wir können kaum auf deinen Bogen verzichten“, bittet ihn der Großvater. So schüttelt Meta den Kopf. „Wir werden wenigstens zwei Tage fort sein, Begard und ich. Um in den Wäldern zu jagen, brauche ich einen Begleiter, nicht mehr. Zu viele Menschen verscheuchen das Wild. Jemand muss Hilfe holen, wenn mir etwas zustößt. Begard wird die Pferde bewachen, während ich jage. Im nächsten Jahr, Hana, wirst du mit mir gehen, doch diesmal kann Großvater nicht auf deinen Bogen verzichten. Ich möchte, dass Begard mit mir kommt“, versucht Meta, ihn und sich selbst zu überzeugen. Doch Hana ist verärgert. Er sattelt nach dem Essen zusammen mit Jos seinen Hengst und die ältere Stute, die seine Mutter früher geritten hat, für Jos. An diesem Abend treibt er die Tiere etwas strenger als nötig zurück von den Weiden über die Brücke zurück in den Stall. Der Großvater zieht die Zugbrücke zum Schutz vor den gemeinen Kreaturen der Nacht hoch. Meta und Begard packen Ausrüstung und Waffen in die Satteltaschen, während Großmutter ihnen ein großes Bündel Wegzehrung zusammenschnürt.

Meta und Begard gehen früh zu Bett.

Am darauffolgenden Morgen weckt die Mutter ihren Sohn in der Dunkelheit. Nach einem kleinen Frühstück satteln sie die Pferde und verabschieden sich von den Großeltern, die schon vor Tagesanbruch aufgestanden sind, um Tochter und Enkel auf Wiedersehen zu sagen. „Seid vorsichtig, passt auf euch auf und viel Glück auf der Jagd!“, rufen sie Meta und Begard hinterher. Im verlöschenden Sternenlicht steigen Mutter und Sohn auf und reiten mit einem zusätzlichen Packpferd über die heruntergelassene Zugbrücke. Die beiden Jäger traben über die Ebene, bis sie am späten Vormittag den Waldrand erreichen. Im Wald folgen sie stromaufwärts einem über flache Kiesel leise dahinplätschernden Bach in seinem Bett, um keine Spuren zu hinterlassen. Zudem wächst hier das Unterholz so dicht, dass zu Pferd kein Fortkommen möglich wäre. Man sagt, die Waldelfen hätten das Dickicht undurchdringlich gemacht, damit niemand sie störe. Am späten Nachmittag erreichen Mutter und Sohn endlich einen Teich, in den sich der Bach über einen Überhang schäumend hineinstürzt. Meta und Begard reiten durch das knietiefe Gewässer, sich links haltend direkt auf den Wasserfall zu. Hier gibt dieser, einem Vorhang gleich, einen kleinen Durchgang frei, welcher zum Eingang einer Höhle führt. Man muss sich der Öffnung im Felsen vom Wasser aus nähern, um den schmalen Durchlass erkennen zu können. Vom Ufer aus ist von einem Unterschlupf nichts zu sehen. Meta springt vom Pferd in das spritzende Nass und zückt ihr Schwert. „Ich will erst nachsehen, ob ein Bär oder ein Troll sich in der Höhle seine Wohnstatt eingerichtet hat, bevor ich dich hereinrufe.“ Jedes Mal, wenn Meta den Unterschlupf betritt, fühlt sie sich in ihre Kindheit zurückversetzt. Das Versteck bietet genug Platz für einige Menschen und ihre Pferde. Der Großvater stieß in seiner Jugend zufällig auf die Höhle und zeigte sie seinen Kindern. Sooft es die Arbeit auf dem Hof erlaubte, streifte er in Metas Kindheit mit Meta und ihren Geschwistern durch die Wälder. Zum Wasserfall hin ist der Boden der Höhle leicht abschüssig. Der sandige Untergrund ist erstaunlich trocken. Nicht größer, als dass ein Eichhörnchen hätte hindurchschlüpfen können, aber groß genug, um als Rauchabzug für ein Feuer zu dienen, befindet sich im hinteren Teil des Verstecks eine Öffnung im Höhlendach. Die Höhle ist leer. Meta steckt ihr Schwert in die Scheide, geht hinaus und nimmt die Zügel ihrer Stute. „Du kannst herein kommen, kein anderes Wesen bewohnt unseren Unterschlupf.“ Erleichtert folgt ihr Begard mit seiner Stute und dem Packpferd. Nachdem sie die Pferde versorgt haben, bereiten sie sich ihr Lager für die Nacht. Unterhalb der Öffnung in der Decke befestigen sie eine Stange, an die sie das Wild hängen können. Die erlegten Tiere werden sie aufbrechen, innen salzen und in den Rauch hängen, damit das Fleisch nicht verdirbt. Begard macht Feuer. Mit Appetit essen sie von Brot, Speck und Käse, die ihnen die Großmutter eingepackt hat. Selbst Äpfel und Honigkuchen finden sich in ihrer Provianttasche. Inzwischen ist es dunkel geworden und sie erzählen einander beim Schein des Feuers Geschichten über den Anfang der Welt, über den Untergang des Geschlechtes der Riesen, über den Zwergenkönig Asnakir, der wegen seiner Gier die Riesen ins Verderben schickte.

Der Ritt ist lang gewesen. Meta badet unter dem eiskalten Wasserfall, kämmt ihr Haar aus, reinigt die Zähne mit einem Weidenzweig, legt sich auf ihre Fellmatte und deckt sich mit ihrer warmen Wolldecke zu. Begard tut es ihr gleich. Er genießt es, seine Mutter für sich zu haben. Bald wird er sein Elternhaus verlassen und in die Welt hinausziehen. Meta lächelt Begard an. „Im Winter wirst du deine Schwertleite haben. Wohin wirst du auf deiner Wanderschaft ziehen?“, fragt sie.

„Ich denke, ich werde mit Hana auf Wanderschaft gehen, wenn er die Schule abgeschlossen hat, und noch für ein weiteres Jahr auf dem Lavendelhof bleiben. Meine Hände könnt ihr gut gebrauchen und ich habe keine Lust, alleine zu reisen. Hana hat angedeutet, er hätte Lust, Freistatt zu sehen“, erzählt Begard, während er einen Holzscheit ins Feuer legt. „Wie findest du das? Ich weiß, ich bin nicht so wagemutig wie andere, die sich alleine aufmachen, aber mir ist es lieber so.“

„Nun ja, ich kenne kaum jemanden, der sich alleine auf den Weg gemacht hat, und ich bin natürlich froh, dass ihr beide, Hana und du, gemeinsam reist, denn es ist viel sicherer. Zudem sind wir auf dem Hof dankbar für jede Hand, die mithilft.“ Meta starrt eine Weile ins Feuer. „Du bist erwachsen geworden, mein lieber Sohn, deine Entscheidung klingt in meinen Ohren weise“, fügt sie noch hinzu.

Binnen kurzer Zeit schlafen sie ein, den Dolch in der Hand haltend, der Bogen liegt gespannt neben der Schlafstatt. In der Wildnis ist der Schlaf leicht. Man schreckt auf wegen einer kleinen Bewegung, wegen des leisen Geräuschs von behutsam aufgesetzten Pfoten einer sich anpirschenden Bedrohung. Instinktiv erwacht der Körper des Menschen bei Gefahr. Auch wenn das Tagesbewusstsein dem Traum Platz macht, besitzt der Mensch Wahrnehmung, eine Art Vorbewusstsein, das im Bauch seinen Sitz hat und ihn, wenn nötig, warnt. Das Himmelszelt spannt sich über die Welt und alle ihre Bewohner. Nicht weit entfernt, am Ufer eines klaren Sees, lagert ein Trupp Soldaten, die ihren Anführer an den Hof von Inroth begleiten. Ulf, Nachkomme von Lug und Beredon, König vom heiligen Berg Camroth, Herr über Steinstadt und das Südliche Land, will das Bündnis mit Hochland erneuern. Ulf beabsichtigt, vor dem Wintereinbruch zurück an seinem Hof zu sein. Er betrachtet den Sternenhimmel und fühlt seine Seele sich weiten im Angesicht der Erhabenheit der Gestirne. Frei und glücklich gibt er sich seinen Träumen hin.

Am Anfang war nichts. So blieb es lange Zeit. Dann entstand das Licht. Nach dem Licht entstand das Wasser und nach einer ungeheuer langen Zeit entstand im Wasser ein Fisch. Der Fisch hieß Ata und fraß Wasser und wurde größer und größer und größer, bis er platzte.

Kapitel 2

Glitzernd perlen Wassertropfen seinen Rücken hinab. Die Morgensonne scheint seitlich auf sein schwarzes Haar und sie erahnt das Spiel seiner Arm- und Rückenmuskulatur, während er sich über den Bach beugt, um sich zu waschen. Sie kauert schräg in seinem Rücken, etwa vier Pferdelängen von ihm entfernt. Beim Licht der ersten Sonnenstrahlen ist Meta aufgebrochen, um zu jagen. Sie kennt die Wildwechsel hier im Wald und sucht nach frischer Losung. Es verspricht ein schöner Tag zu werden, denn die Luft ist frisch und klar. Begard ist im Lager geblieben, um die Tiere und die restliche Ausrüstung zu bewachen. Dem Bachlauf folgend, erreichte sie die Felsen beim See. Als sie ein Kind war, hat sie sich vorgestellt, Riesen hätten die Brocken wie Kieselsteine aus dem Gebirge hierher geworfen, um ihre Kräfte zu messen. Am Ufer des nahen Sees, ein gutes Stück entfernt, brechen einige Soldaten ihr Nachtlager ab. Ihre Waffen glitzern in der Sonne. Meta zählt dreizehn Männer. Das Wams und die Schilde der Krieger hat sie nie gesehen. Ein Eschenzweig ist auf ihre Mäntel gestickt. „Vielleicht Leute aus Steinstadt“, denkt sie. Sie will nicht gesehen werden, da sie nicht weiß, mit welcher Absicht diese Menschen hier in Hochland umherziehen. Sie ist bewaffnet, doch ihr Vater hat ihr eingeschärft, Auseinandersetzungen möglichst zu vermeiden, und ein Kampf gegen viele wäre ohnehin aussichtslos. Der Fremde, der sich am Bach wäscht, scheint zu der Truppe am Seeufer zu gehören. Er richtet sich auf und sieht sich um, lässt den Blick über den See schweifen und wendet sich in ihre Richtung. Ihr Atem stockt. Meta duckt sich noch tiefer hinter einen Ginsterbusch, der seine Wurzeln in die spärliche Erde in den Felsspalten getrieben hat. Anscheinend hat der Mann sie nicht bemerkt, denn er beschließt, nackt ein Bad zu nehmen und entledigt sich seiner Beinkleider. In ihrem Leben hat die Heilerin von Berufs wegen schon oft unbekleidete Menschen gesehen, Männer wie Frauen, nur waren die meistens alt und krank, auf jeden Fall aber krank. Doch dieser Mann strotzt offensichtlich vor Selbstbewusstsein und Gesundheit. Sie errötet, kann ihre Augen aber nicht von ihm abwenden. Nach Art der Südländer trägt er sein Haar kurz. Es ist schwarz, von grauen Strähnen durchzogen und seine Haut ist gebräunt. Metas Sehvermögen ist vor allem in die Ferne eingeschränkt, dennoch zieht eine kaum wahrnehmbare Bewegung am gegenüberliegenden Bachufer ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie sieht den dunklen Umhang eines Jägers zwischen den Zweigen, der sich leise heranpirscht. An ihren sich sträubenden Nackenhaaren und ihren Ohren, die nach hinten gezogen werden, merkt sie, dass etwas nicht stimmt. Ein unbehagliches Gefühl breitet sich in ihr aus. Meta braucht einen Augenblick, um zu begreifen, was hier vor sich geht. Der Jäger scheint es auf den Badenden abgesehen zu haben. Zu weit sind die Gefährten des Mannes entfernt, um ihm zu Hilfe eilen zu können. Sie hätten es vielleicht nicht einmal bemerkt, wenn der Jäger sein Opfer geräuschlos ermordet und ins Unterholz gezogen hätte. Nur zwei Pferdelängen entfernt lauert der dunkel Gekleidete von seiner Beute im Gebüsch, bereit, den wehrlosen Mann zu töten. Warum der eine Mann seinem Menschenbruder das Leben nehmen möchte, versteht Meta nicht. Der Badende stellt doch für den im Gebüsch Lauernden keine Bedrohung dar. Der Soldat wendet ihr sein Gesicht zu. Während der Attentäter in seinem Rücken einen Pfeil auf die Sehne seines Bogens legt, schickt er sich an, aus dem Wasser zu steigen. Mit einem Schrei richtet sich Meta auf und schleudert ihren Speer gegen den Bogenschützen. Die anderen Männer werden auf das Geschehen aufmerksam, greifen nach ihren Waffen und eilen herbei.

Metas Speer ritzt die Haut am Oberarm des nackten Mannes. Erschrocken springt der Krieger zur Seite, im gleichen Augenblick sinkt der Attentäter getroffen zu Boden. Für einen kurzen Augenblick sehen sich der Soldat, der so mit sich selbst und der vermeintlichen Angreiferin beschäftigt ist, dass er den Jäger gar nicht bemerkt hat, und Meta in die Augen. Dann verschwindet Meta hinter den Felsen. Ulf, Nachfahre von Lug und Beredon, König vom Südlichen Land und Herr über Steinstadt greift nach seinen Kleidern. In Windeseile zieht er sich an. Nun spürt er, wie Zorn in ihm aufsteigt. Im Südlichen Land kennt man viele Geschichten von den Frauen in Hochland. Dass sie gleichermaßen bewaffnet sind wie ihre Männer, so wie es einst Ehwaz war. Das macht dieses Land nahezu uneinnehmbar. Selbst wenn man die Armeen Hochlands schlüge, sähe man sich dann einer noch schrecklicheren Macht Aug in Aug gegenüber, nämlich Müttern, die Kinder, Haus und Hof verteidigen. Borg, Ulfs Hauptmann, hat ihn erreicht. Ulf schnaubt: „Dank sei den Göttern, dass dieses wilde Weib sein Ziel verfehlt hat. Sie schleuderte ihren Speer gegen mich, als wollte sie einen Bären töten!“ Borg schüttelt den Kopf und zeigt mit der Hand hinter seinen Freund. Erst jetzt bemerkt der König den Körper des Angreifers. Mit dem Kopf im Wasser liegt der Bewaffnete am anderen Ufer des Bachs, den Bogen noch in der Hand. Meta hat ihn direkt ins Herz getroffen. Olof, einer der Soldaten und Ulfs Neffe, zieht den Speer aus der Brust des Mannes, wiegt ihn in der Rechten und reicht ihn Ulf. „Ein ganz normaler Speer, etwas kleiner und leichter als ein Männerspeer. Ein guter Wurf“, schnalzt er anerkennend mit der Zunge. Borg und Ulf kennen sich seit ihrer Kindheit. Sie haben einander in vielen Gefahren treu zur Seite gestanden. „Sei froh, dass sie dich beim Baden beobachtet hat. Hätte sie dich hässlicher gefunden, wärst du jetzt tot.“ Er geht zu der Leiche, beugt sich über sie und durchsucht sie. Ulfs Zorn ist verflogen. Eine Frau hat ihn gerettet. Nur für einen Augenblick hat er sie gesehen. Ihr Haar ist hell gewesen und hat in der Sonne geleuchtet. Sie hat es zu einem hüftlangen Zopf geflochten und trägt die Tracht ihres Volkes, ein knielanges blaugrünes Kleid mit langen Ärmeln über einer weiten Hose und weiche Lederschuhe. Die Frau ist nicht alt und nicht jung. Er schätzt, sie ist etwa in ihrem fünfunddreißigsten Sommer. „Sucht eine Spur. Findet sie und lasst sie nicht entwischen“, sagt er leise.

Ulf und Borg beginnen, mit drei Männern nach einer Fährte der Frau zu suchen, während vier der Soldaten am anderen Bachufer nach einer Spur des Attentäters fahnden. Die restlichen Leibwachen brechen das Lager ab und satteln die Pferde. Ulf und Borg durchstreifen den Wald bis zu einem Wasserfall, in dessen Nähe sie Rauch zu riechen meinen. Bis zum Nachmittag suchen sie vergeblich, doch sie finden nichts. Es ist, als hätte niemals ein Fuß dieser Frau die Erde berührt. Hätte die Leiche des Meuchelmörders nicht am Ufer des Bachs gelegen, man hätte glauben mögen, Ulf habe die Begebenheit mit der „Speerfrau“ nur geträumt. Als sie den Körper und die Kleidung des Toten untersuchen, finden sie nichts Aufschlussreiches, auch seine Spur verliert sich am Ufer des Sees. Der Mann trägt leichte Jagdkleidung und ein sehr gutes Schwert hochländischer Machart sowie einen Dolch aus dem Südlichen Land. Er hat schwarzes Haar und ist von gedrungener Gestalt, scheint also eher ein Mann aus Steinstadt denn aus Hochland zu sein, doch wer weiß. Auch in Hochland gibt es dunkelhaarige Menschen und in Steinstadt leben blonde Leute. In der Stunde nach Mittag bittet Borg Ulf, aufzubrechen. Wenn sie sich beeilten, könnten sie den undurchdringlichen Wald bis zum Abend umrundet haben. Dann hätten sie binnen drei Tagen Inroth erreicht. Schweren Herzens gibt Ulf Borg recht. Sie lassen die Leiche zurück in einem schnell geschaufelten Grab und legen ihr einen großen Felsbrocken, den drei Männer anheben, auf die Brust, damit der Tote nicht als Geist zur Tag- und Nachtgleiche im Herbst aus seinem Grab steigt und die Lebenden heimsucht. Metas Speer nimmt Ulf mit.

Meta gleitet vom Felsen und schlägt geduckt einen Bogen, darauf achtend, dass sie auf Steinen läuft. Hinter einem Geröllhaufen springt sie in das Bachbett. Sie hört die Männer sprechen. Der Nackte scheint zornig zu sein, doch sein kräftig gebauter Freund widerspricht ihm. Sie muss Begard warnen. So schnell sie kann, hüpft sie gebückt von Stein zu Stein, rennt durch das Wasser. Als sie außer Sichtweite ist, richtet sie sich auf und trabt durch das Bachbett ihrem Versteck zu. Begard erschrickt, als seine durchnässte Mutter in die Höhle hineinstolpert. Mit nassen Schuhen tritt sie das Feuer aus und bedeutet ihm, zu schweigen. Flüsternd erklärt sie ihm, was geschehen ist. „Warum nur hat der Mann dem Soldaten das Leben nehmen wollen?“, fragt Begard leise mehr sich selbst als Meta.

„Ich habe keine Ahnung“, sagt Meta wahrheitsgemäß.

Sie hat ihm das Leben genommen, obwohl sie doch einmal geschworen hat, als Heilerin jedes Menschenleben bewahren zu wollen. Nun hat sie ihren Schwur gebrochen, um ein anderes Leben zu schützen. Sie möchte wissen, warum der Mörder sich so verhalten hat. Den Mann, der das Verhalten des Jägers bedingt hatte, will sie meiden, er hat etwas Schlechtes in dem Jäger und auch in ihr hervorgebracht. Die Männer durchstöbern den Wald. Eine Zeit lang suchen sie um den Wasserfall herum, den Eingang zur Höhle finden sie aber nicht. Meta und Begard bleiben bis zum nächsten Morgen in ihrem Versteck. Sie beschließen, die Jagd abzubrechen und nach Hause zu reiten. Ein wenig Jagdglück haben sie dennoch. Als Begard früh aus der Höhle tritt, trinkt gerade ein Rudel Hirsche am Teich. Er erlegt eine Hirschkuh, die sie aufbrechen. Bevor sie nach Hause reiten, zurren sie ihre Beute auf dem Packpferd fest. Im Bachbett reitend, erreichen sie gegen Mittag den Waldrand. Hier haben heute Nacht mindestens fünfzehn Leute gelagert. Meta kann sich denken, wer das gewesen ist. Die Spuren führen in Richtung des Lavendelhofs. Begard und Meta sehen sich an. Sie galoppieren an und erreichen ihr Zuhause in der Dämmerung.

Das Gehöft ist hell erleuchtet. Jos ist gerade dabei, die Tiere von der Weide in den Stall zu treiben. Er sieht Mutter und Bruder auf sich zu galoppieren. „Wir haben hohen Besuch, Mama. Der König vom Südlichen Land hat um Unterkunft gebeten. Er und seine Männer nehmen gerade ein Schwitzbad.“

„Nackt habe ich ihn ja bereits gesehen“, entfährt es Meta. Ihre Söhne sehen sie fragend an. „Ach, nichts“, sagt sie. „Können wir unbemerkt hineingelangen?“, fragt Meta.

„Sicher“, erwidert Jos. „Die Männer sind gerade sowieso beim Schwitzen und wenn ihr euch unter die Herde mischt, merken die gar nichts.“ Meta schaut ihren Jüngsten zweifelnd an.

„Einen Versuch ist es wert“, meint Jos und zuckt mit den Schultern. Begard gibt den zweiten Viehhirten und Meta legt sich flach auf den Rücken ihrer Stute. Inmitten der Herde galoppieren sie über den Fluss und in den Stall. Eilig satten sie ab und versorgen die Pferde. Jos gibt Großmutter, die zusammen mit Raa für alle kocht, Bescheid, dass ihre Tochter mit dem Enkel und einer erlegten Hirschkuh nach Hause zurückgekehrt ist. Schimpfend kommt sie in den Pferdestall, bringt etwas zu essen und nimmt das Wild in Empfang. Meta schlüpft unbemerkt ins Haus und in ihr Zimmer, das sie mit Raa teilt. Dort wäscht sie sich, kleidet sich frisch ein und geht zu Bett. Raa kommt später als üblich ins Zimmer, seufzt einige Male.

„Was hast du?“, fragt ihre Mutter.

„Ach, nichts.“ Nach einer langen Pause fragt Raa: „Woran hast du eigentlich gemerkt, dass Papa der Richtige für dich war?“

„Nun ja, wir waren verliebt und wollten immer zusammen sein. Deshalb haben wir geheiratet“, antwortet Meta. „Wieso fragst du?“

„Ach, nur so.“

Am nächsten Tag brechen die Männer früh nach Inroth auf, welches zwei Tagesritte entfernt liegt. Meta kommt erst in die Küche, nachdem die Gäste fortgeritten sind. „Raa und Olof, Raa und Olof …“, spottet Jos. Die Großmutter weist ihn zurecht: „Eines Tages wird eine kommen, mein Lieber, die dir alles andere als unwichtig erscheinen lassen wird. Du tust gut daran, deine Zunge zu hüten.“ Raa schluchzt auf und läuft hinaus.

„Habe ich etwas versäumt?“, fragt Meta, nimmt sich einen Apfel und beißt hinein. „Ich glaube, das Kind ist verliebt“, erwidert die Großmutter.

„In einen Soldaten aus dem Ausland? Muss das sein?“ Meta ist entsetzt.

„Jetzt schau nicht so. Er macht übrigens einen sehr netten Eindruck. Sein Hauptmann und sein König auch. Sie haben uns deinen Speer gezeigt. Eine Fremde habe einen Mann getötet und dem König das Leben gerettet“, meint Großmutter. „Wir haben natürlich kein Sterbenswörtchen gesagt. Er hat sehr dankbar gewirkt, der König. Ein stattlicher Mann.“ Meta brummelt etwas Unverständliches und geht ihre Tochter suchen. Sie will sie trösten. Wie so oft, wenn Raa Kummer hat, hat sie sich zum Großvater geflüchtet. Der hackt beim Taubenschlag Holz, während seine Enkelin auf einer angefangenen Holzlege sitzt und Steinchen in Richtung des Misthaufens wirft. Immer wieder sagt er etwas wie: „Soso, hm, ah nein.“ Raa redet, als ihre Mutter um die Ecke biegt.

„Du verstehst mich nicht. Es ist sowieso hoffnungslos. Wir haben uns ja nur ein wenig unterhalten. In Steinstadt gibt es sicher haufenweise schöne Mädchen. Er wird sich kaum für eine Wilde aus dem Norden interessieren. Ich bin so blöde. Sicherlich findet er mich völlig albern.“ Meta und der Großvater sehen sich an. Er schmunzelt. Seine Enkelin glaubt ganz fest, dass so alte Menschen, wie ihre Mutter und ihr Großvater es sind, zu solchen Gefühlen, wie sie sie empfindet, niemals fähig wären. Meta wirft das Kerngehäuse des Apfels den Hühnern hin und nimmt ihre Tochter in ihre Arme.

„Auf der Rückreise wird er sicherlich nochmals vorbeischauen, um dich zu sehen. Dann wirst du sehen, was das mit euch beiden ist“, sagt Meta. „Ich glaube nicht, dass es irgendwo auf der Welt ein Mädchen gibt, das so schön ist wie du, und ich habe viele Mädchen kennengelernt. Auf meinen Reisen, meine ich.“ Der Großvater räuspert sich. Raa ist wirklich geradezu überirdisch schön. Ihre Haut ist wie Milch und ihr lockiges Haar ist wie Honig, der über ihre Hüften fließt. Wie eine Katze bewegt sie sich schlank und geschmeidig. Das Mädchen hat die blauen Augen ihres Vaters geerbt. Raa ist freundlich, hilfsbereit und hat eine schnelle Auffassungsgabe. Was die Geschicklichkeit im Umgang mit den Waffen anbetrifft, steht sie ihren Brüdern in nichts nach. Trotzdem kennt Raa keine Neider, denn ihre liebenswürdige Art nimmt jeden, der ihr begegnet, sogleich für sie ein. Glücklich der Mann, der sie zu seiner Frau machen darf. Raa lädt einen Korb voll Holzscheite und trägt ihn zur Großmutter in die Küche. Meta bespricht noch mit Großvater die Einzelheiten ihres Rittes nach Inroth. Zu jedem ersten Vollmond vor der Tag- und Nachtgleiche im Herbst findet der große Markt in der Hauptstadt statt. Dorthin kommen Leute aus allen Teilen des Landes, um Waren zu verkaufen, Bekannte zu treffen, ihre Steuern zu entrichten, einzukaufen und um die Kinder vor dem Winter zum Haus der Bücher zu bringen. In zwei Tagen muss sie reiten, um rechtzeitig in Inroth zu sein. Bis zum Herbstmarkt haben sie noch viel zu tun. Sie muss die Waren packen. Hanas und Jos’Ausrüstung ist in Ordnung zu bringen vor dem Winter in der Schule.

„Vielleicht wirst du dort nach dem großen Markt jemanden treffen, mit dem du gemeinsam den gefährlichen Ritt über das Gebirge ins Südliche Land unternehmen kannst“, sagt der Großvater. Noch vor dem Wintereinbruch will Meta nach Steinstadt auf den heiligen Berg Camroth reisen, auf dessen Spitze der Weltenbaum gestanden haben soll. Der Legende nach war der neugierige Lug am Baum Yggdrasil, der Esche, die Himmel und Erde verband, von der Welt der Götter hinabgestiegen in die Welt der Menschen.

„Ja, ich bin mir sicher, dass auch noch andere Reiter vor dem Winter ins Südliche Land reisen wollen“, meint Meta zuversichtlich, um ihren Vater zu beruhigen.

Auf einem schnellen Pferd ist es nach Steinstadt ein Ritt von etwa zehn Tagen. In diesem Winter wird dort ein Treffen von Heilkundigen stattfinden. Heiler aus allen Ländern der Welt werden nach Camroth kommen, um sich auszutauschen, und Meta will unbedingt an der Versammlung teilnehmen. Sobald im darauffolgenden Frühjahr der Schnee auf den Pässen geschmolzen sein wird, wird sie zurückreiten. Ihre beiden ältesten Kinder sind alt genug, um sie mit den Großeltern alleine lassen zu können. Sie werden die im Winter anfallende Arbeit gemeinsam mit den beiden auf dem Hof gebliebenen Erntehelfern bewältigen können.

Bei Sonnenaufgang des zweiten Tages setzt sich der lange Zug in Bewegung. Raa, Begard und die beiden jüngeren Brüder begleiten Meta. Jeder von ihnen hat ein junges Pferd als Handpferd dabei, das gleichzeitig als Packpferd dient. Da sie den Weg kennen, kommen sie gut voran.

Die Grasebenen Hochlands liegen ausgebreitet vor ihnen. Die Sonne scheint. Es ist einer der schönen Herbsttage, die Meta so liebt. Tage, an denen die Sonne einen wärmt und an die man sich an langen, dunklen Wintertagen gerne erinnert. Das weite Land ist in goldenes Licht getaucht. Da sie die Packpferde dabeihaben, reiten sie nicht um die Wette. Es wird viel gelacht und gescherzt. Einer nach dem anderen muss für eine lustige Geschichte herhalten. Immer wieder werden auf dem Lavendelhof dieselben Erinnerungen aufgewärmt. Meta empfindet Dankbarkeit und ist stolz auf ihre wohlgeratenen gesunden Kinder. In der Dämmerung richten sie sich ihr Nachtlager unter freiem Himmel ein. Inzwischen sind die Nächte kalt. Abwechselnd halten sie Wache. Am nächsten Tag stoßen sie auf die Straße, die zur Hauptstadt führt. Reger Verkehr herrscht auf ihr. Meta trifft ein paar Bekannte, mit denen sie die Schule besucht hat und deren Ältester mit Raa in eine Klasse gegangen ist. Sie tauschen Neuigkeiten aus und erreichen am Abend Inroth.

Aus Atas Schuppen entstanden die Sterne, aus seinem Leib die Erde. Aus dem Atem des Fischs entstand der Himmel. Die Flossen wurden zu Bergen, sein Blut zu Flüssen. Die Gedärme von Ata wurden zu Pflanzen und aus den Muskeln wuchsen die Tiere. Doch alles war tot.

Kapitel 3

In der Ebene dehnen sich abgeerntete Hanf- und Getreidefelder. Die Hauptstadt ist ein auf einer Anhöhe am Fluss gelegener Marktflecken. Hier thront der Königssitz, ein zweistöckiges großes Gebäude um einen begrünten Innenhof. Alle Dächer sind seit einem Brand, der vor Jahren fast die ganze Stadt vernichtet hat, mit Lehmziegeln gedeckt. Vor der Stadt sind schätzungsweise hundert Zelte aufgebaut, in denen Leute übernachten. Auch ihre Bekannten haben ein Zelt dabei, Meta verabschiedet sich von ihren Freunden, denn am Herbstmarkt braucht sie kein Zelt. Sie besucht ihren Bruder Gohor, der eine Schmiedewerkstatt in Inroth besitzt, und wohnt bei ihm. Gohor ist einer der besten Schwertschmiede, die es zu dieser Zeit gibt. Gohor und seine Frau Irmhild haben nur ein Kind bekommen, eine Tochter, die mit einem Schreiner verlobt ist, weshalb sie eine Lehre als Schreinerin bei ihrem zukünftigen Mann beginnen will.

Durch das südliche Stadttor reiten die Lavendelhofleute in die Stadt. Die Hufe ihrer Tiere klappern auf dem Pflaster. Gohors Haus ist das Elternhaus von Irmhild, Gohors Frau, ein einstöckiger Bau, um einen Innenhof gebaut, in dem ein stattlicher Kirschbaum wächst. Die Schmiedewerkstatt Gohors und Irmhilds ist im hinteren Teil des Gebäudes untergebracht. Kaum klopft Meta mit einem schön geschmiedeten Messingknauf in Form eines Pferdekopfes an Gohors Tür, wird sie auch schon aufgerissen und Gohor hebt sie hoch und wirbelt sie durch die Luft. „Der Friede sei mit dir, Gohor.“

„Und mit dir, Schwesterchen. Schön, dass du endlich da bist“, lacht ihr Bruder mit dröhnender Stimme. Gohor hat Bärenkräfte. Er ist zwei Köpfe größer als seine Schwester und man sieht ihm die schwere körperliche Arbeit an. Sein rotes Haar reicht ihm bis über die Schultern. In Inroth wagt es niemand, sich mit dem riesigen Mann anzulegen. Meta ächzt. „Gohor, du zerquetschst mich. Wie hält deine Frau das nur aus?“ Und nachdem ihr Bruder sie abgesetzt hat, sagt sie: „Ich freue mich auch sehr, dich zu sehen“, ihn in die Wange kneifend. Irmhild biegt um die Ecke. Sie ist sechs Jahre älter als Gohor. Metas Schwägerin hat schwarzes Haar, das graue Strähnen durchziehen. Die feinen Gesichtszüge werden durch die Fältchen um ihre mandelförmigen grünen Augen betont. Irmhild ist eine lebenslustige Person. Die Schmiedewerkstatt hat ihrem Vater gehört.

„Lass sie am Leben, Gohor. Wir brauchen sie noch“, lacht sie und umarmt Meta, Raa und die Jungen. Gohor klopft einem nach dem anderen auf die Schulter und lacht sein dröhnendes Lachen.

„Jos wird Hana immer ähnlicher“, sagt er dann leise. Eine Träne rollt seine Wange hinab. Hana war der Bruder, den sie ebenfalls in der Schlacht am grauen Berg verloren haben. Hana und Gohor waren Zwillinge und ein Herz und eine Seele. Viel zu jung wurden so viele aus ihrer Generation aus dem Leben gerissen. „Verfluchte Ostländer“, presst Gohor zwischen seinen Zähnen hervor.

„Im Osten gibt es gute und schlechte Menschen, genauso wie hierzulande auch. Ich bin mir sicher, dass die einfachen Leute dort auch lieber in Frieden ihre Kinder großziehen wollten, als in den Krieg zu ziehen“, wendet seine Frau ein.

„Ach, davon will ich nichts wissen“, sagt Gohor unwirsch.

„Ja, ich weiß, aber ich weiß auch, dass du deinen Neffen helfen sollst, abzuladen, und dass ihr sicher alle Hunger habt.“ Irmhild scheucht Meta und Raa in die Küche, während die Männer Gepäck und Reittiere versorgen. „Wir Frauen haben zu reden.“ Wenig später erscheint Anhild, Raas Base. Gohors Tochter ist das Ebenbild ihrer Mutter. Kichernd verschwinden die beiden jungen Frauen in Anhilds Zimmer. „Hühner“, meint Meta kopfschüttelnd und die beiden Mütter schauen ihren Töchtern lächelnd hinterher. Anhild zeigt Raa ihre gut bestückte Aussteuerkiste. Im nächsten Frühjahr wird sie heiraten. Mit roten Wangen stecken die beiden jungen Frauen die Köpfe zusammen. Die beiden haben sich immer sehr gut verstanden und mögen einander sehr. Anhild ist nur zwei Jahre älter als Raa und bittet diese, ihre Trauzeugin zu sein. Raa fühlt sich geehrt und nimmt gerne an.

Zum Abendessen sitzen zehn Leute um den Tisch. Die Stimmung ist ausgelassen. Anhilds Verlobter Armin hat einen Freund mitgebracht, der Raa mit roten Backen verstohlene Blicke zuwirft. Meta verteilt die Geschenke. Großmutter hat Gohor warme Unterwäsche gestrickt und Honigkuchen für ihn gebacken, weswegen einige Witze gemacht werden. „Solltest du für deine Unterhosen keine Verwendung haben, kann Tante Irmhild ja daraus für Begard einen Schlafsack nähen. Damit er es bei der Armee warm hat“, wirft Hana ein.

„Oder ein Zelt“, prustet Jos unter dem brüllenden Gelächter der Versammelten. „Wolltest du nicht bei mir eine Lehre beginnen, Hana? Wenn ja, dann solltest du besser aufpassen, was du sagst“, erwidert Gohor mit erhobenem Zeigefinger und lachenden Augen. Großvater hat drei Brieftauben mitgegeben. Irmhild bekommt gesponnene Wolle und Honig. Für Anhilds Aussteuer haben die Frauen vom Lavendelhof gehäkelt, gestrickt, gewebt und genäht. Es wird viel gelacht. Nach dem Mahl helfen alle zusammen, die Küche aufzuräumen. Dann schieben die jungen Leute den Tisch an die Wand. Bis in die Nacht hinein singen, musizieren und tanzen sie, ausgelassen wie es nur junge Leute tun können, denen noch nicht die Verantwortung für jemand anderen ihre Leichtigkeit beschwert. Auch Meta schwingt das Tanzbein und Gohor und Irmhild feiern ebenfalls mit.

Am nächsten Morgen packen Gohor, Meta und Raa ihre Waren auf Gohors Wagen und fahren damit auf die große Festwiese vor den Toren der Stadt.

Hier herrscht ein buntes Treiben. Halb Hochland hat sich eingefunden. Die Bauern aus der Umgebung bieten ihre Erzeugnisse feil. Verschiedene Händler haben ihre Stände aufgebaut, Gaukler zeigen ihre Kunststücke und Musikantinnen spielen auf. Für das leibliche Wohl sorgen die Garküchen, bei denen Köstlichkeiten wie schwarz geräucherter Schafskopf zu bekommen sind. Sogar Zwerge verkaufen an einem Stand fein geschmiedete Silberwaren. Die Kinder kommen mit den Verkaufspferden nach. „Bleibst du nicht?“, fragt Begard Gohor.

„Ich habe einen besonderen Auftrag auszuführen und muss leider zurück in meine Werkstatt“, erwidert der bedauernd.

Borg und Olof schlendern über den Markt. Zwei ihrer Pferde gehen lahm. Die beiden Recken sind beauftragt, mindestens vier Pferde zu kaufen. Hochlandpferde sind die besten Tiere, die man dieser Tage finden kann. Die Hochländer leben verstreut auf ihren einzelnen Gehöften und in ihren kleinen Dörfern. Sie treiben jedoch untereinander regen Handel und treffen sich regelmäßig zum Thing, weshalb sie auf gute Pferde angewiesen sind. Pferdemenschen nennen sich die Leute von Hochland, denn sie stammen von Ehwaz ab. Die Pferde und Menschen von Hochland sind Brüder und Schwestern, so sagt man.

Die Pferde der Hochländer sind mittelgroß, der Rücken eher kurz. Deshalb sind sie in der Lage, schwere Lasten über große Entfernungen zu tragen. Diese Tiere haben ein ausgeglichenes Wesen, sind wendig und ausdauernd, kräftig und zäh. Ein edler Kopf sitzt auf einem kräftigen Hals. Mähne und Schweif sind dicht. Hochlandpferde sind anspruchslos, was Futter und Kälte anbetrifft. Sie sind stolz wie ihre Herren und dennoch menschenbezogen.

Olof sieht Raa, bevor sie ihn bemerkt. Der junge Mann bleibt stehen und beobachtet sie aus einigem Abstand. Nie hat er ein schöneres Mädchen gesehen. Mit einem freundlichen Lächeln reicht Raa einer Mutter, die mit ihrem Säugling auf dem Arm den Markt besucht, ein Lavendelsäckchen und nimmt eine Münze entgegen. Die beiden jungen Frauen unterhalten sich noch eine Weile angeregt, bevor die andere Frau weitergeht. Raa wendet ihren Kopf und sieht geradewegs in Olofs Gesicht. Sie errötet und schlägt die Augen nieder. Borg schaut Ulfs Neffen an und folgt dessen Blick. Anerkennend nickte Borg. Ertappt räuspert sich Olof und zuckt mit den Schultern. „Da sind unsere Gastgeber vom Lavendelhof“, sagt Borg. „Es scheint, als hätten sie Pferde zu verkaufen.“ Borg und Olof steuern auf Meta und Raa zu. Borg traut seinen Augen nicht, als er Meta sieht. War das nicht …? „Ich habe die Speerfrau nicht richtig gesehen, aber ich meine, sie sah genauso aus wie diese Frau“, meint Olof auf Meta deutend. Meta sieht die beiden Männer aus Steinstadt zu spät, als dass sie noch hätte die Flucht ergreifen können. Sie lächelt bemüht. Der eine ist der kräftige Freund des nackten Königs, der andere ist, Raas Gesichtsfarbe nach zu urteilen, Raas Auserwählter. Meta und Borg stellen sich vor. „Wir haben Euch nicht angetroffen, als wir auf dem Lavendelhof übernachteten“, meint Borg.

„Ja, also, ich war krank. Ich … ich lag im Fieber auf meiner Bettstatt“, lügt Meta, die sich unbehaglich fühlt in Gegenwart der fremdländischen Soldaten. Sie lügt sehr schlecht. „Dann ist es doch umso erfreulicher, dass Ihr Euch so schnell erholt habt“, sagt Ulfs Hauptmann mit ernster Miene.

„Ja, nicht wahr. Was führt Euch hierher auf den Markt?“, fragt Meta schnell.

„Wir sind hierhergekommen, um Pferde zu kaufen“, erwidert Borg. „Vier Stuten und einen jungen Hengst hätte ich Euch anzubieten. Unsere Pferde sind gesund, korrekt gebaut, vom Wesen her unerschrocken, menschenbezogen. Sie sind alle angeritten. Besonders von dem Hengst trennen wir uns nur ungern. Er wird ein guter Vererber. Er ist sehr gelassen, wunderbar zu sitzen. Würde mein Mann …“ Meta verstummt. Wäre Beregir noch auf dem Lavendelhof, der Hengst wäre sicher sein Pferd geworden. Sie hat noch zwei dreijährige Hengste zu Hause stehen von ebensolcher Qualität. Den einen davon beginnt gerade Begard für sich zuzureiten. Es ist ein beeindruckendes Tier. Vorübergehende bleiben stehen, um das edle Pferd zu bewundern.

„Er fiel mir schon auf dem Lavendelhof auf“, sagt Borg. „Das Pferd meines Herrn geht lahm. Er braucht einen Ersatz. Olof, wo ist Olof?“ Besagter Olof lehnt am Wagen, ins Gespräch mit Raa vertieft. Erst als sein Hauptmann ihn zum dritten Mal ruft, merkt er auf.