Methusalem's Garden - Sacha Costarovic - E-Book

Methusalem's Garden E-Book

Sacha Costarovic

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Beschreibung

Ein Unfall auf der Milchstraße im Jahr 1920, zwei Brüder in San Francisco, ein eingeschneites Altenheim in den Cascade Mountains bei Seattle und ein Mädchen aus der Puszta – wie Mr. Jackson eher beiläufig von der tatsächlichen Existenz des Weihnachtsmannes erfuhr.

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Seitenzahl: 25

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Sacha Costarovic

Methusalem's Garden

Eine Weihnachtsgeschichte

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Der Unfall auf der Milchstraße

Östlich von Seattle

Der Hof in der Puszta

Jackson und Louisa

Flucht in Wien

Jackson und Mr. Ferguson

Impressum neobooks

Der Unfall auf der Milchstraße

Die Milchstraße lag klar vor ihm. Tiefste Schwärze zu allen Seiten, im Innersten schier berstend ob des planetaren Funkelns, wie ein Flöz aus der Genesis, reiner Kohlenstoff durchzogen von Myriaden von Diamanten. Die knirschenden Kufen seines Schlittens rieben sich an den verlorenen Atomen des leeren Raums und hinterließen gleißende Spuren. Die 160 Rentiere, 80 auf jeder Seite, liefen leicht und elegant den Himmel hinauf. Sie spürten, dass es jetzt nach Hause ging, und die Tiere beschleunigten ihren Galopp. Der Mann auf dem Kutschbock sang dazu Space Oddity von David Bowie. Er bildete sich einiges auf seine Stimme ein, wenngleich Knecht Ruprecht ihn deswegen oft hänselte und behauptete, er habe schon asthmatische Seehunde besser singen hören. Der Weihnachtsmann runzelte die Stirn. Ausgerechnet Knecht Ruprecht. Wenn jemand überhaupt nicht singen konnte, dann war es Knecht Ruprecht. Wann immer sich sein Gehilfe in der Geschenkewerkstatt ungehört wähnte, knödelte er mit einem hemmungslosen Bariton derart, dass in der Küche nebenan die Suppe umkippte. Der Weihnachtsmann warf einen Blick auf die Rückbank des Schlittens, auf der Knecht Ruprecht friedlich unter seiner Decke schnarchte. Die Decke war verrutscht und der Weihnachtsmann streckte sich nach hinten, um sie seinem Angestellten fürsorglich über die Schultern zu legen. Nicht, dass sich Knecht Ruprecht verkühlte und ausfiele. Gutes Personal ist ja so schwer zu finden.

Sie hatten gute Arbeit geleistet und für Millionen weltweit zu verteilender Geschenke knapp elf Stunden gebraucht, wie im Flug den Zeitzonen der Erde folgend. Kamine im Akkord, all die Jahre wieder, das würde einen ordentlichen Muskelkater geben. Der Weihnachtsmann rieb sich die schmerzenden Beine. Zeit für ein halbes Pfund Venensalbe. Er war nicht mehr der Jüngste. Doch die Arbeit war geschafft. Er hatte geliefert, mal wieder. Nun konnte sein Urlaub kommen, den er gemeinsam mit dem drallen rothaarigen Engel verbringen wollte, der seit einem Monat bei ihm im Lager arbeitete. Drei Wochen inkognito auf St. Barth. Das wird meine ganz persönliche Bescherung. Er dachte an den Engel und freute sich aufs Auspacken.

Der Schlitten näherte sich einer unübersichtlichen Kurve und der Weihnachtsmann nahm die Rentiere am Zügel, um sie in den Trab zu zwingen. Plötzlich ging alles ganz schnell. Der Weihnachtsmann hörte ein Zischen, ein Pfeifen, ein Grölen, das in rasendem Crescendo näher kam. Blitze flackerten zu seiner Linken auf, violett und orange, mineralischer Staub schlug in sein Gesicht. Er fluchte und wollte ausweichen, doch es war bereits zu spät.