Verlag: Suhrkamp Verlag Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung Mexikoring - Simone Buchholz

In Hamburg brennen die Autos. Jede Nacht, wahllos angezündet. Aber in dieser einen Nacht am Mexikoring, einem Bürohochhäuserghetto im Norden der Stadt, sitzt noch jemand in seinem Fiat, als der anfängt zu brennen: Nouri Saroukhan, der verlorene Sohn eines Clans aus Bremen. War er es leid, vor seiner Familie davonzulaufen? Hat die ihn in Brand setzen lassen? Und was ist da los, wenn die Gangsterkinder von der Weser neuerdings an der Alster sterben? Staatsanwältin Chastity Riley taucht tief ein in die Welt der Clan-Familien. Nach und nach erschließen sich ihr die weitverzweigten kriminellen Strukturen, die sich durch ganz Deutschland ziehen. Und sie bekommt Einblick in Nouri Saroukhans Geschichte. Es ist die Geschichte eines Ausbruchs zu einem hohen Preis. Und es ist die Geschichte einer Liebe: von Nouri und Aliza, die nicht zusammenkommen durften und in ein anderes Leben türmten, das aber kein besseres war. Weiß Aliza, was mit Nouri am Mexikoring passiert ist?

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E-Book-Leseprobe Mexikoring - Simone Buchholz

Simone Buchholz

Mexikoring

Kriminalroman

Suhrkamp

für Carrie Fisher

Jede Nacht trafen wir uns am Zaun.

Wir schliefen ein

und hielten uns an den Händen

nur am Morgen hatte ich eine

tiefe Rille im Handgelenk.

Aber sie haben den Zaun abgerissen

und sie haben eine Mauer hingebaut

und ich steh jede Nacht an der Mauer

und ich schlag meinen Knochen

an den Stein.

Franz Dobler, Jesse James und andere Westerngedichte

NUR EIN PARKHAUS

Erinnerst du dich noch an den Tunnel? Das ewig lange Loch aus Stein?

Klar erinnere ich mich. Wie oft wir durch diesen Tunnel gegangen sind.

Wenn uns einer erwischt hätte, ey. Ich hatte jedes Mal Angst, dass ein Auto hält, dass uns einer sieht, einer deiner Brüder vielleicht, und dann Riesenärger und alles.

Ach. Bullshit. Ich war doch unsichtbar.

Dafür warst du eine Menge wert. Fünfzigtausend, mindestens.

Für eine wie mich hätten sie nicht mal mehr Dreißigtausend gekriegt.

Immerhin. In mich haben sie ja nur reingebuttert, also, wenn man sich das jetzt von hier aus anschaut.

Aber dich haben sie wenigstens gesehen.

Die wussten doch gar nicht, wer ich bin. Und jetzt bin ich der, den es nicht mehr gibt.

Na und? Mich bringen sie um, wenn sie nur herausfinden, wo ich bin.

Tschuldigung. Manchmal bin ich ein Arsch.

Ach, bist du nicht.

Kann ich dich in den Arm nehmen?

Zu hell hier.

Jedenfalls, der Tunnel.

Was ist mit dem Tunnel?

Ich muss oft an ihn denken.

Warum?

Weil ich ja immer dachte, dass ich da eines Tages wirklich durchgehen kann. Von der Schule zum Kampfsport, und dann eben nicht nach Hause. Dann einfach weiter zum Bahnhof. Und weg.

Hast du doch gemacht.

Vielleicht bin ich am Bahnhof in den Zug gestiegen, aber ich bin nie wirklich irgendwo angekommen. Ich bin immer noch zwischendrin, ich bin immer noch in diesem Tunnel, und da ist es dunkel.

Sei nicht so pathetisch. Am Ende geht’s doch raus aus dem Tunnel, aus jedem Tunnel geht’s irgendwann raus, und dann ist da Licht.

Als wärst du irgendwo. Weißt du doch besser als ich, dass es so nicht funktioniert. Und, verdammt, das Licht gähnt inzwischen, wenn es mich sieht. Das Licht weiß ganz genau, dass mit mir gar nichts mehr geht: Der kommt da nie raus. Ich schwör dir, das Licht lacht mich sogar aus. So wie das bisschen Licht am Ende von dem Tunnel da vorne, ich kann es bis hierher lachen hören.

Das ist kein Tunnel. Da geht’s nur unter dem Parkhaus durch.

Whatever.

Ich muss los.

Sehen wir uns heute Nacht am Hafen?

Weiß ich nicht.

Okay. Ich bin dann einfach da.

Okay.

Sonst morgen früh wieder hier.

Sonst morgen früh hier.

Versprochen?

Versprochen.

VIELLEICHT SIND PLASTIKTÜTEN JA IRGENDWANN DIE BESSEREN MÖWEN

Als würden die Gebäude über die Menschen hereinbrechen. Eins, zwei, Würfelhusten, große Würfel, alle tot. Ein paar Architekten auf Speed, die gegeneinander Tetris spielen wollten, und dann ist das alles aus dem Ruder gelaufen. Brutale Brocken aus Waschbeton und Stahl stehen in der Gegend herum, in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren sie mal weiß, es hat mal geglänzt, inzwischen blättert das Licht in großen Stücken ab.

Überall sind Risse.

Dazwischen verspiegeltes Glas, keine Gnade. Die wenigen Fenster, die auf sind, könnten auch eingeworfen worden sein oder zerbrochen oder sonstwie weg, man weiß nicht, wo genau die schwarzen Löcher in den Fassaden herkommen. Die Straßen sind Schluchten, und obwohl hier und da immer mal wieder ein einsamer Baum oder eine tapfere Grünfläche gepflanzt worden sind, ist das kein Ort für welche Art von Leben auch immer.

Zu meinen Füßen liegt ein himmelblaues Feuerzeug, mitten in einem Haufen aus heruntergefallenem Putz, das kommt mir gleichermaßen traurig und tröstlich vor, ich hebe es auf. Der warme Wind wirbelt eine Plastiktüte durch die Luft, eine zweite fliegt hinterher. Vielleicht sind Plastiktüten ja irgendwann die besseren Möwen.

Manchmal halte ich mich an Dingen fest, die einfach so vorüberwehen, das gibt dem Wesentlichen ein bisschen Aufschub, schützt mich aber natürlich nicht davor, mich mit der Sache zu beschäftigen, wegen der ich hier bin, also schiebe ich das Feuerzeug in meine Hosentasche und die fliegenden Plastiktüten aus meinen Gedanken und nähere mich dem beinahe toten Mann in dem halb verkohlten Auto.

Es war einer dieser Anrufe am frühen Morgen, die einen ohne Punkt und Komma auf die Spur schicken. Ob ich da eben hin könnte. Ein brennendes Auto. Schon wieder. Wir müssten das mit den brennenden Autos langsam mal in den Griff kriegen, hieß es.

Die brennenden Autos interessieren mich nicht besonders. Du weißt genau, warum deine Autos brennen, Hamburg.

Aber diesmal wurde nicht nur ein Auto angezündet, sondern auch ein Mensch. Menschen in Autos anzünden, leck mich am Arsch, so geht’s ja nicht.

Ich hatte auf Kaffee verzichtet, bin nur schnell in die Stiefel gerutscht und dann ins Taxi. Als ich im Norden der Stadt ankam, war ein Feuerwehrmann gerade dabei, den Brandort weiträumig abzusperren. Er hat gesagt, der schwarze Fiat hätte nicht lange gebrannt, sie wären schnell hier gewesen. Sie hätten sowieso gerade in dieser Ecke zu tun gehabt, weil ja seit dem letzten Sommer morgens überall immer die Autos brennen, was für eine Frechheit und überhaupt, so was, unsere schönen Autos.

»Ja, ja«, hab ich gesagt, dieses Autothema geht mir auf die Ketten.

»… und heute Morgen«, hat er dann einfach weitergeredet, »haben sie eben hier in der City-Nord gebrannt.«

Es brennt doch sowieso an allen Ecken und Enden, denke ich, während ich noch ein bisschen unsortiert rumstehe, weil ich so furchtbar müde bin. Alle regen sich ständig über die Feuer auf, und alle regen sich über die Hubschrauber auf, die die Stadt in der Dämmerung nach Brandherden absuchen, und natürlich nicht zu überhören sind, aber sie sollten sich nicht über die Hubschrauber aufregen, und auch nicht über die brennenden Autos. Sie sollten sich über das aufregen, was Menschen dazu bringt, Sachen anzuzünden. Die Wut, den Zorn, die Dummheit. Wir halten uns die Ohren zu, als könnten wir unsere Gehirne dann gleich mit zuhalten.

Das Feuer hat nur den vorderen Teil des Fiats erwischt, von hinten sieht der Wagen fast aus wie neu. Aber der Rauch steht noch im Innenraum, das Gift muss durch alle Ritzen gekrochen sein.

Die Fahrertür des Fiats wurde aufgeschnitten.

»War das Auto abgeschlossen?«, frage ich den Notarzt, der neben dem Mann auf dem Asphalt kniet, und einen Zugang für eine Infusion legt. Sein Kollege pumpt dem Bewusstlosen Sauerstoff in die Lungen.

»Alle Türen verriegelt«, sagt der Notarzt. »Aber ein bisschen gewundert hab ich mich schon, dass er keine Hilfe gerufen hat, hat doch jeder ein Telefon dabei, heutzutage. Oder dass er die Tür nicht einfach aufgemacht hat, das geht ja eigentlich immer.«

»Vielleicht hat er geschlafen«, sage ich.

»Vielleicht war er besoffen«, sagt der Notarzt, und es hört sich an wie ein Vorwurf.

»Aber er wird’s überleben, oder?«

Schulterzucken.

»Kann ich nicht sagen. Kommt drauf an, wie lange er da dringelegen hat. Und welche Mischung er eingeatmet hat. Die Feuerwehr sagt, dass sie zehn Minuten nach der Brandmeldung da war, da wird das Auto aber natürlich schon ein paar Minuten gebrannt haben, so genau weiß man das ja nie.«

»Wie sind seine Chancen?«

»Ab zwölf Minuten im Rauch nicht mehr so gut.«

Der Mann auf der Trage hat eins von diesen Gesichtern, die älter aussehen, als sie sind. Elegant geschnittene Züge, starker Bartschatten, aber die Haut sieht weich und glatt aus, die Wimpern und die Augenbrauen sind dicht und dunkel. Er ist noch keine dreißig. Die schwarzen Locken sind fast kinnlang.

Er trägt einen dunklen, nicht besonders teuer aussehenden Anzug, das helle Hemd haben sie aufgerissen, damit sie ihn im Notfall schnell wiederbeleben können. Bisher schien das allerdings nicht nötig gewesen zu sein, also schlägt das Herz noch.

Außenrum überall Dämmerung.

»Gute Konstitution, der Typ«, sagt der Notarzt und steht auf. »Ziemlich stark.«

Ich finde ihn vor allem zart, aber das sage ich nicht, das kann ich nicht mal richtig denken, ich befürchte, allein der Gedanke könnte ihn schwächen.

Er ist dann offenbar so weit versorgt, die Infusion sitzt, die Sauerstoffmaske auch. Zwei Sanitäter heben die Trage vorsichtig hoch und schieben sie in den Krankenwagen.

»Wo bringen Sie ihn hin?«, frage ich.

»Krankenhaus Barmbek«, sagt der Notarzt.

»Danke«, sage ich.

Der Arzt sieht mich etwas ratlos an und sagt: »Da nich für.«

Dann fahren sie los.

NOCH IST NICHT WIRKLICH TAGSÜBER

Die Kripo ist auch da und kümmert sich um das Auto.

»Vermutlich der Klassiker«, sagt ein junger Kollege in schwarzem Hemd und grauer Pilotenjacke. »Grillanzünder auf den Vorderreifen, und ab dafür.«

Seine kurzen straßenköterblonden Haare liegen etwas verwirrt auf seinem Kopf herum, manche zeigen nochmal ganz woanders hin. Er sieht mindestens so müde aus, wie ich bin, entweder er ist noch die Nachtschicht oder gerade erst aus dem Bett gefallen.

Komm, denke ich, wir legen uns wieder hin.

Gleich hier, einfach auf die Straße.

Augen zu und weg damit.

Er bleibt tapfer stehen.

Hält mir eine kleine Mappe hin.

»Die Autopapiere waren im Handschuhfach. Sollten Sie sich mal ansehen.«

»Was ist damit?«

Ich nehme die Papiere an mich.

Der Pilotenpolizist versucht, mich zu fokussieren. Es wird ihm nicht gelingen. Zu dieser Stunde bin ich grundsätzlich unscharf.

»Der Name«, sagt er und gibt nicht auf, er kuckt immer noch in mein Gesicht und konzentriert sich hart.

Ich kann ihm da leider nicht helfen und blättere in dem Etui. Der Fiat Punto wurde im Jahr 2014 auf einen Nouri Saroukhan zugelassen.

»Oh«, sage ich, »Saroukhan.«

»Mhm«, sagt der Polizist.

Ich starre auf das Etui in meiner Hand, der Kollege starrt mich noch ein paar Sekunden an, immer noch unscharf, verdammte Axt, und dann wird es ihm wohl zu blöd. Er zieht leicht angesäuert die Mundwinkel nach unten und die Augenbrauen nach oben, als hätte er mir eben eine sehr wichtige Frage gestellt und keine Antwort bekommen.

»Haben Sie sonst irgendwelche Papiere bei dem Mann gefunden?«, frage ich.

»Wir haben ihn nicht durchsucht, der Notarzt hatte darum gebeten, ihn erstmal in Ruhe stabilisieren zu dürfen. Und die Papiere laufen uns ja nicht weg.«

Ich nicke, kann meinen Blick nicht von dem Namen Saroukhan abwenden, und sage: »Rufen Sie doch bitte gleich im Krankenhaus Barmbek an. Falls der Mann Papiere bei sich hat, sollen sie die für uns bunkern. Wenn das wirklich Nouri Saroukhan ist, ist die Sache vielleicht um einiges größer, als sie auf den ersten Blick aussieht.«

Ich drücke ihm das Etui mit dem Fahrzeugkram in die Hand. Dann hole ich mein Telefon raus und rufe Stepanovic an, weil ich glaube, dass ihn das hier auf jeden Fall interessieren wird. Ich hätte auch gleich beim Dezernat für Organisierte Kriminalität anrufen können, aber Stepanovic ist ja so was in der Art, und wir haben uns ein paar Tage nicht mehr gesprochen.

Er geht schnell ran, nach dem zweiten Klingeln oder so, hustet aber tierisch umständlich in der Gegend herum. Er behauptet, er wäre zu Hause und würde sich so schnell wie möglich auf die Socken machen. Als er mal kurz aufhört zu husten, dudeln im Hintergrund alte Musik und eine junge Frauenstimme.

Ich erkläre ihm, worum es geht und wo genau er hinkommen soll, dann lege ich auf, ohne mich zu verabschieden.

Von wegen zu Hause, denke ich. Blödmann. Es stört mich nicht, dass er da mit irgendeiner Frau sein Herz formatiert, der kann rumkaspern, mit wem er will und wo er will, mir doch egal. Was mich nervt, ist, dass er mir erzählt, er wäre zu Hause, wo ich doch weiß, dass er nachts nie nach Hause geht. Er geht nur tagsüber nach Hause. Und noch ist nicht wirklich tagsüber, das Licht kriecht gerade erst den Horizont hoch. Stepanovic soll jetzt bloß nicht anfangen, mich zu verarschen, nicht jetzt, wo wir befreundet sind oder was auch immer.

Der Kollege von der Kripo hat auch aufgelegt und sieht mich schon wieder so irritiert an.

Ich weiß, es ist etwas viel so früh am Morgen, und es ist früh, aber verdammt, junger Mann, so ist das, wenn man sich zur Unzeit mit alten Frauen trifft, die nicht mehr schlafen können und immer, immer müde sind. Dann sind die eben noch unscharf, dann hatten die im Zweifel noch keinen Kaffee, und dann werden die auch schnell mal sauer.

Aber er kann natürlich nichts dafür.

Ich entknittere meine Stirn und enteise meinen Blick und sehe ihn an. Der Kleine ist wirklich furchtbar derangiert. Irgendwas ist gekommen und hat ihn auseinandergenommen, vielleicht war es aber auch nur die letzte Nacht. Er schaut weg von mir und auf das Telefon in seiner Hand.

»Die im Krankenhaus haben die Papiere gefunden«, sagt er. »Nouri Saroukhan, deutscher Staatsbürger, achtundzwanzig Jahre alt, geboren in Bremen, aktuell in Eimsbüttel gemeldet, in den Grindelhochhäusern.«

»Okay«, sage ich, »danke«, und ich versuche ein Lächeln, das wahrscheinlich aussieht, als hätte ich Reißnägel im Mund. »Haben Sie ein Telefon gefunden?«

Er schüttelt den Kopf.

»Die Ärztin am Telefon sagte gerade, dass er keins dabeihatte.«

Kein Telefon.

Verriegelte Türen.

Ein Versehen war das wohl nicht.

»Also«, sage ich, »Sie lassen sich die nächsten zehn Minuten von niemandem anquatschen und passen hier gut auf, bis der Kollege Stepanovic vom LKA 44 da ist, ja? Ich gehe Kaffee holen.«

Ein Nicken, ein stilles Zucken um die Mundwinkel.

Er ruft mir noch hinterher, dass es super wäre, wenn ich eventuell auch Zigaretten mitbringen könnte. Ich recke die linke Faust in die Höhe und strecke den Zeigefinger und den kleinen Finger in die Luft.

Der Jungfuchs hat tatsächlich überhaupt noch nicht überrissen, mit wem er seit heute zusammenarbeitet.

IN HAMBURG STERBEN

Ein funktionierendes Café war in dieser Einöde aus Bürohochhäusern um die Zeit noch nicht zu finden, aber ich habe einen 24-Stunden-Kiosk erwischt. Es gibt zwei verschiedene Boulevardblätter, die liegen stapelweise vor der Kasse, und dann liegt da noch eine Alibiausgabe der superseriösen Erwachsenenzeitung. Es gibt ein Süßigkeitenregal und ein Regal mit Kartoffelchips, es gibt einen Kühlschrank mit Bier und Limonadenkram, es gibt Zigaretten ohne Ende, und hinterm Tresen gibt es einen Kaffeevollautomaten mit jeder Menge Knöpfen. Aber es gibt niemanden, der irgendwas davon verkaufen oder bedienen würde.

»Hallo?«

Nochmal: »Hallo?«

Keiner da.

Ich gehe vor die Tür und zünde mir eine Zigarette an. Um mich herum Versicherungskonzerne, was nicht unbedingt dazu führt, dass ich mich sicherer fühle.

Mir wird ein bisschen schlecht. Ich denke wieder mal darüber nach, in Zukunft erst nach Einbruch der Dunkelheit zu rauchen, verwerfe die Idee aber drei Sekunden später, rauche die Zigarette wenigstens zur Hälfte und gehe wieder rein.

»Hallo?«

Immer noch keine Antwort.

Gut. Dann zapft die Frau Staatsanwältin hier wohl noch selbst. Wenn ich das in den letzten beiden Jahrzehnten richtig beobachtet habe, muss man ja nur ein paar Knöpfe drücken. Ich betanke nacheinander vier Pappbecher mit brauner Brühe, ohne dass was schiefgeht. Wenn sich doch alles im Leben so leicht auffüllen lassen würde.

Ich lege 25 Euro auf den Tresen, verlasse den Laden mit zwei Schachteln Zigaretten, einem Feuerzeug und den vollen Bechern auf einem Papptablett und mache mich auf den Weg zurück zu dem verbrannten Auto. Ein Kirschbaum lässt seine letzten Blüten fallen, als ich an ihm vorbeigehe. Nicht mal die Tapete hält. Links und rechts im Augenwinkel Angestelltengefängnisse.

Das Parkhaus, hinter dem der Fiat auf einer in Beton gegossenen Lichtung steht, hat ein Erdgeschoss, das eher eine Unterführung ist, und am Ende dieses halben Tunnels parkt der braune Mercedes von Ivo Stepanovic. Beide, Kommissar und Auto, haben schon bessere Zeiten gesehen. Beim einen hängen die Lider, beim anderen die Scheinwerfer. Aber wenn es drauf ankommt, funktioniert aber alles noch.

Stepanovic und der junge Polizist haben Zigaretten in den Mundwinkeln und die Hände in den Hosentaschen. Der Junge hatte also wohl keine Angst davor, den Alten sofort anzuschnorren. Stepanovic scannt den Tatort, der müde Kollege unterhält sich mit einem zweiten Kripomann, für den wiederum ich eben offenbar noch zu müde war, den hab ich gar nicht bemerkt. Er hält jetzt Nouri Saroukhans Fahrzeugpapiere in der linken Hand. Die andere streckt er mir entgegen, als er mich mit dem Kaffee kommen sieht, nimmt mir aber nur das Tablett ab.

»Das ist ja fantastisch, dass Sie für uns alle Kaffee geholt haben.«

Okay, den finde ich jetzt schon langweilig.

Und ich hab keineswegs für alle Kaffee geholt, denn inzwischen sind auch zwei uniformierte Kollegen da, die alles, was die Feuerwehr schon abgesperrt hat, nochmal absperren und dann jede Menge Fotos machen. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mich für den fehlenden Kaffee entschuldigen oder wegducken soll. Stepanovic klärt das für mich.

»Das Team kenn ich.« Er ist an mich rangerückt und redet leise. »Der eine trinkt nur Tee. Und der andere kann meinen Kaffee haben.«

»Danke«, sage ich und hab die Nummer von vorhin am Telefon sofort vergessen. Stepanovic ist im letzten halben Jahr zum zuverlässigen Problemlöser geworden, im Großen wie im Kleinen, so jemandem kann man ja sehr viel verzeihen. Ich gehe mit den zwei übrigen Pappbechern zu den Polizisten in Uniform rüber.

»Automatenkaffee?«

»Danke, nett von Ihnen«, sagt der eine, »aber ich hatte die Nacht auf der Wache literweise davon, noch einer, und ich fall um.«

Der andere sagt: »Ich bin Teetrinker.«

Dabei zwinkert er, als wären wir im Frühstücksfernsehen.

»Ja, nee«, sage ich, »dann, äh … alles klar.«

Sie machen weiter unfassbar motiviert ihre Sachen. Ich stelle mich wieder zu den Kollegen ohne Uniform und drücke Stepanovic einen Kaffee in die Hand, den er jetzt doch ganz gern nimmt. Die scharfen Furchen in seinem Gesicht werden plötzlich ganz weich.

»Jemand Zucker?«, frage ich, und krame in meinen Manteltaschen. »Milch gab’s nicht.«

Die jungen Kollegen sehen Stepanovic und mir etwas angeekelt dabei zu, wie wir zu viel Zucker in unseren Kaffee rühren. Sie trinken schnell einen Schluck und lecken sich über die Lippen, als würde die Plörre nach irgendwas anderem schmecken als nach Metall und Pappe.

Wir erinnern uns: Kaffeevollautomat. Von mir persönlich geknopfdrückt.

»Saroukhan also«, sagt Stepanovic.

»Richtig«, sage ich. »Saroukhan. Ist dem Kollegen hier aufgefallen.«

»Sehr gut, Rocktäschel«, sagt Stepanovic, und haut dem jungen Mann, der offenbar Rocktäschel heißt, und den ich ganz vergessen hatte, nach seinem Namen zu fragen, etwas zu schwungvoll auf die schmalen Schulterblätter. Der Kaffee schwappt über. »Interessante Familie.«

»Interessante Familie aus Bremen«, sage ich.

»Genau«, sagt der, den ich so langweilig finde, »und warum zum Teufel sterben die plötzlich bei uns in Hamburg?«

»Hey«, sage ich. »Noch ist hier niemand gestorben.«

»Mach mal halblang, Lindner«, sagt Rocktäschel und raucht sich ins Auge.

Ich sehe ihn an, puste heimlich den Rauch weg, und sage: »Dass der Name bei Ihnen so schnell geklingelt hat – gefühlt ist der Saroukhan-Clan doch ganz schön weit weg von Hamburg.«

»Ich bin in Bremen aufgewachsen«, sagt er, tritt von einem Fuß auf den anderen und fröstelt ein bisschen.

»Werder, oder was?«, fragt Stepanovic.

Rocktäschel sieht ihn an, seine Nackenmuskulatur spannt sich unter seiner Pilotenjacke. Er wirft die Zigarette weg.

»Problem?«

Ganz Hamburg sieht überall den HSV, und man fragt sich ja wirklich, wie sich das eigentlich so lange halten konnte.

Stepanovic hebt die Hände und legt den Kopf schief.

»Ich bin Frankfurter, keine Sorge.«

»Ist ja nicht viel besser, pöh«, sagt Lindner, weil er wohl auch irgendwas sagen will. Er fängt sich einen Blick von mir, aber als rechte Gerade ans Kinn.

»Achtung«, sagt Stepanovic leise. Alle denken kurz, das hätte noch mit Fußball zu tun, es dauert einen Moment, bis wir begreifen, dass es um etwas ganz anderes geht. »Jetzt bitte nicht nach oben kucken und einfach weitermachen.«

»Was ist denn da oben?«, frage ich leise.

»Auf dem Parkhaus steht jemand, der uns beobachtet. Eine junge Frau. Feuerrote Locken. Wir reden weiter, ich hab sie im Blick. Wenn ich euch ein Zeichen gebe, seht ihr euch das selbst an.«

Stepanovic ist in der Lage, aus dem Augenwinkel Dinge zu beobachten, die andere Menschen nicht mal sehen würden, wenn sie ihnen ins Gesicht fallen. Das ist eine der Fähigkeiten, die ihn zum LKA 44 gebracht hat. Alle seine Kollegen dort haben, neben einer schnurgeraden Kripolaufbahn, so was Spezielles in der Ziehung. Sie sind Vernehmungsspezialisten, Technikfreaks, Wahrnehmungsextremisten. Stepanovic kann kucken wie kein Zweiter, und er kann das, was er sieht, dann sofort einordnen.

Wir reden etwas fahrig hin und her, ich fummele an einer der frischen Zigarettenpackungen rum. Ist ja immer extrem schwierig, nicht hinzuschauen, wenn gerade jemand gesagt hat, dass man bitte nicht hinschauen soll.

»Jetzt«, sagt Stepanovic.

Wir drehen die Köpfe Richtung Parkhausdach.

Ich kann gerade noch den rot glühenden Schopf sehen, der hinter der Brüstung verschwindet.

»Los«, sage ich zu Rocktäschel, den ich von allen drei Männern hier als am sportlichsten einschätze, und drücke Lindner meinen Kaffee in die Hand. Rocktäschel ist sofort hellwach, zum ersten Mal an diesem Morgen, aber immerhin genau im richtigen Moment. Er lässt seinen Becher einfach fallen, und dann rennen wir zusammen zum Parkhauseingang.

»Sie den Aufzug, ich die Treppe!«, zischt er mir zu, und so machen wir’s, aber als wir auf dem Dach ankommen, ist kein rotes Haar mehr zu sehen.

»Kacke«, keucht er, mit den Händen auf den Knien.

»Zu viele Möglichkeiten«, sage ich und sehe mich um. Die niedrigen Betonmauern zu den Nebengebäuden sind leicht zu überwinden, sie kann überallhin abgehauen sein. Wir sprinten mal eben alle Seiten und Fluchtmöglichkeiten ab – nichts.

Sie ist uns entwischt.

Ich bleibe einen Moment am Rand des Parkhausdachs stehen, an der Ecke Mexikoring und Überseering, und sehe mir die City Nord von oben an. Was für ein Verbrechen, hier Menschen unterzubringen, denke ich, wie konnten die nur, und da klingelt mein Telefon. Stepanovic.

»Das war eine Frau, die weiß, wie man abhaut«, sage ich, und Stepanovic sagt: »Nouri Saroukhan ist tot. Das Krankenhaus hat eben bei der zuständigen Wache angerufen.«

NOCHMAL ZUM MITSCHREIBEN, LINDNER

Stepanovic hat ein großes, helles Büro in einem der oberen Stockwerke für uns organisiert, genau zwischen seinen Kollegen vom LKA und dem Dezernat für Organisierte Kriminalität. Das Licht, das von draußen reinkommt, blendet fast, ein norddeutscher Morgen im Frühsommer hat ja manchmal was von Skandinavien. Wir sitzen zu viert um einen großen Tisch, Rocktäschel und Lindner, Stepanovic und ich.

»Sie waren die Ersten am Tatort«, sagt er zu den beiden jungen Kollegen, »ich will Sie in der SoKo haben. Und Sie«, mit einem Blick zu Rocktäschel, »brauche ich zusätzlich noch für Bremen, Sie kennen sich da ja wahrscheinlich ganz gut aus, oder?«

Rocktäschel nickt vorsichtig, irgendwas an der Sache scheint ihm unbehaglich zu sein.

Stepanovic schreibt unsere Namen auf ein Blatt Papier und legt mir die rechte Hand auf den Unterarm, aber nur ganz kurz.

»Hast du mit der Oberstaatsanwaltschaft gesprochen, ob du weiter zuständig bist?«

»Hab ich«, sage ich. »Bin ich.«

Er nickt, lehnt sich zurück und kuckt mich an.

»Wen holen wir vom Mord?«

»Sind wir denn sicher, dass das ein Mord war?«, fragt Lindner, und kaut oberschlau an einem Bleistift. Hat ihm wohl mal jemand gesagt, dass es ganz wichtig ist, immer an einem Bleistift zu kauen, wenn man gehört werden will.

»Hallo?«, sagt Rocktäschel und sieht seinen Partner an, als wäre hier jetzt aber gleich Schluss. »Das Auto hat offenbar jemand abgeschlossen, der Schlüssel ist weg, Saroukhan hatte kein Telefon dabei – wer immer die Karre angezündet hat, hat zumindest in Kauf genommen, dass der, der da drin sitzt, stirbt. Das ist mindestens Totschlag, und eine ordentliche Portion Heimtücke war auch mit dabei. Und ich hab doch vor ein paar Minuten mit dem Krankenhaus telefoniert, also, nochmal zum Mitschreiben: Nouri Saroukhan hatte eine gute Konstitution und war so stabilisiert, dass er die Rauchvergiftung eigentlich hätte überleben sollen. Irgendwas muss seinen Körper schon vorher geschwächt haben. Und wäre er bei Bewusstsein gewesen, als das Auto angefangen hat zu brennen, wäre er ausgestiegen. Falls er nur besoffen war und zu tief geschlafen hat, war es kein Mord. Wenn ihm aber jemand was in den Drink getan hat oder so, weil er wollte, dass Saroukhan es nicht mehr schafft, das Auto zu verlassen, sieht das alles schon ein bisschen anders aus. Die Leiche liegt in der Gerichtsmedizin.«

Er presst die Lippen aufeinander und funkelt seinen Kollegen an.

Lindner nimmt den Stift aus dem Mund.

Stepanovic atmet tief durch, dann setzt er nochmal an: »Wen holen wir vom Mord?«

Ich denke, dass wir erstmal klären sollten, ob es wirklich so klug ist, Rocktäschel und Lindner zusammenarbeiten zu lassen, aber ich stelle hier ja nicht die SoKo zusammen, also bitteschön, macht doch, was ihr wollt, Jungs. Aber ruft mich dann nicht an, wenn es Streit gibt.

»Meinetwegen Calabretta und seine Leute«, sage ich, »oder wer immer gerade Mordbereitschaft hat.«

»Rufst du den Calabretta für mich an?«, fragt Stepanovic. »Ich hätte ihn gern an Bord.» Er schreibt die Namen Calabretta, Schulle, Brückner und Stanislawski auf das Blatt Papier, das vor ihm liegt.

»Mach ich«, sage ich, rolle mit meinem Stuhl in eine Ecke und hole mein Telefon aus der Manteltasche. Vor dem Fenster scheint die frühe Maisonne auf die Dächer der Stadt.

Mir wird fast etwas schwindelig.

Der Calabretta ist einigermaßen überrascht, als ich ihm sage, worum es geht, weil ich seit langem für keine Mordermittlung mehr zuständig war. Ich sage ihm, dass ja auch wohl eher er zuständig ist, und dass wir jetzt erstmal schauen, was da überhaupt los ist. Er sagt, dass er und seine Leute in fünf Minuten bei uns sind.

Als ich auflege, hat Rocktäschel sich einen dicken, blauen Stift geschnappt und den Namen Nouri Saroukhan an die große weiße Tafel geschrieben, die an der Stirnseite des Tischs an der Wand hängt.

»Wir brauchen noch jemanden vom Dezernat für OK, oder?«, sagt er.

»Der von der Organisierten Kriminalität bin erstmal ich«, sagt Stepanovic, »das passt schon. Was wir noch brauchen, ist ein Draht nach Bremen.» Er steht auf, schnappt sich seine Lederjacke, seine Zigaretten und sein Telefon. »Ich geh kurz raus. Telefonieren.«

»Okay«, sage ich, »dann setze ich gleich die Kollegen vom Mord ins Bild. Rocktäschel, wir brauchen die Fotos vom Tatort. Gibt’s da schon was im System?«

Er legt den Stift weg, und setzt sich an einen der beiden Rechner. »Besorg ich uns sofort.«

»Und was mache ich?«, fragt Lindner.

Ich sehe ihn an und werde auf der Stelle wieder so müde, dass ich sofort umfallen könnte.

Alter.

»Einer müsste sich mal um eine Kaffeemaschine kümmern.«

Wenn wir hier eine ordentliche Regie hätten, würde jetzt irgendwas mit einem Mordsknall von der Decke fallen.

GANZ GRAU IM GESICHT

Calabretta, Stanislawski, Schulle und Brückner sind da. Es ist ganz schön, die vier so geballt im Raum zu haben. Als eine Art Seelen-Security. Eine Sicherungskopie für das, was war. Wir sind wie ein Fenster, durch das das Leben in den letzten Jahren immer mal einen Sprung gemacht hat, und bei diesen Sprüngen sind wir dann als Scherben durch den Raum geflogen, aber weil die Scherben wissen, wo sie hingehören, setzen sie sich jedes Mal wieder Stück für Stück zusammen. Zu einem neuen Fenster, das vielleicht hier und da nicht ganz glatt ist, das an einigen Stellen auch echt mal geputzt werden müsste, aber irgendwie kann man noch durchschauen.

Die Mordkommission hat in nullkommanix ihre SoKo-Schreibtische bezogen, die Kollegen sind Vollprofis und ein beweglicher Laden. Der Schulle und Anne Stanislawski klemmen am Telefon, der Calabretta hängt vor seinem Laptop. Der Brückner schreibt an die weiße Tafel, was seine Kollegen an den Telefonen und Computern gerade Stück für Stück herausfinden. An der Tafel ist jetzt unter dem Namen Nouri Saroukhan ein senkrechter Strich, rechts von dem Strich steht:

Uni Hamburg

Jurastudium (abgebrochen)

AKTO Versicherung (aktueller Arbeitgeber)

Links davon steht:

Saroukhan-Clan

Bremen

jetzt auch in Hamburg?

Die linke Seite ist die Baustelle von Stepanovic, Rocktäschel und Lindner, und wahrscheinlich auch meine, die rechte Seite die der Mordkommission, zumindest für den Anfang, für die ersten Stunden, die ersten Tage. Dann schmeißen wir zusammen.

Stepanovic hat telefoniert und dabei offenbar eine halbe Schachtel am Stück geraucht, er ist ganz grau im Gesicht, und er hält sich am Türrahmen fest. Sein Hemd knittert. Setz dich hin, denke ich.

Er nickt der wuselnden Mordkommission zu: »Die Kollegen.«

Die Mordermittler heben alle kurz die Hand und nicken, aber ohne großartig aufzuschauen. Anne Stanislawski ist die Einzige, die auch den Blick hebt, während sie zwischen zwei Fingern ihre rotblonden Krissellocken zwirbelt. Zwischen die Sommersprossen auf ihrer Stirn haben sich drei tiefe Falten gelegt, sie drückt das Ohr fest an den Telefonhörer und murmelt irgendwas in die Leitung. Der Schulle trägt seine blonden Haare neuerdings überraschend akkurat gescheitelt und reagiert nur minimal auf Stepanovics Anwesenheit, der Brückner scheint das, was er an die Tafel geschrieben hat, auswendig lernen zu wollen, und bräuchte im Gegensatz zum Kollegen Schulle dringend mal wieder einen Haarschnitt, er sieht aus wie ein alternder Surferboy. Der Calabretta unterlegt sein Nicken zwar mit einem jovialen Lächeln, aber mehr so nach innen, denn auch er ist ganz Telefon.

Vor allem ist er da, und das ist gut.

»Klappt ja wie am Schnürchen«, sagt Stepanovic, der Arbeit genau so haben will, wie sie gerade daherkommt. Unaufgeregt und konzentriert. »Gibt’s eigentlich schon eine Kaffeemaschine?«

Ich schaue Lindner an, der rot wird, weil er sich eben nicht um eine Maschine gekümmert hat, sondern versucht, Rocktäschel beim Sortieren und Ausdrucken der Tatortfotos zu assistieren, indem er einfach nur danebensitzt.

»Tja, Lindner«, sage ich, »jetzt hätten Sie echt richtig punkten können. Zu blöd.«