Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
-Liz liebt, doch darf er es nie erfahren. Marius liebt sie ebenso, doch kommt er hinter ihr Geheimnis. Zu spät erkennt er das er sie verloren hat. -Louisa ist blind bis ein Vampir sie sehend macht. Doch dieser hat nie geliebt und lässt ihre Liebe verkümmern. Nach Jahrhundertelanger Flucht findet Cynwrig sie, doch sie weist ihn ab, -Liz sinnt nach Rache. -Isis ist ein junge Skalvin in Ägypten, als ihr das Schicksal in Eje begegnet. Er zwingt sie zur Henkerin von Theben zu werden, bis ihr die Flucht gelingt.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Thabita Waters
Midnight Clan
Kinder des Blutes
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Liebe, Tod und Erkenntnis
Blutliebe
Ich will Rache
Isis, Henkerin von Theben
Impressum neobooks
Liz
Liz stieg aus dem Bus und zog gierig die Luft in ihre Lungen. Ein Blick auf ihre Uhr sagte ihr, dass sie noch was Zeit, bis zum Anschlussbus hatte. Sie setzte sich auf eine Bank und schob die Kopfhörer ihres MP3 Players zurecht. Die Musik tat gut und bei dem, was sie noch vorhatte, konnte sie den Gedanken noch ein wenig Pause gönnen. Aber das war leichter gesagt als getan, nur hingen ihre Gedanken nicht an dem bevorstehenden Ereignis, sondern sie waren bei dem Mann, den sie liebte. Und der es nicht wusste und nie erfahren durfte. Das würde alles nur komplizierter machen. Sie war nicht gut für ihn. Er war nicht bereit für sie. Trotzdem liebte sie ihn. Die wenigen Male, die sie Sex miteinander hatten, waren für Liz unvergesslich. Und genau daran dachte sie. Ein Schauer rann über ihre Haut und sie schloss für einen kurzen Augenblick ihre Augen.
Es fing immer gleich an, er war unglaublich zärtlich. Erregte sie über alle Maßen. Seine Küsse brannten auf ihren Lippen und ihrer Haut. Seine Hände hinterließen feurige Spuren auf ihrer Haut. Wenn er in sie eindrang, empfing sie ihn voller Ungeduld. Doch danach dreht er sich um oder verließ sie eilig. Fast fühlte sie sich dann benutzt. Doch sie konnte ihm nicht widerstehen. Sein Lächeln und die Art mit ihr zu reden, zogen sie magisch an. Das Lied, welches sie hörte, beruhigte sie. Sie war hungrig und wusste das, da wo sie hinwollte, genug von dem wartete, was ihren Hunger stillte. Plötzlich drang ein Geruch an ihre Nase, der ihr vertraut war. Einer ihrer Art war in der Nähe. Keiner, den sie kannte aber immerhin. Meistens verliefen solche Begegnungen nicht ohne Kampf. Denn mittlerweile kämpfte ihre Art um Territorien. Und dieser hier war neu und würde sie vernichten wollen. Hier gab es die Hierarchie der Midnight Clans nicht. Zumindest war sie hier sehr locker. Sie selbst war ein Clanoberhaupt und ihr unterstanden eine große Anzahl an Vampiren. Früher, ja früher war alles ganz anders. Dann kamen die Jäger, dezimierten ihre Art und Chaos machte sich breit. Zu viele Vampire wurden getötet und sehr zum Leidwesen der Clans, auch viele Oberhäupter. Tief sog Liz die Witterung ein, er oder sie war nicht in ihrer unmittelbaren Nähe, aber wenn sie ihn wahrnahm, konnte er es auch. Sie war durch ihren Hunger geschwächt und so hätte er eine Chance, sie zu besiegen. Als dann ihr Anschlussbus kam, atmete sie erleichtert auf. Sie stieg ein und suchte sich einen Platz. Die Fahrt verlief so wie immer, sie beobachtete was in der Stadt, auf den Straßen los war, und hing wieder ihren Gedanken nach. Wieder tauchte das Bild von Marius vor ihrem geistigen Auge auf. Was er nun wohl machte? Ob er vielleicht doch an sie dachte? Wenn sie doch nur einen Ausweg aus dem Gefühlschaos wüsste. Doch so sehr sie auch grübelte, ihr fiel keine passende Lösung ein. Ein Seufzer löste sich von ihren Lippen.
Damals in Frankreich, auf ihrem Gut in der Nähe von Dauphin, hatte sie genug Liebhaber. Doch keiner erreichte je ihr Herz. Sie nährte sich von ihnen und gab ihnen das, was sie begehrten, ihren Körper und eine Ahnung von Liebe. Sie mochte jeden von ihnen, doch Liebe, nein Liebe empfand sie nicht.
Aber die Zeiten ändern sich. Ihr Bedürfnis nach einem Gefährten, der mit ihr durch die Jahrhunderte ging, war übermächtig geworden. Wieder seufzte sie. Als sie die Bushaltestelle sah, an der sie aussteigen musste, stand sie auf und ging zur Bustür. Der Bus hielt wie immer abrupt und wäre sie nicht darauf vorbereitet, wäre sie gestolpert. Als Galeristin hätte sie sich ein Auto leisten können, doch sie zog es vor nicht selber fahren zu müssen, wenn sie in der Stadt war. Einkäufe brauchte sie so gut wie keine, außer wenn sie für Marius kochte. Das machte sie oft. Lebensmittel hatte sie nur der Tarnung wegen im Kühlschrank. Und das meiste wanderte verdorben in die Mülltonne. Sie stieg aus und ging in Richtung Lagerhaus. Sie zog den Schlüssel aus der Handtasche und öffnete die Seitentüre. Drinnen war es angenehm dunkel. Sie mochte die Dunkelheit. Mit katzenhaften Schritten ging sie in den kleinen Nebenraum und zog sich aus. Sorgfältig legte sie ihre Sachen in den Schrank, den sie dafür gekauft hatte. Dann setzte sie sich auf den Boden, verdrängte alle Gedanken und lenkte ihre ganze Konzentration auf ihr wirkliches Dasein. Sie merkte, wie ihre Haare ihr bis zur Hüfte wuchsen, wie ihre Knochen sich verschoben und veränderten, wie sich ihr Gesicht veränderte und wie ihre Fänge wuchsen, ein Zeichen des unstillbaren Hungers, der sie seit Tagen quälte. Genau dies war ihre mentale Stärke: die Form zu wandeln. Manche Vampire hatten Zusatzfähigkeiten, jedoch nicht alle. Ihr Bruder konnte die Gedanken der Menschen manipulieren, ihre Erinnerungen auslöschen. Ein wenig beneidete sie ihn, es würde vieles vereinfachen, wenn sie das könnte. Schweiß trat auf ihre Stirn, selbst ihre Organe veränderten sich und ihr Hunger wurde durch die Anstrengung unermesslich. Seit Wochen hatte sie sich nicht mehr genährt, manchmal vergaß sie es schlichtweg. Menschliche Nahrung stillte diesen Hunger nicht. Es war ein Teil ihrer Tarnung, so zu tun, als ob sie es bräuchte. Doch eigentlich ekelte es sie. Als ihre Verwandlung abgeschlossen war, sank sie erschöpft nach vorne. Es war ein Fehler so viel Zeit zwischen den Mahlzeiten vergehen zu lassen. Sie stand auf und sah an sich hinab. Als Mensch war sie mittleren Alters, so fiel sie kaum auf. Doch nun sah sie aus wie Anfang 20. Als Mensch tauchte sie in der Masse unter. Keiner ihrer Gegner würde vermuten, dass ein Clanoberhaupt in der Frau steckt, die sie vorgab zu sein. Nur ihre Witterung verriet sie. Nur wenige Vertraute waren eingeweiht, zu viel war geschehen, seit dem Auftauchen der Jäger. Bloß keinem auffallen, keine Aufmerksamkeit erregen, so normal wie möglich leben, abgesehen von dem Blut, welches sie benötigte. Jede Schwachstelle konnte ihr zum Verhängnis werden. Das war nicht immer so. In Frankreich hatte sie menschliche Verbündete. Bis zu dem Zeitpunkt als Albert starb und alles aus den Fugen geriet. Albert führte die englischen Clans an und war der beste Freund ihres Bruders. Als seine Gefährtin Hazel seinen Tod verkündete, lebte Dominik mit seinem Ziehkind bei ihr. Später wurde sein Ziehkind zu seiner Gefährtin. Sie öffnete den Schrank auf der anderen Seite und holte einen schwarzen Overall heraus. Er war aus einem anschmiegsamen Stoff, lag eng an bot aber durch den Stretchanteil im Stoff genügend Bewegungsfreiheit. Schnell schlüpfte sie hinein und verließ den kleinen Raum. Sie betrat die Lagerhalle, in der ihr Wagen und eine riesige Gefriertruhe standen. Sie öffnete die Gefriertruhe und holte einen der Beutel heraus. Ihre vollen Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln. Totes Blut, leider. Aber besser als nichts und für Blut von der "Quelle" waren die Zeiten zu gefährlich. Sie riss den Beutel auf und setzt ihn an die Lippen, gierig trank sie die Blutkonserve aus. Wieder schweiften ihre Gedanken zu ihm, wenn er sie jetzt sehen könnte. Wäre er dann fasziniert oder angeekelt, sie tippte insgeheim auf Letzteres. Als der Beutel leer war, warf sie ihn achtlos in die Tonne, die neben der Truhe stand und griff nach einem weiteren Beutel. Sie trank insgesamt vier Beutel, ehe ihr Hunger einigermaßen gestillt war. Das Blut hatte einen seltsamen Beigeschmack, selbst für Konserven. Leichtfertig schob sie es aber auf die lange Lagerzeit. Bis vor einigen Jahrzehnten, konnte sie ja noch »quellfrisch« trinken. Bis ihre Kraft hundertprozentig wieder hergestellt war, dauerte es noch eine Weile, aber das Schlimmste war der Hunger. Sicherheitshalber trank Liz einen fünften Beutel aus. Dann entschied sie, dass es reichen sollte. Mit einem leisen »Plopp« schloss der Deckel, den Liz herunter drückte und sie drehte sich um. Eine Limousine mit dunkel getönten Scheiben, stand in der Halle auf die sie nun zuging. Liz stieg auf der Fahrerseite ein, der Schlüssel steckte und sie lies den Wagen an. Dann griff sie ins Handschuhfach und holte die Fernbedienung für das Hallentor hervor. Ein leises Klicken des Knopfes und die Tore der Lagerhalle schwangen auf. Sie fuhr mit dem Wagen in das für sie grelle Tageslicht, nachdem sie erneut auf der Fernbedienung den Schalter betätigt hatte, schwangen die Türen wieder zu. Sie würde mindestens drei Stunden unterwegs sein, bis sie ihr Ziel erreicht hatte. Und so drehte sie das Radio laut und fuhr los. Ihren MP3 Player hatte sie im Handschuhfach verstaut. Trotz der Wolkendecke und der getönten Scheiben war ihr das Licht fast zu hell. Aber ihre Augen gewöhnten sich dran und so verlief die Fahrt ohne besondere Zwischenfälle. Dominik hatte sie alle zusammentrommeln lassen. Es muss wohl etwas passiert sein, was ein so kurzfristiges Treffen rechtfertigte. Vielleicht gab es Erkenntnisse über den Abt, der den Jägern vorstand. Er herrschte über sie seit nun mehr über 200 Jahren, was den Verdacht aufkommen ließ, dass er selbst auch ein Vampir war.
Und endlich erreichte sie ihr Ziel. Pausen brauchte sie keine zu machen, warum auch. Essen musste sie nicht und Toilettengänge waren selten. Der Kies der breiten Auffahrt zum Haus ihres Bruders knirschte unter den Reifen, als der Wagen schnurrend auf das Gebäude zurollte. Sie war mittlerweile fast 800 Jahre alt und im Laufe der Zeit hatten sie und ihr Bruder ein Vermögen angehäuft, was solch einen Luxus zuließ. Sie selbst besaß Anwesen in Frankreich, Italien und den USA. Lächelnd parkte ihren Wagen neben dem knallroten Sportwagen ihrer Schwägerin Dawn und griff in ihrer Handtasche nach der Sonnenbrille. Entgegen allen Legenden gingen Vampire nicht in Flammen auf, sobald sie ins Tageslicht traten. Dennoch reagierten die Augen empfindlich auf das Licht, so dass die meisten es vorzogen, nur nachts ihre Häuser zu verlassen. Der Kies knirschte unter ihren Pumps und sie stieg die breite Treppe hinauf. Nachdem sie die Klingel betätigt hatte, schwang die Tür auf und Liz blickte in das vertraute Gesicht von Mike, dem Majordomus Dominiks. Früher war er der Butler von Isi gewesen. Nach dem Übergriff der Jäger verschwand diese jedoch in der Versenkung. Keiner der Vampire wusste genau, was aus ihr geworden ist. Den Gerüchten zufolge war sie getötet worden, andere behaupteten, sie hätte sich nach Griechenland zurückgezogen. »Willkommen Liz, ich hoffe, deine Fahrt war angenehm.« »Ja danke Mike, alles bestens. Sind die Herren und Damen schon im Saal?« Saal war zu viel gesagt, es handelte sich hierbei um ein riesiges Esszimmer. Aber es wurde von jedem Saal genannt, da hier ausreichend Platz für die Treffen der Clanoberhäupter vorhanden war. »Ja sind sie, ihr seid die Letzte. Aber Dominik hat noch nicht angefangen. Im Moment herrscht da Small Talk Stimmung.« Sie verdrehte die Augen und Mike lächelte sie gutmütig an. Plötzlich durchfuhr sie ein brennender Schmerz aus der Magengegend. Der aber genauso schnell wieder verschwand. Tief sog sie die Luft ein. Was war das? Seit Jahrhunderten fühlte sie keinen Schmerz, warum jetzt? Aber als er verging, maß sie dem keine weitere Bedeutung zu. Sie betrat den »Saal« und zwölf Augenpaare richteten sich auf sie. Dominik lächelte ihr freundlich zu und kam auf sie zu. Er umfasste ihre Taille und gab ihr einen Kuss. »Grüß dich Schwesterherz, ich hoffe, du hast etwas Zeit mitgebracht.« Sanft lächelte Dominik Liz an. »Ja klar Nicki hab ich. Ein paar Tage bleib ich.« Das sich ein paar Augenpaare auf sie richteten, in denen offensichtliches Verlangen stand, ignorierte Liz. Als Schwester des Königs wäre sie jedem Clanoberhaupt eine willkommene Partnerin. Nicht nur ihr aussehen, sondern auch die Macht, die sie hatte, waren der Auslöser des Begehrens.
Wie immer freute sie sich auf die Zeit mit ihrem Bruder und seiner Gefährtin. Dawn war die erste Frau, die es schaffte, ihren Bruder zu zähmen. Und sie hing mit einer unsagbaren Liebe an ihm. Dominik trug sie auf Händen und hatte immer das Bedürfnis sie zu beschützen. Das war nicht immer so, es gab eine Zeit, in der sie beide getrennte Wege gegangen waren. Den Grund kannte Liz, doch keiner sprach darüber. Isi hatte den beiden übel mitgespielt, und als Dominik seine Dawn nach mehr als einem Jahrhundert fand, wäre es fast zu spät gewesen. Es war Rettung in letzter Minute sozusagen. »Gut, denn wir sehen uns einfach zu selten.« Er begleitete sie zu Ihrem Platz und rückte den Stuhl zurecht, so dass sie Platz nehmen konnte. Mit einem Kopfnicken blickte Liz in die Runde, alle waren sie da, dem Ruf Dominiks gefolgt.
Dann kam er wieder, der Schmerz, nur dieses Mal heftiger. Es brannte sich durch ihren Leib, ausgehend von ihrer Magengegend und ergriff den gesamten Körper. Die Welt um sie herum verschwamm vor ihren Augen. Ein Stöhnen löste sich von ihren Lippen und alle Blicke lagen auf ihr. Doch das, nahm Liz nicht mehr war.
