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Ausgestattet mit einer liebenswerten Katzenpersönlichkeit, war es für die kleine Katze Mimi nicht schwer, rasch dem Tierheim zu entkommen. Sie fiel einem nicht mehr ganz jungen Paar "in den Schoß" und berichtete in dem Band "Mimis Kindheit" - ISBN-Nr. 3-8267-5084-5 - von ihrem Aufwachsen am Stadtrand und in dem vorliegenden kleinen Büchlein von ihrem Leben in reiferen Jahren. Mimis Kindheit und Mimis Leben II sind Katzentagebücher: besinnlich, ironisch, humorvoll zärtlich, anschaulich und - ohne nennenswerte Selbstkritik erzählt. Wissenschaftlich Beweisbares über Samtpfoten erfährt der Leser zwar nicht, aber dafür allerlei, wie solch ein zierliches, anmutiges Katzenwesen auf einen Naturmuffel, der zum ersten Mal ein Tierchen aufwachsen erlebt, wirken kann. Ein Buch zum Schmunzeln und Nachsinnen, zum Vergleichen, Vorlesen, Sich-Darin-Wiederfinden und Mitempfinden. Das Buch lässt den Wunsch entstehen - zumindest zeitweise - auch einmal eine Katze zu sein. Zugleich erfährt man allerlei über die Lebensgestaltung von Mimis Betreuungspersonen.
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Seitenzahl: 58
Veröffentlichungsjahr: 2014
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10.07.2009
Ihre Flötenfreundin hat ihn gefragt, ob ER wieder etwas über mich schreiben möchte.
Ich habe nichts dagegen, weil ich dabei neben seinem Schreibheft auf dem Tisch liege und ER sich nachdenklich mit mir befasst. Er möchte nicht noch einmal von Verlegergeiern ausgenommen werden, aber das ist bei heutiger Kenntnis des Marktes zu schaffen.
„Alter“ finde ich nicht so gut. Mit zehn Jahren statistisch in der Lebensmitte stehend ist jedenfalls „Nicht-mehr-Kindheit“, nicht zu bestreiten, wenn man es nicht mehr ohne Stuhlzwischenlandung auf den Küchentisch schafft und sich auf dem Spaziergang mit beiden zum Friedhof ab und zu auf dem Bürgersteig ausruhen muss – um nur zwei Beispiele jener Veränderungen seit dem „Mimis Kindheit“-Büchlein zu nennen.
Sein Geburtstag naht – mit nervendem Staubsaugerlärm und anderen Beeinträchtigungen meiner ausgedehnten nachmittäglichen Sessel- oder Sofaruhe.
11.07.2009
Verregnet kamen beide von einem Freiluftgottesdienst zurück („Suche nach dem Glück“, das auch ohne Schloss mit Butler und Lamborghini zu erreichen ist, als sich abfindende Gestaltung der eigenen täglichen Möglichkeiten in Geduld und Hilfsbereitschaft). Da beide grauhaarig und betagt sind, ist zufriedenes allmorgendliches Weitermachenwollen nicht selbstverständlich.
Ich brauche nur Überschaubares zum Glück: Gestreicheltwerden, Zuwendung, Krümelfutter und sonntags Thunfischpastete, ein Schlafplätzchen auf Bett oder Sofa oder Sessel, einen Garten, viel Auslauffreiheit (wenn beide weg sind, per Leiter durchs Kellerraumfensterchen), keine Autofahrten im Korb eingesperrt (Tierärztin!). Auch auf Hauskater Mariechen könnte ich gut verzichten; in den fünf Jahren ohne ihn fühlte ich mich kaum jemals belästigt. Jagderfolge brauche ich nicht mehr so oft, denke jedoch sehr gern an meine besten Zeiten zurück.
12.07.2009
Wegen seines Geburtstages wurde ich schon früh verwöhnt (Pastete; am Blumenstrauß knabbern; mit rotem Einwickelbändchen spielen…).
Vom Feiern (radeln zum Waldgottesdienst, aushäusig speisen; Kirchenkonzert) kamen beide erst abends durchnässt zurück, aber mit mir zu schmusen blieb genug Sofamuße – besser als wenn sie zehn Gäste auf der Terrasse betreuen und keine Zeit für mich abzweigen können.
13.07.2009
Beim Geburtstagsgrüße-Beantworten liege ich daneben auf dem Schreibtisch. Es sind besinnlichere Wünsche geworden – passender als früher zum begrenzten Lebensrest mit zunehmenden Einschränkungen. Kirche und Musik neben tröstlicher Lektüre und Geselligkeit helfen ihm bei täglicher Sinnsuche. Mit „piep“ mein Köpfchen an ihm reibend weise ich – wenn ER zu fern träumt – auf meine Existenz hin.
14.07.2009
SIE eilt zum Heilpraktiker, während ich IHM bei der Johannisbeerenernte nahe bin. Als der Tagesbedarf auf Pfannkuchen landet, bin ich freilich eingenickt: Wer Sommernächte draußen verbringt, hat Anspruch auf langen Vormittagsschlaf.
15.07.2009
Zu Zweit holten sie die grünen Netze von den Johannisbeersträuchern – eigentlich bedauerlich, denn Mariechen und ich versteckten uns gern darin.
16.07.2009
Eine Abendfreude wollte ich ihm bereiten und hüpfte auf sein Bett – für zehn Minuten; dann merkte ich, dass SIE die Terrassentür geöffnet hatte und eine warme Sommernacht lockte. Verflixt: Schon wieder von der meterhohen Spüle abgerutscht, in der die volle Gießkanne steht, aus der ich gern trinke; ER hob mich hinauf – mit erhöhtem Verständnis, weil ER ebenfalls mit zunehmenden Einschränkungen zu leben hat.
18.07.2009
Etliche Orchideen wollen von ihr umgetopft werden, eine abendfüllende Beschäftigung. Er striegelt mich mit einer herrlichen Bürste und liest dabei vor: „Frauen machen Weltgeschichte“ von G. Hoffmann. Ob Kaiserin Theophanu, Hildegard von Bingen oder Rosa Luxemburg: stets wird das schwierige Umfeld deutlich, unter welchem privaten, beruflichen, religiösen, politischen Druck und geschlechtsbedingten Widerstand solche Leistungen entstanden.
19.07.2009
Die Nachbarn sind für zwei Wochen traditionell in die Schweiz entschwunden unter Zurücklassung ihrer von uns zu betreuenden Katze. Dass sie auf unserer Terrasse ihren Tag gestaltet, stört mich nicht, auch nicht ihre bescheidenen Ernährungswünsche.
Aber dass sie nachts unter Verschmähung ihres entvölkerten Hauses meinen Stubensessel frequentiert, bedrückt mich schon, freilich nur auf Zeit.
20.07.2009
SIE hat alle Steuererklärungspapiere in vielen Häufchen auf dem Arbeitszimmerteppich ausgebreitet: Nun darf ich nicht hinein, obwohl man vom Fensterruheplatz einen vortrefflichen Rundblick auf den hinteren Garten hat. Einmal hatte ich mich hineingemogelt und malerisch zwischen Rechnungen ausgebreitet – bis SIE in höchstem Sopran (vermutlich noch in Wladiwostok zu hören) mein Tun infrage stellte (einige Papierchen hatte ich mit meinem Köpfchen durch die Gegend geschoben).
22.07.2009
Aus unseren Brombeeren haben beide abends Marmelade hergestellt: anderer Duft, heißer Riesentopf, alles klebte – da eilte ich hinaus in die milde Sommernacht.
23.07.2009
Meistens finde ich Mariechens unsanfte Art ungenießbar. Als ich jedoch heute unter der Decke auf dem Sofa schlief, legte ER sich auf der Decke nahe an mich – irgendwie rührend.
25.07.2009
Betagte Nachbarkatze nutzt immer noch tags und nächtens unseren, also vor allem meinen, kuscheligsten Schlafsessel. Seine Tröstungen („nur noch acht Tage“) helfen mir heute bei Regen (also wenig Ausgang) wenig.
28.07.2009
An der seltenen Truthahnpastete und noch mehr Geknuddeltwerden spürte ich das Besondere dieses Tages: 16 ½ Jahre seit ihrem Kennenlernen.
30.07.2009
Nach Bratwurst dufteten beide bei abendlicher Rückkehr und berichteten von einem Grillfest; ich mache mir freilich ohnehin nicht viel aus Gebrutzeltem, höchstens Wurstscheiben, die aber in beider Diätplan seit Monaten wegfielen.
31.07.2009
Nachbarn zurück, ihre Katze also aus meinem Schlafsessel endlich entschwunden.
01.08.2009
Bei 17 Grad rief SIE mich spätabends. Wie kann man nur so welt-, äh – katzenfremd sein anzunehmen, ich verbrächte laue Sommernächte freiwillig in mittelmäßiger Schlafzimmerluft?
06.08.2009
Er hob mich auf das Fahrrad und schob mich auf dem Bürgersteig entlang; es tat gut, auf Mariechen hinabzuschauen.
08.08.2009
Zu viel Musik macht mich schläfrig. Bei Verdis „Don Carlos“ (bis kurz vor Mitternacht) – SIE bügelnd, ER andächtig – bin ich neben IHM auf dem Sofa eingenickt.
12.08.2009
Vor 15 Jahren sind sie hierher gezogen – vor meiner Zeit zum Glück, denn im dritten Stockwerk ohne Garten wäre es schlimm, erst recht für Mariechen mit dem 24-stündigen Freiheitsbedürfnis. Heute jammerte das Marie-Katerchen wegen seines Impftermins (also eine Stunde eingesperrt; auch mir wurde ganz anders, als der weiße Käfig auftauchte – hat aber Zeit bis März).
14.08.2009
SIE hat mich im Garten beschützt – vor einem aggressiven Riesenkater, der erst nach ihren deutlichen Unmutsbekundungen und meinem Gepiepse sich verzog. Das werde ich ihr nie vergessen.
18.08.2009
Eine neue Bügelmaschine – SIE freut sich, ich auch über das leisere Geräusch.
19.08.2009
ER ging endlich wieder mit uns spazieren zu einem verwilderten Garten; nur ein grauenhaftes, aggressives Katzentier, das schließlich auch nicht im verlassenen Haus wohnte, trübte kurzfristig die Ausflugsfreuden.
22.08.2009
Seit Tagen schwach und krank mit hohem Fieber, unter das Bett verkrochen – endlich haben sie es bemerkt und mich zwecks Spritze zum Wochenend-Notdienst-Tierarzt gebracht.
24.08.2009
Tagelang saß eigentlich ER oder SIE an meinem Genesungslager, aber heute geschieht gar nichts: SIE hat Geburtstag. Man sitzt voll abgelenkt zu acht auf der Terrasse, mal bei Kuchen, mal bei Abendbrot. Als SIE Kaffee kochte, kam ich mehrmals in die Küche, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
27.08.2009
Mein Befinden weiterhin sich normalisierend, aber Mariechen musste heute nach schlimmer Rauferei mit fremdem Riesenkater zur Tierärztin (sicher dort ein- bis zweimal gepiekst werden wie bei mir).
29.08.2009
Zur Parkbesichtigung mit der Flötengruppe war SIE noch zu schwach, aber beim Überraschungsständchen bei einem silberhochzeitenden Mitglied wirkte SIE mit. Ich blieb wegen Regen im Sessel, wo ER mit Lektüre (J. Austen „Verstand und Gefühl“) meinen Schlaf bewachte. Mariechen erneut verletzt.
01.09.2009
