Mimis Welt - Ella Stein - E-Book

Mimis Welt E-Book

Ella Stein

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Beschreibung

Teil 1 von 2 der Romanreihe über das Leben, die Liebe, Sehnsüchte und Abgründe. Voller Zuversicht zieht Mimi vom Land in die Stadt. Der neue Job soll mehr als eine berufliche Chance sein. Sie will endlich ihre traumatische Kindheit und die ländliche Enge ihrer Heimat hinter sich lassen. Doch ihre Pläne prallen auf die harte Realität. Vor allem der egomanische Hoteldirektor Georg Soyer schürt ihre Unsicherheit. Als Mimi dann auch noch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, beginnt sie ihre Entscheidungen anzuzweifeln. Teil 2: Mimis Welt - Die Sache mit dem Vater

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Seitenzahl: 365

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Die Sache mit dem Kartoffelsack
1 Mimi
2 Georg
3 Mimi
4 Greta
5 Georg
6 Mimi
7 Georg
8 Mimi
9 Georg
10 Mimi
11 Georg
12 Mimi
13 Georg
14 Mimi
15 Greta
16 Georg
17 Mimi
18 Georg
19 Mimi
20 Georg
21 Mimi
22 Georg
23 Mimi
24 Georg
25 Mimi
26 Georg
Die Sache mit Mimis Vater
27 Mimi
28 Greta
29 Georg
30 Mimi
31 Georg
32 Mimi
33 Georg
34 Mimi
35 Georg
Die Sache mit Eva
36 Mimi
37 Georg
38 Mimi
39 Georg
40 Mimi
41 Greta
42 Georg
43 Mimi
44 Georg
45 Mimi
46 Georg
47 Mimi
48 Georg
49 Mimi
50 Georg
51 Mimi
52 Georg
53 Mimi
54 Georg
55 Mimi
56 Greta
57 Georg
58 Greta
Einige Monate später
Glossar
Danke

Über dieses Buch

Voller Zuversicht zieht Mimi vom Land in die Stadt. Der neue Job soll mehr als eine berufliche Chance sein. Sie will endlich ihre traumatische Kindheit und die ländliche Enge ihrer Heimat hinter sich lassen. Doch ihre Pläne prallen auf die harte Realität. Vor allem der egomanische Hoteldirektor Georg Soyer schürt ihre Unsicherheit. Als Mimi dann auch noch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird, beginnt sie ihre Entscheidungen anzuzweifeln.

Ein Roman über das Leben, die Liebe, Sehnsüchte und Abgründe.

Warnung: Thematisiert werden psychische Erkrankungen und sexuelle Gewalt sowie Tod und Kindheitstraumata.

Über die Autorin

Ella Stein wurde 1985 in Österreich geboren und lebt mit ihrer Familie in einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Linz. Bevor sie den Fokus auf das Schreiben legte, durchlief die Juristin zahlreiche berufliche Stationen in den Bereichen Bankwesen, Werbung und PR. Nebenbei ist sie als freiberufliche Trainerin in der Erwachsenenbildung tätig.

Die Freizeit verbringt sie am liebsten in der wunderschönen Natur des Mühlviertels oder im Trubel der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz. So lag es auf der Hand, dass sie ihrer heimatlichen Verbundenheit in ihrem Debütroman Ausdruck verleiht.

Instagram: @ella.stein_schreibt Facebook: @ella.stein.schreibt Mail: [email protected] Web: www.ella-stein.at

Mimis Welt

Die Sache mit dir

Ella Stein

Fotonachweise: Schneespur: © Vadim Fogel – stock.adobe.com Linz: © Wolfgang – stock.adobe.com

ISBN: 9783753483825

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Personen und Handlung sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Für mein Vorbild, mein Herz.

Für Mama.

Die Sache mit dem Kartoffelsack

»Ich will nicht nach vorne gehen!« Und schon gar nicht will sie weinen, daher presst sie trotzig die Lippen aufeinander und verknotet ihre Arme vor ihrer Brust.

Die neue Bluse kratzt an den Ärmeln und das Etikett im Nacken scheuert auch. Bestimmt ist ihre Haut dort schon rau und rot. Am liebsten würde sie sich ausziehen und in ihr Lieblingskleid schlüpfen.

Marie meint immer, dass es wie ein Kartoffelsack aussieht. Aber das ist ihr egal, sie liebt ihr Kartoffelsack-Kleid.

Doch jetzt wird Marie das nie wieder sagen.

»Miriam, bitte, stell dich nicht so an!«

»Ich will das wirklich nicht, Mama. Bitte nicht.«

Mama steht auf, schüttelt den Kopf und geht nach vorne. Ihr Gesicht ist eine einzige Fratze. Die roten Augen und die graue Haut erinnern Mimi an eine Krampusmaske.

Bei dem Gedanken daran, dass Mama wie ein Krampus aussieht, muss sie grinsen. Wird sie jetzt für immer ihre Krampus-Mama bleiben? Das stellt sie sich doof vor.

Mimi findet ihre Mama eigentlich recht hübsch. Sie mag ihr lustiges Lächeln mit den schiefen Zähnen und am liebsten hat sie es, dass Mama immer so heftig mit ihren Händen herumfuchtelt, wenn sie redet oder ein Märchen erzählt.

Mama macht alles so lebendig zuhause. Sogar Papa muss jedes Mal ganz viel lachen, wenn Mama wieder eine ihrer Geschichten von der Arbeit erzählt. Es ist, als wäre man dabei gewesen.

Aber in den letzten Tagen hat Mama keine Geschichten erzählt. Sie hat wohl geredet, mit Papa und mit vielen anderen Menschen, die Mimi niemals zuvor gesehen hat. Jeden Tag kam jemand anderes zu ihnen nach Hause. Manche schleppten Mappen mit sich herum, manche brachten kleine Packungen mit Tabletten mit. Eine Frau war gekommen, die hat Mama sogar eine Spritze gegeben. Warum, weiß Mimi nicht. Sie hat nicht nachgefragt.

Überhaupt hat sie versucht, so wenig wie möglich zu sagen und sich unsichtbar zu machen. Nicht mal in ihrem Zimmer fand sie Ruhe, um mit ihrer Puppe zu spielen. Die Wände zuhause sind dünn, sagt Papa immer. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie Mama bis in den letzten Winkel des Hauses weinen hört.

Sie weint so viel. Das ist unerträglich. Sie weint und weint und weint.

Mimi hat nicht geweint und sie will auch jetzt nicht weinen.

Wenn bloß Mama nicht die ganze Zeit weinen würde. Dann wäre alles leichter. Aber Mimi hat das Gefühl, dass Mama noch sehr viel und ganz lange weinen wird. Vielleicht wird sie für immer weinen? Das wäre schlimm. Mimi kann sich gar nicht vorstellen, wie sie das aushalten soll. Aber sie würde sich einfach weiter ruhig verhalten, Mama nicht aufregen und sich so gut wie möglich unsichtbar machen. Bisher hat das prima geklappt.

Vielleicht kann sie Mama bald wieder einmal umarmen. Das wäre schön.

Die Gutenachtgeschichte am Abend fehlt ihr am meisten. Bis jetzt hat sie gar nicht gewusst, dass das die beste Zeit des Tages ist. Oder war. Marie und sie kuschelten rechts und links von Mama dicht an ihrem Körper und Mama las so toll vor, dass man die ganzen Bilder zu der Geschichte im Kopf sah.

Mama ist immer warm und weich. Manchmal streichelt sie mit ihren Händen so schön über den Rücken.

Ja, die Vorlesezeit am Abend ist wirklich die beste. Oder war. Vielleicht gibt es jetzt nie wieder eine Gutenachtgeschichte von Mama? Mimi hat sich nicht getraut, danach zu fragen. Überhaupt sagt sie im Moment lieber nichts.

Mama mag es nicht mal, wenn Papa mit ihr spricht. Mimi hat gesehen, wie sie ihn weggestoßen hat, als er sie umarmen wollte. Sie ist so wütend auf ihn. Das will Mimi nicht, darum umarmt sie Mama nicht.

Sie stellt sich vor, wie sie heute Abend ihre Puppe wickeln und ihr das Fläschchen geben wird. Sie freut sich so darauf, wenn dieser Tag endlich vorbei ist. Aber das wird noch lange dauern.

Wenn etwas schön ist, vergeht die Zeit immer viel zu schnell. Wenn aber etwas furchtbar ist, dann bleibt sie manchmal auch stehen. Mimi meint fast, dass die letzte Woche mindestens ein Jahr gedauert haben muss.

Das alles macht Mimi schon ein bisschen traurig und wütend. Aber sie will jetzt nicht anfangen zu weinen. Darum geht sie nicht nach vorne und bleibt auf ihrer Bank sitzen.

Sie schaukelt die Beine hin und her. Die Schuhe drücken ganz schön, aber sie behält sie lieber an.

Sie wirft einen Blick nach vorne. Mimi sieht ihre Mama nur von hinten, wie sie da steht. Ihr Kopf hängt runter, genauso wie ihre Haare und die Schultern zittern ganz stark. Sie weint wahrscheinlich. Mimi wundert sich schon wieder darüber, dass man so dermaßen viel weinen kann.

Papa steht neben ihr und legt ihr die Hand auf den Rücken. Mama will nicht, dass Papa sie tröstet. Sie geht einen Schritt zur Seite und jetzt stehen beide da oben, nebeneinander und dazwischen ist trotzdem ganz viel Platz.

Mimi könnte nach vorne gehen und sich zwischen sie stellen. Aber das traut sie sich nicht.

Mama und Papa schauen bestimmt beide auf den kleinen weißen Sarg vor ihnen, vielleicht sind ihre Augen aber auch geschlossen. Mimi weiß es nicht.

Der ganze Raum ist voller Menschen und es ist still. Sie will nach Hause und allein sein. Obwohl es keinen Unterschied macht. Sie ist auch hier allein. Niemand der Leute hat mit ihr geredet, keiner hat sie angesehen.

Da hätte ich mir doch den Kartoffelsack anziehen können, denkt Mimi und lächelt bei dem Gedanken an Maries Worte über ihr Lieblingskleid.

1 Mimi

Mimi stand im Flur. Er bot kaum Platz für sie und ihren alten, braunen Koffer. Düster und beengt lag das Zimmer vor ihr, ganz anders als auf den Fotos im Internet. Es gab einen winzigen Balkon mit Blick auf die Donau und ein Fenster neben dem bescheidenen Schrank für das Geschirr. Die Küchenzeile erinnerte sie an jene in dem alten Puppenhaus, das Papa für Marie und sie gebaut hatte: ein Herd in Spielküchengröße, zwei Kochplatten, daneben ein Spülbecken und kaum Stauraum. Das Modernste war noch der monströse freistehende Kühlschrank aus Edelstahl, der den Wohnraum dominierte.

Mimi zog die Schuhe aus und stellte sie vor die Haustür. Ihre Socken klebten am schmutzigen Boden fest, als sie die ersten Schritte in ihr neues Zuhause wagte. Ihre erste eigene Wohnung. Bis vor ein paar Wochen hatte hier ein Langzeitstudent in seinen Dreißigern gehaust, der über Nacht entschieden hatte, mit seinem Kumpel eine Strandbar in Australien aufzumachen. Nach dem kurzen Rundgang stellte sie sich in die Mitte des einzigen Raumes, der Küche, Schlafmöglichkeit und Wohnzimmer zugleich war. Daneben gab es nur den Flur und ein Bad mit Toilette. Endlich wurde Mimi klar, warum der Makler auf Eile beim Vertragsabschluss gedrängt hatte. Zimmer und Möbel waren in einem erbärmlichen Zustand. Und der Abfluss im Bad stank widerlich.

Ohne einen einzigen Besichtigungstermin hatte Mimi ihre Unterschrift unter den Mietvertrag über die ›sonnendurchflutete Einzimmerwohnung im wunderschönen Linzer Stadtteil Alturfahr‹ gesetzt und die Kaution und die Ablöse für die alten Möbel überwiesen. Auf einen Schlag brachte sie sich so um nahezu all ihre Ersparnisse. Dennoch fühlte sie sich befreit. Mit einem zufriedenen Seufzen ließ sie sich bäuchlings auf die Schlafcouch fallen. Doch als ihr klar wurde, was auf dem alten Teil wohl schon alles passiert war, sprang sie schnell wieder auf. Sie hatte ohnehin keine Zeit, sich auszuruhen. Eine Menge Arbeit wartete auf sie, denn sie war fest entschlossen, diese Wohnung in ihr Paradies zu verwandeln. Frische Farbe an den Wänden, eine gründliche Putzaktion, die eine oder andere Kerze und eine Topfpflanze würden einiges dazu beitragen.

Mimi blieb bloß dieses eine Wochenende, um ihre umfassende To-do-Liste abzuarbeiten. Denn am Montag fing sie als Servicemitarbeiterin im Parkhotel an. Das stylische, an einem Park gelegene Innenstadthotel gehörte zur berühmten Soyer-Group und hatte erst vor zwei Jahren seine Eröffnung gefeiert. Für Berufseinsteiger bot die Hotelkette ausgezeichnete Chancen, in der Hotellerie Fuß zu fassen und die Karriereleiter hochzuklettern. Es gab unzählige Tourismusschulen und die Absolventen wussten, dass man ganz unten anfangen musste. Wenn man Glück hatte, kam man als Concierge oder Kellnerin in einem namhaften Hotel unter. Wenn nicht, rackerte man sich schlimmstenfalls jahrelang in schäbigen Pensionen ab.

Warum Mimi ohne Vorstellungsgespräch lediglich aufgrund ihrer Bewerbungsunterlagen eingestellt wurde, war ihr ein Rätsel. Ihre Noten waren eher durchschnittlich. Die vier Pflichtpraktika in ihrer Schulzeit hatte sie alle im Zehn-Kilometer-Radius ihres Elternhauses im Mühlviertel abgeleistet und auch sonst hatte sie keine speziellen Kenntnisse vorzuweisen. Natürlich hakte sie nicht nach. Nach einem kurzen Telefonat mit dem gelangweilt wirkenden Hoteldirektor schloss sie einen Standardvertrag per Mail und fing an zu packen.

Gerade als sie aus der Tür trat, um sich mit Putzsachen und Farbe einzudecken, klingelte ihr Handy in der Tasche. Für diesen Anruf kam ausschließlich eine Person in Frage. Seit zwei Tagen versuchte Alex sie nun schon zu erreichen, aber sie konnte sich nicht dazu durchringen, mit ihm zu sprechen. Als sie ihm vor einer Woche eröffnet hatte, dass sie nach Linz ziehen würde, war er fassungslos gewesen. Sie waren keine sechzig Kilometer voneinander entfernt und dennoch lag eine unüberwindbare Distanz zwischen ihnen. Sie hätte es ihm früher sagen sollen. Aber weil sie sicher war, dass er am Boden zerstört sein würde, hatte sie es immer wieder vor sich hergeschoben.

Den Entschluss, aus ihrem Heimatdorf wegzuziehen, hatte sie direkt nach dem Schulabschluss gefasst. Genau in dem Moment, als sie ihr letztes Zeugnis in der Hand hielt. Bereits viel früher war ihr klar geworden, dass sie in Aigen-Schlägl nicht ewig bleiben würde und sie sah sich sowohl in Österreich als auch im nahegelegenen Ausland nach Jobs um. Zahlreiche Gründe hätten dafür gesprochen, zuhause zu bleiben. Durch ihren Schulabschluss im Fachbereich Tourismus waren die Gastronomen und Hoteliers in der Region begierig darauf, sie einzustellen. Alle warteten auf sie, das nette Mädchen, das jeder kannte und jeder mochte. Sie war hübsch, herzlich, zuvorkommend und ein ehrlicher Mensch. Sie passte perfekt ins Bild des beliebten Kurzurlaubsziels, das sowohl Outdoorsportbegeisterte wie auch Wellnessliebhaber anlockte. Abgesehen davon hatte sie dort eine Handvoll guter Bekannte, die sie bereits ewig kannte. Darunter Alex, ihren besten Freund seit der Kindergartenzeit.

Im Dorf munkelte man, dass sie beide eines Tages gemeinsame Wege gehen würden, sowohl in Bezug auf Familienplanung als auch im Berufsleben. Denn Alex würde in absehbarer Zeit das Hotel seiner Eltern übernehmen. Sie hatten oft darüber gescherzt, wie es denn wäre, wenn sie sich auf den für sie vorgezeichneten Weg einließen und sich regelmäßig die Bäuche gehalten vor Lachen. Mimi verdrängte ihre Ahnung, dass sich Alex genau das wünschte. Er schwärmte seit Jahren für sie und machte unterschwellige Annäherungsversuche, die sie stets freundlich ignorierte. Bis auf das eine Mal.

Letztendlich fand er sich damit ab oder wartete darauf, dass Mimi irgendwann doch noch auf seine Avancen reagieren würde. Sie hingegen wollte die Freundschaft mit Alex auf keinen Fall riskieren. Denn es hatte Zeiten gegeben, da waren es bloß er und seine Eltern gewesen, die ihr Halt gegeben hatten. Er war wie ein Bruder für sie, seine Eltern ihre Ersatzfamilie, der sie näher stand als ihrer eigenen Mutter. Niemals wäre sie auf die Idee gekommen, eine Beziehung mit ihm anzufangen, um letzten Endes vielleicht alles zu verlieren.

Sie war nicht überrascht, dass Alex geschockt auf ihre unmittelbar bevorstehenden Umzugspläne reagierte. Geduldig ließ sie die Vorwürfe, die er ihr an den Kopf warf, über sich ergehen. Als er am Ende weinend zusammenbrach, nahm sie ihn fest in den Arm. Sie sah ihm tief in die Augen und erklärte ihm, dass er sie nicht umstimmen konnte. Alex meldete sich tagelang nicht, bevor seine verzweifelten Anrufversuche begannen. Doch sie war noch nicht so weit. Mimi brauchte Zeit und vor allem brauchte sie Abstand. Abstand zu ihrer Heimat und ihrem alten Leben und beides war zwangsläufig mit ihm verbunden.

Sie drückte den Anruf entschlossen weg und verließ die Wohnung.

Mimi stand vor dem Empfangstresen des Parkhotels. Auf den verspiegelten Flächen tanzten raffinierte Lichtspiele. Die halbrunde Theke war inmitten der modernen, gigantischen Lobby platziert. Alles hier war riesig. Sogar die grünen Katzenaugen der Rezeptionistin, in die sie guckte.

»Guten Tag, ich bin Miriam Lenz. Ich trete heute meinen neuen Job im Restaurant an und habe um zehn Uhr einen Termin mit Herrn Soyer.«

»Junior oder Senior?«, fragte die Dame kurz angebunden. Sie ordnete ihren schwarzen Longbob mit ihren perfekt manikürten Fingern und musterte ihr Gegenüber abschätzig.

Mimi hatte ihr bestes Outfit aus den Umzugskartons gefischt, nur um festzustellen, dass es hoffnungslos zerknittert war. Sie besaß weder Bügeleisen noch Bügeltisch. Sie hatte nicht einmal eine Waschmaschine. Notgedrungen hatte sie sich am Wochenende quer durch die Stadt auf die Suche nach einer Textilreinigung gemacht, die ihre Kleidung im Eiltempo auffrischen konnte. So trat sie nun in einem dunkelblauen Bleistiftrock, passendem Blazer und einer neuen, blütenweißen Bluse von einem Fuß auf den anderen.

Junior oder Senior? Diese Frage konnte sie nicht beantworten. Ihr war bis eben nicht klar gewesen, dass mehrere Soyers zur Auswahl standen.

»Tut mir leid, das weiß ich nicht«, antwortete sie wahrheitsgemäß und lächelte entschuldigend.

Die Dame kniff ihre fehlerlos bemalten Lippen aufeinander. »Wenn Sie eine Neue sind, dann müssen Sie wahrscheinlich zu Herrn Soyer junior. Warten Sie einen Moment.«

Mimi lief rot an. Die Rezeptionistin griff nach dem Telefonhörer, um sie anzumelden.

»Sie werden von ihm erwartet. Sein Büro befindet sich im sechsten Stock, erste Tür links, gleich neben dem Aufzug.«

Mimi bedankte sich rasch. Sie war erleichtert, der herablassenden Person zu entkommen, und marschierte in Richtung Lift. Drinnen drückte sie den Knopf für die richtige Etage und nutzte die Fahrtzeit, um im Fahrstuhlspiegel ihr Erscheinungsbild nochmals zu überprüfen. Das Kostüm saß, die dazu passenden, flachen Schuhe glänzten und die Strümpfe waren makellos. Ihr Make-up war dezent und das dunkelblaue Haarband hielt ihre langen blonden Haare in einem Pferdeschwanz straff zusammen. Zufrieden atmete sie mehrmals tief durch, bevor sich die Aufzugtür mit einem leisen Ping öffnete.

»Herein!«, ertönte es.

Mimi trat in ein riesiges Büro, das nichts weiter beinhaltete als einen wuchtigen Schreibtisch mit dazugehörigem Drehstuhl, ein Bücherregal und zwei Besuchersessel aus Leder.

»Guten Tag.«

»Hallo, Frau Lenz! Setzen Sie sich, füllen Sie diese beiden Formulare aus und dann nehmen Sie sie mit ins angrenzende Büro. Dort erwartet Sie Pamela, meine Sekretärin. Sie wird Ihre Anmeldung vornehmen, Ihnen passende Dienstkleidung aushändigen und Sie ins Restaurant begleiten.«

Der Hoteldirektor übergab ihr zwei Blätter Papier und einen Kugelschreiber, bevor er sich wieder seinem Bildschirm zuwandte. Mimi setzte sich auf einen der bequemen Stühle und versuchte erst gar nicht, das Gespräch aufrecht zu erhalten. Er hatte deutlich klargemacht, dass er daran kein Interesse hatte. Verstohlen musterte sie über die Ränder der Formulare hinweg ihren neuen Chef. Vor ihr saß ein gutaussehender Mann um die dreißig. Er trug einen schwarzen Anzug mit Krawatte und eine sündhaft teure Uhr, soweit sie das beurteilen konnte. Seine braunen Haare vermittelten den Eindruck, als sei ihm sein Aussehen egal, doch vermutlich bezahlte er für diesen Haarschnitt mehr, als Mimi in einem Monat für Lebensmittel ausgab.

Wie es aussah, fand er es nicht der Mühe wert, neue Mitarbeiter willkommen zu heißen. Enttäuscht löste Mimi ihren Blick von ihm und widmete sich den Formularen.

»Fertig!« Sie legte den Kugelschreiber zurück auf den Tisch.

»Sehr schön. Bringen Sie die Sachen nach nebenan. Pamela wartet schon auf Sie. Wir sehen uns.«

2 Georg

»Ja, bleib genau so. Das sieht gut aus, beweg dich nicht.« Georg lehnte in der Ecke seines Büros und betrachtete Olivia.

Sie lag mit dem Oberkörper nach vorne gebeugt auf seinem Schreibtisch. Ihr makelloser Körper streckte ihm ihren Po entgegen. Der Rock war höher gerutscht, sodass er ein Stück des Slips sehen konnte.

»Ich sagte doch, keine Unterwäsche heute.« Ungehalten stieß er sich von der Wand ab und schlenderte gemächlich auf den Schreibtisch zu. Er ließ seine Hand über ihren Rücken gleiten. Kurz dachte er darüber nach, mit ihr zu schlafen. Aber sie hatte nicht auf ihn gehört und er konnte warten.

»Warum gehorchst du mir nicht, Olivia?«, raunte er ihr ins Ohr. Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf. Er zog seine Hand zurück. Olivia stöhnte frustriert auf.

»Antworte mir!«, befahl er und presste sich an sie.

»Der Rock ist zu kurz, ich wollte nichts riskieren. Dein Vater ist heute hier. Lass mich dich spüren, bitte«, flehte sie ihn an und rieb sich herausfordernd an ihm.

»Mein Vater. So, so. Du gehorchst mir nicht und du weißt, was ich davon halte. Ich werde das sanktionieren, Olivia. Aber nicht jetzt, ich habe zu tun.«

Unvermittelt entfernte er sich von ihr und ließ sich auf seinen Bürostuhl sinken.

Er hatte vergessen, dass sein Vater heute hier auftauchte. Das bedeutete, dass er den Nachmittag in einem anstrengenden Meeting mit ihm, Pamela und Restaurant-Chef Lars verbringen würde. Augenblicklich wurde er müde.

»Bitte Georg«, flüsterte Olivia und blieb weiter ausgestreckt auf seinem Tisch liegen.

Es waren diese Momente, die Georgs Gemüt aufrichteten und ihn immer wieder zum Leben erweckten.

Er hatte Geld, er hatte Macht. Doch er langweilte sich. Erst wenn ihm sein Vater endgültig das Ruder über die Soyer-Group übergab, würde sein Leben perfekt sein. Aber der alte Herr meinte, Georg sei noch nicht so weit. Er kannte alle Sätze auswendig. Wenn es still um ihn war, hörte er sie. Nachts träumte er davon.

Es waren Sätze wie:

»Meine gesamte Energie habe ich in die Weiterentwicklung dieser Hotelgruppe gesteckt. Und du willst alles kaputtmachen, du verdammter Versager? Das werde ich nicht zulassen!«

»Ich bin durchaus in der Lage, ein Hotel zu führen, Vater. Und ich werde auch die Soyer-Group nach Großvaters Vorstellungen weiterführen, wenn du dich zur Ruhe setzt.«

»Du? Du hast doch noch nie etwas auf die Reihe bekommen. Dein Großvater mit seinen lächerlichen zwei Hotels. Das alles hier habe ich aufgebaut und zu dem gemacht, was es heute ist.«

»Das stimmt nicht, und das weißt du.«

»Natürlich stimmt das. Ich habe die Schnauze voll von dir und deinen Freunden, euren Partys, eurem Leben, als gäbe es kein Morgen. Tag und Nacht habe ich für die Soyer-Group gelebt und gearbeitet. Philipp hätte die Hotelkette übernehmen sollen. Dann könnte ich schon längst meinen Ruhestand genießen.«

Aber es konnte nicht mehr lange dauern, bis er endlich am Zug war. Vaters Herz stolperte in letzter Zeit hin und wieder.

Georg schloss für einen kurzen Moment die Augen. Da fiel ihm die neue Kellnerin wieder ein. Der unschuldige Blick, die kindliche Aufgeregtheit wegen des Jobs und diese entzückende Unsicherheit. Er hatte sie kaum beachtet, aber ihre Zeit würde noch kommen. Er konnte sie alle haben und auch sie würde keine Ausnahme sein, sobald sie sich hier eingelebt hatte.

Als ihre Bewerbung auf seinem Schreibtisch gelandet war, hatte ein kurzer Blick auf das Foto genügt. Grund genug für ihn, sie einzustellen. Diese Form der Personalauswahl war unkonventionell, aber der Erfolg gab ihm Recht. Die Geschäftsreisenden freuten sich über die motivierten und hübschen Damen, die sich beim Einchecken, Essen und bei einer entspannenden Wellnessbehandlung nach einem harten Arbeitstag um sie kümmerten. Die meisten männlichen Gäste waren einfach gestrickt. Und die weiblichen hatten das Gefühl, es zu mehr gebracht zu haben, als zur Kellnerin oder Rezeptionistin. Sie amüsierten sich dabei, die Püppchen nach ihren Wünschen tanzen zu lassen. Eine Win-win-Situation.

»Runter vom Schreibtisch und auf die Knie«, sagte er schroff und stand auf, um sich vor Olivia zu stellen. Sie sank prompt zu Boden.

»Georg, bitte«, wimmerte sie.

»Sei still, Olivia«, sagte er rau und öffnete seine Hose. Er würde sie am Abend anrufen, ein Taxi zu ihrer Wohnung schicken und sie zu sich bestellen. Dann würde sie auf ihre Kosten kommen. Aber nicht jetzt. Jetzt war er dran.

3 Mimi

Mimis Beine waren schwer und sie freute sich darauf, aus ihren Schuhen und Kleidern zu schlüpfen. Sie hatte sich an ihrem ersten Tag gut geschlagen. Zu Mimis Erleichterung hatte sich Pamela, die Sekretärin, als sehr freundliche, ältere Dame entpuppt. Zuerst schüttelte sie Mimi herzlich die Hand und wünschte ihr dann einen tollen Start in den neuen Job. Sie erzählte, dass sie schon ewig für die Soyers arbeitete und versicherte, dass sich die Mitarbeiter bei Fragen oder Problemen jederzeit an sie wenden konnten. Etwas beruhigter schnappte sich Mimi die Arbeitsklamotten und zog sich in der Garderobe um. Die dunklen Strümpfe, der schwarze Rock und die cremefarbene Bluse saßen. Nachdem sie sich zufrieden im Spiegel betrachtet hatte, ließ sie sich von Pamela den Weg zum Restaurant zeigen. Dort warteten ihre neuen Kollegen schon auf sie.

»Hallo, ich bin Lars Roche, der Restaurantleiter.« Ein großer, gepflegter Mann um die vierzig streckte Mimi die Hand entgegen und lächelte ihr aufmunternd zu. »Willkommen in unserem Team, wir haben uns schon sehr auf dich gefreut. Das ist Anita.«

Er zeigte auf die junge Frau, die neben ihm stand und sie ebenfalls anlächelte.

So unterkühlt der Start hier im Hotel auch war, Pamela und die beiden hatten dies wieder wettgemacht. Mimi atmete erleichtert auf. Sie hatte alles auf eine Karte gesetzt und ihr wurde erneut bewusst, wie unbedarft sie sich in dieses Abenteuer gestürzt hatte.

Lars erklärte ihr, dass Anita eine der Kolleginnen war, mit denen sie sich künftig die Schichten teilen würde. Die Frühstückscrew räumte die letzten Reste des Buffets weg und säuberte die Tische. Mittags war meist wenig los, da das Hotel vorrangig Geschäftsreisende beherbergte. Der Großteil der Mittagsgäste fiel in die Kategorie Laufkundschaft, wie es in Städtehotels üblich war. Es war also der ideale Zeitpunkt, sich einzugewöhnen, um künftig die durchaus stressigen Abendschichten durchzuhalten.

»Schön, dass du da bist. Wir können wirklich Unterstützung gebrauchen!« Anita schnappte Mimi am Arm und zog sie mit sich, um ihr alles zu zeigen.

Sie wurde sofort eingespannt. Nach einer Stunde waren die Tische feinsäuberlich gedeckt, sie hatte einen Überblick, wo sich das Mis en Place befand, und die ersten Gäste kamen. Ohne Anita wäre sie heillos verloren gewesen, denn sie hatte keine Ahnung, wie das Buchungssystem funktionierte. Die Informationen, die sie vorab per Mail erhalten hatte, reichten lange nicht aus, um einen Tisch alleine bedienen zu können. Ihre anfängliche Nervosität besiegte sie dennoch schnell und brachte die erste Schicht ohne gröbere Missgeschicke hinter sich. Die Leute an ihren Tischen waren zufrieden. Gegen halb zehn trug sie die letzten schmutzigen Teller in die Küche. Bei dieser Gelegenheit verabschiedete Lars sie mit lobenden Worten in den Feierabend.

Den ganzen Tag lang war sie unheimlich aufgeregt gewesen. Nun fiel langsam die gesamte Anspannung von ihr ab. Sie schleppte sich mühsam die ersten Stufen hinauf zu ihrer Wohnung, als sie gegen eine herunterstürmende Person stieß.

Mimi stöhnte auf und hielt sich eben noch am Treppengeländer fest, um nicht nach hinten zu kippen.

»Oh mein Gott, habe ich dir wehgetan?« Vor ihr stand eine junge Frau mit besorgter Miene.

»Es geht schon«, antwortete sie und wollte sich an ihr vorbeischieben. Ihr Bett schrie nach ihr.

»Hey, bist du nicht die Neue hier? Ich bin Greta und wohne im dritten Stock.« Mimi schüttelte Gretas Hand.

»Mimi.«

»Tut mir leid, Mimi, ich war wohl etwas zu stürmisch. Wollte mir eben noch schnell was zu essen holen und mir dann einen Film ansehen. Da habe ich nicht auf Gegenverkehr geachtet«, entschuldigte sich Greta. »Möchtest du auch was?«

Wurde sie gerade von einer fremden Person zu einem gemeinsamen Essen eingeladen?

»Äh, nein danke, ich habe keinen Hunger und mein Tag war sehr anstrengend. Vielleicht ein anderes Mal.«

»Klar gerne, kannst es dir ja noch überlegen. Ich wohne genau unter dir, falls du doch noch Lust auf einen Film und Pizza hast.« Mit diesen Worten machte Greta am Absatz kehrt und verschwand durch die Haustür.

Dreißig Minuten später warf sich Mimi frisch geduscht auf ihr Sofa. Sie hatte am Wochenende ganze Arbeit geleistet. Die Wohnung duftete herrlich. Alles war sauber geputzt und die Wände strahlten aufgrund der frischen, weißen Farbe. Der Raum wirkte einladend, fast schon heimelig. Sie freute sich auf einen gemütlichen Abend und schnappte sich ihr Handy. Ihr E-Mail-Postfach zeigte keine neuen Nachrichten. Die SMS ihrer Mutter überflog sie kurz, ließ sie aber vorerst unbeantwortet. Einen Moment lang dachte sie an Alex und daran, dass sie ihn vermisste. Er hatte seine Anrufe mittlerweile eingestellt. Sie hätte ihn gerne angerufen, um ihm von ihrem ersten Tag im Hotel zu erzählen. Vermutlich hätte sie über die Rezeptionistin gelästert und er hätte sich über ihre bildhaften Schilderungen schlappgelacht. Aber sie rief ihn nicht an.

Es war kurz vor elf, als sich ein leises Hungergefühl in Mimi ausbreitete. Vor lauter Aufregung hatte sie den ganzen Tag kaum gegessen und der Kühlschrank war leer. Sie war noch nicht dazugekommen, Lebensmittel einzukaufen. Und auf dem Heimweg vom Hotel waren die Geschäfte schon geschlossen gewesen. Bevor sie es sich anders überlegen konnte, griff sie sich ihren Schlüssel und marschierte kurzentschlossen in ihren schlabbrigen Jogginghosen zu ihrer neuen Nachbarin.

Greta war nicht im Geringsten überrascht, als Mimi vor ihrer Tür stand. Die beiden lümmelten auf der Couch, aßen Reste einer kalten Pizza und tranken Bier aus der Flasche.

»Von diesem Hotel habe ich schon gehört. Mein Bruder hat mir davon erzählt. Er arbeitet in der Kanzlei, die das Hotel vertritt.«

Mimi sah sich um. Gretas Wohnung war größer als ihre. Alles deutete darauf hin, dass sie alleine hier wohnte. Die Räume, die sie bisher gesehen hatte, hatten eine deutlich weibliche Note. Helle Farben, Blumen, verspielte Dekoration. An den Wänden hingen geschmackvolle Aktfotos, die allesamt Greta zeigten. Der ungewöhnliche Einsatz von Licht und Schatten, Konturen und Posen regte Mimis Fantasie an, denn das Intimste blieb verborgen. Dennoch waren sie so reizvoll, dass sie kaum den Blick davon abwenden konnte. Der Fotograf war offensichtlich ein wahrer Meister seines Fachs und Mimi hätte gerne nach ihm gefragt. Sie erinnerte sich jedoch daran, dass sie ihre Nachbarin eben erst kennengelernt hatte, und hob sich die Frage für einen späteren Zeitpunkt auf.

»Und jetzt zu dir, was arbeitest du?«, Mimi ließ sich mit ihrem Bier in die Sofakissen sinken.

»Tja, man könnte sagen, ich bin das schwarze Schaf der Familie. Meine Mutter ist Richterin, mein Vater hat eine Anwaltskanzlei und mein Zwillingsbruder arbeitet dort als Anwalt. Eine richtige Juristenfamilie eben. Ich habe selbst Rechtswissenschaften studiert, weil es ganz einfach von mir erwartet wurde. Aber dann habe ich mich in die Fotografie verliebt und seitdem ist das mein Leben.« Gretas Augen blitzten leidenschaftlich auf.

»Das klingt toll. Kein Wunder, dass du so großartige Bilder von dir hast. Du scheinst talentierte Kollegen zu haben«, schmunzelnd deutete Mimi auf die Aktfotos.

»Ach die, ja ...«, Gretas Blick folgte ihrem Finger und sie hielt einen Moment lang inne. »Die hat ein Freund vor einigen Jahren von mir geschossen.«

Sie wirkte nachdenklich, doch kurz darauf klärten sich ihre Augen wieder.

»So knackig bin ich leider nicht mehr. Ich bin ja nicht mehr Anfang zwanzig, so wie du.« Lachend stießen sie die Flaschen zusammen und Mimi musterte sie verstohlen.

Ihre neue Nachbarin war top in Form, ihre Figur war tadellos und die braunen, langen Haare fielen ihr in unordentlichen Wellen über die linke Schulter. Sie war wirklich sehr hübsch und Mimi konnte keinen Unterschied zwischen Greta, wie sie vor ihr saß, und der Frau auf den Bildern feststellen.

Greta erzählte noch ein bisschen von ihrer Familie. Diese hatte ihre Entscheidung, der Juristerei den Rücken zu kehren, nicht gut aufgenommen. Die Beziehung war seither, gelinde gesagt, angeschlagen. Nur ihr Zwillingsbruder und sie standen sich noch sehr nahe. Durch Gretas Ausscheiden aus dem engsten Familienverband wurde er zum Lieblingskind erkoren und revoltierte, indem er den trockenen Berufsalltag eines Anwalts mit einem umso lebhafteren Privatleben kompensierte.

»Ich sollte jetzt gehen. Es war ein langer Tag. Danke, dass du mich so freundlich aufgenommen hast.« Mimi schwang sich mit letzter Kraft auf und torkelte auf wackeligen Beinen zur Tür.

Greta umarmte sie zum Abschied herzlich und wünschte ihr eine gute Nacht. Kurz darauf ließ sich Mimi auf ihr Schlafsofa fallen und schlief sofort ein.

4 Greta

Erleichtert darüber, dass Mimi nicht weiter nach den Fotos gefragt hatte, lehnte sich Greta auf ihrem Sofa zurück. Auf keinen Fall wollte sie Mimi anlügen. Dafür mochte sie sie jetzt schon zu sehr. Als später Gast war sie heute in ihr Leben getreten und nun ging sie als Freundin. Irgendetwas sah Greta in ihr, das sie an ihr eigenes Leben erinnerte. Sie konnte nur noch nicht begreifen, was es war.

Die Wahrheit über Marco konnte sie Mimi nicht erzählen. Die Sache mit ihm war zu bitter, als dass man sie erzählen könnte. Und außerdem war sie vorbei. Endgültig vorbei, für immer. Alles, was geschehen war, würde für die Ewigkeit so stehen bleiben. Auch würde sie weiterhin ihr Leben bestimmen.

Marcos Worte »Verschwinde endlich, du Miststück!«, die er ihr entgegengeschleudert hatte, hallten noch jetzt in Gretas Kopf. Sie hörte sie, wenn sie wach war und sie hörte sie in ihren Träumen. Manchmal waren die Worte so laut, dass sich ein alarmierender Pfeifton darüberlegte, der sie schmerzerfüllt aufschreien ließ.

»Verschwinde endlich, du Miststück!«, schrie er und wandte sich von ihr ab. In diesem Moment hatte sie ihn für immer verloren. Von einem Augenblick auf den anderen hatte er sie verlassen.

5 Georg

Georg sah auf die Uhr, zog ein letztes Mal an seiner Zigarette, bevor er sie im Aschenbecher ausdrückte und die Papiere angewidert in die Aktentasche warf. Sein Vater hatte ihn mit einer Menge Arbeit zugeschüttet. Das Meeting war unerwartet lang gewesen und er hatte allerlei Vorwürfe kassiert. Unreif sei er, unfähig ein Hotel zu leiten, ein geiler Bock, der nur Frauen und Partys im Kopf hätte. Mittlerweile hatte er sich damit abgefunden, dass sein Vater nicht allzu viel von ihm hielt, und wartete geduldig darauf, dass dieser in naher Zukunft endlich abdanken würde. Er hatte eine exzellente akademische Ausbildung genossen, diverse Praktika absolviert und war gewieft. Natürlich eilte ihm sein Ruf als Lebemensch voraus, trotz alledem war er ein Geschäftsmann.

Pamela hatte ihn beim Meeting ein paar Mal verteidigt, aber der alte Herr war erbarmungslos. Die Sekretärin hatte alles eifrig protokolliert und Georg kurz danach eine perfekt ausgearbeitete To-do-Liste ausgehändigt. Die letzten Stunden hatte er damit zugebracht, jeden einzelnen Punkt davon gewissenhaft abzuarbeiten. Das Abhaken der Positionen hatte eine beruhigende Wirkung auf ihn.

Nun war er fertig und es war Zeit zu spielen. Er nahm die Brille ab und legte sie auf den Küchentresen in seiner riesigen Wohnküche. Meist trug er Kontaktlinsen, aber abends schmerzten ihn die trockenen Augen. Er stürzte ein Glas schottischen Single Malt herunter und milderte ihn mit einem Schluck Wasser ab. Dann wusch er sich die Hände. Er verteilte die Seife sorgfältig auf den Handflächen, den Handrücken, zwischen seinen Fingern und begann zu schrubben.

Den ganzen Tag schon freute er sich auf diesen Abend. Viel wusste er nicht über Olivia, denn sie war ein verschlossener Mensch. Aber sie war bereit, sich ihm zu unterwerfen. Sie vertraute ihm und ließ ihn seine Fantasien an ihr ausleben, auch wenn in den letzten beiden Jahren der ein oder andere echt kranke Mist dabei gewesen war.

Als Georg sie einstellte, hatte sein Vater erschüttert reagiert.

»So eine junge Frau willst du als Rezeptionsleiterin einstellen? Wo kommen wir denn da hin! Dieses Hotel soll die Top-Adresse der Stadt werden. Und du gibst diesen Job einer so unerfahrenen Göre? Was sollen denn die Gäste denken? Wir haben einen Ruf zu verlieren, junger Mann. Und bloß weil ich dich hier Direktor spielen lasse, heißt das noch lange nicht, dass du alles besser weißt«, hatte er gewettert.

Aber der Arbeitsvertrag war unterzeichnet und sämtlichen Bewerbern für die Stelle bereits abgesagt worden. Eine Personalentscheidung so kurzfristig zu revidieren warf in den Augen des Seniorchefs ein schlechteres Licht auf das Hotel, als das Arbeitsverhältnis nach ein paar Monaten wegen sogenannter unüberbrückbarer Differenzen aufzulösen. Olivia war wirklich jung, sah wahnsinnig gut aus und war immer perfekt gestylt. Abgesehen davon hatte sie sich nach kurzer Einarbeitungszeit als hochqualifizierte Rezeptionistin herausgestellt. Sie hatte den Empfangsbereich des Hotels und die Gäste im Griff. Selbst sein Vater hatte das bald einsehen müssen.

Sorgfältig trocknete er seine Hände in einem frischen Handtuch ab und blickte dabei aus dem Fenster in den riesigen Garten. Das Terrassenlicht beleuchtete die vordere Hälfte. Am anderen Ende spendeten fackelartige Pfosten Licht. Sein Haus lag im hinteren Teil einer abgelegenen Siedlung in der Nähe des Hafens. Er hatte die Immobilie von seinem Großvater geerbt. Kurzerhand hatte er die alte Villa abreißen und auf dem großzügigen Grundstück ein modernes Stadthaus errichten lassen. Dies war der nächste Schock für seinen Vater gewesen, der sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer höchst empfindlichen Phase befunden hatte. Es war nicht etwa so, dass der Tod des alten Soyers, des Gründers der berühmten Soyer-Group und gleichzeitig Georgs Großvater, seinen Vater in tiefste Trauer gerissen hätte. Es zählten, wie immer, nur das Geld und die Macht für Georgs alten Herrn.

Als der Notar mit monotoner Stimme das Testament verlas, war Georg fast vom Stuhl gefallen, genauso wie sein Vater. Es hätte sie beide bereits nachdenklich stimmen sollen, dass der Notar ausdrücklich auf Georgs Anwesenheit bestanden hatte, als es darum ging einen Termin für die Testamentseröffnung zu vereinbaren. Damit, dass Georgs Großvater selbst tot noch die Pläne des älteren seiner beiden Söhne durchkreuzen würde, hatte keiner von ihnen gerechnet.

Georg hörte durch das gekippte Wohnzimmerfenster auf der gegenüberliegenden Seite des riesigen Raumes, wie jemand eine Autotür zuschlug. Also hängte er das Handtuch sorgfältig zum Trocknen auf und ging zur Haustür. In den Häusern rund um ihn brannte kaum Licht. Überhaupt war die Gegend ruhig und verschlafen. Georg war sich also sicher, dass das Taxi, das er zu Olivias Wohnung bestellt hatte, eingetroffen war. Voller Vorfreude öffnete er die Knöpfe an den Ärmeln seines schwarzen Hemdes und krempelte sie bis zu den Ellenbogen hoch.

Er betrachtete Olivia, wie sie hochmütig und ohne Eile durch den kalten Nieselregen schritt, ganz so als gehörte ihr die gesamte Welt. Man hätte meinen können, der Regen setzte bloß deshalb ein, um sie berühren zu dürfen. Wenn er sich vorstellte, wie er sie in wenigen Augenblicken dazu bringen würde, winselnd unter ihm zu liegen, beschleunigte sich sein Puls. Als Olivia die Eingangstür erreichte, schenkte sie ihm ein betörendes Lächeln. Sie hatte gute Laune. Georg setzte seine undurchdringliche Miene auf und sah ihr ernst und direkt ins Gesicht. Sofort fiel sie in die für sie vorgesehene Rolle und senkte den Blick. Er verschwendete keine Worte für eine Begrüßung.

»Du hast heute Unterwäsche getragen, obwohl ich es dir verboten habe.« Georgs Stimme war leise, aber fest.

»Es tut mir leid. Ich hatte Angst, da dein Vater heute im Hotel war.«

»Das sagtest du ja schon. Aber mein Vater ist nicht derjenige, der die Regeln festlegt, sondern ich bin das. Und du hast dich mir widersetzt. Dreh dich um, Olivia, mit dem Gesicht zur Wand und schieb dein Kleid hoch.«

Ohne jede Eile öffnete Georg seinen Gürtel und zerrte ihn aus der Hose. Das Geräusch des Leders auf der nackten Haut leerte seinen Kopf und der Druck des ganzen Tages fiel in diesem Augenblick von ihm ab. Georg drehte sie um, hob sie hoch und trug sie in den ersten Stock, direkt in sein Schlafzimmer. Olivia runzelte verwundert die Stirn. Sie hielten sich nicht oft in diesem Zimmer auf. Das Haus verfügte über einige Gästezimmer, die Georg für seine Vergnügungen nutzte und entsprechend eingerichtet und ausgestattet waren.

Im Vergleich dazu wirkte das Schlafzimmer fast bieder, wenn auch maskulin und modern. Er achtete darauf, durch das Interieur so wenig wie möglich von sich preiszugeben. Immer wieder fanden hier Privatpartys statt und er ging ungern mit Persönlichem hausieren. Daher fehlte es im gesamten Gebäude an Fotos, kitschiger Deko, Büchern und anderen Gegenständen, die irgendwelche Rückschlüsse auf seine Vorlieben oder Hobbys zuließen.

Die Einrichtung des Schlafzimmers war in kühlem Grau gehalten und die dem Bett gegenüberliegende Wand zierte ein einziges, imposantes Foto. Das Kunstwerk hatte er während einer Geschäftsreise in einer Galerie in Avignon erstanden. Er ließ es sich nach Hause liefern und seither erfreute er sich täglich daran, es zu betrachten. Es war das Erste, was er morgens sah und es erfüllte ihn mit einer unerklärlichen Zufriedenheit.

Die Schwarzweißaufnahme zeigte eine Frau von hinten, wie sie vor einem riesigen alten Fenster mit filigranem Holzrahmen stand. Sie verhüllte ihren nackten Körper mit einem Vorhang und ihr Blick war auf den Ozean gerichtet, der scheinbar endlos vor ihr lag. Obwohl man das Gesicht nicht sah, spürte er ihre Schwermütigkeit.

Er zwang sich, den Blick von dem Bild zu lösen und riss Olivia mit einem Ruck den Slip runter.

6 Mimi

Die erste Arbeitswoche im Hotel verging rasch. Mimi lernte jeden Tag neue Mitglieder des Restaurantteams kennen und hatte sich mittlerweile gut eingewöhnt. Ihre Schichten waren kurzweilig und angenehm, aber auch sehr anstrengend. An diesem Freitagabend erwarteten sie eine größere Gruppe von Geschäftsreisenden, die die letzten drei Tage im Hotel untergebracht waren und nun einen erfolgreichen Geschäftsabschluss feiern wollten. Das Team hatte noch rund eineinhalb Stunden Zeit, bis die Gäste eintreffen würden. Mimis Anspannung hielt sich einigermaßen in Grenzen, denn die Tische waren ordentlich gedeckt. Sie hatte die champagnerfarbenen Stoffservietten besonders hübsch gebrochen und war dafür von Lars gelobt worden. Dieser hatte den gesamten Restaurantbetrieb wie immer, so schien es ihr, mit bewundernswerter Leichtigkeit unter Kontrolle.

Mimi stand mit Anita und Lisa, ihren beiden Co-Kellnerinnen an diesem Abend, hinter der Theke. Sie unterhielten sich leise, während sie Gläser polierten.

»Gehst du zur Party heute?«, fragte Lisa plötzlich an Anita gewandt.

»Nein, kein Interesse. Du etwa?«, gab diese zurück und konzentrierte sich auf das Entfernen eines klitzekleinen Kalkflecks am Weinglas in ihrer Hand.

Lisas Wangen färbten sich rosa.

»Wahrscheinlich auch nicht.« Sie arbeitete stumm weiter.

Mimi wurde neugierig.

»Feiern klingt doch toll. Was ist das für eine Party?« Ihre Kolleginnen tauschten einen kurzen Blick.

»Der Chef schmeißt regelmäßig Partys. Dazu lädt er auch hin und wieder ein paar Angestellte ein. Nichts Besonderes«, sagte Anita kurzangebunden.

Sie hatte keine Einladung bekommen, aber wahrscheinlich war sie einfach noch nicht lange genug dabei. Schließlich hatte sie erst eine ihrer vier Wochen Probezeit abgeleistet und man wollte sie vermutlich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Aber so mir nichts dir nichts würden ihr die beiden nicht davonkommen.

»Wirklich? Das wusste ich gar nicht. Ich hätte nicht gedacht, dass Herr Soyer Mitarbeiter zu Veranstaltungen einlädt. Mir kam er an meinem ersten Tag sehr abweisend und desinteressiert vor. Und warum geht ihr nicht hin? Das klingt sehr nett!«, hakte Mimi nach.

Lisa senkte den Blick und überließ es Anita, sich dazu zu äußern. Die schüttelte erst nur den Kopf.

»Das sind keine Nullachtfünfzehn-Partys. Und bestimmt geht es dem Chef dabei nicht darum, die Arbeitsmoral zu erhöhen. Du wirst garantiert auch bald eine Einladung bekommen. Da bin ich mir sicher.«

Damit war das Gespräch für Anita beendet. Mimi biss sich auf die Zunge, um nicht weiter nachzufragen, und kümmerte sich um die letzte Ladung Geschirr in der Spülmaschine.

»Miriam, Herr Soyer will dich in seinem Büro sprechen. Bitte sieh zu, dass du wieder im Restaurant bist, wenn die Gäste eintreffen.« Lars bezog Posten neben seinem Team und nahm ihr das Geschirrtuch aus der Hand, um ihre Tätigkeit zu übernehmen. Diese nickte stumm und hatte augenblicklich einen trockenen Hals.

Wieso wollte Herr Soyer sie sehen? Hatte sie etwas falsch gemacht? Ihre Knie wurden weich bei der Vorstellung, wie sie dem überheblichen Hoteldirektor gegenübertrat und unter Umständen sogar Rechenschaft vor ihm ablegen musste. Er wirkte so verdammt einschüchternd auf sie. Dabei war sie sich keiner Schuld bewusst. Sie war jeden Tag pünktlich und Lars hatte bisher wenig an ihr auszusetzen. Wenn ihm was nicht passte, teilte er ihr dies unter vier Augen und mit ruhiger Stimme mit. Fast väterlich teilte er Geschichten aus seiner langjährigen Gastronomieerfahrung und gab wertvolle Tipps, wie sie etwas besser machen konnte. Also atmete sie tief durch und machte sich auf den Weg aus dem Restaurant in die Lobby. Mit gesenktem Kopf wartete sie auf den Aufzug.

Sie spürte den Blick der Empfangsdame im Rücken. Ihr Name war Olivia, das hatte sie bereits herausgefunden und sie wusste, sie würden keine Freundinnen werden. Die paar Male, die sie ihr über den Weg gelaufen war, hatte sie sich überaus unwohl gefühlt. Unzulänglich und fehl am Platz. Olivia schenkte jedem nur die nötigste Aufmerksamkeit, wirkte stets kühl und abweisend. Anfangs hatte sich Mimi gewundert, dass die Hotelgäste offenbar zufrieden mit ihr waren, bis sie vor zwei Tagen zufällig ein Gespräch zwischen ihr und einem weiblichen Gast mitbekommen hatte. Olivia war wie verwandelt. Sie war sehr freundlich und bemüht. Sie dürfte ihren Job wirklich hervorragend machen. Warum sie Mimi gegenüber so eisig war, konnte sie sich nicht erklären. Sie hatte sich vorgenommen, ihr nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen und sich von ihrer Art nicht irritieren zu lassen.

Auf Mimis Klopfen an die schwere Bürotür folgte ein promptes »Herein!«.

Sie betrat den Raum. Georg Soyer saß hinter seinem Schreibtisch und wies sie mit einer Geste an, auf einem der Besuchersessel Platz zu nehmen.

»Wie geht es Ihnen, Frau Lenz?«, fragte er und sah ihr diesmal direkt ins Gesicht. Sofort beschleunigte sich ihr Herzschlag. Seine Lippen umspielte die Andeutung eines Lächelns. Doch dieses erreichte seine Augen nicht. Zum ersten Mal fiel Mimi auf, dass selbst braune Augen die Fähigkeit hatten, kalt zu wirken. Sie setzte sich folgsam und versuchte, sich kurz zu sammeln. Dann begann sie unvermittelt zu plappern.

»Danke, es geht mir gut. Die Arbeit macht mir großen Spaß und alle sind sehr nett zu mir. Danke, dass Sie mich eingestellt haben. Es ist eine große Chance für mich und ich werde Sie nicht enttäuschen.«