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Ein magisches Land, das 7 Ebenen hat, eine Prophezeiung, die erfüllt werden muss, ein ängstliches 13-jähriges Mädchen, das immer mutiger wird, ein philosophierender Hund, der ihr zur Seite steht und Fremdworte und Namen verwechselt, ein hässlicher Elf, der eigentlich schön ist, und eine herzlose, hasserfüllte Eishexe, die Eluerien unterjocht und mit den bösen Mächten im Bunde ist. Dazu hilfreiche Zwerge und Elfen, Löwenmenschen, Leute aus dem Meer, die Kiemenohren besitzen und böse Ungeheuer, Drachen, Spione und Schlangen, die besiegt werden müssen. Das und noch viel mehr erwartet euch im magischen Land Eluerien! Kommt mit und begleitet Mirabel und ihren treuen Boxer Ponti bis zur großen Schlacht in der Zone des Todes! Dort muss Mirabel nicht nur die Eishexe Taifunia besiegen, sondern auch sich selbst! Wird es ihr gelingen oder werden die bösen Mächte für immer in Eluerien herrschen? Und werden Mirabel und Ponti jemals zur Erde zurückfinden?
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Seitenzahl: 247
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Iris Schröter Mirabel und Ponti Die Entscheidung in der Zone des Todes
Iris Schröter
lebt und arbeitet in Köln. Sie hat eine erwachsene
Tochter und hatte einen Boxer namens Ponti.
Iris Schröter hat drei Kinderbücher, zwei Krimis und mehrere Comics und Märchen geschrieben.
Band 3 „Die Entscheidung in der Zone des Todes“ ist der Abschlussband der Trilogie von: MIRABEL und PONTI
Für Mirili und Ponti, den Boxer,
ohne die es dieses Buch nicht
gegeben hätte.
Ein starkes Trio
Auf der Flucht
Im Canto Sumpf
Boffs Versteck
Gefährliche Gesänge
Bennibam
Wegen der Ehre
Boff in Ketten
Der Spruch
Im Spinnwald
Die Hinterlist
Der Geistesblitz
Hinaus, hinaus
Teutana Grossa
Die Gnade
Die Erlösung
Florinda
Schlechte Nachrichten
Consecutio und Temporum
Die Kutschfahrt
Süßerchens
Domian
Die Wächter
Der Maulwurf
Matjes Rauhaardackel
Die Schlangen
Vata Morgo
Babbeljuh Bumm
Der Fernzünder
Die Vereisung
Der mentale Supergau
Die Todeskrallen
Mitten im Ozean
Die Halluzination
Melas
Ein hoher Preis
Vata Morgos größte Tat
Der Tag der Befreiung
Das Wunder beginnt
Die siebte Scherbe
Die schwarzen Ritter
Das Urteil des Kandalar
Die Abschiedsfeier
Hier kommen nur Ponti und Knarf zu Wort:
PONTI: S. →, →, →, →, →, →, →, →, →, →, →, →, →
KNARF: S. →, →, →, →, →, →, →, →, →, →, →, →, →
Mirabel und Ponti sind im Zeitnetz der Grünen Damen vor den Zerbratten Taifunias zur Erde geflohen. Doch das feste Band des Zwillingssteins hat die Maschen des Netzes zerrissen. Es gibt kein Zurück mehr nach Eluerien!
Die vier bereits befreiten Ebenen Elueriens fürchten die Rache der Eishexe und die unbefreiten Ebenen, Leohana und Unidomus, verlieren jegliche Hoffnung auf Erlösung. Denn die Pestspinne Teutana Grossa bedroht weiterhin die Kinder der Leopanschen mit gefährlichen Viren und in Unidomus treibt Dabbeljuh Bumm, ein hirnloser Riese, immer noch sein Unwesen.
Da wagt Knarf, der hässliche Elf, die Reise durch das entstandene Zeiten-Chaos im Netz, um Mirabel zurückzuholen.
Wird Mirabel zurückkommen, um die Prophezeiung zu erfüllen?
Wird sie die Pestspinne und den Riesen besiegen können und Zugang zur Zone des Todes, dem Reich Taifunias, erhalten?
Und wird sie den entscheidenden Kampf gewinnen, in dem sie nicht nur die Eishexe, sondern auch sich selbst besiegen muss?
Doch wie soll sie gegen die Hexenkünste Taifunias bestehen?
Danke an meine Enkelin Sonja, die mich ermutigt hat, das Buch zu veröffentlichen!
„Hallo, Prinzessin! Wach auf!“, sagte eine Stimme. „Es ist schon Mitternacht!“
„Was ist los?“, fragte ich schläfrig und knipste die Nachttischlampe an. Vor mir stand ein potthässlicher Junge, der über das ganze Gesicht grinste. Er hatte eine enorm große Nase, riesige, abstehende Ohren und schwarze, struppige Haare. Von seinem Outfit ‒ einem blauen Cape und einer dunkelgrünen Strumpfhose
‒ ganz zu schweigen.
„Nicht erschrecken!“, sagte der struppige Knabe. „Wir haben eine Verabredung, Königstochter. Schon vergessen?“
Normalerweise wäre ich in Ohnmacht gefallen vor Schreck, aber mit diesem Traumgebilde ging ich locker um. Und bei dieser Maskerade sowieso!
„Verabredung? Mit dir? Das wüsste ich aber!“, sagte ich großspurig. So wie der aussah, war er nicht gerade mein Fall!
„Aber Mirabel, du wirst dich doch noch an mich erinnern?“
„Ach, jetzt hör auf mit dem Quatsch! Sag mal lieber, wie bist du überhaupt in mein Zimmer reingekommen?“
„Na, durch die sieben Kreise!“
„Welche sieben Kreise?“
„Sie erinnert sich tatsächlich an gar nichts mehr!“, sagte der struppige Junge zu sich selbst. „Ich bin Knarf und komme aus Eluerien!“
Ich werde noch verrückt, dachte ich und rieb mir die Augen, um die Erscheinung zu vertreiben. Aber der Knabe war immer noch da. „Ich sehe schon“, sagte er und nahm meine Hand, „du brauchst wieder ein bisschen eluerische Magie!“
Im gleichen Augenblick, als seine Hand mich berührte, wusste ich Bescheid. Eine elektrisierende Magie, wie beim ersten Mal, als Knarf mich abgeholt hatte, durchströmte meinen Körper und erfüllte mich mit goldenen und himbeerfarbenen Glücksgefühlen.
„Oh! Knarf! Mein lieber Knarf!“, sagte ich und fiel ihm in die Arme. Wir hielten uns noch einen Augenblick glückselig umfangen, dann riss Knarf sich los.
„Wir müssen sofort weg! Zurück nach Eluerien!“
„Was ist denn passiert?“
„Du hast die drei Polks gerufen. Sie haben durch das feste Band des Zwillingssteins die Maschen des Zeitnetzes durchbrochen und einen Webfehler in der Zeit verursacht. Du hast eine Mathearbeit geschrieben, die du niemals hättest schreiben sollen, und die Lösungen der Aufgaben sind gestohlen worden, was niemals hätte geschehen dürfen.“
Jetzt fiel mir alles wieder ein: Die drei Beinahegeköpften, der Magische Stein und Ponti bei mir im Bett. Alles machte Sinn.
Und ich hatte schon an meinem Verstand gezweifelt.
Knarf war nervös, was ich sonst nicht an ihm kannte. Es konnte also wirklich gefährlich für uns werden.
„Die Grünen Damen haben Alarmstufe 1 ausgerufen und holen sämtliche Maschen auf, die sich gelöst oder verschoben haben.
Komm rasch. Sonst bist du verloren!“, drängte Knarf.
„Aber wieso denn?“, fragte ich erschrocken.
„Die Eishexe will dich im Zeitenwirrwarr des Netzes ins Mittelalter hexen. Es wird eng! Komm, bitte beeil dich!“
„Wie eng ist es?“
„Sehr eng! Jeden Moment kann Taifunia hier auftauchen und dann Gnade uns Gott!“
Ich sprang aus dem Bett, stieg in meine Jeans, und während ich mich in Windeseile anzog, fragte ich: „Was ist mit Ponti?“
„Keine Zeit! Keine Zeit!“
Es kratzte leise an der Tür.
Im Nu war ich dort und öffnete.
„Da bin ich! Immer zur Stelle, wenn man mich nicht gebrauchen kann!“, erklärte Ponti und strahlte uns an. Ich strahlte zurück! Und auch Knarf freute sich.
„Du kommst gerade recht, Ponti, mein Freund“, sagte er und breitete sein Reise-Cape über ihn aus.
Ich hängte mir schnell die Tasche mit meinen Schätzen und dem magischen Stein um, steckte das Smartphone dazu und schlüpfte zu Ponti unter Knarfs Cape.
„Das Trio ist komplett!”, stellte ich fest. „Was soll jetzt noch schief gehen?“ Ich nickte Ponti zu.
„Na dann los! Auf geht’s!“, sagte er.
Nimm dich in Acht, Taifunia!
Wir kommen!
Wir rasten unter dem Reisecape des hässlichen Elfen Knarf im Zeitenchaos, das die drei beinahe geköpften Polks angerichtet hatten, durch die Nacht. Was blieb uns auch anderes übrig, als die gefährliche Flucht zu wagen? Ponti, mein Boxer, drängte sich knurrend an mich. Mein tapferer Held litt wie üblich unter einer wahnsinnigen Flugangst. Sicher bereute er es schon, überhaupt mitgekommen zu sein. Doch wir hatten keine Wahl! Die Eishexe Taifunia war schon auf dem Weg zur Efeugasse und wenn sie mich dort in ihre Finger gekriegt hätte, hätte sie mich im Zeitenwirrwarr in den schwarzen Hund zurückhexen oder in die Steinzeit beamen können oder beides. Ich schauderte.
Ohne Knarf hätte sie mich voll erwischt.
Das war verdammt knapp gewesen. Aber echt!
Doch die silberne Röhre führte diesmal nicht in die Große Halle, sondern geradewegs ins Nichts.
Überall herrschte Finsternis.
„Jetzt kann es ziemlich ungemütlich werden. Am besten ist, ihr macht die Augen zu“, warnte uns der Elf und setzte plötzlich zum Sturzflug an. Aber ich hielt die Augen weiter offen, da ich mir den Blick auf das, was kommen würde, nicht entgehen lassen wollte.
Pontis Ohren flatterten vor meiner Nase wie Wäsche auf der Leine, als wir auf eine Herde Mammuts zurasten. Knarf wich ihr geschickt aus und mit einer zackigen Linkskurve entkam er haarscharf der Keule eines Neandertalers, der brüllend aus der Vergangenheit auftauchte und wieder versank. Ponti schnaufte jetzt wie unsere Kaffeemaschine nach der zehnten Tasse und ich spürte, wie ihm sein Herz gegen die Rippen hämmerte, obwohl er die Augen zugekniffen hatte. Wir durcheilten im Höllentempo einen gigantischen Sternenhimmel, rasten über die gelbe Wüste hinweg und sahen in verschiedenen Zeittunneln die Sonne gleichzeitig auf und wieder untergehen. Dann schossen wir durch eine Zeitzone mit Blitz und Donner und da, aus dem Nichts, sah ich das flatternde Haar der Eishexe wie einen weißblau glühenden Kometenstreif an uns vorbeizischen. Der Schrei, den sie dabei ausstieß, trieb mir den Angstschweiß auf die Stirn. Plötzlich war ich wieder das kleine, ängstliche Mädchen, das Taifunia in jener Schicksalsnacht aufgesucht und in einen Hund verhext hatte. Nun stand ich Ponti in nichts mehr nach. Mein Herz klopfte so laut, dass es mir in den Ohren hämmerte.
„Sie hat uns gesehen!“, schrie ich in Panik. „Taifunia hat uns gesehen!“
„Keine Angst!“, rief Knarf, während er sich in die nächste Kurve legte. „Die Hexe ist im Mahlstrom zur Erde. Da kommt sie vorerst nicht raus! Sie kann uns nicht verfolgen!“
„Taifunia? Wo ist sie?“, brüllte Ponti und riss todesmutig die Augen auf. „Los! Hinterher! Ich mach sie alle!“
Das war er, mein Ponti, mein Held! Ich drückte ihn an mich.
„Später!“, sagte ich. „Später vielleicht!“
Meiner Schätzung nach dauerte unsere Reise durch die verrückt gewordene Zeit mehr als zehn Minuten. Es war wirklich der heißeste Trip, den ich jemals erlebt hatte. Aber immerhin waren wir heil durchs Zeitenchaos gekommen und sicher gelandet, wenn auch in einem Sumpf, der gluckste und schmatzte, als wolle er uns auf der Stelle einsaugen. Rechts und links schossen dampfende Fontänen braunen Wassers in die Luft. Es stank wie die Pest nach faulen Eiern. Ein unheimlicher Ort, den man nicht freiwillig aufsuchte.
Natürlich war ich froh, dass der Elf mich vor der Eishexe gerettet hatte, aber warum nur hatte er uns ausgerechnet hierhin gebracht?
„Tut mir leid, Mirabel! In der Eile war nichts Besseres zu machen“, sagte der hässliche Elf. „ Aber freuen wir uns, dass wir zumindest wieder in Leohana sind.“
Ponti und ich waren, kurz bevor uns die Zerbratten gefangen nehmen konnten, aus Leohana geflohen,
„Panorama?“, fragte Ponti. „Wenn das da ist, wo wir zuletzt waren, dann sieht das jetzt aber ganz anders aus!“
„Nun gut! Genau gesagt, wir sind etwa eine Meile von der Hauptstadt entfernt im Canto-Sumpf, der wegen seiner siedenden Quellen und mystischen Gesänge gefürchtet wird“, erklärte Knarf.
„Aber hier sind wir wenigstens sicher!“
„Entzückend. Im Sumpf wollte ich schon immer einmal sein“, blödelte ich lahm.
„Er ist dem Spinnwald vorgelagert“, fuhr Knarf unbeirrt fort, „und vielleicht erinnerst du dich, dass in diesem Spinnwald Teutana Grossa, die Pestpinne, haust.“
„Ach, Tante Rosshaar, die olle Spinnerin? Was du nicht sagst?“, tat Ponti, als wüsste er, worum es ging. Aber er hatte die ganze Zeit in Leohana im Käfig gesessen, bis ich ihn befreit hatte. Von der Pestspinne konnte er also gar nichts wissen.
Wieder schoss eine kochendheiße Fontäne direkt neben Ponti aus dem Boden, dass er vor Schreck mit einem Luftsprung im Morast landete und mich mit der braungrünen Soße von unten bis oben vollspritzte.
„Ach, verflucht! Das ist ja echt scheiße hier!“, sagte ich und flutsch war das verbotene Wort draußen, ehe ich es zurückhalten konnte. Die Reaktion kam prompt.
„Ich bitte dich, Mirabel! Dieses Wort aus dem Munde einer Prinzessin ist wirklich unerhört!“ Fassungslos schüttelte Knarf den Kopf. „Bedenke, eine Königstochter flucht nicht wie eine dahergelaufene Dirne!“
„Erstens bin ich keine Königstochter, wie du weißt, und zweitens fluche ich, wann ich will!“, sagte ich grantig und wischte mir den Dreck aus dem Gesicht.
Na klar, der Herr Elf stand wieder mal über den Dingen!
„Äh, was ist los?“ Ponti guckte verdattert. „Zankt ihr?“
„Nein! Ich darf bloß das verbotene Wort mit Sch... nicht sagen.
Sagt dieser Herr.“ Ich zeigte auf Knarf, der sich ärgerlich abwandte.
„Na, das kann ich doch für dich machen“, schlug Ponti vor.
„Hier ist es wirklich echt sch..!“, fing er an. Ich stieß ihn in die Rippen. „Lass es lieber!“, sagte ich.
„Oh, Ihr Götter Elueriens! Wie ich diese Ordinärsprache hasse, egal ob auf der Erde, hier oder sonst wo“, stöhnte Knarf und fasste sich an den Kopf.
Allmählich wurde mir das Ganze doch echt peinlich. Ich winkte ab und schämte mich ein bisschen. Hier in Eluerien war ich nun mal eine Prinzessin und sollte wenigstens versuchen, mich dementsprechend zu benehmen.
Ponti wirkte erleichtert.
„Wie geht es denn jetzt weiter, Knarf?“ sagte er und schnupperte aufdringlich unter Knarfs Reisecape herum. „Hast du nicht zufällig eventuell wieder ein Brötchen mit Leberwurst dabei? Nur so zum Trost!“
Der Saftsack hatte aber auch nur das Fressen im Sinn! Knarf zuckte bedauernd mit den Schultern.
„Leider! Diesmal nicht.“
„Och! Schade“, seufzte Ponti und ließ die Ohren hängen. Knarf lächelte ein wenig und das schien mir eine gute Gelegenheit, Schönwetter bei ihm zu machen.
„Danke Knarf, dass du mich gerettet hast. Der Trip war echte Spitze“, sagte ich. „Du bist durchs Chaos gesaust wie ein Weltmeister!“ Ich versuchte, ein Lächeln aufzusetzen, was mir ziemlich misslang. Trotzdem wurde Knarfs kalter Blick ein wenig wärmer. Er grinste mich spöttisch an.
„Na, Königliche Hoheit, das wurde aber auch Zeit, dass du das mal anerkennst. Außerdem, sieh mich nicht so an mit deinen braunen Rehaugen. Du weißt doch, ich werde dann immer schwach.“
Pah, du und schwach, dachte ich. Er verspottet mich mal wieder.
Aber ich wollte nicht erneut mit ihm zanken und gab mir große Mühe, mich zu beherrschen.
„Ach, Knarf!“ Ich krampfte mir ein zuckersüßes Lächeln ab, aber ehe ich noch weiterreden konnte, heulte der Elf auf.
„Oh, was ist mit dir? Du liebe Güte, nein!“ Er drehte mich ins Licht und schaute mich besorgt an. „Dein Gesicht, was ist mit deinem Mund?“
Mir fiel die Flappe runter. Knarf atmete auf.
„Na, Gott sei Dank! Ich dachte schon, dein Lächeln wäre im Gesicht festgefroren!“
„War es aber nicht, wie du siehst“, sagte ich.
Genau das war es! Genau deswegen hasste ich ihn manchmal aus tiefster Seele. Da konnte ich richtig gemein werden. Ich machte am Kopf wedelnde Ohren mit den Händen und fragte: „Täuscht das? Oder sind deine großen Segelohren seit dem letzten Mal noch viel größer geworden?“
Seine Reaktion war wieder mal vernichtend. Er lachte wiehernd!
Wie ein Pferd, dachte ich mit Wut im Bauch. Warum zieh ich bei dem bloß immer den Kürzeren? So ein Mist!
Unverhofft nahm mich der Elf in die Arme.
„Oh, ich liebe es, wenn du böse bist, Prinzessin“, sagte er und drückte mir einen väterlichen Kuss auf die Stirn.
Er behandelte mich wie ein unartiges Kind. Jetzt wurde ich aber erst richtig sauer und riss mich los.
„Lass das gefälligst, ja!“, blaffte ich ihn an und war kurz davor, ihm eine zu scheuern. Gerade noch rechtzeitig fuhr uns Ponti in die Parade. Knurrend stand er vor uns und versprach, uns beide in den Hintern zu beißen, wenn wir nicht sofort und auf der Stelle mit dem Gezänk aufhörten. Knarf und ich waren baff.
Schau dir einer meinen Ponti an, dachte ich und sagte halbherzig: „Ja spinnst du jetzt oder was, Ponti?“
Ponti, der offenbar von sich selbst überrumpelt worden war, stand da wie ein begossener Pudel.
„Äh, bin wohl ein bisschen ausgerastet, wie?“, stotterte er. „Das liegt nur an meinen Genen. Ich hab da nämlich einen Vetter dritten Grades. Mütterlicherseits! Und der ist Ausraster, beruflich gesehen… im Zirkus… und …“
„Bitte Ponti, verschon mich mit deinen Spinnereien“, sagte ich finster. „Wie kommst du dazu, mich anzuknurren?“
Ponti verwandelte sich immer mehr in ein reuiges Schaf.
„Ach, Mirabelchen, verzeih mir! Was bin ich nur für ein selten dämlicher Hund? Ich bereue es ja schon!“
„Nein, nein, du bist der Vernünftigste von allen“, stand Knarf ihm bei und tätschelte seinen Kopf. „Es gibt jetzt wahrlich Wichtigeres zu tun, als miteinander zu streiten.“
Ponti hatte uns wieder zur Vernunft gebracht. Er hatte ja so recht und ich reichte Knarf grinsend die Hand zur Versöhnung.
Aber Sumpf bleibt nun mal Sumpf, und wir waren immer noch von zischendheißen Wasserfontänen umgeben.
Seit unserer Flucht aus Leohana hatten wir nichts mehr von Boff, dem Schmied, gehört. Auch er hatte kurz vor der Verhaftung gestanden, als wir durchs Labyrinth entkommen konnten. Der hässliche Elf wusste jedoch Erfreuliches zu vermelden.
„Boff geht es gut. Er wartet bereits auf uns ‒ hier im Canto-Sumpf in einer geheimen Hütte“, sagte er.
Ich freute mich riesig darauf, Boff mit seiner wilden Löwenmähne wiederzusehen, obwohl ich jedes Mal befürchtete, dass der bärenstarke Leopansche mir bei seiner feurigen Umarmung sämtliche Rippen brechen würde.
„Also, worauf warten wir noch?“, fragte Ponti fröhlich. „Los, gehen wir!“
„Es tut mir leid, ich kann nicht mitkommen“, sagte Knarf mit bekümmertem Gesicht. „Aber es ist ja nicht mehr weit bis zur Hütte des Schmieds.“
Aha! Er drückte sich mal wieder!
Na, wir kannten das ja schon. Wir würden es auch diesmal allein schaffen und machten uns deswegen keine allzu großen Gedanken. Pontis einzige Sorge war, ob es bei Boff auch genügend zu essen gebe.
„Das ist nicht das Problem“, sagte Knarf. „Das Problem ist der Weg durchs Moor. Er führt durch die Zone der mystischen Singschnecken, deren Gesänge die Menschen ins Moor locken!
Da zähle ich auf dich, Ponti. Du musst Mirabel vor ihnen beschützen!“ Knarf übertrieb mal wieder.
„Du meinst doch nicht etwa im Ernst, ich bräuchte Schutz vor Schnecken?“, sagte ich zu dem hässlichen Elfen.
„Es sind Singschnecken! Und ihr Gesang kann für dich sehr gefährlich werden“, gab er zu bedenken.
„Oh, Singschnecken! Mann, wie gefährlich!“, spottete ich und fing an zu lachen.
„Das Lachen wird dir noch vergehen! Wenn du ihren magischen
Gesängen erliegst, hast du keine Chance!“, erwiderte Knarf unfreundlich.
„Pah!“ Ich grinste ihn an. „Was soll schon sein? Dann halt ich mir eben die Ohren zu.“
Während ich lässig abwinkte, färbten sich Knarfs Ohren langsam rot. Der Ärger stieg in ihm hoch.
„Blödes Geschwätz!“, schimpfte er. „Du kannst deine Ohren nicht vor ihnen verschließen. Deshalb, Prinzessin, lass dich von Ponti durch den Sumpf führen! Er ist immun dagegen.“
„Wieso dagegen?“, protestierte Ponti und warf sich in die Brust.
„Ich bin dafür! Ich führe dich, Mirabel!“, sagte er und lag wieder einmal voll daneben.
Knarf und ich mussten lachen, was Ponti verschnupft zur Kenntnis nahm. Doch die ganze Situation hatte sich spürbar entspannt, selbst als der Elf anfing, Ponti und mich mit einer geflochtenen Lederleine aneinanderzubinden.
„Nur für alle Fälle“, fügte er entschuldigend hinzu, bevor er den Riemen an meinem Arm festzurrte.
„Na besser am Arm als am Hals“, grinste ich und zwinkerte ihm zu. Ich erwischte ihn, wie er mich aus seinen Veilchenaugen mit einem Blick ansah, bei dem mir ganz komisch wurde und den ich nicht zu deuten wusste.
„Na, dann, macht es gut, ihr zwei“, sagte Knarf und hatte es plötzlich furchtbar eilig. Wir konnten nur noch hinterherschauen, wie er über den Sumpf davonflog.
Es wunderte mich mal wieder, warum er uns nicht auch noch das letzte Stück begleitete. Der Elf war und blieb mir ein Rätsel!
Was sollte ich machen?
Es war wie immer: Wenn es darauf ankam, waren Ponti und ich allein! Ach, melk mir doch den Ochsen!
„Das Lachen wird dir noch vergehen! Wenn du ihren magischen Gesängen erliegst, hast du keine Chance!“, erwiderte Knarf unfreundlich.
Zum Glück war der Weg durchs Moor ziemlich fest und gut begehbar, sodass wir bequem nebeneinander herlaufen konnten.
Aber obwohl ich meine Ohren vorsorglich verstopft hatte, hörte ich bald eine leise unbeschreibliche Musik. Das waren zweifellos die Gesänge der mystischen Singschnecken. Ich ging immer langsamer und blieb weiter und weiter hinter Ponti zurück, um diesen betörenden Melodien zu lauschen. Erst als sich die Leine stramm zog, scheuchte Ponti hoch.
„Was ist, Mirabel?“, fragte er und drehte sich nach mir um.
Die Flamingohälse der Singschnecken, die bereits in Scharen neben mir aus dem Sumpf ragten, wogten hin und her wie ein rosa Weizenfeld im Wind. Ponti schnappte nach Luft!
„Oha! Die Sumpfsabbelschnecken! Weg! Schnell weg!“, rief er erschrocken.
Aber ihr Gesang war so unwiderstehlich, dass ich mir schon die Stöpsel aus den Ohren gezogen hatte, um die süße Melodie klarer und besser hören zu können. Mein Herz quoll über vor Glück und Sehnsucht nach den wundersamen Klängen und ich taumelte wie ferngesteuert in Richtung der überirdischen Musik.
„Was machst du da? Komm schnell weiter!“, rief Ponti und riss an der Leine wie ein Wilder.
„Lass das sein, Ponti, verdammt! Ich muss zu ihnen“, schimpfte ich. Ich wollte eintauchen in die sphärischen Gesänge. Sah er denn nicht, dass ich zu den rosa Schnecken musste?
„Ich komme! Ich komme!“, rief ich den Singschnecken zu und begann wie im Fieber, den Knoten an der Leine aufzuknüpfen.
Aber ich kriegte ihn nicht auf, weil Ponti immer noch wie wahnsinnig daran zerrte. Ich wurde fuchsteufelswild.
„Lass die Leine los, du blöder Kerl!“, schrie ich meinen Boxer an und warf mich bockbeinig auf den Boden.
Ich wollte hier nicht weg. Ich musste die mystische Musik hören, die in mich einströmte wie süßes Gift, und bekam immer mehr Wut auf Ponti, weil er mich daran hindern wollte.
„Du Sturkopf, du kannst mich nicht aufhalten! Verdammt, du wirst mir jetzt gehorchen!“, tobte ich und hätte ihn am liebsten erwürgt. Der Drang nach den süßen Klängen vervielfachte meine Kraft, sodass ich schließlich stärker war als Ponti. Langsam zog ich ihn hinter mir her – immer weiter zum Sumpf – wie er sich auch sträubte und wehrte und sich mit seinen fünfundvierzig Kilo Gewicht auf allen Vieren dagegenstemmte. Es war mir egal!
Ich wollte in den Sumpf!
Die Singschnecken sangen wie die Sirenen bei Odysseus. Bald würde ich eintauchen in die Musik, eintauchen in das Moor! Ich schleifte Ponti immer weiter in den Sumpf, um dem Lockruf der Töne zu folgen.
„Mirabel! Mirabel! Bitte bleib stehen!“, flehte mein Boxer verzweifelt. Es interessierte mich nicht die Bohne.
Ich war in einer anderen Welt, die keinen Gedanken mehr zuließ, als den an die lockende Musik. Der Boden, auf dem ich meinen Boxer hinter mir herzerrte, schmatzte und gluckerte begierig. Es kümmerte mich nicht, mein Hirn war völlig vernebelt. Ich war wie von Sinnen. Verzweifelt fing Ponti an zu heulen wie ein ganzes Rudel Wölfe in einer eisigen Polarnacht. Er heulte um unser Leben wie damals am Brunnen der Erkenntnis neben der Goldenen Kammer. Es war ein furchtbares Heulen, das er nur in höchster Verzweiflung hervorbringen konnte und das selbst die Singschnecken in ihrem Gesang störte. Sie sabberten Sumpf und blubberten empört und zogen bald darauf beleidigt ihre Köpfe ein.
Als sie auf diese Weise vorübergehend verstummt waren, kam ich wieder zu mir. Jetzt kam mir das Grauen zu Bewusstsein, denn ich stand nur noch einen Schritt entfernt vom tückischen Moor, das bereit war, mich zu verschlingen. Die Singschnecken hatten mich in einen magischen Sog gezogen, dem ich ohne Ponti niemals entronnen wäre. Ich hätte ihn dafür küssen können.
„Ponti!“, rief ich. „Heul, um alles in der Welt, heul weiter und hör bloß nicht auf! Mein liebster, mein einziger Freund!“
Während Ponti aus voller Kehle alle Varianten heulte, die ihm zur Verfügung standen, ging ich an der kurzen Leine neben ihm her und unterstützte ihn mit lautstarkem Geschrei. Wenn sich auch die Köpfe ganzer Singschneckenchöre aus dem Sumpf hervorreckten und säuselten und lockten wie die Weltmeister, ich brüllte sie an wie Tarzan im Urwald, um sie nicht hören zu müssen. Und spätestens dann, wenn Ponti mit seinem Geheule einsetzte, zogen die Schleimsänger entsetzt ihre Köpfe zurück in den Schlamm, um es an anderer Stelle immer wieder aufs Neue zu versuchen. Deshalb hielt ich furchtsam nach ihnen Ausschau und fing sofort an zu kreischen wie ein angestochenes Schwein, sobald sich ihre rosaroten Köpfe auch nur ansatzweise im Sumpf zeigten.
Mir fiel nichts Besseres ein, als zu schreien, aus lauter Furcht, der Magie erneut zu erliegen.
Doch mein Gebrüll erfüllte seinen Zweck: Die mystischen Gesänge der hinterlistigen Singschnecken hatten keine Chance mehr, mich ins Verderben zu locken. So ließen wir nicht nach zu heulen und zu grölen. Aber der Weg war lang und uns tat allmählich der Hals weh. Hoffentlich hatten wir uns nicht verlaufen.
Zum Glück kamen wir bald in eine trockenere Gegend. Enttäuscht ließ das Moor noch ein, zwei schlammige Fontänen hinter uns herzischen, während die Schnecken sich beleidigt in den Sumpf zurückzogen. Die Gefahr war vorüber.
Endlich konnte ich mich bei Ponti für die vielen Schimpfwörter entschuldigen, die ich ihm an den Kopf geknallt hatte.
„Ich weiß ja gar nicht, wie ich das wieder gut machen soll, mein Held“, sagte ich.
„Geschenkt! Hauptsache, du hast überlebt!“, strahlte Ponti.
Das war er, mein treuer Husar, mein aufopfernder und selbstloser Freund! Ich liebte ihn!
Nun dauerte es auch gar nicht mehr lange, bis wir Boffs Hütte auf einer trockenen Insel, versteckt hinter hohem Schilfgras, entdeckten. Wir rannten los wie die Feuerwehr. Ungeachtet blauer Flecken oder gebrochener Rippen, würde ich mich in Boffs rettende Arme werfen. Denn dann konnten sie uns alle mal!
Wir wären in Sicherheit.
Aber je näher wir der Hütte kamen, desto lauter schrillten bei mir die Alarmglocken. Warum kam Boff uns nicht entgegen?
Er musste uns doch schon lange gehört haben. Bei dem Geschrei, das wir gemacht hatten! Er war offensichtlich nicht da. Doch warum stand die Tür zur Hütte sperrangelweit auf?
Irgendetwas stimmte da nicht!
Mir stehen schon wieder die Nackenhaare zu Berge.
Das nennt man auch Bürste. Also ich hab eine sehr schöne Bürste. Aber das bedeutet in der Regel nichts Gutes.
Irgendwas ist da im Busch!
Da glaubt man, jetzt ist alles geritzt, von wegen Sumpfsabbelgesang und so …
… ich meine: Das war sowieso schon hart am Rande der Katastrophe. Viel hätte nicht mehr gefehlt!
Und ohne meine Kenntnisse, in Sachen Wolfsheulen, säßen wir jetzt ganz schön im Dreck! Ja, das ist der Beweis:
Fremdsprachen sind wichtig! Ähm … Wo war ich?
Achsoja ... also, kaum hat man das eine überstanden, schon hat man das nächste Drama an der Backe. Wenn man so sagen will.
Ich, für meine Person, könnte sehr gut darauf verzichten.
Denn mir liegt immer noch der Schrecken in den Knochen, als mein Frauchenklein auf einmal mehr Kraft hatte als ich. Unglaublich!
Das ging doch alles nicht mit rechten Dingen zu.
Ach, nach all der Aufregung im Sumpf bräuchte ich dringend mal eine Erholung im Körbchen zu Hause.
Oder mal Briefträger erschrecken. Irgendwas Nettes eben.
Tarzan scheuchen zum Beispiel ‒ und wie ich den Angeber scheuchen würde, den fetten Kater - der würde sich wundern, der Tarzan. Oh, oder den Barrabas, das Butterfass, zerfetzen. Ach, da könnte ich mein Mütchen kühlen. Aber nun Schluss damit und Konzentration bitte!
Ähm ... Wo war ich?
Achsoja ... also, meine Bürste signalisiert mir gerade Gefahr! Mein einmaliges Gehör signalisiert mir gerade Null!
Erwähnte ich schon, welch ein überragendes Gehör wir Hunde besitzen? Selbst wenn ich nichts höre, sagt es mir was: Wir müssen näher ran, zum Beispiel.
Meine superfeine Nase signalisiert mir auch gerade was: Da ist wer. Kenn ich aber nicht.
Wir müssen noch näher ran, am besten in die Hütte rein.
Wieso ist die Tür so einladend offen? Eine Falle?
Bums, da schnappt die Falle zu? Nein, nicht mit mir!
Nicht mit mir, meine Damen und Herrn!
Vorsichtig ist die Mutter der Zellophankiste, wie ein Sprichwort sagt. Also immer schön langsam der Nase nach.
Ich rieche was, was du nicht riechst, und das ist gefährlich streng. Vom Geruch her, versteht sich.
Ich will Mirabel jetzt lieber noch nicht damit belästigen.
Nicht, bevor ich hundertprozentig weiß, dass der Stinker da gefährlich ist. Und dann fang ich ihn und mach ihn ungefährlich. Das ist der Plan.
Aber nun weiter vorsichtig voran!
Wir schlichen vorsichtig näher zur Hütte. Boff war offensichtlich nicht da. Doch wo sollte er sein hier im Moor?
Spazieren gegangen? Wohl eher nicht!
Aber warum stand die Tür dann so sperrangelweit offen?
Ponti und ich befürchteten Schlimmes.
Die Wahrscheinlichkeit, dass unserem Freund was passiert war, stieg immer höher. Doch andererseits, wer konnte es schon mit Boff aufnehmen? Da gehörte schon mehr als einer dazu. Wir blieben stehen und lauschten, alles war still. Vorsichtig schlichen wir noch ein Stück näher und linsten durch ein Fenster.
Nichts zu sehen.
Wir spähten durch Astlöcher und Ritzen ins Innere der Hütte.
Aber da war niemand. Alles blieb ruhig.
Dann wagten wir es und schlüpften durch die offen stehende Tür in die Hütte hinein. Den Rücken an die Bretterwand gepresst, lauschte ich mit angehaltenem Atem auf irgendein verdächtiges Geräusch. Nichts!
„Boff, hallo!“, rief ich gedämpft. „Hallo, ist da jemand?“
Keine Antwort. Ich öffnete die Tür zu einem zweiten Raum und blickte auf ein breites Bett mit einem geblümten Bettüberwurf.
„Hallo, ist da wer? Hallo? “ rief ich schon etwas mutiger in die Schlafkammer. Alles blieb still.
„Ich glaube, wir sind allein. Hier ist wohl niemand, Ponti.“
Ponti stand starr, bis auf ein leichtes Vibrieren seiner Hinterläufe.
Das bedeutete nichts Gutes!
„Was ist los mit dir?“, fragte ich besorgt. Mein Boxer blickte stur in Richtung Bett. Seine Nackenhaare hatten sich bereits zur Bürste aufgestellt und seine Nasenflügel zogen prüfend die Luft ein. Er witterte etwas, ganz klar!
Ich nickte meinem Boxer zu und redete harmlos weiter. „Hier ist keiner zu Hause, Ponti. Wir können endlich ausruhen und es uns bequemmachen.“
Vorsichtig auf Zehenspitzen ging ich von der Tür weg.
Mit einem Satz sprang Ponti vor, schlidderte auf allen Vieren zum Bett und knurrte wie ein wilder Berglöwe. Triumphierend zog er etwas sehr Zappeliges, Rotes unter der Schlafstätte hervor. Er schüttelte seine Beute so heftig durch, dass sie aussah wie ein roter Lappen, der aber zeterte und schimpfte wie ein Rohrspatz.
„Lass mich sofort los, du Aas! Ich bin Bennibam, das Biest!“
Bennibam, das Biest, war eher ein Biestchen oder ein Minibiest, denn er erreichte kaum die Größe eines Feldhasen. Er trug einen roten Mantel mit Kapuze, karierte Knickerbocker, schwarze Gummistiefel, einen roten Schal und eine rotweiß geringelte Zipfelmütze.
