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Mirabel ist die Tochter des Herzkönigs und auserwählt, das Land Eluerien von der Herrschaft der schrecklichen Eishexe Taifunia zu befreien. Von alledem ahnt Mirabel nichts, denn sie ist als ganz normales Mädchen aufgewachsen. Nach Mirabels dreizehntem Geburtstag jedoch dringt die Eishexe in Mirabels Zimmer ein und verwandelt sie in einen schwarzen Hund. Mirabel und Ponti, ihr Boxer, machen sich auf den Weg, den Fluch zu brechen. Dabei gelangen sie nach Eluerien, wo Mirabel sich zurückverwandelt und als Tochter des Herzkönigs und Erretterin Elueriens empfangen wird. Mirabel hat keine Wahl! Denn nur sie kann die sieben Ebenen Elueriens befreien und die Eishexe besiegen. Der Kampf beginnt!
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Seitenzahl: 265
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Iris Schröter
Lebt und arbeitet in Köln. Sie hat eine erwachsene Tochter und hatte einen Boxer namens Ponti.
Iris Schröter hat drei Kinderbücher, zwei Krimis und mehrere Comics und Märchen geschrieben.
Der Fluch der Eishexe Taifunia ist der erste Band einer Trilogie von: Mirabel und Ponti
Für Mirili und Ponti, den Boxer,
ohne die es dieses Buch nicht
gegeben hätte.
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PONTI: Seite → / → / → / → / → / → / → / → / → / → / → / → / → / → / → / → / →
KNARF: Seite → / → / → / → / → / → / → / → /→ / → / →
Danke an Sonja, die mich ermutigt hat, das Buch zu veröffentlichen!
»Okay, okay, ich mach´s«, hab ich zu dem nervenden Sackgesicht gesagt. Das nervende Sackgesicht heißt Ponti und ist mein Hund, genauer gesagt mein Boxer, und Boxer sind stur und können total nerven. Und der erst recht – der Ponti!
»Du musst das aufschreiben für die kommenden Generationen«, sagt er. Und dass er dann unsterblich würde und berühmt wie Donald Duck, hat er gesagt. Und damit ich mich später noch daran erinnere, wie alles so war in Eluerien.
»Wozu?«, sage ich. »Das glaubt ja sowieso kein Schwein.«
»Gerade deshalb solltest du es irgendwo aufschreiben, sonst vergisst du noch selbst, dass du ja eigentlich die Prinzessin von Eluerien bist und ich beinahe der erste königliche Oberschlosshund geworden wäre. Und schreib auch was über Knarf, den hässlichen Zwölf«, sagt er.
Ich sag: »Du meinst Elf!«
»Elf? Wieso Elf? Na, ist ja auch egal!«, sagt er.
Jedenfalls habe er auch noch dessen Tagebuch ausgeliehen.
Tagebuch ausgeliehen – Ponti immer mit seinen Lügenmärchen! Schließlich haben wir einen Deal gemacht: Ich schreib alles auf, und er gibt seinen Senf dazu.
»Auch im Netz«, sagt er.
»Im Netz? «, frag ich.
»Ja, warum nicht? Das haut ganz bestimmt hin. Und vergiss nicht, alle meine Heldentaten zu erwähnen!«
»Wie könnte ich? Ohne dich wäre es doch bestimmt nicht so super gelaufen!«
»Wir waren ein gutes Team, nicht wahr?«
Ponti grinst selbstzufrieden.
»Das beste, Ponti! Das beste!«
»Na, dann leg los!«, sagt er.
*
Ich war dreizehn Jahre alt, als Frank Ritter in unsere Klasse kam und alle Mädchen ins Schwärmen brachte. Aber er hatte ausgerechnet mich gefragt, ob ich ihm morgen die Stadt zeigen könnte. Ich ging wie auf Wolken und träumte von einem Supersommer. Doch dieser Traum zerplatzte schon am nächsten Tag.
*
Noch ehe ich an diesem Morgen die Augen aufschlug, wusste ich, dass etwas mit mir nicht stimmte. Mein Körper fühlte sich fremd an und ich spürte ihn an Stellen, die ich noch nie zuvor bemerkt hatte. Meine Nase fing von allein an zu schnuppern. Alles roch ungewohnt streng, intensiver als sonst. Meine Ohren waren so empfindlich. Der Wecker tickte unheimlich laut. Etwas war anders an diesem Morgen! Vorsichtig öffnete ich die Augen und blickte auf eine schwarze Hundeschnauze, die mitten aus meinem Gesicht ragte.
Das ist nur ein schlechter Traum, dachte ich. Gleich würde ich aufwachen und darüber lachen. Totlachen würde ich mich! Ich sollte einfach im Bett bleiben und noch eine Runde schlafen. Dann wäre der ganze Spuk vorbei.
Andererseits war das Zimmer, in dem ich mich befand, zweifellos mein Kinderzimmer. Das Regal mit den Büchern, der Schreibtisch mit dem Computer, der Schrank mit der Spiegeltür, alles stand am richtigen Platz. Im Sessel saß Miss Basset, mein Stoffhund, auf dem Nachttisch lag »Taifunias Fluch«, das Buch, in dem ich gestern gelesen hatte, und im Flur schnarchte mein Boxer Ponti wie ein Sägewerk. Das war kein Traum, das war Wirklichkeit!
Doch mitten in meinem Gesicht prangte eine Hundeschnauze. Wie passte das alles zusammen?
Ich brauchte einen Spiegel. Entschlossen sprang ich aus dem Bett, und landete ungeschickt auf dem Bauch. Sofort rappelte ich mich auf, denn natürlich wollte ich aufrecht gehen, so wie gewöhnlich. Doch da sah ich, dass sich meine Hände und Füße in Pfoten verwandelt hatten. Vor lauter Schreck war ich drauf und dran, in mein Bett zurückzukriechen und mir die Decke über den Kopf zu ziehen. Doch ich zwang mich, zum Schrank mit der Spiegeltür zu laufen und hineinzuschauen. Ein kleiner Hund mit hellen braunen Augen, schwarzem Lockenfell und einer einzelnen blonden Ponysträhne blickte mir unsicher entgegen.
Ich schaute den Hund an – der Hund schaute mich an; ich machte ein Auge zu – er machte ein Auge zu; ich hob die Pfote – er hob die Pfote. Was immer ich auch tat, er machte alles genauso wie ich. Es gab keinen Zweifel: Der kleine Hund im Spiegel war ich! Das helle Braun der Augen und eine blonde Locke im schwarzen Fell waren alles, was von mir übrig geblieben war. Dafür besaß ich jetzt eine Schnauze, vier Pfoten und noch einen Schwanz dazu!
Es gab nur eine Erklärung dafür: Ich war verhext worden.
Aber wer glaubte heutzutage noch an Hexerei? Kein Mensch! Das war finsteres Mittelalter! Verzweifelt überlegte ich, was ich machen sollte, als ich Schritte im Flur hörte. Meine Mutter kam aus dem Badezimmer und ging in die Küche.
»Guten Morgen, Ponti! Na, gut geschlafen?«
Ponti, ein großer Boxerrüde mit braunem Fell und einem weißen Fleck auf der Brust, hörte schlagartig auf zu schnarchen und sprang aus seinem Körbchen.
»Wuff! Wuff! Mein Frauchengroß ist wach. Gleich gibt's lecker Frühstück! Wuff.«
Mein Hund hatte gesprochen! Das hatte ich mir nicht eingebildet, sondern deutlich gehört. Ich war wahnsinnig geworden! Oder konnte Ponti wirklich sprechen?
Ponti jaulte aufgeregt, während meine Mutter in der Küche mit dem Geschirr klapperte.
»Nun geh mir doch mal aus den Füßen, du verrückter Kerl«, sagte sie ein bisschen genervt. »Es dauert noch, Ponti! Geh doch schon mal Mirabel wecken!«
Mirabel? Das war ja ich! Ich sauste wie der Blitz unters Bett und hoffte, dass Ponti mich nicht wittern würde. Denn seine Nase war so mies, dass ich manchmal mit ihm zusammen unterm Tisch nach seinen Leberwursthäppchen suchen musste.
Freudig bellend rannte Ponti die Treppe hoch.
»Aufstehen, Schlafmütze!«, rief er, als er die Türe auframmte und in mein Zimmer stürmte. Ich wagte kaum zu atmen, während er irritiert hin und her rannte und mich suchte. Schließlich sprang er aufs Bett und wühlte so wild darin herum, dass das Buch vom Nachttisch gefegt wurde – direkt vor meine Pfoten. Vom Cover grinste mich die Eishexe Taifunia an und mir wurde davon ganz elend, dass ich dachte: Gleich muss ich mich übergeben. Da presste Ponti auch schon seine breite Boxer-Schnauze unters Bett und fing sofort an zu knurren.
»Komm rrraus da, du feiger Halunke! Rrrraus da!« Und als ich nicht sofort gehorchte, knurrte er immer wilder und zeigte mir seine Zähne. »Rrraus da, oder es passiert was!«
Na super! Eine Beißerei mit meinem eigenen Hund hätte mir gerade noch gefehlt. Eilig kroch ich unterm Bett hervor, und vor lauter Angst fing mein Schwanz an, wie wild zu wackeln, was mich ziemlich verstörte und mir furchtbar peinlich war. Immerhin hörte Ponti sofort auf zu knurren und grollte nur noch leise vor sich hin.
»Wer bist du, zum Donnerkeil?«
»Du wirst es nicht glauben, ich bin deine Mirabel«, sagte ich, während mein Schwanz weiterhin Friede! Friede! wedelte.
»Mirabel? Willst du mich veräppeln? Mirabel hat blonde Locken und geht auf zwei Beinen! Sie ist ein Mädchen! Und – sie hat überhaupt kein Fell! Hm!«
»Ja, das weiß ich auch! Meinst du, es macht mir Spaß, wie ein Hund auszusehen? Aber ich bin trotzdem deine Mirabel!«, knurrte ich grantig und stellte das Schwanzwedeln ein.
»Na, das kann ja jeder sagen! Beweise es! Sonst bist du fällig!«, sagte Ponti ebenso grimmig.
»Okay! Okay!«, beschwichtigte ich ihn. »Vielleicht solltest du mich was fragen, das nur deine Mirabel wissen kann!«
»Ja, das ist gut. Also …« Ponti schaute suchend zur Zimmerdecke. »Ähm?... Ich hab ´s! Wie nennt mich Mirabel, wenn sie mich ärgern will? Weißt du das? «
»Hannelore!«, sagte ich und grinste ihn an.
»Das hast du geraten! Das gilt nicht!« Ponti kniff die Augen zusammen und dachte nach. »Sag mir erst noch, ähm …?« – Pontis Miene hellte sich auf – »was mein Frauchenklein überhaupt nicht leiden mag?« Herausfordernd blickte er mich an.
»Wenn du es mit deiner feuchten Schlabberzunge ansabberst«, kam meine Antwort wie aus der Pistole geschossen.
»Das stimmt auch«, sagte Ponti verblüfft und fing an, mich zu beschnuppern. Er stutzte, roch noch mal und noch mal und begann zu gähnen, bis es quietschte. Ponti gähnte immer, bis es quietschte, wenn er nicht weiterwusste!
»Verfluchter Hundefall! Du riechst tatsächlich wie Mirabel!«, grummelte er und schaute ratlos wie ein Schaf im Tanzsaal.
»Natürlich rieche ich genau wie Mirabel. Denn ich bin es ja auch«, jaulte ich und verdrehte die Augen.
»Aber wer hat dich über Nacht in einen Hund verwandelt?«
»Wenn ich’s nur wüsste, Ponti. Wenn ich’s nur wüsste.«
»Vielleicht war es eine gute Fee?«, grübelte Ponti.
»Gute Fee? Bei dir piept’s wohl?«
»Piept’s wohl?« Ponti knurrte böse. »Wer piepst hier?«
Ach, es war alles so mühsam! Wir zankten uns eine Weile hin und her, bis mir der Kragen platzte.
»Ich bin aber deine Mirabel, verdammt noch mal! Aus! Schluss jetzt!«, schrie ich ihn an.
Pontis Stirn wurde noch krauser, als sie es schon war, und mit einem Mal schlappte er mir seine Zunge über die Schnauze, dass die Spucke nur so flog.
»Ih! Ponti, du alter Sabberlappen! Das ist ja ekelhaft! Altes Ferkel, du!«, fluchte ich und versuchte, mir mit der Pfote seine fette Spucke wegzuwischen. Aber Ponti erstrahlte wie eine 100-Watt-Glühbirne und schwärmte los: »Altes Ferkel, Sabberlappen! Herrlich! Das sagt Mirabel auch immer zu mir, wenn ich sie ablecke. Jetzt weiß ich ganz sicher, dass du mein Frauchenklein bist!«
Na endlich! Ich atmete auf.
»Aber du hast dich ja so zu deinem Vorteil verändert!«
Ponti sah mich mit verliebtem Schleierblick an.
»Zu meinem Vorteil verändert? Spinnst denn du? Ich sehe aus wie ein gottverdammter Hund!«
»Ja genau! Du siehst toll aus«, schwärmte Ponti los. »Viel besser als vorher! Das herrlich weiche Lockenfell, die schwarze, glänzende Nase, die süßen Hängeöhrchen …!«
»Hängeöhrchen? Glänzende Nase! Verflucht! Ich bin ein Mädchen und will kein Hund sein! Kapierst du das denn nicht, Ponti, Mensch?«, fuhr ich ihn an und hätte ihn knallen können.
»Ehrlich gesagt, nein«, schmollte er. »Außerdem sollst du nicht fluchen. Und sag nicht immer Mensch zu mir!«
Dieser Hund machte mich echt fertig! Ich nannte ihn einen blöden Boxer, und er zeigte mir seine Zähne. Dann saßen wir uns trotzig gegenüber und schwiegen uns an. Ich hatte Bock, ihm ans Fell zu gehen, und er schaute beleidigt in eine andere Richtung. Aber nach einer Weile lenkte er doch wieder ein. »Ich versteh es zwar nicht«, brummte er. »Aber wenn du unbedingt wieder ein Mädchen werden willst, helfe ich dir natürlich. Du bist der Boss!«
Ponti ist wirklich der treueste Freund, den man sich denken kann, und dass er bei mir war und wir miteinander reden konnten, tröstete mich am allermeisten in meinem Unglück. Das sagte ich ihm dann auch. So waren wir bald wieder versöhnt und schworen uns, niemals aufzugeben, bis ich wieder ein Mädchen wäre.
»So lange es auch dauern mag, gemeinsam werden wir schon einen Weg finden, Ponti«, sagte ich zuversichtlich.
»Aber ich sehe keinen«, sagte er und blies die Backen auf.
»Na toll!« Ich wollte mich gerade wieder so richtig über Ponti aufregen, da rief meine Mutter an der Treppe.
»Mirabel! Frühstück ist fertig!«
Aufgeschreckt scheuchte ich Ponti zurück in die Küche und verzog mich unter mein Bett, um über alles nachzudenken.
Meine Lage war nicht gerade rosig. Positiv war jedoch, dass ich nicht zur Schule brauchte. Außerdem war ich bestimmt der intelligenteste Hund der Welt. Und das Beste: Ich konnte mit Ponti reden. Er war mein treuer Verbündeter. Das war immerhin etwas. Ich schwor mir, nicht zu verzweifeln und niemals die Hoffnung aufzugeben. Ich würde einen Weg finden, der mich von diesem bösen Zauber befreite!
Plötzlich kam Ponti atemlos in mein Zimmer gehetzt.
»Du, was machen wir jetzt bloß? Ich soll dich zum Frühstück holen«, japste er. Ich kriegte die Krise!
»Meine Mama darf mich auf keinen Fall so sehen, Ponti. Da fällt sie bestimmt in Ohnmacht oder noch schlimmer, es trifft sie der Schlag«, sagte ich und robbte unter dem Bett hervor.
»Nee, ist klar! Aber sie wird dich suchen kommen, wenn du nicht bald runterkommst. Wir müssen uns was einfallen lassen.«
Ich zerbrach mir den Kopf und hatte eine vage Idee.
»Am besten ich versteck mich hinter meinen Stofftieren«, sagte ich. »Da wird sie mich sicherlich nicht suchen. Miss Basset ist ja mindestens so groß wie ich. Und wenn du Lili, das Einhorn, geschickt vor mich schiebst, kann sie mich bestimmt nicht sehen.«
»Ponti, Mirabel, wo bleibt ihr denn nur? Macht voran!«, rief meine Mutter ungeduldig.
»Am liebsten würde ich mich auch verstecken«, jammerte Ponti, während er hastig das Rieseneinhorn herbeischob, und ich hinter den Stofftieren in Deckung ging.
Wir hatten es gerade so geschafft, da kam meine Mutter schimpfend die Treppe rauf und steckte den Kopf zur Tür herein.
»Zum Donnerwetter, Mirabel, komm endlich! Hör auf dich zu stylen, du bist schön genug.« Dann stutzte sie. »Hier stimmt doch was nicht«, sagte sie, während Ponti interessiert einer Fliege nachschaute.
Dieser Vormittag wurde ein trauriges Kapitel: ein Suchen, ein Rufen nach mir, meine Mutter schließlich in Tränen aufgelöst, während ich hinter Lili und Miss Basset hervorlinste und die Ohren spitzte. Herr Schmoll, ein Nachbar und Polizist, kam rüber zu uns und versuchte, meine Mutter zu beruhigen.
»Frau König, glauben Sie mir! In den meisten Fällen stellt sich das Verschwinden als harmloser Dummejungenstreich heraus. Bitte, machen Sie sich noch keine allzu großen Sorgen. Bestimmt taucht ihre Tochter nach der Schule wohlbehalten wieder auf.«
»Ach, Herr Schmoll«, schniefte meine Mutter und schnäuzte sich die Nase. »Ich habe ein ungutes Gefühl. Irgendetwas ist meiner Mirabel zugestoßen!«
Wie recht sie hatte. Ich saß todtraurig hinter den Stofftieren und wusste nicht, wie ich sie trösten sollte. Schade, dass mein Vater nicht mehr da war, um sie in den Arm zu nehmen. Er war schon vor langer Zeit einfach verschwunden.
Meine Mutter sprach nicht gerne darüber. Es war, als habe er sich einfach in Luft aufgelöst, sagte sie.
Im Laufe des Vormittags bekam ich ziemlichen Hunger. Ich hatte seit dem gestrigen Abend nichts gegessen und mir knurrte schon der Magen! Also bat ich Ponti, mir irgendetwas zum Frühstück zu besorgen. Egal was!
»Na klar, na klar, mach ich«, sagte er, raste los und kam sogleich mit seinem Hundenapf zurück. Großzügig stellte er die Reste seines Dosenfutters vor mich hin, denn an seinen Napf ließ er gewöhnlich keinen heran.
»Hm! Pansen – echt super mit Haferflocken! Voll lecker!«, schwärmte Ponti und leckte sich genüsslich übers Maul. Er konnte ja nicht wissen, dass ich auf sein Dosenfutter gar nicht scharf war. Ich erfand allerlei Ausreden, um ihn nicht zu kränken. Aber er beteuerte immer wieder, ich könnte ihm ruhig alles wegfressen, bis mir nach langem Hin und Her dann doch der Geduldsfaden riss und ich ihm klare Anweisungen gab.
»Auf dem Küchentisch liegt bestimmt noch die Tüte mit den Brötchen für die Schule. Wenn du sie siehst, bring sie mir bitte her, Ponti!«
»Aber das ist verboten! Ich habe noch nie etwas vom Tisch geklaut. Streng verboten!«, sträubte sich Ponti.
»Braver Hund! Brav, brav!«, lobte ich ihn genervt. »Aber das Verbot ist für heute aufgehoben. Also los jetzt!«
»Na gut! Da soll noch einer mitkommen – mal ist es erlaubt, mal nicht! Mal ist es verboten, mal nicht!« Nörgelnd trottete Ponti die Treppe runter. Ein paar Minuten später kam er mit der Brötchentüte im Maul zurück und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. »Und es war trotzdem nicht richtig!«, schimpfte er und sah sich unbehaglich um.
»Aber ich hab mächtig Hunger. Und du hast doch versprochen, mir zu helfen, Ponti. Oder etwa nicht?«
»Doch... hab ich versprochen!«, meinte er missmutig.
»Bis ich wieder ein Mädchen bin, oder?«
»Ja! Bis ich wieder ein Mädchen bin!«, wiederholte er.
»Bis ich wieder ein Mädchen bin!«, korrigierte ich ihn.
»Hab ich ja gesagt ...!«, brummelte Ponti dickköpfig.
»Oh, Ponti ...«
Ich gab es auf und machte mich über die Brötchen her, während Ponti frustriert die Reste seines Dosenfutters verschlang.
Nun mal ehrlich:
Ein Mädchen sein zu wollen, ist doch verrückt, oder?
Ganz nackt und ohne Fell? Und immer auf zwei Beinen balancieren? Nein, danke! Das kann es doch nicht sein.
Mal unter uns, ein Hund hat doch nur Vorteile gegenüber einem Menschen: Er kann besser hören, riechen, beißen und besser rennen kann er auch!
Was also kann der Mensch besser als der Hund?
Nix! Siehste, das ist der Beweis: Der Hund ist die eigentliche Krone der Schöpfung!
Davon kann mich auch keiner abbringen! Aber wissen müssen es die Herrchen und Frauchen ja nicht gleich. Dann werden sie nur schlecht gelaunt.
Ähm … Wo war ich?
Achsoja! Also … der Hund, das höhere Wesen, ist dem Menschen ja von Natur aus schon überlegen. Wenn ich nur bedenke, was der Mensch alles anziehen muss: Unterhosen, Unterhemden, Söckchen, Blusen, T-Shirts, Röcke, Hosen, Schuhe und was nicht alles. Na danke!
Da lobe ich mir mein Fell. Sommerfell, Winterfell, fertig!
Und Zähneputzen muss ich auch nicht.
Darum versteh ich ja nicht, warum Mirabel kein Hündchen bleiben will. Und dann noch so ein süßes. Na, ich muss ihr wohl trotzdem helfen – gegen alle Vernunft.
Aber vielleicht ändert sie ihre Meinung ja doch noch und bleibt so, wie sie jetzt ist.
Mal abwarten!
Allmählich hatte ich einen solchen Druck auf der Blase. dass ich dringend nach draußen musste. Lange konnte ich jedenfalls nicht mehr einhalten. Ponti hatte die Erleuchtung.
»Der Briefträger muss doch bald kommen. Wenn wir heute Post kriegen, klappt der Plan hundert Pro«, sagte er und erklärte mir, wie alles funktionieren sollte. Der Plan war gut!
Ponti lief also nach unten und jaulte so lange vor der Haustüre, bis meine Mutter ihn raus in den Garten ließ.
Währenddessen lauerte ich in meinem Zimmer sehnsüchtig auf den Briefträger. Endlich hörte ich ihn an den Briefkästen der Nachbarn klappern und wagte mich zaghaft aus der Deckung. Es klingelte, meine Mutter öffnete die Tür und ich linste in den Flur.
»Morgen, Frau König«, sagte der Briefträger. »Könnten Sie vielleicht ein Päckchen annehmen für Familie …« Weiter kam er nicht, denn plötzlich tauchte Ponti von irgendwoher auf und ging kläffend auf ihn los.
»Aus! Pontos! Aus!«, rief meine Mutter böse und haute Ponti mit einer Zeitung rechts und links ein paar hinter die Löffel. Doch Ponti machte einfach weiter, bis der Postbote die Flucht ergriff. Während Ponti ihn rund um die Büsche jagte, rannte meine Mutter mit der Zeitung hinterher und rief verzweifelt: »Aus!Pontos! Aus jetzt! Pfui!«
Das war meine Chance! Wie der Blitz raste ich die Treppe runter in den Garten und krabbelte unter einen Busch. Derweil lief meine Ma weiter hinter Ponti her und versuchte immer wieder, ihm mit der Zeitung ein paar hinter die Löffel zu geben.
»Nun nehmen Sie doch endlich Ihre Bestie an die Leine!«, keuchte der Briefträger wütend, der sich nun vor Pontis gefletschten Zähnen zitternd an die Hauswand presste.
»Er will doch nur spielen!«, versuchte meine Ma, den erschöpften Briefträger zu beruhigen. Aber vergeblich.
Endlich sah Ponti, dass ich schon im Garten war, stellte schlagartig das Knurren ein und machte vor dem atemlosen Briefträger Sitz. Arglos wollte er ihm Pfötchen geben. Der aber traute dem Braten nicht so ganz und stolperte seitwärts aus der Gefahrenzone.
»Sehen Sie, Herr Briefträger, er ist doch ganz lieb!«, sagte meine Mutter und lächelte den Postmann unsicher an. Aber dem war der Spaß gründlich vergangen. Während meine Mutter sich noch tausend Mal entschuldigte, raffte er eilig seine Sachen zusammen und verließ Hals über Kopf das Grundstück. Erst als er das Gartentürchen geschlossen hatte, rief er wütend: »Hören Sie, Frau König, wenn Ihre Bestie das nächste Mal nicht an der Leine ist, können Sie sich Ihre Post sonst wo holen!«
Heldenhaft ertrug Ponti die nun folgenden Zeitungsklatscher, die meine Ma austeilte, ohne den kleinsten Mucks.
»Pfui, du böser Hund! Was ist bloß in dich gefahren? Ab ins Körbchen mit dir und wehe…«, fuhr sie ihn an und gab ihm noch ein paar mit der Zeitung hinter die Ohren, als er davontrottete. Mich hatte Ponti jedenfalls gerettet. Und ich war stolz auf ihn.
Welch eine Wohltat, dachte ich, als ich meine Blase entleert hatte, obwohl es mir peinlich war so in aller Öffentlichkeit. Aber was sollte ich machen? Zum Glück war ich schon mit meinem Geschäft fertig, als ich den Neuen aus Richtung Schule kommen sah. Was wollte der denn hier? Es war doch erst Vormittag! War er in der großen Pause abgehauen? Extra wegen mir oder was?
Um besser zu hören, schlich ich unter einen der vorderen Büsche. Fränki – also eigentlich Frank; aber ich nenne ihn Fränki – cooler Typ, echt! Er hat schwarze Haare und blaue Augen. Nur falls das jemanden interessiert – also jedenfalls ging der geradewegs zu unserem Haus und klingelte. Und jetzt war ich doch froh, dass ich als Hund so gut hören konnte. Meine Mutter öffnete die Tür.
»Hallo, Frau König, ich bin Frank Ritter», sagte er. »Und ich wollte nur mal schnell fragen, ob Mirabel vielleicht krank ist? Ich hab sie heute gar nicht in der Schule gesehen.«
»Ja, Frank, dann komm mal kurz rein«, sagte sie und drin war er. Ich wäre jetzt zu gerne dabei gewesen. Aber zum Glück war ja Ponti als Spion im Haus! Er würde mir alles brühwarm berichten können, falls er nicht gerade vor sich hin ratzte, der alte Schlafsack.
Als Fränki wieder aus dem Haus kam, machte er ein ganz besorgtes Gesicht. Das gefiel mir. Ich meine, dass er sich wegen mir Sorgen machte und so. Jedenfalls blieb er im Garten stehen.
»Mirabel, wo bist du? Komm raus! Ich verrat dich nicht! Du kannst mir vertrauen!«, rief er leise. Und sofort fing mein blöder Schwanz wieder an zu wedeln, dass der ganze Busch wackelte. Da bemerkte mich Fränki natürlich – und plötzlich trafen sich unsere Augen – mir wurde ganz warm bis in die Schwanzspitze. Ach, am liebsten hätte ich mich in seine Arme geworfen und so, aber mit meiner dicken schwarzen Hundenase? Das ist ja wohl unmöglich.
Nein! Nie und nimmer durfte Fränki mich mit Schnauze und Schwanz sehen! Ich raste davon wie vom Affen gebissen. Doch irgendwie muss er mich trotzdem erkannt haben – denn er rief hinter mir her: »Mirabel, komm her! Ich verrat dich nicht!«
Aber ich rannte und rannte, ohne mich auch nur ein Mal umzuschauen. Ich lief über die kleine Brücke in der Groov bis zur Panzerrampe, wo meine Freundin Sabine und ich ein geheimes Versteck am Rheinufer hatten. Dort saß ich im dichten Pflanzengewirr, starrte auf den Fluss und grübelte vor mich hin.
Ich musste herausfinden, wer mich verhext hatte, und den Zauberbann brechen. Und zwar schnell! Sonst würde irgendwann die Hundenatur über mich siegen und das Mädchen, das ich war, im Nebel versinken. Das durfte ich nicht zulassen. Niemals! Schon alleine wegen Fränki nicht. Und wegen meiner Mutter. Und wegen meiner Freundin Sabine und all den anderen in der Schule.
Natürlich konnte ich nicht ewig an der Panzerrampe sitzen bleiben und rechnen, wozu ich sowieso keine Lust hatte. Als ich mir ziemlich sicher war, dass Fränki nicht mehr an unserem Haus herumlungerte, schlich ich mich zurück in den Garten, wo ich von Ponti mit vorwurfsvollem Blick empfangen wurde.
»Wo bist du gewesen? Ich hab mir echt Sorgen gemacht«, schmollte er verärgert.
»Noch ein Wort und ich fang an zu heulen«, sagte ich, und die Tränen stiegen mir in die Augen.
»Oh, nein! Oh, nein, nicht weinen!«, rief Ponti verschreckt und zum Trost klatschte er mir seine nasse Schlabberzunge über die Schnauze, dass es nur so schmatzte. Das war zuviel des Guten!
Ich flippte aus und bekam zum ersten Mal einen tierischen Wutanfall. Meine Nackenhaare sträubten sich, meine Zähne zeigten sich und meine Instinkte kläfften: »Zubeißen! Zubeißen!«
Hätte Ponti mir nicht sofort seine Kehle dargeboten, hätte ich es bestimmt getan. Doch sein überraschendes Verhalten löste eine sofortige Beißsperre bei mir aus – eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich war entsetzt, dass meine Hundenatur so leicht über mich gesiegt hatte.
Niedergedrückt schlich ich unter den Rhododendronbusch und litt still vor mich hin, während Ponti alles versuchte, um mich wieder aufzurichten.
Am Nachmittag hatte meine Mutter die Polizei informiert. Natürlich fand auch die nicht den kleinsten Hinweis darauf, wie und warum ich verschwunden war! Sie konnte ja nicht ahnen, dass ich der kleine Hund war, der unter dem Busch saß und sich so still wie nur möglich verhielt. Bloß mein Magen knurrte ab und zu, denn ich hatte nichts gegessen seit den Brötchen, die Ponti für mich vom Tisch geklaut hatte. Für keinen anderen hätte er das gemacht: gegen die eiserne Regel verstoßen Du darfst nichts vom Tisch nehmen und so. Dafür wusste er aber nicht, was Fränki mit meiner Mutter geredet hatte.
»Man lauscht nicht an der Tür«, sagte er streng. Doch ich wette tausend zu eins: Der lag in seinem Körbchen und hat geratzt, der alte Schnarchsack.
Als es dunkel wurde, rief meine Mutter Ponti ins Haus, und ich blieb allein im Garten zurück. Das war furchtbar!
Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, irgendwer belauerte mich aus der Dunkelheit. Ein scheußliches Gefühl.
Ich bekam richtige Bauchkrämpfe davon. Sehnsüchtig wünschte ich mich in mein warmes Bett und schaute hinauf zum Kinderzimmer im ersten Stock. Da sah ich aus der Glyzinie, die neben dem Fenster hoch wächst, ein Paar runde gelbe Augen leuchten. Dann noch ein Paar und ein drittes Paar. Die Waldohreulen! Ich hatte sie schon vor drei Wochen in der Glyzinie entdeckt. Sie schwebten lautlos auf den Ast eines Nussbaums ganz in meiner Nähe.
»Na, wer bist denn du?«, fragten sie neugierig.
»Ich bin Mirabel, das Mädchen, das hier wohnt. Und ich kenne euch, seit ihr in unserer Glyzinie sitzt.«
»Ach was! So, so!« Die Vögel schauten mich an, als wäre ich nicht ganz bei Trost, und sicherlich glaubten sie mir kein Wort.
»Ich habe doch jeden Morgen nachgeschaut, ob ihr noch da seid, und euch im Schlaf beobachtet. Erinnert ihr euch denn nicht mehr an mich?«
»Wir erinnern uns an ein hübsches Mädchen.«
»Ja, das war ich!«, stimmte ich zu.
»Wenn wir das Mädchen auch nicht genau betrachten konnten, weil wir am Tag meist schliefen, so wissen wir doch, dass es blonde Locken hatte und Augen hell wie Bernstein.«
»Ja, genau. Das war ich!«
»Und wo sind deine blonden Locken jetzt geblieben, bitteschön?«, fragten die Eulen misstrauisch.
»Gestern waren sie noch da«, sagte ich. »Jetzt habe ich nur noch eine einzige blonde Ponysträhne, schaut doch her!«
»Hör auf mit dem Unsinn. Du bist ein Hund!«, riefen die Eulen ärgerlich, nahmen aber meinen Pony doch noch einmal genauer in Augenschein.
»Hm! Merkwürdig. Die Farbe könnte eventuell stimmen«, sagten sie und wiegten den Kopf. »Und was ist mit deinen hellen Bernstein-Augen?«
»Die sind auch weg! Jetzt habe ich Hundeaugen, aber sie haben auch noch die gleiche Farbe wie zuvor.«
Die Eulen kamen noch ein wenig näher, um mir tief in die Augen zu schauen.
»Unglücklicherweise ist es ein wenig zu dunkel, um die Augenfarbe genau zu erkennen«, sagten sie, »aber auch sie könnte stimmen.« Daraufhin schlossen sie die Augen, grübelten eine Weile nach und fingen miteinander zu flüstern an.
»Könnte es sein?«
»Vielleicht hat es?«
»Du meinst jene, welche ...?«
»Psst!«
Die Vögel begannen, sich aufzuplustern und ihre Federn in Ordnung zu bringen und traten von einem Fuß auf den anderen. Am liebsten hätte ich sie geschnappt und geschüttelt, um sie auf Trab zu bringen. Wieder spürte ich diese fremdartige Wut in mir hochsteigen und löste schnell ein paar Rechenaufgaben, 3 × 3 und so einen Kinderkram, um mich zu beruhigen. Was mir auch, bis auf ein leises Knurren, ganz gut gelang. Nachdem die Eulen nochmals getuschelt hatten, forderten sie mich auf, alles zu erzählen, was gestern Nacht passiert war.
»Oh! Das ist ja das Problem«, bedauerte ich. »Es ist wie ein schwarzes Loch. Meine Erinnerung an gestern Nacht ist vollkommen gelöscht. Ich glaube fast, dass ich verhext worden bin.«
Ich schaute die Eulen bedrückt an. Sie nickten behäbig.
»Das glauben wir allerdings auch.« Sie glaubten mir. Endlich glaubten sie mir!
Mein Schwanz legte sofort wieder los und wedelte wie ein Irrer, sodass ich dachte, ich hacke das blöde Ding noch mal ab.
Die Eulen waren nun voll des Mitleids für mich.
»Armes Kind«, sagten sie. »Eine Hundenase mitten im Gesicht. Und überall Fell! Das ist ja wahrlich ein Alptraum für ein Mädchen.«
»Ja, es ist schrecklich. Wenn ich nur wüsste, wer mir das angetan hat und warum!«, seufzte ich.
»Das wissen wir leider auch nicht.« Die Eulen traten verlegen von einem Fuß auf den anderen. Dennoch schienen sie ernsthaft darüber nachzudenken, wie sie mir helfen könnten.
»Hm, vielleicht solltest du zuerst einmal deine Erinnerung zurückbekommen. Es gibt da nämlich das Kräutlein Erinnerdich.«
Das war Musik in meinen Ohren! Ich schöpfte wieder Hoffnung und sagte, ich würde bis ans Ende der Welt laufen, um das Zauberkraut zu holen.
»Oh, das ist nicht nötig.« Die Eulen winkten ab.
»Wir haben es gestern Abend noch gesehen! «
»Am See in der Groov!«
»Hier bei uns in der Groov?« Ich konnte es kaum glauben!
»Ja, in der Groov am Pavillon!«
»Du hast großes Glück! Sehr selten wächst dieses Kraut!«
»Und nur wenn der Mond scheint, kannst du es sehen!«
»Bei Mondenschein beginnt es zu glitzern wie Silber.«
»Wenn du es dann hinunterschluckst, wirst du dich wieder an alles erinnern können!«
Die Eulen nickten mir aufmunternd zu. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Am liebsten wäre ich gleich losgerannt. Aber dafür war ich doch viel zu erledigt. Außerdem hatte ich nachts allein in der Groov auch zu viel Angst.
»Morgen Nacht, wenn der Mond scheint, werde ich mit Ponti das Kräutlein suchen gehen«, sagte ich.
»Ja, tu das nur, Mirabel! Tu das! Aber bedenke eins: Wenn du das Kräutlein geschluckt hast, wirst du vielleicht etwas gar Schreckliches sehen.«
Die Eulen sahen mich mitfühlend an.
»Aber du darfst dann keinen Mucks von dir geben.«
»Ganz gleich welches Grauen du erblickst. Solange du in deiner Erinnerung bist, musst du schweigen.«
»Sonst wirst du dich niemals mehr erinnern können. An nichts mehr!«
Die drei Eulen schwiegen unheilschwanger.
»An gar nichts mehr?«, fragte ich verunsichert.
