Mission Adam - Michael Gallo - E-Book

Mission Adam E-Book

Michael Gallo

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Beschreibung

Er öffnet seine Augen und weiß weder wer er ist, wo er ist, sogar was er ist. Nur dieses sonderbare Wesen an seiner Seite erklärt ihm, dass sein Name Adam sei und dass er die ausschlaggebende Person sei, die den bevorstehenden Wandel auf der Erde auslösen würde. Die Erde steht im Umbruch, an der Schwelle eines tiefgreifenden, jedoch positiven Wechsels in der Geschichte der Menschheit. Nur eine dunkle Bedrohung aus den Tiefen des Alls, seit Jahrtausenden allgegenwärtig auf der Erde, hat die Menschheit im Würgegriff, ohne dass sie etwas davon ahnt. Sie sind es, die durch diesen Dimensionswechsel ihre Vormachtstellung auf der Erde verlieren würden und alles daran setzen, dass es nicht dazu kommt. So beginnt für Adam und seine Gefährtin eine Mission. Eine Odyssee, die sie um den halben Erdball bringt, immer mit ihren Feinden im Nacken und dem Kampf darum, die Menschheit ins Licht zu führen, ohne dass diese die leiseste Ahnung davon hat.

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Seitenzahl: 523

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Michael Gallo

Mission Adam

Der Weg nach Hause

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

PROLOG

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

23.

EPILOG

Herkunft und Wesen der Schöpfer

RÜCKBLENDE

Das Wesen und Wirken der Dimensionen

Danksagung

Impressum neobooks

PROLOG

PROLOG

Es gibt nichts vergleichbareres, das schwärzer, kälter und leerer ist als das absolute Nichts zwischen den Myriaden Galaxien des Universums. Die Abstände dieser Inseln des Lichts sind so Groß das man im Raum zwischen ihnen nicht das kleinste Funkeln in der unendlichen Weite als Anhaltspunkt ausmachen könnte.

Genau dieses Nichts ist es, das im ganzen Universum alles was Ist zusammenhält. Dieses Nichts ist es, und das hat jede höherentwickelte Kultur entdeckt, dass die reinste und unerschöpfliche Energie ihr Eigen nennt.

Allgegenwärtig, zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort, ob Planet, Stern, Asteroid und im anscheinend leeren Raum dazwischen durchdringt diese Energie alles. Jedes beseelte Leben jeder Kreatur in diesem Universum, wäre der göttliche Funken oder wie immer man das Sein von Existenz nennen mag nicht in der Lage seine physische Existenz aufrechtzuerhalten. Ohne diese Kraft die alles durchdringt. Nicht einmal der härteste Gesteinsbrocken würde ohne die ihn durchdringende schwarze Materie in der Lage sein, seine ihm gegebene atomare Form aufrecht zu erhalten. Eigentlich eigenartig, das man der machtvollsten physischen Energie des Lebens das Attribut schwarz verliehen hat.

Das kann nur einer Zivilisation in den Sinn kommen die noch „etwas„ davon entfernt ist diese Energie zu entdecken und zu nutzen. Aber an diesem Punkt angekommen, diese Urgewalt entdeckt und nutzbar gemacht zu haben, wird jeder Wissenschaftler egal welcher Disziplin angehörend, vor Demut auf die Knie sinken, erkennend und wissend, das es keiner noch so empirischen Ausrede mehr bedarf das göttliche Sein in dieser Kraft zu leugnen. Denn, kein Reaktor oder Fusionsgerät oder sonstige technische Apparatur wäre in der Lage diese Energie zu wandeln.

Es ist die die logische Konsequenz einer ethisch und moralischen Kultur die den Sprung in den Weltraum geschafft hat. Ohne sich auf dem Weg dorthin durch Habgier, Neid und Geiz dabei selbst zu vernichten. Das Entdecken der göttlichen Matrix auf diesem Weg, dass alles im Universum aus Licht, Klang und reiner Geometrie besteht und mit dem Katalysator Liebe das Unmögliche möglich wird.

1.

Langsam versuchte er seine Augen zu öffnen. Jedoch dieses zähflüssige rosafarbene Kontrastmittel in dem er zur Gänze mit seinem Körper steckte machte es ihm nicht einfach. Er fühlte sich wie ein Hering in Gelee, vorausgesetzt er hätte jemals zuvor die Erfahrung gemacht um was es sich bei diesem kulinarischen Leckerbissen handelte.

Desto mehr er sich bemühte die Augen zu öffnen, umso mehr vermischte sich dieses dickflüssige Zeug mit seiner Netzhaut und alles begann erneut zu verschwimmen. Das einzige was er ausmachen konnte war dieses stetige „Bing“ das im mehr unterbewusst als bewusst in den Ohren lag. Zudem fühlte er sich trotz dieser Gel Masse, als läge er auf einem Nagelbrett, und sein Rücken würde von hunderten kleinen Nägeln durchbohrt. Langsam gewöhnten sich seine Augen an den Zustand und sein Blick wurde etwas schärfer, wobei sein Verstand noch etwas hinterherhinkte. Er wusste absolut nicht wie er hierhergekommen war, schlimmer noch, „wer bin ich, wo bin ich und was bin ich?“ hörte er sich denken, und wunderte sich gleichzeitig darüber das er vom ersten Moment an nicht in Panik verfiel. Weder diese widerliche Gallert artige Masse die seinen ganzen Körper bedeckte, die schmerzhaften Nadelstiche im Rücken noch das er keinen blassen Schimmer hatte wer er war. Er hatte eine, für diese Situation untypische innere Ruhe -- wie ein Hering in Gelee eben. Er versuchte sich zu bewegen und merkte dass alle seine Gliedmaßen mit breiten Bändern fixiert waren. Er spürte Hände, seine Hände, und Finger die er bewegen konnte. Es waren fünf an jeder Hand. Intuitiv spannte er alle Muskeln an und machte sich steif, denn das machte es ihm leichter seinen Körper zu spüren. Er spürte ihn mehr als ihm lieb war, denn durch das Anspannen wurde der Schmerz in seinem Rücken noch deutlicher. Auch seine Beine die nicht auf einer Unterlage ruhten, sondern in der Masse bewegungslos zu schweben schienen, konnte er spüren. Es war wie das Erwachen eines Neugeborenen, das sowie es das Licht der Welt erblickt, staunend seinen Körper begutachtet und erforscht. Nur war das hier in dieser Situation nicht möglich. Man hatte ihn gefesselt. Er versuchte nun seinen Kopf zu bewegen, der zum Glück mit keiner Bandage versehen war. Als er ihn gerade nach rechts drehen wollte, von wo er das Geräusch vernommen hatte, erschrak er, denn Im selben Moment beugte sich ein durch die rosafarbene Masse leicht verschwommenes Gesicht über ihn, und er hörte durch eine milchige Fensterscheibe, „Guten morgen Adam, lang genug geschlafen“.

„Mein Name ist Adam“, hämmerte es in seinem Kopf. Adam wollte gerade zu seiner ersten Frage an das schemenhafte Wesen durchstarten, da merkte er erst jetzt, dass er gar nicht in der Lage war zu reden. Mit einer Großen metallischen Klammer wurde sein Mund gespreizt und das Gelee war nicht nur um ihn herum sondern auch in ihm. Mund, Rachen, Speiseröhre, sein Magen, ja sogar seine Lungen waren vollends mit diesem Zeug gefüllt. Er fühlte sich wie sich ein gestopfter Truthahn fühlen muss, kurz bevor er in den Ofen geschoben wird.

Jetzt kam die Panik. Zumal er langsam so wach geworden war, dass er spürte, das er obendrein aus allen möglichen Körperöffnungen mit silbernen Schläuchen mit diesem sargähnlichen Ding verbunden war.

„Waaass?“ – mehr war Adam nicht in der Lage in seinem momentanen Zustand in Gedanken zu formulieren, da wurde er auch schon abrupt unterbrochen und hörte das Wesen sagen.

„Adam, bitte beruhige dich es ist alles in bester Ordnung, nur noch kurze Zeit und du wirst von diesem Vitaltank befreit werden.

„Vitaltank?“ Adam versuchte jetzt trotz seiner restlos gefüllten Lungen und dem Schlauch in seinem Mund sich zu artikulieren, es wurde aber natürlich nur ein Versuch, denn die zähe Flüssigkeit und ein Schlauch der in seinen Rachen intubiert war, verhinderten es. Als er das merkte begann er wild mit seinem Kopf nach links und rechts auszuschlagen. Das Wesen das immer noch über ihm stand und sich nach vorn gebeugt hatte, erkannte Adams verzweifelte Unternehmung sich zu befreien. Als es seine rechte Hand über Adams Kopf hielt, was er immer noch mehr verschwommen als klar wahrnehmen konnte, meinte er für einen Sekundenbruchteil ein leuchtendes Licht in der Mitte der Hand zu erkennen. Als dieser smaragdgrüne Schimmer seinen hellsten Punkt erreicht hatte, blieb sein Kopf, der immer noch verzweifelnd in Bewegung war, abrupt stehen und verharrte bewegungslos, ohne das Adam etwas dagegen ausrichten konnte.

„Adam, geliebter Adam, bitte beruhige dich. Ich versichere Dir dass alles nur zu deinem Besten geschieht. Der Tank und dieses Gelee in dem du dich befindest, dienen ausschließlich deiner Regeneration, und zum Aufbau deiner Anatomie, denn du musst wissen du wirst gerade auf das Leben vorbereitet.

Adam kannte nun seinen Namen, und er wusste das er in einer ausweglosen Situation festgehalten wurde, wozu auch immer. Eigenartig war nur, dass Adam ansonsten keinen anderen Gedanken fassen oder formulieren konnte. Er konnte sich lediglich gedanklich mit dem eben Erlebten und Erfahrenen befassen, das sein Gehirn versuchte zu verarbeiten. Ansonsten war da aber nichts. Rein gar nichts an was er sich erinnert hätte, schlimmer noch, es gab nichts was er hätte beim Namen nennen können. Auch alles was dieses Wesen ihm gerade erklärte, verursachte Schmerzen in seinem Kopf, was darauf zurückzuführen war, das Adam zum ersten Mal sein Gehirn mit Informationen fütterte. Er befand sich in dem Stadium, der einer jungfräulichen Festplatte glich, die nur darauf wartete zum Ersten Mal mit nützlichen Programmen gefüttert zu werden. Nur war Adam das noch nicht bewusst.

„Wie unhöflich von mir ich hab mich ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Luzeel.“ Und im gleichen Moment als dieser Luzeel das sagte strich er behutsam mit einem Spachtel über Adams Augen, wo er eine Sekunde zuvor durch eine kurze Handbewegung diese milchige Fensterscheibe absolut geräuschlos beiseite geschoben hatte. Jetzt endlich konnte er sein Gegenüber richtig klar und deutlich erkennen.

Es verschlug im die Sprache. Eine Groß gewachsene Gestalt, schlank – eingehüllt in ein schneeweißes Gewand, ähnlich einer Robe, schlaksig dürre Finger, fünf an einer Hand, wo die linke noch den Spachtel hielt und das Gelee in dünnen Fäden an der unteren Kante heruntertropften, und dann das Gesicht. Ein großer länglicher Kopf mit einer fein gezeichneten kleinen Nase, einen Mund, als hätte man mit einem Lineal einen Strich gezogen. Umrahmt wurde dieses schneeweiße Gesicht von goldglänzendem, schulterlangem Haar das an seinem Kopf, gleich einem Vorhang aus Licht, herunterhing. Es war als würde diese Haarpracht von innen heraus leuchten. Und dann Luzeel´s Augen, die in Relation zu seinem Mund und Nase wirkten als wären sie nachträglich eingebaut worden. Wirklich Große Augen. Mandelförmig leicht nach oben geneigt und tiefblaue Pupillen die eine Wärme und Güte ausstrahlten, das Adam fast verrückt wurde in diesem Tank, ohne sich diese Gefühlsregung selbst erklären zu können. Das unglaublichste Detail in Luzeel´s Gesicht war aber der walnussgroße kreisrunde Diamant genau zwischen seinen Augen, der wärend er Luzeel´s Gesicht analysiert hatte, in den letzten fünf bis zehn Sekunden mindestens dreimal die Farbe gewechselt hatte. Von Orange über tief gelb bis es in einem satten Grünton endete, und jetzt verharrte die Farbe in dem Stein, als hätte er solange den Fernsehkanal gewechselt bis er die richtige Sendung gefunden hatte.

„Wie fühlst du dich Adam?“, hörte er sein Gegenüber fragen, und erst jetzt bemerkte er das Luzeel die Lippen nicht ein bisschen bewegte und er erschrak.

„Keine Sorge Adam“ als hätte Luzeel seine Gedanken gehört, „du hörst alles was ich sage und umgekehrt, wir kommunizieren ausschließlich auf mentaler Ebene.

„Es erspart uns viele Missverständnisse und wertvolle Zeit bei unserem Austausch“, und gleichzeitig huschte ein sanftes Lächeln über Luzeel´s Gesicht.

Adam versuchte seine Gedanken zu sortieren, was in der momentanen Situation nicht gerade leicht war. Als Luzeel geduldig ein bis zwei Minuten schweigend verharrt hatte, versuchte es Adam auf mentaler Ebene. „ Mein…Name …ist Adam?, wo bin ich? Was bin ich und warum das Alles? Warum hab ich diese Schmerzen da unter mir?“ Jetzt erst merkte Adam dass der Schmerz in seinem Rücken immer heftiger wurde, was er die letzten Minuten, wen wundert’s, verdrängt hatte.

„Was deinen Rücken betrifft, sorge dich bitte nicht, der Schmerz wird sofort vergehen, es ist zu deinem Besten, es liegt in keinster Weise in unserer Absicht dir Leid zuzufügen.“

Während dieser Worte beobachtete Adam dass der Stein in Luzeel´s Gesicht plötzlich von Grün in ein tiefes Violett wechselte, und zur selben Zeit - wie auf Knopfdruck - spürte er keinerlei Schmerz mehr. Adam wusste nicht mehr wie im geschah. Luzeel fuhr fort.

„Adam du bist hier auf der Krankenstation eines Raumschiffes, und das worauf du liegst ist ein Bett aus Mongolithkristallen“.

Es handelte sich um hunderte kleine perfekt angeordnete, am Ende leicht spitz zulaufende Steine die im gleichen Violett strahlten wie Luzeel´s Stein inmitten seiner Stirn.

„Dein Körper wird von den Steinen leicht punktiert, so kann das Licht und die richtige Frequenz, besser dein Innerstes anheben. Ohne diese Steine wäre der „Sprung“ nicht möglich. Und um zu deiner wichtigsten Frage zu kommen. Adam, du bist ein Mensch und gehörst zur Rasse der Menschen, die den Planeten Erde besiedeln.

„Was bist du, bist du auch ein Mensch?“ kaum gedacht, gefiel Adam diese Art der Kommunikation irgendwie. Luzeel der ihn nun mit seinen tiefblauen Augen, in denen man sich wahrlich vollends verlieren konnte, fixierte, honorierte Adams Frage vorerst mit einem gütigen Lächeln.

„Nein, Adam“, kam sofort die Antwort direkt in seinen Kopf.

„Wir sind eine Wesenheit die schon seit Äonen den Raum besiedeln, man nennt uns Elohim, oder auch die Schöpfer.“

Eigenartig, irgendwie kam Adam der Name Luzeel schon bekannt vor, ohne dass er es sich erklären konnte. Und jetzt der Name Elohim, als hätte er das alles schon einmal gehört, was aber nicht möglich sein konnte.

„Adam, ich höre deine Frage, und es stimmt, wir kennen uns. Jedoch alles zu seiner Zeit. Es ist jetzt soweit die letzte Stufe deiner Reinigung einzuleiten. Du wirst jetzt noch etwas schlafen, und dann folgen die Antworten auf deine Fragen.“

Gleichzeitig mit diesen Worten hob Luzeel, beide seiner schlaksigen Hände und erst jetzt bemerkte Adam dass er inmitten seiner beiden Handflächen noch so einen glitzernden Stein implantiert, oder was auch immer, hatte. seine Hände, mit den grell goldschimmernden Steinen berührten fast unmerklich die Oberfläche des Gelees, in dem Adam immer noch eingehüllt war, und urplötzlich veränderte sich die Rosafärbung der transparenten Masse in ein sanftes Grün.

Adam war nicht mehr in der Lage diese letzte Aktion zu analysieren, geschweige eine Frage zu stellen, denn sogleich fiel er erneut in einen tiefen Schlaf.

2.

Der Gestank war unbeschreiblich. Hier kamen wirklich alle Duftnuancen zusammen die man sich eigentlich nie wirklich wünscht durch die Nase zu inhalieren. Das Aroma von Urin, Kot, und Erbrochenem lag in der Luft.

Es war stockfinster. Das einzige Licht kam von einer in tiefem Rot getauchten, runden, an der Decke hängenden Lampe die sich unablässig drehte. Und das alle zehn Meter, soweit bis sich diese blinkende Lichterkette irgendwo im Dunkel verlor. Das einzige Geräusch in diesem Raum war das, von leise rotierenden Lüftungsventilatoren. Ein schriller Alarm Ton, gleich aufheulender Sirenen unmittelbar vor einem Bombenangriff lies diese morbide Szenerie abrupt beenden. Mit dem Heulton gingen überall gleisend helle neonähnliche Lichter an der Decke an, und gleichzeitig erlosch die rote Lichterkette. Jetzt erst im Hellen sah man das Ausmaß dieses Raumes. Beinahe fünfhundert Meter lang, zwei Fußballfelder breit, und gut und gern Zwölf Meter hoch. Beinahe zeitgleich mit dem Heulton und dem Einschalten dieser grellen Beleuchtung erhoben sich synchron über den ganzen Raum verteilt Hunderte von kahlrasierten menschlichen Köpfen.

Schlafquartier und Unterbringungslager von Hunderten Arbeitern. Geschlichtet in 4er Reihen wie Sardinen in einer Dose auf schwarzen faustdicken Isoliermatten, die auf vierzig Zentimeter hohen, metallenen Bettgestellen lagen. Zwischen den Schlafkojen standen in regelmäßigen Abständen sarggroße, ein Meter hohe offene Behälter die an Futtertröge erinnerten. Es waren Futtertröge. Tief verkrusteter Dreck von unzähligen Mahlzeiten überzog diese Behälter.

Zwischen den Lagern fanden sich teilweise Reste von den Mahlzeiten und auf den Gängen sammelte eine tiefe Furche im Boden, gleich einer betonierten Dachrinne, die flüssigen Ausscheidungsprodukte auf, bis sie etwa alle zwanzig Meter in einem Gully im Boden verschwanden. Vis a vis der Abläufe erinnerten zwei meterhohe Wände an Umkleidekabinen in Kaufhäusern, die aber mit einer Sitzgelegenheit verbunden waren und am Boden in einem faustgroßen Loch endeten. Donnerbalken. Unmittelbar daneben hing jeweils ein, ein Meter langer Schlauch aus den Wänden aus dem stetig in einem leichten Fluss Wasser rann.

Der grelle Heulton endete urplötzlich, bis dahin waren noch alle Anwesenden wie Schaufensterpuppen regungslos aufrecht sitzend auf ihren Schlafunterlagen verharrt. Jetzt ertönte ein schriller Pfiff, als würde ein Fußballspiel angepfiffen, und in derselben Sekunde standen alle 1.250 Glatzköpfe regungslos neben ihren Betten. Die Szene erinnerte an einen US-Marine Zombiefilm. Noch unheimlicher als der Zustand das es sich hier nicht um toptrainierte Elitesoldaten sondern um augenscheinlich apathisch wirkende Geschöpfe handelte, war, das bis auf einen Unterschied alle komplett identisch aussahen. Klone.

Der einzige Unterschied lag darin das drei Reihen aus Männern bestanden, und die vierte Reihe aus Frauen, von denen, unnötig zu erwähnen, auch alle identische Kopien waren. Eingehüllt in hellgraue Overalls, mit schwarzen Arbeitsstiefeln stand nun diese Ameisenarmee, mit halbverdrecken Gesichtern, schmutzverschmierten Overalls, und einem Gestank der in der Luft lag, bei dem kein normaler Mensch auch nur eine Sekunde ruhig hätte stehen können, da. Wartend auf den nächsten Befehlston. Der sich in einer Folge von drei grellen Pfiffen, akustisch seinen Weg durch diese große Halle bahnte.

Wie von Gespensterhand, drehten sich alle synchron mit dem Gesicht in eine Richtung und schlurften den Gang entlang. Als wären unsichtbare Hinweistafeln aufgestellt, teilte sich plötzlich die Reihe. Die einen gingen weiter gerade aus und ca. fünfzig Personen bogen jeweils zu beiden Seiten nach links und rechts ab. Die gleiche Szene wiederholte sich alle vierzig Meter. Bis nach nicht einmal drei Minuten alle aus dieser riesigen Halle in angedockte Container verladen waren.

Die Elektromotoren surrten auf und die Türen schlossen sich.

Nach einem lauten Knall und dem Lösen der Verankerungsbolzen, starteten die Turbinen und fünfundzwanzig Shuttles mit Klonarbeitern, nur zu einem Zweck erschaffen, gleiteten lautlos aus der geostationären Umlaufbahn vom Mutterschiff in Richtung Planet Deneb, im Sternbild Schwan. Es würde ein weiterer wirtschaftlich erfolgreicher Tag, im Dasein der Alvarer werden.

Alvares, ein mittlerweile ausgedörrter Wüstenplanet am anderen Ende unserer Milchstraße, und ein vielfaches älter als unsere bekannte Erde, brachte einst eine der aufstrebensten Zivilisationen hervor.

Die Alvarer waren vom Körperbau eher kleinere gedrungene Wesen mit rundlichen Köpfen, einem schwarzen Haaransatz der jedoch mehr ein Flaum war und eher an einen Pelz erinnerte, kleine rabenschwarze Augen und Münder mit schwulstigen Lippen. Als Nasen hatte die Evolution hier nur zwei kleine Löcher in der Haut vorgesehen, die sich wie Fischkiemen öffnen und schließen Liesen. Hauptmerkmal dieser Rasse waren jedoch ihre Ohren, die von der Größe fast ein Drittel ihres Kopfes ausmachten und ebenfalls vom Kopf übergehend mit diesem schwarzen Pelz überzogen waren. Als wäre es von der Evolution geplant gewesen, das dieses Volk eines Tages mehr sein Gehör als seine Augen gebrauchen würde, um besser unter Tage arbeiten zu können.

Alvares war reich an Bodenschätzen und hatte eine vielfältige Flora und Fauna, nicht unähnlich der Erde. Alles änderte sich jedoch schlagartig, als man auf diesem Planeten eine der wichtigsten Energielieferanten des Universums entdeckte. Kursiterz.

Kursiterz, ist sehr selten im Universum, und das wahrscheinlich nicht ohne Grund. Ein tiefgraues Steinerz, das relativ unspektakulär erscheint wenn man es aus dem Berg fördert. Jedoch mit der richtigen Verarbeitung und Verhüttung, entstehen zwei Dinge. Die zugleich härteste, leichteste und flexibelste Metallverbindung die man sich vorstellen kann. Ein zehntel Millimeter dünn hält Kursit der Sprengkraft einer Granate stand. Einmal in eine Form gebracht kehrt das Metall immer wieder in seine Ausgangsform zurück. Sehr effektiv bei zerstörten oder verunfallten Geräten, Maschinen oder Schiffen.

Und zum Zweiten das Abfallprodukt der Verhüttung, die ausgewaschene Schlacke des Erzes. Paran. Hochstrahlende kleine Kristalle die das 10.000 fache von spaltbarem Uran an Energie liefern. Mit diesem Rohstoff schoss die Entwicklung und der Wohlstand der alvarischen Zivilisation in Höhen, das es für das einzelne Individuum unmöglich war, geistig mitzuhalten. Das war aber nicht der einzige Preis den das Volk für diesen Wohlstand und technischen Fortschritt zahlte, denn Paran hat eine Strahlungsintensität, das Arbeiter die Kursit schmolzen und abschöpften, im Schnitt eine Lebenserwartung von fünf Jahren hatten. Die Arbeit Maschinen oder Robotern zu übergeben war nicht möglich, da ausschließlich nur während des Schmelzvorgangs, wenn Kursit in flüssige Form gebracht wurde, aus unerklärlichen Gründen starke elektromagnetische Strahlung austrat, gleich einem kleinen Sonnensturm, und somit die Frage sich gar nie stellte.

Denn elektromagnetische Strahlung legt jegliche Maschine lahm die Elektrizität als Energiequelle benutzt.

Am Zenit ihrer wirtschaftlich und technischen Entwicklung angekommen, und Millionen tödlich verstrahlter Arbeiter später, bemerkten die Alvarer zu spät, das ihre Gier nach Wohlstand, Fortschritt und Reichtum dazu geführt hatten, das sie ihren Heimatplaneten an den Rand des Kollaps gebracht hatten. Von der üppigen Fauna und Flora war nicht mehr viel übrig. Die Elemente des Planeten spielten zunehmend verrückt und die Atmosphäre ihrer Heimat war über den langen Zeitraum des Aufschwungs zu einer hochgradig verstrahlten Seifenblase geworden.

So wurden die Alvarer gezwungen ihre Heimat zu verlassen, und ihr neues Zuhause wurde der Raum. Dank des Kursits war es ihnen möglich Raumschiffe zu bauen, die an Größe und Effektivität alles Bekannte in den Schatten stellten. Jedoch war ihr Energielieferant Paran kein unendliches Produkt, und so wurden sie vor die Wahl gestellt. Ansiedeln auf einem neuen Planeten und von Null anfangen, ohne Paran. Oder sich wie Tramper auf den Weg zu machen und das Universum abzuklappern auf der Suche nach ihrer Wohlstandsdroge.

Sie entschieden sich für letzteres, und so startete eine Armada aus Zwölf großen Generationsraumschiffen, jedes das Fassungsvermögen einer Kleinstadt, ihre nie endende Odyssee.

Auf ihrem Jahrhunderte langen Weg durch den Raum perfektionierten die Alvarer, so schien es, das Problem, die Verstrahlung in den Griff zu bekommen.

Die Genetik. Sie schafften es irgendwann, im Zeitraum von nur wenigen Monaten Klone von Erwachsenen zu schaffen, die genetisch programmiert wie Roboter beliebig einsetzbar waren.

Natürlich klonten die Alvarer sich nicht selbst. Auf ihrem langen Weg, die Nadel im Heuhaufen suchend, dem Kursit, trafen sie auf viele Welten, bewohnte, und auch unbewohnte. Teilweise auch mit hohem technologischem Fortschritt. Auf einem blauen Exoplaneten der Klasse 2 war eine interessante Rasse angesiedelt. Charakterlich den Alvarern in Sachen Gier und dem süchtigen Streben nach immer mehr, nicht unähnlich. Jedoch technisch noch weit davon entfernt, den Alvarern die Stirn bieten zu können.

Interessanter war aber ihre Anatomie und körperliche Zähigkeit. Vielseitig einsetzbar war diese fast doppelt so große Rasse perfekt für Klonarbeiter jeder Art.

Es war die Rasse der Menschen, Planet Erde.

Für die Alvarer war es ein leichtes, unbemerkt einige Spezies vom Planeten zu entführen.

Und die Arbeit konnte beginnen.

Das Klonen

Hatte es eine Spezies geschafft, sich die Kinderschuhe der Genetik abzustreifen, und das Klonen zur Perfektion gebracht, war schier alles möglich. Man war in der Lage Roboter zu schaffen, die nur und ausschließlich für den ihnen angedachten Zweck kreiert wurden. Klone für Reinigungsarbeiten, Klone für Überwachungsdienste, und der Hauptzweck für die Alvarer bestand in dem Schaffen von Klone zum Abbau ihres geliebten Erzes unter Tage, sowie dessen Weiterverarbeitung auf den Schiffen. Dafür mussten diese bedauernswerten Geschöpfe, lediglich mit der Arbeit des Abbaus und dem Umgang des Erzes programmiert werden und durften den Entwicklungsschritt, das einem fünfjährigen Erdenkind gleich kam nie überschreiten. Dafür sorgte eine entsprechende Schranke, in Form einer einzigen Gensequenz. Außerdem waren sie natürlich alle fähig, selbstständig Nahrung aufzunehmen oder ihre Notdurft zu verrichten, wie es auch kleine Kinder beherrschen sobald sie die Windelphase überstanden hatten. Nur brauchten Klone keine Windeln, sondern diese Fähigkeiten wurden ihnen ebenso wie die Fähigkeit ihrer ihnen angedachten Tätigkeiten von Geburt an eingepflanzt. Das einzige Problem das sich aber noch zeigte war das Fehlen von einem Gefühl für Hygiene, was sich auch in den Unterbringungslagern deutlich manifestierte. Ein Gefühl das genetisch nicht programmiert werden konnte, da es auch bei der, zum Beispiel menschlichen Entwicklung, immer darauf ankam, das es eine lehrende Vorbildfunktion in Punkto Ethischer oder Moralischer Vorstellung dessen was erwünscht wurde, gab. Dafür hätten die Alvarer ganz einfach die Entwicklungsschranke ihrer Klone nach oben schrauben müssen, um ihnen so das Lernen von Dingen zu ermöglichen. Nur das war nicht erwünscht, und nebenbei zu gefährlich. Die Gefahr war einfach zu groß, das mit steigendem Denk- und Lernvermögen die Klone eines Tages womöglich aufbegehrten. Die Alvarer konnten mit dem Manko leben, das sie ziemlich gut im Griff hatten, wie sie fanden. Mit täglichen Massenbestrahlungen zur Desinfektion von Sporen und Viren, und eigens programmierten Reinigungsklone die nur zum Aufräumen und Sauberhalten der Lager da waren. Das verlängerte unter anderem auch die Lebenszeit der Arbeiter um etliche Monate, wenn sie einigermaßen hygienisch hausten.

3.

Der Flug dauerte 23 Minuten, vom Mutterschiff bis zur Oberfläche des Planeten. Relativ unsanft setzten die Shuttles auf dem staubig, steinigen Boden des Talkessels auf. Es war ein offenes Fabrikgelände, provisorisch errichtet. Mit großen grauen Containern in der Mitte, die an Schlafbaracken erinnerten. Das ganze Areal war von einer hohen majestätisch anmutenden Gebirgskette umgeben, an der sich Tal auswärts langgezogene Wiesen und dichte Wälder erstreckten. Die Atmosphäre auf Deneb war ideal für die menschliche Rasse – der Erde gleich. Es unterschied sich nur in einer etwas kleineren Sonne und einem leicht rosafarbenem Firmament, dessen Färbung mit der Dichte der Atmosphäre zu tun hatte. Am Fuß des Berges führten mannsgroße Löcher in den Fels. Hier wurde Bergbau betrieben. Das konnte man auch an den vielen Beförderungs-loren erkennen, die aufgereiht neben den Tunneleingängen auf ihren Einsatz warteten. Im gleichen Moment in dem mit lautem Surren die elektrischen Schiebetüren der Shuttles ihre menschliche Fracht freigaben, hatten sich aus den grauen Containern, die zur Unterbringung der Wacheinheiten dienten, in der Mitte des Geländes jeweils Zwei Wachklone links und rechts eines jeden Shuttles postiert.

Schwarz behelmt, schwarze Overalls und schwarze Schnellfeuerwaffen, abgerundet von schwarzen Stiefeln waren diese Wächter eigentlich mehr dekorativ als nützlich, denn seit die Alvarer ihre Suche nach Kursit mit Klonarbeitern betrieben, gab es noch nie einen außergewöhnlichen Zwischenfall. Wie auch.

Alles eine Frage der richtigen genetischen Programmierung des Gehirns.

Auch die Wachsoldaten waren, ihrer Aufgabe entsprechend, perfekt genetisch manipuliert worden. Erst jetzt im Sonnenlicht konnte man erkennen wie weiß die Haut der Klonarbeiter wirklich war, und aus ihren dunkelumrandeten Augenhöhlen starrten rot entzündete Augen ins Leere. Wieder bewegte sich diese Gespensterarmee wortlos zu ihren ihnen zugeordneten Arbeitsgerätschaften, die aus Schremmhämmern, fahrbaren Kernbohrern, Pickeln, Schaufeln und Brecheisen bestanden. Für modernere Gerätschaften waren die Klonarbeiter leider nicht geeignet.

Die Unfallgefahr war einfach zu hoch. Die uniformierten, behelmten Wachen schritten still an der Seite der Arbeiter mit in Richtung der Stolleneingänge. Plötzlich strauchelte einer der Arbeiter, wahrscheinlich zu schwach weil seine Lebenszeit schon beim Ablaufen war, als er seine Füße nicht genug bei diesem wortlosen Marsch anhob und über einen größeren Stein stolperte. Er kippte vornüber und fiel wie ein Brett ohne schützend seine Hände zu benutzen, auf den steinig staubigen Boden. Augenblicklich lief das Blut aus seiner Nase die er sich aufgeschlagen hatte und der rote Lebenssaft versickerte vor seinen Augen im staubigen Boden unter ihm. Wo es sich mit dem sandigen Untergrund zu einem tief rot farbenem Klumpen vermischte. Die Arbeiterkolonne stoppte, und der vorderste senkte langsam seinen Blick auf den vor ihm liegenden Leidensgenossen. Für ihn war das nur ein Hindernis das umgangen werden musste, um seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Er trat einen Schritt nach links um den liegenden Körper herum, und die Karawane setzte sich wieder in Bewegung. Um diesen menschlichen Abfall, sofern er nicht mehr von alleine auf die Beine kam um seine Arbeit zu verrichten, würden sich die mechanischen Versorgungsroboter kümmern, die abgesehen von der Wasserversorgung auch dafür zuständig waren, das der „Arbeitsplatz“ sauber blieb. Dafür waren sie mit zwei Greifarmen ausgestattet, um liegengebliebene Arbeiter zu entsorgen. Es waren zylinderförmige mannshohe Droiden, die mit einem Gravitationsantrieb ausgestattet waren. Sie zogen auch, schwebend, wärend der Arbeitsschichten in den Stollen ihre Runden um den Alvarern im Kommandoschiff stetig Livebilder vom aktuellen Stand des Erzabbaus zu liefern. So mussten sich die Alvarer ihre Finger nicht schmutzig machen und nicht selbst auf der Oberfläche ständig präsent sein. Abgesehen von der Generalinspektion die alle fünf Tage stattfand. Dann kam ein Shuttle zum Abbaugebiet und machte sich vor Ort ein Bild vom Stand der Dinge. Außer einer kleinen Gruppe von Frauen, die an der Oberfläche für die Sortierung und Verladung des Kursits verantwortlich war, verschwand der Rest der Arbeiter im tiefen Schwarz des Berges. Arbeiterin 688, postierte sich wie jeden Tag an dem ihr zugewiesenen Arbeitsplatz am Förderband vor Tunneleingang Nummer Vier, und starrte seelenlos auf das noch leere Förderband.

Heute sollte der wichtigste Tag ihres Lebens werden!

Die Produktion lief an diesem Tag auf Hochtouren, man war auf eine große Kursitader gestoßen, die zuvor vom Kommandoschiff in der Umlaufbahn mittels Geoscan geortet wurde. Wenn dieses Vorkommen vollends abgebaut und raffiniert war, war der Wohlstand der Alvarer für einen langen Zeitraum wieder gesichert. Es war etwa nach Vier Stunden Arbeitszeit, als Arbeiterin 688 gerade ihren siebten Transportcontainer mit Kursiterz zum Weitertransport in die Umlaufbahn fertig beladen hatte, als auf dem langsam fahrenden Förderband zwischen dem Geröll und den dunklen Kursiterzbrocken ein dunkler eiförmiger Kristall unter dem Schutt auftauchte. Laut ihrer genetischen Programmierung, das sie nur für Sortierung und Verpackung zuständig war, vermittelte ihr ihr Gehirn, das durch die auffallend dunkle Färbung dieser Kristall Kursiterz sein müsste. Sie nahm ihn in die Hand.

Wie ein Blitzschlag von Hunderttausend Volt fuhr es ihr durch Mark und Bein, und vor allen Dingen ins Gehirn. Sie hatte Mühe nicht vornüber zusammenzusacken, das Förderband rettete sie davor, indem sie sich mit beiden Händen abstützte, und trotzdem den Kristall nicht aus den Händen verlor, da sich die Hand wie bei einem Stromschlag verkrampfte. Sie sah sich vorsichtig um, keiner der Wächter hatte etwas bemerkt. Kein Wunder sie waren ja auch auf aggressive Ausnahmezustände programmiert, und nicht darauf dass ein Klonarbeiter während der Arbeit zusammenbricht. Das geschah sowieso täglich. denn die durchschnittliche Lebensdauer der Klone war mit 36 Monaten schon eher hoch angesetzt.

„Wo bin ich?“ Der erste Gedanke im Leben von Arbeiterin 688.

Langsam besserte sich ihr Zustand wieder, und sie richtete sich auf, vor dem Förderband stehend das sich langsam vor ihr in eine Richtung bewegte. Wie aus einem Reflex heraus griff sie nach den dunklen Kursitsteinen, drehte sich zur Seite und legte sie in Container Nummer Acht für den Weitertransport. Diese automatisierte Bewegung rettete ihr wahrscheinlich das Leben, denn einer der Wächter hatte seinen Kopf in ihre Richtung gedreht und die eingebaute Helmkamera die Echtzeitbilder an die Überwachungszentrale im Kommandoschiff übermittelten, sahen natürlich auf ihren Monitoren keine auffälligen Begebenheiten. Der Schwächeanfall von vorhin wurde gar nicht war genommen, da ihn keine Kamera der Wächter oder die der Versorgungsroboter aufgezeichnet hatten. Und selbst wenn, hätte man dem Vorfall weiter keine große Beachtung geschenkt, denn das geschah sowieso häufiger wenn Klone in die Tage kamen, und Nummer 688 hatte ja schließlich auch schon 26 Monate auf dem Buckel, und der nächste Klon der ihren Platz einnehmen sollte wartete ohnehin schon in der Zuchtstation von Wissenschaftsschiff Nummer Neun, wo permanent 800 Klone auf Abruf bereitstanden. 688 wusste nicht warum sie das tat was sie da tat, aber eine innere Stimme sagte ihr, „Um keinen Preis jetzt auffallen“, und mit diesen Gedanken nahm sie die nächsten Gesteinsbrocken vom Förderband. Ihr fiel auf je länger sie diesen Kristall in ihren Händen hielt umso mehr besserte sich ihr Zustand.

Um nichts in der Welt würde sie diesen Stein wieder loslassen.

Die Erinnerung kam langsam zurück, wo sie war und was sie hier tat. Sie wusste das sie ein Mensch war – von der Erde – sie hatte ein Leben gehabt. Dunkel tauchten immer mehr einzelne Bildfetzen vor ihrem geistigen Auge auf. Sie sah ein Haus, ein kleines Baby im Gitterbett, einen groß gewachsenen, braungebrannten Mann der behutsam das Baby aus dem kleinen Bettchen hochhob und sanft in ihre Richtung lächelte.

In diesem Moment schossen ihr die Tränen in ihre rot entzündeten Augen, und es brannte wie Feuer. Eva Mendez, das war ihr Name, Eva Mendez aus New Mexico. Ehefrau, Mutter und Kellnerin in Teilzeit.

Und sie war ein Entführungsopfer ! von – oh mein Gott – UFOs !

„Beruhige dich, beruhige dich“, die Worte hallten in ihrem Kopf. „ Jetzt nur nicht die Nerven verlieren, alles wird gut, alles wird gut.“ Als erstes versuchte sich Eva zu orientieren. Sie war ein Arbeiter, nein … ein Sklave. Man hatte sie verschleppt. Sie stand an einem Förderband und sortierte Steine. Das ganze unter bewaffneter Aufsicht. Ihr Blick schwenkte vorsichtig zu dem ihr am nächsten stehenden Wächter, der in seiner schwarzen Adjustierung für Eva wirklich bedrohlich wirkte. Eva konnte gerade, so weit sie sich psychisch erholt hatte, nicht ganz folgen.

„Ich werde von Ufos entführt, um Steine zu sortieren? Was um Gottes Willen?“ Kaum gedacht schwenkten ihre rastlosen Augen weiter. Sie sah die Stollen, die in dreißig Meter Abständen ihre großen schwarzen Münder öffneten, um den Weg in den Berg freizugeben. Eva zählte neun von ihnen, und ebenso viele Förderbänder die aus den Stollen herausführten die unablässig Schutt und Geröll ans Tageslicht beförderten. Vor jedem Förderband stand ebenfalls ein Sklave der monoton seine Arbeit verrichtete, die aber zu weit entfernt waren um ihre Gesichter zu erkennen. So viel war nur sicher. Es waren auch Menschen, wie Eva. Alle Stolleneingänge wurden von je zwei Wächtern bewacht, die jeweils links und rechts neben den Eingängen postiert waren. Auffällig war nur das die Wächter unablässig, beinahe synchron, langsam ihre Köpfe immer von links nach rechts bewegten und wieder zurück, sodass sie eine Bewegung von 180 Grad ausführten, um den größt möglichsten Radius zu überwachen. Was Eva nicht wusste war, das das mit ihrer genetischen Programmierung zusammenhing, denn im Kommandoschiff das sich im Orbit befand, wollte man keine Überwachungsstandbilder übermittelt bekommen, sondern jeweils eine komplette Panorama Rundumsicht der Helmkamera, um immer und zu jeder Zeit alles im Blickfeld zu haben. Als Evas Blick weiter seine Runden zog, fielen ihr die Unterbringungsbaracken in der Mitte des kleinen Talkessels auf, die wie sie richtig schlussfolgerte, für die Wächter errichtet waren. Ansonsten befand sich da unten außer Geröll und den Containern gar nichts. Alles in Allem war es ein trister Ort. Schotter, Geröll und Sand. Lediglich die Bergspitzen des vor ihnen liegenden Gebirges, die verschneit waren, leuchteten in allen blau, weiß und Gold Tönen der aufsteigenden Vormittagssonne in dem rosafarbenen Firmament, die merklich kleiner und in einem dunklerem Farbton als auf der Erde schien. Sie konnte zwar das satte Grün der Bäume am Ende der Schneegrenze erkennen, jedoch war es viel zu weit entfernt um einzelne Bäume auszumachen. Eva konnte nur an der Entfernung abschätzen, dass diese Pflanzen wirklich sehr groß sein mussten. Spätestens jetzt war ihr klar dass sie sich nicht auf der Erde befand. Nachdem sie vorsichtig, denn sie vermied sicherheitshalber schnelle Bewegungen, ihren Kopf Talausgang drehte, erkannte sie dass es dort in einer breiten Ebene auseinander ging. Je weiter ihr Blick schweifte, desto grüner wurde der Untergrund, der dann schätzungsweise in zwei Kilometer Entfernung in einer durchgehenden Waldlichtung endete. Da Eva im Hintergrund keine Berge oder Hügel ausmachen konnte, ging sie davon aus das es sich um eine Große bewaldete Ebene handeln musste. Als sie mit ihrem Rundumblick fertig war, indem sie weiter brav Steine sortierte und vom Förderband holte, die die entsprechende Färbung aufwiesen, blieben ihre Augen auf dem sich stetig bewegenden Band hängen das unablässig Schutt ans Tageslicht beförderte, und sie konnte sich immer besser daran erinnern wer sie war. Eva versuchte sich krampfhaft an das Letzte zu erinnern was sie noch von ihrem alten Leben wusste. Plötzlich kam auch die Erinnerung wieder, überfallsartig, und genauso warm wurde in demselben Moment der seltsame Stein in ihrer Hand.

Es war 6 Uhr 30 als der Radiowecker mit seinem widerlichen, unablässigen Piep ton Eva und Antonio Mendez aus dem Schlaf beförderte. Evas Hand klatschte in Richtung der nervigen Störquelle, verfehlte aber den Wecker und schlug auf dem Nachtkästchen auf, während ihr Gesicht noch nach unten im Kopfpolster vergraben war. Der zweite Schlag traf sein Ziel. Evas Arm der aber um diese Zeit noch so weich wie Pudding war, glitt am Wecker entlang nach unten um über die Bettkante hängend den Boden zu berühren. Soweit kam es aber heute nicht, denn die herabgleitende Hand beförderte den Radiowecker auf den lauten Steinboden, derscheppernd seinen Geist aufgab, in dem die Digitalanzeigen der Uhrzeit plötzlich verschwanden. „Pendejo!“, kam es laut aus Evas Mund indem sie gleichzeitig vom Bett hochfuhr und mit einem Satz auf der Bettkante saß. „Was um alles in der Welt machst du da?“ Es war Antonios Stimme, der von dem lauten Geschepper nun endgültig wach geworden war. „Ah, dieser blöde Radiowecker, ist vom Nachtkästchen gefallen“. Eva betrachtete die kläglichen Überreste des Gerätes die auf dem Terra-cotta farbenem Steinboden verteilt waren. Die Verblendung des Radios war abgebrochen und lag halb unter dem Nachtkästchen. Das Teil lag auf dem Rücken und Eva konnte sehen das es keine Uhrzeit mehr anzeigte. Das einzige was sie noch lesen konnte war der weiße Aufkleber an der Unterseite, auf dem stand „Made in Taiwan“, als plötzlich ihr zweiter „Wecker „ mit heulendem Geschrei sich zu Wort meldete. Es war Emily, Evas und Antonios neun Monate alte Tochter, die in ihrem Gitterbett das im Nebenzimmer stand von dem lauten Geräusch aufgewacht war. Eva schnaufte einmal tief durch und schwang sich von der Bettkante um mit einem großen Satz nicht auf die Überreste dieser asiatischen Technik zu treten und sich womöglich noch zu verletzen. Das wäre das letzte gewesen das Eva heute noch gebraucht hätte, nach diesem Munterwerden. Mit drei Schritten war sie bei der Zimmertür und drückte behutsam die Klinke um sie zu öffnen. Antonio saß mittlerweile auch auf dem Bettrand und fuhr sich mit beiden Händen durch seine Haare. Eva betrat das rosa tapezierte Kinderzimmer und der typische süß säuerliche Geruch der in der Luft lag kündigte bereits an, was Emily als erstes dringend brauchte.

„Mi Corazon, Emily mein Schatz, guten Morgen wie geht es dir?“ Blöde Frage dachte Eva, wie würds dir wohl gehen wenn du in deiner eigenen Kacke aufwachst. Eva schüttelte den Kopf und musste dennoch schmunzeln über die eigenartigen Gedankengänge die sie hatte. Das musste wohl daran liegen das sie seit neun Monaten kaum aus dem Haus kam und abgesehen von Baby Brei, vollen Windeln und das sie die meiste Zeit des Tages in Babysprache mit ihrem Schatz kommunizierte, nicht viel von der Welt mitbekam. „Na dann wollen wir mal, komm zu Mama du kleine Stinkerin“. Behutsam hob Eva Emily aus dem Bettchen, die in einem zart rosafarbenen Nachtkleidchen steckte, und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. Nach fünf Minuten war Emily sauber und frisch gewickelt. Antonio, der sich mittlerweile gewaschen und angezogen hatte klopfte an die offene Tür mit einer Babyflasche in der Hand. „Na wo ist denn meine kleine Principessa, adudududu“. Mit der Flasche in der Hand wedelnd kam Antonio ins Zimmer und ging mit offenenArmen auf Eva und seine Tochter zu, die sie bereits in den Armen hielt. „ Du bist der beste, danke Schatz“. Eva wollteschon Antonio die Flasche abnehmen, der aber zog sie zurück.

„Lass mich machen, ich muss heut erst eine Stunde später anfangen, denn die Bauleute sind leicht im Verzug. Geh dich ruhig frischmachen, Schatz.“ Eva liebte Antonio, denn solche Männer wuchsen nicht auf Bäumen, und nebenbei war er auch noch attraktiv. 38 Jahre alt, schlank, braungebrannt mit einem drei Tage Bart in einem markant männlichen Gesicht und kurzen braunen Haaren. Mittlerweile waren sie seit drei Jahren verheiratet, und Eva hatte noch keinen einzigen Tag mit ihrem Mann bereut.

„Danke, ich beeil mich“, und Eva drückte Antonio Emily in die Arme, der sich bereits auf einen Stuhl gesetzt hatte um seine Tochter zu füttern. Mit einem, ich liebe dich, und einem Kuss auf die Stirn verschwand Eva im Bad. Als sie vor dem Spiegel stand, blickte sie eine Mitte dreißig jährige Halb- Mexikanerin mit sinnlichen Lippen, dunklen Augen und mit schwarzen schulterlangen zerzausten Haaren an. „Oh mein Gott, ich kenn dich zwar nicht aber ich wasch dich trotzdem“, war das Zwiegespräch das sie mit ihrem noch etwas zerknautschten Spiegelbild führte, und legte los indem sie sich einen Schwall kaltes Wasser ins Gesicht klatschte.

Eine halbe Stunde später saß Familie Mendez gemeinsam beim Frühstück in der Küche, und unterhielt sich über den Ablauf des angebrochenen Tages. Antonio war Zimmermann und hatte klein als eine Ein-Mann-Firma angefangen, nachdem die Job Lage und vor allen Dingen die Bezahlung in Portales, eine Kleinstadt, zweihundert Kilometer Nordöstlich von Rosswell, nicht unbedingt die rosigste war. Eine Zeitlang sah es gar nicht gut aus, und sie befürchteten sogar das Haus verkaufen zu müssen, das Antonio von seiner Mutter geerbt hatte. Doch dann kam das Schicksal in Form eines Auftrages, der von der Stadt finanziert wurde, den Mendez zu Hilfe.

Es ging um eine Wohnhaussiedlung und die Auftragsvergabe von 25 Dachstühlen mit Innenausbau an eine hiesige Zimmermannsfirma. Zwei Monate zuvor hatte Antonio bei Mr. Parks, einem Funktionär des Stadtrates eine Gartenhütte im Blockhausstil errichtet, und einen guten Eindruck hinterlassen. Dieser bescherte im den Auftrag, mit der Zusicherung von Mr. Mendez, das er mindestens vier zusätzliche Arbeiter anstellen würde um in dem von der Stadt vorgeschriebenenZeitplan zu bleiben. Die Fertigstellung der Siedlung neigte sich bereits dem Ende zu, und durch Antonios gewissenhafte Arbeitsleistung hatte er sich bereits einen Namenin der Stadt gemacht, und so wie es aussah musste er nicht einmal seine Angestellten kündigen, denn die weitere Auftragslage bescherte ihm mehr als genug Arbeit für die nächsten Monate. „Also, wie es aussieht wird es heute später werden. Wir sind kurz vor der Fertigstellung der Siedlung, und du weißt doch was für ein Sprungbrett dieser Auftrag der Stadt war. Ich will mir gerade am Ende keine Fehler erlauben, oder eine schlechte Nachrede.“

„Ich weiß mein Schatz, ist schon gut. Ich werde heute nur mal kurz in die Stadt fahren, schließlich brauchen wir ja einen neuen Wecker. Ansonsten gibt´s nichts großartiges, außer den Rechnungen.“ Die Eva bereits gebündelt und mit Datum versehen hatte, um sie bei der Bank zur Einzahlung zu bringen. Seit Antonios Geschäft so gut ging, hatte er Eva halbtags in seiner Firma eingestellt um den ganzen Büro Kram zu erledigen. Das war auch perfekt zu organisieren, von zu Hause aus, wenn man ein Kind hatte. Bis auf ein bis zwei Bankbesuche im Monat um die wichtigsten Überweisungen zu tätigen. Nachdem das Frühstück beendet war, räumten sie gemeinsam den Tisch ab, und als Eva vor der Spüle stand gab Antonio ihr einen Klaps auf ihren Hintern, der so wie er immer sagte zum Hineinbeißen war. Emily die auf dem Hochstuhl gegenüber saß, und ihren Papa dabei beobachtete fing laut zu zappeln und lachen an, als wollte sie Antonio anfeuern es noch einmal zu tun. Dazu kam er aber nicht denn Eva hatte sich bereits umgedreht und Antonio zu sich herangezogen.

„Mr. Mendez, was soll denn das, ich bin eine verheiratete Frau. Vorsicht Mr.“ „Ich liebe dich Eva“, es folgte ein Kuss und gleichzeitig griff Antonio nach seiner noch halbvollen Kaffeetasse die neben der Spüle stand. „Ich muss jetzt los, es ist schon spät.“ „ Ich weiß, Bye, ich wünsch dir einen schönen Tag“. Ein letzter Kuss und Antonio griff sich die Schlüssel für seinen Pick-up, die Kaffeetasse die er immer halbvoll mit auf die Fahrt zur Arbeit mitnahm und seine Weste. Er drückte beim Rausgehen Emily einen dicken Schmatzer auf die Stirn, die vor Freude zu Quietschen anfing und verließ das Haus. Eine Minute später startete der Pick-up mit einer schwarzen Rußwolke und fuhr die Auffahrt hinunter. Bevor er auf die Hauptstraße einbog hupte er noch zweimal, das soviel bedeutete wie, ich liebe euch zwei. Dann war Eva mit Emily allein im Haus. Es war gegen zehn Uhr vormittags als Emily ihren Vormittagsschlaf hielt und Eva beschlossen hatte die Besorgungen auf den Nachmittag zu verlegen, denn die Wäsche türmte sich bereits im Keller, als es an der Türe läutete. Als sie die Haustüre öffnete stand ein dürrer großer Mann aufder Veranda, mit der Uniform eines Paketdienstes. Er hatte eine für diese sonnige Gegend untypisch blasse Haut die schon eher ins gräuliche ging, und Eva fragte sich, ob er Mann schon gesund sei. Unter seinem rechten Arm hatte er ein Paket eingeklemmt und in der linken hielt er ein Lesegerät zur Empfangsbestätigung.

„Mr. und Mrz. Mendez?“ „Ja, da sind sie richtig“. „Ich habe eine Lieferung für Mr. Mendez“, wobei der Bote auf das Paket unter seinem Arm deutete. Das war nichts ungewöhnliches, denn Antonio bekam öfter Sendungen direkt nach Hause, da es ja auch gleichzeitig ihr Geschäftsbüro war. „Wo muss ich unterschreiben?“ „Bitte, da unten“ der Bote deutete auf das leere Display und hielt Eva einen Touch-Pen entgegen um zu signieren. Als sie fertig war überreichte ihr der Mann das Paket, das auffällig leicht war, Eva verabschiedete sich und wollte schon die Türe schließen als der hagere Mann sich noch kurz räusperte und den Finger hob. „Verzeihung Ma´am, wäre es wohl möglich ein Glas Wasser zu bekommen, heute ist es sehr heiß und ich habe meine Verpflegung im Lager vergessen, ich weiß, dumm von mir.“

„Kein Problem, kommen sie kurz rein ich geh´ schnell in die Küche und hol ihnen eines.“ Als der Paketbote eintrat, sah Eva sein Namensschild das direkt in die Uniform eingenäht war. Mr. Anderson. „Mr. Anderson nehmen sie kurz Platz, ich bin gleich wieder da.“ Eva deutete auf die Sitzgruppe in der Mitte des Raumes. Mr. Anderson nickte lächelnd und wischte sich mit einem weißen Taschentuch den Schweiß von der Stirn. New Mexico im Hochsommer konnte wirklich unangenehm sein, und heute war einer der heißesten Tage im Juli. Als Eva in der Küche stand und ein leeres Glas unter das fließende Wasser der Spülbeckenarmatur hielt, merkte sich nicht das sie nicht mehr allein in der Küche war. Als sie sich mit dem Glas Wasser in der Hand umdrehte ließ sie es vor Schreck fallen, und schrie kurz auf, denn Mr. Anderson stand bereits hinter ihr. Sie war zu keiner Reaktion mehr fähig denn dieser mysteriöse Mann hielt ihr in der gleichen Sekunde ein chromfarbenes Ding das die Ähnlichkeit einer Füllfeder hatte an die rechte Schläfe.

Dann ein greller Blitz und darauf folgte die Schwärze.

Wie aus einer Trance gerissen fuhr vor ihr einer der vielen Versorgungsroboter in die Höhe und riss Eva aus ihrer letzten Erinnerung die sie von ihrem alten Leben noch hatte. Die schwebenden Wasserspender, mit drei Schläuchen an jeder Seite, an denen man sich mit Wasser versorgen konnte, absolvierten täglich dieselbe Route zur Mittagszeit. Wie kleine Kälber die an den Zitzen ihrer Mutter saugten, standen die Klonarbeiter nun um die Droiden herum, und das köstliche Nass befeuchtete ihre Kehlen. Es war der einzige Zeitpunkt des Tages, an dem die Klone für zehn Minuten ihren Arbeitsplatz verlassen durften. Eva, der die eigenartige Szenerie nicht entgangen war, tat instinktiv dasselbe, und versuchte mit ihren mittlerweile verweinten Augen so ausdruckslos wie möglich zu schauen. Sie war ebenfalls nicht in der Lage den anderen Arbeitern ins Gesicht zu blicken, sondern hielt ihren Kopf gesenkt um ja nicht aufzufallen. Darum entging ihr vorerst auch ein wichtiges Detail, das sie vermutlich vor Entsetzen erstarrt hätte. In ihr kam eine Emotion hoch die sie schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Angst.

Das Auftauchen der Wasserspender war immer das Zeichen für die Halbzeit des Arbeitstages. Vier Stunden später nach weiteren fünf gefüllten Containern mit Kursiterz, kamen urplötzlich die Förderbänder zum Stillstand. Dem Himmel sei Dank, dachte Eva, denn sie war kurz davor vor Erschöpfung zusammenzubrechen. Ihr mentaler Zustand hatte sich in den letzten Stunden hingegen erheblich verbessert. und eigenartigerweise half dieses monotone Steine sortieren, sich immer mehr Details ihrer Vergangenheit ins Leben zu rufen. Jetzt kamen mit langsamen Schritten, es waren auch Frauen, die Arbeiter, wie schon zur Mittagszeit, von den anderen Förderbändern in Evas Richtung, da sie am ersten Förderband unmittelbar neben den Transportshuttles, dem Sammelplatz für den Rückflug, am nächsten war.

Kaum gedacht das sie etwas erleichtert war, das sie hier nicht die einzige Zwangsrekrutierte sei, und sie sich nun fähig fühlte ihren Leidensgenossinnen ins Gesicht zu blicken, gefror ihr das Blut in den Adern, als die Arbeiterinnen auf Sichthöhe kamen und Eva sich etwa zwanzig mal selber in die Augen schauen konnte. Wie konnte ihr das nur bei der gemeinsamen Mittagspause entgangen sein? Jegliche Farbe wich aus ihrem Gesicht, und sie kämpfte mit der Ohnmacht. Jedoch spürte sie dass der Kristall in ihrer Hand das verhinderte. Und der Stein war es auch der ihr, ihr Bewusstsein wieder gab, das von Minute zu Minute stärker wurde.

Ihr Magen rebellierte und so sehr sie auch versuchte es zurückzuhalten, es ging nicht mehr. Eva musste sich übergeben. Auch das wurde von Niemandem als wichtig registriert. Klone mussten sie häufiger übergeben, bis sich der Magen-Darmtrakt über die ersten Wochen an die feste Nahrung gewöhnt hatte. Ähnlich wie bei Babys in den ersten Monaten. Als Eva sich wieder aufrichtete, kam sie gar nicht weiter einen Gedanken zu fassen, denn aus allen Tunneleingängen kamen nun Hunderte von männlichen Klone. Auf und über mit Dreck und Staub bedeckt, stellten sie ihre Arbeitsgeräte in den Seitenwänden ab und steuerten im typischen Zombiegang auf den Sammelplatz zu. Hunderte von identischen Kopien, Eva war froh dass sie sich eben übergeben hatte, das rettete sie vermutlich jetzt davor endgültig in Ohnmacht zu fallen.

Sie beobachtete was die ihr unmittelbar Nächsten als nächstes taten und reihte sich mit ein, es ging zum Ersten der Shuttles. Langsam füllte sich der Transporter und als Eva als Letzte einstieg und sich umdrehte, war das letzte was sie mit ihren feuchten, rotentzündeten Augen sah, die untergehende Sonne einer fremden Welt. Dann surrten die Motoren und die Schiebetüren schlossen sich. Die Shuttles brachen den Rückflug an.

4.

Diesmal war das Erwachen um ein Vielfaches angenehmer als in diesem verrückten Traum, den Adam hatte. Als er jedoch die Augen öffnete wurde im schlagartig bewusst wo er war, und das der Traum keiner war.

Er fand sich auf einer Liege, die an ein Krankenhausbett erinnerte, mit einer dünnen plastikähnlichen Schicht überzogen, ohne Kopfpolster. Adam blieb noch eine Minute regungslos liegen, und versuchte vorsichtig millimeterweise seine Gliedmaßen und seinen Körper zu bewegen. Alles schien zu funktionieren, auch als er seinen Rücken leicht auf der Unterlage bewegte – die Schmerzen waren verschwunden. Es hatte sich aber etwas verändert, und zwar drastisch verändert. Als er vorhin nur den Versuch unternahm zu denken, oder sich bemühte in seinem Gehirn nach Dingen zu suchen, die er sich in Erinnerung rufen konnte, hatte er starke Kopfschmerzen. Die waren nun ebenfalls verschwunden, aber er fühlte, dass er jetzt ein Wissen hatte, ohne zu wissen woher. Ein großes Wissen. Bilder rasten durch seinen Kopf, wie im Zeitraffer. Weizenfelder deren Ähren sich im Wind bewegten, gebärende Kühe, Feuer, Würmer die aus der Erde krochen, Menschen die sich umarmten und küssten, fliegende Raketen, Blitz und Donner, Autos, Abgase, Computer, in der Mitte geteilte Äpfel deren Kerne noch im Gehäuse in Windeseile zum Keimen anfingen, und, und, und. Als es Adam zu viel wurde, wusste er nicht wieso, aber er rief ein lautes „Stopp“, immer noch auf dem Bett liegend, und die Diashow war augenblicklich beendet. Im war gerade klar geworden, das er nun Informationen in seinem Kopf hatte, die jede Enzyklopädie in den Schatten stellte. Adam atmete noch einmal sehr tief durch. Jetzt erst richtete er sich langsam auf. Sitzend auf der Liege, schaute er an seinem Körper herunter, er war komplett gereinigt worden, nichts mehr von diesem rosa Zeug, und ihm war dieselbe Kleidung verpasst worden wie sie Luzeel vorhin trug. Er erinnerte sich plötzlich an die Metallklammer und die Schläuche an seinem Körper, reflexartig glitten seine Hände an die besagten Stellen an seinem Körper. Halleluja. Er konnte nichts mehr entdecken was an einen Fremdkörper erinnerte.

Sein Blick schweifte jetzt durch den Raum – er kam sich wie in einem Ei vor, denn der gesamte Raum war länglich, oval rund und schneeweiß. Ein Ei von innen dachte er, mit Ausnahme des Bodens, der war zum Glück gerade. Nur diese Pritsche auf der er saß, keine Möbel, keine Fenster, keine Tür nach draußen, absolut nichts. Sein nächster Gedanke war jetzt, „Soll ich mich vielleicht wie ein Küken aus dem Ei herausklopfen?“. da fielen ihm Luzeel´s Worte wieder ein.

„Du wirst auf das Leben vorbereitet“, was hatte es damit auf sich?

Adam versuchte seine Gedanken zu sortieren, er wusste wie er hieß, er wusste das er ein Mensch war, obwohl Zweifel in ihm aufstiegen, das er doch nicht von der Erde sei. Andererseits hatte er festgestellt dass er plötzlich ein enormes Wissen hatte. Er wusste zum Beispiel was ein Ei oder ein Fenster ist ohne jemals eines gesehen zu haben. Es war irgendwie alles sehr verwirrend. Als seine Hände plötzlich zu jucken anfingen, senkte er seinen Blick und sah auf seine Handflächen.

Wie konnte ihm das vorher nur entgangen sein! Er trug dieselben Kristalle in seinen Handflächen wie er sie bei Luzeel gesehen hatte. Sie schienen nur etwas kleiner und ovaler zu sein, und sie waren sehr flach, dünn und transparent wie Diamanten. Sehr vorsichtig tasteten seine Finger über die kühle Oberfläche der Steine, und es fühlte sich an als ob diese Attribute schon immer zu ihm gehört hätten. Nichts Befremdliches – eigenartig.

Jetzt spürte er dasselbe Jucken, na wo wohl? Zwischen seinen Augen. Beide Hände fuhren synchron in die Höhe und landeten dort wo Adam das Jucken geortet hatte.

Bingo, Stein Nummer Drei, ebenfalls wie bei diesem Luzeel. „Also, ich bin ein Mensch, Luzeel ist ein Elohim, ich habe aber dieselben Kristalle an meinem Körper. Was bin ich dann wirklich?“ Das Selbstgespräch war nicht sehr hilfreich, denn Adam kam trotzdem auf keine Lösung, seiner Frage. Adam wünschte sich jetzt nichts sehnlicher als einen kleinen Handspiegel zu haben um sein Gesicht betrachten zu können. Ihm fiel gerade ein dass er ja nicht einmal wusste wie er aussah. Kaum hatte er diesen Herzenswunsch gedanklich formuliert, begann die Luft zwei handbreit vor seinem Brustkorb zu flimmern, seine Hände wurden plötzlich von einer Hitzewelle erfasst und die beiden Handsteine wurden feuerrot, dieselbe Wärme spürte Adam auch auf seiner Stirn. Er richtete seinen Blick starr auf die Stelle vor seiner Brust die flimmerte wie heiße Wüstenluft, kurz bevor eine Fata Morgana entsteht. Adam wurde nun anders zumute. Was ging hier vor? Jetzt konnte er kleine weiße und goldene Lichtblitze, die immer mehr wurden, in dieser zittrigen wabernden Luft erkennen. Und plötzlich spürte er einen Sog, wie von einem riesigen Staubsauger wurden seine Hände nach oben gezogen, zu der Stelle, wo gerade ein Mini-Feuerwerk abging. Kaum tauchten seine Hände in diese Fata Morgana ein, und Adam wusste woher auch immer, das die Luft nicht so heiß war wie sie aussah, spürte er einen harten Gegenstand in seiner rechten Hand, alles endete in einem letzten hellen, lautlosen Lichtblitz. Und als Adam die von der Helligkeit geschlossenen Augen wieder öffnete, traf es ihn wie einen Blitz.

In seiner rechten Hand hielt Adam einen kleinen weißen Handspiegel. Noch nicht einmal ansatzweise von dem Schock erholt, fuhr Adam ein zweites Mal zusammen. Luzeel stand plötzlich vor ihm. Nach der Aktion mit dem Spiegel wunderte sich Adam jetzt nicht einmal mehr wie Luzeel den Raum betreten hatte. Keine Fenster, keine Türen.

„Ich grüße dich Adam, ich sehe du hast schon die Fähigkeit des Manifestierens an dir entdeckt. Nur zu, benutz den Spiegel wozu du ihn erdacht hast.“

Wortlos, glitt Adams Blick von Luzeel´s Gesicht zurück zum Spiegel. Langsam hob er ihn, mit beiden Händen umfassend in die Höhe seines Gesichts. „Naja, gar nicht mal so übel“, ein leicht gebräuntes, etwas kantiges aber wie er selber fand, ein sehr ansprechendes Gesicht eines Mannes in den Vierzigern, mit kurzen hellbraunen Haaren, grüßte ihn da aus dem Spiegel zurück. Dunkle Augen, mit dünnen Augenbrauen und in der Mitte, kurz über dem Ansatz der Nase, fand er den kreisrunden Diamanten wieder, den er zuvor ertastet hatte. Der Stein hatte jetzt eine leichte Orangefärbung.

„Was geht hier vor?“, Adams Blick hatte sich jetzt wieder Luzeel zugewandt. Luzeel begann ruhig und bedächtig zu erklären.

„Mein Freund, wir sind hier aus einem einzigen Grund, du Adam, gehörst zur Rasse der Menschen, geschaffen vor langer Zeit nach Unserem Ebenbild – gekreuzt mit unserer göttlichen Essenz und der Gensequenz der damals höchst entwickelten Spezies auf dem Planeten Erde, den Primaten“. Luzeel fuhr fort, „ Der Mensch ist eine von vielen Rassen an deren Schöpfung wir beteiligt waren, jedoch ist die dominierende DNA jeweils die, der beheimateten Spezies des jeweiligen Planeten. Wir unterstützen, wir helfen, jedoch schaffen wir keine Kopien unser selbst, sondern geben lediglich etwas evolutionäre Starthilfe, wenn du es so nennen willst. So bewart jede Rasse auf jedem Planeten ihre Eigenständigkeit“.

„Und das ist auch oberstes Gesetz im Universum, das von jeder aufgestiegenen Rasse eingehalten wird, einmal einer neuen Spezies Leben eingehaucht zu haben, sich nicht mehr einzumischen und den freien Willen als oberste Doktrin zu respektieren, denn auf keine andere Art kann Leben sonst funktionieren.“

„Wie du sicher schon gemerkt hast, Adam, verfügst du über das komplette Wissen deines Heimatplaneten, wir haben es dir sozusagen eingepflanzt. Du wirst es auch brauchen für deine Aufgabe die dich erwartet. Du, Adam bist zu einem Teil menschlich, und zum anderen hast du das Erbe der Schöpfer in Dir.“

„Verzeih mir bitte“, unterbrach ihn jetzt Adam, „ Du erzählst mir etwas von freiem Willen der Geschöpfe, und ich werde an Schläuche angeschlossen und mir wird weiß Gott was von euch eingepflanzt. War das mein Wille, Luzeel?“, Adams Ton wurde jetzt fragend und selbstbewusster.

„Adam, geliebter Adam, mit dir verhält es sich leider etwas anders, denn du bist nur zu zehn Prozent Mensch, der Rest ist die DNA der Schöpfer, unsere multidimensionale DNA. Adam, du bist ein Wesen, geschaffen direkt von uns – für die Menschheit“. Adam verstand jetzt überhaupt nichts mehr. Wenn er Luzeel richtig verstanden hatte, dann war er ein neunzig prozentiger Klon, von den Wesen die für die Erschaffung der Menschheit verantwortlich waren.

„Geschaffen für die Menschheit, was heißt das“, Adams Blick wurde jetzt etwas finsterer. Obwohl er sich Mühe gab konnte er irgendwie keinen richtigen Groll für sein Gegenüber entwickeln, seltsam.

„Du Adam wirst der Menschheit dienen, und ihr den Weg in die nächste Dimension ermöglichen, denn die Menschen brauchen deine Hilfe.“

„Jesus, Maria und Josef“, Adams Verstand versuchte mitzuhalten, doch in Wirklichkeit war er kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

„Ich bitte um Verzeihung, Adam, es geht wahrscheinlich alles etwas zu schnell. Las es mir dich von Anfang an erklären.“ Und so begann Luzeel, Adam in das Wesen und Wirken der göttlichen Matrix einzuweihen. Vom Beginn des Universums, der göttlichen Dreifaltigkeit, die aus Licht, Klang und Geometrie bestand. Diese Dreifaltigkeit war zu finden im Licht der Kristalle und des göttlichen Funkens der Seele, der Klang war die Eigenschwingung einer jeden Materie, ob beseelt oder unbeseelt. Genau diese Frequenz war der entscheidende Auslöser. Erst ab einer bestimmten Höhe der Schwingung war es einer Rasse möglich aus dem scheinbaren Nichts zu manifestieren. War die Schwingung zu niedrig funktionierte es zwar auch, jedoch vergleichbar mit einem Radiosender der ein Störgeräusch aufgefangen hatte. So zu erschaffen konnte unter Umständen Jahre dauern. Dieser Umstand war auch gut so, denn umso tiefer die Schwingungsfrequenz eines Wesens umso mehr wird aus Angst und nicht aus Achtsamkeit und Liebe erschaffen.

Und die göttliche Geometrie - sie war so gut wie in Allem zu finden. Sie war die Blaupause des Lebens. Ob in der perfekten Form eines geschliffenen Steines oder in der schiefen Nase eines Menschen, die sogar hier den goldenen Schnitt des Lebens wiederspiegelte. Selbst die Umlaufbahn von Planeten, und wenn es zig Tausend Jahre benötigte um den Umlaufzyklus ihres Fixsterns zu beenden, war dies am Ende eine perfekte geometrische Figur.

All diese Faktoren gepaart mit der Achtsamkeit gegenüber jedweder Existenz, so Luzeel weiter, waren es, die eine aufgestiegene Rasse befähigten, aus der Urquelle des göttlichen zu erschaffen - der unendlichen Raumenergie.

Luzeel erläuterte Adam auch den gerade aktuellen Stand der Entwicklung des Menschen auf der Erde. Technologisch und wirtschaftlich kurz vor ihrem Höhepunkt, degenerierte, als wäre es eine universelle Konstante, die Ethik und Moral in dieser Zivilisation, ähnlich der Geschichte der Alvarer, nur hatte der Mensch auf der Erde noch ein anderes Problem, dessen Antwort Luzeel Adam aber schuldig blieb. Vorerst. Jedoch gab es eine enorme Energie unter ihnen in die erstrebenswerte Richtung, und viele der Menschensöhne und Töchter ersehnten den Wandel, so Luzeel. „Und genau an diesem Punkt, kommst du ins Spiel, Adam. Wie ich schon sagte ist unsere oberste Direktive uns niemals in den Verlauf einer Zivilisation einzumischen.“

„Der freie Wille“, entgegnete Adam.

„So ist es, jedoch bist du Adam von Adams Blut, und unser selbst der nächsten Dimension. Aus diesem Grund liegt es nun an dir ein Schöpfer, unseresgleichen, zu sein und egal von welchem Punkt im Universum aus, wird deine Energie die Menschheit nähren.“ Irgendwie hasste Adam dieses schwulstige Bibelgerede als würde er in einer Sonntagspredigt sitzen, komischerweise spürte er aber, dass das alles wahr war, was Luzeel da von sich gab.

Nur hatte Adam noch eine entscheidende Frage. „Warum das alles, Luzeel? Warum braucht ein gesamter Planet die Hilfe eines Einzelnen. Wenn das Wissen in mir korrekt ist, dann gibt es zurzeit fast zehn Milliarden Menschen auf dem Planeten. Und wenn ich dich richtig verstanden habe, beinhaltet der freie Wille, dass ja eure oberste Priorität darstellt auch die Entscheidung, dass sich eine Zivilisation selbst vernichten kann, sollte das ihr Wille sein. Oder habe ich gerade etwas falsch verstanden?“

Luzeel war von Adam fasziniert. Denn es war das erste Mal, das die Elohim ein Wesen wie Adam geschaffen hatten, und das aus einem triftigem Grund. Adam war gerade mal ein paar Minuten alt, und hatte den Scharfsinn und die Kombinationsgabe eines Gelehrten. Luzeel wusste das er Adam die ganze Wahrheit sagen musste.