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Adam hat eine Mission. Seine Mission ist es sich in ein ganz bestimmtes Mädchen zu verlieben, ihre Liebe zu gewinnen und sich gemeinsam mit ihr umzubringen. Seine Mission scheint nach Plan zu laufen und er kommt Sarah immer näher. Doch dann lernt er ihre beste Freundin Anna kennen, die seinem Herz eine Stimme gibt und es sprechen lässt
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Seitenzahl: 321
Veröffentlichungsjahr: 2020
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Epilog
Und wieder sitze ich hier, und wieder alleine. Ich sehe sie. Jeden Tag ist sie hier, genau wie ich. Jeden Tag trifft sie sich hier mit ihren Freunden und bemerkt mich nicht. Jeden Tag sitze ich hier in der Ecke und beobachte sie. Sie ist ein außergewöhnlicher Mensch, genau wie ich. Irgendwann merkt auch sie, dass unsere Seelen zusammengehören. Das wir füreinander bestimmt sind. Sie wird mein sein. Nur mein! Bald wird sie mich sehen und bemerken, dass sie unsterblich in mich verliebt ist.
Sie wird mich lieben. Sie wird mich lieben müssen! Sie wird mich lieben, ob sie will oder nicht. Und dann, muss ich eine Sache tun, damit sie immer mir gehören wird. Ich muss sie töten. Nur so kann sie für immer mein sein und nie jemand anderen lieben.
Verdammt! Wie kann ich meine Mission ausführen, ohne dass jemand merkt, was ich vorhabe? Ohne das sie merkt was ich vorhabe? Wenn sie mich nicht liebt, ist alles vorbei. Meine Zukunft, ihre Zukunft. Mein Leben, ihr Leben. Die ganze Welt wird vernichtet, wenn sie mich nicht liebt. Ich will nachhelfen, darf aber nicht. Ich fühle mich wie angekettet, kann aber nicht flüchten. Meine Augen sind nur bei ihr. Werde ich es schaffen? Mit einem seufzen nehme ich einen Schluck Bourben, einen großen Schluck. Sie dreht sich um und schaut zu mir. Ihre Blaugrünen Augen fesseln mich. Die Zeit bleibt stehen.
Heute habe ich es geschafft! Ich habe einen wichtigen Teil meiner Mission erfüllt. Sie hat es geschafft. Sie hat den ersten Teil ihrer Mission erfüllt. Der Unterschied ist, dass mir es bewusst ist, ihr nicht. Sie hat keine Ahnung das ihr Tun und Handeln die ganze Menschheit und das Leben, so wie wir es kennen beeinflussen kann. Das es ihr Leben beeinflusst. Jetzt ist alles noch normal. Noch. Heute hat sie mir in die Augen geschaut, und ohne es zu wissen, hat sie damit ein Teil der Welt verändert. Sie hat meine Welt verändert. Sie hat ihre erste Mission abgeschlossen. Nicht nur das, sie hat auch mein Herz für einen Moment angehalten. Ich liebe sie. Ja, ich liebe sie und ich muss und werde alles dafür tun, dass sie mich genau so liebt. Das ist mein Glück und ihr Pech.
Unser Schicksal.
Nun da sie mich entdeckt hat werde ich sie morgen ansprechen und für mich gewinnen, wenn ich das nicht schon längst getan habe.
Ich schließe mein Buch und verstecke es wieder. Ich schaue auf mein Handy, das gerade eben noch vibriert hat.
– Gut gemacht, dein Vater wäre stolz auf dich Adam. **M -
steht in der Nachricht von Marcel.
Mein Vater. Er müsste stolz auf mich sein, allein schon weil er mir das ganze eingebrockt hat und ich weiter mache, was er angefangen hat. Aber es ist mir sowieso egal ob er stolz wäre oder nicht. Ich mache weiter und beende damit ihr und mein Leben. Marcel und mein Vater hatten alles, wirklich alles getan, damit ich mich in sie verliebe, und sie haben es geschafft.
Patrick sagt immer, wenn ich sie wirklich lieben würde hätte ich gehofft das sie mich nicht bemerkt. Habe ich aber nicht. Damit hätte sie zwar ein wunderschönes sorgenfreies Leben geführt, aber eins ohne mich. Und das wäre nicht richtig gewesen. Aber sie hat mir in die Augen gesehen und ohne es zu wissen damit ihr ganzes Leben ruiniert. Jetzt ist es für sie zu spät. Vielleicht macht mich das egoistisch, aber es macht mir nicht so viel aus wie es sollte. Ich weiß jetzt, dass unsere Zukunft und unser gemeinsamer Tod gesichert sind. Unsere Zukunft die nicht lange sein, aber es trotzdem geben wird.
Ich liebe sie, habe sie schon immer geliebt, und sie wird mich lieben. Wir werde zusammen sterben und sie wird immer zu mir gehören. Das ist alles was zählt.
Ich gehe in mein Bett, schließe die Augen und schlaf ein. Heute war ein langer und wichtiger Tag. Genauso wie morgen.
„Aufstehen du Schlafmütze!“ weckt Patrick mich, indem er mich mit einem Kissen abwirft.
„Heute wirst du sie auf ein Date einladen. Aber pass nur auf, dass du nicht das stottern beginnst wenn du mit ihr redest. Damit würdest du alles ruinieren.“ neckt mein bester Freund mich.
„Wie lange kennen wir uns jetzt schon? Ich würde sagen in etwa zweiundzwanzig Jahre, müsstest du nicht wissen, dass ich nie stottere?“ antworte ich und werfe das Kissen zurück. „Tja, also ich würde mir an deiner Stelle sofort in die Hose machen, wenn ich sie ansprechen würde.“ lacht er. „Ja, weil du ein kleines Schwules Weichei bist.“ spotte ich. Ganz am Anfang der Mission war geplant, dass er sie lieben und die Mission ausführen soll, aber nach einer Zeit hat sich herausgestellt, das er dazu definitiv nicht geeignet ist. Und dann kam ich ins Spiel. Später hat er dann auch noch festgestellt, dass er auf Jungs steht und als er es seinem Vater gebeichtet hat, wurde er rausgeworfen. Marcel hat etwas gegen Menschen die ihm bei seinem Plan nicht weiterhelfen können, selbst wenn einer dieser Menschen sein eigener Sohn ist. Dafür hasse ich ihn, das würde ich ihm aber niemals sagen.
Seit dem Rauswurf wohnt Patrick bei mir, so eine Art WG, nur wir zwei alleine. „Du bist doch nur neidisch!“ Worauf sollte ich neidisch sein? Ich habe mein Mädchen. Sie ist alles was ich zum glücklich sein brauche. Aber das sage ich ihm lieber nicht, denn Patrick ist von ihr und der Mission nicht so begeistert wie ich.
„Sei lieber nützlich und mach das Frühstück “ schlage ich ihm vor. „Oder du bist traurig, dass ich nicht auf dich stehe und du dich jetzt mit diesem Mädchen befassen musst.“ scherzt er auf dem Weg in die Küche. „Ja genau, das ist es!“ spiele ich sein albernes Spiel mit. „Du hast Depressionen, und liegst jeden Abend heulend im Bett, weil ich dich nicht liebe.“ sagt er während er die Eier und den Speck in die Pfanne gibt. „Du hast mich eiskalt erwischt.“ Ich schiebe die zwei Scheiben Toast in den Toaster.
„Tut mir echt leid Darling, aber du bist nicht so mein Typ. Ich stehe auf grüne Augen, so wie meine, nicht solche braunen wie du hast. Und deine dunkelblonden Haare gehen echt gar nicht! Da sehen meine braunen schon viel besser aus!“ entschuldigt er sich scherzhaft bei mir. „Ja ich weiß schon das du total auf dein Spiegelbild stehst.“ lache ich. Nachdem die Toasts fertig sind, beschmiere ich sie mit Butter.
„Ja, aber ich muss sagen der Kerl im Spiegel ist echt hot! Ich habe noch nie so einen hotten und sexy Typen gesehen, wie der im Spiegel. Was würde ich nicht alles dafür geben um mit ihm zusammen zu kommen.“ Er seufzt verzweifelt und ich schüttle lachend den Kopf. „Sprich ihn doch mal an.“ schlage ich vor. „Hab ich ja, aber er imitiert mich immer wieder. Wie so ein Küken, dass gerade aus dem Ei geschlüpft ist und seiner Mami hinterher läuft.“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch und werfe ein Blick auf die Pfanne. „Apropos Ei, das da in der Pfanne“ Ich deute drauf, „Brennt an.“ Sein Blick verändert sich sofort und er versucht das zu retten was noch zu retten ist.
„Fuck, Fuck, Fuck“ flucht er. „Super gemacht du Küchenchef.“ Er legt das halb verkohlte Ei auf einen Teller. Das ist doch deine Schuld, du hast mich abgelenkt.“ beschuldigt er mich. „Ich? Mit was denn?“ frage ich lachend.
„Ja du hast mich dazu gebracht von meinem Schwarm zu reden, natürlich werde ich da abgelenkt. Wärst du genauso, wenn ich anfangen würde von ihr zu reden.“ meint er.
„Das stimmt nicht, mich kann man nicht ablenken.“ unterrichte ich ihn. „Ja klar Mr. Perfect.“
Er hat recht. Ich bin Perfekt. Ich wurde seit meinem fünften Lebensjahr darauf trainiert perfekt zu sein. Perfekt für sie. Und es kann echt lästig und nervig sein so zu sein, aber wenn ich es nicht wäre, würde es unsere Mission gefährden. Außerdem wäre ich nichts lieber als perfekt für sie zu sein. So wie sie perfekt für mich ist. Wir setzen uns an den gedeckten Tisch und beginnen zu frühstücken.
„Ganz Ehrlich, willst du das überhaupt?“ Patrick schaut mich ernst an. „Was meinst du?“ frage ich ihn, obwohl ich genau weiß was er meint. Diese Art von Gespräch führen wir oft. „Die Mission durchziehen.“ Ich schaue ihn ernst an. „Ja natürlich.“ antworte ich und nehme einen Schluck von meinem Kaffee.
„Möchtest du keine Zukunft mit der Frau die du liebst? Möchtest du sie nicht heiraten, Kinder mit ihr bekommen und alt mit ihr werden? Möchtest du keine Insider mit ihr haben, Feiertage feiern oder einfach nur faule Sonntage genießen? Möchtest du das alles in ein paar Monaten schon vorbei ist?“ Ich atme tief durch und denke über das was er gesagt hat nach. „Doch, das möchte ich.“ Auf mein Geständnis folgt ein kurzes Schweigen.
„Dann musst du was dagegen unternehmen.“ Ich schmunzle wegen seiner Leichtsinnigkeit. „Patrick, dagegen kann man nichts unternehmen.“ erkläre ich ihm. „Aber man muss doch irgend etwas tun können. Ich meine, ich will das du glücklich wirst und dein Leben genießt! Außerdem will ich dich nicht verlieren. Ich meine, du bist mein bester Freund und wie ein Bruder für mich.“ Er wird sauer und verzweifel zugleich. „Ich will dich doch auch nicht verlieren, aber wenn ich nicht das mache, was Marcel und die anderen mir sagen, dann werden sie nicht nur mich und sie umbringen, sondern auch andere unschuldige. Außerdem will ich die Mission durchziehen. Es ist meine Aufgabe. Sie hat mich zu dem gemacht was ich bin. Außerdem wird sie nur mich, und niemand anderen, lieben können wenn sie tot ist.“ Und das ist der Hauptgrund warum ich meine Mission abschließen will. Patrick schüttelt den Kopf. „Mein Vater ist ein Arschloch. Ich hasse ihn für alles was er dir angetan hat, antut und antun wird.“ Man sieht den Hass in seinen Augen funkeln. „Mein Vater war nicht besser. Wegen ihm bin ich doch erst in die ganze Sache hineingezogen worden. Aber etwas positives hat es.“ stelle ich fest. „Und das wäre?“ Ich grinse. „Ich habe sie kennengelernt. Und dich auch.“ Ich boxe ihn in den Arm.
„Ja das stimmt, unsere Väter sind zwar Arschlöcher, aber sie haben uns zu Freunden gemacht.“ „Besten Freunden.“ korrigiere ich ihn. Patrick und ich haben schon so viel durch gemacht für unser Alter. Wir haben gelacht, geweint, gelitten, aber das alles haben wir zusammen gemacht. Wir sind in diesen mehr als 20 Jahren durch dick und dünn gegangen. Wir sind wie Brüder zusammen aufgewachsen und ich könnte mir gar nicht vorstellen, wie schlimm es sein muss, zu wissen dass man bald seinen besten Freund verliert. Und das alles wegen unseren Vätern. „Du spülst ab.“ reißt er mich aus meinen Gedanken. „Meinetwegen.“ Wir räumen das Geschirr ins Spülbecken und ich spüle ab, während er in seinem Zimmer verschwindet. Wir müssen uns dringend eine Spülmaschine anschaffen.
Mein Handy klingelt, ich trockne meine Hände ab und gehe ran.
„Hallo Marcel.“ begrüße ich meinen Boss. „Es wird Zeit.“ Ich bin verwirrt. „Was? Jetzt schon? Ich dachte erst heute Abend.“ sage ich. „Nein, sie geht heute Abend wahrscheinlich nicht in die Bar. Sie ist jetzt alleine in der Stadt im Schreibwarengeschäft. Beeil dich lieber, in der nähe ist ein anderer und es sieht aus als hätte er ein Auge auf sie geworfen.“ Mit dieser Warnung legt er auf. Ich weiß, dass da mit großer Wahrscheinlichkeit kein anderer Typ ist und Marcel das nur sagt, damit ich so schnell wie möglich an meinem Ziel bin. Und sein Plan geht auf. Ich stecke mein Handy in meine Hosentasche, ziehe meine Schuhe an, schnappe mir meinen Schlüssel und renne los. Im Bus schreibe ich Patrick, dass ich ganz dringend los musste. Er ist es ja schon gewohnt. Aber für sie würde ich alles stehen und liegen lassen.
Im Laden angekommen schaue ich mich nach ihr um. Da ist sie! Ich sehe nur noch sie, niemand anderen. Alles ist ausgeblendet, nur sie steht in der Mitte meines ganzen Universums. Ich reiße mich wieder zusammen und schaue mir die Notizbücher an, die gegenüber von ihr sind. So nah war ich ihr noch nie. Ich hab sie bis jetzt nur ein paar mal gesehen. Davor immer nur auf Bildern und seit letzter Woche in der Bar. Sie läuft an mir vorbei und ich ergreife die Initiative und stoße gegen sie.
„Entschuldigung, mein Fehler.“ entschuldige ich mich bei ihr.
„Kein Problem.“ antwortet sie lächelnd. Ihre wunderschönen dunkelblonden Haare hat sie zu einen lockeren Dutt zusammengeknotet. Sie trägt eine schwarze Jeans und ein dunkelblaues lockeres Oberteil. „Kennen wir uns?“ fragt sie, nachdem sie mich gemustert hat. „Ja, Sie kommen mir bekannt vor, aber woher?“ frage ich. „Sie waren gestern in dieser Bar oder?“ Ich tue so als wäre es mir wieder eingefallen, wo ich sie gesehen hab. „Ja stimmt. Adam. Adam Williams.“ Stelle ich mich vor und halte ihr die Hand hin. Sie schüttelt sie. „Sarah. Sarah Parker.“
Sarah. Sarah. Wie lange habe ich auf den Moment gewartet? Den Moment in dem sie mir ihren Namen verrät. Ich frage mich seit dem Moment in dem ich das erste mal ein Foto von ihr gesehen habe, wie sie wohl heißen mag. Diese Information hat man mir immer verschwiegen, egal wie oft ich gefragt habe. Und ich weiß nicht einmal warum. Ich habe schon so viele Listen mit Namen, die zu ihr passen könnten. Sarah war sogar auch auf einer.
Sarah, ein wunderschöner Name für ein wunderschönes Mädchen. „Schreiben Sie Tagebuch?“ fragt sie und deutet auf das blaue Buch mit dem Schriftzug Tagebuch in meiner Hand. „Ich bevorzuge den Begriff Memoiren.“ Sie lacht. Ich wusste das sie lachen wird. „Und Sie?“ Ich kenne die Antwort schon. „Ja, ich muss alles aufschreiben, aus Angst ich vergesse es.“ Als ich erfahren habe, dass sie Tagebuch schreibt wollte, beziehungsweise musste ich auch anfangen zu schreiben, einfach um ihr ähnlicher zu sein. Sie hat ihr erstes mit zehn von ihrer Mutter bekommen.
„Ich habe mein erstes von meiner Mutter bekommen, als ich zehn Jahre alt war.“ erzählt sie mir. „Ich habe es von einem Freund meines Vaters bekommen, mit zwölf. Er meinte ich soll alles aufschreiben was in meinem Leben so passiert, damit ich mich immer daran erinnern werde.“ Es ist nur zum Teil gelogen. Es stimmt, ich habe mein erstes Buch mit zwölf von Marcel bekommen, aber nur damit ich das selbe mache wie Sarah und nicht um mein Leben zu notieren. Wir laufen gemeinsam zur Kasse. „Ich habe damals natürlich nicht zugegeben dass ich schreibe, ich meine für eine zwölf jährigen fast - Teenager ist das ja nicht wirklich cool.“ lache ich und sie stimmt mit ein.
„Ja, ich habe es auch ewig geheim gehalten, aus Angst jemand könnte es finden, meine Geheimnisse lesen. Aber mittlerweile schreibe ich keine Geheimnisse mehr rein, sondern nur noch Erlebnisse.“ gesteht sie.„Das macht dann drei Doller bitte.“ verlangt die Kassiererin von Sarah. „Ich mach schon.“ biete ich ihr an, während sie ihren Geldbeutel rausholen will.
„Nein, Nein müssen Sie nicht.“ lehnt sie ab.
„Ach die zwei Stifte.“ Ich zwinker ihr zu und bezahle. „Vielen Dank.“ bedankt sie sich lächelnd bei mir.
„Kein Ding.“ Ich lächle zurück. „Nein im Ernst, wie kann ich mich revanchieren?“ fragt sie. „Gehen Sie morgen mit mir aus. Um zwanzig Uhr in der Bar?“ frage ich sie. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich bin aufgeregt?! Ich darf nicht nervös sein. Das zeigt, dass ich eine Schwäche habe. Ja, sie ist meine Schwäche, aber das darf niemand erfahren, besonders nicht sie.
„Geht klar.“ willigt sie ein. „Dann bis morgen Sarah.“ verabschiede ich mich von ihr. „Bis morgen Adam.“ Sie lächelt noch ein letztes mal, dreht sich um und verschwindet. Ich habe es geschafft! Ein weiterer Teil meiner Mission ist erfüllt. Das es so einfach ist hätte ich niemals gedacht. Ich hole mein Handy und schreibe Marcel eine Nachricht
„Wirklich? Sie hat einfach so zugesagt?“
Ich nicke während ich mein Hemd zuknöpfe. „Wow, wer geht denn bitteschön mit einem Fremden, den man vor drei Minuten zufällig im Laden getroffen hat aus?“ Patrick schüttelt den Kopf. „Man müsste sich echt Sorgen um diese Einstellung machen.“ Ich zucke nur mit den Schultern. „Es war eben Liebe auf den ersten Blick.“ Mein bester Freund zieht die Augenbrauen zusammen. „Sag so was noch einmal und ich kotze dir auf die Schuhe.
Lachend schüttel ich den Kopf.
„Wow, es ist aber kaum zu glauben wie schnell das jetzt ging.“ Ich schaue in den Spiegel und fahre mir mit der Hand durch die Haare. Ich atme tief ein als ich „Ja.“ antworte.
„Ich meine vor einer Woche hast du sie noch nicht mal live gesehen, und jetzt triffst du dich in einer halben Stunde mit ihr.“ Patrick redet schnell, so als wäre er derjenige, der aufgeregt sein müsste.
„Mach mal langsam, es wirkt ja fast so als währst du nervöser als ich.“ lache ich.
„Naja, das ist ja auch nicht schwer, du scheinst ja noch nicht mal zu wissen, was nervös bedeutet.“ zieht mein bester Freund mich auf. „Ach so ein Quatsch, natürlich bin ich etwas aufgeregt, aber es wird alles gut gehen.“ sage ich mehr zu mir selbst als zu ihm. Natürlich bin ich total nervös, aber das würde ich weder zeigen noch zugeben. „Ja, bis du dir den Rotwein über dein weißes Hemd schüttest und wirkst wie ein dummer Clown oder so was.“ Ich schaue ihn an und schüttel lachend den Kopf.
„Du weißt, das mir so etwas nie passieren würde. Außerdem trinke ich keinen Wein.“
„Man weiß nie mein Freund, man weiß nie.“
„Nur weil dir das täglich passiert heißt es nicht, dass“
„Halt, woher weißt du das?“ unterbricht Patrick mich. „Ich bin doch dein Stalker, hab ich das noch nicht erwähnt?“
„Achso, jetzt ergibt alles einen Sinn!“ Wir schauen uns an und müssen beide lachen. Ich liebe Patricks Humor. Wir haben zwar nicht immer den gleichen, trotzdem passen sie super zusammen.
„So fertig. Passt das?“ frage ich ihn und er mustert mein Outfit. „Wärst du nicht mein bester Freund würde ich direkt über dich herfallen.“ Ich lache und er stimmt mit ein. „Ich darf mir aber keine Ablenkungen erlauben.“ erinner ich ihn dran. „Ach wie schade.“ Er tut als wäre er beleidigt, während ich mein Handy raushole um seinem Vater eine Nachricht zu schreiben.
- Bin fertig, gehe jetzt los und bin dann in 5 Minuten dort.-
Ich habe keine 10 Sekunden auf Senden gedrückt, kommt auch schon eine Antwort.
- Ich wusste, das ich mich auf dich verlassen kann. Vermassel es nicht! **M-
„Also viel Glück und so.“ wünscht Patrick mir. Ich weiß dass er das nur sagt weil er mein Freund ist und weil er höflich ist und nicht weil er es so meint. Er würde sich am liebsten wünschen das ich alles vermassel und sie mich niemals lieben wird. „Danke man“ sage ich trotzdem und klopfe ihm auf die Schulter. Dann verlasse dann das Haus.
Es ist sehr warm draußen, wir haben ja auch schon Mitte Juli. Wenn ich so überlege, ist es schon krass, wie schnell die Zeit vergeht wenn man etwas zu tun hat. Dieses Jahr ist das wichtigste meines Lebens, dass weiß ich schon seit dem ich fünf Jahre alt bin. Das Jahr in dem du sie kennen lernst, ist das aller wichtigste. hatte er mir damals, beim Unterricht gesagt. An solchen warmen Sommerabenden erinner ich mich gerne an ihn zurück, ausnahmsweise. Mein Vater war noch nie der perfekt Vater, aber wenn es darum geht mir Mut zuzusprechen, war er genau der Richtige. Ich erinnere mich wie wir, wenn wir nicht gerade gearbeitet haben, im Garten oder im Park Fußball gespielt haben. In solchen Momenten waren wir einfach nur ganz normal Vater und Sohn. Das kam aber nicht oft vor. Auf der anderen Straßenseite läuft gerade so ein normaler Vater mit seinem normalem Sohn an der Hand. Auf jeden Fall sehen sie ziemlich normal aus. Wenn mein Vater und ich so die Straße entlang gelaufen sind, dann haben die Leute bestimmt auch gedacht, wir seinen ganz normal. Sie hätten uns niemals für Agenten gehalten, die darauf fixiert sind eine ganz bestimmte Mission zu erfüllen. Man kann nie in Menschen hineinschauen. Man weiß praktisch gar nichts über sie. Jeder von ihnen, hier auf der Straße, hat seinen eigenen Namen, den ich nicht weiß und vermutlich auch niemals wissen werde. Jeder von ihnen hat eine Vergangenheit, eine schöne oder eine weniger schöne. Jeder hat eine Gegenwart und eine Zukunft. Die Zukunft, meine größte Angst. Jeder von ihnen hat eine eigene Geschichte. Hat Probleme, Ängste, Sorgen aber auch Wünsche, Träume,Hoffnungen und Ziele. Genau so wie ich. Jeder hat sein eigenes Leben, das so anders ist als das der anderen. Manchmal wünschte ich, ich wäre normal. Doch was ist normal? Sind die Menschen hier auf der Straße normal? Wie es wohl ihn ihren Köpfen aussieht? Was sie über mich denken, wenn ich die Straße entlang laufe? Was würden sie denken wenn sie wissen würden was mein Ziel ist? Was würde ich über solche Menschen wie mich denken wenn ich normal wäre? Was würde Sarah über mich denken?
Ich öffne die Tür der Bar und setze mich auf einen freien zweier Tisch. Es ist 19:50 Uhr, ich bin zehn Minuten zu früh dran, oder besser gesagt fünfzehn. Ich weiß, Sarah kommt immer mindestens fünf Minuten zu spät. Pünktlichkeit ist nicht ihre Stärke. Meine schon. Dies ist eine der wenigen Sachen in der ich ihr nicht ähnlich bin. Pünktlichkeit ist bei uns das A und O. „Möchten sie schon etwas bestellen?“ fragt die Kellnerin mich nach einer Weile.
„Ja, ein Bier bitte.“ Sie notiert meinen Wunsch auf ihrem Block, steckt sich den Stift wieder hinter ihr Ohr und verschwindet hinter dem Tresen. In dem Augenblick geht das Glöckchen der Tür und mein wunderschönes Mädchen betritt die Bar. Sie schaut sich um, und als sie mich entdeckt lächelt sie und kommt auf mich zu.
„Hey, sorry für die Verspätung. Ich habe meinen Bus verpasst.“ erklärt Sarah.
„Du brauchst dich nicht entschuldigen. Ich hab schon etwas zum trinken bestellt, was möchtest du denn?“ frage ich sie. Sie streicht sich eine Haarsträhne, die sie heute gelockt hat, hinter ihr Ohr. „Ich trinke ein Glas Rotwein.“ Ich muss unwillkürlich schmunzeln, da ich an das Gespräch mit Patrick und dem Wein erinnert werde. „Aber nur eins, ich vertrag nicht viel.“ fügt sie noch nervös hinzu.
„So etwas ist reine Übungssache.“ belehre ich sie und sie muss schmunzeln. Genau in diesem Moment kommt die Kellnerin mit meinem Bier zurück.
„Für die Dame ein Glas Rotwein bitte.“ bestelle ich für sie. Die Kellnerin nickt höflich und verschwindet wieder.
„Also Adam, woher kommst du? Ich habe dich noch nie hier gesehen.“
„Kein Wunder, die Stadt ist ja auch riesig.“ merke ich lachend an. „Aber du hast recht, ich bin nicht von hier. Ich bin in North Carolina geboren, bin dann seit meinem fünften Lebensjahr gereist und seit geraumer Zeit lebe ich hier. Und du?“
„Ich wohne schon mein ganzes Leben hier. Ich habe noch nie Kalifornien verlassen.“
„Was? Wirklich nicht? Ich glaub ich hab schon fast die ganze USA gesehen, am besten hat mir Texas und L.A. gefallen, deswegen habe ich mich dann schlussendlich auch entschieden hier zu wohnen.“ lüge ich. Es stimmt zwar, dass ich schon fast die ganze USA gesehen habe, aber ich habe schon immer hier in L.A. gewohnt, wenn ich nicht gerade verreißt war. Hier bin ich geboren und hier ist mein Zuhause. Ich bin nur privat unterrichtet worden und hatte auch nie andere Freunde außer Patrick, der zweieinhalb Jahre älter als ich ist.
„Texas möchte ich auch mal sehen und nach New York möchte ich!“ Die Kellnerin stellt das Glas Rotwein vor ihr ab und Sarah bedankt sich.
„New York ist wirklich schön, aber so voll. Glaub mir du siehst dort mehr Menschen als sonst was. Aber am schönsten ist Europa.“
„Du warst in Europa?“ Sie wirkt fasziniert.
„Ja schon ein paar mal. Ich finde Europa hat etwas besonderes, aber ich kann nicht genau sagen was.“
„Wo in Europa warst du denn?“
„Ach, schon in vielen Länder. Am besten waren England, Griechenland, Italien und Deutschland. Spanien war auch ganz schön.“
Gespannt hört sie mir zu, während ich ihr von meinen unzähligen Reisen erzähle, was ich alles schon gesehen und erlebt habe. Ich erzähle ihr von dem Parthenon, vom Eiffelturm und der Notre dame,sowie von Schloss Neuschwanstein als auch vom Big Ben. Ich berichte ihr von Altstädte, deren Häuser zum teil schon mehr als fünfhundert Jahre alt sind, sowie von modernen Städten mit meterhohen Wolkenkratzern. Zum Teil erzähle ich ihr Geschichten, die wirklich passiert sind und zum Teil Lügen, die ich mir extra für sie ausgedacht habe. Aber sie hört mir interessiert zu.
„Wow, ich möchte das auch alles mal sehen.“ sagt sie während sie den ersten Schluck von ihrem zweitem Glas Wein trinkt. Ich weiß nicht, ob sie aus versehen noch ein Glas bestellt hat, oder ob sie es bewusst getan hat. „Vielleicht wirst du das alles irgendwann mal sehen, und sogar noch mehr.“ Ich weiß, das sie das alles niemals sehen wird und ich weiß, dass all das meinetwegen ist. Und es tut mir unfassbar leid. Aber auch sie muss ihre Opfer bringen.
„Wie alt bist du denn eigentlich, wenn du soviel schon gesehen hast? Normaler Weiße hört man solche Geschichten von vierzigjährigen, aber du siehst nicht so alt aus, außer du hast dich ziemlich jung gehalten.“ scherzt sie. „Nein, vierzig bin ich noch nicht ganz. Ich bin zweiundzwanzig und du?“
„Ich bin zwanzig.“ Wusste ich natürlich. Sie schaut auf die Uhr. „Was, so schon spät, tut mir leid Adam, ich muss nach Hause ich muss in acht Stunden in der Arbeit sein.“
„Wo arbeitest du denn wenn ich fragen darf?“
„Ich helfe in der kleinen Bäckerei aus, zwei Straßen von hier entfernt, aber das mache ich nur während meines Studiums.“ Wusste ich auch.
„Ja, ich weiß wo du meinst. Ich wollte mich noch für den wundervollen Abend bedanken.“
„Ich fand den Abend auch wunderschön, ich hoffe, wir können das wiederholen.“ schlägt sie vor. „Das hoffe ich auch, bekomme ich deine Nummer?“ frage ich sie. Sie gibt mir ihre Nummer und ich tippe sie sofort in mein Handy ein. „Dann werde ich dich auf jeden Fall bald anrufen.“ verspreche ich ihr. Wir erheben uns und ich nehme ihre Hand und küsse sie sanft, wie ein echter Gentleman.
„Bis bald Sarah.“ verabschiede ich mich von ihr. Sie wird leicht rot im Gesicht. „Bis bald Adam.“ Sie schenkt mir ihr schönstes Lächeln und verschwindet dann.
Dritter Teil erfüllt -A
Ich hab sie getroffen!
Einer meiner größten Wünsche ist in Erfüllung gegangen. Wir saßen an einem Tisch in dieser Bar und haben uns unterhalten! Wie zwei ganz normale Menschen. Ich kann es immer noch gar nicht richtig glauben. Und sie war so wunderschön. Ich liebe ihre Augen. Ich liebe ihre Haare. Die Art wie sie lacht, wie sie mir zugehört hat als ich über meine Reisen geredet habe. Ich liebe einfach alles an ihr. Es ist zu schade, dass uns nicht noch ein bisschen Zeit bleibt, bevor wir sterben. Aber so muss es nun mal sein. Patrick versteht nicht, warum ich diese Mission zu ende bringen will. Er redet schon seit mehren Tagen davon, dass ich sie abbrechen soll und richtig leben soll, dass ich sie vergessen soll. Aber das könnte ich nie. Ich will diese Mission mit ihr beenden und wenn es dafür unser verdammtes Leben kostet. Außerdem, wer weiß was Marcel mit mir oder mit ihr machen würde wenn ich alles abbrechen würde. Ich werde auch nichts aufgeben, an das ich fast 20 Jahre gearbeitet habe. Ich werde Sarah nicht aufgeben! Sie ist der Grund warum ich lebe, mein Mittelpunkt. Ich wüsste nicht was ich ohne sie und der Mission machen würde. Außerdem will ich das zu Ende bringen was mein Vater angefangen hat. Ich werde definitiv nicht so sein wie er. Das ist das letzte was ich will.
„Bist du fertig?“
Ich schließe mein Buch. „Ja, ich komme.“ Ich gehe in den Flur und ziehe mir meine Schuhe an. Aus dem Augenwinkel merke ich, wie Patrick mich beobachtet „Alles okay?“ frage ich ihn.
„Klar, alles in Ordnung.“ Er schenkt mir ein falsches Lächeln. Irgendwas bedrückt ihn, dass kann ich sehen. Patrick ist sonst nie so, er ist ein lebensfroher und lustiger Mensch. Ich ziehe die Augenbrauen zusammen, da ich ihm nicht glaube, frage aber nicht nach. Er würde mir eh nicht sagen was mit ihm ist.
„Kann los gehen.“ Ich schnappe mir meinen Schlüssel und wir laufen die Treppen hinunter.
„Also, das hier ist die berühmte Bar.“ Patrick schaut sich neugierig um. Sein Blick schweift über die schwarzen Tische und über die Stühle und Bänke mit rotem Lederbezug. Der Boden der Bar ist mit schwarzen Marmor überzogen und an der Decke hängen große moderne Lampen. Er schaut rüber zur Bar, die sich hinten auf der rechten Seite befindet, an der vier Barhocker stehen. „Ich hab sie mir irgendwie cooler vorgestellt, irgendwie geheimnisvoller, halt ein bisschen wie eine Agenten Bar.“ Ich schüttel den Kopf. „Nein, das hier ist eben eine ganz normale Bar, in die ganz normale Menschen gehen um sich zu betrinken oder um sonst was zu tun.“ Er schaut sich nochmal genauer um. „Gut, dann werde ich hierher gehen um mich zu betrinken wenn du deine Mission ausgeführt hast und tot bist. In diese beschissene Bar in der es ernst geworden ist.“ sagt er locker und zuckt mit den Schultern. Ich rolle mit den Augen. Warum muss er nur immer wieder damit anfangen? Er geht rüber zur Bar und ich folge ihm.
„Was kannst du mir empfehlen?“ fragt er den Barkeeper.
„Sex on the beach?“ schlägt er ihm vor.
„Ne sorry, da sind mir zu viele Menschen, ich hab lieber Sex ohne Zuschauer, aber wenn ihr hier irgendwo eine Abstellkammer habt, dann“
„Patrick!“ unterbreche ich ihn. Der Barkeeper lacht und schüttelt den Kopf. „Zwei Bier.“ bestelle ich und er verschwindet nach hinten. „Du gönnst mir auch keinen Spaß oder? Ich meine, du hast bald dein Mädchen und wen hab ich?“
„Wenn du so etwas nochmal abziehst, dann kann ich mich hier bald nicht mehr blicken lassen.“ knurre ich. „Besser wäre es.“ sagt er so leise, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn richtig verstanden habe. Der Barkeeper kommt mit unseren zwei Bieren zurück und zwinkert Patrick zu.
Nachdem ich den letzten Schluck meines dritten Bieres hinunter geschluckt habe, geht die Tür wieder auf. Wie die anderen Male auch, schaue ich zum Eingang, den man von hier perfekt beobachten kann. Tatsächlich kommt sie herein. Sie sieht so perfekt aus, wie immer. Ihre mittelblonden Haare fallen ihr leicht gewellt über die Schulter. Sie ist wie immer leicht geschminkt, was sie natürlich schön aussehen lässt. Sie trägt eine rote Bluse und eine schwarze Hose. Ich stoße Patrick mit dem Ellenbogen in die Rippen. „Au.“ Ups, das war wahrscheinlich ein bisschen zu fest. Er wirft mir einen fragenden Blick zu.
„Da ist sie.“ flüster ich ihm zu. Er schaut zum Eingang. „Darf ich sagen, dass sie auf den Bildern besser aussieht?“
„Nein darfst du nicht.“
„Okay, sie ist wunderschön.“
„Wenn ich nicht wüsste, dass du schwul bist, würde ich dir jetzt eine reinhauen.“
Sarah entdeckt mich, winkt und kommt lächelnd auf mich zu. Diese kleine Geste lässt mein Herz, das nur für sie schlägt, höher springen. Jetzt wo sie fast vor mir ist, sieht sie noch schöner aus als von weiten. Unser Treffen ist genau drei Tage her, die längsten drei Tage meines Lebens. Wir haben in der Zwischenzeit miteinander geschrieben und wollten uns übermorgen nochmal treffen.
„Hey, schön dich zu sehen. Ich habe gar nicht erwartet dich heute zu sehen.“ begrüßt sie mich.
„Ja, was für ein Zufall dich heute hier zu treffen.“ antworte ich. „Ja, so ein Zufall.“ wiederholt Patrick meine Worte, aber mit Ironie. „Sarah, darf ich dir Patrick vorstellen, ein Freund.“
„Bester Freund.“ korrigiert er und streckt ihr die Hand entgegen. „Hallo Patrick, schön dich kennenzulernen.“ Sie schüttelt seine Hand. „Das hier ist Mandy, meine Freundin.“ Sie deutet auf das schwarzhaarige Mädchen neben ihr. Sie ist mir vorher noch gar nicht aufgefallen.
„Hallo.“ begrüßt sie uns lächelnd. Sie hat, ebenfalls wie Sarah, Haare die bist zur Brust gehen – ihre sind aber schwarz - und sie ist ein Stück größer als sie. „Wir dürfen uns doch zu euch setzen oder?“ fragt Sarah.
„Natürlich.“ Sie lässt sich auf den Barhocker neben mir fallen und Mandy nimmt neben Patrick platz.
„Und wie hat deiner Dozentin dein Kunstprojekt gefallen?“ frage ich sie.
„Sehr gut, es wird sogar auf der Ausstellung gezeigt.“ Gestern Abend hat Sarah mit geschrieben, dass sie total nervös ist, da sie ein wichtiges Kunstprojekt abzugeben hat, dass ein großer Teil ihrer gesamt Note sein soll. Ich habe ihr natürlich Mut zugesprochen und ihr gesagt, dass alles was sie macht großartig ist und wenn ihre Dozentin es nicht mag sie dann einfach keinen Geschmack hat. „Das ist ja klasse, siehst du, hab ich doch gesagt das es ihr gefallen wird.“ Sie schenkt mir ein bezauberndes Lächeln.
„Danke Adam, wirklich.“ Ich zwinker ihr zu.
„Kein Problem.“ Der Barkeeper nimmt die Bestellungen von Sarah und Mandy, die sich mit Patrick unterhält, auf und bring ihnen einen kurzen Moment später ihre Drinks.
„Was studierst du eigentlich?“ fragt sie mich, nachdem sie einen Schluck genommen hat. „Ich studiere nicht. Ich muss für das was ich mache nicht studieren.“ antworte ich ihr wahrheitsgetreu.
„Was machst du denn?“ Sie ist neugierig. Ein gutes Zeichen dafür das sie sich für mich interessiert.
„Das was ich mach ist sehr kompliziert und ich möchte nicht darüber sprechen, nicht heute. Nicht hier.“ Sie nickt. „Also bist du mit deinem Job nicht zufrieden?“ Sie lässt nicht locker. Gut so.
„Doch und wie. Aber es ist wirklich kompliziert es zu erklären und außerdem bin ich schon viel zu betrunken dafür.“ Um meiner Ausrede Nachdruck zu verleihen, nehme ich einen Schluck meines mittlerweile vierten Biers. Natürlich bin ich nicht betrunken, ich vertrage viel. Sarah lacht. „Ich dachte es wäre Übungssache nicht betrunken zu werden.“ Als könnte sie Gedanken lesen. „Na dann, muss ich eben noch ein bisschen üben, wie du.“ Jetzt lachen wir beide und ich kann kaum glauben, das etwas so normales, wie hier mit ihr zu sitzen und zu lachen so schön sein kann.
„Erzähl mir von der Uni. Ich bin auf keiner und kann mir so ein Uni-Leben gar nicht richtig vorstellen.“
„Uff, wo soll ich da nur anfangen. Also die UCLA ist wirklich groß. Ich studiere Kunst als Hauptfach, aber das weißt du ja schon. Es gibt ein Wohnheim, aber dort wohne ich nicht, da meine Mutter und ich ganz in der nähe der Uni wohnen. Die meisten Dozenten sind wirklich alles sehr nett, genau so wie die Studenten, klar gibt es immer Ausnahmen, aber im großem und ganzen mag ich das Uni leben wirklich. Es ist auch nicht so schwer wenn man mitarbeitet und seine Aufgaben macht und nicht jedes Wochenende feiern geht. Obwohl ich sagen muss, dass diese Partys nicht schlecht sind. Am besten sind die in den Verbindungshäusern. Warst du schon mal auf so einer?“ Ich schüttel den Kopf. „Dann musst du unbedingt mal mitkommen. Übermorgen ist ein, wir wollten uns doch sowieso treffen, wir können doch hingehen.“ Sie sagt das so überzeugend, dass ich eigentlich sofort zusagen müsste, aber ich weiß nicht was Marcel davon halten würde.
„Ich glaube, dass das nicht so eine gute Idee ist.“ Sie schaut verwirrt aus. „Wieso denn nicht?“ Sie schaut mir direkt in die Augen, was es mir natürlich noch schwerer macht ihr den Wunsch auszuschlagen. „Naja, dass ist doch eine Uni Party und ich gehe nicht auf die Uni, vielleicht bin ich ja unerwünscht.“ rede ich mich raus. Anscheinend funktioniert es nicht, denn sie schaut mich unglaubwürdig an.
„Das ist jetzt aber eine der schlechtesten Ausreden, die ich jemals gehört habe.“ Normalerweise kann ich mich immer, überall und bei jedem perfekt rausreden – mit Ausnahme von Marcel. „Na gut, ich bin nur nicht so der Party Mensch.“ rette ich mich. Sie zieht eine Augenbraue nach oben.
„Adam Williams, warst du jemals auf einer Party, und ich meine keine Kindergeburtstagspartys!“ Nein, war ich nicht, natürlich nicht. Nicht mal auf einer Kindergeburtstagsparty. Ich schüttel den Kopf.
„Wirklich nicht? Okay, dann hast du echt was verpasst! Wir gehen am Samstag zusammen auf diese Party!“ Und damit war es ausgemacht. Ich konnte mich nicht mehr wehren, sondern nur hoffen, dass mich Marcel nicht jetzt schon, vor Missionsende umbringen wird. Er hasst es wenn etwas nicht nach seinem Plan geht. Ich wusste gar nicht, dass Sarah so stur ist. Natürlich wurde mir gesagt, dass sie stur sein kann, aber das ich mich so schnell und leicht von ihr um den Finger wickeln lasse, dass hat mir niemand gesagt. Muss an meiner unendlichen Liebe zu ihr liegen.
„Okay abgemacht.“ Mit einem Händeschütteln beschließen wir den Deal. „Was hast du denn in dienen Teenagerjahren so gemacht, wenn du nicht auf Partys warst?“ Sie ist echt verdammt neugierig. Das gefällt mir! „Naja, wie du weißt bin ich viel gereist. Ich hatte nie die Möglichkeit wirkliche Freunde zu finden, die mich mit auf Partys nahmen. Außerdem habe ich nie wirklich den Drang verspürt auf eine zu gehen.“ Und das stimmt. In meinem Kopf geht es seit ungefähr 20 Jahren nur um eine Sache, um sie für mich zu gewinnen und mit ihr gemeinsam zu streben. „Interessant, und wie hast du Patrick kennengelernt?“ Ich schaue zu ihm rüber. Er unterhält sich mit Mandy, oder besser gesagt sie sich mit ihm und er sieht nicht wirklich sehr begeistert aus. „Patricks Eltern und meine waren schon befreundet, bevor wir auf der Welt waren. Und so haben wir uns kennengelernt. Sie sind auch mit uns gereist, Patrick ist wie ein Bruder für mich.“ Noch nie habe ich das jemanden gesagt, außer natürlich Patrick. Aber wem hätte ich das denn auch sagen sollen? Marcel etwa?
