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Ein Bankraub. Wie durch ein Wunder glückt dieser. Der Bankräuber auf der Flucht. Die Polizei vermutet den Drahtzieher in der Bank. Die Bankbeamtin wird entlassen, der Bankdirektor als Kopf der Bande verhaftet. Er kann fliehen. Es wird nach den drei gefahndet. Ab jetzt sind sie auf der Flucht. Während die Bankbeamtin und der Räuber versuchen über die Grenze zu kommen, weiß der Direktor nicht wirklich, was er mit sich anfangen soll. Er streift durch die Stadt, überfällt eine Tankstelle, eine Trafik. Schließlich wird er geschnappt. Der Räuber weiß Bescheid, er weiß, wie er sich zu verhalten hat. Er stiehlt ein Auto, versucht zu entkommen. Kommt auch ins Ausland. Er trifft einen Pater, den er mitnimmt. Die Beamtin erreicht auch das Ausland. Sie kommt nach einigen Tagen bei einer Familie unter. Der Räuber schafft es schließlich bis nach Hause.
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Seitenzahl: 141
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Geotrupes Stercorarius
Mistkäfer
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Inhaltsverzeichnis
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Impressum neobooks
Geotrupes Stercorarius
Mistkäfer
Der Mann stand an der Ecke der Gasse. Er sah sich um. Als er merkte, dass ihn niemand wahrnahm, ging er weiter. Nach einigen Metern kam er zu einer Kreuzung. Hier war der Verkehr recht stark, aber für diesen Morgen auch nicht ungewöhnlich, schließlich handelt es sich um eine Hauptstraße. Der Mann sah nach rechts, dort war ein großes Gebäude zu sehen, indem es einige Geschäfte sich befanden, ein Kaffeehaus und gleich daneben ist eine Bank, die um diese Zeit noch geschlossen ist. Langsam ging der Mann in Richtung Bank. Er zog seinen Hut tiefer in seine Stirn. Vor dem Kaffeehaus blieb er stehen, unschlüssig was er nun machen soll, dann, nach einigen Sekunden hat er sich entschieden, er setzt sich an einen Tisch. Die Kellnerin kommt, fragt ihn was er wünsche. Er bestellt einen Kaffee. Die Kellnerin rauscht ab, mit wiegenden Hüften.
Der Mann steht auf, zahlt, geht. Die Bank wurde soeben geöffnet. Mit entschlossenen Schritt geht er auf den Eingang zu. Vor dem Eingang bleibt er noch kurz stehen, sieht sich um, wirft einen Blick in die Bank, vergewissert sich, dass noch niemand in der Bank ist, öffnet die Tür, geht rasch hinein.
Die Bankangestellten sind noch bei ihren Vorbereitungen. Sie sehen ihn an, ungläubig, dass zu dieser Zeit schon ein Kunde kommt. Eine Bankangestellte kommt auf ihn zu.
"Guten Morgen, mein Herr! Was kann ich für Sie tun?", fragt sie freundlich, so wie sie es gelernt hat.
Der Mann gibt nicht sofort Antwort, er wartet, sieht sich die Bankangestellte genau an. Ihr ist das unangenehm, tritt von einem Fuß auf den anderen.
"Ich brauche Geld", sagt schließlich der Mann, dessen Augen sie durchdringend angesehen haben.
Erleichtert atmet sie auf. Sie hat diesen Kunden noch nie gesehen. In der heutigen Zeit weiß man nie was geschieht, denkt sie.
"Wie viel wollen Sie?", fragt sie.
Er sieht sie wieder an, ein leichtes Lächeln huscht über seine Lippen. "Alles!", sagt er.
"Und wie viel ist das?"
"Wie viel haben Sie denn da?"
Die Bankangestellte versteht nicht. Sie sieht ihn an, als hätte sie ihn nicht verstanden. "Was ... ich ... weiß nicht!", stammelt sie.
Noch immer mit diesen zarten Lächeln sagt der Mann: "Alles was in der Kasse ist! Einfach nehmen und mir geben."
"Mein Herr!", sie hat sich wieder gefangen.
"Gut! Das ist ein Banküberfall! Schreien Sie nicht, machen Sie nichts unbedachtes. Geben Sie nur das Geld her."
Und damit holt er eine Papiertüte aus seiner Tasche, wirft sie ihr hin. Angstvoll siegt sich die Bankangestellte um, niemand scheint sich für sie oder diesen Kunden zu interessieren. Alle arbeiten ruhig, still weiter. Da muss sie erkennen, dass sie keine Hilfe zu erwarten hat. Mit einem tiefen Seufzer nimmt sie die Papiertüte in ihre Hände.
"Die wird nicht halten", meint sie zum Räuber.
"Vielleicht."
Sie zuckt mit ihren Schultern. "Wie Sie wollen."
Sie räumt das Geld in die Tüte.
"Nur das Papiergeld", gibt er Anweisung.
"Wie Sie wünschen, mein Herr."
Der Räuber sieht ihr zu, bewundernd.
"Sie machen das sehr gut", sagt er. "Wie ist Ihr Name?"
"Nadja."
"Nadja, Sie sind ein Naturtalent, so wie Sie diese Situation im Griff haben ist schon einzig! Es gibt wenige Angestellte die so ruhig bleiben. Großartig."
Das letzte Bündel Geldscheine sind in der Tüte verschwunden. Sie hält ihm die Tüte hin.
"Hier! Nehmen Sie."
Der Räuber macht einen Schritt nach vor, nimmt die Tüte.
"Danke, Nadja."
"Bitte, beehren Sie uns bald wieder." Das hat sie in der Schulung gelernt. Sie war eine aufmerksame Schülerin.
Der Räuber nickt ihr zu. "Auf wiedersehen, Nadja", grüßt er freundlich. Er dreht sich um und geht.
Nadja steht hinter der Kassa, sieht ihm nach, weiß jetzt nicht, was sie zu tun hat, wartet, bis der Räuber um die Ecke gebogen ist, erst jetzt drückt sie den Alarmknopf.
Plötzlich sehen alle Angestellte auf, sehen zu Nadja, schütteln den Kopf. Der Direktor der Bank kommt aus seinem Büro. Mit wichtigen, wuchtigen Schritten kommt er auf Nadja zu.
"Was ist jetzt wieder los?", fragt er streng. "Wieder an die Klingel gekommen? So wie schon letzte Woche? Wieder muss ich die Polizei trösten, dass wieder einmal kein Bankraub stattgefunden hat."
"Herr Direktor ...!"
Weiter kommt sie nicht.
"Sie sind entlassen!", schreit der Direktor. Die Angestellten sehen zu, verbeissen sich ein Lachen. Schadenfroh sind sie alle.
"Aber Herr Direktor ...!", versucht es Nadja noch einmal.
Der Herr Direktor hört nicht. Ein Polizeifahrzeug bleibt vor der Türe stehen. Polizisten springen heraus, einer stolpert, fällt hin. Der andere stürmt zur Bank. Der Direktor tritt vor die Tür.
"Nur langsam meine Herren!", ruft er ihnen zu. "Falscher Alarm."
Der Polizist, der hingefallen war, rappelt sich wieder auf.
"Wieder ..?", fragt der eine Polizist den Direktor.
"Ja, leider. Diesmal habe ich sie gefeuert."
"Gut gemacht. Belastet nicht so unsere Nerven."
Der Räuber ist schon verschwunden. Von ihm ist nichts mehr zu sehen. Nur Nadja ist noch da. Sie sucht ihre Sachen zusammen, macht sich fertig zugehen, die Bank zu verlassen. Der Direktor sagt nicht einmal auf wiedersehen zu ihr. Und Nadja sagt auch nichts, sie lächelt nur, sie weiß warum. Der Direktor denkt, dass Nadja jetzt komplett blem blem geworden ist, so wie lächelnd aus der Bank schreitet ... Sie hat ihren Kopf verloren, die Arme, denkt er.
Der Räuber ist in einer Seitenstraße verschwunden. Er läuft nicht, er geht etwas schneller als sonst, unauffällig die Straße entlang. Viele Leute sind unterwegs, so wie er, sie gehen rasch, einige laufen, alle sind in Eile, so wie der Räuber in Eile ist. Viele sind auf dem Weg zur Arbeit, müssen sich beeilen, damit sie nicht zu spät kommen. Er schüttelt den Kopf, weiß nicht, warum sich diese Leute so einspannen lassen, sich so versklaven lassen, es kann doch so einfach sein, Geld zu verdienen! Die Bank hat es, man muss es sich nur holen. Für ihn gibt es nur zwei Berufe die sich auszahlen, warum er überhaupt am Morgen aufsteht: das ist der Beruf als Bankräuber oder Politiker. Wobei ihm der Unterschied nicht wirklich einleuchtet. Ein Politiker ist auch ein Bankräuber, er bestiehlt das Volk, genau wie ein Bankräuber, da ja nicht die Bank bestiehlt, sondern das Volk, denn das Geld, das er raubt, gehört ja nicht der Bank, es gehört dem Volk. So gesehen sollte er Volksräuber heißen und nicht Bankräuber oder noch besser Politiker.
Er stellt sich bei der Straßenbahnhaltestelle an, so wie viele andere auch. Er hält ein Papiersackerl unter seinem Arm, das unterscheidet ihn von den anderen, denn die tragen Taschen, Aktentaschen mit sich herum.
Er hört die Sirene des Polizeiwagens, der an ihm vorbei saust, in die Gasse einbiegt, wo sich die Bank befindet.
"Die werden dich nicht die Bank überfallen haben?", stellt ein Mann neben ihm nüchtern fest.
"Kann schon sein, wir leben in einer gefährlichen Zeit", antwortet der Räuber. "Heute ist dich nichts mehr sicher!"
"Da haben Sie wohl recht", sagt der Herr.
Die Straßenbahn kommt, alle stürzen zu den Türen, drängen sich hinein. Der letzte der einsteigt ist der Räuber. Er ist einer der wenigen, die es nicht eilig haben.
Nadja ist gegangen. Sie wurde gefeuert, dass tat weh, aber sie tröstete sich, sie wusste ja, dass sie dem Räuber eine schöne Summer übergeben hatte, und das tat ihr wieder gut. Sie konnte sich vorstellen, was für ein blödes Gesicht der Herr Direktor machen wird, wenn er dahinter kommt, dass die Bank doch überfallen wurde und nicht sie, diese dumme Pute, versehentlich diesen Alarm ausgelöst hat. Bei dieser Vorstellung musste sie lächeln. Was schwer sein wird, wird eine neue Anstellung zu bekommen. Für sie wird es schwer werden, für den Herren Direktor wird es unmöglich sein. Ein kleiner Unterschied, aber auch der brachte ein entzückendes Lächeln auf ihre Lippen.
Im wesentlichen wusste sie nicht wohin sie jetzt gehen sollte. Nach Hause wollte sie nicht, da war niemand der auf sie wartete. Sie ging unschlüssig die Straße entlang, sah sich die Auslagen an, wusste, dass sie für eine lange Zeit, sich nichts mehr kaufen konnte. Sie ist ja noch jung, hübsch ist sie auch, da wird sich schon wieder was finden. Wenn es bei der Bank nicht klappt, dann könnte sie einen Wiederstart wagen, vielleicht in einem Hotel. Die zahlen nicht besonders, aber sie hätte ein Einkommen und könnte sich langsam um einen besseren Posten umsehen. Sie schöpfte wieder Hoffnung. Das gab ihr Kraft, sie schritt weiter aus, sah sich die Menschen an, die ihr auf der Straße begegneten, in manchen erkannte sich sich selbst, wie sie noch diesen Morgen gehetzt aus dem Haus ging um die Straßenbahn zu erreichen, die wie so oft zu spät kam. Dann das nächste Hetzen, von der Straßenbahnhaltestelle hinauf zur U-Bahn. Sie musste lächeln, dass sie es erst jetzt merkte, dass die U-Bahn über den Dächern von Wien fuhr. Eigentlich sollte sie O-Bahn heißen. Aber das ging ihr nichts an. Es war ihr völlig gleichgültig. Sie ging hinauf zur U-Bahn, wartete auf den Zug. Dieser kam pünktlich.
Der Herr Direktor steht da, wie vom Donner getroffen. Da fehlen einige schöne neuen Scheine! Er ist ganz blass, was soll er nur tun. Der Kassier, der den Fehlbetrag gefunden hat, hat sofort den Herren Direktor gerufen und ihn informiert.
"Herr Direktor", fragt der Kassier den Direktor, "wie konnte das nur passieren? Sie haben doch den Alarm gehört? Oder nicht? Sie haben noch Nadja gefeuert ... und jetzt das!"
Der Herr Direktor muss nachdenken. Mit Erschrecken hat er feststellen müssen, dass er einen großen Fehler begangen hat. Wie kommt das nur rüber, denkt er erschrocken, da ist ein Bankraub und er schickt die Polizei fort, wirft die Nadja raus, die den Alarm ausgelöst hat. Viel bleibt ihm nicht über.
"Rufen Sie die Polizei", presst er zwischen den Zähnen hervor.
Der Kassier geht zum Telefon, ruft die Polizei.
Die Polizei kommt langsam, ohne Blaulicht, noch grinsen sie, denken sie doch wieder an einen Fehlalarm. Die Polizisten kommen sich verarscht vor. Der wievielte Alarm war das schon? Niemand weiß es genau. Sie beeilen sich nicht, diese beiden Beamte. Sie stellen das Fahrzeug ab, sperren ab, schlendern zum Eingang der Bank. Einige Passanten sehen zu, sind nicht interessiert, kein Polizist scheint in Eile zu sein, keiner zieht seine Waffe, es kann also nichts geschehen sein. Die zwei Polizisten gehen in ihrer Dienstzeit Geld abheben, das ist alles.
"Was gibt es schon wieder, Herr Direktor?", fragt ein Polizist.
Der Herr Direktor tritt von einem Fuß auf den anderen, er ist sichtlich nervös. "Wir sind überfallen worden", presst er schließlich hervor.
Die beiden Polizisten lachen.
"Lachen Sie nicht, meine Herren, es ist ernst!", sagt der Direktor mit bleichem Gesicht.
"Was ist geschehen?", fragt der zweite Polizist, der das Lachen nur schwer verbergen kann.
"Wie Sie wissen, hatten wir heute einen Alarm, von Nadja ausgelöst. Das dürfte ein Fehler gewesen sein, denn jetzt hat unser Kurier, Herr Kafka, einen erheblichen Fehlbetrag festgestellt."
Die beiden Polizisten staunen. "Sie meinen dich nicht, dass Sie wirklich überfallen wurden?"
"Genau das möchte ich sagen!"
"Sie sagen uns also, dass heute morgen die Bank überfallen wurde, Sie nichts davon gemerkt haben und uns, als wir hier ankamen, wieder weggeschickt haben."
"So könnte man es sagen", muss der Herr Direktor kleinlaut zugeben.
Die Polizisten müssen sich erst einmal beraten. "Wir müssen mit dem Kassier sprechen, Herr Kafka, wenn ich mich richtig erinnere."
Der Direktor ruft Herren Kafka, stellt ihn vor. Die Polizisten fragen ihn aus, aber er kann nichts Neues berichten.
"Das kommt mir dich sehr seltsam vor. Was meinst du, sollen wir nicht die Kripo rufen?", fragt der eine Polizist.
Der andere Polizist antwortet: "Wird besser sein."
Der Räuber hat sich in ein Kaffeehaus begeben. Jetzt hat er Hunger. Er hat noch nicht gefrühstückt. Wann hatte er das letzte Frühstück, wie lange ist das schon vorbei? Es müssen Wochen sein. Jetzt kann er sich ein Frühstück leisten, jetzt hat er genug Kohle um es zu bezahlen. Er sucht nicht lange, wählerisch war er noch nie, und jetzt, wo er reich ist, sich vieles, aber nicht alles leisten kann, wird er es auch nicht.
Er geht in ein kleines Kaffeehaus. Da gibt es nur fünf Tische. Er ist der einzige Gast. Die Kellnerin ist gleichzeitig die Inhaberin des Kaffeehauses. Es ist eine dicke Frau, mit rosigen Wangen. Ihr Gesicht glänzt wie ein Ferkel. Der Räuber bestellt ein schönes, gutes Frühstück, mit einem Mokka. Das Frühstück ist wirklich gut, schön angerichtet. Er isst mit großem Appetit. Es schmeckt ihm, dass fällt auch der Kellnerin auf.
"Es schmeckt Ihnen wohl sehr gut", bemerkt die Kellnerin.
"Es ist auch sehr gut."
"Danke, man bemüht sich. Die Kunden werden immer anspruchsvoller."
"Das liegt an der Zeit, die wird immer anspruchsvoller und das projizieren wir auf unser Umfeld."
"Das mag wohl so sein. Ich habe nur ein kleines Geschäft, die Steuer sitzt mir im Nacken, die glauben dich wirklich, dass ich Millionen umsetze. Und die, die wirklich Millionen umsetzen, die werden in Ruhe gelassen! Das ist doch ungerecht. Ich komme gerade so durch. Reich werde ich nicht werden, dafür ist das Geschäft zu klein. Wenn es so weiter geht, muss ich schließen."
"Das würde mir aber leid tun, denn Ihr Frühstück ist wirklich ganz ausgezeichnet."
"Was nützt mir das, wenn die Kunden wegbleiben, die Finanz immer mehr von mir mir verlangt, von Einnahmen die ich gar nicht habe!"
"Sie müssen sich Geld beschaffen."
"Leichter gesagt als getan."
"Machen Sie es so wie ich."
"Und was machen Sie?"
"Ich überfalle Banken."
Die Kellnerin sieht ihn an, weiß nicht, was sie von dieser Äußerung halten soll. Spinnt der?, denkt sie. Hat einen freundlichen Eindruck gemacht, jetzt hat sich herausgestellt, dass er ein Idiot ist. Sie dreht sich um und geht. Mit solchen Idioten möchte sie nichts zu tun haben.
Nadja hat sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen, das bei ihr, ihre kleine Wohnung ist. Die Wohnung ist nicht groß, sie kann sich nur ein Zimmer leisten, es aber komfortabel eingerichtet, nicht üppig, nicht luxuriös, dazu müsste die Wohnung - also dieses Zimmer - größer sein, es ist zweckmäßig eingerichtet. Das was sie jetzt möchte ist einfach nur vergessen, abschalten, an etwas schönes denken, an den letzten Urlaub in Kroatien, mit ihrer Freundin. Das war eine schöne Zeit. Es war auch ihr erster Urlaub überhaupt und da fuhr sie gleich so weit weg! Die Sonne war angenehm gewesen, das baden im Meer hatte ihr gut getan. Die Leute waren freundlich, besonders die Männer. Einige hatten sie sogar eingeladen, zu einen Kaffee, wie sagten, gemeint hatten sie was anderes, da hat sie es lieber gelassen und jede weitere Einladung abgelehnt.
Das Herz wird ihr schwer, sie seufzt, dieser Seufzer kommt tief aus ihrer Brust. Der Herr Direktor hätte mich nicht entlassen, wenn ich seinen Avanzen nachgegeben hätte, damals, vor wenigen Monaten, als sie noch neu war, erst angefangen hatte. Der Herr Direktor hatte ihr schon sein Wohlwollen gezeigt, ließ es dabei nicht bewenden, wollte auch ihrerseits ein Wohlwollen, das sie aber ausschlug. Heute ärgert sie sich darüber und sie fragt sich jetzt, warum sie ihm nicht etwas entgegengekommen ist, das hätte ihr einigen Ärger erspart. Die Tränen kullern über ihre Wangen, sie fühlt sich verloren und verlassen. Sie wirft sich aufs Bett und weint fürchterlich. Sie versucht sich zu beruhigen, endlich wird sie ruhiger, sie wischt sich die Tränen von den Wangen, steht auf, geht zum Schrank, öffnet ihm, kramt unter ihrer Wäsche herum, findet was sie sucht, nimmt die Flasche heraus, setzt sich auf das Bett. Sie hält die Flasche in ihren Händen, betrachtet sie lange, sagt leise: "Johnny, du bist mein bester Freund." Sie trinkt einen Schluck direkt aus der Flasche. Es schmeckt einfach nur scheußlich! Sie schüttelt sich. "Schmeckt das beschissen!" Sie spürt die Wirkung des Whiskys, wie er sie erwärmt, wie die Wärme bis in ihren Kopf steigt. Sie fühlt sich schwindelig. So hat sie sich noch nie gefühlt, so leicht, so zufrieden. Sie legt sich auf ihr Bett, sieht sich die Decke an. Die ist immer noch weiß! Geändert hat sich da nichts. Die Augen fallen ihr zu, sie schläft ein.
Lange hat sie nicht geschlafen. Sie steht auf und alles was sie in den letzten Stunden erlebt hat, stürzt auf sie ein. Sie muss fort, weg, nur raus aus diesen vier Wänden, einfach nur weg! Sie geht, schließt die Tür hinter sich.
