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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Anna stand auf der Terrasse der Berghütte. Sie beobachtete den jungen Neufundländer Bello, wie er versuchte, mit dem jungen Gams-kitz zu spielen. Er legte ihm immer wieder den Ball hin und rannte dann davon. Das Gamskitz versuchte dem Hund zu folgen. Toni trat neben Anna. Er legte den Arm um ihre Schultern. »Ist schon herzig anzusehen!« sagte er leise. »Das stimmt schon! So eine Freundschaft zwischen einem Gams-kitz und einem Neufundländerrüden hat auch Seltenheitswert. Aber wir sollten das Kitz wirklich nicht länger behalten. Hat die Beate noch keinen Tierpark gefunden?« »Die Beate kümmert sich darum! Es wird auch Zeit.« »Toni, du weißt es selbst, wie schwierig es ist. Ich sage es den Hüttengästen immer wieder, Tag für Tag. Doch sie sind unbelehrbar. Sie füttern es mit allem, was ihm nicht guttut. Da haben wir es kaum aufgezogen und vor dem sicheren Tode durch Verhungern gerettet, müssen wir schon wieder Sorge um das Kitz haben. Es wird krank werden, wenn es weiter unkontrolliert gefüttert wird.
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Seitenzahl: 133
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Anna stand auf der Terrasse der Berghütte. Sie beobachtete den jungen Neufundländer Bello, wie er versuchte, mit dem jungen Gams-kitz zu spielen. Er legte ihm immer wieder den Ball hin und rannte dann davon. Das Gamskitz versuchte dem Hund zu folgen.
Toni trat neben Anna. Er legte den Arm um ihre Schultern.
»Ist schon herzig anzusehen!« sagte er leise.
»Das stimmt schon! So eine Freundschaft zwischen einem Gams-kitz und einem Neufundländerrüden hat auch Seltenheitswert. Aber wir sollten das Kitz wirklich nicht länger behalten. Hat die Beate noch keinen Tierpark gefunden?«
»Die Beate kümmert sich darum! Es wird auch Zeit.«
»Toni, du weißt es selbst, wie schwierig es ist. Ich sage es den Hüttengästen immer wieder, Tag für Tag. Doch sie sind unbelehrbar. Sie füttern es mit allem, was ihm nicht guttut. Da haben wir es kaum aufgezogen und vor dem sicheren Tode durch Verhungern gerettet, müssen wir schon wieder Sorge um das Kitz haben. Es wird krank werden, wenn es weiter unkontrolliert gefüttert wird. Die Hüttengäste sind unbelehrbar. Toni, das Kitz muß weg!«
»Das stimmt, Anna. Wir müßten es immer einsperren, um es vor der falsch verstandenen Zuneigung unserer Hüttengäste zu schützen. Ich dachte, es genügt, wenn wir es auf die Oberländer Alm bringen. Dort könnte es herumlaufen. Ich hoffte, es findet den Weg zu wildlebenden Gemsen. Manchmal habe ich am Steilhang links vom Milchpfad Gemsen gesehen.«
»Da ist leider nichts daraus geworden. Als du mit Bello die Tage auf der Oberländer Alm gewesen bist, um die Milch abzuholen, dann ist die Kleine dem Bello einfach nachgelaufen. Sie folgt ihm, als wäre er ein Muttertier. Toni, das Kitz muß in einen Wildtierpark. Es muß in ein Gehege mit anderen Gemsen, wenigstens für den Übergang. Vielleicht kann man es wieder auswildern. Außerdem ist das noch mehr Arbeit, das Gras und die Kräuter für das Kitz herauf auf die Berghütte zu schaffen. Von den paar Büscheln rund um die Berghütte wird es nicht satt.«
»Ich weiß es selbst, Anna. Ich habe auch gehofft, daß die Beate schneller einen Platz in einem Wildtierpark findet. Ich werde sie noch einmal ansprechen.«
»Tu das bitte, Toni! Wir müssen schnell eine Lösung finden. Zur Not auch eine Übergangslösung. Es ist nicht mehr lange bis zum Geburtstag meiner Großmutter. Sie will, daß wir alle nach Hamburg kommen. Ich möchte nicht alleine fahren. Du, Basti und Franzi, ihr müßt mit. Wir können Alois das Gamskitz nicht zumuten. Das ist zuviel für ihn. Ich bin schon froh, wenn er sich um die Berghütte kümmert. Dein Vater wird auch mal vorbeisehen. Es wird viel Arbeit werden für den alten Alois. Auch wenn wir nur eine gute halbe Woche fort sind.«
»Anna, ich verspreche es.«
Anna lächelte Toni an.
»Ich mache mir vielleicht zu viele Gedanken, wie das wird, wenn der alte Alois hier alleine ist.«
»Das wird schon. Mußt dir keine Sorgen machen. Wir haben alles beredet. Er kocht nur Eintöpfe. Mein Vater bringt jeden zweiten Tag Brot von Waldkogel herauf.«
»Ich habe Sorge, daß es für ihn doch zuviel wird. Es ist schon ein Unterschied, ob er uns nur einen Tag vertritt oder mehrere Tage hintereinander.«
»Ich verstehe schon, wie du das meinst. Doch er ist nicht ganz alleine. Bei Riesenandrang kommt mein Vater herauf und hilft ihm. Wir sind doch nur vier Tage fort. Wir fahren am ersten Tag nach Hamburg, am nächsten wird gefeiert. Sicherlich wird es an dem Tag spät werden, bis wir ins Bett kommen. Am dritten Tag schlafen wir aus, dann machen wir einen schönen Stadtbummel. Du hast es den Kindern versprochen. Außerdem hat die Franzi noch nie das Meer gesehen.«
Anna schmunzelte.
»Bis zum Meer ist es noch ein Stückchen. Aber der Hafen mit den großen Schiffen ist sehr beeindruckend, Toni.«
»Das ist er zweifellos! Und am letzten Tag fahren wir wieder heim. Wenn wir gut durchkommen – ohne Stau –, dann können wir am Abend schon wieder auf der Berghütte sein, Anna. Vorausgesetzt, wir kommen früh in Hamburg los.«
»Wir werden ganz früh abfahren. Die Kinder können unterwegs im Auto ein Nickerchen machen.«
Anna schaute Toni an.
»Ich habe mir gedacht, daß ich auch Ella fragen könnte, ob sie Alois in den Tagen mal besuchen will. Was meinst du?«
»Das ist eine gute Idee! Kürzlich sagte Ella, sie wolle uns ohnehin mal wieder besuchen und Kräutertinktur und Heilkräuterbalsam bringen. Frage sie doch einmal. Vielleicht bleibt sie sogar die ganzen Tage. Dann hätte Alois Gesellschaft.«
»Ich werde sie fragen, Toni! Ich muß ja diese Woche noch deine Eltern in Waldkogel besuchen. Ich wollte auch mal mit Franziskas Lehrerin reden. Dann gehe ich an dem Tag bei Ella vorbei und rede mit ihr.«
Sie waren sich einig.
Sie wollten wieder hineingehen, als Bello laut zu bellen anfing und quer über das Geröllfeld raste. Er lief zum Ende, dort wo der Bergpfad einmündete, der von der Oberländer Alm heraufführte.
»Was hat Bello?« fragte Toni.
In diesem Augenblick sahen sie Beate. Beate Brand war die Tierärztin von Waldkogel. Bello sprang an ihr hoch und begrüßte sie überschwenglich. Beate mußte im Weitergehen immer wieder Bello streicheln.
»Grüß Gott, Beate! Gerade haben wir von dir geredet, die Anna und ich! Ich wollte dich später anrufen, zu einem Zeitpunkt, von dem ich hoffte, dich in der Sprechstunde zu erreichen.«
»Grüß Gott, zusammen!« Beate stellte ihren Rucksack ab. »Mei ist das ein warmes Wetter heute!«
Toni reichte ihr ein großes Glas Quellwasser. Sie trank es fast in einem Zug aus.
»Ah, das tat gut! Nun zu dem, was ich euch berichten muß: Also – keiner der Tierparks in unserer Umgebung kann das Gamskitz aufnehmen. Es gibt dort schon zu viele. Die Kapazitäten sind erschöpft.«
»Mm! Was kann man noch tun?« Toni rieb sich das Kinn.
»Keine Sorge! Ich habe einen Platz für das Kitz. Ich rief einige Kollegen an. Einer davon hat schon zwei Gemsen. Diese hat er aufgenommen, nachdem sie verletzt bei ihm abgegeben worden waren. Er hat eine Almhütte auf der andern Seite des Tales, oberhalb von Kirchwalden. Dort hat er die Tiere untergebracht. Sie sind wohl in einem Art Gatter hinter dem Haus, so wie er es mir beschrieben hat. Aber die Tür ist offen. Sie können hinaus und hinein, wie sie wollen. Er hat nun beobachtet, daß ihre Ausflüge immer länger werden. Er nimmt das Gamskitz auf.«
»Mei, des wäre ja toll, wenn die sich aneinander gewöhnen würden. Dann könnte das Kitz innerhalb des Minirudels mit ihnen auf Streifzüge gehen, und vielleicht kehren sie eines Tages nicht mehr zurück und bleiben in den Bergen.«
»Genauso haben wir es uns gedacht, der Kollege und ich. Wenn es dir recht ist, dann kann ich das Kitz gleich mitnehmen, Toni.«
Toni und Anna sahen sich an.
»Beate, verstehe mich bitte jetzt net falsch. Ich bin froh, daß du für des kleine Gemslein so einen guten Platz gefunden hast. Aber mitnehmen kannst du es nicht. Des kann ich der Franziska und dem Sebastian net antun. Die sind in der Schule. Die beiden haben des Kitzlein ins Herz geschlossen, da es doch genau wie sie ein Waisenkind ist. So sagt es jedenfalls die kleine Franzi.«
»Wie wollen wir es dann machen?«
Toni und Anna berieten sich kurz. Sie kamen überein, daß sie ausführlich mit Franzi und Basti reden würden, sobald diese von der Schule kämen. Am nächsten Tag wollte Toni das Kitz mitnehmen und die beiden von der Schule abholen. Gemeinsam würden sie dann zu Beates Kollegen nach Kirchwalden fahren.
»Das ist eine gute Idee, Toni! Dann warte ich in der Praxis auf euch. Ich komme natürlich auch mit.«
»Es wird schmerzhaft sein, besonders für Franzi, wenn das Gamskitz fort ist«, sagte Toni. »Sie hat das Kitzlein ins Herz geschlossen. Aber ein Wildtier ist kein Haustier.«
»Du mußt dir nicht so viele Sorgen machen, Toni. Die Kinder werden einsehen, daß es so besser ist. Außerdem kann das Kitz nicht hierbleiben, wenn wir verreisen.«
Toni und Anna luden Beate noch zu einer Brotzeit ein. Dann machte sich Beate auf den Rückweg. Toni und Anna fanden es großartig von Beate, daß sie den Weg zur Berghütte auf sich genommen hatte.
Als Franziska und Sebastian von der Schule heimkamen, nahmen Toni und Anna sie zur Seite.
»Die Beate hat einen schönen Platz für das Kitz gefunden. Es kann zu einem Tierarzt, der schon andere Gemsen hat. Es ist dort auch nicht eingesperrt.«
Die Kinder hörten sich alles genau an.
»Das ist nicht weit. Dann können wir das Kitz auch besuchen«, tröstete sich Franzi.
»Ja, wir können es besuchen. Wenn wir nach Kirchwalden zum Einkaufen fahren, dann sehen wir nach ihm.«
Und lächelnd fügte Toni hinzu:
»Wenn es noch dort ist. Vielleicht lebt es schon bald wieder in einem Rudel. Wir wollen doch alle, daß es glücklich ist, nicht wahr?«
»Toni, du denkst, das Kitz ist hier auf der Berghütte nicht froh?«
»Franzi, sicher ist das Kitzlein glücklich, aber in der freien Natur ist es viel glücklicher!«
»Mmm! Wann bringen wir es hin, Toni?« fragte Franziska und strich sich die Locken hinter die Ohren.
»Morgen!«
»Mm! Schade! Aber es muß wohl sein!«
»Ja, es muß sein, Franzi! Wir haben das Gamskitz alle lieb. Aber gerade, weil wir es liebhaben, wollen wir ihm ermöglichen, in die Freiheit zurückzukehren.«
Franziska dachte einen Augenblick nach.
»Vielleicht ist es besser so! Max mochte das Kitz nicht. Vielleicht roch es ihm zu streng. Er miaute immer ganz kläglich, wenn es in seine Nähe kam, und dann rannte er davon. Und Max hat sich auch nicht mehr an Bello gekuschelt, seit das Gamskitz hier war.«
»So wird es sein, Franzi! Dein lieber kleiner Kater Max, der hat eine ganz feine Nase und den Wildgeruch von dem Gamskitz, den mag er nicht.«
Anna schlug Franziska und Se-
bastian vor, Bello nach der Rückkehr aus Kirchwalden zu baden. Damit der Gamsgeruch seinem Fell nicht mehr anhaftete.
Am nächsten Tag lockte Toni mit Bellos Hilfe das Gamskitz hinunter auf die Oberländer Alm. Dann packte Toni Bello und das Kitz in den großen Geländewagen. Die Schule war noch nicht zu Ende, als Toni beim Tor des Schulhofes parkte. Er ging in die Schule und holte Seba-stian und Franziska aus ihren Klassen. Zuvor hatte er mit dem Direktor telefoniert. Toni war sicher, daß das Gamskitz für die Mitschüler und Mitschülerinnen von Sebastian und Franziska eine Attraktion sein würde. Er wollte vermeiden, daß sie sich um das Auto scharten und für Aufregung sorgten. Bald fuhren sie nach Kirchwalden.
Beates Kollege wartete schon. Der Tierarzt war ein älterer Mann. Er erzählte Toni, daß er in wenigen Wochen seine Praxis an einen jüngeren Kollegen übergeben würde. Dann würde er sich noch mehr auf seiner Almhütte aufhalten und sich täglich um die Tiere kümmern. Im Laufe der Jahre hat der Tierarzt vielen Schützlingen dort ein gutes Zuhause geboten. Es gab ein altes Wildschwein, die beiden Gemsen, einen Adler, der nicht mehr weit fliegen konnte, einen Luchs, einen Dachs, eine Wildkatze und einen alten Esel.
Sebastian und Franziska waren begeistert. Nachdem der Tierarzt Toni und den Kindern das Gehege gezeigt hatte, holte Toni das Gams-kitz aus dem Auto. Bello mußte im Wagen bleiben. Das gefiel ihm nicht, und er bellte laut.
Der Tierarzt nahm das kleine Kitz auf den Arm und brachte es zu den beiden anderen Gemsen. Zuerst stand es zitternd und unsicher im Gehege. Dann entdeckte es die leckeren Kräuter. Die beiden anderen Gemsen kamen herbei. Nach anfänglicher Unsicherheit nahmen sie das Kleine ganz schnell an. Bald sprangen sie mit ihm im Gehege herum.
»Seht ihr, es geht ihm gut!« sagte Toni.
Franzsika weinte doch einige Tränen. Das Versprechen des alten Tierarztes tröstete sie. Er versprach, gut aufzupassen und Franziska könnte ihren kleinen Liebling gerne besuchen. Der Tierarzt machte mit einer altmodischen Polaroidkamera einige Bilder.
»Hier, die nimmst du mit! Dann hast du ein Andenken.«
Franziska war etwas getröstet.
»Kommt, Kinder! Wir fahren zurück.«
Sie stiegen ins Auto. In Kirchwalden hielt Toni bei der Verwaltungsstelle der Bergwacht. Dort arbeitete Tonis Freund Leo Gasser als Leiter der Bergwacht. Der machte mit den Kindern einen Rundgang durch die großen Hallen, in denen allerlei Rettungsgerät für Großeinsätze aufbewahrt wurde. Franziska interessierte es weniger. Sebastian, ihr älterer Bruder, war begeistert.
Bevor sie zurück nach Waldkogel fuhren, ging Toni mit den Kindern noch einkaufen. Anna hatte ihm eine lange Liste mitgegeben.
Es dauerte zwei Stunden, bis sie all die Kleinigkeiten eingekauft hatten, die Anna wollte, wie Nähgarn, Durchziehgummi, Knöpfe, Schnürbänder und andere Sachen für den Haushalt. Zum Abschluß gingen sie in eine Eisdiele. Sie setzten sich ins Freie.
Unweit der Eisdiele war auf dem Marktplatz ein neuer Verkaufsstand. Auf dem Rückweg schlenderten sie daran vorbei.
Der tüchtige Verkäufer sprach sie sofort an. Er verkaufte kleine Destillieranlagen für den Hobbyschnapsbrenner.
»Die Anlage ist einfach zu bedienen! Das Landwirtschaftsblatt hat sie erwähnt und für sehr gut befunden«, sprach der Verkäufer Toni an, und reichte ihm ein Magazin.
»Toni, warum hast des Magazin genommen? Da steht doch nur etwas über Ackerbau und Viehzucht drin?« fragte Basti.
»Da steht wirklich nix drin, was wir für die Berghütte gebrauchen könnten!«
»Ich wollte net unhöflich sein, Basti. Außerdem tut der alte Alois des Magazin bestimmt mit Begeisterung lesen. Er wird sich freuen, wenn wir es ihm mitbringen.«
So war es auch. Alois saß den ganzen Abend beim Kamin und las in dem Landwirtschaftsmagazin.
»Steht was Ordentliches drin?« fragte Toni.
»Ja! Des ist höchst bemerkenswert, wie sich die Technik stetig verändert. Durch die praktischen Geräte wird alles einfacher. Ich lese gerade den Artikel über diese Destilliermaschine. Da mußt nur die Beeren reintun und so ein neues Zeug dazugeben. Das soll den Gärungsprozeß beschleunigen, und dann hast bald und ohne viel Arbeit einen schönen Obstler.«
»Zeig mal her! Des ist bestimmt des Ding, was der Mann auf dem Marktplatz vorgeführt hat.«
Toni überflog den Text.
»Des klingt wirklich gut. Und des Blatt ist solide. Die würden des net schreiben, wenn’s net stimmen würde.«
»Des denke ich auch, Toni! Wir könnten des mal probieren. Ich werde so einen kleinen Destillierapparat bestellen. Deine Mutter hat so viel Obst im Garten. Da kann man etwas daraus machen, denke ich.«
»Einen Versuch wäre es wert, Alois.«
Der alte Alois strahlte. Er ging in seine Kammer und schrieb an die Firma. Er bestellte einen Apparat und diesen Zusatzstoff. Sebastian und Franziska würden den Brief am nächsten Tag mit hinunternehmen und zur Post bringen. Der alte Alois rieb sich die Hände.
»Mei, des wird zünftig! Eigenen Obstler zu trinken, des wird richtig zünftig.«
Alois überlegte, welche verschiedenen Schnapssorten er brennen wollte: aus Kirschen, Äpfel, Brombeeren, Johannisbeeren und anderen Beeren. Natürlich wollte er auch einen Schnaps aus Kartoffeln brennen. Damit wollte er anfangen. Es gäbe dann auf der Berghütte eine eigene Hausmarke. Sebastian und Franziska könnten Etiketten malen, und schöne Namen würden ihnen auch noch einfallen. Alois freute sich. Sofort ging er in den Schuppen und suchte leere Flaschen zusammen. Sie waren sehr staubig. Alois weichte sie in einer großen Wanne ein. Am nächsten Tag werden sich die Verklebungen gelöst haben, überlegte er. Dann wollte er sie nur noch im klaren Wasser des Gebirgsbaches ausspülen. Alois war gespannt, wie lange es dauern würde, bis das Gerät da war.
*
Wencke Imhoff und Jörg Jobmann gingen beide auf die Eingangstür der Touristenzentrale in Kirchwalden zu. Jörg hielt Wencke die Tür auf.
»Bitte schön!«
»Danke!«
Sie mußten Schlange stehen. Endlich kam Wencke an die Reihe.
»Guten Tag! Ich möchte eine Wanderung machen. Dabei dachte ich an eine Wanderung in Etappen von Berghütte zu Berghütte. Haben Sie Unterlagen und eine gute Karte?«
Jörg Jobmann trat neben Wencke.
»Guten Tag! Darf ich mich dazustellen? Ich habe gehört, was Sie sagten. Auch ich will wandern gehen!«
Wencke lächelte ihn an und trat ein wenig zur Seite.
Die freundliche Dame des Tourismusbüros legte ein großes Faltblatt auf den Tresen. Sie schlug es auf. Innen waren Berghütten abgebildet.
Wencke sah es sich kurz an und schüttelte den Kopf.
