Mit Leib und Seal - Pepi von Silz - E-Book

Mit Leib und Seal E-Book

Pepi von Silz

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Beschreibung

Die schönsten G'schichten, ja, das soll's geben, die schreibt halt allemal g'wiss lei das Leben! I sag's bei der Gelegenheit, das isch a wahre Begebenheit … Wenn man sich ein Leben lang einer Sache „mit Leib und Seal“ verschrieben hat, das heißt, sich mit offenen Augen, Ohren und mit offenem Herzen durchs Leben geschlagen und das individuelle Dasein auf dieser Welt genossen hat, dann kommt so einiges zusammen, das für die Um- und Nachwelt hochinteressant sein kann. Wenn der Autor dann auch noch Justizbeamter war, kann mit lustigen Anekdoten aus dem Gerichtsalltag gerechnet werden! Aber auch Geschichten und Gedichte mitten aus dem Leben sind in dieser munteren Sammlung mit dabei. Gute Laune garantiert!

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Seitenzahl: 115

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Vorwort

Aus dem Gerichtsalltag

Das Schneuztuech

Wenn’s sein muss, dann riskier’ ich mein Leben!

„Herr Rat, haben Sie einen Pecker?“

Schlimmer geht’s nimmer

Höflicher geht’s nimmer

„Herr Rat, sie hat mich einen dürren Schweinehund genannt!“

Fahrerflucht

Der berühmteste Vater aller Zeiten

Was z’viel isch, isch z’viel …

„Das hohe Gericht möge zur Kenntnis nehmen“

Der stumme Musikant (musikalischer Einakter)

Die „unentgeldlichen“ Stunden bei Gericht

Sketch aus Aussagen vor dem „Hohen Gericht“

… und noch einige Stilblüten

Dorfsequenzen

Die „Silzer Passion“

„Mei schaam’ i mi’ …“

Silzer Originale

Der hoachwirdige B’suech

Oans isch it zwoa und it drei …

Bügelfrei

Die Wasserleitung

Auf’n Leim ’gangen

Lüeg’n wie ’druckt

Das himmlische Refugium

Religion fünf!

Himmlische Zuständ’

Die Alleluiabande

Das lateinische Wunder

Der Vater-unser-Vertrag

Israels Wunderkühe

Daniel in der Löwengrube

Die 38. Station

Komm, heiliger Geist …

A guete Ausred’

Aus der Schule geplaudert

Die Schuelvisite

Der Enzian

Das hausgemachte Problem

Der Saggrabue

Martin und Viktoria

Die glückselige Sterbestund’

Die Ballade vom Has’, vom Fuchs und vom Bär

Giggerigii, die Henne isch hii!

Hin isch hin!

Der fleißige Bach

Die Todesstraf’

Beim Gongschlag war es 1 Uhr

Die schönste Nacht des Lebens

Herr Ober, bitte ein Elefantenschnitzel!

Toffifee – woasch eh!

Gesundheitsprobleme

Der Blindenhund

Das Augenleiden

Ein Gewichtsproblem

Kursplitter

Oans, zwoa, drei, scho’ schlaf’ i ei …

Mei’ Musig

Die Musigmammen

Archivarbericht einer Musikkapelle

Der flotte, feurige Marsch

Die Musigprob’

Nach der Prob’

Das goldene Klo

Migrationshemmnisse

Problem mit Schiebekarren

Melo, ein Sizilianer in Tirol

Die Aushilf’

Tirol isch lei oans

Einleitung zu „Des Sängers Fluech“

Des Sängers Fluech (tirolerisch)

Des Sängers Fluuch (auf behmisch)

Der Surtaucher

Das unvergessliche Schlachtfest

„Seppl, lass’ an Guugg!“

Auweia!

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2017 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99048-855-3

ISBN e-book: 978-3-99048-856-0

Lektorat: Dr. phil. Ursula Schneider

Umschlagfoto: Birgit Pichler Photographie, Innsbruck

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Bild 1, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27©Pepi von Silz; Bild 2, 4, 5, 6, 7, 9, 11©Olliver Schopf; Bild 3, 12, 13©Ferry Rojkowski

www.novumverlag.com

Vorwort

Wenn man sich ein Leben lang einer Sache „mit Leib und Seal’“ verschrieben hat, das heißt, sich mit offenen Augen, Ohren und offenem Herzen durchs Leben geschlagen und das individuelle „Dasein“ auf dieser Welt genossen hat, dann ist so einiges zusammengekommen, das auch für die Um- und Nachwelt erfahrenswert sein kann. Das hat mich immer schon bewogen, lebenswert Bewegendes aufzuschreiben. Bevor sie in Vergessenheit geraten, sollten schöne Augenblicke und Erfahrenswertes aus dem Leben festgehalten werden, sonst sind sie für immer verloren.

Mein beruflicher Erfahrungsschatz als Justizbeamter bei den Bezirksgerichten in Silz, Telfs und Innsbruck hat sich bereits in drei Büchlein verwirklicht, in denen lustige Stilblüten aus dem Gerichtsalltag dargeboten werden. Das Leben selbst schreibt die schönsten Geschichten, man muss nur mit dem Herzen hinhören und diese dann in Prosa oder Gedichtform zu Papier bringen.

Lesetipps:

1.Nie sich ein Buch in „einem Aufwaschen“ zu Gemüte führen, man hat es länger und es verstaubt weniger.2.Das Buch erst verleihen, wenn es selber durchgelesen und markiert worden ist. Eventuelle Eselsohren vorher noch ausbügeln.3.Besonders gefällige Gedichte (Begebenheiten) vor dem Weitererzählen zweimal durchlesen, die nachhaltige Wirkung ist garantiert.4.Dreimal jährlich mindestens terminlich abstauben.

Und nun viel Vergnügen beim „Durchackern“ wünscht von Herzen – zur Kurzweil und gegenLangweil – der Autor

Sonnweber Josef

vulgo „pepivonsilz“

Aus dem Gerichtsalltag

Das Schneuztuech

„Hiermit eröffne ich der Versammlung

die heutige Gerichtsverhandlung.

Vorgeladen ist der Hausknecht Ficht,

ein ortsbekannter Bösewicht.

Die Personalien sind bekannt,

er ist geboren hierzuland.

Er rauft und streitet gern, der Mister,

ist registriert im Strafregister.

Bei der letzten Rauferei

war’n Sie, Herr Ficht, auch mit dabei.

Niederg’schrieb’n im Protokoll

steht da, Sie waren übervoll.

Sie geb’n also zu, dass bei derer Rafferei

Sie als Besoffener war’n mit dabei.

Sie werden mir doch wohl nicht sagen,

dass Sie den Schnaps nicht vertragen haben?

Ich komme jetzt zum Kern der Sache:

Das, was da steht – dass ich nicht lache –,

Sie hätten mit Ihrem Taschentuch

zugefügt dem Huber Lois einen Kieferbruch!

Das wär’ mir neu,

dass von dieser Winkerei

entstanden ist ein solcher Schaden,

dass der nicht aufbringt mehr sein’ Laden.

Für diesen Schaden an seiner Pappen,

da müssen S’ jetzt einiges berappen.

Hat denn Ihr Schneuztuech so viel G’wicht,

dass so ein Schaden im Gesicht?“

„So, wie’s da steht, ist’s wahr, Herr Rat,

und zugetragen hat sich die Tat

beim Bierwirt droben um halbe zehne,

i will jetzt schildern gern die Szene:

Er hat oan fahr’n lassen und es hat g’stunken.

Da hab’ i eahm halt oane g’wunken,

mit meinem Schneuztuech, dös is g’wiss,

und ’troffen hab’ i halt sei G’frieß!

A jeder woaß bei uns auf’m Land,

da schneuzt man sich halt mit der Hand.

Und schlag i mit mei’m Schneuztuech zue,

dann gibt a jeder g’wiss a Rueh’,

i werd’ in Hinkunft nicht mehr winken

und lass’ den Lois in Ruhe stinken!“

Wenn’s sein muss, dann riskier’ ich mein Leben!

Es war noch ziemlich am Beginn meiner Gerichtslaufbahn. Als Beamter hatte ich die Beweisgegenstände zu beschriften, registermäßig zu erfassen und im Beweisschrank zu verwahren. Dieser war das „Non-Plus-Ultra“ meiner gerichtlichen Tätigkeit, waren darin doch nicht nur Skier, Angelruten von Schwarzfischern, Gamskrickeln und Armbanduhren zu finden, sondern auch konfiszierte Gewehre und Pistolen, zwei Handhacken und Stilette, ein Bündel Hanfstängel mit Raucherutensilien aus der Drogenszene und noch anderes mehr. Nach Abschluss des Strafverfahrens waren diese Gegenstände an die Betroffenen wieder auszuhändigen, an das Landesgericht Innsbruck weiterzuleiten oder an Ort und Stelle zu versteigern.

Von unserer neuen Richterin war ich mehr als fasziniert. Wenn sie mit ihren blond gelockten, wallenden Haaren im violetten Richtertalar Gericht hielt und wortgewandt Urteil sprach, dann schien mir leibhaftig der Erzengel Michael anwesend zu sein, es fehlten gerade noch das Schwert und die Waage.

Nachdem einmal ein Beschuldigter im Verhandlungssaal rabiat wurde und lautstark resonierte, wurde eine Alarmglocke unter dem Verhandlungstisch installiert, welche bei „Gefahr im Verzug“ in meiner Kanzlei läutete und folglich meine Assistenz gefragt war. Ich war mitten im Rückschein sortieren, als die Alarmglocke lautstark meinen Einsatz forderte. Mich riss es vom Sitz, denn als aktiver Feuerwehrmann weiß man ja schließlich, wie man sich bei Alarm zu verhalten hat. Aber was ist denn schon ein Sirenenalarm gegen einen Alarmruf aus dem Verhandlungssaal, wo Leib und Leben meines blonden Engels auf dem Spiel standen. Ein schneller Griff in den Beweisschrank, die erste größere Hacke heraus – die Gewehre hatten leider keine Munition – und so schnell wie möglich zum Verhandlungssaal in das Erdgeschoss hinunter. Mit hoch erhobenem Beil stürzte ich in den Raum, um meine in Lebensgefahr schwebende Richterin zu verteidigen.

Diese saß jedoch seelenruhig über einen Strafakt gebeugt und alle anderen Anwesenden – Schriftführerin wie Bezirksanwalt, Beschuldigter und Verteidiger – saßen auf ihren Stühlen. Eine Zeugin stand mit erhobener Schwurhand vor der Richterin und sagte gerade: „Ich schwöre!“

So lebensgefährlich schien mir die Situation nun doch nicht zu sein und so senkte ich das erhobene Beil. Die Richterin sah mich ganz entgeistert an und fragte mich dann um den Grund meines Einsatzes. „Frau Rat“, sagte ich, „Sie selber haben ja die Alarmglocke betätigt und um Assistenz gerufen!“ Dem war aber nicht so, denn sie hatte nur mit einer ungewollten Bewegung ihres Knies den Alarm ausgelöst beziehungsweise den stillen Alarm veranlasst. Still für sie, ja, aber laut genug für mich, um meinen Einsatz mit Leib und Leben zu aktivieren. Alle atmeten erleichtert auf und befreiendes Lachen rettete schlussendlich die „lebensgefährliche“ Situation.

„Herr Rat, haben Sie einen Pecker?“

Als Justizbeamter hast du Leistungsträger bürgernaher Gerichtsbarkeit zu sein und das Ansehen des Staates hochzuhalten. Herz, was willst du mehr – Bürgernähe, für den kleinen Mann da sein, ihm die Angst bzw. Vorurteile vor der „allmächtigen Justiz“ zu nehmen und selber voll und ganz Diener des Staates zu sein, welche Herausforderung! Da gab es aber auch unbestimmte Tage, an denen die Parteien die Beamtennerven gelegentlich arg strapazierten, und man konnte darauf wetten, dass das Wetter wieder umließ.

An so einem unbestimmten Tag klopfte es einmal erst zaghaft, dann etwas bestimmter an meine Kanzleitüre. Auf mein einladendes „Herein!“ öffnete sich die Tür, eine Bauersfrau kam herein und baute sich vor meinem Schreibtisch auf.

„Herr Rat“, sagte sie etwas atemlos, „haben Sie einen Pecker?“ Zuerst glaubte ich, nicht richtig gehört zu haben, und antwortete, mich erhebend: „Für’s Erste bin ich nicht der Herr Rat und für’s Zweite ist mir nicht wissentlich, ob dieser einen Pecker hat.“ Darauf die Bauersfrau: „Wissen Sie dann vielleicht, ob ein anderer Beamter hier einen Pecker hat?“

Nur nicht ausrasten, dachte ich mir, wer weiß, was für ein Geisteskind du da vor dir hast, und so sagte ich ganz höflich: „Gute Frau, ich glaube nicht, dass hier bei Gericht Beamte sind, die einen Pecker haben.“ Darauf meinte sie: „Ich habe aber einen, besser gesagt, ich hatte einen, deswegen bin ich ja jetzt hier.“ „So, so, liebe Frau, da sind Sie aber hier bei mir bestimmt am falschen Platz, denn Leute mit einem ‚Pecker‘ sind – oder kommen – normalerweise in eine Nervenheilanstalt.“ Da lachte die Frau zuerst etwas verhalten und sagte dann schmunzelnd: „Na, na, Herr Rat, keinen solchen ‚Pecker‘, ich meine einen solchen zum Arbeiten, so ein Gartengerät zum Jäten, eine Haue – wir sagen halt dazu ‚Pecker‘!“

Nachdem wir uns beide ausgelacht hatten, gab ich ihr den guten Rat, auf Zimmer sieben zu gehen und dort nach einem Beamten mit einem „Pecker“ zu fragen, denn mir war nunmehr erinnerlich, dass so ein Gerät als „Streitgegenstand“ sichergestellt worden war. In der diesbezüglichen Gendarmerieanzeige hatte es nämlich geheißen: „Ich habe gesehen, wie die beiden Frauen mit der Mistgabel gerauft haben und dann die eine plötzlich mit einem anderen Ackergerät angerückt kam.“ Dass jedoch mit Leuten mit einem echten „Pecker“ nicht immer gut Kirschen essen ist, davon ein andermal.

„Ich habe gesehen, wie die beiden Frauen mit der Mistgabel gerauft haben …“

Schlimmer geht’s nimmer

Es ist zwar traurig, aber wahr,

wenn g’schlägert wird, verliert man Haar’.

Doch meistens kommt es schlimmer,

die falschen Zähn’ geh’n oft in Trümmer,

bist Brillenträger, dann – ohne Zweifel –

geh’n oft die Gläser gleich zum Teifel.

Trägst du ein blaues Aug’ davon,

dann nennt man das Brillenhämatom.

Mit einem arg verschwollenen Gesicht

sitzt heut’ der Edi vor Gericht,

ein Aug’ ist grün, das andere blau.

„Du armer Heiter“, meint eine Frau,

die mit als Zeugin ist geladen,

um vor Gericht auch auszusagen.

Geladen, doch mehr innerlich,

ist auch der Edi mit sei’m „Vergissmeinnicht“.

Gleich fängt die Gerichtsverhandlung an,

man kennt ihn schon, den armen Mann,

denn wohl bekannt sind unserem Richter

die Gesichter vieler Bösewichter.

„Ach“, fragt der Richter, „Sie, Herr Keller,

war dieses Mal ein and’rer schneller?

Sie seh’n ja fürchterlich heut’ aus,

warum denn wieder in dem Hohen Haus?“

„Dass ich heut’ da bin, ohne Schmäh,

und mir mei Papp’n tuet so weh,

daran sind schuld nur Sie, Herr Rat,

weil Ihren Rat befolgt ich hab’.

Bei der nächsten Schlägerei, hab’ ich mir sagen lassen,

sollt’ ich die Händ’ im Hosensack lassen.

Zwei blaue Augen, drei hinige Zähnd

und Scherereien ohne End!

Eing’liefert in die Klinik haben sie mii’

und g’macht von mir a Compiuterpornografie.

Von heut’ an ich mir g’schworen hab’,

nicht jeder Rat ist gut, Herr Rat!“

„Nachdem er mir eine Faustwatsche verabreicht hatte, suchte ich die Prothesentrümmer zusammen und ging heim.“

Höflicher geht’s nimmer

Während meiner Rechtspflegertätigkeit bei den Bezirksgerichten Silz und Telfs kam mir so manches unter – Erfreuliches, aber auch manch’ Unerfreuliches –, wie sie eben so sind, die guten Parteien. Entweder schlägt man sich durch oder man wird durchgeschlagen, heißt es schon im Volksmund!

Da gab es einmal die eher unterwürfigen Parteien, welche noch wenig Erfahrungen mit den Behörden hatten und zum Beispiel gerichtliche Aufforderungen mehr als wörtlich nahmen.

Da schrieb zum Beispiel einer: „Zu Ihrer Anfrage vom 01.08. kann ich nichts dazu sagen, das ist alles, was ich zu sagen habe.“ Oder: „Mit Schreiben vom 30.03. haben Sie mich aufgefordert, meinen letzten Rentenbescheid zu übersenden. Dazu möchte ich sagen, dass ich mich noch ganz gesund fühle und nicht die Absicht habe, bald zu sterben, und kann deshalb meinen letzten Rentenbescheid erst übersenden, wenn es einmal so weit ist.“ Ein reuiger „Sünder“ schrieb tief zerknirscht dem Gericht: „Ich erlaube mir mitzuteilen, dass ich die Frau N. N. auch ‚Mausgesicht‘ genannt habe, und überweise daher zusätzlich noch 200,– Schilling.“ Eine sehr höfliche Partei wiederum ließ das Gericht wissen: „Ich ersuche das Gericht, meine Abschweifungen zu entschuldigen, bevor ich zur Sache komme.“

Keine Frage, dass es da auch noch Parteien gab, mit denen „nicht gut Kirschen essen“ war: „Wenn mir das Gericht nicht mehr helfen kann, wende ich mich an die höhere Substanz“, oder: „Ihrem Urteilsspruch kann ich mich nicht anschließen und werde ihn bekämpfen. Mit zurückhaltender Hochachtung, Ihr N. N.“

Als ich einen Verurteilten schriftlich aufforderte, seine ausständigen Pauschalkosten zu begleichen, schrieb er mir: „Stecken Sie sich den Erlagschein von mir aus hinter den Spiegel, dass Sie morgens etwas zum Lesen haben, oder schicken Sie ihn von mir aus dem Papst in Rom!“ Als es sich gerade ergab, dass ich an einer Pilgerreise nach Rom teilnahm, nahm ich mir seine Anschrift mit und schickte ihm von Rom aus eine Ansichtskarte mit lieben Grüßen vom Papst.

Wieder ein anderer schrieb: „Sie glauben wohl, dass Sie hier der Einzige sind, der auf der Milchsuppe dahergeschwommen ist? Zu den Unwahrheiten und Lügen, die Sie mir auftischen, möchte ich kein Wort verlieren, da mir sonst übel wird!“