Mit Vergnügen - Birgit Faschinger-Reitsam - E-Book

Mit Vergnügen E-Book

Birgit Faschinger-Reitsam

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Beschreibung

Alles läuft gut für Nina, wenn sie nicht von Mann, Körper und Auftraggeber gleichzeitig im Stich gelassen würde. Was sich wie eine Reihung von Schicksalsschlägen anmutet, bietet der erfolgsverwöhnten Maklerin unerwartet neue Perspektiven. Wie auch könnte das Universum das Seufzen einer Frau: "Es muss sich etwas ändern", überhören? Ihre Schritte lenken sie direkt in einen geheimnisvollen Laden...

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Seitenzahl: 91

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Im Frauenschuh-Verlag von Birgit Faschinger-Reitsam & Sabine Paul GbR ist außerdem erschienen:

Schuhrakel - Wege in die weibliche Kraft

44 Künstlerkarten mit Begleitbuch

Das Leben schmecken – Weiblichkeit ist kostbar

Inhalt

Vorwort

Prolog

Vor jeder Morgendämmerung liegt eine Nacht

Du bist nicht allein

Brokat und Seide

Selbstverständlich

Zimt und Sonders

Von sanftem Rascheln und wohligem Kribbeln

Platz schaffen

Gutes Geld

Kerzen, Swing und Würde

Geheimnisse

So viel Potential

Nett sein hilft nicht

Einen Prosecco bitte

Erwachen und Erwecken

Nie wieder

Gertrud

Keine Widerrede

Bereit zu empfangen

Epilog

Nachwort

Danksagung

Über uns

Birgit Faschinger-Reitsam

Sabine Paul

Vorwort

Moderne Märchen beginnen, wenn eine Frau am Ende ist. Scheinbar am Ende. Nämlich an dem Punkt, an dem sie sich fragt. „Warum muss das mir passieren?“ Dem Ort, an dem die Seele aufstampft und schmerzhaft klarmacht, „Ich mache das nicht länger mit.“ Moderne Märchen handeln von Frauen, die im Alltag gut funktionieren. Deren Leben alles in allem gut verläuft. Frauen, die anderen gerne den Vortritt lassen, in Familie, Karriere und ein gutes Leben investieren, ihre eigenen Interessen aber häufig hintanstellen und sich selbst übergehen. Sie haben sich in ihren Rollen verloren, unmerklich sind sie aus der Freude gefallen, fühlen sich erschöpft und energielos und sind nun wehrlos der Unbill des Lebens ausgesetzt:

Die obligatorischen drei unlösbaren Rätsel kommen in der Gestalt von Problemen daher, die der Frau den Schlaf rauben und die geneigte Leserin empört mitfiebern lassen. Gendergerecht naht Unterstützung durch Heldinnen, die ihre Kraft aus ihrer unverschämten Lebenslust speisen und Zauberinnen, deren Magie in Form von lebensverändernden Fragen bestehen.

Das Ende eines modernen Märchens ist zugleich der Beginn eines neuen Lebens, indem die Frau – nun selbst zur Heldin geworden, sich die Frage stellt:

»Wie soll mein Leben aussehen?«

Mit Vergnügen ist eine Erzählung von einer Frau auf dem Weg zu sich selbst. Einer Frau, die erfährt, wie genussvoll es sein kann, sich das Leben leichter zu machen und zu sich zu stehen. Und wie kann es noch besser gehen? Auf märchenhaft vergnügliche Weise lädt sie die Leserinnen und Leser dazu ein, die eigene Brillanz zu erspüren und zu entdecken.

Prolog

Zwei Wochen vorher

»Wenn bei einer Mammografie ein unklarer Befund vorliegt«, las Nina in der Broschüre, die ihr die Arzthelferin in der Frauenarztpraxis in die Hand gedrückt hatte, »ist es zur Absicherung meistens zusätzlich erforderlich, eine kleine Gewebeprobe zu entnehmen...«

»Es ist nur ein kleiner Eingriff und dient Ihrer Sicherheit«, versuchte Ninas Frauenärztin sie zu beruhigen. Diesen kleinen Eingriff würde Nina vornehmen lassen, deshalb surfte sie zwischen zwei Kundenterminen auf ihrem Laptop.

Nachdem sie einen Bericht über »minimal-invasive Methoden« überflogen hatte, stolperte sie über einen Artikel »Wacher Busen – Wacher Geist«. Neugierig klickte sie auf den Link und unter der Überschrift »Der Busen – so viel Potenzial...«, begann sie zu lesen:

»So sichtbar scheinbar. Und doch unbelebt so oft. Unbewohnt. Unerfüllt. So nah am Herzen. So zur Schau gestellt und doch keiner näheren Betrachtung wert. Gesegnet sind die Frauen, die ihre Brüste für sich entdeckt haben. Manche auch erst dann, wenn sie sie verloren haben. Es ist NIE ZU SPÄT, in die Selbstliebe zu kommen. Der Zugang zu unserem Busen birgt WUNDER-bares.«

Nina fühlte sich berührt von diesen Zeilen. Selbstliebe. Der Busen birgt Wunderbares. Vor allem aber das »gesegnet sind die Frauen, die ihre Brüste für sich entdeckt haben«, bewegte sie. Nina hatte ihre Brüste nicht für sich entdeckt, bislang noch nicht einmal ansatzweise darüber nachgedacht, dass es hier etwas zu entdecken gäbe. »Aber es ist nie zu spät«, flüstere sie sich zu, während sie ihre Hände warm rieb und auf ihren Busen legte.

Wie soll mein Leben aussehen?

1. Vor jeder Morgendämmerung liegt eine Nacht

Mit allem hätte sie gerechnet. Dass ihr Mann sie verlässt, einer wilden Romanze wegen und das nach siebzehn Jahren Ehe. Mit einem herben Verdienstausfall, wenn sie für längere Zeit ins Krankenhaus müsste… Ein wenig ängstlich, dennoch gefasst harrte sie seit Tagen auf das Ergebnis der Biopsie. Warum sollte ausgerechnet sie verschont bleiben? Schon ihre Mutter hatte eine Brust verloren, aber Nina würde sich nicht so leicht ergeben. Sie würde kämpfen. Noch während sie darüber sinnierte, öffnete sie mutig den Umschlag mit dem Befundbericht. Negativ. Negativ? Es dauerte einen Moment, bis die Bedeutung zu ihr vordrang. Negativ – also nichts. Der Knoten in ihrer Brust ist harmlos. Seltsam, die Erleichterung, die sich eigentlich einstellen sollte, blieb

aus. Ihrem Mann hatte sie nichts erzählt von der Untersuchung. Und es war ihr auch nicht danach zumute, mit ihm zu feiern. Er würde abends heimkommen, wie immer. Sie würden zusammen essen. Und dann würde er sich vor den Fernseher setzen oder zum Sport gehen. Sport, das bedeutete Andrea. Nein, zum Feiern war ihr nicht zumute.

Nina brühte sich eine Tasse Kaffee, da waren noch andere Briefe. Rechnungen und ein Schreiben ihrer Auftraggeberin. Die monatliche Abrechnung für die Verkäufe und Vermietungen von Häusern und Wohnungen, die sie für Frau Sandt abwickelte. Als Immobilienmaklerin hatte sie das große Los gezogen, als sie Jahre zuvor der Einladung eines ihrer Kunden zu einer Vernissage gefolgt war.

»Gefällt sie Ihnen?« Nina stand unschlüssig vor einer in Bronze gegossenen Heldengestalt und bevor sie antworten konnte, sinnierte die auffallend schick gekleidete, etwa sechzig Jahre alte Frau neben ihr: »Die Skulptur ist wie für mich gemacht.« Eine Bedienung reichte Häppchen, die die Dame jedoch ablehnte und stattdessen dem Ober ein Zeichen gab. »Möchten Sie mit mir anstoßen?«, lud sie Nina ein und nahm zwei Gläser vom Tablett und während die beiden sich zuprosteten, fragte sie beiläufig: »Sammeln Sie auch?«

Was dann folgte, war magisch: Markus Bender gesellte sich zu ihnen. Bender war nicht nur ein angesehener Galerist, er war auch ein aufmerksamer Gastgeber. Er ließ sich ebenfalls Sekt einschenken und stellte Nina der Frau, die offensichtlich bereits mehrere Kunstwerke bei ihm erworben hatte, vor: »Das ist Frau Wendt, sie ist ein Genie.

Sie hat mein Haus innerhalb von drei Wochen verkauft. Du hast ja mitbekommen«, erklärte er Frau Sandt, seiner Kundin und Freundin, »der Makler, den ich zuvor beauftragt habe, hat fast ein Jahr lang nichts zuwege gebracht.«

Nina hatte ein feines Gespür für Immobilien und das kam ihr besonders zugute bei Objekten, die freundlich ausgedrückt, schwer zu vermitteln waren. Ihre Überzeugung war: Mit dem richtigen Blick und der richtigen Einstellung wird aus vier Wänden ein Zuhause. Manchmal aber bräuchte es mehr, wie etwa bei Herrn Benders Haus, das seit langem leer stand und auf Interessenten so gar nicht einladend wirkte. Dass ihr Genie in diesem Fall so aussah, dass sie die vergoldeten aber unansehnlich verkalkten Wasserhähne im Bad diskret gegen einfache aus dem Baumarkt austauschen ließ, behielt sie für sich.

Als Maklerin war Nina gut im Geschäft und hatte Hausverwaltungen als Auftraggeber, dass jedoch eine einzelne Person Hunderte von Wohnungen besaß und sie nun für deren Vermietung zuständig sein durfte, war eine andere Größenordnung. Leicht verdient war das viele Geld nicht, das Nina seitdem erwirtschaftet hatte, denn Frau Sandt war mehr als anspruchsvoll. Mit marktüblichen Mieten gab sie sich nicht zufrieden, »Da muss mehr dabei rauskommen«, war ihr Standardspruch und auch bei der Auswahl der Mieter ließ sie es sich nicht nehmen, ein Wörtchen mitzusprechen. Sie war wählerisch. So mancher Vertrag platzte, weil die Bewerber nicht ihren Kriterien eines idealen Mieters entsprachen. Aber die Geschäfte liefen, der Markt war gut, Nina war ehrgeizig und gab ihr Bestes.

Frau Sandt wurde launischer, die Mieter wählerischer und Nina verbrachte mehr und mehr Zeit an Wochenenden und abends für die Arbeit, die immer weniger einträglich wurde. Vielen Ihrer Maklerkollegen wurde die Existenzgrundlage entzogen, als eine Gesetzesänderung vorsah, dass Provisionen nun vom Auftraggeber und nicht mehr wie zuvor von den Mietern erbracht werden müssen. Sie wäre zufrieden gewesen, wenn nicht Frau Sandt vor gut einem Jahr auch bei Nina zu sparen anfangen wollte. »Der geringe Arbeitsaufwand rechtfertigt die übliche Provisionszahlung nicht«, so ihre Überlegung, »und 40 % davon wären angesichts der Masse an Objekten angemessen«. Aber Nina war nicht nur eine besonders gute Maklerin, sie wusste auch um ihren Wert und sie war nicht bereit, davon abzuweichen.

Es entging Nina nicht, dass ihr seitdem keine unkomplizierten Objekte mehr zugeteilt wurden. Die anfängliche Begeisterung für ihren Beruf schwand. So richtig glücklich fühlte sie sich schon lange nicht mehr.

»War das wirklich schon alles?«

Gedankenverloren öffnete sie die weiteren Briefumschläge, entnahm dem einen die Rechnung ihres Zahnarztes, zerriss ein Werbeschreiben eines Altgoldhändlers und zuletzt die Abrechnungen von Frau Sandt, denen noch ein weiteres Schreiben beilag: »Sehr geehrte Frau Wendt«, las Nina, »wir bedanken uns für die Zusammenarbeit. Wir informieren Sie hiermit darüber, dass wir die Immobilienangelegenheiten mit sofortiger Wirkung anderweitig vergeben haben. Mit freundlichen Grüßen Christoph Sandt.«

... Und wenn das Ende ein Anfang wäre?

2. Du bist nicht allein

»Was willst du stattdessen?« Diese Frage hallte in ihr nach, seit sie sich vor einigen Tagen mit ihrer besten Freundin Beate in einem Café getroffen hatte. Nina hatte angefangen, sich zu beklagen, als Beate sie bremste: »Wenn du jammern willst, dann mach das, ich gebe dir exakt 10 Minuten, dann muss Schluss sein!« Beate legte ihre Armbanduhr zwischen die Kaffeetassen auf den Bistrotisch und schaute sie erwartungsvoll an. »Fang an«, ermutigte sie ihre Freundin. Und dann sprudelte es nur so aus Nina heraus. Dass sie sich von ihrem Körper in Stich gelassen fühlt.

Dass Klaus, ihr Mann, sie betrügt, dies aber nicht so sieht und Gefallen an Polyamorie findet. Dass sie erst mal nachlesen musste, was das überhaupt bedeutet und dass sie es sich nicht vorstellen kann, mehre Menschen gleichzeitig zu lieben. Dass sie sich derzeit noch nicht einmal selbst liebt. Und schon gar nicht Frau Sandt, die immer ungnädiger wird, vor allem, seit sie nun schon Monate im Krankenhaus liegt und ihre Geschäfte ihren Söhnen übertragen hat.

»Bist du fertig?«, wollte Beate wissen. »Gibt es noch etwas?«. Da fing Nina an zu schluchzen. »Du hast noch zwei Minuten. Gib alles.« Diese Aufforderung kam so unerwartet, dass sich Nina erst geräuschvoll die Nase putzte und dann zu kichern anfing: »Sex. Sex habe ich auch keinen mehr, zumindest nicht so, wie ich es mir wünsche. Und ich war bestimmt schon zwei Jahre nicht mehr im Urlaub.« »Und? Gibt es noch etwas?«, fasste Beate nach. »Und meine Wohnung sieht fürchterlich aus, ich fühle mich nicht mehr wohl. Ich komme zu gar nichts mehr.«