Mitarbeiterführung - Werner Fleischer - E-Book

Mitarbeiterführung E-Book

Werner Fleischer

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Beschreibung

Der erste Band der Reihe "Wirksam führen | Pflege" zeigt auf, welche Anforderungen an eine Führungskraft in der Pflege gestellt werden, liefert Tipps für die ersten 100 Tage in leitender Position und vertieft, welche Aufgaben konkret auf eine Führungskraft zukommen. Im Spannungsfeld zwischen Fach- und Führungsaufgaben gibt der Band eine Hilfe an die Hand, um individuelle Führungskompetenzen und -stile zu entwickeln und verdeutlicht, welche Rolle das Gespräch als zentrales Führungsmittel spielt.

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Die Autoren

Werner Fleischer, Dipl.-Pädagoge mit den Schwerpunkten Erwachsenenbildung und Psychologie ist deutschlandweit als selbständiger Berater, Coach und Moderator seit 1998 in Kliniken und Krankenhäusern tätig und seit 2004 allein auf diesen Bereich spezialisiert. Er begleitet klinische Leitungskräfte bei Führungs- und Veränderungsprozessen, bei der Konfliktlösung. sowie bei Fragen des Selbstmanagements und der Karriereentwicklung.

Benedikt Fleischer, B. Sc. in Wirtschaftspsychologie, M. A. in Kulturwissenschaften, ist zertifizierter Moderator und Trainer für DISG-Verhaltens- und Arbeitsplatzprofile und seit 2016 als Coach und Berater im Pflegebereich tätig. Er begleitet Personalauswahl- und Personalentwicklungsprozesse durch die Vermittlung eignungsdiagnostischer Tools, moderiert Team-Supervisionen und Arbeitsgruppen zum Thema Prozessoptimierung und vermittelt Führungsgrundlagen an Führungskräfte.

Martin Monninger ist seit 1996 in der Anästhesie, Intensiv- und Notfallpflege tätig. Davon ist er seit über 10 Jahren verantwortlich für die Notaufnahme der Kreiskliniken in Reutlingen. Dabei hat er umfassende Erfahrungen in der effizienten Organisation von Strukturen und Prozessen gesammelt, sowie Führungs- und Management-Kompetenzen erworben.

Werner Fleischer/Benedikt Fleischer/Martin Monninger

Mitarbeiterführung

Band 1

Verlag W. Kohlhammer

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

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1. Auflage 2020

Alle Rechte vorbehalten

© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart

Print:

ISBN 978-3-17-035765-5

E-Book-Formate:

pdf:      ISBN 978-3-17-035766-2

epub:   ISBN 978-3-17-035767-9

mobi:   ISBN 978-3-17-035768-6

Vorwort

 

 

 

Schön und schwer – Berufe im Gesundheitswesen haben einen ganz besonderen Reiz. Wer sich dafür entscheidet, möchte sein eigenes Leben sinnstiftend gestalten, helfen und nah am Menschen wirken.

In der Digitalisierung der Arbeitswelt mit neuen, komplexen Herausforderungen sind Berufe in der Pflege glücklicherweise nach wie vor krisensicher – und trotzdem in der Krise. Der Imageverlust belastet die Branche: »Zu viel Arbeit, zu wenig Anerkennung« wabert durch die Medien. In der Folge entscheiden sich immer weniger junge Menschen für diesen Ausbildungsweg und ältere Kollegen wechseln die Branche. Mit interessanten Auswirkungen: Gesundheitsunternehmen müssen in gleicher Weise um Ärzte, Pflegekräfte und Patienten werben. Dass es ohne Pflegekräfte, die still und leise »den Laden am Laufen halten« nicht geht, haben viele Kliniken mittlerweile schmerzvoll erfahren, wenn sie wegen akuten Pflegekräftemangels Stationen schließen müssen. Längst konkurrieren Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen intensiv um Pflegekräfte. Mit großen und auch frechen Kampagnen werben sie sich gegenseitig ihre Mitarbeiter ab. Der Arbeitsmarkt ist so offen wie nie.

Dass die Not groß ist, hat die Politik erkannt und reagiert. Doch bis diese Maßnahmen im Klinikalltag greifen und ob sie wirklich die erhofften Verbesserungen bringen, steht (noch) in den Sternen. Eventuell wird sich die Lage zunächst sogar noch zuspitzen: Können Kliniken die Untergrenzen Ihrer Schichtbesetzung nicht einhalten, droht der Gesetzgeber mit Sanktionen und der Druck auf die Häuser erhöht sich weiter.

Klar ist auf jeden Fall, dass sich im Arbeitsalltag die Anforderungen an Pflegekräfte in Kliniken und Pflegeeinrichtungen extrem verschärft haben: der bereits erwähnte Personalmangel, erschöpfte oder ausgebrannte Mitarbeiter, höherer Pflegeaufwand durch älter werdende Patienten, Zunahme des administrativen Aufwands, höhere Belastung durch die Beschleunigung der Pflegeprozesse und steigende Ansprüche von Patienten und Angehören sorgen zusätzlich für Druck.

Es ist Zeit für einen Wandel. Die Aussage »Ich gehe gern zur Arbeit« darf nicht nur eine bloße Floskel sein. Sich im Job wohl zu fühlen, Anerkennung zu erleben und Sinn zu finden in seinem täglichen Broterwerb sind wichtige Parameter, um sich auch im Leben wohl zu fühlen. Immer mehr Arbeitgeber im Gesundheitswesen haben das erkannt und bemühen sich, zermürbende Prozesse zu optimieren und über unterschiedlichste Bonussysteme ihre Mitarbeiter zusätzlich zu belohnen, gerade, wenn in der Gehaltsstruktur selber, aufgrund gesetzlicher Bestimmungen, nicht mehr viel Spielraum ist. Solches Arbeitergeber-Engagement spricht sich rum: Denn anders als früher ist die Community über Social Media und andere Kanäle gut vernetzt und wenn ein Arbeitsplatz angenehm ist, ist das auf Dauer ein stabiler Faktor.

Wer seine Leute halten will, muss sie wertschätzen, fair behandeln, auf Augenhöhe kommunizieren und auch verstehen, was junge Menschen und Berufseinsteiger der Generationen Y und X vom Berufsleben erwarten und welche Auswirkungen beispielsweise eine erfüllte Familien- und Freizeitgestaltung auf den Berufsalltag mit Schichtdienst und Wochenendeinsätzen hat.

Für Pflegekräfte in leitenden Positionen, also von Stationsleitung bis Pflegedirektion, bedeutet das, neben der sowieso geforderten umfassenden Fort- und Weiterbildung, ihre Führungs- und Management-Kompetenzen auszubauen: Wie führe ich mein Team richtig, wie erhalte ich die Motivation meiner Mitarbeiter, lenke sie auf gemeinsame Ziele und wie erhalten wir uns gemeinsam den Sinn und die Freude an der Arbeit, sind aktive Schlüsselfragen im Alltag, aber auch: Wie verbessere ich Strukturen und Prozesse, um meine Mitarbeiter zu entlasten?

Der vorliegende Band 1 »Mitarbeiterführung« der Buchreihe »Wirksam führen | Pflege« ist ein praxisorientierter Leitfaden, der Pflegeleitungen unterstützt, im Spannungsfeld der täglichen Anforderungen »die Zügel in der Hand« zu halten, zu verstehen, zu reagieren und zu agieren. Das Buch ist unterteilt in zwei Ebenen, die helfen, sich den relevanten Aspekten der Mitarbeiterführung im Klinikalltag souverän und praxisorientiert zu stellen:

1.  Der Grundlagenteil informiert ausführlich und nimmt direkten Bezug auf die Herausforderungen eines Klinikbetriebes.

2.  Der Praxisteil zeigt an konkreten Beispielen, wie unterschiedlichste Situationen gemeistert werden können.

−  Dieses Buch – der erste Band einer Reihe für Pflegeleitungskräfte aller Hierarchie-Ebenen – liefert sowohl Grundlagenwissen als auch schnelle Hilfestellungen bei akuten Herausforderungen und Spannungen – lösungsorientiert, einfach und souverän. Band 1 »Mitarbeiterführung« ist damit der Grundstein für die folgenden, aufbauenden Themenbereiche:

−  Band 2: Gesprächsführung

−  Band 3: Teamarbeit und berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit

−  Band 4: Rollen- und Verhaltensprofile, Konflikte konstruktiv lösen

−  Band 5: Ziel-, Zeit- und Selbstmanagement

−  Band 6: Change-Management

Insgesamt stellt die gesamte Reihe ein Nachschlagewerk »aus der Praxis für die Praxis« dar.

Die Autoren möchten mit dieser Reihe Pflegeleitungen praktische und theoretische Hilfestellungen und Tipps geben, um jederzeit selbstbestimmt und vorausschauend Handeln zu können, um das fordernde Aufgabenspektrum, die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter, die täglich neuen Herausforderungen und den Klinikalltag zu bewältigen und bestenfalls selber zu gestalten.

Ein besonderer Dank der Autoren bei Entstehung dieser Buchreihe gilt Martina Conradt für ihre unermüdliche Recherche, ihren sprachlichen Schliff sowie ihre kritischen und konstruktiven Anmerkungen.

Werner Fleischer  Benedikt Fleischer  Martin Monninger

Hinweis zur Gendergerechtigkeit:

Ausschließlich wegen der besseren Lesbarkeit wird das generische Maskulinum verwendet. Angesprochen sind alle Menschen.

Inhalt

 

 

 

Vorwort

1   Die Entwicklung der Pflege – bis heute

2   Grundlagen der Mitarbeiterführung

3   Anforderungen an Leitungskräfte

4   Prinzipien der Mitarbeiterführung

4.1   Die wichtigsten Führungsprinzipien

4.1.1   Vorbild in Haltung und Pflichterfüllung

4.1.2   Verteilungsgerechtigkeit

4.1.3   Fürsorgepflicht

4.1.4   Informationsfluss

4.1.5   Fairness

4.1.6   Respekt, Wertschätzung, Achtsamkeit

5   Führung und Macht

6   Loyalität

6.1   Wie entwickelt sich Loyalität in der Klinik?

6.2   Loyalitätskonflikte

6.3   Loyalität und Macht

7   Führungsaufgaben

7.1   Im Spannungsfeld zwischen Fach- und Führungsaufgaben

7.2   Feedback-Kultur

7.3   Partnerschaftliche Kommunikation im Klinikalltag

8   Führungskompetenzen

9   Führungsstile

9.1   Mitarbeiterorientierung und Ergebnisorientierung

9.2   Differenzierter Führungsansatz auf Basis des Reifegradmodells

9.2.1   Das Reifegradmodell

9.3   Die Analyse des Reifegrades

9.4   Führungsstile in Beziehung setzen

10 Führen über das Gespräch

10.1   Bindungsanalyse

10.2   Zielvereinbarungs- und Mitarbeiterjahresgespräche

11 Mitarbeiterführung in der Praxis

11.1   Neu in der Leitungsposition

11.2   Vom Mitarbeiter zum Vorgesetzten

11.3   Im Kräftefeld unterschiedlicher Erwartungen

11.4   Schlüsselbeziehungen

11.5   Dauerthemen, Stärken und Engpässe identifizieren

11.6   Entwicklung einer kommunizierbaren Vision

11.7   Klima – die Basis jeder Veränderung

11.8   Aktive Gestaltung der Positionsübernahme

12 Planvolle Einarbeitung neuer Mitarbeiter

12.1   Erfolgreiche Einarbeitungsphase

12.2   Führen ohne Weisungsbefugnis

12.3   Voraussetzungen für wirksames laterales Führen

13 Generation Y – fördern statt regieren

13.1   Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

14 Graues Haar wird zur Regel – der Umgang mit älteren Mitarbeitern

15 Ausländische Pflegekräfte – Willkommenskultur ist gefordert

16 Die Zusammenarbeit mit Ärzten aktiv gestalten

16.1   Unzureichende und mangelhafte Strukturen abbauen

16.2   Top-Teams entwickeln

16.3   Den Personalmangel managen – strukturierte Ausfallkonzepte

16.3.1   Springer-Pool

16.3.2   Joker-Dienst

16.3.3   Stand-by-Dienst

16.3.4   Flexi-Dienst

16.3.5   Schichtkoordinatoren als wichtiges Bindeglied

Und zum Schluss …

Literatur

Stichwortverzeichnis   

 

 

 

Piktogramme

Empfehlung/Tipp

Warnung

Fallbeispiel

Information

1          Die Entwicklung der Pflege – bis heute

 

 

 

Von Florence Nightingale (1820–1910), die als Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge gilt, bis zum Gesetz zur Reform der Pflegeberufe, das im Juli 2017 verkündet wurde und ab Januar 2020 greift, war es ein weiter Weg. Das Selbstverständnis der Pflege hat sich massiv verändert: Als klassischer Frauenberuf waren Krankenschwestern früher die Pflegenden und Dienenden mit gestärkten Häubchen, die auf ein Kopfnicken des Chefarztes reagierten und sich hauptsächlich um saubere Betten, das Befeuchten der Lippen und die Essensausgabe kümmerten. Mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz ist der Grundstein für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung für die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege gelegt. Gab es bisher drei getrennte dreijährige Ausbildungen im Pflegebereich, gelten jetzt die stringenten Trennungen der Ausbildungspfade nicht mehr als zeitgemäß. Eine wachsende Überschneidung durch die Veränderung der Gesellschaft macht übergreifende pflegerische Kompetenzen wichtig. So müssen beispielsweise in Altenpflegeeinrichtungen immer mehr chronisch Kranke oder in Krankenhäusern Menschen mit Demenz versorgt werden. Damit werden übergreifende pflegerische Konzepte immer wichtiger.

Statt sich nun vorab für einen der drei Berufe zu entscheiden, starten alle Auszubildenden seit dem 1. Januar 2020 zunächst mit der »generalistischen Pflegeausbildung«. Ihr Berufsziel: Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann. In der Ausbildung lernen nun alle die Grundlagen der Pflege für alle Bereiche und Altersgruppen – vom Säugling bis zum Senioren. Vor allem im Vergleich zur bisherigen Ausbildung zum Altenpfleger ist der Unterschied erheblich, denn in der Praxis müssen nun auch bislang ausgesparte Bereiche, wie die Intensiv- oder Langzeitpflege, durchlaufen werden. Während der Ausbildung können sich die Schülerinnen und Schüler dann für einen Schwerpunkt entscheiden und sich dementsprechend ausbilden lassen.

Ziele des Pflegestärkungsgesetzes und der damit verbundenen Veränderung des Ausbildungsweges sind die Steigerung der Attraktivität des Berufsbildes, die mit der besseren Ausbildung verbundene berufliche Flexibilität und erhebliche Karrierechancen, die unter Umständen sogar ein anschließendes Studium der Pflegewissenschaften ermöglichen. Mit der Akademisierung wandelt sich auch der Blick: Immer mehr werden Krankenpflegerinnen und -pfleger zu fast schon selbstständigen Einheiten im Tagesablauf mit erheblichen Kompetenzen. Teilweise übernehmen sie bereits ärztliche Aufgaben. Spezialisierungen der Pflege, beispielsweise im Wundmanagement oder der Medikamentenausgabe, steigern die nach außen wahrgenommene Kompetenz und sogar die Attraktivität von Kliniken. Intensivmedizinische und notfallmedizinische Zusatzqualifizierungen zeigen die zunehmende Spezialisierung in der Pflege und könnten Ärzte enorm entlasten, wenn sie die Pflegekräfte aktiv mit einbeziehen, Fälle bereden, gemeinsame Visiten organisieren und die Spezialkompetenzen nutzen. Das wiederum setzt ein Verständnis von Teamarbeit voraus.

Schaut man über die Grenzen, werden Pflegekräfte in anderen Ländern deutlich anders wahrgenommen. In den USA sind sie gesellschaftlich anerkannter. In Skandinavien ist es Pflegekräften inzwischen sogar erlaubt, eigenständig leichte ambulante Eingriffe vorzunehmen oder über bestimmte medizinisch-therapeutische Mittel zu entscheiden. Es entstehen Mischformen zwischen Arzt und Pflege.

Allerdings: Die Folgen des Pflegestärkungsgesetzes und der generalistischen Ausbildung sind ungewiss. Zwar besteht die Hoffnung, dass Pflege gefördert und gestärkt wird, kritische Stimmen allerdings befürchten, dass immer weniger Menschen nach Abschluss der Ausbildung in die Altenpflege gehen werden. Wird es zukünftig mit den exzellent ausgebildeten Pflegekräften nur noch Führungspersönlichkeiten geben? Wer macht die Arbeit am Bett? Doch auch mit dem neuen qualifizierteren Ausbildungsweg wird aus einer Pflegekraft kein »Schmalspurarzt« – das wiederspricht auch dem Verständnis des Berufsbildes. Wer heute in die Pflege geht, muss noch mehr als früher reflektieren, warum er diesen Beruf überhaupt ergreift und was er damit verbindet. Diese Fragestellung ist umso wichtiger, da es jetzt viel mehr Karriere- und Einsatzmöglichkeiten gibt, die Verantwortungsbereiche gestiegen sind und der Beruf deutlich komplexer geworden ist. Die Herausforderung an Pflegekräfte heute ist mehr denn je der »Spagat« zwischen einer intensivmedizinischen Apparatepflege und der originären Bestimmung des Berufsbildes. Denn genauso wie zu Zeiten Florence Nightingales brauchen Kranke mehr als nur Operationen, Medikamente und Spritzen: Pflegekräfte sind nah dran am Menschen, nehmen Ängste, bereiten auf Untersuchungen vor, waschen, versorgen und trösten zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und das kann mitunter heilsamer für die Genesung sein als das modernste High-Tech-Gerät.

2          Grundlagen der Mitarbeiterführung

 

 

 

Das Thema »Führung« ist so alt wie die Menschheit. Berühmte Zeitgenossen haben sich darüber Ihre Gedanken gemacht. Der französische Zisterzienser-Abt und Theologe Bernhard von Clairvaux (1090–1153) brachte es so auf den Punkt:

»Stehe an der Spitze, um zu dienen, nicht, um zu herrschen!«

Dieses Zitat zeigt auf, worum es geht: Führen bedeutet, Menschen ernst zu nehmen, ihnen Vorbild, gerecht und fair zu sein, zuzuhören und sich stets vor seine Mitarbeiter zu stellen.