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Ein Best-of der beliebten »Krone«-Kolumnen Es waren Texte voll stillem Charme, mit denen »Krone«-Kolumnistin Marga Swoboda ein Millionenpublikum rührte. Geschichten mitten aus dem Leben, messerscharf beobachtet und so mitreißend erzählt, als säße sie einem am Küchentisch zu Hause gegenüber. Zwei Jahrzehnte und 8339 Kolumnen lang stellte die Sprachkünstlerin eine geheimnisvolle Verbindung her - zur Welt, zu den aktuellen Ereignissen und zu den Menschen, zu ihren Leserinnen und Lesern. Unglaublich vielfältig waren die Themen ihrer Texte. Egal ob sie über den amerikanischen Präsidenten schrieb oder den Bauern aus ihrer Nachbarschaft: Sie traf immer den richtigen Ton. »Wenn ich nicht mehr schreibe, bin ich tot«, sagte sie einmal. Am 22. November 2013 ist Marga Swoboda im Wiener AKH gestorben.
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Seitenzahl: 326
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Marga Swoboda
Mitten ins Herz
Die »Tag für Tag«-Kolumnen
Herausgegeben von Christoph Dichand
Mit einem Vorwortvon Conny Bischofberger
Besuchen Sie uns im Internet unter: www.amalthea.at
© 2014 by Amalthea Signum Verlag, Wien
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Elisabeth Pirker, OFFBEAT
Umschlagfoto: © Martin Jöchl
Satz: VerlagsService Dietmar Schmitz GmbH, Heimstetten
Gesetzt aus der 11/13 Minion Pro
Printed in the EU
ISBN 978-3-85002-894-3
eISBN 978-3-902998-15-6
Vorwort
1 | Gott & die Welt
2 | Helden & Verlierer
3 | Papst & Promis
4 | Arm & Reich
5 | Menschen & Abgründe
6 | Hund & Katz
7 | Mütter & Väter
8 | Erinnerung & Abschied
9 | Tragödien & Wunder
10 | Krankheit & Wahnsinn
11 | Liebe & Hoffnung
12 | Historische & private Momente
13 | Geld & Glück
8339 Kolumnen, abgelegt in 25 Bene-Ordnern. Der Gedanke, sie zu lesen, hat mir das Herz zugeschnürt. Ihr erster Text und ihr letzter Text: Was könnte deutlicher machen, dass Marga tot ist? Warum durfte sie nicht einmal 60 Jahre leben?
Zappen durch Jahre, in denen die »Krone« noch schwarzweiß war. Erinnert werden an 9/11 und an den Tag, an dem Natascha Kampusch frei war. An Falcos Tod in der Dominikanischen Republik und den Sprung von Felix Baumgartner durch die Schallmauer.
Eintauchen in Margas Welt, die so weit und bunt und mächtig war wie ihre Gedanken. Und immer wieder: berührt werden von ihrer Poesie.
Wenn sie über den ersten Schnee schreibt oder den Moment, in dem eine Mutter ihr vermisstes Kind wieder in die Arme schließen kann, dann ist es meine Glückseligkeit, meine Dankbarkeit, die sie wie geheimnisvolle Saiten zum Schwingen bringt. Der Abschied von einem geliebten Menschen, die Wucht des Tsunamis, die Rettung der Bergleute in Lassing oder die Geburt einer kleinen Prinzessin – Marga Swobodas Worte können trösten und wärmen bis in die Zehenspitzen. Mitunter sind sie scharf wie Pfeile. Den Wahnsinn auf den Straßen, die Gewalt in den Familien, die Abgründe von Menschen, die das Leben anderer auslöschen, beschreibt sie hart und unmissverständlich und lässt niemals Zweifel aufkommen, auf wessen Seite sie steht. Immer aber treffen ihre Texte mitten ins Herz.
»Sie war die Golden Gate Bridge zwischen Boulevard und Literatur«, sagte eine Schauspielerin einmal über die »Krone«-Journalistin und Bachmann-Preisträgerin. Marga Swoboda bezeichnete sich selbst provokant als »Boulevard-Schlampe« – sie schreibe gerne für ein Publikum, über das manche Kollegen die Nase rümpfen …
Dieses Millionenpublikum hat ihre Texte geliebt. Manchmal schrieb sie für die Fröhlichen, manchmal übte sie Toleranz, wo andere Gift versprühten, manchmal legte sie mit eigenen und fremden Traurigkeiten den Finger in unsere Wunden.
Die »Zeit«, die im Juni 2013 ein hinreißendes Porträt der Susie Haneke unter Marga Swobodas Mädchennamen Margarethe Mark veröffentlichte, schrieb, dass man sie »förmlich Wienerisch sprechen hörte, so weich und voller Schmäh« seien ihre Texte gewesen, »eine Mischform aus Philosophie und Gossenslang«.
Aber Marga Swoboda war alles andere als eine Wienerin. Sie lebte und dachte und schrieb alemannisch. Allein diese Melodie klingt aus ihren Texten. Schmäh? Nein. Ihre Sprache hat nichts Verschnörkeltes, Doppelbödiges, Süßes …
Ihr privater Kosmos war zwischen Wien, Liechtenstein und Paris gespannt. Meistens saß sie irgendwo dazwischen im Zug. Ihre Leser wussten von Marga Swoboda nicht viel, außer dass sie eine Löwenmutter sein musste, dass sie auch Katzen und Lena, diesen ganz besonderen Hund, zu ihrer Familie zählte und dass sie rauchte.
Manchmal schrieb sie ihre Kolumne kurz vor Andruck nach einem Café au Lait in St. Germain. Ein anderes Mal kam sie gerade noch rechtzeitig aus dem Wiener Café Korb nach Grinzing zurück, um die Geschichte aus ihrem Kopf auf Papier zu bringen. Dann lag sie mit 39 Grad Fieber und ihrem Heilkater »König« im Bett ihres Hauses in Planken oberhalb von Vaduz und faxte trotzdem ihren Text. Jeden Tag zwischen 15 und 15.45 Uhr, mehr als 21 Jahre lang.
Ihre letzte Kolumne (Sie können sie auf Seite 255 als Abschluss dieser Sammlung lesen) schickte sie für die Ausgabe des 17. November 2013 aus dem Wiener AKH – sie stand bereits unter dem Einfluss von Morphium. »Wenn ich einmal nicht mehr schreibe, bin ich tot«, hat sie einmal gesagt.
Vier Tage später starb sie.
»Es ist, als hätte man der ›Krone das Herz‹ herausgerissen«, schrieb uns eine Leserin nach Marga Swobodas Tod.
Mit ihrem Abschied ist auch eine Verbindung abgerissen, die sie Tag für Tag hergestellt hat. Die Verbindung mit ihren Leserinnen und Lesern, mit der Welt draußen, mit dem, was man Leben nennt.
Conny Bischofberger
Herbst 2014
Altkleider-Container. Da kann ich reinsten Gewissens meine Klamotten aus der abgelaufenen Modesaison entsorgen. Die Farben, die waren doch nicht so lässig wie im ersten Moment beim Spontankauf gedacht. Und daheim, da merkst du dann vielleicht, dass in den hinteren Reihen noch Zeug lagert, das auch ein modischer Irrtum war. (Manchmal sagen Männer: »Aber du hast doch schon sieben grüne T-Shirts.« Manchmal haben sie recht.)
Altkleider. Ich tue Gutes und kann das schlechte Gewissen über seltsames Kaufverhalten wieder ins Lot bringen. Irgendjemand auf der Welt wird eine große Freude haben mit meinem grünen T-Shirt. Nur einmal getragen! Wenigstens war es nicht teuer.
Dann fährt mein T-Shirt, mit Tonnen von anderen Klamotten, nach Neapel. Dort wird sortiert, frisch verpackt, umgeladen, was weiß ich. Man begleitet ja sein T-Shirt nicht.
Weiter geht es nach Afrika. Klingt gut. Dort leben doch so viele arme Menschen. Dort wird vielleicht irgendjemand eine Freude damit haben, dass ich hier im europäischen Schlaraffenland wieder einmal einen Fehlkauf tätigte.
Aber Achtung. Dort irgendwo in Afrika, in Tansania zum Beispiel, dort kommt mein T-Shirt um drei Euro auf den Markt. Dort muss eine Frau viele, viele Stunden arbeiten, bis sie sich den Fetzen leisten kann.
Aber die Container für Altklamotten sind doch für den guten Zweck, nicht? Ja, schon, teilweise. Der Rest ist ein Milliardengeschäft. Danke an das Fernsehteam »Am Schauplatz«. Mir wurden die Augen geöffnet. Vielleicht lerne ich endlich, mein Kaufverhalten zu ändern.
Das ist ja der pure Wahnsinn: In unsere Modestraßen schwemmt es die Billig-T-Shirts, genäht von ausgebeuteten Frauen und Kindern, und danach verdient das T-Shirt noch Geld an den armen Leuten in Afrika. Einfach irre.
26. Juli 2013
Was geht die Frau Zadrazil der Herr Putin an?
Nix, dachte sie, und die Weltpolitik ist sowieso nicht ihr Hobby. Aber die gute Frau Zadrazil hat mit dem Wladimir Putin mehr zu tun, als sie möchte.
Frau Zadrazil hat es nämlich im Winter gern schön warm, wenigstens in der Wohnküche, im Schlafzimmer spart sie eh. Frau Zadrazil kocht auch gerne, für sich allein, mit über 80, und einmal in der Woche kommt die Frau Tochter zum Essen. Bescheidenes Glück in der kleinen Gemeindewohnung, die sie mit den Erinnerungen an ihren Mann mit der Katze teilt. Die Katze ist der Luxus ihrer späten Jahre, auf den sie nicht verzichten möchte. Katzenfutter und gelegentlich ein Tierarzttermin müssen sich einfach ausgehen von der Rente.
Frau Zadrazil hat gehört, dass das Gas wieder teurer wird, das gefällt ihr gar nicht. Und dann hat sie noch gehört, dass der Herr Putin, eben der aus dem fernen Russland, ihr womöglich diesen Winter das Gas abdrehen könnte, und das gefällt ihr noch viel weniger.
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