Momente - Tom di Luc - E-Book

Momente E-Book

Tom di Luc

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Beschreibung

Momente - Das sind spontane Eingebungen, Situationscharakteristika aus dem täglichen Leben, die in konzentrierter Form schriftlich in Lyrik oder Prosa festgehalten wurden - eben verdichtet. Dieser weitere Band aus der Reihe "Ver-Dichtetes in Lyrik & Prosa" wartet mit neuen unterhaltsamen Gedichten und Geschichten auf, die sich mit einem Achsel-Knödel beschäftigen, oder wie man sich Dinge Schönsaufen kann. Poetisch liegt man unter einem Wildkrischbaum, macht sich Gedanken über Sein - oder nicht Sein, beobachtet die Himmlischen Schnittmusterbogen und ist erstaunt über ein neues Insekt, die Flummel. Interessant wird es bei der nachbarschaftlichen Piep-Show und wie eine neue Weltsprache entstanden ist. Haben Sie eine Ahnung, wie Naturfreunde feiern? Nein, dann lesen Sie es gerne nach, genauso wie es kommt, dass Männer archaisch kochen. Außerdem bekommt der Paketbote eine Lektion erteilt und der Frust über "menschliche" Ersatzteile wird behandelt. In Action befinden sich Toni Testosteroni und die Moral-Veganer. Gehen Sie mit auf die Tour de E-Stoffe, decken den Gemüse-Schein auf, betreten die Kulturlandschaft Fränkischer Weinberg und schreiten mit vors Himmelstor. Zuvor lernen Sie die Häd-hänging-Tscheneräschn und den Woats Sepp kennen, streifen die Problematik einer Depressionissima, ergänzt von der Kreativität einer Schwiegermutter, die immer auf Draht ist.

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Seitenzahl: 119

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Einleitender Reim

Prolog

LYRIK

Achsel-Knödel

Schlangenhaut

Vorbild

Wildschwein-Schicksal

Der Wildkirschbaum

Unruhiger Weitblick

Sterile Wege

Sein - oder nicht Sein

Schönsaufen

Positiv

Parkspaziergang

Ode an die Fülle

Namensgebung: Der Ahorn

Namensgebung: Sabi(e)ne

Namensgebung: Hermann

Namensgebung: Essig

Liebe die II.

Knapsen

Himmlischer Schnittmusterbogen

Gebleichter Auspuff

Abgestumpft

Besuch kommt

WoMo-Spruch

Die Depressionissima

Die Flummel

Die Quitte

Drei goldene Fäden

Entstehungsgeschichte der Kuh Brunhilde

Frankenwein ist Krankenwein

Häd hänging Tscheneräschn

Hund mit Kunstverstand

Individuelle Falten

Lächeln (unreimd)

Nicht verstanden

Goldenes im Blütengewand

Summ, summ, brumm

Taube

Zwei Schnirkelschnecken

Unsere täglichen Drogen gib uns heute

Wortverwandtschaft

Herr im Himmel

Schweinebär

Plumeau

Piep-Show

Paket bitte

Verzweiflung

Träumerische Realität (unreimed)

Neue Weltsprache

Ersatzteil-Frust

Atlas-Zeder

Familie

Der Woats Sepp

Auf Draht

Krea(k)tiv

Neujahrsvorsätze

PROSA

Kulturlandschaft Fränkischer Weinberg

Die Land-Gourmantin

Toni Testosteroni und die Oldtimer-Rallye-Freunde

Tour de E-Stoffe

Moral-Vegane(r)

Männer kochen archaisch

Gemüse-Schein

Himmelstor

Er lebt mit uns

Wie Naturfreunde feiern

Scheißegal

EPILOG

Danksagung

Einleitender Reim

Ich schreibe über manche Themen

Die mich irgendwie gefangen nehmen

Ich schreibe in Lyrik oder Prosa

Mal wirkt es düster, manchmal rosa

Die Worte sind einfach gewählt

Es ist der Sinn, der für mich zählt

Gern möchte ich euch unterhalten

Statt Regeln und Formen zu verwalten

Leichte Kost, das find ich nett

Gut zu lesen auch im Bett

Als Nachtlektüre oder mit Kaffee

Auf Couch oder dem Canapé

Mal nehme ich’s ernst, mal mit Humor

Bunt gemischt kommt alles vor

Gehabt euch wohl, viel Spaß beim Lesen

Der Worte waren es nicht alle gewesen

Ihr

Tom di Luc

Prolog

Mein zweiter Versuch, aus dem Buchstabenwirrwarr des ABC´s einige sinnvoll aneinander gereihte Wörter und Sätze zusammenzuzimmern.

Schon bei meinem ersten Buch »Augenblicke« war es eine Herausforderung, nicht im Leistungsdenken zu versinken. Etwas zu tun, das zunächst scheinbar keinen finanziellen oder tieferen Sinn hat, war fast undenkbar.

Man muss erst einmal lernen, dass diese einfache Form der Dichtung, Ver-Dichtung und des Schreibens für einen selbst ist, dass kein Zwang entsteht, schreiben zu müssen. Nur so können auch erste einmal »rohe« Eindrücke schriftlich festgehalten werden, oder, sofern notwendig, noch reifen.

Natürlich wünscht man sich als Autor einen gewissen Erfolg, der sich letztendlich auch über ein finanzielles »Gutti« ausdrückt. Das Schreiben als Hobby hat den entscheidenden Vorteil, dass der Erfolg nicht zur Existenzsicherung beitragen muss. Somit bleibt das Ganze wesentlich entspannter.

Ist das Interesse am Werk doch größer als erwartet, ist auch die Freude eine größere - so zumindest mein theoretischer Ansatz.

In diesem Buch wird es sicher auch einige Fehler zu finden geben, ob dies in der Rechtschreibung, Grammatik oder Zeitform ist. Indem dieses Werk aus Buchstaben, Wörtern und Sätzen, ergänzt durch Satzzeichen geformt wurde, ergeben diese grundsätzlich einen gewissen Sinn, der sich zumindest mir, dem alleinigen Urheber dieses lyrischen und prosaischen Konglomerats erschließt.

Allerdings bin ich der Überzeugung, dass sich trotzdem ein gewisser Unterhaltungswert für viele LeserInnen ableiten lässt.

Ein Lektorat kann ich finanziell nicht realisieren und muss verlagstechnisch ohne Begleitung auskommen. Somit kann eine Abweichung der allgemeingültigen Regelung vorkommen.

Lesen lässt es sich auf jeden Fall!

Eine kleine Anregung sei mir erlaubt:

Die folgenden Zeilen, ob gereimt, oder in Prosa geschrieben, lassen sich wie erwähnt, einfach lesen. Begründet liegt dies in der einfachen Schreibweise und Wortwahl.

Man muss keinen akademischen Grad besitzen, um eine gewisse Sinnhaftigkeit zu entdecken. Entdecken kann man jedoch einiges mehr, wenn man von der schnell konsumierten Oberflächlichkeit zwischen den Zeilen zu lesen vermag.

Außerdem möchte ich mit diesem Werk weiterhin alle anregen, sich etwas von der Seele zu schreiben, Gedanken zu formulieren, sich mit Texten auszutoben. Egal, ob sich Rechtschreibfehler darin tummeln.

Schreiben kann befreien, kann lösen und vermitteln, kann vereinen, aber bei Bedarf auch trennen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich meiner Liebsten Liebesbriefe auf Papier geschrieben habe. Es ist zur Zeit der Drucklegung schließlich erst 22 Jahre her. Diese Poesie per WhatsApp oder per Mail zu übermitteln, wäre wie ein gutes Steak in den Mixer zu werfen und diese strukturlose Paste mit dem Strohalm zu verzehren.

Briefe schreiben, ist dies vielleicht die Meditation der neuen Art? Zwischenzeitlich hat dies unter einem englischen Begriff eine Renaissance erfahren: Handlettering.

Verziert mit Elementen der Kalligraphie eine durchaus schöne Beschäftigung und Bereicherung.

Achsel-Knödel

Es war einmal, ich hatte einen Witz gehört

Wär es real, man wäre doch verstört

Es ging um ein Wirtshaus mit deftiger Speise

Dort kochte »Sie« auf ihre spezielle Weise

Man kam erst drauf, als ein gemütlicher Gast

Zu reklamieren hatte, ganz ohne Hast

Er fragte: »Wie kommt ein dunkles krauses Haar

In einen von meinem Kartoffelknödel-Paar?«

»Ganz einfach«, spricht der Wirt sanft und warm

»Unsere Köchin hat leider nur einen Arm

Und ohne Hilfe annehmen zu wollen

Tut sie die Knödel unter der Achsel rollen«

Es gibt jedoch Trost

Bekommt der Gast gehaucht

In der Küche gibt’s nichts

Wozu man die Schenkel braucht...

* * *

Schlangenhaut

Manchmal wünschte ich mir, ich wäre eine Schlange

Sie hat keine Angst, ihr wird selten bange

Sie ist mit recht viel Geduld gesegnet

Bis ihr das rechte Mahl begegnet

Die Haut, das ist sehr interessant

Sie wechselt sie, wie ein Gewand

Altes und Verbrauchtes stößt sie einfach ab

Sie wächst daran, und nicht zu knapp

Nur während des Häutens ist sie angreifbar

Dann ist sie schöner, als sie vorher je war

Ich möchte manchmal gerne aus meiner Hülle

Gerade dann, wenn ich mich nicht wohl in ihr fühle

Belastendes abstreifen, von vorne bis hinten

Von Zwängen und Ängsten mich entbinden

Bin ich innerlich gewachsen und gelassen

Wird sich das Neue auch anpassen

Dies gibt weiteren Raum für Individualität

Zu Dingen, zu denen man jetzt wirklich steht

Einzwängen lässt er sich nicht, der Lauf der Natur

Wie wir damit umgehen, das zeigt die Futur

Und ob wir unseren freien Geist können erwecken

Wenn nicht, bleiben wir in der alten Haut stecken

* * *

Kulturlandschaft Fränkischer Weinberg

Wir wohnen nur eine Kirschkernspuckweite von zwei sehr bekannten Würzburger Weingütern entfernt, die die fränkische Weinkulturlandschaft konventionell hegen, pflegen und prägen. Der eine Weintraubenveredler widmet sich inzwischen sogar dem Bio-Weinanbau, nur leider nicht in unserer Weinlage.

Die meisten Menschen, die uns besuchen, sind erst einmal von der vermeintlichen Idylle begeistert.

Ein schöner Garten ums Haus, alles grün – das ist bis hierhin in Ordnung, denn der wird sogar biozertifiziert bewirtschaftet – und so toll direkt am Hang des Weinberges gelegen.

Schön ist er anzusehen, der Weinberg, wenn er in vollem Grün steht und dazwischen sogar ein paar Alibi-Blümlein wachsen. Dank moderner Technik wird ja auch gezielter gespritzt. »Gift vor Hacke«, so das Motto, kostet der Mensch doch so viel und außerdem ist der nicht so zuverlässig.

Spätestens im Frühjahr erhalten die Rebzeilen ein zusätzliches Streifenmuster, welches sehr bald den Farbton verdorrten Grases annimmt. Aber es gehen ja nur die direkt dem Spritznebel ausgesetzten Pflänzchen ein, Tieren machte es bestimmt nicht aus - das Herbizid (...und Pestizid, und Fungizid, und Insektizid, und...)

Außerdem bleibt das Gespritzte nur im Weinberg – komisch, dass ich das Zeug aber länger rieche. Und wenn es in meinem Riechkolben zu einer olfaktorischen Reaktion kommt, so muss doch das eine oder andere Molekül dieser lebensvernichtenden Brühe in meiner Umgebung sein. Ob Garten oder Wohnung, ich habe es dort nicht hin bestellt, aber auch keine Handhabe, es zu vermeiden.

Eine zwischenzeitliche Hausstaubanalyse hat einen Cocktail verschiedenster Bestandteile von Spritzmittel ergeben, in dem man sogar Endosulfan, ein Mittel, dem bereits 1991 die Zulassung entzogen wurde, fand. Drei Seiten Beschwichtigung waren das Ergebnis aufgrund einer Nachfrage beim verantwortlichen und zuständigen Weinbauamt. Was soll man anderes erwarten? Nun gut - oder nicht gut.

Gespritzt wird von dem einen »Verein« grundsätzlich vorsorglich und was möglich ist, wogegen das Nachbarweingut nur mit dem Nötigsten auskommt. Alle paar Tage sehen wir in der Vegetationsperiode die Schmalspurtrecker und ab und an auch Menschen im Wengert.

Es wird meist künstlich gedüngt, gegrubbert, gemäht, geschnitten, aber vor allem gespritzt, was das Zeug hält. Empfohlen werden die verschiedenen Spritzbrühen, Düngegaben und Pflegeschritte per Weinbaufax der LWG.

Halb so schlimm heißt es von offizieller Stelle, alles getestet, genehmigt und für bestens befunden.

Da tut die organische Düngung doch gut, so ganz ohne Schadstoffe und direkt aus dem Städtischen Kompostwerk. Ich möchte nicht wissen, was dort so alles antransportiert wurde.

Wir bekommen dies spätestens dann mit, wenn der süß-säuerliche Geruch tagelang als Glocke über uns schwebt. Zuvor ausgehend von einer in der Nähe angelegten Kompostmiete zur Zwischenlagerung, deren Bestandteile später fein verteilt und nicht sofort eingearbeitet zwischen den Reben liegen.

Tagsüber hält sich die olfaktorische Vergewaltigung durch die Spritzmittel und Düngegaben manchmal noch in Grenzen. Aber abends, bzw. nachts, wenn die Temperaturen sinken, sinken auch die Wirk- und Geruchsmolekühle nach unten, durch die geöffneten Fenster und Türen. Klar, bei warmem Wetter kann man ja auch des Nachts gerne die Bude zu halten.

Sehr bald werden im Jahresverlauf die mehrfachen Traktor-Rallyes zwischen den zwei Massen-Weinproduzenten ausgetragen, deren Sonderdisziplinen vom punktgenauem Einsatz der Spritzbrühen, über das lauteste Grubbern (ja, es hebt einen schon mal sehr früh aus den Federn), bis hin zum schnellsten Rebschnitt sind.

Vielleicht gibt es noch Sonderpunkte, wenn man den Gift-Cocktail bei kräftigem Wind einsetzt und man die Nebelschwaden ziehen sieht, obwohl es laut Statuten nicht erwünscht ist, oder es zeitlich so geschickt terminiert, dass die Hunde-Gassi-Geher davon nicht behelligt werden.

Anscheinend ist es denen eh Wurst, mit ihren Vierbeinern im mit totenkopfgekennzeichnetem und chemisch aromatisiertem Wasser frisch benetzten Weinberg umherzustreifen, hat es doch den Vorteil, dass weder Frauchen, Herrchen oder die Hundchen von den bösen Zecken befallen werden. Denen hat man ja schon vorher den Odem ausgehaucht.

Das zeigt auch eine Hundebesitzerin, deren Wauzi sich im Wengert austobte, nachdem ein Herbizid (man munkelt Glyphosat) ausgebracht wurde. Sie machte sich keine Gedanken, als sich der Hund in der Nacht darauf die Seele aus dem Leib gekotzt hat.

Vielleicht hat er etwas Falsches gefressen, so ihre Vermutung, dem Menschen geht es ja manchmal auch so.

Nachdem sie dies bei einem nachbarschaftlichen Gespräch kund tat und von der frischen Spritzung erfahren hatte, räumte sie doch vorsichtig einen möglichen Zusammenhang ein, denn es war nicht das erste mal, dass es ihrem haarigen Begleiter nach dem Weinbergspaziergang nicht so gut ging. Was ist der aber auch so empfindlich!

Ein Veterinär würde dem Hund jetzt wahrscheinlich ein psychisches Problem bescheinigen...

Auf ein Gedicht, das den Fränkischen Wengert zum Thema hatte, bekam ich eine Mail von einem Urlauber, dass er jetzt verstehe, warum es ihm hinterher so schlecht ging, nachdem er mit dem Fahrrad durch die Weinberge fuhr.

Und dann war da noch der Naturliebhaber, der sich in seiner Mittagspause im Weinberg erholte. Über zwei Drähte spannte er seine Decke, um vor der gleißenden Sonne Schutz zu finden. Auf einer weiteren Decke räkelt er sich genüsslich, dabei sein Mittagsmahl zu sich nehmend. Ein paar Rebzeilen weiter fährt gerade der Traktor durch, der mit seinem Gebläse die Spritzmittel an die Reben und in die Luft bläst. Wohl bekomms!

Nun aber weiter zu unserer Kulturlandschaft:

Wenn dann noch die osteuropäischen Helfer mit ihrer Herzlichkeit – manchmal kurz nach dem Spritzen – bei fröhlichem Gelächter, Gesang und lautstarker Unterhaltung ihre Arbeit verrichten, wähnt man sich in alten Zeiten der Handarbeit.

Eines Tages entlockte es uns ein Schmunzeln, als der Traktorfahrer gemütlich in seinem klimatisierten Glaskästchen hin und her schaukelte und sein T-Shirt mit der Aufschrift »Bier-Körper« auf der prallen Wampe präsentierte. Also wenn schon denn schon, auch noch für die Gegenpartei Werbung machen.

Es wäre doch besser den bekannten Spruch zu präsentieren: »Frankenwein ist Krankenwein«, bezogen auf den konventionell produzierten Massen-Rebensaft.

D.h. beim Genuss des entsprechenden Rebensaftes wird einem dieser gesundheitlich nicht zuträglich sein? Nein, früher war es wirklich so, dass im Spital jeder Kranke seinen täglichen Schoppen bekam. Der edle Hintergrund sei nicht vergessen, aber vielleicht ist doch irgendwie das Ansinnen: Irgendwie musste man die ja ruhig bekommen.

Beim Recherchieren habe ich interessante Zeilen - Textzeilen, nicht Rebzeilen - gefunden, in denen von Insidern berichtet wird, dass der konventionelle Weinbau die Weine im Keller »aufpimpen« muss, weil sonst eine geschmacksernüchternde Plörre heranreift. Hintergrund ist, dass die Trauben von Bio-Weinstöcken wesentlich aromatischer sind, als die durch Biozide »geschützten«.

Aber merkt man überhaupt den feinen Geschmacksunterschied?

Nun, angesichts der vielen Weinfeste, bei denen das Billig-Massen-Gesöff das Gemüt des Fest-Genießers verzückt, bleibt es erst einmal beim »Haarwurzel-Katarr«, vielleicht etwas Übelkeit, aber das ist ja normal ab einem gewissen Alkoholpegel.

Es wird schnell klar, dass sehr billig und in unvorstellbar riesigen Mengen produziert werden muss, will die Meute mit dem Traditionsgetränk versorgt werden. Würde das Bewusstsein des Genießers so weit gediehen sein, einen guten Tropfen zu wertschätzen, gäbe es definitiv mehr hochwertigere Weine auf dem Markt und weniger Stockbesoffene.

Es macht halt leider doch keinen großen Unterschied, einen Rausch mit Billigfusel oder einem Klasse-Wein zu erzeugen. Nur, einen etwas teureren Wein wieder rückwärts zu trinken, das würde sich mancher überlegen. Folglich bliebe der bewusste Genuss moderat – so zumindest die Theorie.

Aber, das ist es! Vielleicht sollten wir uns unsere Umgebung schönsaufen. Finanztechnisch wäre das kein Problem. Und unseren Haus-Gästen bieten wir den Wein aus der Nachbarrebe an, damit sie die geschmackliche und regionale Korrespondenz zur Fränkischen Kulturlandschaft Weinberg in konzentrierter Form haben.

Jetzt wollen wir aber mal nicht so pessimistisch sein. Es gibt da noch den goldenen Herbst mit seiner historisch anmutenden Weinlese. Historisch deshalb, alldieweil der Einsatz eines Vollernter-Monstrums, das die Träubel mit Gewalt herunter schüttelt, bei uns nicht eingesetzt werden kann.

Nein, auch ein Deutscher darf da nicht an die Trauben, die sind zu teuer, oder die Arbeit ist ihnen zu beschwerlich. Lassen wir es wieder unsere Landesnachbarn machen, so der Tenor eines Verantwortlichen, die sind froh um jeden Euro.

Und so endet die Rebensaison mit einem Aufgebot an fleißigen Schnitterinnen und Schnittern, begleitet von einigen Schüssen aus der Schreckschusspistole, deren Knall die Vögel vom Genuss des gesunden, von bösen Krankheitskeimen verschonten Obstes abhalten sollen.