Mondhirsch und Silberdrache - S. Callen - E-Book

Mondhirsch und Silberdrache E-Book

S. Callen

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Beschreibung

In einem kleinen Dorf an der irischen Küste lebt eine junge Frau names Lea. Durch die Planungen zu einem Fest lernt sie einen Mann kennen: Cian MacMagnus. Sie sind faziniert voneinander, doch ahnen sie nicht, dass ihrer beider Schicksal in der Anderwelt auf sie wartet. Dort schmiedet der Winterkönig finstere Pläne zur Übernahme der Erdwelt und der Anderwelt. Dafür braucht er Leas magischen Kräfte, von denen sie noch keine Ahnung hat...

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Seitenzahl: 305

Veröffentlichungsjahr: 2013

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S. Callen

Mondhirsch und

Silberdrache

www.tredition.de

© 2013 S. Callen/S.Callen

Umschlaggestaltung, Illustration: Monkd de Flow

Teillektorat: Philipp Bobrowski

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN:978-3-8495-3720-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Wage den ersten Schritt,

und ein Weg wird sich auftun.

Zen-Weisheit

Das Orakel von Avalon

Die Jahreszeiten tanzen den Reigen,

wechseln sich seit ewigen Zeiten.

Der Frühling wird Sommer,

der Sommer wird Herbst,

der Herbst wird Winter.

Doch es wird der Tag kommen,

da der Winter bleibt,

mit all seiner Kälte und Dunkelheit.

Er stürzt ins Chaos,

was einst im Gleichgewicht.

Denn Macht ist es,

was er begehrt.

Doch bald schon wird sie erscheinen,

ein Wesen so hell und jung,

so klar und rein.

An ihrer Seite

eine Gestalt - so dunkel und alt,

doch nicht verloren,

auch wenn es so scheint.

Durch die wahre Macht

der Mondhirsch und der Silberdrache vereint.

Die wahre Macht kann brechen,

was kalt ist und dunkel.

Doch auch nur,

wenn die Magierin erkennt,

welches ihr Opfer dafür ist.

Der Schlüssel der Erkenntnis

ist die wahre Macht.

Sie, die helle Hoffnung,

wird alles heilen,

wenn das Wunder vollbracht.

1

Sie lief den Weg entlang, der zur Klippe führte. Spitze kleine Kieselsteine bohrten sich in ihre nackten Fußsohlen, ihr Herz drohte, aus der Brust zu springen. Wenn sie sich umdrehte, würde sie wahrscheinlich das vor Wut verzerrte Gesicht ihres Verlobten sehen, der versuchte, sie einzufangen und einzusperren, sie mit seiner Eifersucht zu erdrücken.

Wieder mal hatte sie sich aus dem Dorf geschlichen, um Kräuter zu sammeln und sich selbst einen Narren zu schimpfen, diese Verlobung eingegangen zu sein.

Aber dieses Mal würde er sie nicht kriegen! Sie hatte einen Plan und würde alles dafür tun, um ihm zu entkommen und das Dorf von ihm und seinen stinkenden Gefolgsleuten zu säubern. Der Druide hatte ihr vor einiger Zeit schon geraten, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und ihren wahren Seelengefährten zu finden, bevor sie mit Derek verheiratet wurde. Nun, das hatte sie von ihrer Warterei auf ihren Vater.

Er war mit ihrem Bruder und einigen Kriegern nach Tara gereist, um dem Hochkönig seine Aufwartung zu machen.

Derek hatte diese Zeit sinnvoll genutzt, um sich als ihr Verlobter aufzuspielen. Er würde sie vielleicht Ende des Jahres heiraten, wenn sie IHN nicht finden würde. Doch wie lange würde es noch dauern, und wie lange konnte sie sich vor Derek noch verstecken?

Mit schweißnassen Händen wachte ich auf und musste mich erst einmal orientieren. Der Wecker auf dem Nachtschrank zeigte 4:36 Uhr an, noch viel zu früh, um aufzustehen. Allerdings würde ich nach einem solchen Traum auch nicht in den Schlaf zurückfinden, das hatte ich noch nie gekonnt. Schon als Kind hatte ich immer wieder denselben Traum gehabt, dessen Handlung sich nie veränderte. Ich drehte mich gedanklich im Kreis. Also stand ich wohl besser auf, um mich zu duschen und für den vor mir liegenden Tag zu wappnen.

Am besten fange ich einfach von vorne an: Mein Name ist Lea und ich bin 25 Jahre alt. Ich wohne in einem hübschen Haus am Dorfrand von Carraig an Dóchais (das liegt irgendwo zwischen Galway und Tralee).

Meine beste Freundin Francesca und ich haben es von einem älteren Ehepaar gekauft, das auf Weltreise gegangen ist, und eine Mädels-WG eingerichtet. Frannie ist das absolute Gegenteil von mir: haushälterisch begabt (sie hat einen fanatischen Aufräumwahn), klein und niedlich, mit einer Spur von Naivität, die über das Offensichtliche wegtäuschen soll: Sie ist eine absolute Männerfresserin. Jedes Wochenende hat sie einen anderen Typen und scheint sich prächtig zu amüsieren.

Sosehr es mir missfällt, jeden Sonntagmorgen ein neues fremdes Gesicht zu sehen und all diese Enriques/ Daniels/ Alex oder wie sie alle heißen, freundlich zu begrüßen, so sehr sehne ich mich danach, selbst einen Mann in meinem Leben zu haben. Doch alle Versuche, einen männlichen Wegbegleiter zu finden, gestalteten sich eher schwierig oder sie endeten in einer Katastrophe.

Angefangen mit den Jungs im Abschlussjahrgang meiner Schule, als ich herausfand, wie ätzend pubertierende Jungs waren, bis heute bei den Typen in der Diskothek, die einen schalen, abgestandenen Bieratem mit Zigarettenluft mischten und ihre speckigen Finger auf meinen Allerwertesten klatschten.

So klatschte aber auch meine Handtasche mit schöner Regelmäßigkeit in verdutzte Gesichter (Gott sei Dank gab es ja Selbstverteidigungskurse).

Es gab da auch den einen oder anderen netten Typen, allerdings haben sie fluchtartig mein Leben verlassen, nachdem sie meine Eltern kennen gelernt hatten…

Mom und Dad sind anders. Wenn man erwartet, sie würden lieb und nett sein, Kekse backen und Rasen mähen, der hat sich aber in den Finger geschnitten: Mom bäckt keine Schokoladenkekse und Dad mäht keinen Rasen.

Die Kekse sind mit Spezialkräutern angereichert und Dad benutzt nur eine Sense, um des Urwald-Gestrüpps im Garten Herr zu werden. Sie sind Hippies. Irgendwann sind sie zu der Überzeugung gelangt, dass das Leben nicht so sehr mit materiellen Dingen aufzuwiegen sei, sondern man sich ein Stück Lebensqualität bewahren sollte, indem man das Leben so annimmt, wie es ist.

Dad hat als Firmenvorstand mehr als genug Geld verdient, um sich den Rest des Lebens der Aufgabe zu widmen, mit sich und der Natur im Einklang zu leben.

Mom gibt Yoga- und Malkurse, um den Menschen wieder innere Ruhe zu lehren. Sie und Dad leben ihren Traum.

Zu meinem Leidwesen interessiert er sich allerdings zu sehr für mein Liebesleben: Dad schafft es, jeden potenziellen Schwiegersohn in die Flucht zu schlagen. Gewöhnlich nimmt er sie mit in seine Werkzeughütte im hinteren Garten und unterzieht sie einer gnadenlosen Befragung: Erst über Familienverhältnisse und Finanzen, aber schon kurz darauf, ob er auch ja daran denkt, mit Kondomen zu verhüten, oder wie viele Bettpartnerinnen er schon hatte. Die Krönung folgt aber immer mit der Frage, ob er mir einen richtigen Orgasmus verschafft, das Wohl seiner Tochter liege ihm schließlich sehr am Herzen.

In der Regel sind die potenziellen Verehrer spätestens nach dieser Frage so verschreckt, dass sie nie wieder anrufen, nachdem sie mich zu Hause abgesetzt haben. Tja, danke, Dad.

Auf dem Weg zur Arbeit entdeckte ich, dass der Traum mir immer noch im Kopf rumspukte. Ich sollte echt mal wieder mit meiner Mutter reden, sie verstand es am besten, mir bei diesem Problem zu helfen. Nur befürchtete ich, dass es dieses Mal keine einfache Lösung dafür geben wird….

Wie seit einigen Tagen fand ich auch heute wieder eine weiße Rose vor meiner Ladentür.

Ich muss wohl einen heimlichen Verehrer haben. Mittlerweile ist dies die zehnte Rose, und in der Vase wird es langsam eng.

Im Laden war es bisher ruhig und ich hoffte, dass es so blieb. Nichts gegen rege Betriebsamkeit, wenn die Kasse klingelt, aber mir war heute nicht danach, wieder mit den alten Klatschtrutschen aus dem Dorf zu sprechen.

Jeden Montag und Mittwoch die gleiche Litanei:- Mrs. Gibbons Enkeltochter hat eine neues Nasenpiercing, ob die wohl auch tätowiert ist? -Hast du schon gehört, dass der Hund von Henry Fitzgerald zwei Schafe gerissen hat? -Schon wieder? -Und Kindchen, wann heiratest du? -Deine biologische Uhr tickt doch auch schon laut! - (Hm, mit 25 finde ich das nicht gerade).

Nun, sie sind ja eigentlich ganz nett, nur manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, ihnen lächelnd Hinterlassenschaften eines Hundes in die Damenhüte zu schmieren, wenn es mal wieder kein Ende nehmen will. Ich schneide den Kuchen an, den ich für das Tagesangebot gebacken habe, eine Obsttorte (ich backe ganz gerne Mal). Im Ort betreibe ich einen kleinen Buchladen mit Café.

Die Touristen, die das Dorf besuchen, nutzen die Gelegenheit gerne, um etwas zu verschnaufen und einige Souvenirs zu kaufen. Gerne wird da auch mal der eine oder andere Reiseführer oder ein Touristenguide gekauft. Der Touristenguide enthält auch Sagen über die Gegend. In unserem Fall ist das die

*Sage der Klippenfrau*

Jedes Touristenziel, das etwas auf sich hält, sollte so etwas haben. Meint unser Kulturbeauftragter Seamus O‘Bannon. Der Felsen, der etwas außerhalb des Dorfes über dem Atlantik endet, bewacht von einem alten Leuchtturmwärter, ist ein Ort tragischer Geschichten.

Man munkelt, dass auf der Familie des ehemaligen Dorfoberhauptes Ciaran O’Bradain ein Fluch läge. Seine Tochter sollte einen Krieger heiraten, den sie nicht liebte. Bevor es zu der Vermählung kam, stürzte sie sich von der Klippe. So die Kurzfassung.

Natürlich wurde im Laufe der Jahre immer wieder etwas dazu gedichtet oder weggelassen, um die Geschichte attraktiver zu machen und Touristen anzulocken. Dafür ist allerdings unser verehrter Herr Bürgermeister zuständig. Im guten Glauben an den rollenden Rubel für das Gemeindesäckel zaubert er immer neue Ideen aus dem Ärmel. Dieses Jahr soll ein Sommerfest zu Ehren der Klippenfrau stattfinden. Ihr Todestag jährt sich nun zum 900.sten Mal und dies ist natürlich ein gern gesehener Grund, um Touristen anzulocken.

Er hetzt wie ein Wahnsinniger durch die Straßen und von einem Geschäft zum anderen, um seine neuesten Pläne und deren stete Änderungen zu verkünden. Ich freue mich jetzt schon auf die Versammlung im Gemeindehaus, die wie üblich zu einem Schlachtfeld der Gegner und Befürworter dieses Festes werden wird.

Unser Dorf ist seit Jahren in zwei Lager gespalten: Die Tourismusbefürworter wie unser Bürgermeister und die Händler. Die Gegner, alteingesessene Familien, vornehmlich die älteren Herren, die ihr Rentendasein auf der Bank vorm Rathaus fristen, bis die Abendbrotglocke läutet.

Es gibt auch eine neutrale Gruppe, der ich angehöre. Wir sorgen für Ruhe und Ordnung, wenn die Hitzköpfe sich mal wieder an den Kragen gehen, aber in diesem Thema ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Das könnte ein langer Abend werden.

Mit einem Seufzen schob ich die Flügeltüren meines Ladens auf. Es war ein sehr warmer Tag, und die Touristen würden nicht lange auf sich warten lassen. Der Frühling in Carraig an Dóchais war eingezogen und wir steuerten auf das Osterfest zu.

Dank meiner Eltern ist es für mich einfach nur ein langes Wochenende und kein religiös begangenes Fest.

Allerdings neigen einige vorher genannte ältliche Damen zum Tratschen, weswegen es mir doch ein Bedürfnis ist, sonntags die Dorfkirche aufzusuchen. Mom belächelt mich dann immer und sagt, dass man an Gott glauben kann, es gibt ihn in vielen Formen.

Tja, bei mir ist es reiner Selbsterhaltungstrieb.

Sie und Dad sind mit mir in dieses Dorf gezogen, als ich vier Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt waren sie gerade auf dem Selbstfindungstrip und hatten sich endlich an einem Ort wohl gefühlt an dem sie sich niederlassen konnten.

Meine Granny fand das Ganze nicht so besonders lustig und konnte kein Verständnis dafür aufbringen, wie meine Eltern leben wollten und mich auch noch in den Sumpf der Sünde mit reinzogen.

Deswegen kommt sie jedes Jahr nur zu Ostern und zu Weihnachten zu Besuch. Mehr würde ihr schwaches Herz nicht vertragen. Ihr Arzt meinte allerdings, ihr Herz wäre so stark wie bei einem jungen Pferd und sie müsse sich keine Sorgen machen.

In die Ferien bin ich immer mit ihr gefahren und habe herrlich normale Ferien ohne Yogakurse und Malkurse für künstlerisch Unbegabte verbracht (ja, einige von ihnen waren sogar mehr als unterbegabt), sondern Besuche im Zoo, Teegesellschaften und sonntägliche Kirchenbesuche. Granny versuchte mir beizubringen, wie man sich als Dame verhält. Naja, wenn sie wüsste, dass ich keine Jungfrau mehr bin, würde sie mich ins Kloster stecken und dort an den Altar ketten lassen, nur damit ich nicht noch mehr Sünden begehe. Meine Granny ist eine gottesfürchtige Frau.

Um die Mittagszeit stand Francesca gerade vor mir, als etwas in meinem Augenwinkel meine Aufmerksamkeit erregte. Bürgermeister und Kulturbeauftragter liefen mit schweren Kisten durchs Dorf auf das Gemeindehaus zu.

Ihnen folgte ein gut aussehender Mann mit rabenschwarzem Haar. Ich hatte ihn schon ein paarmal gesehen. „Frannie sieh, ist er nicht hinreißend?“ Dieser unbekannte Fremde hatte etwas Wildes, Animalisches an sich, das mich ganz nervös machte.

Frannie sah sich den Typen nicht so genau an. „Kann sein. Was zum Henker hecken sie denn jetzt wieder aus? Manchmal glaube ich, wir sind in einer schrägen Folge von Gilmore Girls gelandet.“

Francesca liebte diese Serie abgöttisch und bezeichnete uns manchmal als Lorelei und Rory, nur dass wir hier in Irland leben. Mit einem Stirnrunzeln drehte sie sich vom Fenster weg und knetete ihre Hände.

„Ich muss dir etwas gestehen, aber dafür brauchen wir einen Moment unter vier Augen.“ Mir schwante nichts Gutes bei den Worten, aber wir zogen uns für einen Moment in mein kleines Büro zurück, da Jessica gerade ihre Schicht angetreten hatte, und ich meine Pause machen konnte.

„Möchtest du eine Tasse Tee, Frannie?“ „Nein, ich, ach, ich weiß nicht, wie ich dir das sagen soll, ich weiß nicht, was ich machen soll!“ Mit einem herzzerreißenden Schluchzen sank sie auf einen Stuhl und ließ ihren Tränen freien Lauf.

Ich kannte das gar nicht von ihr und musste sie erst einmal beruhigen. Mit Taschentüchern in der Hand ließ ich mich auf dem Stuhl neben ihr nieder und nahm sie in die Arme. Nach ein paar Minuten hatte sie sich soweit gefangen, dass sie mir erst mal erzählen konnte, was überhaupt passiert war.

„… und als ich heute Morgen über der Toilettenschüssel hing, ging mir ein Licht auf und ich habe einen Test gemacht. Ich bin schwanger, Lea, schwanger! Was soll ich nur meinen Eltern sagen? Mein Vater wird mich verstoßen, meine Mutter wird mich nie wieder auch nur eines Blickes würdigen.“

Mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren (so eine Scheiße, hoffentlich fallen dem Typen die Eier ab). „Nun mach mal halblang, so schlimm wird es schon nicht sein. Warum sollten sie ihre einzige Tochter verstoßen? Ein Kind ist ein Geschenk. Deine Brüder können das ja anscheinend nicht.“ „Aber ich bin nicht verheiratet.“ Frannie knetete ihr Taschentuch zum wiederholten Male durch ihre Hände.

Zur Erklärung: Frannies Eltern sind italienische Einwanderer und haben nur unter der Bedingung zugestimmt, dass keine Männer unser Haus betreten, damit sie mit mir zusammen wohnen darf. Ich konnte Frannie nicht im Stich lassen, sie ist schließlich meine beste Freundin.

„Ich finde, wir sollten jetzt gleich zum Arzt fahren und uns bestätigen lassen, dass du wirklich schwanger bist. Danach werden wir weiterüberlegen, was wir tun. Vielleicht hast du dir auch einfach nur den Magen verdorben.“ Der hoffnungsvolle und dankbare Blick von Frannie schnürte mir die Kehle zu. Ich hoffte nur, dass die Enttäuschung nicht allzu groß sein würde.

Zwei Stunden später brauchte ich trockene Kleidung, weil Frannie sich seit dem Besuch beim Arzt nicht mehr halten konnte.

Der Test fiel positiv aus und sie war mittlerweile schon in der 12. Woche, aber zu einem Abbruch hätte ich sie weiß Gott nicht ermutigt.

Allerdings wirft das auch die Frage auf, wer denn der „glückliche“ Vater werden würde. Dafür kommen allerdings auch nur zwei Männer in Frage.

Josh ist ein umschwärmter Frauenheld in unserem Dorf, und Frannie weiß nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, ob er der Vater ist, weil sie einen Abend später einen One-Night-Stand mit Jared hatte.

Nun, ich denke, man sollte es ihr zugutehalten, dass sie sich zumindest daran erinnern konnte, wer überhaupt in Frage kam. Das Ganze würde sich mit einem Vaterschaftstest klären lassen.

Um den zu bekommen, sollte ich mir etwas einfallen lassen. Sollte der Vater tatsächlich Josh sein, wäre das ein absolutes Drama. Wenn es Jared wäre, hätte das Kind zumindest eine Chance auf einen liebevollen Vater.

Jared ist ein sehr netter junger Mann, der schon ein Auge auf Frannie geworfen hatte, als sie mit ihrer Familie ins Dorf gezogen war. Stets fragte er mich nach ihrem Befinden, oder wann sie mich denn das nächste Mal besuchen würde.

Er tat mir leid, weil sie Josh schon so lange anhimmelte. Nun hieß es, einen Plan zu schmieden. „Wir sollten sie beide herbestellen und sie mit den Tatsachen konfrontieren. Ich denke, sie werden einwilligen in den Test, und du wirst Gewissheit haben, wer der Vater ist.“ „Aber was ist, wenn keiner der beiden etwas von dem Kind wissen will? Dann stehe ich allein und mittellos da, weil ich nicht mehr arbeiten kann, wenn ich fett wie ein Walross bin.“ „Dann bin ich immer noch für dich da, du kannst dich auf mich verlassen.“

Mit diesen Worten schnappte ich mir mein Handy und rief die beiden Übeltäter an, die sich nach der Versammlung am Abend bei uns einfinden sollten.

2

Im Gemeindehaus summte es wie in einem Bienenstock. Das ganze Dorf hatte sich bereits eingefunden, um die neueste Fassung der Pläne über das Klippenfrauenfest zu hören, die unser Bürgermeister zu verbreiten hatte.

Das Programm versprach also nichts Interessantes. Frannie wurde weiß wie eine Wand, denn in einer Ecke entdeckte sie Josh, der sich an Susanne, die Tochter des Bürgermeisters heranmachte.

Er flüsterte ihr irgendetwas ins Ohr, das sie zum Kichern brachte. Mir brachte sein Anblick lediglich einen Würgereflex. Ich packte Frannie am Arm, um sie zu einem Platz am Rand weit weg von Josh zu ziehen. Das hielt doch kein normaler Mensch im Kopf aus.

„Meine Damen und Herren, liebe Nachbarn und Freunde! Anlässlich des diesjährigen Jubiläums unserer Klippenfrau habe ich mit Seamus O‘Bannon in unermüdlichem Einsatz unserer wertvollen, knappen Zeit die gegebenen örtlichen Lokalitäten aufgesucht und sie fotografiert. Diese Bilder wird Seamus gleich an die Wand projizieren, wenn ich unsere großartigen Pläne verkünden werde. Wir haben anlässlich dessen keine Mühen und Kosten gescheut und eine Eventagentur mit der Planung betraut…“

Hm, prima. Er predigt in einem fort, unsere Gemeinde hat kein Geld, aber eine Eventagentur zu buchen, ist vertretbar. Frannie sah mich sparsam an, wir dachten wohl gerade das Gleiche. Bürgermeister Padraig Connell ist wahnsinnig geworden.

Da die Versammlung versprach, äußerst langweilig zu werden, ließ ich meinen Blick über die versammelte Menge schweifen. Ich sah, wie Josh weiterhin Susanne anbaggerte, aber sein widerlich lüsterner Blick blieb an mir hängen. Ich werde den Tag nicht vergessen, als er mir ein echt ekelhaftes Angebot machte.

Wenn ich mit ihm schlafen würde, würde er dafür sorgen, dass ich alle Annehmlichkeiten der Welt hätte und seinen guten Namen tragen dürfte.

Pff, so ein Humbug.

Ich mochte ihn schon vom ersten Augenblick an nicht, als wir uns kennengelernt haben. Also brauchte ich seine Hilfe auch nicht.

Dass mein Laden lief, hatte ich eher Moms Kristallen zu verdanken, die ihre Energien positiv in und um den Laden herum verteilten. Ich brauchte mir keine Gedanken über mein Auskommen zu machen, und die Leute grüßten mich freundlich auf der Straße.

Keiner kam an meinem Laden vorbei, ohne die Auslage zu betrachten oder ein Stück Kuchen zu essen.

Ich lehnte sein ,,großzügiges“ Angebot ab, und seitdem belästigt er mich immer wieder. Nervtötend.

Mein Blick fiel auf Jared, der den Boden vergötterte, auf dem Frannie lief. Er sah immer wieder zu ihr herüber, unschlüssig, wie er jemals das Glück gehabt hatte, eine Nacht mit Frannie zu verbringen.

Tja, zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass ich nicht absichtlich dafür gesorgt hatte, dass Frannies Glas auf der Feier an Imbolc immer gut gefüllt war und Jared darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sie doch dringend nach Hause müsste.

Mann, bin ich manchmal böse, hihi. Aber jemand musste schließlich den Anfang machen. Konnte ja keiner damit rechnen, dass sie gleich schwanger wird.

Na ja, ein wenig schuldig fühlte ich mich schon.

Mein Nacken kribbelte seit einiger Zeit und ich fühlte mich beobachtet. Als ich mich umdrehte, blickte ich in die aufregendsten grünen Augen eines Mannes, die ich jemals in meinem Leben zu sehen bekam.

Irgendwie kam mir dieser Mann bekannt vor, der eine muskulöse Statur eines Kriegers hatte und dessen Gesicht sehr männlich war.

Eine Narbe zierte seine rechte Wange, was ihm ein verwegenes Aussehen verlieh. Die Härchen auf meinen Armen richteten sich auf, weil sein Blick mir so sehr unter die Haut ging. Mit einem Nicken in meine Richtung ging er auf das Podest zu, wo unser Bürgermeister weiterhin von unseren Plänen für die Feier schwafelte. Sicher, er war der unbekannte Neue!

„Dieser junge Mann hier ist Cian McMagnus von der Eventagentur McMagnus and Sons. Er wird alles Weitere koordinieren und die Aufgaben verteilen.“

Cian schüttelte ihm die Hand. „Danke, Bürgermeister Connell. Ich habe hier eine Liste bekommen, in die sich Freiwillige eingetragen hatten. Ich werde diese Namen gleich vorlesen und dann entsprechend die Aufgaben verteilen. Ich möchte sie bitten, nach vorne zu kommen. Donovan, Kelly; O’Bradain, Quinn; O’Bradain, Lea; Farell, Sophia; ….”

Ich reihte mich hinter meinem Vater ein. Das gab mir ein wenig Zeit, diesen Cian McMagnus genauer zu betrachten. Allerdings entging meinem Vater dieser Blick natürlich nicht.

Er hatte Fühler für so etwas.

Quinn O’Bradain bedachte den jungen Mann mit einem undurchdringlichen Blick und sah mich an. Als wenn er ahnte, was ich denke.

Ich sollte mir bald ein besseres Pokerface zulegen. Als ich an der Reihe war, steckte mir Cian einen Zettel zu meinen Unterlagen dazu und sah mir in die Augen.

Wenn ich doch bloß wüsste, woher ich ihn kenne. Frannie zog mich von ihm weg, weil sie endlich nach Hause wollte, um die Sache mit der Schwangerschaft zu klären.

Der Zettel geriet beinahe in Vergessenheit, doch als ich den Umschlag öffnete, fielen mir weiße Rosenblätter in den Schoß. In fein säuberlicher Handschrift stand auf dem Kärtchen:

Dein Lächeln erinnert mich an eine aufblühende Rose.

C.

Was das wohl zu bedeuten hatte? Der Weg von Gemeindehaus bis zu unserem Hof erschien mir lang wie eine Ewigkeit, doch diese grünen Augen wollten mir einfach nicht aus dem Kopf gehen.

Frannie saß wie ein Häuflein Elend in der Ecke der großen Couch und schluchzte weiter vor sich hin, Jared war sprachlos.

Als Josh das Wort ergriff, lächelte er sein 1000-Watt-Zahnpasta-Lächeln: „Ich glaube nicht, dass ich der Vater bin, du hast schließlich das halbe County in deinem Bett gehabt. Vielleicht solltest du dich ans Fernsehen wenden, die senden auch überregional.“

Die Stille dieses Momentes war greifbar.

Frannie heulte noch lauter und Jared wurde noch blasser. „Nun hör mal, du hirnamputierter Egoist, immerhin besteht eine fünfzigprozentige Chance, dass du der Vater dieses Kindes bist, meinst du nicht, ein Test könnte darüber Gewissheit geben?“

Boah, das hatte gerade noch gefehlt. Meine Wut war kurz vorm Überkochen.

Josh starrte mich giftig an. „Und du frigide Zicke hast anscheinend schon lange keinen richtigen Mann mehr gehabt. Ich lasse mir doch nicht von einer Dorfschlampe mein Leben ruinieren, nur weil ich vielleicht der Vater sein könnte.

Ich werde mich hier nicht länger von euch zum Narren halten lassen, und du solltest dir überlegen, ob du nicht doch mein Angebot annimmst, …Aaargh!“

Mit dem Schrei bugsierte ich ihn durch die Tür. Er vergaß, dass ich eine gute Linke habe und sein Heiligtum sehr schmerzempfindlich ist. Jared hatte sich gefangen und tröstete Frannie. Ich verzog mich für den Augenblick nach draußen, um meine Wut rauszulassen.

Mit meinem Hund Holmes schlug ich den Weg zum Leuchtturm ein, wo ich mir an der Klippe den Kopf freimachen konnte.

Heute war ein echt stressiger Tag gewesen, und ich hoffte, dass sich für Frannie alles zum Guten wenden würde. Es machte mich traurig, zu sehen, wie sehr Frannie unter der bevorstehenden Beichte bei ihren Eltern litt.

Wenn Jared der Vater wäre, würde sich alles zum Guten wenden, wenn nicht, nun, das stand in den Sternen.

Cian hatte sich beinahe wieder unter Kontrolle, als er zum Strand runterlief.

Sein Wolfshund Taliesin leistete ihm wie so oft Gesellschaft. Seit 900 Jahren wartete er darauf, seine Gefährtin zu finden. Hierherzukommen, war im Moment vielleicht genau das, was er brauchte.

Alle paar Jahre bekam er Sehnsucht, diesen Ort zu besuchen. Vor allem aber die alten Klippen und das Versteck, das er damals als Zuflucht aufgesucht hatte, wenn der Wahnsinn wieder von ihm Besitz zu ergreifen drohte.

Nun waren seit jenem Schicksalstag 900 Jahre vergangen, und er hatte das dringende Gefühl gehabt, hier die Lösung aller Probleme zu finden.

War diese Lea die Lösung? Er hatte sich vom ersten Moment an von ihr angezogen gefühlt. Er hatte gespürt, dass SIE dort sein würde, mit deren Seele sich die seine verbinden würde, um den Fluch zu brechen.

Aber er wusste auch, dass sein Gegner in der Nähe sein musste. Aber er konnte ihn nicht ausmachen. Ihr Vater schien auch irgendetwas zu verbergen. Wie er ihn vorhin angestarrt hatte. Ob sie den Brief schon geöffnet hatte?

Er würde das vermaledeite Fest irgendwie hinter sich bringen und hoffentlich die Lösung in den Händen halten.

Der Druide von damals schien wie vom Erdboden verschluckt. Fergus, sein Bruder, hatte Daffyd vor etwa 500 Jahren schon einmal ausfindig gemacht.

Zu dieser Zeit war er selbst in einer Art Wahnsinn gefangen. Er war drauf und dran gewesen, seinen Verstand endgültig zu verlieren, wenn Daffyd nicht gewesen wäre.

Dieser Druide hat ihn mit einem Zauber belegt, der ihn für ein paar Jahre hat schlafen lassen. Die Schuld, die er sich selbst gab, konnte er ihm nicht nehmen, aber erträglicher machen. Seine rastlose Suche hatte ihn erst so weit gebracht, dass er um ein Haar seine Seele aufs Spiel gesetzt hatte.

Nun waren die 900 Jahre fast um, und er würde den Druiden wiedersehen. Er schien ganz in der Nähe zu sein. Das spürte er. Genauso, wie er die Anwesenheit seiner Gefährtin schon seit einer ganzen Weile spürte, nur dass er sie irgendwie nicht zu fassen bekam.

War diese Lea der Schlüssel zu dieser Sache? Sie sah genauso aus wie jemand, den er früher kannte. Konnte das Schicksal so grausam sein?

Er musste unbedingt seinen Bruder anrufen, der sollte ihm helfen können.

Taliesin hatte seinen Football vor Cians Füßen abgelegt. Der nahm ihn auf und warf ihn mit aller Kraft so weit weg, wie er konnte. Auf eine Frau zu. „Vooorsicht!“ Sie drehte sich wie in Zeitlupe um, und ihm stockte der Atem. Dann traf sie der Ball und knockte sie aus.

„Mhairi, komm raus aus deinem Versteck, ich finde dich sowieso, und je länger du wartest, desto schlimmer wird die Strafe ausfallen!“ Sie durfte jetzt keinen Mucks von sich geben.

Derek würde sie sonst tatsächlich finden. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, und sie zitterte vor Angst. Ihr Bündel mit Reiseproviant an sich gedrückt, harrte sie zwischen den Bäumen aus. Sie dachte mit Schrecken an seine zudringlichen Küsse.

Sein besitzergreifendes Wesen jagte ihr eine Heidenangst ein.

Aus dem Augenwinkel sah sie etwas Weißes aufblitzen. Der Hirsch! Er hatte ihr bisher immer aus der Patsche geholfen. Dieses Mal fungierte er als Köder für Derek, der auch sogleich darauf ansprang. Als dieser sich weit genug wegbewegt hatte, drehte sie sich um und spürte nur noch den Aufschlag am Hinterkopf.

„Wachen Sie auf. Hallo?“ Shit, das konnte Cian jetzt am wenigsten gebrauchen. Ausgerechnet sie hatte er erwischt. Sein Innerstes verkrampfte bei dem Gedanken, dass er sie schwer verletzt haben könnte.

Da, endlich! Sie wachte auf. „Sie haben mir einen gehörigen Schrecken eingejagt! Bleiben Sie einen Moment liegen. Ich werde Sie gleich ins Krankenhaus bringen!“ Ihr Schädel fühlte sich furchtbar an, und das doppelte Gesicht konnte sie sich nicht genau ansehen, aber es war ein Mann. Seltsam, eben hatte sie genau das als Mhairi geträumt.

Ob das wohl etwas zu bedeuten hatte? „Wie ist Ihr Name, Mädchen? Wie viele Finger halte ich hoch?“ „Nun, ich sehe nur verschwommen und mein Name ist glaube ich Lea.“ Langsam klärte sich das Bild vor ihren Augen und sie sah in unheimlich grüne Augen die wie zwei Smaragde funkelten.

Sein Gesicht war von einem Drei-Tage-Bart bedeckt. Sein Blick hatte etwas Unheimliches, Anziehendes an sich. In ihr regte sich seit langer Zeit das erste Mal das Verlangen, sich sofort nackt auszuziehen und den Mann hier und jetzt zu verführen.

„Sie haben leider den Football meines Hundes abbekommen und eine Platzwunde an der Stirn.“ Himmel, ihre Augen zogen seinen Blick geradezu magisch an.

Könnte es sein, dass er sie endlich gefunden hatte? Sie blinzelte und übergab sich auf seine Schuhe. Okay, der Tag hätte schlimmer enden können als im Krankenhaus.

Unruhig lief Cian auf und ab. Wie hatte er nur so unachtsam sein können? Mit einem Stöhnen strubbelte er sich durch die Haare und ging zum Fenster hinüber.

Draußen auf dem Parkplatz wurde es ruhiger.

Wenn er die Zeit doch nur ein oder zwei Stunden zurückdrehen könnte! Diese andauernd aufblitzenden Erinnerungen raubten ihm noch den letzten Nerv.

In den letzten Tagen hatte er die Gegend erkundet, er wohnte in einer Pension außerhalb von diesem Dorf. Er sollte eigentlich über den Plänen für das Fest sitzen, aber er musste wissen, ob es Lea gut ging.

Ihre fröhliche Art war ansteckend, das konnte er spüren, als er sie beobachtete. Das war für ihn zu einer Art Sucht geworden. Jedes Mal, wenn er in dem kleinen Büro im Gemeindehaus aus dem Fenster sah, konnte er sie sehen, wie sie Gästen den Kaffee einschenkte oder die Schaufensterauslage neu sortierte.

Es ging ein ganz besonderer Zauber von ihr aus. Ihr blondes Haar leuchtete in der Sonne. Heute trug sie ein Kleid, das ihre Figur gut zur Geltung brachte. Er hatte ein Bild von ihr vor Augen, in dem sie lächelte.

Er sah hinunter auf seine Hände, die eine Zeitschrift zerkneteten. Die feinen silbrigen Linien zeugten noch von Verletzungen, die sehr lange zurück lagen. Damals, in einer anderen Zeit, als er versagt hatte. „Mr. McMagnus, sie ist jetzt aufgewacht. Sie können zu ihr.“

Die Schwester führte ihn den Gang runter zu einem kleinen Zimmer, das typisch nach den widerlichen Desinfektionsmitteln roch.

Die junge Frau, Lea, korrigierte er sich, lag wie eine Puppe auf dem Bett. Ihre leicht gebräunte Haut hob sich stark von der weißen Bettwäsche ab, und ihre Wangen hatten langsam wieder ein bisschen Farbe bekommen.

Toll, sie lag hier im Krankenhauskittel, und der Typ musste sie ausgerechnet so sehen. Ihr erster Blick hatte sie nicht getäuscht, denn er sah tatsächlich so verdammt gut aus. „Es tut mir leid, dass sie den Ball abbekommen haben. Ich werde selbstverständlich für sämtliche Kosten aufkommen. Gibt es jemanden, den sie benachrichtigen müssen?“

Unter seinem Blick schmolz sie dahin. „Ja, äh?“ Wie spricht man noch gleich? „Ja, meinen Eltern, oder Frannie, oh Gott, wo ist Holmes?“

In ihrem Dämmerzustand hatte sie nicht an ihren Hund gedacht.

„Keine Sorge, er ist in meinem Wagen, ich habe erst vor fünf Minuten nachgesehen, es geht ihm gut.“ Merklich erleichtert sank sie in ihr Kissen zurück, als er ihre Eltern benachrichtigt hatte. Cian wurde das Gefühl nicht los, dass das Schicksal ihm dieses Mädchen in den Schoß gespielt hatte.

Sollte es tatsächlich seine Seelenpartnerin sein, dann hatte er sie gefunden. Ihr Haar war von einem auffallend hellen Blond, und ihre Augen von einem so dunklen Braun, dass sie schon fast schwarz wirkten. -Lieber Gott, steh mir bei, ich denke, sie wird mein Untergang sein.- Mit einem Seufzer setzte er sich zu ihr ans Bett und leistete ihr Gesellschaft.

„Wo ist sie, zum Donnerwetter? Ich will zu meiner Tochter!“ Die Stimmen hallten so laut durch den Krankenhausflur, dass ich zusammenzuckte. Meine Mutter hatte es doch tatsächlich geschafft, mal wieder lautstark auf sich aufmerksam zu machen. Mit einem lauten Schimpfen ging die Zimmertür auf, und ich versank förmlich fast vor Scham im Boden. Mom hatte nur sehr wenig an. Heute hatte sie wohl den Kurs für die Aktmaler gegeben.

Tja, mir blieb aber manchmal auch nichts erspart!

Der Süßeste Typ weit und breit verpasste mir eine Gehirnerschütterung und Mom kam halb nackt und wie eine Furie Mordio und Zeter schreiend ins Zimmer gerannt. Ich würde den Typen wohl nie wieder sehen.

„Mein Engel, wie geht es dir? Brauchst du mehr Kissen, oder soll ich deins aufschütteln? Wir nehmen dich sofort mit nach Hause, ohne Proteste, dort pflege ich dich gesund!“

Mein Gesicht brannte immer schlimmer, ich musste doch schon aussehen wie Mister Krabbs aus Spongebob. Gut gemacht, Mom.

„Ma’am, ich wollte ihnen sagen, dass es mir leidtut.“

Das Mädchen schien sich furchtbar zu schämen für den Auftritt ihrer Mutter.

„Ich werde selbstverständlich für die Behandlungskosten aufkommen. Der Arzt würde sie gerne noch zur Beobachtung hierbehalten.“

„Mit Ihnen habe ich ein Hühnchen zu rupfen. Wie können Sie es wagen, meine Tochter anzugreifen? Ein wehrloses Geschöpf!“

Sybilla pikste Cian mit ihrem Zeigefinger in die Brust.

„Haben Sie keine Augen im Kopf?“ „Moooom, ist gut!“ Langsam wurde es Lea zu bunt. Jetzt keifte ihre Mutter ihn auch noch an. „Wenn du nicht aufhörst, so laut zu schreien, werde ich die nächsten Wochen Oma beherbergen, nur damit ich meine Ruhe vor dir habe!“ Damit konnte man ihr drohen.

Ihre Mutter und Granny konnten sich nämlich absolut nicht riechen. „Außerdem hat er mich nicht angegriffen, sondern mir versehentlich einen Football an den Kopf geworfen. Das kann ja wohl mal passieren.“

Sybilla schien sich langsam zu beruhigen. Ihr Dad war da ja eine große Hilfe.

Er stand seelenruhig in der Ecke und beobachtete das Geschehen, während ihre Mutter so einen Aufstand machte.

„Sibylla, wir sollten wohl fahren. Unsere Tochter ist hier gut aufgehoben.“

Mit einem Augenzwinkern drehte er sich zur Tür um und verließ das Zimmer. Sybilla, unschlüssig was sie nun tun sollte, sah Lea bittend an.

Nun, so sehr sie auch das leichte Leben genießt, wenn jemand ihren Liebsten etwas tut oder tun will, konnte sie echt zur Glucke werden. „Wenn was ist, ruf mich an, mein Spatz.“

Dann drehte sie sich zur Tür um und verschwand, aber nicht, ohne Cian noch einen gefährlichen Blick zuzuwerfen. Mit einem Lächeln in den Augen sah er Lea an.

„Lea, wenn ich irgendwas für Sie tun kann, dann zögern sie nicht, es mir zu sagen. Ich werde sie dann jetzt mal allein lassen, damit Sie sich ausruhen können, und dann werde ich morgen früh wiederkommen und nach ihnen sehen.“

Unentschlossen, ob er ihr Gesicht berühren sollte, ballte er die Hände zu Fäusten. Ihr Blick drang ihm bis in die tiefsten Tiefen seiner Seele. „Ja, vielen Dank. Bis Morgen.“

Ob seine Lippen so gut schmecken würden, wie sie aussahen? Hoffentlich würde sie das bald herausfinden.

3

Er hatte das Mädchen eigentlich nicht bewusstlos schlagen wollen. Aber unter den gegebenen Umständen konnte er sich nicht von diesem Wahnsinnigen entdecken lassen. Der Hirsch hatte ihm erstaunlicherweise in die Hände gespielt.

Er hatte bisher zu viel auf sich genommen, um dieses Mädchen zu finden, um jetzt noch irgendein Risiko einzugehen. Der Druide seines Dorfes hatte ihm vorausgesagt, dass er dieses Mädchen finden müsse, um seine Seele zu vervollständigen, sonst müsste er die nächsten neunhundert Jahre auf eine neue Gelegenheit warten.

Er war ein ruheloser Mann auf der Suche nach Erlösung seiner Seele. Eine so lange Zeit würde er nicht durchhalten. Er war ein Unsterblicher, der nur dann Erlösung finden würde, wenn er die zweite Hälfte seiner Seele finden würde. Hier hatte er sie endlich.

Mit dem Mädchen in seinen Armen suchte er die Höhle, die er entdeckt hatte, um sie zu versorgen.

Der Traum war nicht annähernd so schlimm gewesen, wie die vorangegangenen. Vor allem, weil dieser gut aussehende Typ von einem Mann darin vorkam.

Gerne hätte ich noch ein bisschen weitergeträumt, aber da kam auch schon die Oberschwester rein und brachte mit einem lauten „Guten Morgen“, das einem Marktschreier alle Ehre gemacht hätte, das Frühstück. Die Augen angesichts dieses ohrenbetäubenden Lärms zuzukneifen, hätte nichts gebracht.

Auf meinem Nachtschrank stand ein wunderschöner Blumenstrauß, mit einer Karte daran. Bei dem Anblick dieser Blumen wurde mir warm ums Herz. Ob er wohl in der Nähe war?

Die Oberschwester reichte mir mit einem Augenzwinkern die Karte und ging pfeifend ihres Weges. „Mit den besten Genesungswünschen. Denke noch einmal über mein Angebot nach, ich bekomme so oder so, was ich will.“

Nachdem ich mein Frühstück schneller über der Toilettenschüssel losgeworden war, als ich daran gegessen hatte, nahm ich mir vor, Josh bei der nächsten Gelegenheit irgendwie eins reinzudrücken. Das würde ich mir nicht gefallen lassen. Ich ging zurück in mein Zimmer und Cian hielt mir die Karte unter die Nase und machte ein recht sparsames Gesicht.

„Was hat das hier zu heißen?“

Oh, mein Gott, Platzhirschalarm. „Ich wüsste nicht, was Sie das angeht. Diese Angelegenheit werde ich alleine klären.“

Grad noch die Kurve gekriegt. Am liebsten hätte ich ihm davon erzählt, aber ich steh nicht so auf Eifersuchtsnummern. Er kannte mich nicht einmal und wurde wütend über eine dämliche Drohkarte? Entweder schien er mich zu mögen, oder ( Gott bewahre ) war einer von diesen Stalkertypen.

Cian sah mich mit einem unergründlichen Gesichtsausdruck an. „Ich denke, es hört sich nach einer Drohung an, und Sie könnten vielleicht Hilfe brauchen.“ Lea straffte die Schultern

„Ich werde ihnen nicht sagen, was das zu heißen hat. Diese Angelegenheit wird sich spätestens in wenigen Wochen geklärt haben, und dann wird Ruhe einkehren. Hoffe ich.“ Sein Blick wirkte skeptisch, aber er schien sich damit zufriedenzugeben, zumindest vorerst.

„Gut, kommen Sie, der Arzt hat ihre Entlassungspapiere unterschrieben. Ich werde Sie nach Hause bringen.“