Mondlicht und Nachtschatten - Vanessa A. Thompson - E-Book

Mondlicht und Nachtschatten E-Book

Vanessa A. Thompson

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Beschreibung

Lyra ist Prinzessin des Königreichs Azzrath. Als sich eines Tages eine Pest ausbreitet, ist das ganze Königreich in heller Aufruhr und ihr Vater, König Dragomur, will zu drastischen Maßnahmen greifen. Tyze, Lyras persönliche Leibwache und heimlicher Schwarm, will sie um jeden Preis von den Geschehnissen im Königreich fernhalten. Doch was haben die Vorkommnisse mit der Prophezeihung Lunas zu tun? Und welche Rolle spielen die Nachtschatten? Im Wettlauf gegen die Zeit will Lyra versuchen, das Königreich zu retten, auch wenn sie sich dafür gegen den Rat von Tyze stellen muss...

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Seitenzahl: 51

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Mondlicht und Nachtschatten

Kurzgeschichte

Vanessa A. Thompson

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Impressum

Die Autorin

Kapitel 1

Stille kann eine Wohltat sein.

Sie kann deine Seele beruhigen, deinen Körper entlasten, das Chaos in deinem Kopf beenden. Du kannst dich nachts in einen wohligen Schlaf suhlen und das lautlose Nichts in den Ohren genießen. Stille macht aufmerksam, neugierig und wachsam.

Aber sie kann auch eine Gefahr sein.

Sie kann dich auf eine Bedrohung hinweisen, die Angst hervorlocken, die dein Herz zum Rasen bringt. Die Stille in der Nacht kann dich wachhalten, weil sie dich erdrückt und das Gegenteil von Wohlempfinden bewirkt.

In dieser Nacht kann ich mich nicht entscheiden, welche Wirkung die Stille auf mich hat. Schon einige Zeit starre ich aus dem Fenster direkt in die Mitte des Mondes, der am dunklen Nachthimmel erstrahlt und dem Königreich Azzrath Licht in der sonst eisigen Finsternis bietet. Der Mond und ich – wir brauchen die Stille. Wir brauchen sie, um zu kommunizieren.

Denn das Mondlicht, das durch das Fenster in mein Zimmer scheint und meinen Körper wie ein Schlossgespenst in ein gefährliches Weiß taucht, hat eine Botschaft. Und ich bin diejenige, die sie erhören soll. Denn das Mondlicht, es spricht zu mir. Dessen bin ich mir sicher.

Ich zucke zusammen, als ein Schrei in den Fluren unseres Schlosses widerhallt. Sofort wende ich mich der dunklen Holztür zu, die mich vom Geschehen auf den Fluren abschirmt. Doch die lauten Rufe dringen dumpf in mein Zimmer ein und ich spitze die Ohren. Die Neugier in mir bewegt mich geradewegs zur Tür, der Quelle des Geschreis entgegen. Mein Vater, König Dragomur, sieht meine Neugier als eine Sünde an. »Deine Neugier ist ein Schandfleck im Fächer deines Charakters, Lyra!«, pflegt er mir zu sagen. »Du hast viel zu viele Eigenschaften von deiner Oma Leandra.« Er vergleicht uns Töchter oft mit seinen Vorfahren und deren meiner Mutter, doch er erzählt nicht viel von ihnen. Das Einzige, das ich in den letzten 21 Jahren herausgefunden habe, ist, dass Oma Leandra die Mutter meiner Mutter ist und in einem entfernten Königreich lebt. Trotz der Heirat meiner Eltern sind sich diese Königreiche nie nähergekommen, weshalb meine Schwestern und ich fast keine unserer Verwandten kennen. Meine Mutter hat immer versucht, die Königreiche zu vereinen, aber seit ihrem Tod vor drei Jahren hat sich ein Schatten auf unser Schloss gelegt. Man konnte förmlich sehen, wie dem Königreich der Frohsinn genommen wurde. Seitdem leben wir nur noch in den Tag hinein, das Familienglück hatte nach ihrem Tod ein jähes Ende genommen. Meine Schwestern Rosella und Melynda – Zwillinge – haben mich schon immer wie das fünfte Rad am Wagen behandelt, aber seit drei Jahren habe ich das Gefühl auch bei meinem Vater. Der einzige Mensch, bei dem ich mich noch zuhause fühle, ist Tyze, der just in dem Moment, als ich die Holztür öffne, mein Schlafzimmer erreicht.

»Tyze! Was ist geschehen?«, frage ich besorgt und ziehe meine Strickjacke fester um mich.

»Seid unbesorgt, Prinzessin«, antwortet er, wie immer förmlich. Ich mag es nicht, wenn er mich wie seinen Beruf behandelt. Tyze ist seit Beendigung seiner Ausbildung meine persönliche Leibwache. Aber in den letzten Jahren ist er so viel mehr für mich geworden als einfach nur der Wächter, der für meinen Schutz zuständig ist. Ich fühle mich wohl in seiner Nähe, er gibt mir das Gefühl, nicht alleine zu sein. Er hält das bisschen Familiengefühl, das ich noch in mir trage, aufrecht und bringt mich selbst in den dunkelsten Stunden zum Lachen.

»Sie müssen nichts befürchten. Ein kleiner Zwischenfall, aber ich muss der Wache zur Hilfe eilen. Kann ich Sie für einen Augenblick alleine lassen, Prinzessin?« Ich sehe den Flur hinab, als ein Wächter zu den Gemächern meines Vaters eilt. Es scheint mir doch schlimmer zu sein, als Tyze es mir zu sagen vermag. Als ich meinen Vater wilde Befehle rufen höre, will ich mich sofort auf den Weg zu ihm machen, aber Tyze packt mich bei den Schultern und drückt mich zurück in mein Zimmer.

»Nicht, Prinzessin«, befiehlt er sanft, aber ich entziehe mich seinem Griff.

»Nein, lass mich sofort zu meinem Vater!« Ich furche die Stirn und will an ihm vorbei, aber er hält mich weiterhin zurück.

»Als Ihr Leibwächter muss ich Sie davon abhalten, Prinzessin. Bitte bleiben Sie auf Ihrem Zimmer. Sie haben nichts zu befürchten. Ich gehe und sehe nach.« Tyze bückt sich leicht zu mir herunter und sucht meinen Blick. Seine dunklen Haare fallen ihm locker leicht in die Stirn und seine braunen Augen wirken im Schein des Mondlichts beinahe schwarz. »Kann ich mich auf Sie verlassen, Prinzessin?« In der Stille kann ich mein Herz umso deutlicher hören, wie es zunehmend schneller schlägt. Tyze' Hände liegen noch immer fest um meine Arme, sein Kopf leicht zu mir geneigt. Schon viel zu lange bringt mich seine Nähe immer wieder aus dem Konzept. Mein Atem beschleunigt sich und meine Hände zittern. Die Luft zwischen uns wird dünn und die Spannung ist beinahe greifbar. Auch in diesem Moment verliere ich mich wieder in seinem Blick. Es wäre ein Leichtestes, meine Arme um ihn zu werfen und ihn zu küssen. Alles in mir trachtet danach, aber die Vorschriften verbieten es mir.

»Prinzessin?«, flüstert Tyze, als ich ihm nicht antworte.

Ich schlucke meine aufkeimende Nervosität hinunter.

»Du weißt, dass du mich nicht so nennen sollst«, flüstere ich atemlos zurück, ohne den Blick von ihm zu lassen. Tyze ist es sofort anzusehen, wann er den geschützten Bereich seines Wächterdaseins verlässt und sein wahres Ich hervortritt. Jedes Mal bleibt mir für einen Moment die Luft weg, wenn ich denke, dass es endlich so weit ist und auch er seinen wahren Gefühlen freien Lauf lässt. Bei der Art, wie er mich ansieht, mit so viel Liebe und Zuneigung, macht mein Herz einen aufgeregten Satz und ich bin immer kurz davor, die Vorschriften zu umgehen.