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Castor da Silva war schon immer ein Einzelgänger. Nur ein einziges Mal waren er und sein Puma einem Gefährten ganz nah. Doch Castor scheut vor der Bindung zurück und verschwindet. Jahre später findet er sich in einer Situation wieder, in der er – ohne Hilfe – dem Tod geweiht ist. Catyn, der Wildkatzen-Wolf-Hybride und sein Gefährte, der Vampir Nikolajew, sind immer noch auf der Suche nach Erklärungen für Catyns einzigartige Fähigkeiten. Und weil er diese noch nicht im Griff hat, macht sich stattdessen Nikolajews Freund Steven in Begleitung von zwei Wolfswandlern auf den Weg nach Georgien, um nach dem Wildkatzenclan von Catyns Mutter zu suchen. Statt diesen zu finden, fallen sie einem Wolfsrudel in die Hände, dessen Alpha mit dubiosen Wandlerkämpfen Geschäfte macht. Und hier treffen sie auf jemanden, mit dem Steven nicht gerechnet hat. Band 2 der Moonlight Dilogie
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Seitenzahl: 833
Veröffentlichungsjahr: 2026
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K.R. Cat
Moonlight II
© dead soft verlag, Mettingen 2026
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Für Fragen zur Produktsicherheit:
Querenbergstr. 26, D 49497 Mettingen
© the author
Cover: Irene Repp
http://daylinart.webnode.com
Bildrechte:
© ataya – stock.adobe.com
© torook – stock.adobe.com
1. Auflage
ISBN 978-3-96089-841-2
ISBN 978-3-9689-842-9 (ebook)
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Castor da Silva war schon immer ein Einzelgänger. Nur ein einziges Mal waren er und sein Puma einem Gefährten ganz nah. Doch Castor scheut vor der Bindung zurück und verschwindet.
Jahre später findet er sich in einer Situation wieder, in der er – ohne Hilfe – dem Tod geweiht ist.
Catyn, der Wildkatzen-Wolf-Hybride und sein Gefährte, der Vampir Nikolajew, sind immmer noch auf der Suche nach Erklärungen für Catyns einzigartige Fähigkeiten. Und weil er diese noch nicht im Griff hat, macht sich stattdessen Nikolajews Freund Steven in Begleitung von zwei Wolfswandlern auf den Weg nach Georgien, um nach dem Wildkatzenclan von Catyns Mutter zu suchen.
Statt diesen zu finden, fallen sie einem Wolfsrudel in die Hände, dessen Alpha mit dubiosen Wandlerkämpfen Geschäfte macht. Und hier treffen sie auf jemanden, mit dem Steven nicht gerechnet hat.
Was lange währt … ja, die Moonlight II Jungs haben sich ziemlich Zeit gelassen, und am Ende hatten sie einziges zu erzählen.
Als kleine Vorwarnung ^^ diese Geschichte hat sehr viele Charaktere, daher sehr viele Perspektiven. Nicht für jeden Leser/ jede Leserin wird dieser Schreibstil etwas sein, doch er gehört zu mir und den Jungs.
Wenn ihr euch darauf einlassen könnt, wünsche ich euch sehr viel Spaß mit Steven und Co.
Eine kleine Info vornweg, während es am Ende dann auch noch ein paar kurze Infos gibt. Die aktuelle Währung in Georgien ist der Lari, der auch in der Story teilweise verwendet wird.
Und nun viel Spaß beim Lesen.
K.R. Cat =^.^=
VERGANGENHEIT
Kühles Mondlicht fiel durch die geöffnete Balkontür der kleinen Etagenwohnung. Umschmeichelte, begleitet von einer sanften Brise, die beiden Körper, die sich in hellen Laken auf dem großzügigen Bett aneinanderschmiegten. Mit einem lautlosen Seufzen genoss Steven Peréz die kosenden Lippen, die sich heiß über seine kühle Haut bewegten und von Neuem die Lust hervorlocken wollten, die er und sein Liebhaber im Verlauf der Nacht schon miteinander geteilt hatten. Träge öffnete er die Augen, doch es blieb dunkel. Noch immer verwehrte ihm ein weiches Seidentuch die Sicht auf seinen stürmischen Nachtgefährten. Dabei brauchte er den anderen Mann gar nicht zu sehen. Allein schon dessen Präsenz, die den ganzen Raum einnahm, sorgte dafür, dass er die vergangenen Wochen nie vergessen würde. Diese und die Dummheit, die er selbst begangen hatte. Die Lippen wanderten verführerisch Stevens Nacken entlang, wechselten sich mit der agilen Zunge und scharfen Zähnen in einem lockenden Zauber ab, dem er sich nicht entwinden konnte. Wie oft hatten sie allein in den letzten Nächten miteinander geschlafen? Er hatte aufgehört zu zählen. Der scharfe Geruch nach Sex und Raubtier lag in der Luft, wurde von Sekunde zu Sekunde immer intensiver. Ein lustvolles Stöhnen löste sich von Stevens Lippen und nur zu willig folgte er der Forderung kräftiger Hände, die seine Hüften nach oben dirigierten, ihn seinem Spielgefährten entgegenzogen.
„Ich habe noch lange nicht genug von dir“, murmelte die tiefe Stimme hinter Steven, jagte ihm einen weiteren lustvollen Schauer über den Rücken. Selten war ihm in den Jahrhunderten seiner Existenz Ähnliches widerfahren. Und das letzte Mal lag verdammt lange zurück. Dass nun ausgerechnet ein Wandler, einer von jenen, die seiner Art von jeher ein Dorn im Auge waren, dieses fast vergessene Feuer wieder in ihm wachrufen würde, hätte er nie zu träumen gewagt. Doch jetzt, hier in diesen sinnlichen Stunden, die er erlebte, konnte Steven den Hass nicht mehr nachvollziehen, den ihre beiden Arten gegeneinander hegten.
„Dann lass mich nicht noch länger warten“, lud er seinen Gefährten ein, schnurrte verführerisch, als sich die starken Finger in seinen Hüften vergruben. Für einen Augenblick ließ ihn der Wandler seine Krallen spüren, lachte dunkel, als Steven nach Luft schnappte. In den vergangenen vier Wochen hatte er einiges Neues über sich und seinen Körper erfahren. Noch immer verblüffte ihn die Tatsache, wie leicht es dem Wandler fiel, ihn in einer Mischung von wildem Sex und wohldosierten Schmerzen in ein zitterndes Bündel aus reiner Lust und Hingabe zu verwandeln. Und wahrlich, Steven war der Letzte, der der submissiven Rolle im Bett bisher hatte etwas abgewinnen können. Doch auch jetzt reagierte sein Körper geradezu sehnsüchtig auf die feinen Reize der scharfen Krallen, die langsam über seine Schenkel wanderten, während die Augenbinde ihn dazu zwang sich gänzlich aufs Fühlen zu konzentrieren, anstatt seinem Liebhaber und dessen Aktionen mit den Augen zu folgen. Eine äußerst interessante und stimulierende Erfahrung.
„Es ist wirklich faszinierend, wie dein Körper im Mondlicht zu schimmern beginnt, wenn du vor Lust bebst“, wisperte die dunkle Stimme dicht über seiner Schulter.
Ehe Steven eine Erwiderung einfiel, keuchte er genüsslich unter der geschickten Zunge, die sich seinen Rücken hinab schlängelte. Dieses Spiel von Verführung beherrschte sein Liebhaber perfekt. Abermals spürte Steven, wie sein Körper regelrecht zu vibrieren begann, sich jeder noch so flüchtigen Berührung entgegendrängte und die größtmögliche Verbindung zu dem Wandler suchte. Ein rauer Aufschrei entwich seinen Lippen, als sich die warme, weiche Zunge an seiner geheimsten Stelle zu schaffen machte, ihn immer wieder spielerisch eroberte, nur um sich ebenso schnell wieder zurückzuziehen und ihm damit ein sehnsüchtiges Wimmern zu entlocken.
„Ja, sing für mich“, schnurrte der Wandler rau und Steven tat ihm den Gefallen.
Minutenlang verwöhnte sein Gefährte ihn, machte aus ihm eine zitternde Ansammlung aus Lustpunkten, die unaufhörlich nur um ein Ziel kreisten. Und endlich gab sich der Wandler gnädig. Steven spürte kühles Gel und kurz darauf das heiße Glied, das ihn im gemächlichen Tempo Stück für Stück eroberte. Was hätte er darum gegeben in diesem Augenblick auf dem Rücken zu liegen, in die bernsteingoldenen Augen seines Liebhabers blicken zu können. Sie waren es gewesen, die ihn vor knapp über einem Monat auf den dunkelblonden Hünen aufmerksam gemacht hatten. Gut eine Woche hatte er ständig die Blicke auf sich gespürt, war ihnen ausgewichen, bis der Wandler ihn doch gestellt hatte. Castor, so hatte er sich vorgestellt, mehr wusste Steven auch bis heute nicht von ihm und das war gut so. Sie beide spielten mit einem verbotenen und riskanten Verlangen und konnten doch nicht die Finger voneinander lassen.
Etwas an Castor zog ihn immer mehr an, ließ ihn alle Vorsicht außer Acht lassen, mit der sein kühl analysierender Verstand ihn sonst immer aus allen Gefahren heraushielt. Und inzwischen hatte er einen Verdacht, den er vehement von sich schob. Das konnte nicht sein! Nicht mit einem Wandler! Doch selbst nach all den Jahrhunderten waren ihm die verschlungenen Wege einer Gefährtenbindung noch immer bekannt. In den weit über tausend Jahren, die seine Existenz nun schon währte, war er kaum eine Handvoll Bindungen eingegangen, hatte für wenige Jahre die Wärme eines Gefährten an seiner Seite genossen, ehe der Lauf der Zeit sie wieder getrennt hatte. Damit hatte er leben können, doch seit dem tragischen Verlust seines letzten Gefährten, in den dunklen Zeiten des 14. Jahrhunderts, war er jeder weiteren möglichen Bindung aus dem Weg gegangen.
Das, was damals passiert war, sollte sich auf keinen Fall wiederholen. Eine kurze Affäre hier, ein unverbindliches Lustspiel da, alles andere hatte Steven weit von sich geschoben, hatte sein Herz und seine Seele fest verschlossen, sich inzwischen beinahe immun gegen den Ruf des Schicksals gemacht. Jedoch hatte noch nie ein Wandler diesen tiefen Wunsch nach einer Bindung in ihm entfacht. Und obwohl sich Steven der Gefahr bewusst war, ließ er sich mit jedem Treffen mehr auf das sinnlich-gefährliche Spiel ein, zu dem Castor ihn verführte. Bisher hatte er dem Sehnen in sich widerstehen können. Sagte sich immer wieder, dass diese Treffen nur eine Frage der Zeit waren. Er konnte keine Bindung mit einem Wandler eingehen! Durfte es nicht! Zumal er ohnehin keine Erwiderung seiner Empfindungen bei seinem Liebhaber spürte. Dem Wandler ging es nur um seinen Körper, die Lust, die sie miteinander teilten und vielleicht auch um den Reiz der Gefahr. Doch sooft sich Steven dies immer wieder vor Augen hielt, so sehr vermeinte seine Seele, zumindest von der wilden Seite des Wandlers etwas zu empfangen. So gab er sich, trotz seines fehlenden Wissens um deren Art, ganz dem unterschwelligen Werben dieser Seite hin. Mit aller Kraft hielt sein Verstand dagegen. Er konnte sich nicht drauf einlassen, konnte keinen Wandler als seinen …
Mit einem Stöhnen stemmte sich Steven auf die Arme, drängte sich jedem Stoß seines Liebhabers entgegen und verbannte alle Gedanken, die sich nicht auf sein rein körperliches Verlangen beschränkten.
Für die nächsten Minuten war es verdammt noch mal egal, dass der Mann hinter ihm ein Wandler war, dass sein Verstand und seine Seele unterschiedliche Dinge wollten! Sobald sie sich vereinigten, zählte nur noch eins – das Verlangen ihrer Körper füreinander. Unruhig glitten scharfe Krallen immer wieder über seinen Rücken, ritzten spielerisch ganz sacht Stevens Haut auf. Sanft kostete die fremde Zunge sein Blut, ehe seine Selbstheilungskräfte die Wunden binnen von Sekunden wieder verschlossen. Instinktiv beugte Steven den Nacken, bot sich an. Nie im Leben hätte er erwartet, dass ihm dieses devote Verhalten eine derartige Befriedigung schenken würde, wie er sie in den letzten Wochen erlebt hatte.
„Du bist wirklich großartig“, wisperte Castor nah an seinem Ohr. Steven wandte den Kopf und wurde mit einem fahrigen Kuss belohnt.
„Bereit?“
Steven nickte und seufzte kurz darauf ergeben, als sich scharfe Zähne in seiner linken Schulter vergruben. Nicht tief, nicht gefährlich, nur markierend, zeichnend. Geschickt verführte Castor einmal mehr auch ebenso seinen Körper, variierte minimal seinen Winkel und katapultierte ihn damit in andere Sphären.
„Beiß mich.“
Der Forderung hätte sich Steven in allen Zeitaltern dieser Welt nicht entwinden können, sämtlicher Vernunft zum Trotz. Blind löste er seine Hand aus dem zerknitterten Laken, tastete nach der inzwischen vertrauten Hand, die ruhig nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht schwebte.
„Beeil dich“, raunte es hinter ihm atemlos. Stevens Finger stießen auf warme Haut, streiften den kräftigen Arm entlang, nach unten bis zur Hand. Für einen Augenblick verflochten sich ihre Finger, dann zog er das Handgelenk an seine Lippen, liebkoste die feuchte Haut und kostete das Salz, das den anderen Körper inzwischen in einem feinen Schweißfilm überzog. Dann biss er zu. Gierig sogen Stevens Lippen das süße Blut aus der lebensspendenden Ader, während er gleichzeitig spürte, wie sich versengende Hitze in ihm verströmte. Genüsslich lauschte er dem rauen Aufschrei seines Gefährten. Sein Bewusstsein war in der Lage alle Reize aufzunehmen, sie zu genießen, ohne dass Steven von seinem eigenen Höhepunkt auch nur einen Wimpernschlag verpasste. Der folgende Biss in seine Schulter wurde für einen Augenblick schmerzhaft, erinnerte ihn daran, dass sein Liebhaber nur über begrenzte Blutreserven verfügte. Mit einem bedauernden Seufzen gab Steven sein Handgelenk wieder frei. Sofort lösten sich auch die scharfen Zähne aus seiner Haut und anschmiegsam kümmerten sich weiche Lippen und eine neckische Zunge um die Wunde, ehe Steven auf sinnliche Weise ermattet zurück auf das Laken sank. Nur selten hatte er sich nach dem Sex so erschöpft gefühlt, wie er es gerade tat, während sein ganzer Körper gleichzeitig vor Energie vibrierte. Sinnend spürte er dem fremden Blut nach, das sich einen Weg durch seinen Leib bahnte, ihn vereinnahmte. Mit einem tiefen Schnurren schmiegte sich der Wandler an seinen Rücken, verwöhnte seinen Nacken und ebenso seine Schulter noch immer mit spielerischen Küssen und leichten Bissen. Und nicht zum ersten Mal dachte Steven an eine große Katze. Die Liebkosungen, die ihn nach ihrem Sex immer wieder langsam herunterholten, hüllten ihn in einen Kokon aus Wärme und Behaglichkeit ein, die ihm in seinem Leben schon seit Jahrhunderten fremd geworden waren. Noch immer verwehrte ihm das Seidentuch die Sicht auf seinen Spielgefährten, doch es störte ihn nicht. Es war ein exquisiter Schmerz, als sich Castor aus ihm zurückzog. Sogleich rollte sich Steven auf den Rücken, räkelte sich lasziv auf dem Laken. Ein leises Lachen kommentierte seine Bewegungen und kurz darauf eroberten drängende Lippen seinen Mund.
„Verführ mich nicht, sonst bist du noch einmal fällig.“
„Ich hätte nichts dagegen“, schnurrte Steven, worauf dem Wandler ein leises Knurren entwich.
„So etwas Unersättliches.“
Nur widerwillig ließ Steven es zu, dass sich Castor von ihm trennte. Das Schwanken der Matratze verriet ihm, dass der Wandler aufgestanden war. Träge lauschte Steven den weichen Schritten und dem anschließenden Rascheln von Kleidung, die über warme, feste Haut gestreift wurde. Dann der Stille, die sich unbarmherzig in dem kleinen Schlafzimmer ausbreitete. Geduldig wartete Steven. Er wusste, spürte, dass sich Castor noch im Raum befand. Ein leises Seufzen entwich Steven, als ein Finger sanft über seinen Mund strich und erwartungsvoll fühlte er der Berührung nach. Die raue Haut schuf einen prickelnden Kontrast zu der Zartheit seiner Lippen. Ein zweiter Finger gesellte sich dazu, spiegelte die Bewegungen seines Gegenübers. Zusammen wanderten sie jeweils Stevens Wangenknochen hinauf, an der seidigen Grenze seiner Augenbinde entlang. Steven folgte der lockenden Aufforderung hungriger Lippen, hob den Kopf vom Kissen, während er den Kuss hingebungsvoll erwiderte und geschickt lösten die Finger das Seidentuch. Lächelnd begegnete Steven den bernsteingoldenen Tiefen.
„Ich könnte süchtig nach dir werden“, flüsterte er, worauf sein Spielgefährte selbstzufrieden vor sich hin grinste.
„Wann zeigst du mir endlich, was du bist?“, fragte Steven leise und legte dabei seine Hand auf die starke Brust vor sich, die nun unter dem Stoff eines einfachen T-Shirts verborgen war. Deutlich konnte er darunter den Herzschlag spüren, kräftig, lebendig.
Doch Castor lächelte nur, beugte sich erneut zu ihm und fing seine Lippen zu einem weiteren Kuss ein. Seine Hand wanderte auf verspielte Weise über Stevens Körper, stimulierte und reizte ihn, bis Steven abermals in dieser Nacht vor Lust zitterte. Er wusste, dass Castor ihn nur von seiner Frage ablenken wollte, nicht zum ersten Mal. Dennoch ließ Steven es abermals zu, folgte dem Verlangen seines Körpers statt dem seines Verstandes.
„Vielleicht beim nächsten Mal, Moonshine“, raunte Castor, setzte geschickt seine Finger und Nägel ein und ließ Steven mit wohldosierten Streicheleinheiten seines Gliedes erneut kommen. Angenehm erschöpft schmiegte sich dieser anschließend in die Laken, genoss den Wattezustand nach seinem Höhepunkt.
„Du bist wunderschön“, raunte Castor, wobei er einige von Stevens hellgrauen, fast silbern schimmernden Haarsträhnen aus seiner Stirn strich. Von draußen erklangen die Glocken einer nahestehenden Kirche. Fünf Uhr morgens.
„Es wird Zeit.“
Unerwartet wehmütig nickte Steven auf die Worte hin. Wie schnell die Zeit jedes Mal zwischen ihnen verrann. Wie gern hätte er den Wandler noch länger an seiner Seite gewusst. Doch es lag weder in dessen noch in seiner Natur. Ihre Leben waren zu verschieden. Und so zwang sich Steven abermals dazu, ruhig liegen zu bleiben, auf den unvermeidlich letzten Kuss dieses Treffens zu warten. Immer wieder eroberte Castor seine Lippen, als könnte er sich nicht von ihnen lösen. Doch dann hauchte er Steven einen letzten Kuss auf die Stirn. Sekundenlang sahen sie sich in die Augen, dann raunte der Wandler: „Wir sehen uns bald wieder, Moonshine“, und zog sich endgültig von ihm zurück.
Es war nicht das erste Mal, dass Steven den Schmerz ihres Abschiedes verspürte, doch dieser hier war intensiver als alle zuvor. Er wollte etwas sagen, hielt die Worte aber im letzten Augenblick zurück, verwirrt über sich selbst. Seit wann neigte er zum Klammern? Sie würden sich doch spätestens in ein, zwei Nächten wiedersehen. Sobald sich die Tür hinter Castor geschlossen hatte, erhob sich Steven vom Bett, hüllte sich in einen dunkelroten seidenen Morgenmantel und trat hinaus auf den kleinen schmalen Balkon. Am Himmel zeigten sich die ersten Ausläufer des anbrechenden Tages. Sinnierend ließ er seinen Blick in dem Farbspiel der Natur verweilen. Er wusste aus den vergangenen Wochen, dass er Castor nicht noch einmal zu Gesicht bekommen würde. Der Wandler bevorzugte Schleichwege. Zu ihm hin und von ihm weg.
„Moonshine“, wisperte er vor sich hin. Gott, wie kitschig das klang. Dennoch huschte für einen kurzen Moment ein Lächeln über Stevens Lippen, während er dem Klang des verrückten Kosenamens lauschte. Sein Blick streifte über die Berge weit am Horizont und eine ungewohnte Wehmut schlich sich in sein Gemüt, eine unangenehme Ahnung. Ihr Abschied heute war seltsam intensiv gewesen. Bisher hatte er sich selten mit Wandlern auseinandergesetzt, mit ihrer Lebensweise, ihren Besonderheiten. Sie waren seit jeher Gegner gewesen.
Doch nun … Mit einem tiefen Seufzen wandte Steven den Blick vom beginnenden Leben der kleinen Stadt ab, in die es ihn vor fast drei Monaten verschlagen hatte. Ein kleines verschlafenes Nest irgendwo in Colorado, mit kaum 3000 Einwohnern, aber einer atemberaubenden Landschaft drum herum.
In den letzten Jahrzehnten, die er selten länger an einem Ort auf der Welt verweilt hatte, und er war so gut wie in jedem Winkel gewesen, hatte er den Wert von Rückzugsorten zu schätzen gelernt. Orte, an denen er zu sich selbst finden und sich über seine nächsten Schritte Gedanken machen konnte, ohne dass ihm irgendjemand reinredete. Dieser idyllische Ort und die kleine gemütliche Pension, in die er sich eingemietet hatte, waren dafür geradezu ideal … bis Castor seinen Weg gekreuzt hatte.
Unwillkürlich wanderten Stevens Gedanken zu Nikolajew. Der jüngere Vampir mochte es nicht sonderlich, wenn er sich eine Auszeit nahm und während dieser nicht zu erreichen war. Obwohl Nikolajew inzwischen selbst die Freiheit nutzte, losgelöst von der Erschafferbindung zu ihm, seinen eigenen Weg zu gehen, genossen sie beide selbst nach über 500 Jahren noch die Gesellschaft des jeweils anderen. Dieser Schritt von Steven, Nikolajew von den Fesseln seiner Wandlung loszusagen, hatte die Freundschaft zwischen ihnen in einer Art und Weise vertieft, wie es unter ihresgleichen sonst kaum üblich war. Sie sahen sich in unregelmäßigen Abständen, trafen sich hier und da an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt, um einander zu berichten, wie es ihnen in der Zwischenzeit ergangen war. Bei ihrem nächsten Treffen hätte er so einiges zu berichten. Schon wieder entrang sich Steven ein Seufzen, dieses Mal verhaltener. Trotz der innigen Freundschaft zwischen ihm und Nikolajew wusste er, dass es dennoch töricht war, anzunehmen, dass dieser von der neuesten Entwicklung in seinem Leben begeistert sein würde.
Wandler waren für Nikolajew ebenso ein rotes Tuch, wie es noch vor einiger Zeit auch bei ihm selbst der Fall gewesen war. Wie sich die Dinge doch ändern konnten … Kopfschüttelnd zog sich Steven endlich in die Sicherheit der Wohnung zurück, da sich am Himmel inzwischen erste zarte Rosatöne mit zeigten. Der Tag gehörte den Menschen und anderen Geschöpfen. Ihm gehörte die Nacht. Und er hatte über die Jahrhunderte seiner Existenz hinweg bitter lernen müssen, welche Tribute diese von Zeit zu Zeit von ihm verlangte. Bedächtig zog er die dicken dunkelblauen Vorhänge zu.
GEGENWART
„Na, Hübscher, was hat dich denn hierher verschlagen?“
Skeptisch musterte Castor de Silva die halbe Portion, die ihn in gebrochenem Englisch unvermutet von der Seite her anquatschte. Bisher waren ihm die Wandler der Gegend aus dem Weg gegangen, sobald sie seine zweite Seite gewittert hatten. Doch der kleine Wolfswandler, der sich ungeniert zu ihm gesellt hatte, machte nicht den Eindruck, als würde er sich dadurch einschüchtern lassen. Auf den zweiten Blick ein ganz ansehnliches Bürschchen, wenn auch älter, als der erste Blick vermuten ließ. Dunkle Haare, die sich leicht wellten, dunkelgrüne Augen und ein schlanker Körper, der sich sicher grazil in den Laken räkeln konnte. Sein Puma grollte leise, war schon einige Zeit nicht mehr zum Zug gekommen, doch Castor stieß ihn zurück und wies ihn in seine Schranken. Nicht hier in der Öffentlichkeit!
„Bist du auf ein riskantes Abenteuer aus oder funktioniert dein Geruchssinn nicht?“, erkundigte er sich seinerseits auf Georgisch. Wenn auch nicht perfekt, reichten seine Sprachkenntnisse doch zumindest dafür aus, sich mit der Bevölkerung hier zu verständigen. Überrascht musterte der Wolf ihn, dann grinste er zufrieden.
„Oh, ich weiß, was du bist“, schnurrte er nun in seiner Landessprache und ehe sichs Castor versah, schmiegte sich der Dunkelhaarige an ihn.
„Ich habe dich die letzten Tage öfter hier gesehen – aber du bist neu in der Stadt, oder?“
„Und du bist ziemlich neugierig“, knurrte Castor zurück, während er ein nagendes Unbehagen im Nacken spürte. Obwohl er sich sonst gut auf seine Instinkte verlassen konnte, hatten weder er noch sein Puma bemerkt, dass man sie beobachtet hatte. Und die halbe Portion vor ihm wäre ihnen sicher aufgefallen.
„Nicht so schüchtern“, entgegnete der Wolf mit einem charmanten Lächeln auf den Lippen.
„Und ja, ich bin auf der Suche nach einem Abenteuer.“
Ein unverkennbarer Geruch nach Bereitwilligkeit kroch in Castors Nase, lockte, trotz seiner Skepsis, seine Libido und ebenso seinen Puma abermals hervor.
„Und wer bitte sagt dir, dass ich an deinem Angebot interessiert bin?“, knurrte Castor unwillig.
Doch der Wolf lächelte nur verschmitzt, hatte längst bemerkt, dass der Fremde und seine zweite Seite sehr wohl auf ihn reagierten, auch wenn es dem Menschen sichtbar widerstrebte.
„Instinkt“, bemerkte er schmunzelnd.
Castor schluckte, dann wandte er seine Aufmerksamkeit demonstrativ dem Whiskyglas vor sich zu. Doch fast hätte er den guten Tropfen wieder ausgespuckt, als sich dreiste Finger in seinen Schritt verirrten und ihn eindeutig zu streicheln begannen. Damit ging der Wolf definitiv zu weit. Grob packte Castor ihn im Nacken und hielt ihn auf Abstand. Die dunkelgrünen Augen glänzten aufgeregt und nervös benetzte der Wolf seine Lippen mit der Zunge. Mit angehaltenem Atem beobachtete Castor ihn dabei. Verdammt, der Kleine wusste genau, wie er ihn heiß machen konnte. Doch wollte er sich wirklich daran die Finger verbrennen? Vielleicht war hier auch etwas faul an der Sache. Wandler blieben normalerweise unter ihresgleichen. Gerade in so ursprünglichen Gegenden wie hier wurde die Vermischung der Arten kaum geduldet. Andererseits, die Bar hier war für sie alle offen, hieß Wandler, egal welcher Spezies, willkommen. Zumindest wurde das auf dem Schild draußen suggeriert. Eben das hatte ihn auf die kleine Bar aufmerksam gemacht und ihn hier einkehren lassen. Castor war ein Vagabund, immer unterwegs, nirgends lange an einem Ort. Geboren in den weiten Wäldern des westamerikanischen Bundesstaates Wyoming und nur von seiner Mutter großgezogen, hatte es ihn schon in seiner Jugend relativ zeitig hinaus in die Welt getrieben. Als Pumawandler war er, seiner zweiten Natur geschuldet, eher ein Einzelgänger und bisher hatte er auch niemanden gefunden, der es wert war, an dieser Lebenseinstellung etwas zu ändern.
Doch, vielleicht einmal vor einigen Jahren, aber das hatte er selbst verbockt und war danach wieder zu seinem Vagabundenleben zurückgekehrt. Nachdem es ihn vor gut zwei Jahren nach Europa verschlagen hatte und er sich einige Sehenswürdigkeiten in Frankreich, Italien und anderen Ländern angeschaut, sowie deren Naturgebiete ausgiebig erkundet hatte, war er vor einigen Wochen schließlich von Ungarn aus weiter Richtung Osten gewandert. Durch die Wälder Rumäniens, Bulgariens und quer durch die Türkei. Mal als Mensch, dann wieder in seiner zweiten Gestalt. Der Puma in ihm genoss es, frei von den Fesseln des menschlichen Körpers, durch die alten und weitläufigen Wälder zu streifen, die umso naturbelassener und wilder wurden, je weiter er sich nach Osten bewegte. Schließlich hatte ihn sein Weg hierher nach Tiflis verschlagen, der Hauptstadt Georgiens. Die Stadt konnte sich zwar nicht mit den großen Metropolen dieser Welt messen, doch sie hatte ihren eigenen, ursprünglichen Charme. Durch die jahrhundertealten Wälder und Gebirgsketten, die Georgien noch größtenteils beherrschten, war Tiflis ideal für Wandler wie ihn. Dank der noch weitgehend unberührten Natur nahe der Stadt wurden sie hier eher geduldet als dort, wo die „Zivilisation“ der Menschen alles tat, um die Natur um sich herum auszumerzen, und Wandler damit zwang, überwiegend in ihrer menschlichen Gestalt zu leben. Im Gegensatz zu vielen Städten und Dörfern des Landes pulsierte Tiflis geradezu vor Leben. Doch als Puma gehörte der europäische Kontinent nicht zu seinem natürlichen Vorkommensgebiet und so bewegte sich Castor ständig an der Grenze, sich den Unmut der hiesigen Einheimischen zuzuziehen. Dass sich jetzt gerade einer der hier ansässigen Wandler an ihn heranmachte, weckte sein natürliches Misstrauen. Denn selbst wenn Tiflis sich auf den ersten Blick fortschrittlich gab, war es schwer vorstellbar, dass die angepriesene Offenheit der Bar mehr einschloss als ein gemeinsames Gespräch und den einen oder anderen Drink.
Ohne, dass er sich dessen bewusst war, packte Castor den Wolfswandler fester im Nacken, hielt ihn an Ort und Stelle, während er sich wachsam umsah. Doch weder ihm noch seiner zweiten Seite fiel etwas auf, das sein Misstrauen in die Situation für den Augenblick weiter bestärkte.
„Nur keine Scheu, wir sind wesentlich offener, als man auf den ersten Blick denkt“, wisperte der Wolf verführerisch. Castor ignorierte ihn, sah sich stattdessen weiter um. Die kleine Bar war urig gemütlich. Mit einem Tresen aus rustikaler Eiche, wenn er tippen müsste. Das Holz glänzte vom Alter gereift, dem Zigarettenqualm unzähliger Jahre und vermutlich etlicher verschütteter Drinks. Davon abgesehen gab es noch ein gutes Dutzend kleinerer Tische, an die sich die Gäste für ihre Drinks und Gespräche zurückziehen konnten. Kleine Lampen auf den Tischen gaben warmes Licht von sich, während der Schankraum selbst ansonsten nur von der Bar her beleuchtet wurde. Neben dem Barkeeper und einem bulligen Türsteher, der ab und an einen wachsamen Blick über die Gäste schweifen ließ, schien es nur noch zwei andere Angestellte zu geben, die hin und wieder aus den hinteren Räumen auftauchten, den Gästen bestellte Snacks brachten oder sich um leere Gläser kümmerten. Der Barkeeper hinter dem Tresen, ebenfalls ein Wolfswandler, sah auf. Doch da Castors Glas noch halb voll war, widmete er sich wieder anderen Dingen. Castors Blick schweifte über die anderen Gäste, eine Handvoll Wandler unterschiedlicher Arten, die sich leise unterhielten und ihm und dem Wolf ebenso wenig Aufmerksamkeit entgegenbrachten wie der Barkeeper. Abschätzend musterte Castor seine ungeplante Beute abermals von oben bis unten. Er hätte gelogen, wenn er behauptet hätte, er wäre dem Angebot generell abgeneigt. Der Wolf sah gut aus und sein letzter Sex lag Wochen zurück. Es war nicht so, dass ihn der Wolf an sich störte. Auch wenn er bei fremden Wandlern Vorsicht walten ließ, hielt er generell nichts von der strikten Abgrenzung, die einige Wandlerarten nach wie vor mit allen Mitteln beibehalten wollten. Hey, sie lebten im 21. Jahrhundert und er hatte es inzwischen mit Vertretern der unterschiedlichsten Arten getrieben. Sein letzter One-Night-Stand war ein kapitaler Hirschbulle in Ankara gewesen, der es sich von ihm ordentlich hatte besorgen lassen. Aber dieses Treffen hatte in der Anonymität eines Szene-Clubs stattgefunden. Sie waren in diesem Augenblick Gleichgesinnte gewesen, hatten gewusst, was sie voneinander wollten und was sie beide erwartete. Aber das hier? Dennoch grollte sein Puma erwartungsvoll, wollte dem Lockruf des Wolfes endlich folgen und nach einem letzten wachsamen Blick in die Runde gab Castor ihm nach. Vielleicht waren die Wandler hier in Tiflis doch aufgeschlossener, als das Land an sich auf den ersten Blick vermuten ließ.
„Okay, wo willst du es machen?“
„Wow, du gehst ja ganz schön ran …“
Castor ließ den Wolf los und kippte sich den Rest seines Whiskys runter. Er stellte das Glas zurück auf den Tresen, packte den Dunkelhaarigen um die Hüfte und zog ihn mit einer bestimmenden Geste zu sich.
„Du hast mich doch heiß gemacht, also halte dein Versprechen oder ich suche mir was anderes für die Nacht.“
In den dunkelgrünen Augen funkelte es. „Na dann folge mir und ich werde sehen, was ich Gutes für dich tun kann.“
Keine zwei Minuten später drängte Castor den Wolf draußen in einer Seitengasse gegen die Wand, eroberte gierig dessen Mund und lockte die spitze Zunge dazu heraus, sich ihm zu unterwerfen. Energisch drängte er ein Knie zwischen die Schenkel, rieb sich aufreizend an dem schlanken Körper, der weich und anschmiegsam in seinen Armen lag.
„Neig den Kopf“, raunte Castor. Sein Puma war diesbezüglich eigen. Zuerst musste ihre Beute markiert werden, ehe sie eingenommen wurde. Der Wolf zögerte spürbar, lockte damit die ungeduldige Seite in Castor hervor.
„Mach schon!“
Endlich folgte der Wolf seinem Befehl und begierig leckte sich Castor den schlanken Hals entlang. Kaum hatte seine Zunge das zierliche Ohr erreicht, schlugen sämtliche Alarmglocken in ihm an, doch zu spät. Ein heftiger Schlag im Nacken setzte ihn außer Gefecht …
Nur undeutlich konnte sich Castor später an das Geräusch des einrastenden Verschlusses erinnern. Die Kälte des Halsbandes dagegen, das man ihm angelegt hatte, engte ihn mit jeder Sekunde mehr ein, nahm ihm zunehmend die Luft zum Atmen. Nachdem ihn der Schlag ins Genick für einige Sekunden ausgeknockt hatte, hatte er nur verschwommen mitbekommen, wie eine Gruppe Männer aufgetaucht war und ihn in einen Transporter gezerrt hatte. Seine Wandlung war ein Schutzreflex gewesen, auf den seine Häscher offensichtlich gezielt gelauert hatten. Denn kaum war er in seiner zweiten Gestalt, flammte ein scharfer Schmerz in seiner rechten Hinterhand auf und kurz darauf verschwamm sein Verstand. Das Letzte, was er in diesen Sekunden mitbekam, war der kalte Stahl um seine Kehle, ehe seine Sinne ihn verließen.
Wachsam blinzelte Castor. Zwei Tage waren seit seiner Gefangennahme vergangen, in denen er bis auf drei Wolfswandler niemanden zu Gesicht bekommen hatte. Eingesperrt in einen Käfig, der knapp einen Meter fünfzig hoch, einen breit und zwei Meter lang war, harrte er der Dinge, die da auf ihn zukamen, während sich die Wut in ihm zu einem kalten Klumpen zusammenballte. Man hatte ihn in einer alten Lagerhalle untergebracht. Vermutlich etwas außerhalb von Tiflis, denn er konnte nur schwach den Lärm und die Gerüche der Stadt wahrnehmen. Links und rechts von ihm standen gut 15 weitere Käfige in unterschiedlichen Größen verteilt. In drei Käfigen zu seiner rechten waren Wildkatzen untergebracht, zu seiner Linken schlief ein Wolf. Bei ihm war sich Castor nicht sicher, ob er ein Wandler war. Sein Wesen war zu ursprünglich, zu sehr Tier. Während sich in den Augen der Wildkatzen neben dem Tier auch ihre menschliche Seite widerspiegelte. Ihnen allen hatte man ebenso wie ihm ein Halsband angelegt. Ein strenger Geruch aus verschiedenen Duftnoten lag in der Luft, machte Castor schonungslos klar, dass er und die Wildkatzen nicht die ersten Wandler waren, die hier die fragwürdige Gastfreundschaft genießen durften.
Morgens verteilte einer ihrer Wärter Wasser und einige tote Ratten an sie, doch ansonsten ließ man sie links liegen. Die bernsteingoldenen Katzenaugen streiften für einen Augenblick die verschlossene Tür seines Käfigs. In seiner jetzigen Gestalt war jeder Ausbruchsversuch zum Scheitern verurteilt, und solange sein Puma die Rückwandlung, ständig mit den Wolfswandlern konfrontiert, nicht zuließ, blieb er zum Warten verdammt. Daher verbrachte Castor die meiste Zeit schlafend, schonte seine Kräfte und wartete auf eine Gelegenheit, seinem Gefängnis zu entkommen. Die Wölfe dagegen wirkten von Tag zu Tag unruhiger, als würden gerade seine Ruhe und Gelassenheit so gar nicht zu dem passen, was sie von ihm erwarteten. Am fünften Tag weckten Stimmen ihn und ein neuer Geruch stieg ihm in die Nase. Argwöhnisch blinzelte Castor. Es war ein weiterer Wolf. Doch die Aura des Kerls signalisierte deutlich, dass er es gewohnt war zu führen, zu herrschen – ein Alpha. Abschätzend musterten die hellbraunen Augen des Wolfes ihn und unwillkürlich stieß Castor ein drohendes Fauchen aus. Noch nie in seinem Leben hatte man ihn in einen Käfig gesperrt … wie ein Tier! Und das ausgerechnet von anderen Wandlern! Ein hämisches Grinsen huschte über die Lippen des Alphas.
„Scheint, als würde das Halsband endlich Wirkung zeigen“, brummte Ygor Anca zufrieden. Da war seinen Leuten doch mal wirklich eine äußerst interessante Beute in die Falle gegangen. Einen Puma in ihrer Gegend konnte man getrost eine kleine Sensation nennen. Dafür konnte er sicher einiges verlangen. Er hockte sich und fixierte die verengten Augen der Raubkatze. Bisher hatten die Halsbänder schon innerhalb der ersten zwei Tage eine Veränderung bei ihren Beutetieren hervorgerufen. Der Puma hingegen hatte sich bisher resistent gegen dessen Einfluss gezeigt – bis jetzt.
„Hast du dich verlaufen, Kätzchen? Wärst du mal besser in deinem Revier geblieben und hättest es mit deinesgleichen getrieben“, knurrte Ygor mit einem angewiderten Ton in der Stimme.
„Aber ihr rassenuntreues Pack könnt es ja einfach nicht lassen, wie?“ Daher hatte er schon vor Jahren sämtliche Skrupel abgelegt. Zuerst war es nur sein Ziel gewesen, die Vermischung der Arten in seinem Revier zu unterbinden – niemand in ihrer Region scherte sich darum, was mit rassenuntreuen Wandlern oder gar deren Missgeburten an Bälgern, geschah. Doch während er sich um diese Problemfälle gekümmert hatte, seine Gefangenen mitunter zum Zeitvertreib und unter Zwang auch aufeinander losgehetzt hatte, hatte Ygor schnell das Potenzial dieser Kämpfe erkannt. Erst nur hinter vorgehaltener Hand und in dunklen Ecken organisiert, lockten die blutigen Kämpfe immer mehr Schaulustige heran. Die Nachfrage stieg von Mal zu Mal und längst waren seine Beutetiere überwiegend unschuldig, und die Jagd auf sie nur der erste Teil seiner Geschäfte. Damit dies jedoch nicht auffiel, hatte Ygor inzwischen seine Jagdmethoden angepasst. Corvin war trotz seiner 28 Jahre eine Augenweide, wusste zu umgarnen und seine Opfer um den kleinen Finger zu wickeln. Ebenso wie Luara, eine etwas jüngere Wölfin seines Rudels – immerhin stand nicht jeder Kerl oder jedes Weib auf Schwänze. Darauf trainiert und abgerichtet waren die beiden inzwischen perfekte Köder für hormongesteuerte Wandler. Sie beide brachten so gut wie jeden ins Wanken und am Ende zu Fall. Und damit in seine kleine Arena.
Dann hatte Ygor vor einigen Monaten einen unverhofften Kontakt geknüpft, der ihm weitere Möglichkeiten für seine Geschäfte eröffnet hatte. Nicht nur Wandler waren an seinen Beutetieren und den Kämpfen zwischen ihnen interessiert. Obwohl er für den ersten Moment angewidert von der Idee war, Menschen waren ihm ebenso ein Dorn im Auge wie abtrünnige Wandler, hatte sein neuer Geschäftspartner wirklich überzeugende Argumente für ihn gehabt. Die Menschen hatten für alles eine Verwendung. Ihr Spaß an mitunter makabren, speziellen oder blutigen Veranstaltungen sowie ihre Gier nach exotischen Haustieren war groß und füllte ihm nun zusätzlich regelmäßig die Taschen. Jetzt musste er sich nur noch entscheiden, für was sich sein neuester Fang am besten eignete.
„Wollen wir doch mal sehen, was du so draufhast.“ Ygor erhob sich, als der Puma abermals ein drohendes Fauchen von sich gab.
„Bringt ihn rüber.“
„Und gegen wen?“
Ygor überlegte einen Moment und sah zu den drei Wildkatzen. Nein, die waren keine Gegner. Doch sie waren nicht seine einzige Beute hier. Nebenan hatte er zurzeit noch einen Luchs und einige rudelfremde Wölfe zu Gast – ja, er machte auch vor Jagd auf seine eigene Art nicht halt – Geld war Geld – und …
„Nehmt den Bären.“
„Aber …“
Mit verengten Augen sah sich Ygor nach dem Wolf um, der es wagte, seine Befehle infrage zu stellen. Ein leises Winseln drang aus dessen Kehle, während er unterwürfig den Blick senkte. Abermals betrachtete Ygor seine neueste Investition. Ehe er seinen Kontakt darüber informierte, wollte er wissen, was der Puma zu bieten hatte. Nur gute Ware brachte entsprechende Einkünfte.
Keine Stunde später fand sich Castor in einer angrenzenden Halle wieder, deren spezieller Zweck ihm den blanken Horror bescherte. Sein Puls raste, als er sich gehetzt in der als Kampfarena umfunktionierten Halle umsah, in die man ihn gesperrt hatte – ihn und den anderen Wandler – für nur einen Zweck. Haarscharf verfehlte die Pranke des Bären sein Gesicht, während sich über ihnen eine Meute an schaulustigen Wolfswandlern zusammengefunden hatte, die für den schiefgegangenen Angriff des Bären wahlweise Spott oder Jubel beisteuerten. Mit einem unterdrückten Fauchen wich Castor zurück, brachte etwas Abstand zwischen sich und das Monster, mit dem man ihn zusammengesperrt hatte. Seit gut zehn Minuten kämpften sie gegeneinander und allmählich schwante ihm, auf was dieser Kampf hinauslaufen sollte.
Auch der Bär trug wie er und die anderen Gefangenen ein Halsband. Und inzwischen ahnte Castor, dass nicht sein Puma bisher die Wandlung zurück zum Menschen unterdrückt hatte. Was auch immer es mit den Halsbändern auf sich hatte, es schien den Menschen in ihnen zu blockieren, ihn vom Tier zu trennen. Offensichtlich hatte der Bärenwandler diese Grenze zum Tier schon gänzlich überschritten und kannte, als ein natürlicher Feind des Pumas in der Natur, gerade nur ein Ziel. Unruhig warf der Bär seinen Kopf hin und her. Nachdem es Castor gelungen war, eines seiner runden Ohren abzureißen, lief diesem unaufhörlich Blut über die rechte Gesichtshälfte und erschwerte es ihm damit Castor zielsicher zu attackieren. Grollend duckte sich Castor, versuchte, auf diese Weise noch etwas Zeit zu schinden, um wieder zu Atem zu kommen.
Über ihnen wechselten lautstark die Quoten auf den Sieger, die bisher der Bär angeführt hatte. Ein scharfer Geruch streifte die Nase des Pumas und mit purem Hass in den Augen starrte Castor zu dem Drahtzieher für seine Lage auf. Der Alpha war oben auf der Galerie aufgetaucht und verfolgte mit einem äußerst zufriedenen Lächeln auf den Lippen den Kampf. Es war ein Impuls, dem er sich einfach nicht entziehen konnte, doch noch im Sprung wusste Castor, dass sein Angriff ein Fehler war. Die Höhe der Wände von circa sechs Metern bis zur Galerie wäre für ihn im Normalfall keine Hürde gewesen, doch in knapp fünf Metern waren spitzzulaufende Eisenstangen als Ausbruchsicherungen angebracht, die gut einen Meter in den Raum hineinragten und nach unten gerichtet ihm keine Chance ließen, Halt zu finden. Doch es war der Bär, der ihn mit einem überraschend flinken Prankenhieb gegen die Wand schleuderte, ihm damit schmerzhaft die Luft aus den Lungen presste. Japsend brach Castor an der Betonwand zusammen, während schwarzweiße Punkte vor seinen Augen flimmerten. Speichel benetzte sein Fell, als der Bärenwandler keinen Herzschlag später über ihm stand und außer sich vor Mordlust brüllte. Castor wusste, er hatte nur noch eine Chance zu überleben, nur eine Möglichkeit, das hier zu beenden. Seine kräftigen Hinterbeine suchten in dem staubigen Boden nach Halt und kaum, dass sie ihn hatten, katapultierte sich der Pumawandler in die Höhe. Überrascht weiteten sich die kleinen dunklen Bärenaugen, als Castor seine Fangzähne tief in die Kehle des anderen Wandlers schlug. Ihre Zuschauer johlen, feuerten ihn an. Blut sickerte aus seiner Schnauze, doch Castor gab nicht nach, wand sich unter dem schweren Bärenkörper hin und her, um den tödlichen Pranken zu entkommen, die panisch nach ihm schlugen.
Obwohl der Bärenwandler längst den Zenit seines Lebens hinter sich hatte, war seine Kraft noch beeindruckend und gefährlich. Er hatte sich, kaum, dass man das Fallgitter zu seiner Zelle aufgezogen hatte, geradezu manisch auf den Puma gestürzt. Langsam ließen die Abwehrbemühungen des Bären nach, doch Castor konnte sich einfach nicht dazu durchringen von seinem Gegner abzulassen. Adrenalin pulsierte schmerzhaft durch seinen Körper. Dann brach der Bär endlich zusammen.
„Sollen wir den Kampf beenden?“
Ygor schüttelte langsam den Kopf und beobachtete das Schauspiel unter sich zufrieden. Der Bärenwandler würde ohnehin kein Geld mehr einbringen und auf diese Weise konnte er seinen neuen Fang auch gleich entsprechend präsentieren. Der Puma hatte sich erfreulich gut geschlagen.
„Hast du alles drauf?“, erkundigte er sich bei dem Wolf neben sich, der den Kampf per Handy festhielt. Dieser nickte und Ygor widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Kampf. „Bis zum Ende“, murmelte er mit einem wohligen Schaudern.
Neben ihm wechselten ein letztes Mal die Wetteinsätze seiner Leute.
„Sieg auf den Puma! Wer will noch einsteigen?“
Castor hörte die Rufe, die letzten Änderungen der Wetteinsätze, die ein absoluter Hohn waren. Der Wandler, dessen Blut gerade seine Kehle hinablief, würde den nächsten Tag nicht mehr erleben. Ein Teil von ihm war entsetzt über diese unabänderliche Tatsache. Der andere hielt ihm schonungslos vor Augen, dass es in diesen Sekunden auf brutale Art nur darauf hinauslief – entweder der Bär oder er. Ein letztes Mal bäumte sich sein Gegner auf, doch Castor gab nicht nach. Instinktiv biss er abermals kräftig zu, dann spürte er, wie das Leben des Bären verebbte, bis nur noch dessen leblose Hülle zurückblieb.
Jubel wurde laut. Mit weit aufgerissenen Augen und angelegten Ohren lauschte Castor dem Krach, konnte sich einfach nicht überwinden, seine Zähne aus dem noch warmen Fleisch zu lösen und damit das Drama zu beenden. Hinter ihm wurde eine schmale Stahltür geöffnet und der Geruch nach Wölfen drang intensiver in seine Nase. Sein Nackenfell sträubte sich, als sich ein ihm vertrauter Duft daruntermischte. Mit verengten Augen ließ er von dem Bären ab und sein Kopf ruckte herum, fixierte einen jungen Wolfswandler aus der Gruppe. Miese kleine verlogene Schlange! Doch ehe Castor den Wolf angreifen konnte, brannte ein scharfer Schmerz in seiner linken Flanke auf und nur Sekunden später brach er zusammen.
Über ihm zog Ygor sein Handy hervor und wählte eine vertraute Nummer.
„Ich habe ein neues Spielzeug für Sie“, begann er, kaum dass am anderen Ende abgenommen wurde, und betrachtete dabei zufrieden, wie seine Leute den Pumawandler fixierten und unter Kontrolle brachten. Ein überhebliches Lächeln glitt über Ygors Züge, als die bernsteingoldenen Tiefen der Raubkatze zu ihm aufsahen. Hass schimmerte in ihnen, der Ygor völlig kalt ließ. Dann endlich verlor der Puma den Kampf gegen das Betäubungsmittel.
„Aber es wird nicht billig.“
Tief gruben sich die dunklen Pumatatzen in den weichen Waldboden, trugen ihn mit jedem Sprung weiter durch das Unterholz, weg von seinen Verfolgern, die sich auch nach etlichen Kilometern noch hartnäckig zeigten. Die dunklen Augen verengten sich reflexartig, als Castor durch einen letzten verirrten Lichtstrahl hetzte, der sich durch das dichte Blätterdach bis hinunter zum Boden gemogelt hatte. In Sekundenbruchteilen weiteten sich seine Pupillen wieder, passten sich dem Dämmerlicht an, das überwiegend in diesem noch ursprünglichen Waldgebiet Georgiens vorherrschte. Bis hierher war der naturzerstörerische Wahnsinn der Menschen noch nicht gedrungen. Nur brachte ihm das im Moment rein gar nichts. Er kannte sich hier nicht aus und rannte im Grunde blindlings querbeet, getrieben vom puren Fluchtinstinkt. Ein grimmiges Schnauben entwich seiner Kehle, als er bemerkte, dass seine Verfolger aufholten. Sie waren unwesentlich kleiner als er, kannten im Gegensatz zu ihm die Wälder jedoch und nutzten diesen Vorteil gnadenlos aus, ebenso wie jenen ihrer Übermacht. Einem Kampf war er im Augenblick nicht gewachsen, das wusste er zu gut. Doch wenn es sich nicht vermeiden ließ, würde er eher bei dem Versuch sterben, als sich abermals gefangen nehmen zu lassen.
Seit wann er in den Händen der Wölfe war, wusste er nicht mehr genau. Waren es zwei Wochen? Drei? Oder mehr? Seine zweite Seite zählte die Tage nicht und so hatte Castor den Überblick verloren, existierte nur noch im Hier und Jetzt. Einige Tage, nachdem die Wölfe ihn gefangen hatten, war er in ihr Dorf gebracht worden, weitab der Stadt und tief in den Wäldern, vor neugierigen Menschen verborgen. Doch er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie lange das her war. Die ersten Tage hatten sie ihn abermals in einen Käfig gesperrt, mit nur dem nötigsten an Nahrung, dann hatten die Kämpfe begonnen. Nahe dem Dorf hatten die Wölfe eine Anlage ausgehoben, in der Castor abermals um sein Leben kämpfen musste. Zuerst waren es echte Wölfe gewesen, die er zur Belustigung des Rudels hatte töten müssen. Sein letzter Gegner hingegen war wieder ein Wandler gewesen, ein Luchs. Deutlich konnte Castor noch die Zähne und Krallen der anderen Raubkatze in seinem Fleisch spüren, während sie beide verbissen jeweils um ihr eigenes Leben gekämpft hatten. Der Luchs war ein gefährlicher Gegner gewesen, flink, wendig. Doch ebenso wie der Bär, hatte auch er den Kontakt zu seinem Menschen verloren, hatte in ihm nur den Gegner statt eines anderen Wandlers gesehen. Frische und alte Narben hatten deutlich genug davon gezeugt, dass er schon länger in der Gewalt der Wölfe und sein Kampf gegen Castor nicht sein erster oder zweiter gewesen war. Als seine Angriffe immer manischer und aggressiver wurden, blieb Castor am Ende abermals keine andere Wahl als sein eigenes Leben mit allen Mitteln zu verteidigen. Kurz bevor der Luchs starb, hatte sich der Mensch in ihm ein letztes Mal an die Oberfläche kämpfen können. Ein Schaudern ging durch seinen Körper, als Castor an die Dankbarkeit in den grünen Augen zurückdachte, die während der letzten Atemzüge des Wandlers darin aufgeglommen war. Seine wilde Seite hatte den Menschen völlig unterdrückt, hatte gänzlich die Macht übernommen und ihn damit so gut wie ausgelöscht. Doch jetzt waren sie beide ihren Häschern endgültig entkommen, für einen brutalen Preis.
Die Wölfe, für ihren Teil, waren hingegen sichtlich zufrieden mit dem Kampf gewesen. Das hatte sich jedoch schlagartig geändert, als einer der Wölfe den Fehler beging und die Tür zu der kleinen Arena öffnete, ehe einer der anderen Castor das Beruhigungsmittel verpasst hatte. Ruhig hatte er gewartet, flach am Boden gelauert, bis der Wolf weit genug in der Arena und es für eine Reaktion zu spät gewesen war. Obwohl sein Puma den unbändigen Drang nach Rache und Vergeltung hegte, brachte Castor ihn dazu an dem überraschten Wolf vorbeizustürzen, hinaus aus dem Todesgefängnis, hinein in die Wildnis der Wälder.
Seit zwei Tagen hetzten die Wölfe ihm nun schon hinterher und ließen einfach nicht locker, selbst nachts nicht. Mit einem gewaltigen Satz katapultierte sich Castor einen der alten Bäume hinauf. Sofort vergruben sich die scharfen Krallen in dem dunklen Holz, gaben ihm Halt, während er sich mit jedem Satz weiter hinauf und in trügerische Sicherheit hangelte. Das Adrenalin preschte durch seinen Körper und doch ließ er sich mit angeborener Eleganz weit oben auf einem Ast nieder, der sein Gewicht von gut 95 Kilo Raubkatze noch sicher trug. Unruhig fuhr die raue Zunge in schnellen Zügen über sein kurzes honigbraunes Fell, das von etlichen Kratzern und Narben gezeichnet war. Einige frisch, andere schon Jahre alt. Bei den fahrigen Bewegungen scheuerte das enge Metallhalsband unangenehm gegen seine Kehle und verbissen brach Castor die hastige Fellpflege wieder ab. Seine Ohren zuckten unruhig, als es im Unterholz raschelte und flach presste er sich gegen den Ast. Unter ihm rannten die beiden Fährtenleser vorbei. Das Rudel war ihm demnach dicht auf den Fersen. Misstrauisch folgte sein Blick den zwei Wölfen. Er wusste, lange würden sie ihrem Irrtum nicht nachjagen. Und wirklich, nur wenige Sekunden, nachdem sie an ihm vorbeigehetzt waren, ertönte ein durchdringendes Heulen.
Der folgende Mob ließ nicht lange auf sich warten. Mit verengten Augen beobachtete Castor, wie die achtköpfige Gruppe unweit seines Verstecks innehielt. Sichtbare Unruhe beherrschte die Wölfe, während sie ihre Umgebung absuchten, versuchten ihm wieder auf die Spur zu kommen. Die beiden Fährtenleser kehrten zu der Gruppe zurück und wie Bluthunde fanden sie zielsicher seinen Weg. Mit einem tiefen Fauchen antwortete Castor auf das drohende Knurren, mit dem das Rudel den Baum umstellte.
Der Alpha des Rudels gab einen bellenden Laut von sich und Zähne fletschend zogen sich die anderen Wölfe einige Schritte zurück.
Mit einem ungehaltenen Knurren wandelte sich Ygor und suchte mit zusammengekniffen Augen in dem Blätterdach über ihnen nach honigbraunem Fell. Hätte der verdammte Puma nicht endlich nach Norden abhauen können, dort, wo die Bäume lichter wurden?! Seit zwei verdammten Tagen jagten sie ihn nun schon durch die Wälder und immer wieder entwischte ihnen der Puma im letzten Augenblick. Allmählich war seine Geduld am Ende!
„Du kannst dich nicht ewig verstecken“, brüllte er hinauf. Ein wütendes Fauchen antworte ihm.
„Jetzt hast du dir deine eigene Grube gegraben“, brummte Ygor und wandte sich zu dem schwarzen Wolf an seiner rechten Seite.
„Wenn er euch noch mal entwischt, kannst du dein Testament machen.“
Unterwürfig senkte der Wolf den Kopf, dennoch trat Ygor abfällig nach ihm.
Angewidert beobachtete Castor das Treiben am Fuß des Baumes, das Verhalten des Alphas. Ihm lag soziales Zusammenleben nicht, das war es nicht, was ihn abstieß. Aber die Speichellecker um den breitschultrigen Mann da unten taten alles, um ihn bei Laune zu halten, gaben sich jede erdenkliche Mühe, den gestörten Wünschen ihres Alphas nachzukommen, und doch hatte der nur Verachtung für seine Leute übrig. Es war ein Widerspruch in sich und widerte ihn schlichtweg an.
„Wie lange willst du dieses Spiel noch spielen? Du weißt, du kannst uns nicht entwischen!“
Mit einem tiefen Grollen antwortete Castor auf die Drohung des Wolfes, wetzte wütend seine Krallen durch das Holz, ließ dabei feine Splitter zu Boden rieseln. Dumm nur, dass der Psycho gar nicht mal so unrecht hatte. Die Wälder hier waren nicht sein Revier und er kannte sich hier, im Gegensatz zu den Wölfen, nicht aus. Seine Flucht war ein Katz-und-Maus-Spiel, das er auf die Dauer nicht gewinnen konnte, und bei dem er nicht die Katze war. Die dunklen Raubkatzenaugen huschten durch das Blätterdach, suchten fieberhaft nach der nächsten Fluchtmöglichkeit. Es war nicht das erste Mal, dass die Wölfe ihn gestellt hatten, doch Klettern lag in seiner Natur. Für ein paar Minuten konnte er so Luft holen, doch auf Dauer war das keine Lösung. Castors Blick glitt nach oben, versuchte durch das dichte Blätterdach des Waldes abzuschätzen, wie spät es sein mochte. Bei Nacht hatte er den Wölfen gegenüber zumindest einen kleinen Vorteil. Wind kam auf, trug die verschiedensten Gerüche des Waldes und seiner Bewohner mit sich. Doch da war auch etwas anderes, etwas, das nicht hierher gehörte und das einen Schauer durch seinen Körper jagte. Mit verengten Augen witterte Castor und tief in ihm reagierte etwas auf den Geruch, begann in Schwingungen zu geraten.
Unter ihm wandelte sich ein weiterer Wolf. Die dunkelgrünen Augen versuchten ihn ebenso im Blättergeäst der Bäume ausfindig zu machen und lenkten damit Castor von dem Geruch ab. Oh, wie gern hätte er jetzt seine Krallen in das Gesicht geschlagen, diesem verlogenen Miststück die Augen ausgekratzt.
Corvin Olariu, Hure des Alphas, wie er inzwischen wusste, Köder für leichtgläubige Wandler wie ihn und die nächste Leiche auf seiner Liste! In den vergangenen Wochen hier hatte Corvin so manche Gelegenheit genutzt und ihm seine Leichtgläubigkeit sowie seinen hormongesteuerten Puma schonungslos unter die Nase gerieben. Ein dunkles Grollen hallte durch das Blätterdach, während Castor wütend versuchte dem Hass in sich nicht nachzugeben. Dafür war ihm nicht die Flucht gelungen! Und seine Rache würde er bekommen! Er war da sehr geduldig. Abermals streifte ein Hauch des verwirrenden Geruches seine Nase, lockte den Puma in ihm.
„Wie bekommen wir ihn da jetzt runter?“
Ygor löste den Blick aus der Baumkrone, musterte den jüngeren Mann an seiner Seite eisig und zog eine Pistole aus dem Halfter um seine Hüfte.
„Ich habe allmählich die Schnauze von diesem sinnlosen Hin- und Hergehetze voll“, knurrte er und entsicherte die Waffe. Sobald sie den verdammten Puma wieder in ihrer Gewalt hatten, würde Nika sein nächster Gegner werden. Wenn nicht, würde er sich persönlich um den Wolf kümmern, dank dem der Puma entwischt war.
„Und was, wenn er abstürzt? Das bringt ihn sicher um“, gab Corvin zu bedenken. „Lichthain wäre sicher nicht erfreut, wenn wir ihn jetzt verlieren, wo du ihm den Puma endlich verkauft hast.“
„Erklär du mir nicht, wie ich meine Geschäfte zu machen habe“, zischte Ygor ihn an, worauf Corvin missmutig den Kopf senkte. „Wenn er wieder entkommt oder sich das Genick bricht, dann nimmst du seinen Platz ein. Ich bin sicher, Lichthain hätte nichts dagegen einzuwenden.“
Bei der gehässigen Drohung versteifte sich Corvin unwillkürlich, gab aber keinen weiteren Kommentar von sich. Ygors dubioser Geschäftspartner hatte schon des Öfteren sein Interesse an ihm kundgetan. Doch noch hatte Ygor abgeschlagen, wollte sein persönliches Spielzeug nicht hergeben. Wütend blickte Corvin den alten Baumriesen hinauf. Neben ihm legte Ygor an und ein lauter Knall betäubte für einige Augenblicke sein Gehör. Die Wölfe neben ihnen tänzelten unruhig auf ihren Plätzen, wagten aber nicht, ihre Positionen zu verlassen.
„Das nächste Mal treffe ich!“, rief Ygor. Keine Reaktion aus dem Blätterdach. Misstrauisch lauschte er, doch er vernahm nicht die leiseste Regung. Dabei war es unwahrscheinlich, dass er den Puma getroffen hatte, denn er hatte extra danebengeschossen. Immerhin hatte Corvin mit seinem Einwurf recht. Der Pumawandler war zu wertvoll, um sein Leben so leichtsinnig aufs Spiel zu setzen. Nicht, dass es ihn nicht dennoch in den Fingern juckte, diesem räudigen Kater das Fell über die Ohren zu ziehen, aber lebend war er einfach mehr wert für ihn. Auch wenn Lichthain am Ende weit weniger für ihn in Aussicht gestellt hatte, als ihm selbst vorgeschwebt hatte.
„Ich höre nichts“, murmelte Corvin neben ihm und mit gerunzelter Stirn gab ihm Ygor recht. Etwas stimmte da oben nicht.
„Weitet den Kreis aus“, wisperte er mit starrem Blick in die Baumkronen, bemüht seine Wut im Zaum zu halten. Der verdammte Puma versuchte noch immer ihnen zu entwischen! Und solange er sich dabei immer wieder in das dichte Blätterdach der Bäume flüchtete, war er ihnen gegenüber im Vorteil. Zudem verschaffte die einsetzende Dämmerung ihm zumindest für die nächsten Stunden wieder einen weiteren Vorteil, denn Katzenaugen sahen im Dämmerlicht wesentlich besser als Wolfsaugen. Dennoch war es ihnen bisher gelungen, den Puma in ihrem Revier zu halten.
„Fester!“
Das fordernde Wort, ohne einen Hauch von Hingabe, entlockte Luke ein amüsiertes Lächeln, auch wenn er dafür gerade so gar keine Energie hatte. Sein ganzer Körper war im Augenblick nur darauf aus, sich mit kräftigen Stößen immer wieder in dem nachgiebigen Vampirkörper zu versenken, seinen Liebhaber, der sich an einem Baum abgestützt seiner Eroberung hingab, an dessen Grenzen zu bringen. Fast zumindest – denn der widerspenstige Vampir dachte gar nicht daran loszulassen, ihnen endlich die ersehnte Erfüllung zu schenken. Mit einem dunklen Knurren beugte sich der Wolf näher zu Steven heran, sog angeregt den betörenden Geruch ein, den der Körper vor ihm verströmte. Abermals setzte er geschickt seine Fingernägel ein, reizte die empfindliche Spitze von Stevens Glied, die sich ihm feucht und sehnsüchtig entgegenstreckte. Luke verwöhnte es mit einigen kräftigen Streicheleinheiten. Ein spürbares Beben ging durch Stevens Körper und doch behielt er die Kontrolle über sich.
Na, das wollen wir doch mal sehen, dachte Luke verbissen. Inzwischen wusste er, wie er seinen kühlen Liebhaber um den Verstand bringen konnte, welche Knöpfe er bei Steven drücken musste. Überrascht stöhnte Steven auf, als sich die spitzen Eckzähne des Wolfes unvermittelt in seine linke Schulter gruben. Zeitgleich legte ihm Luke sein Handgelenk an die Lippen.
In dem Endorphin durchtränkten Schmerz schwebend, reagierte Steven nur noch rein instinktiv und biss zu. Wie pures Speed raste die Wirkung des Wolfsblutes durch seinen Körper und bescherte ihm einen berauschenden Höhepunkt. Hinter ihm schnappte Luke nach Luft und biss ein weiteres Mal zu und folgte dabei ebenso dem Weg ins flüchtige Paradies.
„Es ist verrückt“, brummte Steven einige Zeit später, nachdem sie endlich die Finger voneinander gelassen hatten. Träge blinzelte Luke, der den Kopf auf seinen Beinen gebettet hatte und vor sich hin döste. Über ihnen funkelten bereits etliche Sterne, während sich die letzten Ausläufer des Abendrots vor der beginnenden Nacht zurückzogen.
„Hm? Was meinst du?“
„Es ist verrückt, dass ich mich, trotz deines Blutes völlig ausgelaugt fühle.“
„Könnte daran liegen, dass es nicht umsonst heißt: Den kleinen Tod sterben“, raunte Luke amüsiert.
„Wirklich witzig und hör mit deinen Hintergedanken auf, es reicht für heute.“
Selbstgefällig grinste Luke vor sich hin. Er wusste, wenn er wollte, hätte er Steven locker zu einer weiteren Runde überreden können. Doch dessen Äußerung gerade ließ ihn im gleichen Atemzug missmutig innehalten.
„Schon mal daran gedacht, dass es dich einfach zu sehr anstrengt, die Bindung mit mir nicht einzugehen?“, konnte er sich eine entsprechende Spitze schließlich nicht verkneifen.
„Ich habe noch vor ein wenig in dieser Welt zu verweilen, da werde ich es mir sicher nicht mit deinem Alpha verscherzen“, gab Steven seufzend zurück und wich damit abermals einer direkten Antwort auf den unterschwelligen Vorwurf aus. Immerhin verhinderten nicht nur die Gesetze der Wandler, ebenso wie die der Vampire eine Verbindung zwischen ihnen.
Seit fünf Wochen war er zusammen mit Luke und Tanner schon unterwegs, um mehr über Catyns Herkunft zu erfahren.
Mit seiner Wandlung und der Wahl von Nikolajew zu seinem Gefährten hatte dieser das bisherige Wissen der Wandler über Hybriden auf den Kopf gestellt und jetzt suchte man Antworten nach dem Wie und Warum. Auch wenn Catyn bisher der einzig bekannte Hybride war, dem dies gelungen war. Da sich Catyn jedoch nur noch vage an den Clan seiner Mutter erinnerte und seinen Vater nie kennengelernt hatte, war ihnen nur die Suche nach dem Wildkatzenrudel geblieben, um Antworten zu bekommen. Zu gern hätte Catyn sie begleitet, doch seine Fähigkeit, sich bewusst zu wandeln, ließ ihn noch zu oft im Stich, sobald seine Emotionen mit ihm durchgingen – was bei der Kombination seiner Eltern, einem dominanten Alphawolf und einer unterwürfigen Omegakatze, recht häufig der Fall war. Regelmäßig telefonierte Steven mit Nikolajew, der ihn über alles zu Hause, in Vancouver, Kanada, auf dem Laufenden hielt. Dass sein Freund mit dem unerwarteten Gefährten an seiner Seite ebenfalls noch einige Dinge lernen musste, trug wohl ebenso seinen Teil zu Catyns Wandelproblem bei und hatte den ungestümen Nikolajew, laut dessen Erzählungen, schon so einige Nerven gekostet. Und doch freute sich Steven für ihn, auch wenn sich hin und wieder, wenn er zu lange darüber nachdachte, Wehmut in seine Gedanken schlich. Vor vielen Jahrhunderten hatte er sich bewusst dazu entschlossen, nie wieder eine Gefährtenbindung zuzulassen. Doch nun, mit Nikolajew und Catyn direkt vor seiner Nase, fühlte er ab und an die Sehnsucht wieder in sich aufwallen. Unter den gegebenen Umständen waren Nikolajew und er sich jedenfalls darin einig gewesen, dass die Reise für Catyn und ihn zu gefährlich gewesen wäre, und so hatte sich Steven freiwillig dafür angeboten, allein schon aus Wissbegier. Luke seinerseits hatte nicht mit sich diskutieren lassen, und sich eigenmächtig angeschlossen. Tanner hingegen begleitete ihn aus verschiedenen Gründen. Dazu gehörten auch seine Sprachgewandtheit und sein unermessliches Wissen als Arzt über die verschiedenen Wandlerarten, ihre Besonder- und Eigenheiten, was Steven in den letzten Wochen schon des Öfteren hilfreich gewesen war. Denn die Expedition gestaltete sich im Nachhinein schwieriger als von ihm erwartet.
Aus seinem ursprünglichen Territorium war der Clan von Catyns Mutter schon vor etlichen Jahren verschwunden und bisher hatten sie nur dürftige Anhaltspunkte gefunden, wohin es die Wildkatzen getrieben hatte. Nachdem ihre Suche sie durch halb Georgien geführt hatte, waren sie schließlich vor gut einer Woche einer Spur hierher in die kaukasische Wildnis gefolgt.
Im Augenblick rastete er mit Luke auf einer kleinen Lichtung, während sich Tanner in einem Dorf, einige Kilometer weiter westlich, nach verwertbaren Informationen umhörte. Als Vampir hatte sich Steven für derlei Unterfangen als äußerst hinderlich herausgestellt. Die Bewohner der spärlich verteilten Dörfer hier schienen eine Art siebten Sinn ihm gegenüber zu haben und reagierten äußerst feindselig, wenn er sich ihnen näherte. Was wiederum eine interessante Erfahrung für Steven war, der ansonsten kaum Mühe hatte, die Psyche und Wahrnehmung von Menschen zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Doch gerade die ältere Generation hier vertraute noch ihren Urinstinkten, die bei Menschen in zivilisierteren Gegenden derart verkümmert waren, dass seinesgleichen die meiste Zeit über leichtes Spiel mit ihnen hatte. Nach einigen Rückschlägen hatte Tanner schließlich das Ruder übernommen. Nun erkundigten er und Luke sich abwechselnd allein in den Dörfern oder Siedlungen, während der andere Steven Gesellschaft leistete. Obwohl er wusste, dass diese Entscheidung richtig war, hatte Steven daran zu knabbern. Bis Luke ihn davon überzeugte, wie überaus sinnvoll man die Zeit nutzen konnte, wenn der andere Wolf unterwegs war und Steven nicht gerade tagsüber schlief. Nachdem sich dieser mit der Situation arrangiert hatte, musste er Luke insgeheim recht geben. Bereuen tat er es jedenfalls nicht, denn immerhin konnte er so seinen Bluthaushalt nebenbei auf einem gesunden Niveau halten.
Lediglich wenn Tanner zurückkehrte und ihnen einen abschätzenden Blick zuwarf, meldete sich Stevens Gewissen. Während Tanner versuchte, irgendeine neue Spur zu finden, gaben er und Luke sich ihrer gemeinsamen Lust hin – nicht gerade nett. Blieb nur zu hoffen, dass sich Tanner nicht so schnell bei seinem Alpha verplapperte. Trotz seiner Freundschaft zu Nathan hatte Steven kein wirkliches Interesse daran, dessen Meinung zu seiner Liaison mit Luke kennenzulernen.
Das tiefe Brummen eines näherkommenden Autos riss Steven aus seinen Überlegungen. Mit einem verhaltenen Seufzen erhob er sich, warf einen raschen Blick auf seine Kleidung, ebenso wie die von Luke, ehe er dem schwarzen Jeep unruhig entgegensah. Hoffentlich hatte Tanner dieses Mal etwas herausgefunden. Hinter ihm bemühte sich auch Luke auf die Beine.
„Man, hoffentlich hat er was erreicht. Langsam bekomme ich ’nen Kollaps in dieser grünen Einöde.“
Amüsiert sah sich Steven nach ihm um.
„Hast du dich vorhin nicht genug verausgabt?“
„Das sagt der Richtige“, schnaubte Luke leise, blieb ihm aber eine Antwort schuldig, denn Tanner brachte den Wagen einen knappen Meter vor ihnen zum Stehen. Steven konnte den Blick des älteren Wolfes für einige Sekunden förmlich auf seiner Haut brennen spüren, ehe Tanner endlich aus dem Wagen ausstieg.
„War ich wenigstens lange genug weg?“
