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"Moral führt" beschäftigt sich mit der Rolle moralischer Vorbilder. Birger P. Priddat zeichnet im Kursbuch 176 die Rolle von "moral entrepreneurs" in der Gesellschaft nach: Würde niemand einen ersten Schritt machen und die Entscheidung zu einer moralischen Handlung treffen, würde diese aus Scham vermieden werden.
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Seitenzahl: 18
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Birger P. Priddat
Moral führt!
Moralische Deutungsmacht im ökonomischen Raum
Moral als Indikator
Wenn wir über Wirtschaft und Moral reden, müssen wir den Blick auf die Gesellschaft und ihre kulturellen Ausprägungen richten. Vieles, was wir als Moral thematisieren – theoretisch wie im gesellschaftlichen Diskurs –, ist eingelagert in die Kulturlandschaft, in deren Normen, formelle und informelle Institutionen, Muster und Habitus. Möglicherweise ist der thematische Korpus der Moral noch ein abendländischer Rest des Nachdenkens über gesellschaftliche Ordnungen und Bewegungen, aus einer Zeit, als es weder eine ausgefaltete Ökonomie noch Soziologie gab, und beides noch in Kategorien von Ethik und Politik abgehandelt wurde. Erst in der Neuzeit kam die Idee der Verrechtlichung (im Naturrecht) sozialer Beziehungen auf. So wie erst das Recht sich aus den Herrschaftsbezügen ausklinkte (und Recht und Politik zu komplementären Ideenräumen wurden), so hernach im 18. Jahrhundert die Ökonomie, die sich in ihrer modernen, aufgeklärten Version als autonome Selbstorganisation des Marktes verstand (und sich damit gegen das Recht wie gegen die Herrschaft und Politik absetzte, zum Teil aber noch, wie bei Adam Smith, moralisch fundiert).
In den historisch ausgefalteten Konventionen und Institutionen moderner Gesellschaften, im Rahmen ihrer kulturellen Zivilität ist die Erörterung des Moralischen ein Indikator für Parameterverschiebungen, für soziale Spannungen und für bereits sichtbare Brüche, ohne dass die entfalteten Bereiche schon neue Sprachen und Handhabungen haben, sich als rechtliche, ökonomische und gesellschaftliche Probleme zu klären. Vieles, was früher in moral terms erörtert wurde, wird heute in soziologischen, rechtlichen, psychologischen, ökonomischen terms behandelt. Moral, so die These, ist ein eigenständiges Sensorium für Spannungen und Brüche, das zwar eine Sprache hat, aber kein Umsetzungsmedium. Auch keine eigene Arena.
