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Australien in den Achtzigerjahren. Zwei wahre Fälle. Mord in Adelaide: Lebenslänglich oder nicht? Ein spektakulärer Mordfall beherrscht die Medien. Und viele Menschen - besonders Frauen - treibt der Fall auf die Straße: sie fordern trotz des brutalen Gewaltaktes eine milde Strafe oder sogar eine Begnadigung. Gibt es eine Rechtfertigung für Mord? Der Stalker: Er ist ihr Schatten, immer in ihrer Nähe. Im Büro, in der Uni, in der Bibliothek, in der Kneipe, im Wagen hinter ihr. Er berührt sie - fast - nie, spricht wenig, schreibt Liebesbriefe. Er wird sie bekommen, früher oder später, sagt er. Notfalls nach ihrem Tod. Wird sie je wieder frei von Angst und Misstrauen leben können? Die Print-Ausgabe erhalten Sie direkt beim Verlag oder bei Ihrem Buchhändler.
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Seitenzahl: 44
Veröffentlichungsjahr: 2017
Adele Horin
Mord in Adelaide
Der Stalker
Aus dem Australischen übersetzt von
Melanie Krahmer
1. Auflage
Balladine Publishing Ltd & Co. KG, Hamburg
Copyright © 2017 Balladine Publishing
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Balladine
ISBN 978-3-945035-19-1
www.balladinepublishing.com
Mord in Adelaide
Der Stalker
Über die Autorin
Verzeichnis der Originaltitel
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Am 16. Juli 1980 verurteilte der Oberste Gerichtshof von Südaustralien eine 47jährige Frau für den Mord an ihrem Ehemann zu einer lebenslangen Haftstrafe. Adele Horin fuhr nach Adelaide, um über den Prozess zu berichten. Die Namen der Personen wurden geändert.
Am Donnerstag, den 2. April 1980, hatte Constable Peter Watson Nachtdienst in der Polizeizentrale von Adelaide. Um Punkt 2.52 Uhr morgens nahm er einen Anruf über die Notrufnummer 000 entgegen.
»Polizeizentrale«, meldete er sich.
»Ich habe gerade meinen Mann ermordet«, sagte eine Frau.
»Sie haben gerade Ihren Mann ermordet?«, fragte Watson. »Wo wohnen Sie?«
Die Frau gab ihm die Hausnummer in einer Hauptstraße einer Vorstadt von Adelaide, in der überwiegend Arbeiter lebten.
»Ich lasse das Licht für Sie brennen, kommen Sie einfach herein«, sagte die Frau und nannte ihren Namen.
»Wann haben Sie ihn getötet?«
»Vor ungefähr zehn Minuten.«
»Ich schicke sofort jemanden zu Ihnen hin, okay?«, fragte Watson.
»Okay.«
Constable Trevor McLeod vom Crime Investigation Branch wurde zusammen mit seinem Partner Constable Healy zu dem Haus geschickt. Ein Außenlicht war eingeschaltet, die Haustür war geöffnet worden.
Eine Frauenstimme rief: »Die Tür ist offen. Kommen Sie herein.«
Im Korridor brannte Licht. Die Polizisten konnten links in ein Wohnzimmer blicken, in dem zwei Frauen auf einer Couch saßen.
Die jüngere Frau, die einen langen, weißen Frotteebademantel trug, weinte hemmungslos. Die ältere Frau, die in einen geblümten Nylonmorgenrock gehüllt war, hatte der jüngeren den Arm um die Schulter gelegt. Sie wirkte völlig ruhig.
»Was ist hier los?«, erkundigte sich Healy, in der Tür stehend.
»Ich konnte nicht länger ertragen, was mein Mann tat«, sagte die ältere Frau mit sanfter Stimme und englischem Akzent, »und so habe ich ihn getötet.«
Sie stand auf, ging an den beiden Polizisten vorbei und lief den Flur entlang in die Küche. Das Licht brannte. Sie wies auf eine Axt, die gegen eine Kommode gelehnt war. An der Schneide klebte Blut. Sie wollte eine weitere Tür öffnen, aber Healy hielt sie auf.
»Wo ist es geschehen?«
»Im Schlafzimmer, wo mein Mann ist«, sagte sie.
Mittlerweile, um 3.20 Uhr am Morgen, wimmelte es in dem Haus von Polizei. Constable Debra Wheatley traf ein.
»Er hat uns das Leben zur Hölle gemacht«, erzählte ihr die ältere Frau. »Und er behandelte die Mädchen entsetzlich. Jetzt ist er tot und wir können in Frieden leben. Er hat es verdient. Ich konnte nicht zulassen, dass er den Mädchen weiterhin diese Dinge antat.«
Im August 1950 kam Janet von England nach Australien. Im Mai 1954 heiratete sie Stan, einen australischen Profisportler, der seinen Lebensunterhalt bald darauf als Fernfahrer bestritt.
»Die ersten paar Jahre unserer Ehe waren gar nicht so übel«, würde Janet siebenundzwanzig Jahre später vor dem Obersten Gericht erzählen. »Er neigte zu Ausbrüchen von Jähzorn, schien sie aber immer kontrollieren zu können.«
Doch mit den Jahren, so erfuhr das Gericht, nahmen diese Wutanfälle zu. Eine Freundin der Familie sollte aussagen: »Wenn sie auch nur irgendetwas sagten, das ihm nicht passte, dumme Kleinigkeiten, schlug er mit der Faust auf die Tischplatte, griff sich die nächstbeste Tasse, knallte sie auf den Tisch, sodass sie zerbrach, oder warf den Tisch um. Ich habe niemals jemand anderen kennengelernt, der so war. Janet saß dann still da und sagte kein Wort, und manchmal zitterte sie.«
Jedes Mal, wenn sie schwanger wurde – sie bekam fünf Mädchen und einen Jungen –, explodierte Stan. Er wollte, dass sie abtrieb. Als sie mit ihrem fünften Kind in den Wehen lag, weigerte er sich, sie ins Krankenhaus zu fahren.
»Alles, was ihn beschäftigte, war: er wollte ausgehen, und ich hatte seine Sachen nicht zurechtgelegt«, sagte Janet dem Gericht.
Als er sie am nächsten Tag im Krankenhaus besuchte, hatte er eine blonde Sechzehnjährige bei sich – seine »Freundin«, wie er erklärte.
Seine Frau verbat sich das.
»Ich bringe sie mit, wann immer es mir passt«, sagte er. Das Mädchen begleitete ihn auch bei weiteren Besuchen.
Er gab dem Baby den Namen seiner Freundin und ließ diesen ins Geburtsregister eintragen. Als Janet aus dem Krankenhaus entlassen wurde, versuchte sie, den Namen ändern zu lassen, was ihr die zuständige Behörde jedoch verweigerte.
Janet wurde eine Meisterin darin, Messern und Tassen auszuweichen. Nach einer solchen Attacke stieß Stan sie gewöhnlich zu Boden und zwang sie, den Dreck wegzumachen. Er packte sie an der Kehle und drückte sie an die Wand. Die Kinder zerrten an seiner Hand.
»Er schlug uns mit der Faust und versetzte uns Ohrfeigen, und er benutzte Stöcke, Riemen, alles Mögliche«, sagte die zweitälteste Tochter Diane, 22 Jahre, vor Gericht aus. »Ich habe gesehen, wie er Marys Nase brach. Er schlug ihr die Faust ins Gesicht. Er hat Sally an der Kehle hochgehoben … und versetzte ihr einen Schlag quer übers Gesicht.« (Mary war die älteste Tochter, Sally die jüngste.)
Er fand Dianes Antibabypillen, die sie wegen ihrer Menstruationsbeschwerden einnahm, und drehte durch. Er riss sie hoch und schleuderte sie gegen die Wand, sodass sie bewusstlos wurde.
