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"Ich geh dann mal mit Moses." Das sage ich inzwischen jeden Tag. Gemeint ist damit, dass ich Gassi gehe. Moses ist unser Hund. Er hieß schon so, als wir ihn bekamen. Irgendwie passte der Name zu ihm. Eigentlich wollten wir ja keinen Hund. Doch manchmal kommt es eben anders.
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Seitenzahl: 50
Veröffentlichungsjahr: 2021
Diese Geschichte ist fiktiv. Ähnlichkeiten mit Personen oder Begebenheiten sind rein zufälliger Natur.
Ursula Striepe
MOSES
Aus dem Leben mit einem Hund
Erzählung
© 2021 Ursula Striepe
Umschlaggestaltung: Ursula Striepe
Korrektorat: Renate Hauck, Harald Kipp, Harry Springer
Verlag & Druck: tredition GmbH,
Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
978-3-347-31005-6 (Paperback)
978-3-347-31006-3 (Hardcover)
978-3-347-31007-0 (e-Book)
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Für Moses
„Ich geh dann mal mit Moses.“ Das sage ich inzwischen jeden Tag. Gemeint ist damit, dass ich Gassi gehe. Moses heißt unser Hund. Er hieß schon so, als wir ihn bekamen. Irgendwie passt der Name zu ihm und deshalb sind wir dabei geblieben.
Inhalt
Einleitung
Ich will keinen Hund
Wir wollen keinen Hund
Die ersten Spaziergänge
Wir wollen Moses
Moses kommt langsam an
Abenteuerliche Spaziergänge
Ein völlig normaler Hund
Hier wohnt Moses
Hart, sanft und ängstlich
Rudelzuwachs
Moses ist unschuldig
Moses muss es schaffen
Alles wird gut
Und es kam schlimmer
Ein eingespieltes Team
Ich geh dann mal mit Moses
Einleitung
Ich spüre, dass etwas mein Haar berührt und schrecke auf. Es ist mitten in der Nacht. Vielleicht ist es eine Spinne? So große, schwarze Rennspinnen verirren sich öfter ins Haus und ich erinnere mich daran, dass mir schon einmal eine über das Gesicht gelaufen ist. Reflexartig versuche ich dieses Ding mit der Hand abzuschütteln. Weil ich nicht sicher bin, ob es weg ist und vor allem was es gewesen sein könnte, setze ich mich auf und knipse das Licht an. Nur langsam gewöhnen meine Augen sich an die ungewohnte Helligkeit. Der Wecker steht auf halb fünf. Zuerst sehe ich nichts Verdächtiges. Dann kribbelt es an meinem Arm. Dort sitzt ein kleiner, grüner Grashüpfer. Tatsächlich! „Nicht zu fassen“, denke ich, „wie kommt der denn hier rein? Und wieso hüpft er nachts herum? Kann er im Dunkeln sehen?“ Ich nehme ihn vorsichtig in meine Hand, stehe auf und entlasse ihn durch das offene Fenster in die Nacht.
Ich habe nicht gut geschlafen und bin unruhig. Die Katze ist heute Nacht noch gar nicht durchs Fenster ins Haus und auf mein Bett gekommen. Das ist ungewöhnlich. Misu hat ihre Gewohnheiten, die sie selten ändert. „Vielleicht ist der Grashüpfer zu mir gekommen, um mir Bescheid zu geben, dass sie Hilfe braucht“, schießt es mir durch den Kopf. „Dass ich so etwas denke, darf ich aber niemandem erzählen, sonst hält man mich für verrückt.“ Aber wieso? Vielleicht stimmt es ja doch. Es wäre ja möglich. Niemand hat bisher das Gegenteil bewiesen. Ich ziehe meinen Bademantel über, gehe hinunter ins Erdgeschoss und schnappe mir eine Taschenlampe. Damit und mit Gartenclogs an den Füßen gehe ich hinaus auf den Hof. Moses, unser Hund, schaut mich verschlafen an, folgt mir dann aber schließlich, denn er ist auch ein bisschen Hütehund. Vielleicht ist die Katze mal wieder irgendwo eingeschlossen. Misu musste schon häufiger in der Garage übernachten, weil sie sich dort gern unbemerkt hinein schleicht. Einmal verbrachte sie sogar eine ganz Nacht im Auto.
Egal wohin ich leuchte, gucke und rufe, es rührt sich nichts. Immer wieder habe ich in solchen Situationen Angst, dass der Katze etwas passiert sein könnte, dass sie sich nicht selbst befreien kann. Moses tappt hinter mir her in den Garten. Es ist stockfinster und empfindlich kalt, nur im Schein der Taschenlampe sehe ich den Weg. Auch hier bleibt mein Rufen und Locken unbeantwortet. Keine Katze weit und breit. „Unglaublich“, denke ich, „früher hätte ich nie gedacht, dass ich einmal mitten in der Nacht, mit Bademantel und Gartenclogs bekleidet, mit einer Taschenlampe den Weg leuchtend eine Katze im Garten suchen würde.“ Und ich sehe mich wie ein Gespenst den Weg mit wehendem Mantel zurück schweben, Moses immer an meiner Seite.
Ich lege mich wieder ins Bett, kann aber nicht mehr einschlafen, sondern wälze mich von einer Seite auf die andere. Es wird langsam hell und endlich klingelt der Wecker. Ich stehe auf und gehe noch einmal leicht bekleidet, nach der Katze rufend, hinaus. Wieder ohne Erfolg. Dann, als ich die Haustür gerade schließen will, huscht Misu durch einen Spalt herein. Fordernd miauend dirigiert sie mich ins Badezimmer und springt auf das Waschbecken. Sie will „getränkt“ werden. Sie hat einen riesengroßen Durst und ich soll ihn stillen. Also lasse ich kaltes Wasser in meine Handschale laufen und halte sie ihr hin. Dafür, dass wir weder einen Hund noch eine Katze wollten, haben uns beide im Laufe der Zeit ganz gut erzogen.
Ich will keinen Hund
Eigentlich will ich gar keinen Hund. Unsere Tochter liegt mir in den Ohren. Sie möchte so einen kleinen, weißen, quirligen Kuschelhund. Ich lehne ab. „Wenn überhaupt, dann doch eher einen aus dem Tierheim. Kein Tier hat es verdient, lange dort zu bleiben.“ Das sage ich so leicht dahin und sie wittert ihre Chance. Dann war sie für ein Schulprojekt in einem Tierheim und hat Bilder einer weißen Hündin aus Rumänien mitgebracht, die ganz lieb und zutraulich gewesen sein soll. Ich sage: „Nein, wir haben schon Goldhamster, das reicht und bindet unsere Familie genügend.“ Für zwei Goldhamster gleichzeitig Pflegefamilien während der Sommerferien zu finden, ist schon schwierig. Aber ein Hund? Den darf man ja nun auch nicht überall mit hinnehmen. Also bleibt es beim Nein. Erst mal.
