Moto-Hiker - Jens Radewald - E-Book

Moto-Hiker E-Book

Jens Radewald

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Beschreibung

Zwei Motorräder, ein Pärchen in den besten Jahren, ein Traum. Jetzt wird´s Zeit, denkt sich Jens, der treibende Part der beiden. Nach vielen 3 wöchigen Motorradreisen durch fast ganz Europa liegen neue Ziele immer weiter weg. Das Konzept stimmt nicht mehr, also muss ein neues her. Motorradfahren, ohne an die Rückreise denken zu müssen. Länder und seine Menschen kennenlernen, das ist das Ziel. Den Horizont erweitern. Das Buch ist im Stil eines Reiseberichtes geschrieben. Manches lässt den Leser schmunzeln, manches stimmt nachdenklich. Auf jeden Fall - Lebensfreude.

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Seitenzahl: 270

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Susanne und Jens Radewald

MOTO-HIKER

Südosteuropa & Türkei

Reisetagebuch von Susi und Jens

© 2021 Jens Radewald, Susanne Radewald

ISBN Softcover: 978-3-347-50485-1

ISBN E-Book: 978-3-347-50494-3

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.

05.04.2021, Parchim, Base-Camp, Plan ABC-Tour

Heute ist der 5.4.2021. Wir sind jetzt seit 4 Tagen unterwegs und haben die Masuren erreicht. So oder ähnlich hätte der Eintrag lauten können, wenn alles nach Plan A gelaufen wäre. Womit wir beim ersten Thema wären, was bedeutet Plan-ABC-Tour? Die Erklärung ist ganz einfach. Man hat einen Plan A, lässt sich dieser nicht umsetzen, greift Plan B. Wenn der auch nicht funktionieren sollte, ist es gut, wenn man einen Plan C hat. Aber vielleicht von vorne.

2018 nach unserer fünfwöchigen Motorradtour mit Hauptziel Rumänien reifte bei uns der Gedanke, eine Reise zu unternehmen, bei der man nicht nach 2 Wochen an die Umkehr denken muss. Ziel und Route schwirrten schon seit längerem in meinem Kopf herum. Es soll nach Osten gehen. Das Ziel ist Wladiwostok. Die Strecke soll uns über den Pamir Highway und die Stan-Länder führen. Wir entschieden uns für das Jahr 2021, da wir beruflich und privat noch einiges klären müssen. Unser Zeitfenster beträgt knapp 7 Monate, in dem Susi eine Auszeit von ihrem Job nimmt, Dank dem öffentlichen Dienst. Die Motorräder sollten dann anschließend in Wladiwostok überwintern, um im darauffolgenden Frühjahr von dort aus zu starten, im Hinterkopf immer der Gedanke an eine Weltreise. Das war Plan A.

Hätte der Hund nicht geschissen, hätte er einen Hasen gefangen oder wie man seit 2020 sagt: Hätte die Fledermaus nicht geschissen, wären Susi und Jens jetzt auf Tour. Wahrscheinlich auch viele Gleichgesinnte auf der ganzen Welt, denn die Corona-Pandemie hat diese seit letztem Jahr in ihren Klauen. Wir haben bis in den Januar noch gehofft. Als wir dann unsere Visa beantragen wollten, mussten wir enttäuscht einsehen, dass es in diesem Jahr nichts wird mit Plan A. Absolutes Einreiseverbot in Usbekistan, Tadschikistan, Russland usw.

Es ist immer gut, einen Plan B zu haben. Trotz aller Enttäuschung nach 3 Jahren Planung und Vorbereitung fassten wir den Entschluss, die 7 Monate wie geplant zum Motorradreisen zu nutzen. 2019 scheiterte unser Reiseziel Bosporus und Griechenland an einer bescheidenen Kurve am Fuße der Transalpina in Rumänien. Motor gerissen - Abbruch der Tour. In der Hoffnung, durch europäische, visafreie Länder unproblematischer reisen zu können, entschieden wir uns, diese Tour in ausgiebiger Form anzugehen. Start über Polen, Ukraine, Rumänien, Bulgarien, dann Bosporus und Zentraltürkei mit Hauptziel Griechenland, Rückzug über die Balkanstaaten, denn einige Aufkleber fehlen noch auf meinen Koffern.

Dass im Leben nicht immer alles rund läuft, war uns natürlich bewusst. Wie lange allerdings eine Pandemie wie Corona unser aller Leben beeinflusst, selbst wenn es einen persönlich zum Glück nicht erwischt hat, war uns Optimisten nicht ganz klar. Dazu all die Maßnahmen der Regierung, ob nun sinnvoll oder nicht, sei dahingestellt. Masken beim Einkaufen sind akzeptabel, Schnelltests ok, Impfungen das Allheilmittel, aber um Gottes Willen keinen Individualurlaub in einer Ferienwohnung, kein Fitnesscenter an Einzelpersonen stundenweise vermieten und vieles mehr. So viele Gewerbetreibende und Einzelhändler haben Super-Konzepte, aber besser ist in den Augen der Regierenden der Online-Friseur, der Online-Einkauf, das Online-Theater, der Online-Elektriker, um mal für meine Branche eine Bresche zu schlagen. Wobei ich sagen muss, dass wir Handwerker immer noch Glück hatten. Arbeit ist genug da, es werden nur leider immer weniger, die mit handwerklichen Berufen ihr Geld verdienen wollen, und das macht uns Angst. Wie dem auch sei, im Augenblick sind alle an Deutschland angrenzenden Länder ROT auf der Corona-Landkarte und wir zum Warten verurteilt. Unsere Oldies freut es, hatten sie uns doch seit 16 Jahren mal Weihnachten bei sich und nun trinken wir auch noch das Osterwasser gemeinsam. Unser Willi hat unsere Wohnung übernommen und ist damit Herr des Hauses und wir warten in unserem, im letzten Jahr umgebauten Basecamp mit vorbereiteten Motorrädern und Koffern sowie neuer Campinggrillplatte auf ein Schlupfloch an irgendeiner Grenze.

24.04.2021, Parchim, Base-Camp

Tik tak, die Uhr tickt. Polen ist offen. Zwar mit negativem Test, aber das sollte klappen. Und somit hat sich unser Start um einen Monat auf den ersten Mai verschoben, aber besser spät als nie. Haben heute das Zelt aufgebaut und imprägniert. Letzte Reparaturarbeiten am Winterquartier sind erledigt. Kommende Woche wird gepackt und Samstag dann gestartet. Kontakt zum ersten Campingplatz ist bereits hergestellt, sie freuen sich auf uns und wir erstmal. Alles Weitere wird sich finden.

03.05.2021 Szczecin

Abschied ist ein scharfes Schwert, Abschied auf Raten sind viele kleine Messer. In normalen Zeiten hätten wir eine Abschiedsparty gegeben und alle Freunde und Verwandten eingeladen. Es wäre ein Abwasch gewesen und gut. Aber Corona lässt das nicht zu, trotzdem wollten uns alle nochmal sehen und drücken und so gab es viele kleine Abschiede. Da sind natürlich unsere besorgten Mütter und Onkel Uwe, unsere entspannten Jungs und Freunde, die sich das nicht nehmen lassen wollten. Und dann sind da noch Freunde wie Marian und Druschek. Druschek hat sich gleich dreimal verabschiedet, jeweils an den 2 Wochenenden vor Start und dann hat er uns auch noch mit seiner Norton bis Woldegk begleitet. Ich glaube, er wäre gerne mit auf diese Reise gekommen - Traum eines jeden Motorradfahrers. Wir kennen uns schon seit der Kindheit, haben uns gegenseitig nicht gemocht. Das änderte sich aber vor knapp 30 Jahren und seitdem verbindet uns die Liebe zum Motorradfahren, gute Musik und auch mal ein Schnapswasser. Es bedarf nie vieler Worte, da man sich auch ohne immer versteht. Danke, dass es Dich gibt, mein Freund.

So hatten wir uns also den 1. Mai als Startdatum ausgesucht, das Zelt imprägniert und verpackt, die Motorräder in Startposition umgedreht, den Kühlschrank geräumt und sind dann Samstag früh gestartet. Als Erstes zum Testzentrum ins HdJ, wo wir von Ela noch ein Käffchen bekommen haben. Wir sind negativ, was aber in keinem Fall unsere Einstellung widerspiegelt. Nun hieß es nochmal, bei der Familie endgültig Tschüß zu sagen, Küsschen, Drücker und los. Marian überraschte uns in Lübz noch mit seiner blauen Lichtorgel in Form seines Rettungswagens und in Appelburg stieß dann Druschek, wie schon erwähnt, zu uns. Das Wetter war wie angekündigt bescheiden, aber so kann es ja nur besser werden. Nieselregen und konstante 7°C werden auf Dauer ungemütlich.

Wir haben Dank der medialen Propaganda mit scharfen Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze gerechnet und waren umso verblüffter, als wir überhaupt keine Präsenz von Ordnungshütern und Grenzbeamten wahrnahmen, nicht mal auf der Gegenspur. Wer will denn bei Wiedereinreise die 10tägige Quarantäne anordnen? Zu Corona hat sicherlich jeder seine eigene Meinung und ich möchte hier auch kein politisches oder medizinisches Statement abgeben, da ja selbst die Leute, die für diese Jobs bezahlt werden, mit der Situation überfordert sind. Aber nun sag doch mal, welchen Sinn macht es, wenn im Park die Bänke 25 m auseinander stehen, Du Dich aber nur auf jede zweite setzen darfst. Oder warum darf man auf Campingplätzen nicht mehr das einzige Urinal benutzen? Einige Dinge werden sich mir nie erschließen.

Wie dem auch sei, der Campingplatz bei Szczecin empfing uns ohne Regen bei tropischen Temperaturen um die 10°C. Das Zelt war im Handumdrehen aufgebaut, dann gab es ‘n Lüdden, Kaddy sei Dank, zum Aufwärmen und eine Stulle. Die kommenden Tage soll es wettertechnisch nicht viel besser aussehen, also haben wir gestern Szczecin per Pedes erkundet. Ich merke heute noch die gut 20 km in den Beinen. Szczecin ist eine Hafenstadt und wirkt dadurch sehr industriell. Die Innenstadt ist doch recht ansehnlich und würde ohne Corona und mit geöffneten Biergärten und Sonne ganz anders wirken. Es gibt, wie könnte es auch anders sein, eine Menge Kirchen und einige schöne, historische und vorpolnische Bauwerke, wie z.B. die Haken-Terrassen.

Heute ist Gammeltag, wir haben einen verwahrlosten Grill gefunden und ein wenig Holz gesammelt. Also werden wir unseren Grog heute am Feuer genießen. Es gilt noch bis Sonntag durchzuhalten, dann kommt der Sommer.

04.05.2021 Rummelsburg (Miastko), 290km, 10°C

Das Wetter. Über nichts wird so gerne „gesmalltalkt“ wie über das Wetter. Und es ist meistens nie so, wie wir es haben wollen. Erst recht nicht für Motorradfahrer und Camper. Auch uns beschäftigt es zur Zeit sehr intensiv. Da ist in erster Linie natürlich die Temperatur tagsüber von ca. 10°C, außerdem der unablässige Wind, durch den sich die 10°C anfühlen wie 2°C und ab und zu ein kleiner Schauer als Showeinlage. Die Härte sind dann aber die Nachttemperaturen, z.B. in kommender Nacht, von 1°C. In der letzten Nacht haben wir erstmals mit Doppelsocken und Thermohose zusätzlich zu der langen Skiunterwäsche geschlafen und siehe da, es ging. Die Nase darf man natürlich nicht anfassen, da sie sonst wahrscheinlich abbricht. Und das sieht doch Sch… aus. Abends hilft nur ein heißer Grog, unser temporäres Lieblingsgetränk. Egal, es ist wie es ist.

Rummelsburg. Was treibt uns nach Rummelsburg? Das ist eine sehr private Geschichte und betrifft meinen Papa. Er wurde hier geboren und ist hier aufgewachsen bis ein österreichischer Gefreiter meinte, er muss die Welt beherrschen. Der Rest ist Geschichte. Und da mein Papa vor einem Jahr gestorben ist und immer leuchtende Augen bekam, wenn es um Rummelsburg ging, haben wir beschlossen, einen Teil von ihm nach Hause zu bringen. Deshalb Rummelsburg. Außerdem wollen wir natürlich auch die Gegend, in der er seine Kindheit und Jugend verbracht hat, ein wenig kennenlernen. Er sprach gerne vom Lodder-See, wo er bestimmt mit seinen Brüdern und Freunden den Mädels hinterhergepfiffen hat oder von der Kirche, in der zu Weihnachten der Quempas gesungen wurde. Er wollte übrigens Pastor werden, ein Glück ist das schiefgegangen. Er sprach auch von einem Onkel, der sogar ein Motorrad besaß. Man sieht, ich kann nichts für meine Neigung, es liegt in der Familie. Wobei natürlich meine Eltern wie alle Eltern gar nicht so dafür waren.

Rummelsburg ist eine alte Tuchmacherstadt. Meine Oma hat hier auch als Näherin gearbeitet. Die Stadt hat ca. 11000 Einwohner, hat nichts Besonderes, ist aber auch nicht hässlich. Es gibt sogar einen aktiven Bahnhof. 1590 wurde hier ein Pfarrer seines Amtes enthoben, wegen Gottlosigkeit- Sachen gibt’s. Der Friedhof thront auf einem Hügel mit Blick auf die Stadt, deutsche Gräber haben wir keine mehr gefunden, warum auch. In der Nähe ist der Lodder-See mit einer recht neuen und schönen Badeanstalt. Und überall Wälder und Seen.

Das ist überhaupt etwas, was einem in dieser Gegend immer wieder begegnet, Wälder und Seen. An einem in Bobięcino sind wir auf einem noch geschlossenen Campingplatz untergekommen. Campingplätze haben hier noch bis zum 9. Mai geschlossen. Wir haben den Betreiber angeschrieben. Er hatte wohl Mitleid mit uns und instruierte seine Eltern, uns ein lauschiges, nicht einsehbares Plätzchen zuzuweisen. Wir sind glücklich und dankbar und frieren vor uns hin. Wie es aussieht, noch bis Samstag. Übrigens, Wandern wärmt. PS: Die komischen Bäume findet man in dem Krummen Wald südlich von Szczecin.

Krummer Wald bei Szczecin

Bronek

10.05.2021, Elblag, 200 km, 22°C

Sonne! Was kann es Schöneres geben nach einer Woche Kälte, Wind und Regen? Ein Temperaturanstieg von mehr als 10°C zuzüglich Sonne und nur noch leichter Wind ist Balsam für Knochen und Seele. Als wir gestern früh aufwachten, sah es so gar nicht nach Besserung aus, im Gegenteil, es regnete sogar ein wenig. Sch…-Vorhersagen. Aber egal, nur der Pessimist krabbelt zurück ins Zelt. Wir duschten in einer Regenpause unter unseren Wassersäcken, setzten Kaffee auf und frühstückten wie gewohnt unter unserem Vorzelt und hörten den Regentropfen zu. Wenn man lange genug zuhört, erkennt man sogar einen Rhythmus. Je langsamer, desto mehr Hoffnung. Wenn man gar nichts mehr hört….-genau! Wir packen.

Kurz schaute Bronek auf dem Weg zum Dorfkonsum vorbei, in einer Hand sein letztes Bier, in der anderen den Beutel mit den leeren Flaschen. Ich würde ja auch gerne, aber in Polen gilt 0,2 Promille. Bronek ist ein Lieber. Macht alle anfallenden Arbeiten für unsere Gastgeber, kann ein wenig deutsch, arbeitet manchmal für einen Schaustellerbetrieb in Deutschland und trinkt gerne Bier. Ab und zu auch ein Schnäpschen. Wir haben in den letzten Tagen 1-3 Bierchen zusammen gezischt, während er die neue Entsorgungseinrichtung für Wohnmobile installierte; über Bolek und Lolek geschnackt und uns gegenseitig von unseren Familien erzählt. Auch fragte er, ob wir die Polen mögen, was wir für uns bejahten, allerdings hatten wir dadurch den Eindruck, dass die Polen schon merken, dass wir Deutsche Vorurteile haben.

Heute nun ist Sonntag und er auf dem Weg zum Frühschoppen. Wir packen immer noch, als er plötzlich wieder auftaucht- mit leichter Schlagseite. Ein wenig drückt jetzt die Zeit. Wie sagen wir ihm, dass er gerade stört, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen? Wir versprechen, nach dem Packen nochmal bei ihm auf einen Kaffee vorbeizuschauen. Geklappt. Und so lernen wir Grschina (weiß nicht, ob das richtig geschrieben ist), seine Frau kennen. Sie weiß ihn zu nehmen. Wir halten ein nettes Schwätzchen. Sie arbeitet zusammen mit ihren beiden Töchtern ebenfalls in Deutschland als Erntehelfer in der Nähe von Itzehoe. Dank Cor… natürlich zur Zeit nicht. Was wäre unsere Wirtschaft nur ohne unsere Nachbarn? Sie leben sehr einfach, er entschuldigt sich ständig für die Möhle auf seinem Gehöft. So schlimm finde ich es gar nicht, komme ja selber vom Dorf und kenne auch unsere Möhlecken. Er meint, in Deutschland gäbe es so etwas nicht – naja, vielleicht nicht in Itzehoe. Jedenfalls war der Kaffee lecker, die Gastgeber nett und wir um eine Begegnung reicher.

Auf nach Elbląg. Wir sind also recht spät gestartet, so gegen 13.45 Uhr, kommen 10 km später durch Rummelsburg und was sehen wir?- Tausende Biker sind auf dem Sportplatz und überall in der Stadt treffen sie sich zum Beginn der Motorradsaison. Wir wollen weiter und lassen wie die meisten die zwei Grußfinger an der Kupplung, außerhalb wird es weniger und man grüßt sich wieder. Wir fahren entspannt mit ca. 100 km/h und werden immer wieder von einigen, jungen Wilden überholt. Aber wir (ich) haben gelernt, wir sind Moto-Hiker, was soviel bedeutet wie Motorrad-Wanderer, Ankommen kann auch ein Ziel sein.

Das Feld lichtet sich und wir passieren Malbork, eine Stadt 30 km vor Elbląg, mit einer wunderschönen Burganlage, in welcher der Deutsche Orden ca. 150 Jahre seinen Sitz hatte. Dann Elbląg (deutsch Elbing). Endlich mit Flipflops das Zelt aufbauen, und ein Bier in der warmen Sonne – geschafft. Der erste Gedanke war, hier eine Nacht zu verbringen. Gut dass man ab und zu einen zweiten Gedanken hat, also zwei Nächte.

Elbąg hat eine bewegte geopolitische Geschichte. Was sie auszeichnet ist die Retro-Architektur und Sauberkeit. „Die Altstadt wurde während des 2. Weltkrieges zu 95 % zerstört. Seit einigen Jahrzehnten wird sie aber stetig wieder aufgebaut. In der Altstadt entstehen Gebäude, die denen vor der Zerstörung nachempfunden werden, jedoch mit stilvollen Elementen der Architektur des 21. Jh. Das ist eine so genannte Retroversion. Sehenswert in der Altstadt sind die St. Nikolaus Kathedrale. Sie wurde während der Jahrhunderte mehrmals umgebaut, nach dem Vorbild einer Kirche in Lübeck. Ihr Turm ist der höchste in der Woiwodschaft, von ihm aus kann man das Panorama der Stadt bewundern.“ - diesen Text habe ich geklaut, besser hätte ich es nicht beschreiben können. Außerdem ist Elbląg für uns das Tor in die Masuren, in dessen Herz wir morgen stoßen wollen.

PS: Der Campingplatz ist top, warme Duschen in beheizten Sanitärräumen, Camper-Küche, WiFi und Sonne inklusive erstem Sonnenbrand.

11.05.2021,Masuren, 207 km + 188 km, 26°C

Wer Mecklenburg kennt und liebt, wird auch die Masuren lieben. So jedenfalls ist unser Resümee. Vieles erinnert uns an unsere Heimat, nur wirkt hier alles viel weiter. Felder, Wälder und Seen, soweit das Auge reicht. Hier gibt es wunderschöne Birkenwälder (mein Favorit unter den Bäumen), Kiefernwälder (in einem haben wir unser Wild-Camp aufgeschlagen) und immer wieder Seen und Flüsse, die diese miteinander verbinden.

Das scheint hier auch die hauptsächliche Touristenattraktion zu sein. Wir kommen an vielen Gehöften vorbei, auf denen unzählige Kanus auf ihren Einsatz warten. Dank der aktuellen Pest und vielleicht auch wegen der frühen Jahreszeit liegen sie alle noch nicht im Wasser. Die Restaurants und Bars putzen sich heraus und warten auf ein „Go“. Wir hoffen für sie mit.

Unseren letzten Abend in Elbląg verbrachten wir mit Ute und Rainer aus Stendal vor unserem Zelt. Dank Rainer gab es zu meinem Bierchen auch noch einen Cola-Wiskey, was wir am nächsten Morgen bereut haben, besonders Susi. Die beiden haben gerade Ferien und wollen mit ihrem T6-Multivan auch in die Masuren. Sie und wir sind nicht die einzigen Ausreißer hier, heute an der Wolfsschanze standen schon zwei GS mit ME-Kennzeichen auf dem Parkplatz. Leider haben wir die Fahrer nicht mehr getroffen, aber eines unserer heutigen Ziele hiermit offenbart- die Wolfsschanze. Sie war nicht zwingend in unserer Reiseplanung, aber wenn wir schon mal hier sind….

Das ehemalige Führerhauptquartier ist eine Ansammlung von gigantischen, zerstörten Betonelementen. Der Moos-und Baumbewuchs gibt dem Ganzen den Anschein eines fast natürlichen Felsenlabyrintes. Es wird gerade viel gebuddelt und gebaut und wenn wir richtig gesehen haben, entsteht hier direkt ein Campingplatz, vielleicht deuten wir es aber auch falsch. Die Anlage wird auf jeden Fall touristisch erschlossen. Es erscheint schon ein wenig makaber, wenn man bedenkt, dass die, die der Gröfaz (Begriff meines Freundes Druschek: Größter Führer aller Zeiten) ausrotten wollte, diese Wirkungsstätte erhalten und sanieren, aber Wahnsinn braucht Mahnmale. So ist es.

Das Schöne an den Masuren ist jedenfalls nicht der Führerbunker, sondern die Landschaft. Vielleicht sind es auch die Butterblumen, die gerade buttern oder wie auch immer. Oder die vielen Störche, die sogar wagemutig auf Kollisionskurs mit Motorradfahrern gehen, oder Enten, die in 14 m hohen Kiefern über einem losflattern oder einfach nur die Menschen, die einer notdürftigen, deutschen Motorradfahrerin den Gang zur Toilette erlauben, trotz Auflagen. All diese Kleinigkeiten machen die Masuren schön und liebenswert. Dann sind da noch die Hollywoodschaukeln und ähnliches aus Naturhölzern und die vielen Mistelzweige in den Bäumen, oder dass fast jedes Dorf einen Konsum (Laden natürlich) hat…. Genug geschwärmt.

Aber echt, uns gefällt es hier in unserem Kiefernwald mit Privatstrand, abgeschlossenem Toilettenhäuschen, Waschen im See (brrrh), Lagerfeuer vorm Zelt und kac… in die Büsche. Unsere Hängematte wurde endlich eingeweiht und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein. Eine neue Power-Bank mussten wir uns zulegen, weil die bisherige irgendwie nicht mehr will. Bei aller Ramontik sind wir natürlich auch ein wenig auf die technischen Raffinessen unserer Zeit angewiesen und wollen diese nicht missen. Ansonsten könnten wir nicht während der Fahrt kommunizieren, diesen Blog schreiben, Musik hören und erst die Zähne…. Nicht zu vergessen: das Navi. Was wären wir ohne GPS und Google. Klar, ging früher auch ohne. 2011 fuhren wir durch Irland mit Karte- ging auch. Nur Maddel und Denny hatten ein Navi im Auto und das hat uns manchmal geholfen. Seit 2012 -Italien hatte ich dann auch eins und war nicht mehr zu halten- da geht’s lang. Maddel hat mich gehasst. Aber echt, ich liebe mein mittlerweile in die Jahre gekommenes Navi. Es ist nicht so smart wie die neuesten, aber zeigt uns immer tolle Strecken, ab und an finden wir uns auf Straßen wieder, die gar keine sind, aber genau das ist der Reiz. Fremd sind uns alle Wege, also ist der angezeigte immer der schönste.

Das mit dem Kamikazestorch war übrigens kein Witz. Gut, dass wir auch mal nach rechts oder links gucken. Er schwebte auf meiner Höhe von links über die Fahrbahn. Ich habe ja (selten genutzte) Bremsen. Kurz darauf spazierte ein anderer auf der Straße vor uns und ließ sich durch unser Motorengeräusch überhaupt nicht stören. Ich glaube, die sind hier suizidgefährdet. Es gibt hier Massen an Störchen. Wenn der Fuchs der einzige, natürliche Feind der Störche wäre, hätte ich eine Erklärung dafür denn den einzigen Fuchs hier in Polen, den wir gesehen haben, war der Campingplatzfuchs in Szczecin. Aber ich habe natürlich keine Ahnung und halte jetzt besser die Klappe.

Der „Gröfaz“

13.05.2021, Warschau, 222 km + 18 km, 20°C

Wer uns kennt, weiß, dass wir Großstädte nicht zwingend mögen. Da Warschau uns nun aber fast gebissen hat und doch in vielen Foren immer wieder angepriesen wird, haben wir der polnischen Hauptstadt einen kleinen Besuch abgestattet. Untergebracht sind wir auf einem Campingplatz direkt an der Weichsel, der so richtig eigentlich keiner ist (Duschen und Warmwasser gleich Fehlanzeige). Wir wurden aber liebevoll von einer älteren Dame namens Graschina empfangen plus ihren zwei Hunden. Einer heißt Franek und der lässt sich auch streicheln. Den Namen des anderen habe ich vergessen, aber der ist wohl auch nicht ganz sauber. Nach unserer Ankunft sind wir noch zu einem Laden in der Nähe, um doch noch Herrentagsgetränke zu holen. Es wurden Zitronenradler und Somersby mit sage und schreibe 0,00% Alkohol. Der Laden ist abstinent. Cola gab's und einen Rest Whisky hatte ich noch im Koffer – guter Koffer.

Sodann machten wir uns an den Tagesplan für unseren Warschau-Besuch. Wir fanden eine Scootertour (Roller, was mir erst gar nicht bewusst war) und buchten. Abends dann eine Mail, ob wir auch Segway fahren würden. Ich war verdattert und habe dann erfreut zugesagt, mit den Dingern können wir ja schon um. Kann ich jedem empfehlen. Und so sind wir früh aufgestanden, haben gefrühstückt, die Mopeds gesattelt und uns auf in den Großstadtdschungel gemacht. Wie anständige Touristen suchten wir anfangs noch eine offizielle Parkmöglichkeit bis ich einen vorbeilaufenden Handwerker fragte, ob es hier ok sei, zwischen den Pollern Motorräder abzustellen - Nie ma problemu, super. Von dort dann per Google-Guide zum vereinbarten Treffpunkt.

Wer sagt, die Südeuropäer hätten ein gespaltenes Verhältnis zur Pünktlichkeit, sollte die Polen mit einschließen. Aber was dann kam, war die Freundlichkeit in Person namens Pawel, unser englischsprechender, persönlicher Guide mit 3 Segways.

Wir haben die Altstadtrunde gewählt, welche jeden Cent wert war. Übrigens kosten 1 ½ Stunden 22,-€ pro Person. Es war wie gesagt sehr individuell und mit den Segways kommt man super durch. Wenn ich überlege, ich müsste das alles ablaufen bei 22°C und Sonnenschein. Die sonst allgegenwärtigen Hop-on-off-Busse haben zurzeit „Pestpause“ und sind manchmal auch einschläfernd. Die Geschichte von Warschau möchte ich hier nicht zum Besten geben, dafür gibt es genügend Nachschlagewerke, aber die Stadt, besonders die Altstadt hat echt Charme, im Mittelpunkt der Alte Markt. Toll, wie diese Stadt zum Großteil wieder rekonstruiert wurde. Erwähnenswert sind auch 14 singende Bänke mit Melodien von Chopin, das Denkmal für Kopernikus und das Grabmal des unbekannten Soldaten mit der Ewigen Flamme und dem Wachwechsel (2 Zweierteams wechseln sich 7 Tage lang stündlich ab). Nett sind auch Schautafeln an besonderen Gebäuden, allerdings nur in polnischer und englischer Sprache. Natürlich waren wir auch im Kulturpalast, welcher auch Stalins Rache oder Russische Hochzeitstorte genannt wird und in nur 4 Jahren Bauzeit entstand. 16 Menschen bezahlten den Bau mit ihrem Leben. 1967 spielten hier als eine der ersten weltbekannten Rockbands im Ostblock die Rolling-Stones (allerdings vor schlipstragenden Parteifunktionären und nicht für Druschek). Alle hier freuen sich auf morgen, da wird die Aussengastronomie wieder geöffnet- es wird Zeit.

Um noch ein bis zwei schöngeistige Getränke für unser Lodderleben am Abend zu haben, schleppen wir diese durch die halbe Stadt zu den Mopeds, um dort angekommen festzustellen, dass wir genau vor einem Supermarkt geparkt hatten.- Shit happens.

Fazit: Warschau ist eine Reise wert und wie viele Städte Polens, die wir gesehen haben, sehr sauber.

15.05.2021, Familie und Freunde

Heute sind wir von Warschau in den Bialowieza Nationalpark umgesetzt. Die Sonne schien, wir hatten 20 Grad und die blühenden Butterblumen ließen die Natur hell und freundlich erscheinen, auch wenn sich mal eine kleine Wolke vor die Sonne schob. In Liw, einem kleinen unscheinbaren Dorf, entdeckten wir im Augenwinkel eine Burg. Kurzer Zwischenstopp zur Besichtigung der liebevoll sanierten Ruine und weiter ging's. Kurz vor unserem Ziel sahen wir eine Gruppe in mittelalterlichen Gewändern und beim Vorbeifahren stieg uns ein leckerer Essensgeruch in die Nase. Mittlerweile war es 15 Uhr und da wir noch keine Zwischenmahlzeit hatten, wunderte ich mich, dass Jens nicht anhielt. Kurz funkte ich meinen Traummann an und wir kehrten um. Es war eine private Feier, der Tisch rustikal gedeckt und die Suppe köchelte über offenem Feuer. Wir haben lecker gegessen, ein paar Fotos gemacht und wieder einmal nette Leute kennengelernt.

Die Straßen waren heute sehr weitläufig, Jens fuhr wie immer voran, ich folgte ihm ganz entspannt und ließ meinen Gedanken freien Lauf. Das Leben kann soooo schön sein und ich dachte an unsere Familie und Freunde. Unsere Väter können unsere Tour leider nicht mehr verfolgen. Umso stolzer sind wir auf unsere Mütter, die uns - trotz ihrer Sorgen und Ängste - mit leichtem Herzen auf die Reise ließen. Auch unser Onkelchen verabschiedete uns mit einem Lächeln und den besten Wünschen. Ich weiß aber, dass auch er uns vermissen wird, waren wir doch bisher der Dreh- und Angelpunkt der Familie.

Unsere Jungs, auf die wir natürlich ganz besonders stolz sind, stehen mit beiden Beinen im Leben. Sie übernehmen nun den Part, sich um die Oldies, Haus und Grundstück zu kümmern. Allerdings werden sie die Zeit bestimmt genießen, ohne die immerwährende Fürsorge der Eltern. Hierzu muss man erwähnen, dass wir alle zusammen in einem Mehrgenerationenhaus leben. Nur meine Schwiegermutter nicht, sie wohnt doch tatsächlich zwei Straßen weiter. Und es funktioniert -  sehr gut sogar, hat doch jeder seine eigenen vier Wände und den nötigen Freiraum lassen wir uns auch untereinander. Manchmal müssen wir sogar telefonieren, um voneinander zu hören. Eine wirklich tolle und sehr liebenswerte Familie haben wir.

Dann sind da noch zwei Mitbewohner, die ebenfalls in unserem Haus leben und das bereits so lange, dass sie schon fast mit zur Familie gehören. Wolfgang, der zu jedem Anlass immer mit übervollen Geschenketüten für uns auf der Matte steht, obwohl er selbst nicht viel hat. Ralf, mit seinen endlosen Schwätzchen, die während der Alltagshektik manchmal nerven - jetzt auf der Reise werden wir sie bestimmt vermissen.

Ja, und dann noch unsere Freunde. Die Reihenfolge stellt jetzt keine Rangfolge da, sie sind uns alle sehr wichtig. Unser Lieblingsdoc Andy, übrigens ein Aufschneider / Chirurg,  den wir zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen können, wenn es mal irgendwo zwickt und wir nicht wissen, welche Pille da hilft. Oder wie bei Jens’ Behandlung im Krankenhaus nach seinem Unfall, wurden durch ihn noch einmal alle Befunde geprüft.

Felix, liebevoll von mir Blühmchen genannt. Er kümmert sich um alles, was mit Versicherungen, Schutzbrief usw. zu tun hat. Jederzeit ist er für uns da, wenn es Probleme gibt. Er liebt seine Arbeit und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Gut so für uns, haben ja schließlich noch viel vor und wie gesagt, auf ihn ist Verlass.

Kaddy, „Die, die immer lacht …“ und uns nicht ohne Glücksbringer hat abfahren lassen, obwohl sie selbst ihr Päckchen zu tragen hat.

Druschek, der das Reisen und Motorradfahren genauso liebt wie Jens und uns bei Tourstart noch fast bis zur polnischen Grenze begleitet hat.

Heiki hat uns mit warmen Socken für kalte Nächte ausgestattet und ein Gläschen ihrer super leckeren Soljanka gab’s auch noch beim letzten Treffen.

Marco, der unsere Technik auf Vordermann brachte und selbst aus der Ferne alles hinbekommt. Mettis, mit denen wir erlebnisreiche Radtouren unternommen haben und dann kocht „Bertram“ auch noch den leckersten Grünkohl over the world.

Chris, der beste Physiotherapeut in MV oder in D oder … hat unsere schwächelnde Muskulatur in Schwung gebracht, während Anne unsere Geschirrtücher nähte und liebevoll mit Schleifchen aufpeppte.

Ela, die immer für mich da ist, selbstlos. Womit habe ich das nur verdient? Auch gibt sie uns das Gefühl, dass wir fehlen werden. Das ist Balsam für die Seele.

Marian, der unser oft so durchstrukturiertes Leben durch seine  Leichtigkeit bereichert, obwohl auch er genug Sorgen hat. Auch glaube ich, würde er bis ans Ende der Welt reisen, wenn wir ihn brauchen.

Sandra, mit der ich so gerne gelaufen bin und die immer darauf achtet, dass wir unsere Freundschaft pflegen … Auch verdanken wir ihr die unvergessliche Annapurna-Tour mit Tini und Elke. Es war wirklich einmalig schön und hat uns sehr geerdet.

Dirk, mein Chef, unser Freund und Ziehsohn. Mit ihm fahren wir gerne in den Winterurlaub, da er einigermaßen gut Skifahren kann. Haben ihn einfach lieb.

Nelli, die mit ihren Nähkünsten alle Extrawünsche bezüglich unserer Reiseausrüstung umsetzen kann.

Momo, eine meiner Lieblingskolleginnen, die sich so herzerfrischend und neidlos für uns freuen kann.

Anne „Tack“, die mich schon im Kinderwagen durch Güstrow schob und uns begeistert folgt.

Und dann die andere Anne, sie kann uns leider nicht mehr folgen.  Aber in meinem Herzen ist sie immer dabei.

Hirschi, „stellvertretender Gesundheitsminister“ hat mit uns Holz gemacht, damit wir bei unserer Rückkehr nicht frieren müssen und uns behilflich war, bei der Beantragung unseres PCR-Tests in Lublin, den wir für die Einreise in die Ukraine benötigen.

Lukas, unser Motorradmechaniker, hat Burt und Munro (unsere Motorräder) auf Vordermann gebracht und hat uns sogar seine private Telefonnummer gegeben, sollte es einmal Probleme geben. Auch fanden wir noch Ersatzöl für die Tour in unseren Koffern. Er freut sich mit uns, dass wir es wagen.

Rico, Copilot von Jens, hält uns den Rücken frei. Ohne ihn wäre diese Reise gar nicht möglich.

Thomas uns Sarah, selbst sehr reiselustig, gewährten uns im letzten Jahr während unserer Coronatour eine liebevolle Unterkunft in der Schweiz und schenkten uns einen gepäckminimierenden  Campingtisch.

Denny und Maddel, mit denen wir unsere ersten großen Touren unternommen haben, wie Irland, Schottland, Italien. Dies war nicht ganz unerheblich an unserer heutigen Reiselust. Jens vermisst oft die Dialoge mit Denny, vor allem den: „El coolo, El Magneto‘‘

Anatolii und seine Familie – Ukrainer, die wir im Urlaub kennenlernen durften. Wir haben nur einen Abend miteinander verbracht und haben selbst heute noch Kontakt. Als Jens den schweren Unfall in Rumänien hatte, hat er sofort Hilfe angeboten. Wir waren geflasht.

All diese Gedanken waren während der Fahrt noch viel umfassender und ergreifender. Und so manch einen habe ich bestimmt auch vergessen, zu erwähnen. Es ist so schön, dass es Euch gibt - DANKE und sollte uns irgendjemand von Euch wirklich brauchen, werden wir alles daran setzen, auch für Euch da zu sein.

Ja, in Bialowieza angekommen, freuten wir uns auf den mit Duschen, Waschmaschine und noch so einigen Komfort ausgeschriebenen Campingplatz. Doch manchmal kommt es anders als gedacht. Hier ist die Saison noch nicht gestartet und somit gibt es außer einem Stellplatz im Garten und Kaltwasser … NIX, nicht mal ein Klo. Tja, aber wir sind ja für Wildcamping ausgestattet und halten durch, da wir Montag um drei Uhr in der Frühe den Bisons in die Augen schauen wollen.

15.05.2021, Białowieża, 220km, 20°C

Der Białowieża-Urwald gilt als letzter Tiefland-Urwald Europas. Logisch, dass wir uns den angucken wollen, wenn wir schon mal in der Gegend sind. Man muss ja neue Ziele haben. Er liegt zum größten Teil auf weißrussischer Seite, aber ca. 200 km² erstrecken sich ins polnische Tiefland hinein.

Auf dem Weg in die östlichste Region Polens wird die Landschaft weiter, die Besiedelung dünner und wir haben den Eindruck, dass die wirtschaftliche Situation hier nicht ganz so gut aussieht. Wir sehen viele Holzhäuser und die Kirchen tragen orthodoxe Kreuze. Diese Religion der orthodoxen Christen hat in der Gegend hier die Oberhand. Die Zwiebeltürme werden uns in den nächsten Wochen wahrscheinlich immer wieder begegnen. Achso, zu den allgegenwärtigen Friedhöfen wollte ich noch anmerken: sie liegen, wenn möglich, immer auf einem Hügel mit Blick über die jeweilige Ortschaft und mir kommt jedesmal der Hügel der Stiefel, den wir in Tombstone/Arizona besucht haben, in den Sinn. Nur war der nicht so herausgeputzt.

Unterwegs trafen wir auf die von Susi bereits erwähnte Mittelaltertruppe, bei der wir anhielten und etwas gegessen haben. Solche Liebhaber gibt es überall auf der Welt, es ist eine riesige Community. Bei uns trifft man sie auf mittelalterlichen Weihnachtsmärkten oder Burgfesten, wie z.B. in Neustadt-Glewe oder auch in Groß Raden. Hier auf der grünen Wiese inmitten des Slawenlandes machte es auf uns einen sehr traditionellen Eindruck. Es war eine private Veranstaltung, wir waren trotzdem herzlich willkommen.

Angekommen in Białowieża fanden wir sofort unseren Campingplatz, der diesmal sogar einer war, allerdings war er noch nicht bezugsfertig. Zwei tolle Waschhäuschen, die aber leider noch nicht saisonfähig waren. Das kleine Mütterchen (ehemalige Physikerin mit Deutschkenntnissen) war ganz