Mountainhead - New Juche - E-Book

Mountainhead E-Book

New Juche

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Beschreibung

New Juche ist das Pseudonym eines heute in Südostasien lebenden Schotten. Seine literarischen und fotografischen Werke befassen sich mit urbanen Randzonen, mit Orten und Bedingungen von Prostitution und den Seltsamkeiten und Widersprüchen sexueller Imagination. Der Erzähler seiner Geschichten ist ein verkleideter Mystiker, ständig auf der Suche nach Epiphanien, nach Augenblicken heruntergekommenster Awkwardness und Poesie. In seiner Freundschaft mit sich langsam selbst zugrunderichtenden Alkoholikern in Kambodscha erlebt er Visionen von Vollkommenheit, in einem Bergdorf in Thailand erforscht er Zauber und Metaphysik verschiedener Toilettenräume, er verwickelt sich in absurdeste Missverständnisse und Liebesabenteuer mit Prostituierten, Verrückten und Wildfremden. Er versenkt sich in alte Fotografien und verfallende Gebäude. Als Arthur Rimbaud, der große Heilige unserer literarischen Moderne, mit achtzehn Jahren den Dichterberuf aufgab, um Abenteurer und Waffenhändler in Afrika zu werden, könnte er ganz ähnliche Gedanken gehabt haben wie es die Protagonisten von New Juche heute haben, in Phnom Penh oder Bangkok, ungefiltert, grausam, übererotisiert, immer voll alchemistischer Sehnsucht nach der Kombination der richtigen Zauberzutaten innerhalb der Wirklichkeit, und in ständiger Ahnung des Göttlichen mitten im Unrat und Elend. (Text: Clemens J. Setz) »Die Orte, die mir am besten gefielen, wurden durch Fotos rätselhaft. Die Bilder bildeten eine glatte, wellige Haut über ihren Motiven, an der ich mich gern rieb.«

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Seitenzahl: 222

Veröffentlichungsjahr: 2025

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New Juche ist das Pseudonym eines heute in Südostasien lebenden Schotten. Seine literarischen und fotografischen Werke befassen sich mit urbanen Randzonen, mit Orten und Bedingungen von Prostitution und den Seltsamkeiten und Widersprüchen sexueller Imagination. Der Erzähler seiner Geschichten ist ein verkleideter Mystiker, ständig auf der Suche nach Epiphanien, nach Augenblicken heruntergekommenster Awkwardness und Poesie. In seiner Freundschaft mit sich langsam selbst zugrunderichtenden Alkoholikern in Kambodscha erlebt er Visionen von Vollkommenheit, in einem Bergdorf in Thailand erforscht er Zauber und Metaphysik verschiedener Toilettenräume, er verwickelt sich in absurdeste Missverständnisse und Liebesabenteuer mit Prostituierten, Verrückten und Wildfremden. Er versenkt sich in alte Fotografien und verfallende Gebäude.

Als Arthur Rimbaud, der große Heilige unserer literarischen Moderne, mit achtzehn Jahren den Dichterberuf aufgab, um Abenteurer und Waffenhändler in Afrika zu werden, könnte er ganz ähnliche Gedanken gehabt haben wie sie der Protagonist von New Juche heute hat, in Phnom Penh oder Bangkok, ungefiltert, grausam, übererotisiert, immer voll alchemistischer Sehnsucht nach der Kombination der richtigen Zauberzutaten innerhalb der Wirklichkeit und in ständiger Ahnung des Göttlichen mitten im Unrat und Elend.

(Text: Clemens J. Setz)

NEW JUCHE ist ein Schriftsteller und Künstler aus Schottland. Er ist bekannt für seinen lyrischen Prosastil und seine Beschäftigung mit Orten, Materialien und Empfindungen. Außerdem ist er ein einzigartiger Fotograf und Bildgestalter. Zu den weiteren veröffentlichten Büchern von New Juche gehören Bosun, The Devils und The Worm. Außerdem gibt er bei Gallows Fruit Press die Zeitschrift Heat Death heraus. Mountainhead ist die erste Übersetzung eines seiner Werke ins Deutsche.

CLEMENS J. SETZ, * 1982 in Graz geboren, wo er Mathematik und Germanistik studierte. Heute lebt er mit seiner Frau und seiner Tochter als Übersetzer und freier Schriftsteller in Wien. Zuletzt wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis 2021 und dem Österreichischen Buchpreis 2023 geehrt.

New Juche

Mountainhead

Roman

Aus dem Englischen von Clemens J. Setz

Luftschacht Verlag

Titel der englischen Originalausgabe: Mountainhead

Erschienen bei Nine-Banded Books, Charleston WV, April 2017

ninebandedbooks.com

ISBN: 978-0-9907335-6-0

Copyright: © New Juche

© Luftschacht Verlag – Wien

luftschacht.com

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten.

1. Auflage November 2025

Umschlaggestaltung: Luftschacht, unter Verwendung eines Fotos von New Juche.

Übersetzung: Clemens J. Setz

Lektorat: Teresa Profanter

Satz: Luftschacht

Gesetzt aus der Metric und der Noe.

Druck und Herstellung: Finidr s.r.o.

Papier: Holmen book cream 80 g/m2, Gmund Hanf 100% 320 g/m2

Gefördert von der Stadt Wien Kultur.

ISBN: 978-3-903422-62-9

ISBN E-Book: 978-3-903422-63-6

Anmerkungen zur Produktsicherheit (GPSR):

Luftschacht e.U., Jürgen Lagger, Malzgasse 12/2, 1020 Wien

[email protected]

INHALT

MOUNTAINHEAD

MOUNTAINHEAD

Vielleicht sollte ich damit beginnen, wie ich damals zu Hause immer eine Gruppe Homosexueller beim Betreten und Verlassen einer öffentlichen Toilette am Fuße des Calton Hill beobachtet habe. Der Hügel selbst, mit seinen Bäumen, Türmen und Denkmälern, wurde nachts für alle Arten von geheimen schwulen Zusammenkünften genutzt und entwickelte in der Folge das Image einer gefährlichen Randzone, was noch durch allerlei Gerüchte über Morde und Sexualverbrechen verstärkt wurde, in denen berüchtigte Polizisten, Politiker und korrupte Lokalberühmtheiten vorkamen. Bei Tag allerdings stiegen bloß Touristen dort hinauf, fotografierten die schöne Aussicht und das riesenhafte, unvollendete Monument, das als „Edinburghs Schande“ bekannt ist.

Die Toilette befindet sich an der Kreuzung von Easter und London Road. Sie ist von der Straße durch ein paar Steinstufen getrennt und wird teilweise von Hecken und einer Reihe von Bushaltestellen verdeckt. Das kleine Gebäude fungierte als Sextreffpunkt für eine Community von geistig und körperlich behinderten Perversen. Das fiel mir eines Tages auf, als ich an der Haltestelle direkt neben der Toilette saß. Vorm Eingang stand ein Mann mit Down-Syndrom in einem fleckigen blauen Frauenanorak. Er rauchte eine Zigarette. Kurz darauf erschien ein kleiner, glatzköpfiger Mann mit Sprachfehler, stieg die Stufen hoch und fragte den Mann mit dem Down-Syndrom:

— Warst du schon drin? Oder gehst du rein?

Down-Syndrom drehte sich stumm um und verschwand in der Toilette, der Mann folgte ihm. Fasziniert wartete ich darauf, dass sie wieder herauskamen, aber nach ein paar Minuten musste ich in den Bus einsteigen. Von da an ging ich jede Woche ein paarmal zu der Bushaltestelle, um ähnliche Interaktionen zwischen ähnlichen Kreaturen zu beobachten. Ein paar davon waren eindeutig schwer krank, mit angeschwollenen Gliedern und roten Gesichtern, von denen die Haut in Streifen hing. Die Toilette war eine Kapelle und der Hügel dahinter eine Kosmologie aus Perversion und Sexualverbrechen.

Die religiösen und sexuellen Möglichkeiten des Waldes hier im ostasiatischen Hochland, abgesehen von einer visionären Kategorie des asketischen Ideals – sich verlaufen und dabei Angst und böse Zauber überwinden lernen usw. –, können am besten durch ein genaues Studium der sensorischen Überreizung durch die Umgebung erfasst werden. Der endlose Formen- und Farbenreichtum der halb immergrünen Laubbaumarten, die schwindelerregenden Düfte und stinkenden Schwaden und die Klangkulisse aus allerlei selbst innerhalb der relativ streng abgegrenzten Kategorien wie Vogelgesang, Insekten, Frösche, Wasser und Bäumen auftretenden Timbres und Rhythmen. Dieser Wald, dieser Berg, ist außerdem mit verwesenden und verrottenden anthropomorphen Geheimnissen bedeckt, da der Einfluss des Staatsapparats hier äußerst begrenzt ist. Traditionell ist es dieser Berg, der den im Tal lebenden Eingeborenen einen Grad von Privatheit bietet, der selbst in ihren eigenen Wohnquartieren undenkbar wäre. Er fördert das Verbotene. Ich pflücke ein mattlilafarbenes Insekt von einem gummiartigen Blatt, bekomme einen dicken Strahl seines kupferfarbenen Urins über die Hand geschossen und finde die sexuellen Implikationen des Vorgangs anregend. Diese Arbeit

sollte unter der Rubrik BERGVERBRECHEN eingeordnet werden.

Ich habe meine Sexualität oder mein Sexualverhalten und dessen Motivationen nie für etwas in seiner Substanz Festgelegtes begriffen, obwohl einige Hauptthemen, die schon vor und während meiner Jugend entstanden, bis heute darin eine zentrale Rolle spielen. Ebenso wenig hat meine Entwicklung, dieser ‚Mangel an Festlegung‘, so etwas wie einen Prozess der Abstumpfung durchlaufen – ich habe heute weniger Kontakt mit anderen menschlichen Wesen als je zuvor, aber das ist nebensächlich, weil ich ohnehin nie zwischen Prostituierten und Pornografie unterschieden habe. Es scheint eher so, dass meine sexuellen Hauptthemen sich mir unermüdlich in neuen und immer neuen Kontexten präsentieren.

Ich mag Wiederholung. Ich halte sie für einen der wichtigsten Mechanismen von Kunst und der Ausbildung bestimmter Kriterien, sie ermöglicht Einsicht und Verständnis. Oft wird die Karriere eines Künstlers von nur ein oder zwei Leitbildern bestimmt, und allein durch sie war es ihm möglich, seine Welt zu verwirklichen. Das erste Exemplar von Escort Reader’s Wives, das mir ein Schulfreund gab, zusammen mit einer Schachtel voller Nazi-Abzeichen und -Sticker, war die wertvollste Sammlung von Abbildungen, die ich je in meinem Leben besaß. Heute, fast dreißig Jahre später, kann ich das mit einiger Bestimmtheit sagen, aber selbst damals hob sie sich von all dem anderen Material ab, das, neben Kupfermünzen und Zigaretten, durch unsere schmierigen Hände ging. Die Pornohefte, die außerhalb des Gypsy-Lagers hinter meiner Siedlung lagen, mit dem ganzen Leder und den Vaginas und der Sexshop-Erwachsenheit, mit den hochnäsigen Frauen und ihren fremdartigen Körpern, geschminkt und bestäubt und gespenstisch; das alles erregte mich durchaus, aber bei Weitem nicht auf so vollkommen perfekte Art wie Escort. Die wuchtig-lehrerinnenhaften Formen der Escort-Frauen und besonders ihrer Brüste, ihre freundlichen Gesichter und ihr gutmütiger Hausfrauenhumor waren für mich ein Beweis für genussvoll und fern jeder weiblichen Sexualität erwiesene Gefallen; eine bemutternde Dorfhure mit pendelnden nackten Brüsten war alles, was ich brauchte, vielleicht zwischendurch eine Runde Kuss-Abfangen oder eine Vergewaltigungsfantasie im Stil einer Ronnie-Barker-Postkarte. Wie alle Pornohefte waren auch sie zerschnitten, Teile davon weitergeschenkt oder zerstört, aber ich bewahre die wichtigsten Überbleibsel in einem Album auf und verwende die Kraft dieser Schnipsel bis heute, um in echten Frauen zu kommen.

Ich habe oft zu einem kurzen, zufällig irgendwo runtergeladenen Clip einer jungen, braungebrannten Frau mit großen Brüsten masturbiert, die am Strand ihr Oberteil auszieht. Das Videomaterial wirkte, als wäre es ohne ihre Zustimmung aufgenommen worden, und ihre nackten Brüste waren nur für viereinviertel Sekunden sichtbar. Ich habe versucht, an genau der Stelle auf Pause zu drücken, wo die Form und das Gewicht der Brüste am besten erkennbar sind, aber das funktionierte nicht – in Anbetracht des sexuellen Werts des Videomaterials, und meiner Masturbation dazu, war das Standbild einfach nicht erregend. Es war besser, das Video einfach in Endlosschleife laufen zu lassen, als hätte ich keine Kontrolle darüber.

Eine besonders warme und wohltuende Erinnerung ist die an ein Model namens Philippa in Escort Reader’s Wives. Sie war eine alte Frau, über sechzig, mit großen, milchweißen Brüsten und rosa Nippeln, die sie der Kamera auf eine leicht arrogante, neckisch-selbstbewusste Art anbot oder träge, als riesige, wundervolle Euter pendeln ließ, während sie uns von oben herab anblickte. Wer bringt Philippa eine Tasse Tee? Es war das erste Mal, dass ich eine tiefe sexuelle Beziehung zu dem Bild einer Person entwickelte, die nicht im Geringsten mit den vorgeschriebenen Konventionen meiner Peergroup übereinstimmte, und ich schämte mich anfangs noch, wenn ich zu Philippa masturbierte. Aber ich war ein eifriger Sammler von Escort und ähnlichen Zeitschriften, die das Gefühl von Grenzüberschreitung durch ihre feierliche, freudvolle Gestaltung rasch vertrieben. Es war nicht so, dass Philippas Altsein ihren Brüsten einen besonderen Reiz verlieh, sondern eher umgekehrt – ihre Brüste machten ihr Altsein begehrenswert. Erst dann kam die Wirkung ihres Alters hinzu und färbte auf ihre Brüste ab, verlieh ihnen einen neuen, reizvollen Kontext. Ich besitze heute noch zwei zerknitterte und verblasste Fotos von Philippa in einem meiner Sammelalben, neben anderen hässlichen, übergewichtigen und älteren Damen mit riesigen Brüsten.

Ich sehe es gern, wenn die Brüste fremdländischer Frauen in nichtsexuellen Kontexten offenbart werden, wie es in Slums häufig geschieht, in ländlichen Siedlungen und Dörfern in den asiatischen Tropen. Meist sind es stillende Mütter, aber den edelsten Genuss stellen für mich die fülligen, sauertöpfisch dreinblickenden Frauen mittleren Alters dar, die mit nacktem Oberkörper vor ihren offenen Hütten herumtrotten.

Der ursprüngliche Grund für meinen Umzug an den Fuß des Berges war, dass sich eine meiner wichtigsten Forschungsstätten nahe seines Gipfels befand. Das Hmong-Dorf ist die zugänglichste Bergbewohner-Community in der ganzen Region. Sie existiert hier seit den Fünfzigern und wird regelmäßig durch auswärtig finanzierte Entwicklungsprojekte betreut. Zwanzig Kilometer von der Stadt entfernt liegt das nebelige Dorf, am Grunde eines kleinen Tales, mit Blick auf den gesamten Gebirgszug.

Die gegenwärtige Ära begann bei der Durchsicht der Fotos meiner zweiten und dritten Forschungsreise. Auf einem bemerkte ich am äußersten Bildrand eine vor ihrem Haus sitzende Frau, die ihr Kind stillte. Die Seite ihrer Brust war klar erkennbar, während sie ihren Blick auf einen Punkt rechts von mir, von meiner Kamera, gerichtet hielt. Der Anblick elektrisierte mich, und es überraschte mich, dass er mir nicht schon früher aufgefallen war. Das Bild inspirierte mich dazu, zu zwei anderen Oben-ohne-Fotografien von Frauen zu masturbieren, die ich vor einigen Jahren gemacht hatte. Es waren die gelungensten Aufnahmen in einer Serie von neun Bildern, ich fand sie in einem alten, eigens angelegten Ordner auf meinem Computer. All diese Maßnahmen sollten als feinsinnige, interdisziplinäre Studien von Berg-Erleichterung verstanden werden.

Natürlich genügte dieses Bild bereits, um weitere Ausflüge zur Brüste-Beobachtung im Hmong-Dorf notwendig zu machen. Bald wurden sie zu einem Fixpunkt meiner Wochenplanung. In den Achtzigerjahren, der späten Phase der Besiedelung, begann sich das Dorf aufzuteilen, in eine „authentische“ Zone für westliche Touristen und einen versteckten, verschleierten Privatbereich, in dem die Menschen tatsächlich wohnten. Als die Zunahme des Handels in der authentischen Zone in den Augen der Touristen zunehmend „inauthentisch“ zu werden begann, wurde das Dorf immer mehr zu einer Art Musterbeispiel für staatliche Entwicklungsförderung und weniger zu einem authentischen Erlebnis primitiver Kultur. Die alten Museen mit der englischsprachigen Beschilderung verfallen immer mehr, während die künstlichen und schmucklosen Blumengärten mit ihren Wasserreservoiren voller nackter brauner Kinder massenhaft und rund um die Uhr von Inlandstouristen aus der Stadt und dem Umland besucht werden. Was früher die authentische Zone war, ist heute ein asphaltiertes Geflecht aus Restaurants und Geschäften, in denen billiger Plunder und abgepackte Regionalprodukte verkauft werden, und der Privatbereich der Einwohner ist für jeden offen, der hineingehen möchte. Die Hmong leben, arbeiten und pflanzen sich fort unter einem immerwährenden Touristenblick, den sie mit vollkommener Gleichgültigkeit hinnehmen.

Die Frauen der Hmong sind ein ziemlich bemerkenswerter Anblick, mit ihrer gedrungenen Körperform und der straffen, ockerfarbenen Haut. Die meisten haben Brüste wie kegelförmige Birnen, die einem fassartigen Oberkörper entsprießen, andere tragen diese dicken, schlaffen, gummiartigen Säcke voller Flüssigkeit mit sich herum, die an ihren Schlüsselbeinen beginnen und sich erst im Verlauf nach unten zweiteilen. Sie erinnern an Pflanzen. Die alten Frauen sind am auffälligsten, manche mit riesigen eleganten Turbanen und dünnglasigen, auf flachen Nasenspitzen ruhenden Brillen. Die Frauen stillen überall, aber darüber hinaus stehen die Türen der meisten Wohnhäuser ohnehin immer offen, und da ich gute Gründe für mein Interesse an den Frauen habe, zögere ich nicht einzutreten und sie zu fotografieren.

Jede Gelegenheit, um Geld von Touristen zu bekommen, wird genutzt. Viele Häuser und Geschäfte weisen auf die Möglichkeit der Benutzung ihrer Toilette hin, für nur fünf Baht. Auf diese Weise bildet sich die notwendige Infrastruktur für das ritualisierte, genau durchdachte und höchst wählerische Verhalten, das mir überallhin gefolgt ist, vom Hafen von Leith auf den europäischen Kontinent, durch weite Teile von Thailand und dem früheren Indochina bis hierher. In Leith trieb ich mich ernst und zielstrebig mit meiner Lederjacke im kalten Hafen und vor industriellen Lagerhallen herum, beobachtete Straßenhuren und masturbierte hinterher in einem Treppenhaus oder hinter einer Reihe von Abfallbehältern. In Amsterdam schlich ich zwischen den Schaufenstern herum und achtete bewusst auf das höchst genussvolle Zwischenspiel der Räumlichkeiten und ihres Inhalts, bevor meine Begeisterung verglühte und ich entweder an eine Glastür klopfte oder eine private Videokabine mietete. Ich mag topografische Diagramme und Straßenpläne von Rotlichtbezirken in akademischen Studien, beides an geeigneten Orten, einem klaren Zweck unterworfen. Ich liebe es, auf Google Street View einen Khlong in Bangkok zu betreten und dort die Frauen zu betrachten, die auf Plastikstühlen am Gehsteig sitzen.

Normalerweise stelle ich mein Motorrad weit unten am Waldweg ab und gehe zu Fuß ins Dorf. Es ist kurz nach Mittag. Aus einer Plastikflasche nehme ich kleine Schlucke von meinem billigen Schnaps, in einem Zustand absurder Vorfreude. Der Ort berauscht mich durch seine Mischung aus Marktfläche, von sonnengebleichtem Eisen durchzogenem Slum, Lustgarten, Farmbetrieb und Wald, und ich kann mich stundenlang dort aufhalten, in Erwartung eines irgendwo teilweise enthüllten Euters, das mit geradezu religiöser Wucht die stärksten, brutalsten Zuckungen kindlich-sexueller Raserei verursacht. Wenn ich so weit bin, bezahle ich jemanden höflich dafür, seine Toilette benutzen zu dürfen, spritze dort in die Schüssel und verziehe mich.

Der Wendepunkt in meinem Verhältnis zur Bergwelt, von dem ich gern berichten möchte, ereignete sich eines späten Nachmittags, als ich mich gerade auf dem Nachhauseweg vom Dorf befand. Die weite, schlingernde Straße führt die ganze Zeit bergab, also ließ ich mein Motorrad einfach dahinrollen, mit abgestelltem Motor, und genoss die Bäume und Gerüche, die Bereiche von heißer und kalter Luft. Schwarzhändler und Taxifahrer stehen am Rand der Straße, besonders dicht rund um die Stufen zum Tempel, dann etwas spärlicher bei den Essensständen und den Verkäufern von Jadeschnitzerei. Und der Fluch der Liebe ereilte mich folgendermaßen: Sie saß auf einem Betonvorsprung zwischen zwei fetten Damen, ihr rosa T-Shirt umhüllte obszön volle, vollkommen runde Brüste: eine hinreißende, armlose Hmong-Zwergin. Ihr Lächeln war das einer Gottheit, ihre dunklen Augen glänzten vor Schleim. Ihre kleinen Armstümpfe erinnerten an die Henkel an den Seiten eines beleibten Tonkrugs. Ich drehte vollkommen durch vor verwirrter Begierde. Mein Gesichtsfeld verpixelte sich ins Graue. Allein vom Motorrad zu steigen, wäre zweifellos mehr als genug Stimulation gewesen, um spontan zu ejakulieren. Ich stellte mir vor, wie ich verdreht und blutend am Straßenrand liege, ein paar Meter vom Motorrad entfernt, die Haut an meinen Knien und Ellbogen ist abgeschürft, und eine spermaverschmierte Erektion ragt schauerlich aus meiner offenen Hose.

Ich ließ das Motorrad für eine respektable Anzahl von Klicks weiterrollen und bog auf einen der kleinen Parkplätze ab, die als Aussichtsplatz über die gesamte Provinz genutzt werden. Ich stieg in die Betonbunker-Toilette unterhalb des Parkplatzes hinab, stellte mich in eine Kabine, öffnete meinen Gürtel und ließ meine Hose und Boxershorts zu Boden fallen. Auf der steinernen Mauer waren einige schwule Graffiti.

WER LUTSCHT GERN RIESENSCHWÄNZE? ICH HAB EINEN RIESENSCHWANZ. ICH WILL IHN LUTSCHEN. WER MAG RIESENSCHWÄNZE? FAGGOTS. ICH LIEBE SCHWANZLUTSCHEN. WILLST DU DEINEN SCHWANZ GELUTSCHT KRIEGEN. ICH BIN JEDEN SAMSTAG UND SONNTAG UM FÜNF HIER.

Mein Schwanz war so hart, dass er kaum noch etwas spürte. Ich bearbeitete ihn und versuchte, mich auf bestimmte Bilder und Vorstellungen zu konzentrieren, aber nichts half. Kein Bild löste sich aus dem inneren Kaleidoskop, um die Hauptrolle in meiner Fantasie zu übernehmen. Schließlich fand ich die richtigen Gedanken, indem ich mich auf das Dorf besann, und kam gewaltig in ein Feuchttuch, das ich zu einem kleinen Paket faltete und in den Eimer neben der Toilette warf.

———

Das Besorgen und Zubereiten von Essen nimmt bei mir überdurchschnittlich viel Zeit in Anspruch, da ich es aufgegeben habe, in Restaurants zu essen oder Fertiggerichte zu kaufen. Manchmal besorge ich rohe Zutaten bei den verschiedenen Märkten in der Nähe, die zu verschiedenen Tageszeiten geöffnet haben und alle möglichen Nahrungsmittel anbieten. Regelmäßig kaufe ich kleine Säckchen mit Vollkornreis, Sesam, getrockneten Chilis, oder in alten Rumflaschen abgefüllten Wildhonig, fermentierte Fischsauce für Kalzium und Salz, fermentierten Tofu und, abhängig von Preis und Verfügbarkeit, verschiedene Arten von Fisch, Garnelen, Krabben, Tintenfisch, Frosch, Hühnchen und gelegentlich Schweinefleisch. Normalerweise horte ich Trockenfisch und Garnelen, sorgfältig in Plastik eingeschweißt und vor Ameisen versteckt, und fühle mich sicherer, wenn meine Vorratsschränke voll sind. Obst, Kräuter und Gemüse verdanke ich fast ausschließlich dem Wald und bin immer wieder erstaunt über die Vielfalt und Qualität dessen, was scheinbar zufällig um meine Hütte herum wächst, ganz zu schweigen von den Bergen. Mein „Garten“ bietet wildes Zitronengras, Ingwer, Pfefferkörner, Limettenblätter, Koriander, Betelblätter und andere Kräuter, stummelige kleine Bananen, Papayas, saure Mangos, Rosenäpfel, Fächer aus messerscharfen Pandanusblättern, die ich in Wasser ziehen lassen gelernt habe, und große, blasse Limetten, deren Schalen so porös und empfindlich sind, dass ihr Duft noch stundenlang nach dem Pflücken auf meinen Fingern tanzt. Diese Aromen und Düfte, die Triller und Schnörkel ihrer Variationen vermischen sich zu einem ländlichen Parfüm, einer Essenz, die, so stelle ich mir vor, durch die Poren meiner eigenen Haut dringt, so wie der Geruch von Tannenharz aus den kalten Bäumen meiner Kindheit dringt.

Ich habe Landkarten von bestimmten Teilen des Berges gezeichnet, insbesondere vom Hmong-Dorf, und auf ihnen Einzelheiten markiert, die für mich von Bedeutung sind. Zu meiner Bequemlichkeit und Befriedigung. Als ich mit meinen Nachforschungen begann, besorgte ich mir alle Karten, die ich von dem Dorf und seiner Umgebung finden konnte, darunter auch eine Militärkarte von dieser Hälfte des Gebirgszugs, aber keine davon zeigt die genauen Pfade und Wege des rasch wachsenden Dorfes selbst. Ich habe zwei Karten des Dorfes angefertigt, beide noch in Arbeit. Die erste ist ein breites und grobes Liniendiagramm des gesamten Ortes als Referenz. Es ist nicht maßstabsgetreu, aber es hilft mir zu sehen, wie die einzelnen Bereiche, die ich identifiziert habe, zusammenhängen. Die zweite ist eine detaillierte Darstellung des „Zentrums“, womit ich die Gewerbe- und Wohngebiete meine, in denen der meiste Touristenverkehr stattfindet. Randbereiche wie die Schule, der Blumengarten und die Waldwege sind nicht enthalten. Auf dieser Karte sind alle öffentlich zugänglichen Toiletten im Zentrum verzeichnet, vor allem die in Privathäusern. Jede Privattoilette ist ausführlich kommentiert.

schilder

Wie groß ist das Schild?

In welcher Sprache, Schriftart und Farbe ist es geschrieben? (Achtzig Prozent in siamesischer, traditioneller Schriftart, rote Tinte. Manchmal sind die Worte TOILET FIVE BAHT mit weißer Farbe auf Wellblech gepinselt, mit einem Pfeil, der auf die Tür zeigt.)

Wie ist der genaue Wortlaut des Schildes und wie viel kostet der Zugang zu der Toilette? (Alle kosten fünf Baht.)

Wo am Haus befindet sich das Schild und wie gut ist es von der Straße aus sichtbar?

haus

(Das Wohngebiet beinhaltet alle Arten von Häusern und wächst in alle Richtungen in stetigem Tempo. Es muss immer noch als Slum oder Elendsviertel eingestuft werden, das heißt, es dominiert reine Funktionalität ohne ästhetische Hintergedanken, unter minimalem Einsatz der billigsten, praktischsten Materialien. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass die Häuser die sozialen Werte und die Organisation des Tieflandes widerspiegeln, die den Hmong aufgezwungen wurden; das Haus des Dorfvorstehers ist zwar nicht das größte oder neueste, es ist aber durch einen allmählichen, aber durchsetzungsstarken Prozess der Kolonisierung in seine unmittelbare, bereits bewohnte Umgebung eingedrungen. Es wurde Platz geschaffen, um die wachsende Fahrzeugsammlung der Familie unterzubringen, zu der auch zwei brandneue ISUZU-Pick-ups gehören. Der Fernseher und andere Konsumgüter werden prominent zur Schau gestellt, wie grimmige Wachposten. Ein Großteil der Gemeinde lebt in Hütten oder Langhäusern aus Holz, Reifen und Wellblech. Geisterhäuser und buddhistische Altäre in vergleichsweise spartanischem Stil sind in den meisten Wohnhäusern und an deren Außenseiten zu finden.)

Ist die Tür normalerweise offen oder geschlossen?

Beschreiben Sie das Domizil und machen Sie Angaben zu Größe, Inhalt, Gerüchen, Lichtqualität und Bewohnern.

Was machen die Einwohner? Zum Beispiel essen, Speisen zubereiten, schlafen, spielen, Baumwollindustrie-Arbeiten, Handarbeiten usw.

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Ist die Toilette durch Holz oder Wellblech vom restlichen Raum abgetrennt und wie groß sind die Abstände zwischen dem Trennmaterial und dem Boden bzw. der Decke?

Kann man von der Toilette aus ins Freie blicken? Wenn ja, was ist zu sehen und wie gut?

Welche Maße hat die Toilette?

Handelt es sich bei der Toilette selbst um ein einfaches Loch im Boden oder um eine auf einem Betonblock montierte Hocktoilette aus Porzellan?

Gibt es in der Toilette außer dem Spüleimer einen Wasserhahn oder eine andere Wasserquelle?

Gibt es Seife oder Papier? (Nein, gibt es nie.)

Wie könnte man die Instandhaltung und Sauberkeit der Toilette beschreiben?

Diese Anmerkungen ermöglichen es mir, auf dem Papier und damit in meinem Gedächtnis genau zu planen, wo die nächste Toilette ist und was ich von ihr erwarten kann – egal wo ich mich im Dorf befinde. Ich kann fundierte ästhetische Entscheidungen darüber treffen, welche Toilette am besten zu dem Objekt passt, zu dem ich masturbieren möchte. Es gibt kein nützliches System, um diese Objekte selbst auf der Karte zu markieren. Ihr Aussehen und Wert ergeben sich unabhängig von diesen Übungen. In diesem Stadium jedoch, nachdem wir eine zeitliche und erfahrungsbasierte Perspektive gewonnen haben, beginnen sich bedeutungsvolle Muster zu bilden.

Der -ismus oder das Wesen der Zwergin, die ganze Bandbreite ihrer Fähigkeiten und Wirkungen, ist eine Sache des Bauchgefühls, nicht des intellektuellen Verstehens. Das heißt, dass die Wörter, die sich auf meinen Befehl hin bereitstellen, um eine Erklärung zu liefern, unzureichend bleiben müssen. Ich hoffe, dass ich beim Schreiben dieser Studie zunächst zu einigen grundlegenden Definitionen gelangen und diese anschließend durch eine erzählte Geschichte von Intention, Handlung und Konsequenz entwickeln kann. Zu diesem Zweck habe ich den Begriff Zwergenkunde geprägt, der hier als Prüfstein, Kompass, Spaten und Spiegel verwendet werden soll. Dieses Werk sollte als erster Teil eines Verzeichnisses der ortsspezifischen Asiatischen Zwergenkunde eingestuft werden.

Am nächsten Morgen stand ich früh auf und hackte Holz für ein Feuer, um den kleinen Süßwasserfisch zu grillen, den ich einem Nachbarn abgekauft hatte. Nach dem Frühstück packte ich den Rest des Fleisches in einen Umschlag mit Klebreis, um ihn zum Mittagessen auf dem Berg mitzunehmen. Gegen zehn Uhr machte ich mich mit meinem Motorrad auf den Weg. Ich wusste, dass es heute keine Möglichkeit geben würde, mit der Zwergin ins Gespräch zu kommen, die Sache würde viel mehr Zeit in Anspruch nehmen, Monate, und ich war vollkommen glücklich und darauf eingestellt. Schon der Gedanke an Augenkontakt löste Angstschübe aus. Ich trug meine Wanderhose und meine Bergjacke, mit einer Mütze in der Tasche für den Fall, dass es regnete. In den anderen Taschen hatte ich ein Notizbuch, eine Kamera, Tabak und Feuchttücher. Auf dem Weg zur Bergstraße füllte ich den Tank mit Benzin und ließ den Angestellten ein bisschen Restbenzin in eine Plastikflasche gießen.

Ich lerne den räumlichen Verlauf der Straße am besten, indem ich sie in Etappen aufteile, basierend auf bestimmten Orientierungspunkten wie Eingängen oder Seitenstraßen, die zu Tempeln oder Wasserfällen, Forschungsstationen, öffentlichen Toiletten, religiösen Werbetafeln oder Abschnitten einer bestimmten Art oder Zusammensetzung von Wald führen, und den Teilen der Straße, die in scharfe oder geschwungene Kurven abbiegen oder eine weite Aussicht übers Land bieten. Mit jeder Etappe wächst meine Erregung und mit ihr auch die Bandbreite der Möglichkeiten. Ich könnte anhalten und aus einem Stock einen glatten Phallus schnitzen und ihn mir in den Darm einführen. Natürlich müsste man das als eine zwergenkundliche Handlung werten. Irgendwann, durch Angst fehlgeleitet, rede ich mir sogar ein, dass es das Beste wäre, einfach wieder in die Stadt zurückzufahren und mich den Rest des Tages in Bordellen zu besaufen. Kurz bevor ich Quelle und Hauptquartier der Zwergenkunde erreiche, kommt eine sehr scharfe Kurve in steilem Gelände. Als ich mich um die Ecke lehne, um den Betonvorsprung der Zwergin zu sehen, zieht sich mein Herz vor Enttäuschung zusammen, aber nicht vor Überraschung. Ich stelle mein Motorrad ab.

Ich hocke mich vor den leeren Betonvorsprung und genieße die Nähe zu dem Platz, den sie vor kurzem eingenommen hat. Meinen Blick richte ich auf genau den Bereich in der Luft, der meiner Meinung nach von ihren unsterblichen Rundformen ausgefüllt wurde, und ich spüre tatsächlich eine körperliche Empfindung in meinem Penis, als ich mein Gesicht nach vorne richte und in diesen Raum hineinneige. Die Haut, die meine Nase und Wangen bedeckt, fühlt sich magnetisiert an, hungrig nach Berührung. Ein Gefühl, als würde man randvoll gefüllt werden, wie ein Benzintank. Dann erhebe ich mich aus dieser Kommunion, hinein in die schwindelerregende Erwartung und elektrisierende Entladung konzentrierter Zwergenkunde.

Ich fahre die Straße hinauf und bringe meine Maschine etwa hundert Meter vor dem Dorfeingang im Schutz von Laub und Nebel zum Stillstand. Ich bin ein Masturbationskommando aus dem Elendsviertel. Ich öffne die Plastikflasche und schnüffele etwas Gasohol 95. Ich strecke meine Arme aus wie ein entstellter Schwan und gleite den Weg hinauf, sabbernd und betrunken vom Geruch der Erde und der nassen Bäume. Zwergenkunde verleiht allen Reizen und Handlungen ein Gefühl von Schicksal und Tiefe, und als ich plötzlich vom Licht des Dorfes empfangen werde, fühlt es sich wie eine große Heimkehr an. Bedächtig und langsam schreite ich in einen überfüllten Tunnel aus Wellblech und Beton. Kinder und Hühner nehmen mich in ihren Strom auf, und ein zahnloser alter Mann, der in einem Sessel seine Pfeife raucht, starrt durch mich hindurch in die Vergangenheit.

Auf einem großen Holzgebäude vor mir hängt über der offenen Tür ein Toiletten-Hinweisschild, durch das ich ein Vorgefühl weiblicher Aktivitäten und Gerüche bekomme. Ich hebe meine Hände auf respektvolle Weise und betrete langsam das Haus. Fünf schöne alte Hmong-Frauen kochen Essen auf einem offenen Feuer in der Mitte des Raumes. Sie sehen mich gleichzeitig an, und im Zuge ihrer Musterung schwinden mir beinah die Sinne. Der dunkle Raum riecht nach Holzkohle und dem Fleischeintopf, den sie kochen. Ich frage nach der Toilette, und die Frau, die der Tür der Holzkabine am nächsten ist, beugt sich völlig unnötigerweise herüber und öffnet sie in einer Geste des guten Willens, während die anderen weiter in ihrer Bergsprache gackern.