Mr. Devil - Myelle McLaine - E-Book

Mr. Devil E-Book

Myelle McLaine

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Beschreibung

Witch und der Teufel sind seit Jahrhunderten ein erstklassig eingespieltes Team, wenn es darum geht, Böses und Unheil über die Menschen zu bringen. Als der Teufel die Patenschaft für das Neugeborene Fred übernimmt, beginnt in Witch eine Verwandlung, die dem Teufel nicht verborgen bleibt. Die beiden begleiten Fred und nehmen dabei Einfluss auf seine teuflische Entwicklung. Madeline verliebt sich unerwartet, dafür aber umso unsterblicher in Fred. Die beiden beginnen eine Liebesbeziehung. Es stört Madeline nicht, dass Fred hin und wieder ein wenig verrückt erscheint, sie findet es im Gegenteil unterhaltsam und genießt Freds mitunter jungenhafte Art, seine scheinbare Lebensfreude. Seine Aussage „Ich bediene die dunkle Seite der Macht.“ nimmt Madeline nicht ernst, nennt ihn aber scherzhaft „Mr. Devil“. Ob sie erahnen kann, wie besonders Fred wirklich ist?

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Seitenzahl: 259

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Für

Ingeborg Berg von Ritter

und

Christine Semm

Zitat:

„Wir müssen unseren Nächsten lieben, entweder weil er gut ist oder damit er gut werde.“

(Augustinus Aurelius, 354 - 430)

Kapitel

Prolog 1

N

ovember 1972

Prolog 2

M

al

h

yn Castle

1

Berauscht

Januar 1973

2

Paris

A

ugust 1977

3

Verwirrt

F

ebruar 1979

4

Dunkler Pferdeschwanz

M

ärz 1990

5

Kontrolliert

A

pril 1993

6

Wertschätzung

M

ai 1994

-

1. Sequenz

7

Geheimnisse

M

ai 1994 – 2. Sequenz

8

Skurriles Spiel

Juni 2000

9

Der Prinz auf dem weißen Pferd

Juli 2001

10

Erinnerungsboten

S

eptember 2006

11

Bauchgefühl

O

ktober 2007

12

Jahresende

D

ezember 2012

13

Einsehen

M

ärz 2017

14

Catelyn

A

pril 2017

15

Die Zeit danach

Erster Spiegeltraum

16

Keine Entscheidung ist in Stein gemeißelt

F

ebruar 2018

17

Jessica

Zweiter Spiegeltraum

18

Wer bändigt die dunkle Seite in uns?

Dritter Spiegeltraum

19

Der Lohn des Verzeihens

M

ai 2018

20

Der Preis des Vertrauens

Vierter Spiegeltraum

21

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben

Juni 2018

Fünfter Spiegeltraum

22

„Welch´ wundervoller Tag!“

Sechster Spiegeltraum

23

Erbarmen

24

Verwundet

Letzter Spiegeltraum

25

Wünsche

Epilog 1

A

pril 2021

Epilog 2

Nachwort

Danksagung

Wer steckt hinter diesem Werk?

*****

Prolog 1

„Hey Meister,

was tun wir der Welt heute an?

Wen verzaubern, wen verführen?

Ich liebe dieses Spiel!

Ich hasse dieses Spiel!

Wer bändigt die dunkle Seite in uns?

Und die armen Seelen –

Was sind sie so ahnungslos!

Was sind sie so dumm!

Und nichts, was sie retten kann …“

(Witch)

November 1972

Gemeinschaftskrankenhaus Gravesend, England - Geburtenstation

Diese langen kargen Krankenhausflure.

Eintönig und wenig Trost spendend.

Ärzte, Krankenschwestern, Besucher und Patienten: Keiner von ihnen nimmt die bizarre Gestalt wahr, die unmittelbar vor dem Kreissaal Platz genommen hat.

In ihren langen gelockten Haaren scheinen sich alle Haarfarben dieser Erde um die Herrschaft zu streiten: Zwischen haselnussbraunen, pechschwarzen, kupferroten und goldblonden Strähnen tummeln sich silbergraue und weiße Haare.

Das Böse in ihren übergroßen Augen mischt sich mit lauernden Schalk.

Auch hier lässt sich eine Farbe nicht eindeutig bestimmen.

Im Strahl ihrer Iris leuchten braun, grün, blau und sogar violett, umrahmt von Wimpern, so lang, dass man sie leicht mit Spinnenbeinen verwechseln könnte.

Dafür wirkt ihr langes schwarzes Kleid umso schlichter.

Im oberen Bereich eng und tailliert, betont es ihre weibliche Figur, nach unten hin salopp fallend. Die breiten silbernen Metallreifen über den Ellbogen erinnern an mittelalterliche Handschellen und puffen umgreifend die Ärmel, mit eleganten Schärpen weit über die Handgelenke hinaus endend. Um den Hals trägt sie eine lange Kette mit einer Kugel in der purpurfarbenes Licht zu tanzen scheint.

Über ihr schwebt in Parkstellung ein Besen. Die Harpyie, die auf ihm thront, scheint ähnlich aufmerksam wie ihre Herrin, indes ein wenig gelangweilter, das Geschehen um sich herum zu beobachten. Hin und wieder kann man einen Passanten die Nase rümpfen sehen, sich wundernd von wo um Himmels Willen an diesem Ort der Schwefelgeruch herkommen könnte.

Witch wartet auf den Teufel, der wie aus dem Nichts erscheint.

Witch:

„Guten Abend, Meister. Seid gegrüßt! Ich habe bereits auf Euch gewartet. Ihr seht wieder fantastisch aus. Welch´ ein Geschenk Ihr für die Damenwelt seid!“

Teufel:

„Pünktlich auf die Minute - wie immer, Witch! Danke, verehrteste Freundin. Heißt es nicht: ´Wer hat, der hat!´“

Witch:

„Wieso haltet Ihr die Nase in den Wind, Meister?“

Teufel:

„Du hingegen, Witch, könntest zur Abwechslung mal wieder ein Bad nehmen. Dieser Schwefelgestank ist lang schon nicht mehr en mode – bei allen Hexen, die ich kenne! Ein wenig mehr mit der Zeit gehen, das solltest du unbedingt tun.“

Witch:

„Und Ihr, Meister? Euer Zylinder, Eure Kleidung: Ihr hängt der viktorianischen Zeit nach. Sobald Ihr sichtbar seid, werdet Ihr Aufsehen erregen. Wir befinden uns im Jahre 1972.“

Teufel:

„Aber Witch! Das ist doch nun wirklich einer meiner leichtesten Übungen. allein der Gedanke reicht und ich trage den feinsten Anzug, ganz nach den Ansprüchen der jeweiligen Zeit.“

Witch:

„Und im Übrigen: Mode, Zeit! Was schert mich die Mode, was schert mich die Zeit! Das ist nur etwas für diese armseligen Menschenkreaturen. Geburt und Tod – und dazwischen nichts als ihre kümmerlichen Leben. Seht dort: Es ist schon wieder soweit!“

Teufel:

„Ein verfluchtes Leben beginnt und nimmt seinen Lauf! Was ist es denn?“

Witch:

„Ein Junge! Aber genug der irdischen Themen, Meister: Wieso bestellt Ihr mich an diesen merkwürdigen Ort? Und was tun wir der Welt heute an?“

Teufel:

„Interessant, interessant! Auch wenn du mit der Zeit nichts anzufangen weißt, Witch… Vielleicht ist es an der Zeit … Zeit für mich. Zeit, um vielleicht über eine neue Patenschaft nachzudenken! Was hältst du davon?“

Witch:

„Eure Aufmerksamkeit in Ehren, Meister: Seit wann befragt Ihr mich bezüglich Eurer Entscheidungen?“

Teufel:

„Wie lautet sein Name, Witch?“

Witch:

„Er heißt Fred, Meister.“

Teufel:

„Fred – das merke ich mir. Und nun lass uns gehen, Witch. Es friert mich ein wenig. Ein heißer Grog wäre jetzt genau das Richtige. Außerdem erwartet die Damenwelt mein Erscheinen. Was gibt es da zu schmunzeln, beste Wegbegleiterin?“

Witch:

„Ich dachte über die umgekehrte Möglichkeit nach: Vielleicht ist es eher so, dass Ihr kaum die Damenwelt erwarten könnt?“

Teufel:

„Auch das, Witch! Auch das!“

Prolog 2

Manchmal, wenn ich von der Konferenzetage

hinunter ins Atrium schaue,

wo die Kolleginnen und Kollegen

in Richtung Kantine laufen,

meine ich für einen kurzen Augenblick

dich unter ihnen zu erkennen:

Der gängige Kurzhaarschnitt mit den ergrauten Schläfen,

die Brille, der Dreitagebart mit den herausgearbeiteten Koteletten, das sauber gebügelte karierte Hemd, der tabakbraune Ledergürtel und die dunkelblaue Jeanshose.

Dann merke ich auf einmal, dass ich mich geirrt habe.

Ich muss an Momo und die grauen Herren denken.

Du bleibst unerkannt.

(Madeline)

Malhyn Castle

England

Juni 2018

Malhyn Castle ist ein zauberhaftes kleines Dorf mit einem Fluss, der quer durch den Ort verläuft und ihn genau in der Mitte zu teilen scheint. Wenn es warm genug ist, kann man die Menschen dort baden sehen. Oder sie erkunden die Gegend mit dem Kanu. Viele alte Häuser säumen die Straßen. Hinter den zumeist schmiedeeisernen Zäunen verströmen Rosen aller Gattungen und aller Farben ihren blumigen und lieblichen Duft. Die engen und gewundenen Gassen lassen einen neugierig bleiben, welche Entdeckung sich nach der nächsten Abbiegung offenbaren wird. Wie ein unausgesprochenes Versprechen auf neue Geheimnisse und Abenteuer. Man fühlt sich wie in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt.

Es ist Sonntagmorgen.

Wie spät ist es?

Mir scheint noch sehr früh.

Die Bäckerei hat schon geöffnet.

Es hat angefangen zu regnen.

Ich sitze auf der überdachten Treppe zu einem Haus.

Hier bin ich zumindest vor dem Regen geschützt.

Ich halte einen Kaffee in der einen Hand und die bereits

wievielte Zigarette an diesem Morgen in der anderen.

Ich schaue an mir herab.

Überall klebt getrocknete Erde.

Ich betrachte mein Kleid.

Es hat Risse.

Mein ganzer Körper tut weh und ich zittere.

Ein dunkler Schleier scheint mich zu umgeben.

Was ist passiert?

Ein Ausflug aufs Land – mit dir, mein Herz.

Ich warte.

Ich soll hier abgeholt werden.

Jeden Moment wird meine Freundin hier sein.

Ja, sie holt mich ab.

Sie lässt mich nicht im Stich.

Sie wird mich fortbringen –

nur weg von diesem schrecklichen Ort.

1 Berauscht

Es ist schon spät am Abend, als ich dabei bin mich wieder anzuziehen. Viel später als geplant. Eigentlich wollte ich längst wieder zu Hause sein. Aber die Zeit mit dir ist so schön, der Sex so intensiv, der Gin zusätzlich berauschend. Ich kann nicht aufhören, dich anzuschauen. Ich bin verrückt - verrückt nach dir.

Meine Hand greift nach dir, um dich an mich zu ziehen. In deinem schwach beleuchteten Schlafzimmer direkt unter dem Dach stehen wir uns gegenüber. „Irgendwann heirate ich dich.“, höre ich mich sagen. Deine Antwort „Die Scheiße habe ich doch gerade erst hinter mir.“, tut meinem Entschluss keinen Abbruch. Beschwingt glaube ich an meine Zukunft mit dir.

Vergessen ist, dass du bei der Weihnachtsfeier deines Vereins vor sechs Wochen eine andere Frau auf deinem Schoß sitzen hattest. Vergessen, wie enttäuscht ich war. Schließlich konnten wir das drei Wochen nach diesem Ereignis bei einem Glas Wein klären. Drei Wochen schlimmster Liebeskummer, bis ich mich entschied, dich doch nochmal zu kontaktieren. Wir hatten uns in einem Lokal getroffen. Ich fragte dich: „Bin ich dein Trostpreis?“ „Bitte, Madeline?“ Du wiederholtest betont „Trostpreis?“ Wie komme ich zu dieser Formulierung? Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes sagen. Ich versuchte entgegen meines inneren Aufruhrs die Souveräne zu mimen.

Seitdem du im September vergangenen Jahres bestimmt mit dem Aufruf „Jetzt gehen wir aber mal einen Wein zusammen trinken!“, auf mich zugekommen warst, hatte es nicht lange gedauert und ich war bis über beide Ohren in dich verliebt. So verliebt, dass ich meine zehnjährige Beziehung beendete, um mit dir zusammen sein zu können. Für mich steht fest, ich will dich nie wieder hergeben, aber weiß ich, wie du unsere Zukunft siehst?

Ein weiterer Versuch von mir entspannt auf dich zu wirken. „Okay, ein Versprechen möchte ich von dir: Solange wir miteinander schlafen, gibt es keine andere Frau in deinem Bett.“

Die Antwort auf meinen angestellten Kompromiss war zunächst zusammen mit dir auf der Toilette des Lokals verschwunden.

Als du zurückkamst, strecktest du mir deine Hand entgegen und ich schlug ein: „Das kann ich dir mit Leichtigkeit versprechen.“ Beinahe wie ein besiegelter Pakt. Mein Seelenfrieden war wiederhergestellt.

Die reichlich bemalte und damit verzierte Ginflasche steht nun leer neben deinem Bett.

Fast hätte ich mir den Kopf an einer der Dachschrägen angestoßen.

An diesem Abend fährst du mich nach Hause.

Keiner von uns beiden bringt die Vernunft auf, das Auto nach dem wirkungsvollen Ginkonsum stehen zu lassen.

Die Stimmung während der Heimfahrt ist mit einem Mal angespannt. Wir haben uns doch gerade erst geliebt. Ich verstehe deinen Stimmungswandel nicht, nehme es aber hin ohne dich darauf anzusprechen, da ich nebenbei mit den Konsequenzen des zu mir genommenen Alkohols zu kämpfen habe.

Vor meiner Haustür angekommen, öffne ich die Wagentür deines Autos. Ich verabschiede mich von dir und dann versuche ich einigermaßen gerade laufend und unauffällig meine Wohnung zu erreichen.

Am nächsten Morgen lasse ich den Abend und unseren merkwürdigen Abschied Revue passieren. Hattest du mir beim Aussteigen aus deinem Auto einen leichten Schubs gegeben und gesagt „Mach´, dass du nach Hause kommst!“?

Meine Enttäuschung über dein abwertendes Verhalten mir gegenüber lässt sich nicht verdrängen. Meine Stimmung ist getrübt. Ich werde dich darauf ansprechen.

Unerwartet und wie ein Wirbelwind stehst du am späten Nachmittag vor mir. Noch bevor ich irgendetwas sagen kann, sprudelt es freudestrahlend aus dir heraus: „Du eröffnest mir ganz neue Optionen, Madeline. Ich denke wieder ans Heiraten!“

Ich weiß nicht wie mir geschieht. „Eigentlich wollte ich dich wegen gestern ….“, setze ich zur Klärung an. Deine stürmische Umarmung unterbricht meinen Gedanken- und du meinen Redefluss: „Komm´, lass mich an dir riechen – dieser unverwechselbar himmlische Madeline-Duft. Ich begehre dich so sehr, Madeline.“ Deine Küsse überzeugen mich restlos und mein trübes Gefühl verfliegt.

Was ich dir schon die ganze Zeit gestehen wollte, ich halte nicht länger damit zurück: „Seit dem Abend, als wir zum ersten Mal aus waren: Du bist mein erster Gedanke, wenn ich morgens aufwache und mein letzter, bevor ich abends einschlafe.“ Ein leichtes Anheben meines Körpers während du mich umarmst, empfange ich als deine Antwort. Ich bin überglücklich. Mein Gott, wie sehr ich dich liebe. Das Jahr 2017 beginnt vielversprechend. Es wird wundervoll werden!

Es ist Januar.

Januar 1973

Gemeinschaftskrankenhaus Gravesend, England

Witch:

„Seht, Meister! Fred liegt im Krankenhaus. Er ist an den Armen und Beinen angebunden!“

Teufel:

„Was fehlt dem Jungen?“

Witch:

„Sein Darm verträgt nichts! Er wird künstlich ernährt. Die Ärzte sagen, es dauert wenigstens noch zwei Wochen bis Fred stabiliert ist. Zur Hölle! Diese ganzen Schläuche, an die er gefesselt ist. Wollt Ihr Eurem Patenkind nicht helfen?“

Teufel:

„Sehr gute Idee, Witch! Sein Zustand bleibt so für die nächsten neun Monate!“

Witch:

„Aber Meister! Seid Ihr Euch da sicher? In dieser Zeit lernen Menschenkinder krabbeln, machen die ersten Schritte, lernen laufen. Wollt Ihr, dass er den anderen Kindern gegenüber benachteiligt ist und hinterherhinkt?“

Teufel:

„Du wirst sehen, Witch: Das fördert die Motivation und Leidenschaft. Er wird alles aufholen, schneller als alle anderen.“

Witch:

„Fred ist ein Baby. Als Menschenkind braucht er seine Mutter! Sie wird nicht die ganze Zeit bei ihm sein können. Er wird sie vermissen.“

Teufel:

„Was in aller Welt ist los mit dir, Witch? Entwickelst du am Ende Muttergefühle? Ich erkenne dich nicht wieder!“

Witch:

„Schaut! Seine Augen, Meister! Er wirkt so verloren. Er will sich bewegen und kann es nicht.“

Teufel:

„Er wird sich bewegen, mehr als alle anderen – wenn die Zeit dazu gekommen ist.“

Witch:

„Ihr werdet am besten wissen, was gut für seine Entwicklung ist!“

Teufel:

„Und nun, lass uns gehen, Witch. Ich bin an einem sehr begehrenswerten Frauenzimmer dran. Das soll nicht warten. Fast überkommt mich ein wenig Wehmut … Erinnerst du dich an die Müllerstochter, 1621

im damaligen Preußen? Dieses Frauenzimmer ist eine Nachfahrin von ihr und die Ähnlichkeit ist verblüffend.“

Witch:

„1621! Ihr meint die, die unvermählt schwanger wurde?“

Teufel:

„Ja, genau die!“

Witch:

„Die, die ihr Neugeborenes dem Kloster überließ?“

Teufel:

„Exakt, Witch!“

Witch:

„Die mit dem langen rotblonden lockigen Haar!?“

Teufel:

„Ja!“

Witch:

„Die, die am Ende auf dem Scheiterhaufen brennen musste?“

Teufel:

„Aber die Nacht zuvor, hatte ich sie mir nochmal genommen!“

Witch:

„Oh, ja, Meister! Ich erinnere mich an sie!“

Teufel:

„Noch heute frage ich mich, verehrteste Freundin, warum sie angebunden auf dem Scheiterhaufen so entspannt wirkte, so gar keine Angst in ihrem Gebaren und in ihren Augen.“

Witch:

„Nun ja, Meister … Auch ich hatte sie am Abend zuvor besucht! Ich stand in ihrer Schuld, die es auszugleichen galt. Kleine Misere! Zwar wollte ich ihr Schicksal nicht abwenden, worum sie mich inständig bat, aber zumindest versorgte ich sie mit einer Kräutermixtur, die ihr die Sinne nahm!“

Teufel:

„Du standest in ihrer Schuld? Wie das denn, bitteschön, Witch? Das musst du mir erklären! Witch, Witch, Witch! Manchmal frage ich mich, wieviel Mensch noch in dir steckt. Und untersteh` dich bitte, mir zukünftig ins Handwerk zu fuschen. Du hast mich damit um einen entscheidenden Teil meines Vergnügens gebracht. Ich mag das ganz und gar nicht, Witch. Und das solltest du wissen!“

Witch:

„Ach, Meister! Ihr tut schon wieder so … Als würde irgendetwas vor Euch geheim bleiben können!“

Teufel:

„Witch, du hast mich gar nicht gefragt, was wir der Welt heute antun!“

Witch:

„Ist das denn noch notwendig und nicht bereits geschehen, Meister?“

2 Paris

Wir haben Freitagmittag den Zug nach Paris genommen.

Als wir nachmittags am Gare du Nord ankommen, beginnt es bereits zu dämmern. Der altbekannte Geruch der Pariser Metro! Du weißt, wie sehr ich Frankreich und Paris mag und hattest mir den Vorschlag gemacht, dort ein Wochenende mit dir zu verbringen. Das Einchecken im Hotel ist schnell erledigt.

Die Stadt wartet auf uns.

Wir tingeln durch die abendlich beleuchteten Straßen von Paris. Ich genieße jede Sekunde mit dir. Du erzählst mir immer wieder von deiner gescheiterten Ehe, von deiner Frau, die dich betrogen und so für das traurige Ende eurer Ehe gesorgt hatte. Es tut mir so leid für euch, für euren gemeinsamen Sohn Noah. Du liebst dein Kind über alles und hättest ihn gerne ganz bei dir. In diesen Momenten meine ich, deine Traurigkeit zu spüren.

Dann sind da die vielen anderen Momente. Du bist so witzig. Ich genieße deine Leichtigkeit, deine unterhaltsamen Geschichten. Es sind Geschichten aus deinem Leben.

Du hast etwas Jungenhaftes, etwas Verschmitztes in deinem Gesicht, in deiner ganzen Art. Das gefällt mir sehr. Gefallen ist gar kein Ausdruck: Du verzauberst mich mit allem was du sagst und tust. Jede deiner Bewegungen ist Kunst für mich, erweckt pure Faszination in mir, die ich gerne in Worte fassen können würde, aber jeder meiner Versuche gleicht einem Scheitern und wird deiner Schönheit und deiner Begabungen nicht gerecht. Mein Kopf, mein Herz sind fast schon überfordert bei deinem Anblick, bei all´ meinen Empfindungen für dich.

Und überhaupt: Du bist so klug - der Klügste! Wortgewandt, schlagfertig, naturverbunden. Deine gepflegte Erscheinung, deine Zähne, dein Mund, deine Lippen, deine Augen, deine Haare - der Schönste! Dein Humor, deine Küsse: Alles an dir erfüllt mich mit Liebe und Leidenschaft. Außerdem riechst du so gut - überall.

Du erzählst unentwegt und meine Lachmuskeln kommen nicht zur Ruhe. Ein Traum ist wahrgeworden. Nie hätte ich es für möglich gehalten, einen Mann so lieben zu können. Ich fühle mich dir verfallen. Wenn du erzählst, bin ich in einer anderen Welt, gespannt und interessiert. Du fesselst mich. Ich liebe deine Stimme, die Art wie du sprichst. Du bist perfekt.

Ich will dir alles geben.

Allem voran mein Herz.

Durch die Straßen von Paris mit dir an meiner Seite gleicht einem Abenteuer voller Spaß.

Die öffentliche Toilette gleich am Centre Pompidou wird mir immer in Erinnerung bleiben. Du möchtest sie benutzen, aber ihre Technik funktioniert nicht wie gewünscht. Pass´auf: Immer wieder zieht sich die Toilettenschüssel in Kombination mit der Türöffnung zurück. Wir lachen und lachen. Ich kann mein Glück nicht fassen! Endlich ein Mann, der alles andere als langweilig ist.

Vor dem Notre Dame setzen wir uns auf eine kleine Mauer, um unseren Füßen eine Pause zu gönnen und um die alte Kathedrale zu betrachten. Was dir an dem Gebäude alles auffällt! Die unzähligen Male, die ich zuvor an diesem Ort war: Fast schäme ich mich ein wenig dafür, dass ich mir nie die Zeit genommen hatte, die volle Schönheit der Architektur in ihren Einzelheiten zu begreifen. So bin ich wieder einmal von dir beeindruckt. Deine Beobachtungsgabe ist einmalig. Ich genieße deine kommentierende Beschreibung der Figurenanordnung von Notre Dame.

Ein Hauch von Ehrfurcht erfasst mich.

Unseren Spaziergang fortsetzend, stolpern wir über ein sehr altes und für Paris typisches französisches Bistro. Eine kleine Wendeltreppe, die hinunter zu den Toiletten führt, die unverputzten Wände mit alten Bildern bespickt, die das Lokal und Paris zu seinen vergangenen Zeiten zeigen. Die spärliche Beleuchtung. Alles ist Romantik in seiner vollkommensten Erscheinung.

Und oben wartest du auf mich.

Der Rotwein schmeckt und ich kann nichts dafür – unweigerlich fühle ich mich wie im Himmel und in mir summt es „La vie en rose“.

Deine Erlebnisse als junger Mann beim Militär sind originell und verrückt wie du! Ja, ich liebe deine Geschichten!

„Du solltest ein Buch schreiben!“, schlage ich dir vor.

„Madeline, die Geschichten, die ich erlebt habe, die würde mir keiner glauben. Aber es ist so! Mein Leben ist unglaublich!“

Abends sitzen wir noch lange auf der Terrasse des Hotels und trinken Cocktails. Du hast immer noch viel zu erzählen.

Dann sagst du mit einem Mal:

„Ich bediene die dunkle Seite der Macht!“

Für einen Moment bin ich irritiert.

Der Alkohol des heutigen Abends wirkt bei uns beiden.

„Du meinst, so wie Darth Vader?“, frage ich dich.

Ich beobachte dein Gesicht.

Du siehst so ernst aus.

Verächtlich antwortest du: „Darth Vader! Dieser Plastikschädel!“

„Stimmt! Wie sollte ich den auch küssen können? Du bist aus Fleisch und Blut. Was ein Segen! Die pure Verführung. Eher könnte man bei dir an den Teufel denken, der gekommen ist, mich voll und ganz zu besetzen und ich habe nicht die geringste Chance zu widerstehen.“, scherze ich und lache kurz auf.

Dein nachdenklicher Blick richtet sich an den Pariser Nachthimmel bevor du mich wieder anschaust: „Der Teufel! Ist auch bloß ein gefallener Engel!“

Meine Lippen fangen den Strohhalm in meinem Glas.

Der Cocktail ist ganz schön stark.

Ich bin ziemlich beschwipst.

„Wieso ´auch´? Du meinst, so wie du?“, lache ich. „Also, lieber Teufel …nein … das hört sich nicht wirklich cool an …“

Du lehnst dich zurück und fixierst mich mit deinen Augen. Deine Stimme wirkt nun ein wenig unterkühlt, aber dennoch spielerisch: „Du machst dich doch nicht etwa lustig über mich, Madeline?“

Ich lächle dich an: „Also bist du nun Mr. Devil oder nicht?“

Du erwiderst mein Lächeln.

Eine Antwort von dir bleibt aus.

Aber was soll dieses Gerede?

Auf jeden Fall bist du ganz besonders.

Verrückt.

Und gerade das liebe ich so sehr an dir.

Meine kindliche Seite, die es so oft zu verstecken gilt.

Du bist der Mann, der Verständnis dafür haben wird.

Du bist der Mensch, bei dem ich sie zeigen darf.

Du gleichst mir.

Offen für herzlichen Schabernack und infantilen Quatsch, der die Welt bunter macht.

Das Leben in all´ seinen Facetten.

Mit jeglicher Toleranz – für vieles.

Nur nicht für das Böse.

Wir beide sind seelenverwandt.

Davon bin ich überzeugt.

Aber das verrate ich dir noch nicht, mein Schatz.

Wenn ich die Zeit nur anhalten konnte.

Nein, nicht anhalten!

Immer weiter, immer weiter mit dir …

Unser Hotelzimmer ist klein, aber das Bett groß genug.

Groß genug, um sich aller Leidenschaft hinzugeben.

Dabei schätze ich, bräuchten wir nicht mal eins.

Bisher hatte ich keine Freude an Oralverkehr.

Nun ist er voller Erregung und Befriedigung.

Was machst du mit mir, mon amour?

Alles ist anders.

So fühlt sich also der Himmel auf Erden an!

Ich verspüre den Wunsch ewig leben zu können.

Ewig an deiner Seite.

Wie erfüllt wäre unser Leben?

Zwei vertraute Seelen, die sich verstehen und die sich erlauben über die Ernsthaftigkeit der Welt bisweilen zu lachen. Zumindest ist dies ein Teil von uns.

„Wer will schon im Februar nach Paris?“, lautete die Überlegung meiner Freundin Claire kurz vor unserer kleinen Reise.

Wir wachen am Samstagmorgen auf und die Sonne strahlt. Draußen ist es so warm wie im Frühling und so ist meine dicke Winterjacke völlig überflüssig.

Wir nehmen die Metro und fahren zum Marché des Enfants Rouges - eine überdachte Markthalle mit allerlei Ständen, die sämtliche Köstlichkeiten anbieten. Unsere Entscheidung fällt auf ein marokkanisches Gericht.

An einem kleinen runden Tisch sitzen wir vis-à-vis.

Du wirkst nachdenklich, irgendwie traurig.

Zwischen marokkanischem Pfefferminztee und deftigem Mittagessen frage ich dich, was dich beschäftigt.

„Ach, ich musste gerade daran denken, wie meine Frau mich betrogen hatte.“ „Ja, das ist traurig und tut weh.“

Du fährst mit deiner Erzählung fort: „Noah war vor der Trennung fröhlicher. Ein ganz anderes Kind. Aber dafür ist die Zeit, die ich nun mit ihm verbringe qualitativer.“

So gerne würde ich dir den Schmerz nehmen, deine Wunde heilen, deine Narbe verblassen lassen. Ich versuche dich zu trösten: „Es ist für Kinder immer traurig, wenn sich die Eltern trennen, aber wichtig ist doch, dass du dich um ihn kümmerst und ihr eine schöne Zeit miteinander verbringt, wenn ihr zusammen seid. Und du siehst ihn doch auch oft. Vielleicht ist das nur ein kleiner Trost, aber manchmal kann man seine Kinder nicht so schützen, wie man es gerne möchte. Das Schicksal teilt er ja auch mit sehr vielen anderen Kindern. Immerhin hat er einen Vater, der für ihn da ist, der ihn liebt und den er jederzeit anrufen kann. Ein Vater, der gerne seine Zeit mit ihm verbringt, der ihn Dinge lehrt, Erinnerungen schafft. Und das ist doch total wertvoll und wichtig.“

Nach dem Essen spazieren wir wieder durch die quirlige Metropole, vorbei an Kartenständern, alten Gebäuden, Musikanten. Die Stimmung bleibt heute die ganze Zeit ein wenig gedrückt. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir beide einen Kater haben.

Abends besuchen wir das Quartier Latin, um dort zu Abend zu essen.

Eine Zeit lang hatte ich vor vielen Jahren in Paris gelebt.

Damals träumte ich noch davon an der dortigen Kunsthochschule zu studieren, um irgendwann als Kunstmalerin zu arbeiten. Das Quartier Latin mit seinen vielen Cafés, Buchläden und Studenten war immer einer meiner bevorzugten Stadtteile von Paris gewesen.

Irgendwie habe ich heute das Gefühl keine Nähe zu dir aufbauen zu können. Ich bin müde und froh, als wir später am Abend endlich im Hotel ankommen. Wir schlafen relativ schnell ein, aber nicht bevor wir uns noch einmal geliebt haben.

Am Sonntag möchte ich dir unbedingt noch den Montmartre und Sacré-Coeur, eine wunderschöne alte römische Wallfahrtskirche, zeigen. Die Sonne scheint wieder und wieder ist es sehr warm. Wenn Engel reisen …

Auf dem Weg dorthin kommen wir an der Mauer der „Je t´aime“ vorbei, bevor wir den Aufstieg in Richtung Sacré-Cour wagen. Für mich ist der Halt davor in deiner Begleitung etwas ganz Besonders. Ein Zeichen des Universums! Ich habe dich gefunden! Du bist der sprichwörtliche Deckel zu meinem Topf.

Die Straßen hier oben auf dem Montmartre sind wie immer gut besucht. So viele Menschen.

Wir laufen an den unzähligen Künstlern vorbei in Richtung „Zuckerhut“ - den bekannten Spitznamen hat Sacré-Coeur von den Parisern verliehen bekommen - und kaufen uns einen Kaffee.

Lange sitzen wir auf der Treppe vor Sacré-Coeur und genießen den Ausblick auf Paris. Ist das nicht unfassbar schön? Die Stadt liegt uns zu Füßen.

Du beobachtest wie so oft die Leute um dich herum.

Alles Mögliche fällt dir an ihnen auf: Hier das grüne Cordjacket, das du kommentierst. „Ey, genau diese Farbe hatte doch gerade der Rock der alten Dame! Du wirst sehen, die Farbe erlebt dieses Jahr ein Revival.“

Nicht mehr lang bis der Zug in Richtung Heimat zur Abfahrt auf uns wartet. Mit dir verfliegt die Zeit noch schneller.

Im Zug werde ich wehmütig, ein wenig trübsinnig. Jetzt muss ich bald schon wieder Abschied von dir nehmen. Ich will mich nicht von dir trennen. Ich bin total verliebt in dich, aber irgendwie bin ich mir unsicher, ob es dir genauso geht. Als würde irgendetwas zwischen uns stehen, aber ich kann es nicht greifen.

Ich versuche jede Minute, die mir mit dir bleibt ganz bewusst zu genießen. Im Zug kuschle ich mich an dich, während du mir ein paar Videos deiner Lieblingsbands über dein Handy zeigst.

Zurück in Kent verabschieden wir uns am Bahnhof.

Nach unserem gemeinsamen Wochenende empfinde ich unseren Abschied als nicht wirklich spektakulär. Ich vermisse deine Zärtlichkeit, etwas Liebevolles und bin enttäuscht darüber, dass es ausbleibt. Eine gewisse Melancholie begleitet mich auf meinem Weg nach Hause.

Kaum in meiner Wohnung angekommen, klingelt mein Telefon und ich höre deine muntere und männliche Stimme. „Es tut mir voll leid, dass ich dich im Zug die ganze Zeit mit meiner Musik genervt habe.“ „Du hast mich nicht genervt.“

„Und weißte was, Madeline? Ich hab´ dich voll lieb.“

Mein Herz schlägt schneller bei deinen Worten.

Das höre ich zum ersten Mal von dir.

Zuversichtlich und glücklich gehe ich ins Bett und freue mich darauf, dich bald wieder zu sehen.

Es ist Februar.

August 1977

Istead Rise, England

Ein Haus ist vermutlich nur so lange unscheinbar bis man hinter die Fassade blicken kann. Der Platz davor hält Besucher bereit:

Witch:

„Ihr seht so gelangweilt aus, Meister. Die Sonne scheint, die Menschen sind in Urlaubsstimmung, die Kinder haben Ferien – fern scheint jeder Argwohn. Was Euch fehlt ist ein wenig Abwechslung. Was tun wir der Welt heute an?“

Teufel:

„Mhm. Sei´ still, Witch. Du langweilst mich auch. Und verdammt nochmal, Witch! Du hast deinen dämlichen Vogel nicht im Griff!“

Witch:

„Lass´ das, Dora. Des Meisters Hut ist kein wirklich gutes Freßchen! Später! Komm´ zu mir! Ich merke, Meister, Ihr seid in bester Stimmung. Schaut dort, der kleine Junge mit der Katze. Er versucht die Katze mit der Schnur zu locken. Das könnte doch etwas für Euch sein.“

Teufel:

„Ich hasse Katzen! Ich hasse kleine Jungen!“

Witch:

„Also die besten Voraussetzungen für ein wenig Einflussnahme ins Geschehen! Obwohl: Er ist vielleicht höchstens fünf Jahre alt.“

Teufel:

„Alt genug für eine Schandtat, Witch, alt genug!“

Witch:

„Es ist Fred, Meister!“

Teufel:

„Ah, es ist Fred!“

Witch:

„Tut nicht so! Als wäre Euch das entgangen!“

Fred:

„Komm, Mieze! Komm schon! Ich hab´ was für dich. Guck nicht so! Fang die Schnur! Komm! Fang! Was fällt dir ein, mich zu kratzen, du blödes Vieh! Warte! Dafür gehörst du in die Regentonne gestopft. So! Deckel zu! Da kannst du jetzt ersaufen! Mich kratzt du nicht nochmal. Nie wieder!“

Witch:

„Gut gemacht, Meister! Die Katze ist tot. Noch besser: Der Vater steht in der Tür des Hauses. Er hat es gesehen. Er zieht schon seinen Gürtel für den Jungen. Jetzt gibt es gleich Schläge! Und zum Essen wird es heute auch nichts mehr für den Kleinen geben.“

Teufel:

„Das ist zumindest ein Anfang für den Ausklang eines gelungenen Sommerabends, beste Freundin! Er muss noch viel lernen. Aber er lernt schnell!“

Vater:

„Du weißt, was das bedeutet, Junge! Du kommst wieder in den Keller!“

Fred:

„Nicht der Keller, Papa!“

Vater:

„Du wirst Verantwortung für dein Handeln übernehmen! Im Keller hast du Zeit darüber nachzudenken. Keine Ahnung, wann ich dich diesmal rauslassen werde. Die Nacht wirst du dort auf jeden Fall verbringen.“

Fred:

„Aber im Keller spukt es!“

Vater:

„So ein Humbug!“

Fred:

„Doch, Papa!“

Vater:

„Sohn, du hast eine blühende Fantasie. Das ist alles! Oder hast du etwa Angst?“

Fred:

„Ja, Papa. Ich hab´ ganz viel Angst!“

Vater:

„Du bist ein Chadwick – du kennst keine Angst. Angst ist etwas für Schwächlinge.“

Witch:

„Das Wetter ist traumhaft! Lasst uns ein wenig spazieren! Vielleicht begegnen wir der ein oder anderen eroberungswürdigen Seele, einer schönen Frau …“

Teufel:

„Das machen wir, Witch!“

Witch:

„Ach, ja. Und die Rosen blühen so herrlich.“

Teufel:

„Seit wann interessieren dich die Rosen, Witch. Würde dir die Blüte der Tollkirsche nicht entgehen, würde ich es noch verstehen!“

Witch:

„Meister, ich hab´ meinen Besen vergessen. Wie ungeschickt von mir! Ich muss nochmal zurück. Wartet hier auf mich!“

Teufel:

„Beeil´ dich gefälligst, Witch! Soweit kommt es noch, dass ich mir wegen deiner Vergesslichkeit die Beine in den Bauch stehen lassen muss. Halt! Was ist mit deinem blöden Vieh? Nimm´ es mit!“

Witch:

„Keine Sorge, Meister! Ich bin zurück – schneller als der Wind ...“

3 Verwirrt

Ich habe wundervolle Freundinnen.

Jede für sich ist einzigartig und eine Bereicherung meines Lebens. Mit den meisten von ihnen verbindet mich eine jahrzehntelange Freundschaft.

Meine Mutter, meine Schwester Denise, mein Schwager, meine Nichte, meine beiden Neffen: Wir pflegen einen intensiven Kontakt und kommen oft zusammen.

Mein Sohn Robin ist 16 Jahre alt.

Wenngleich ich mich auch oft über seine Trägheit ärgere, beruhige ich mich damit, dass er klug und wissbegierig ist. Dennoch war die Schule nie sein Ding. Aber wann immer ihn etwas interessiert, entfacht es seine ganze Leidenschaft. Er wird seinen Weg gehen. Mit seinem Humor unterhält er zumeist unsere Familie oder er bringt uns alle durch seine Penetranz zu manch einer Diskussion zur Weißglut. Ja, auch das gehört zu seinen Fähigkeiten. Zu diversen Themen kann er etwas sagen und nicht selten beeindruckt er mich mit seinem Wissen. Ihn zu beobachten, wie liebevoll und einfühlsam er mit kleinen Kindern, insbesondere seinem jüngeren Cousin umgeht, erfüllt mich mit Wärme und Stolz.