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Zwischen drei ausserirdischen Monstern und dem Weltuntergang steht nur noch ein Mann: Klapsmühlenwärter Henry Kirf. Aber der hat nur Sex im Kopf und zu viele Pillen probiert. Er ist sicher, dass ein Alien Besitz vom Körper der schönsten Frau des Universums ergriffen hat. Raja Gala. Kurzgeschichte von Tomb de Freak, dem Altmeister des Schlabberhorrors. Das Häppchen Wahnsinn für zwischendurch.
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Seitenzahl: 43
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Das Buch
Zwischen drei außerirdischen Monstern und dem Weltuntergang steht nur noch ein Mann: Klapsmühlenwärter Henry Kirf. Aber der hat nur Sex im Kopf und zu viele Pillen probiert. Er ist sicher, dass ein Alien Besitz vom Körper der schönsten Frau des Universums ergriffen hat. Raja Gala.
Schwarzer Humor aus dem Tiefen des Alls. Kurzgeschichte von Tomb de Freak, dem Altmeister des Schlabberhorrors.
Das Häppchen Wahnsinn für zwischendurch.
Henry Kirf, der Nachtpfleger erwachte mit einem Schrei und knallte zu Boden, während der Drehstuhl hinter ihm gegen den Panzerschrank mit den Medikamenten rollte. Das Geräusch hallte auf den Fluren der Station wider und musste so ziemlich jeden geweckt haben.
Er rappelte sich hoch. Es war ein Traum gewesen, nur ein ganz böser Traum. Es war alles nicht wahr. Und dennoch hatte Henry das Gefühl, zu stinken. Sich von Kopf bis Fuß abtasten zu müssen, den Schleim abstreifen zu wollen, den die Kreaturen mit ihrem Atem auf seiner Haut hinterlassen hatten.
Das kam davon, wenn man wahllos jedes Zeugs einwarf, das man in die Finger bekam. Nur, um herauszufinden, was dann passierte. Er sah auf die Uhr. Noch drei Stunden bis zum Schichtwechsel.
Mit einem Geschmack von Verwesung im Mund stemmte er sich hoch. Er rieb sich das Steißbein, griff den Schlüsselbund vom Schreibtisch und begann seine Runde. Während er in die einzelnen Zimmer spähte und die Diensttaschenlampe über die Gesichter schweifen ließ, gelang es ihm nicht, seine Traumbilder loszuwerden. Feuchte, haarige Wesen. Kunststoffe fragwürdigen Ursprungs, glitschig schillernde Oberflächen, Steuerpulte und Aggregate. Das Weltall, eigenartig vermischt mit dem Mief von nassem Laub und faulem Leder. Von Müllabfuhr. Einem Geruch, der einfach nicht gesund war.
Seine Stunteinlage schien niemanden geweckt zu haben. Die Patientinnen schliefen. Sediert, kaltgestellt, abgefüllt mit den Errungenschaften der Pharmakologie, um Schaden von ihnen abzuwenden. Damit sie sich nicht selbst verletzten. Oder andere. Henry hatte dazu eine etwas abweichende Theorie. Es war, damit die Realität sie nicht erreichte. Oder sie ihr auf rosa Schwingen entkommen konnten.
Henry zuckte zusammen. Er hörte ganz nah das Geräusch eines Triebwerks und fuhr herum. Es war aber nur der anspringende Kühlschrank in der Teeküche, der durch die Stille der Station dröhnte. Das liegt alles an meinem verdammten Traum, dachte Henry. Vielleicht hatte er auch heute nur zu viel genascht.
Als Nächstes würde er das Frühstück vorbereiten. Das von der Küche gelieferte Essen auf Tellerchen verteilen. Damit die Kollegen, welche ab sechs Uhr übernahmen, es servieren konnten. Als letzte Aufgabe hatte er die Medikamentengaben in Plastikschälchen zu zählen. Henry war davon überzeugt, dass die meisten seiner Patientinnen völlig überdosiert waren und nur deshalb wie Zombies durch die Hallen schlichen. Aber zum Glück gab es noch ihn. Niemand kontrollierte, wie viele Spaßmacher oder Downer er, der völlig unterschätzte Nachtpfleger ihnen tatsächlich zuteilte. Und wie viel von dem Zeug er vorübergehend requirierte. Zu Testzwecken. Die Schlechten ins Töpfchen, die Guten ins Kröpfchen. Er grinste.
Jedenfalls musste er mit diesen Aufgaben fertig sein, wenn der Schlüssel der Frühschicht im Schloss rasselte. Mehr hatte er nicht zu machen, wenn alles ruhig lief, auf der geschlossenen Abteilung. Wenn alle schliefen, niemand austickte oder starb. Dann konnte er tun und lassen, was er wollte: An seinem unmittelbar bevorstehenden Durchbruch als hochbezahlter Drehbuchautor arbeiten, in der Nase bohren, die Stille genießen oder ein Nickerchen machen – in der Regel lief es jedoch auf Letzteres hinaus.
Der Raketenmotor in seinem Kopf verröchelte mit einem dramatischen Heuler. Das Kühlaggregat, das wusste er, würde ihn eines Tages umbringen, ihn zu Tode erschrecken. So ähnlich hatten die Steuerdüsen des Raumschiffs geklungen. Als der Eine von den Dreien, dessen Name so ähnlich wie Murrlyn geklungen hatte, mit seiner Flosse, oder was auch immer das am Ende seiner Tentakeln gewesen sein mochte, den Steuerhebel bediente.
Als sich das, was vorher pechschwarz und scheinbar eine Wand gewesen war, als Bildschirm und, die vordere Raumseite ausfüllend, als das Weltall entpuppte. Weil durch den Schub der Aggregate etwas Neues ins Bild kam. Blau, klar, zerbrechlich, flankiert von einem gelblichen Mond - und in akuter Gefahr.
Die beiden anderen Wesen hießen Argg und Hmrrr. Sie waren böse. Und zwar so richtig. Sie diskutierten. Dabei wedelten sie mit ihren spritzenden Patschen vor Hunderten von Monitoren, auf welchen Henry Kirf, zunächst erleichtert, dann mit wachsender Besorgnis, vertraute Bilder erkannte.
Fernsehprogramme. Kleine Katzen. Dokumentationen. Adolf Hitler. Und dann: Serien, Vorabendunterhaltung, darunter seine Lieblingssoap, »Heute so, morgen so«, in der SIE mitspielte, die Unerreichbare, sein Idol, der Stern seiner besseren Träume: Raja Gala.
Sie scannen uns. Die Matschgesichter sehen fern und glauben, das sind wir, dachte er.
Es war ganz bestimmt nur ein Traum, deshalb wunderte sich Henry auch nicht, dass er ihr, einer Sinfonie von Klospülungen nicht unähnliches, Blubbern und Schlürfen verstand. Die Sprache der feuchten Kreaturen. Der Klaustrophoden. So hießen die streng riechenden Schlabberwesen, ganz offiziell.
Etwas in seinem Kopf übersetzte automatisch.
»Sie sind hässlich, abgrundtief hässlich. Dünn und obszön. Ekelhaft nackt und beinahe trocken unter der verlogenen Hülle, mit der sie ihr Elend verbergen. Seht euch ihre Werke an, ihre Gedanken und Taten. Trocken wie Staub«, würgte Hmrrr mit einem Schwall Schleim, aus dem hervor, was sein Gesicht sein mochte. Er meinte, das war Henry sofort klar, die Menschen.
