1,99 €
In den eisigen Weiten des Weltraums, wo Verbote und Verrat die Oberhand haben, entflammt eine Liebe, die alle Regeln sprengt. Celestia, Tochter eines tyrannischen Herrschers, wird auf eine gefährliche Mission geschickt: die Erkundung des kargen Planeten Reddex. Kurz nach ihrer Ankunft begegnet sie Xaver, einem faszinierenden Mann von beeindruckender Größe und Stärke. Zwischen den beiden entflammt eine leidenschaftliche Liebe. Doch als die Dinge kompliziert werden, muss sie sich entscheiden: Kämpft sie für Xaver und sein Volk – oder kehrt sie in den Luxus-Palast ihres Vaters zurück? Lies mehr über eine verbotene Liebe, die Sterne zum Leuchten bringt und über Planeten hinweg neue Hoffnung verbreitet. Kürzlich erschienen als eBook unter dem Titel "Ein Alien unterm Weihnachtsbaum" von Kat Lawrence. Das Buch enthält erotische Szenen und teils direkte Sprache
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2023
My Christmas
ALIEN
Ein Alien zum Fest
Science-Fiction Romance
Von Kat Lawrence
Inhaltsverzeichnis
Celestias Zuhause: Xyrania1
Xander: Reddex34
Celestia: Erster Eindruck52
Xander: Ein erstes Mal71
Celestia: Schockierende Erkenntnis90
Xander: Unsere Nacht111
Celestia: Apokalypse132
Xander155
Celestia:162
Xander: Das erste Weihnachtsfest174
Weitere Werke von Kat Lawrence181
Impressum190
Ich widme dieses Buch allen Fans von Alien-Romanzen
und meinen treuen Lesern
In den eisigen Weiten des Weltraums, wo Verbote und Verrat die Oberhand haben, entfacht eine Liebe, die alle Regeln sprengt.
Celestia, Tochter eines tyrannischen Herrschers, wird auf eine gefährliche Mission geschickt: die Erkundung des kargen Planeten Reddex.
Kurz nach ihrer Ankunft begegnet sie Xaver, einem faszinierenden Mann von beeindruckender Größe und Stärke. Zwischen den beiden entflammt eine leidenschaftliche Liebe. Doch als die Dinge kompliziert werden, muss sie sich entscheiden: Kämpft sie für Xaver und sein Volk – oder kehrt sie in den Luxus-Palast ihres Vaters zurück?
Lies mehr über eine brennende Romanze, die Sterne zum Leuchten bringt und über Grenzen hinweg neue Hoffnung verbreitet.
Dieses Buch wurde bereits als „Ein Alien unterm Weihnachtsbaum“ von Kat Lawrence veröffentlicht. (Wiederveröffentlichung nach Rechterückgabe)
Alles, was du in diesem Buch lesen wirst, ist komplett erfunden und entspringt meiner Fantasie. Verzeih mir also mögliche technische oder medizinische Ungereimtheiten. Meine Absicht ist es nicht, einen klaren Funktionsplan der Zukunft zu erstellen, sondern ich möchte dich unterhalten und in fantastische Welten entführen.
Wer mich und meine Geschichten bereits kennt, weiß, auf was er sich einlässt. Die Story beginnt in ruhigen Gewässern, wird aber nach und nach zum reißenden Fluss. Euch erwartet wie immer eine gute Prise Erotik sowie Spannung. Und ja, ich bin offen und direkt beim Thema Erotik – was sich auch in der Sprache bemerkbar macht. Für mich persönlich stellen fantasievolle Romane und Liebe die perfekte Kombination dar. Falls du das auch magst, wünsche ich dir viel Spaß mit meinem Weihnachtsalien.
Und nun bleibt mir nichts weiter übrig, als dir viel Spaß beim Lesen und ein heißes Kopfkino zu wünschen. Genieße deine Zeit mit Celestia und Xander, und tauche ab in ferne Welten.
Alles Liebe,
deine Kat
Immer noch dröhnt Vaters Stimme lautstark in meinem Kopf. Seine Worte schwellen an, werden größer und mächtiger und drängen jeglichen anderen Gedanken in den Hintergrund.
„Celestia, du musst lernen, dich würdig zu verhalten. Als mein Fleisch und Blut hast du die Pflicht, dich wie die Tochter des Titanums zu benehmen – und nicht wie eine x-beliebige Querulantin.“
Der Ausdruck in den Augen meines Vaters ist derselbe wie stets, wenn er mich ansieht: Verachtung pur mit einer Prise Verwirrung. Er versteht nicht, wieso ich so bin, weshalb ausgerechnet ich, die Tochter des Oberhauptes, mich nicht an die Regeln des Imperiums halte. Ich bin das missratene Einzelkind, der Nachwuchs, der es wagt, sich als einziges Wesen gegen den Obersten zu stellen. Kaum einer der anderen Bewohner des Planeten hat das in den letzten Jahren getan. Und die, die es früher mal gemacht haben, leben nun nicht mehr unter uns – dank meines Vaters, dem Anführer und obersten Chef unseres Volkes.
„Celestia, hier gelten klare Gesetze. Auf Xyrania herrscht uneingeschränktes Vertrauen in den Herrscher. Jeder hält sich an die Regeln, im Gegenzug sorgen meine Männer und ich für die Sicherheit des Planeten und unser Leben im Wohlstand. Was glaubst du, wie all das sonst zustande kommt?“ Er deutet mit gestrecktem Arm zur gläsernen Fensterfront, durch die man das emsige Treiben auf Xyrania sehen kann.
Ja, wir schwelgen im Luxus. Die glitzernde, prunkvolle Stadt da draußen vor dem Fenster ist beeindruckend und bietet uns ein Leben, das früher nie denkbar gewesen wäre. Unsere Annehmlichkeiten sind zum Beispiel die Heilung von schweren Krankheiten, das per Knopfdruck von Drohnen gelieferte Essen oder auch die mediale Unterhaltung vonseiten des Staates rund um die Uhr.
Mein Vater starrt mich anklagend an. „Kind, dir liegt die Welt zu Füßen und du lebst im Wohlstand. Wieso also, verflucht noch mal, setzt du alles immer wieder aufs Spiel, indem du gegen mich und das System rebellierst? Zum Geier, was fehlt dir? Müsstest du nicht wunschlos glücklich sein?“
Ja, was fehlt mir? Was ist falsch mit mir? Seine Frage verwirrt mich, bringt mich mehr aus dem Gleichgewicht als all seine früheren Drohungen. Oft genug verstehe ich mich selbst nicht. Ich besitze alles, jeglichen Luxus, den man sich wünschen kann. Und dennoch bin ich weit entfernt vom Glücklichsein.
„Celestia, antworte mir! Was sollte deine gestrige Aktion? Du greifst mich und das System offen an, ignorierst die Regeln und glaubst ernsthaft, damit ungeschoren davon zu kommen?“
Herrje, derart wütend habe ich ihn selten gesehen. Ich beschließe, weiterhin die Starke zu spielen und keine Schwäche zu zeigen. Er verurteilt jegliche Art von Unzulänglichkeit noch mehr als Aufsässigkeit.
„Vater, was willst du tun? Mich wieder einmal einsperren und bestrafen? Nur zu, ich habe keine Angst. Was hab ich denn schon Schlimmes getan? Ist es so furchtbar, dass ich Nyx und ihrer Familie helfen wollte?“ Äußerlich gebe ich mich gelassen, doch in Wahrheit bin ich unheimlich nervös und die Angst kriecht in mir hoch, versteckt sich in jeder meiner Zellen und hofft, von ihm unbemerkt zu bleiben. Bitte nicht wieder der weiße Raum, sperr mich nicht wieder dort ein, flehe ich ihn innerlich an, doch spreche kein Wort davon laut aus. Die Tochter des Obersten zeigt keine Angst. Vater fährt sich nervös durch die Haare und bedacht mich mit einem seiner bitterbösen Blicke. Das kann er gut. Sogar ich, obwohl ich hart im Nehmen bin, beginne leicht zu zittern und eine Gänsehaut breitet sich auf meinen Armen aus, während mein Herzschlag immer schneller rast.
„Du hast die Xeno-Gleiter einer fremden Familie an unserem privaten Stromnetz aufgeladen, Celestia,“ ertönt nun seine tiefe, unheilverkündende Stimme. „Weißt du nicht, wie wichtig es für unseren Planeten ist, dass ich und nur ich, der Titanum, die Stromeinheiten verteile?“
Verärgert verziehe ich mein Gesicht. „Nein, um ehrlich zu sein, verstehe ich das nicht, Vater. Aber darüber haben wir uns schon unzählige Male unterhalten und ich weiß, du lässt dich so schnell nicht umstimmen. Wie wäre denn Folgendes: Du bestrafst mich dieses Mal mit weniger Stromeinheiten, die du aber stattdessen Nyx und ihren Kindern gibst. Sie leben wirklich von der Hand in den Mund. Ohne den wichtigen Strom gibt es für sie keine Wärme und Energieeinheit für die täglichen Essenslieferungen.“
Eine tiefe Zornesfalte bildet sich auf Vaters Stirn und als er wieder spricht, ähnelt es mehr dem Zischen einer Schlange als einem anderen Geräusch.
„Zwei Wochen im weißen Raum. Kein Besuch, geschmacksfreie Ernährung und keinerlei mediale Unterhaltung. Danach sprechen wir uns wieder. Celestia, mit deinem Ungehorsam ist nun ein für alle Mal Schluss. Ich dulde das nicht länger, schon gar nicht unter meinem Dach. Nie wieder wirst du das Wort gegen mich erheben und bis zu unserem nächsten Treffen überlegst du dir, welchen meiner Männer der weißen Garde du als Ehemann nimmst.“
Mein Mund klappt auf und wieder zu, und doch verlässt ihn kein einziger Laut, denn die Worte sind mir im Hals stecken geblieben. Ich weiß, nun darf ich nicht widersprechen, sonst ist es aus mit mir. Tochter hin oder her, sein Zorn und seine Verachtung mir gegenüber sind eindeutig: Er will mich loswerden, so viel steht fest. Und von meinem weiteren Verhalten hängt ab, ob ich diese Geschichte überleben werde – oder nicht.
Ich soll also einen dieser gefühllosen Soldaten heiraten. Diese Langweiler, die nicht selbst denken, nur artig dienen können? Scheiße noch mal, jetzt stecke ich wirklich knietief im Dreck. Und das Schlimmste ist, dass ich es mir selbst zuzuschreiben habe. Wie mein Vater tickt, weiß ich doch ganz genau. Und trotzdem musste ich Nyx und ihren Kindern helfen, als ich ihr beim Bedienen der Putzroboter im großen Saal begegnet bin. Sie ist die neuste Ordnungskraft meines Vaters. Oder besser: Sie war es, denn es besteht nicht die klitzekleinste Chance, dass er sie weiter für ihn arbeiten lässt.
Toll gemacht, Celestia, das hast du hundertprozentig in den Sand gesetzt, brülle ich mich innerlich an. Dank deiner Hilfe für sie und ihre Kids hatten sie zwar für kurze Zeit einen aufgeladenen Xeno-Gleiter und konnten sich die nächste Essensration liefern lassen. Aber jetzt ist Nyx arbeitslos, steht ohne Einkommen da und bekommt kein Essen für sich und die Kids. Wahrscheinlich hat sie obendrein bald schon kein Dach mehr über dem Kopf. Dann muss sie in die Outlands und wie wir alle wissen, hält dort keiner lange durch.
Die Outlands sind die kargen, öden Gebiete, in denen man kaum Überlebenschancen hat. Keiner, der mal dort war, kam je wieder zurück. Es ist das Land ohne Wiederkehr.
Ich kann nichts mehr für Nyx und ihre Familie tun. Im Augenblick bin ich damit beschäftigt, meine eigene Haut zu retten. So elendig ich mich dabei auch fühle, an Nyx sollte ich besser nicht mehr denken.
„Celestia, hast du mir nichts zu sagen?“, zischt der Diktator namens Dad mich wieder an und sein Blick dabei ist der eines kaltblütigen Killers.
„Entschuldige, Vater“, beeile ich mich zu sagen, schaue zu Boden und spreche mit leiser Stimme weiter. „Du hast recht, ich habe fehlgehandelt und dir Schande bereitet. Von nun schwöre ich Besserung. Den weißen Raum habe ich verdient und ich akzeptiere meine Strafe.“
Misstrauisch starrt er mich an und ich weiß, er glaubt mir kein Wort. Dennoch bleibt ihm nach meiner angeblichen Reue gerade nichts anderes übrig, als mich am Leben zu lassen, fürs Erste. Das rasende Herz in meiner Brust fühlt sich wie heftige Trommelschläge an, Ba bamm, Ba bamm, Ba bamm. Schweiß bildet sich auf meiner Stirn und ich schlucke mehrmals nacheinander den Klos in meinem Hals runter.
„Hast du Angst, Tochter?“, fragt er und spuckt das letzte Wort verächtlich aus.
„Nein, Vater“, bemühe ich mich, mit kräftiger Stimme zu antworten und dennoch unterwürfig zu wirken. „Ich bin die Tochter des Titanums, die Thronfolgerin des Obersten, ich empfinde keine Angst.“ Wenn er nur wüsste, wie fern von der Wahrheit meine Worte sind.
Das Grinsen, das sich langsam auf seinem Gesicht ausbreitet, wirkt schmierig, und er scheint sich köstlich zu amüsieren.
„Du lügst, Celestia.“
Ich verstehe es auf der Stelle. Er hat mich durchschaut. Vater weiß, dass ich vor Angst bibbere. Plötzlich stockt mein Atem und ich schwitze erbärmlich. Verzweifelt falte ich meine Hände ineinander, um das Zittern meiner Finger zu verbergen.
„Wie meinst du das, Vater?“, erwidere ich und zwinge mich, ihm direkt in die Augen zu sehen und dabei gelassen zu wirken.
Eine viel zu lange Zeit sagt er nichts, kein einziges Wort. Stattdessen mustert er mich mit diesem ekligen Grinsen von meinen Haarwurzeln an bis zu den Fußspitzen. Es ist ein schreckliches Gefühl, so, als würde ich nackt und ausgeliefert vor ihm stehen.
Was ja zum Teil stimmt: Ich bin ihm ausgeliefert. Er alleine entscheidet hier auf Xyrania über Leben und Tod. Dank seiner unzähligen Forschungen verfügt er über Medikamente und Maschinen, die jedes Leben verlängern können. Egal wie stark verletzt oder krank jemand hier ist, Vater kann helfen. Doch ob diese lebensrettenden Maßnahmen einsetzt werden, entscheidet nur er. Und in letzter Zeit hat sich eine dicke Staubschicht über diese Art von Geräten gelegt. Es scheint, als hätte nur er alleine ein langes und gesundes Leben verdient. All die anderen sind in seinen Augen ersetzbar – sogar seine eigene Tochter.
Es hat allerdings ein riesiges Problem: Seine Samen taugen nichts, er kann keine Kinder zeugen. Das ist ihm nur einmal gelungen und ich bin das, in seinen Augen, jämmerliche Ergebnis. All die anderen im Labor erzeugten Kinder nutzt er lediglich für seine Dienste, sieht sie aber nicht als leiblichen Nachwuchs an.
„Wenn deine Mutter dich so sehen könnte, würde sie zum zweiten Mal an Herzversagen sterben, wie damals.“
Alleine die Tatsache, dass er Mutter erwähnt, die nur einen Tag nach meiner Geburt gestorben ist, lässt mich ihn noch abgrundtiefer hassen als bisher. Er ist schuld an ihrem Tod, weil er sie in die Outlands verstoßen hat. Er wollte sie loswerden und ließ sie in die karge Natur jenseits unserer zivilisierten Welt bringen. Vater benötigte Mutter nicht mehr, da ich nun auf der Welt war und sie damit ihr Soll erfüllt hatte.
Aus Gram und Trauer darüber, verstoßen zu werden und ihr Kind hergeben zu müssen, hörte ihr Herz nur Tage danach zu schlagen auf. Das jedenfalls hat mir unser Personal mal erzählt, wobei einige auch behaupten, er hätte sie umbringen lassen. Die Version meines Vaters ist eine andere.
Angeblich war Mutter einige Tage nach meiner Geburt allein zu Hause gewesen, weil er selbst mit der Führung des Planeten beschäftigt war. Ich hätte laut Hauspersonal immerzu gebrüllt und geschrien. So lange, bis meine von der Geburt noch geschwächte Mutter einen Herzanfall erlitt. Als das Personal es bemerkte, war es bereits zu spät. Denn eines können weder Maschinen noch Medikamente bewirken: ein Wesen, das tot ist, wieder zum Leben erwecken.
Tot ist und bleibt nun einmal tot. Für immer.
Und genau das droht mir jetzt auch, wenn ich nicht meine verdammte Klappe halte.
„Es tut mir leid, dich enttäuscht zu haben. Verzeih, Vater, ich werde es wieder gutmachen.“
„Das kannst du, in dem du mich ein für alle Mal in Frieden lässt, du undankbares Kind. Keinesfalls wirst du in absehbarer Zeit Thronfolgerin werden. Du würdest diesen Planeten doch bloß ins Chaos stürzen. Niemand kann Xyrania besser führen als ich, und ich werde verdammt lange leben, dafür habe ich mit meinen medizinischen Entwicklungen gesorgt. Noch bin ich mir nicht sicher, was ich mit dir anstellen werde. Soll ich dich direkt in die Outlands bringen lassen oder dir noch eine Chance geben, indem du einen anständigen Mann heiratest und ein unauffälliges, gefügiges Leben mit ihm führst? Nun ja, um mir das zu überlegen, habe ich jetzt zwei Wochen Zeit.“ Er klatscht in die Hände und ruft zwei seiner Soldaten herbei.
„Startet den Xeno-Gleiter für die Gefangenen-Transporte, beladet ihn mit Celestia und programmiert ihn, sie ohne Umwege zum weißen Raum zu bringen. Keiner spricht mit ihr, keiner schaut sie an. Sie muss bestraft werden.“
Hart packen mich die zwei Soldaten an Schultern und Unterarmen, als sie mich abführen. Der Gefangenen-Xeno-Gleiter steht schon vor der Tür bereit, die nach draußen führt. Obwohl wir uns hier im sechsten Stock befinden, wohl gemerkt, müssen wir keine Treppen steigen oder einen Aufzug nehmen, um zur Straße zu gelangen. Denn die Straße ist hier, hoch über dem Boden.
Schon vor langer Zeit haben die Leute auf Xyrania festgestellt, dass der Platz auf unserem Planeten begrenzt ist und wir zu viele sind. Wohnraum wurde immer knapper, weshalb sie begannen, jeden möglichen Quadratmeter Erde zu bebauen.
Doch die Straßen waren ein Hindernis, sie nahmen viel Platz weg. Also schlug mein Vater, der damalige Sekundär-Titanum vor, die Straßen einfach abzuschaffen und stattdessen den Verkehr über unsere Häuser zu verlagern. Drohnen gab es schon lange, doch bis dahin wurden sie überwiegend für den Frachtverkehr genutzt. Was wir jetzt haben, stellte also eine gewaltige Veränderung für alle dar. Zuerst begann mein Vater mit dem Bau einiger kleiner, runder Drohnen-Plattformen. Inzwischen summen und brummen diese sogenannten Xeno-Gleiter in Scharen über unsere Häuser hinweg.
Unsanft stoßen mich die Männer auf die Plattform des Gleiters und augenblicklich schließt sich die gläserne Kuppel um mich herum. Steuern kann ich dieses Fahrgerät nicht, da es extra als Gefangenen-Transport gebaut wurde. Während es lautlos startet und an Fahrt aufnimmt, beobachte ich eine Weile das emsige Treiben der anderen Drohnen um mich herum.
Nicht zum ersten Mal überlege ich, ob diese Erfindung Segen oder Fluch ist. Denn seit es sie gibt, ist wirklich jeder Meter auf unserem Planeten bebaut. Jetzt, da man keinen Platz mehr für Straßen lassen muss, sind auch beinahe alle öffentlichen Flächen wegrationiert worden. Nur eine Handvoll Regierungsplätze sind geblieben und wann immer sich die Leute dort treffen, werden sie komplett überwacht. Einer dieser Plätze, das Quadratum Imperium, sehe ich gerade unter mir. Doch auch dort möchte ich jetzt nicht sein, denn es wimmelt da geradezu von Kameras, Mikrofonen und sämtlichen Überwachungsapparaten. Nirgendwo ist man privat, wenn man draußen ist. Meiner Meinung nach hat das alles mit den Xeno-Gleiter begonnen.
Die Leute waren vom ersten Moment an von ihnen begeistert. Sie sind flach in der Aufbewahrung, nehmen kaum Platz weg und werden mit Strom per Akku betrieben. Reisende müssen sich bloß daraufstellen und per Headset das Ziel eingeben. Durch den hoch komplizierten Magnetismus des Fahrgeräts muss man sich weder anschnallen noch sonst irgendwie sichern.
Ja, ich gebe zu, es ist bequem, mit ihnen zu reisen. Es gibt eine Art Schutzglocke, die sich sofort über den jeweiligen Körper stülpt und die Temperatur im Inneren nach der Körperwärme des Fahrers ausrichtet. Unfälle kommen nicht vor, da die Dinger computergesteuert sind und so gut ausgearbeitet, dass jegliche Kollision vermieden werden kann. Alle lieben unsere Fortbewegungsart.
Ich hasse sie – seit der ersten Minute. Dummerweise leide ich, was natürlich keiner weiß, an Platzangst und in diesem Ding hier ist man unter der Kuppel komplett festgesetzt. Da hilft es auch nicht, dass ich freien Blick auf alles habe. Eingesperrt bleibt nun mal eingesperrt. Egal ob hinter Metallwänden oder einer durchsichtigen Glasglocke.
Manchmal glaube ich, die einzige Bewohnerin Xyranias zu sein, die nicht restlos begeistert von den Dingern und der damit verbundenen Bequemlichkeit ist. Natürlich wird im Inneren der Kuppel ein umfangreiches mediales Unterhaltungsprogramm geboten, damit einem nicht langweilig wird.
Mir wird gerade ein ätzender Propagandafilm des Imperiums auf die Scheibe gestreamt. Toll, noch so ein Seitenhieb meines Vaters, der sagen soll: „Füge dich oder stirb, Celestia.“ So ist das Leben hier nun mal: Entweder man tut alles, was das Imperium einem befiehlt oder man bekommt wenig bis keine Stromeinheiten und ist in dieser hoch technisierten Welt damit nicht überlebensfähig.
Wie sollte dass auch gehen ohne Strom? Alles hier ist Technik, kaum ein Handgriff geschieht durch uns selbst. Wir sind bequeme Leute, die Anstrengung vermeiden wollen. Und immer öfters, nämlich dann, wenn sich jemand in den Augen meines Vaters besonders schuldig gemacht hat, wird er weggebracht und getötet. Er macht nur selten Ausnahmen, indem er manche Täter lebendig in die Outlands bringen lässt, doch dort haben sie quasi null Überlebenschancen.
Kopfschüttelnd schaue ich den dämlichen Film an, in dem mein Vater als Beschützer der einfachen Bürger gepriesen wird und könnte schreien, weil ich schon wieder seine Visage sehen muss. Langsam setzte ich einen Fuß vor den anderen im jämmerlichen Versuch, mich abzulenken.
