My girls - John Peters - E-Book

My girls E-Book

John Peters

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3,99 €

Beschreibung

Manche Dinge ändern sich nie. Die Liebe in ganz jungen Jahren nimmt überall eine zentrale Stelle ein. Wenn die Wirrungen der Gefühle an so schönen Orten des Bodensees, wie Konstanz, Radolfzell oder Singen stattfinden, ist dies für die Liebschaften nur im Nachhinein von Bedeutung. Damals ging es nur um die Nymphen, die mit ihren sechzehn oder siebzehn Jahren in ihrer Anziehungskraft alles andere übertrafen.

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MOBI

Seitenzahl: 53

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Inhalt

Vorwort

Schule, erste Ohrfeige

Die Klasse

S´Hiller Chrischtele

Schule, Teil 2

Ella, Hellen, Susi

Schule, Teil 3

Cousine Annelie und Annegret

Die rothaarige Anna

Sabrina und Bettina

Die Indianerin

Maja in Singen

Die schöne Isi

Die junge Susanne

Eva konnte am besten küssen

Klassenkameradin Rike

Der schlimmste Kuss

Der Weg nach Konstanz

Erste Freundin, Ellen

Christina, erste große Liebe

Romy, zweite große Liebe

Vorwort

Es war elektrisierend. Das Radio gab Töne von sich, die völlig neu waren. Die Beatles. Oder die Rolling Stones. Oder, oder, oder. Diese Zeit Anfang der 60er Jahre brachte eine Vielzahl von Gruppen hervor, die alle diesen Gitarrensound drauf hatten, einen Sound, der eine Zeit einleuten sollte, die unverwechselbar war. Gefühlt war da grenzenlose Freiheit, Ruhm und Geld bedeuteten gar nichts, Rassismus Fehlanzeige. Die Jugendlichen trugen einen Schlabberlook, der Ihnen den Vorwurf „Gammler“ einbrachte, Erwachsene bemerkten mit tiefer Verachtung „Negermusik“, wenn die Beatles im Radio liefen und beide hatten enorme Probleme, aufeinander zuzugehen. Es gab keine Computer und keine smartphones, dadurch auch kein instagram, twitter oder facebook und in der Folge auch keine Notwendigkeit, sich im Vergleich mit anderen täglich per Video oder Foto zu produzieren. Der Egozentrik fehlte die Plattform.

Die Mädchen waren wenig oder gar nicht geschminkt. Küssen war deshalb kein Problem, ein Makeup konnte darunter nicht leiden. Und: Man sah sofort, wie die Angebetete wirklich aussah.

Und die Mädchen erwarteten nicht nach einem Kuss mindestens den Treueschwur für die nächsten zehn Jahre, längere Beziehungen waren eher die Ausnahme. Trotzdem waren beide Teile hiermit zufrieden und schwebten eher durch´s Leben als hindurch zu stampfen, wie heute.

Schule, erste Ohrfeige

Wir waren umgezogen. Von Weilburg an der Lahn nach Radolfzell am Bodensee. Ich war auf dem Weg zum ersten Schultag im neuen Gymnasium. Ich hatte kein gutes Gefühl.

Von der Ostlandstraße aus (wer wohnte schon in einer Straße mit so einem Namen, peinlich) startete ich mit dem Fahrrad Richtung Schule. Fast den gesamten Weg über, vielleicht vier Kilometer, gab es einen Fahrradweg und ich war innerhalb von 15 Minuten da. Von mir aus hätte es heute länger dauern können.

Ein großes, graues Gebäude stand da vor mir, nicht im Stil einer der vielen heute höchst langweiligen Schulgebäude sondern wie eine riesige, etwas schmucklose, heruntergekommene Stadtvilla. Nicht schlecht, dachte ich, es hätte schlimmer kommen können. Ein paar Meter weiter, auf der anderen Straßenseite, ging es zum Untersee, eine ideale Gegend für ein Date. In zweihundert Meter Entfernung war eine Eisdiele. Wie überall gab es dort eine Music-Box mit allen angesagten Songs (Beatles, Rolling Stones, The Who) und zu Zeiten von „Religion“ war später dort unser Klassenzimmer.

Ich suchte die Obertertia. Zu meiner Zeit wurde noch die „elitäre“ Bezeichnung für die Schuljahre verwendet. Heute wäre es wohl die Neun. Den ersten kleinen Klotzkopf, der vermutlich deutlich jünger war als ich, hielt ich an seine Jacke fest als er bei mir vorbei gerannt kam. „Hey, wo ist die Klasse der Obertertia, Kleiner?“ Er hob nur die Schultern hoch und rannte weiter.

Warum haben es kleinere Kinder eigentlich immer eilig?

Dann sah ich das Sekretariat.

„Guten Morgen, ich habe heute meinen ersten Tag hier und würde gerne wissen, wo die Obertertia ihren Klassenraum hat.“ Die Sekretärin meinte, „da gehsch am beschte in Raum einezwanzig, die habet heut da Kunscht“. „Und wie komme ich dahin?“

„Die Treppe rauf, dann links, Raum 21, steht ´dran.“

Ich marschierte mit einigen anderen lärmenden Kindern und Jugendlichen die breite Treppe hinauf, öffnete die schwere Tür zu Zimmer 21 und ging rein. Die meisten „Künstler“ saßen schon da, den Kopf auf die Hand gestützt, die Augen geschlossen, aber

nicht so weit, dass man nicht hätte sehen könnte, wenn „er“ kommt. Die Mädchen tratschten miteinander. Es war Montag und es gab wohl einiges Neues zu berichten. Ich setzte mich in die letzte Reihe, neben Bernd, der die nächsten Jahre vielfach mein Banknachbar sein sollte. Dann kam er auch schon. Rohrer – ein offensichtlich mies gelaunter alter Mann, vielleicht 60 Jahre alt mit verknittertem Gesicht und gebeugtem Gang, die Hände auf den Rücken, der Kunstlehrer,

Die anderen kramten ihr Zeug für die Malerei aus der Tasche und begannen, angefangene „Werke“ zu vervollständigen. Ich konnte nichts vervollständigen, da ich keine unvollständigen Blätter hatte. Ich hatte noch keinen Stundenplan und wusste deshalb nichts von Kunstunterricht. Rohrer marschierte zwischen den Bänken auf und ab und begutachtete die Werke. Sie sollten alle eine Häuserflucht malen, um Perspektiven zu beherrschen.

„Malt dieses Arschloch rot und blau“, brüllte Rohrer auf einmal und strich meinem Banknachbarn und späteren Freund Bernd das Bild mit einem breiten Stift mehrmals durch, so dass der „Künstler“ das Ganze noch einmal angehen durfte. Großes Gelächter aus den Reihen. Man hielt sich aber mit der Lautstärke so weit zurück, dass man selber nicht in die Schusslinie geriet, aber doch seinen Spaß hatte.

Vor meinem Platz blieb er stehen und blickte erstaunt auf den Tisch vor mir und grübelte offensichtlich nach, was da nicht stimmte. Kein Zeichenblock, keine Pinsel, keine Farben – einfach nichts. Dann kam sie, die Frage:

„Warum malsch du it?“ Eine Antwort hatte er wohl nicht erwartet, denn er schlug mir unmittelbar nach der Frage eine Ohrfeige ins Gesicht, durch die ich fast von der Bank flog.

„Ich bin heute zum ersten Mal hier“, versuchte ich noch zu beschwichtigen, aber er hörte gar nicht hin und meinte „des, des , des , des isch e Unverschämtheit“. Er war Stotterer. Für ihn war die Sache damit aber erledigt und er machte weiter seinen Rundgang, um andere Künstler zu fördern.

Das schlechte Gefühl vom frühen Morgen hatte sich erfüllt. Wenn die anderen Lehrer auch so waren – ansatzweise würde sich das genau so zeigen – würde ich an dieser Schule noch einiges erleben.

Die Klasse

Die Mädchen in meiner Klasse waren nicht gerade Schönheiten. Da waren die dünne Rike, die Streberin und die dicke Sylvia, von denen später mehr erzählt wird. Oder die üppige, blonde Lioba, die regelmäßig nach Korrektur der Mathe-Arbeiten begrüßt wurde mit „Gell, mir saget net, wer´s Fünferle hat, Lioba“ und noch zwei andere, an die ich mich dem Namen nach nicht mehr erinnern kann.