My one and only - Iris Morland - E-Book
SONDERANGEBOT

My one and only E-Book

Iris Morland

0,0
9,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Für Nachwuchsschauspielerin Lucy Younger ist es die Chance ihres Lebens: Ihr erster Film auf Hazel Island – und vielleicht die Aufmerksamkeit ihres berühmten Co-Stars. Doch dann trifft sie auf Carter Roberts. Baseballstar, Playboy und unerträglich arrogant. Als Carter vorschlägt, ihren Fake-Freund zu spielen, um ihren Co-Star eifersüchtig zu machen, sagt Lucy aus Trotz zu. Doch aus gespielter Nähe wird schnell mehr – und plötzlich steht weit mehr auf dem Spiel als nur ihr Herz …

Nach einer Schulterverletzung ist Carters Saison vorbei. Ziellos reist er nach Hazel Island – eigentlich nur für die Arbeit, doch dann trifft er auf Lucy. Frech, schlagfertig, völlig anders als jede Frau zuvor. Carter wollte nie wieder Gefühle riskieren, doch Lucy bringt ihn an seine Grenzen. Aber ist er wirklich bereit, für sie alle Regeln zu brechen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 282

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Cover for EPUB

Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Für Nachwuchsschauspielerin Lucy Younger ist es die Chance ihres Lebens: Ihr erster Film auf Hazel Island – und vielleicht die Aufmerksamkeit ihres berühmten Co-Stars. Doch dann trifft sie auf Carter Roberts. Baseballstar, Playboy und unerträglich arrogant. Als Carter vorschlägt, ihren Fake-Freund zu spielen, um ihren Co-Star eifersüchtig zu machen, sagt Lucy aus Trotz zu. Doch aus gespielter Nähe wird schnell mehr – und plötzlich steht weit mehr auf dem Spiel als nur ihr Herz …

Nach einer Schulterverletzung ist Carters Saison vorbei. Ziellos reist er nach Hazel Island – eigentlich nur für die Arbeit, doch dann trifft er auf Lucy. Frech, schlagfertig, völlig anders als jede Frau zuvor. Carter wollte nie wieder Gefühle riskieren, doch Lucy bringt ihn an seine Grenzen. Aber ist er wirklich bereit, für sie alle Regeln zu brechen?

ABONNIEREN SIE DEN NEWSLETTERDER AUFBAU VERLAGE

Einmal im Monat informieren wir Sie über

die besten Neuerscheinungen aus unserem vielfältigen ProgrammLesungen und Veranstaltungen rund um unsere BücherNeuigkeiten über unsere AutorenVideos, Lese- und Hörprobenattraktive Gewinnspiele, Aktionen und vieles mehr

Folgen Sie uns auf Facebook, um stets aktuelle Informationen über uns und unsere Autoren zu erhalten:

https://www.facebook.com/aufbau.verlag

Registrieren Sie sich jetzt unter:

http://www.aufbau-verlage.de/newsletter

Unter allen Neu-Anmeldungen verlosen wir

jeden Monat ein Novitäten-Buchpaket!

Iris Morland

My one and only

Aus dem Amerikanischen von Silvia Gleißner

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

Newsletter

Widmung

Kapitel eins

Kapitel zwei

Kapitel drei

Kapitel vier

Kapitel fünf

Kapitel sechs

Kapitel sieben

Kapitel acht

Kapitel neun

Kapitel zehn

Kapitel elf

Kapitel zwölf

Kapitel dreizehn

Kapitel vierzehn

Kapitel fünfzehn

Kapitel sechzehn

Kapitel siebzehn

Kapitel achtzehn

Kapitel neunzehn

Kapitel zwanzig

Kapitel einundzwanzig

Epilog

Über die Autorin

Impressum

Dieses Buch war eines der schwierigsten, die ich je geschrieben habe, denn im Jahr 2018 hat mich das Leben so richtig hart getroffen. Vielen Dank an meine Familie und meine Leserinnen und Leser dafür, dass sie mir einen Grund geben, weiterzuschreiben.

Kapitel eins

Nach zehn Takes, die den ganzen Vormittag lang dauerten und bis in den Nachmittag hineingingen, hörte Lucy Younger ihren Magen derart laut knurren, dass sie sich ziemlich sicher war, es mussten alle in einem Umkreis von fünf Meilen gehört haben.

»Cut!«, rief Jim Stanton, der Regisseur. Jim hatte eine breite silberne Strähne im Haar, die im Verlauf des Tages immer breiter zu werden schien. Lucy fragte sich, ob es an der Feuchtigkeit lag oder ob Jims Strähne tatsächlich breiter wurde, weil mit jeder Aufnahme, die er unweigerlich hasste, seine Gereiztheit zunahm. Es war fast so, als würde man einer Katze zusehen, die vor einer Bedrohung einen Buckel machte, ihr Fell sträubte und fauchte.

»Drehschluss erst mal«, rief Jim. »Geht euch etwas zu essen holen.« Er warf Lucy einen sardonischen Blick zu, sicherlich hatte er ihren Magen knurren gehört. Nun ja, hätte er ihnen vor drei Uhr nachmittags eine Mittagspause zugestanden, dann wäre sie jetzt nicht so verdammt hungrig!

Lucy war vor einer Woche auf Hazel Island im Puget Sound eingetroffen, um The Last Goodbye zu drehen. Es war ihr erster Film, und auch wenn es sich um eine kleinere Indie-Produktion handelte, war es eine riesige Gelegenheit für sie. Wenn sie mit kleinen Werbespots oder Laientheater aufhören könnte … Ihr Herz machte einen kleinen Freudentanz bei dem Gedanken, ein richtiger Filmstar zu werden. Oder zumindest ein Indie-Liebling.

Lucy schnappte sich einen Teller mit Essen, während der Rest der Besetzung und der Crew in der Nähe herumwuselte. Diese Szene hatten sie draußen gedreht, nicht weit vom Wasser, und Lucy atmete zufrieden den Duft von Salz und Sand ein. Dazu der klare blaue Sommerhimmel und die Wärme des Tages, und es war unmöglich, sich nicht gut zu fühlen. Sie konnte gar nicht aufhören zu lächeln.

»Lucy!« Erin White, ihre Schauspielkollegin, nahm Lucy am Ellbogen. »Hast du schon gehört, dass Hayden Masterson gecastet wurde?«

Lucys Augen wurden groß. Nachdem der ursprüngliche Hauptdarsteller ganz plötzlich ausgefallen war, waren alle unglaublich gespannt gewesen, wer seine Rolle übernehmen würde. Hayden Masterson war Hollywoods größter Schauspieler, und nach einer Oscar-Nominierung dieses Jahr für eine weithin gefeierte Rolle war er Stadtgespräch.

Lucy hatte Hayden vor einem Jahr persönlich treffen können, auf einer Cast-Party, zu der eine Schauspielerin eingeladen hatte. Lucy war sprachlos und nervös gewesen, aber Hayden war so weit gegangen, sie nach ihrer Arbeit zu fragen und ihr einen Drink zu spendieren. Er hatte so gut ausgesehen, dass Lucy beinahe zu seinen Füßen hingesunken wäre. Und als ihre Finger sich kurz berührt hatten, als er ihr den Drink reichte, hatte sie sich Hals über Kopf in ihn verknallt.

Seitdem schwärmte sie für ihn. Sie hatte sogar ein Foto von ihm als Hintergrundbild auf dem Display ihres Handys, und es könnte auch sein, dass sie sich zum Geburtstag auf seiner Website ein Foto von ihm mit Autogramm gekauft hatte.

»Ist das dein Ernst?«, fragte Lucy.

Erin nickte. »Ich habe gerade mit dem Casting Director gesprochen. Hayden wird Malcolm spielen. Er wird in ein paar Tagen hier hochkommen, um mit dem Dreh anzufangen!«

Lucy wäre beinahe getaumelt, und ihr Herz hämmerte. Sie umklammerte Erins Arm, als wäre ihre Kollegin ein Rettungsring mitten im weiten Ozean. »Ist das dein Ernst? Hayden Masterson? Bist du sicher, dass er es ist?«, fragte sie eindringlich.

»Ja, ganz ernsthaft!« Erin griff Lucy an den Schultern. »Lucy Younger, du wirst an der Seite von Hayden Masterson spielen. Du wirst ihn küssen dürfen. Das hier passiert wirklich, meine Freundin!«

Lucys Stück Brot fiel von ihrem Teller herunter auf den Boden, aber das kümmerte sie nicht.

Sie würde Hayden wiedersehen. Sie würde ihn kennenlernen und mit ihm arbeiten dürfen. Er wäre nicht nur jemand, von dem sie jede Nacht träumte. Nicht nur ein gut aussehender Mann auf einem Schwarz-Weiß-Foto, auf dessen Ecke sein gekritzeltes Autogramm stand. Sondern wirklich er. Lucy konnte es gar nicht glauben.

Sie wusste nicht, wie die Produzenten es geschafft hatten, ihn dazu zu bringen, eine Hauptrolle in diesem kleinen Indie-Film zu übernehmen. Vielleicht hatten sie eine Jungfrau geopfert, um ihn zu einer Vertragsunterzeichnung zu bewegen. Vielleicht fand er die größeren Hollywoodfilme langweilig und wollte etwas anderes. Vielleicht lag es ja auch daran, dass Merkur rückläufig war, und bewirkte das nicht angeblich seltsame Vorkommnisse im Universum?

»Was soll ich tun?« Lucy warf Erin einen angstvollen Blick zu.

Erin lachte. »Vor allem, schau ihn nicht an, als würdest du dich gleich übergeben.«

»Träume ich? Zwick mich. Kipp mir einen Eimer Eiswasser über.«

Erin zwickte sie so fest, dass Lucy aufjaulte.

»Okay, okay, es ist real! Nicht mehr zwicken«, rief sie.

Erin ließ ein Grinsen aufblitzen. Sie war eine hübsche Frau mit nussbraunem Haar und einem ausgelassenen Lachen, und sie und Lucy waren nach einer albernen Unterhaltung über ihre Lieblings-Katzen-Memes Freundinnen geworden. Erin besetzte eine kleinere Rolle in dem Film, während Lucy es irgendwie geschafft hatte, die Hauptrolle zu ergattern, obwohl ihr jegliche Erfahrung mit Kinofilmen fehlte. Ihre Vita war allerdings ellenlang, mit Rollen in allem, wo ihre Agentin sie hatte unterbringen können: Werbespots, Theaterstücke, kurze Indie-Streifen und alles dazwischen.

Lucy hatte alles gespielt, von einer Frau, die an Krebs starb, über eine irre Stalkerin eines Ex-Freundes bis hin zur dummen blonden Freundin. Würde man eine Liste mit stereotypen Rollen für Frauen in Hollywood ausdrucken – Lucy hatte sie alle gespielt. Erst kürzlich hatte sie einen Werbespot gedreht, in dem sie eine Frau darstellte, die an Reizdarmsyndrom litt und das perfekte Medikament zur Behandlung gefunden hatte. Es war ein Highlight und zugleich ein Tiefpunkt in ihrer nicht so glorreichen Karriere gewesen. Sie hatte fast neun Jahre gebraucht – Anfang Juni war sie siebenundzwanzig Jahre alt geworden –, um eine solche Rolle zu ergattern.

»Noch zehn Minuten, dann beginnen wir mit der nächsten Szene«, sagte Jim im Vorbeigehen. »Geh rüber zur Garderobe, und zieh dich um.«

Lucy schlang ihre Mahlzeit in Rekordzeit hinunter. Danach schaute sie auf die Uhr, und ihr wurde klar, dass sie noch fünf Minuten hatte, um sich umzuziehen, bevor Jim sie anbrüllen würde, dass sie zu spät sei. Sie eilte zum Wohnwagen mit den Kostümen, ohne darauf zu achten, wohin sie ging.

Als sie die Wohnwagentür aufzog, prallte sie direkt gegen einen harten, muskulösen Brustkorb.

»Hoppla«, sagte eine tiefe Männerstimme, und große Hände stützten sie.

Lucy blickte auf – und auf und auf – und sah lachende blaue Augen auf sich herabblicken. Obwohl der Mann nicht gut aussehend im klassischen Sinne war, war er mit diesen Augen auf jeden Fall bemerkenswert. Mit seinem dunklen Haar und einem Kinn mit Grübchen könnte er mühelos als Model auf den Seiten eines Magazins erscheinen, in Kleidung, die mehr kostete, als Lucy in einem Jahr verdiente. Sie hatte zwischen Schauspielrollen ein paar Projekte als Model gemacht, und dieser Typ passte genau in das Profil. Er roch sogar teuer.

»Ich bin es ja gewohnt, dass Frauen sich mir an den Hals werfen«, meinte der Mann lässig. Seine Stimme fühlte sich wie Samt auf Lucys Haut an. »Aber das hier ist ein bisschen viel.« Sein Blick wanderte von ihrem Gesicht zu ihrem Oberkörper und ging dann zu einer gemächlichen Betrachtung ihres ganzen Körpers über.

Lucy wurde rot, und ihre Augen versprühten Funken. Natürlich war sie irgendeinem Trottel in die Arme gelaufen, als sie es eilig hatte. Hastig ging sie auf Abstand zu ihm und antwortete knapp: »Ich muss in den Wohnwagen.«

Der Mann schnalzte mit der Zunge. »Nicht einmal eine kleine Entschuldigung dafür, dass Sie mich praktisch über den Haufen gerannt haben?«

Lucy verdrehte die Augen und wollte sich an ihm vorbeidrängen. »Ich bin keine Lügnerin, also nein, ich entschuldige mich nicht, weil es mir nicht leidtut.«

Der Mann lehnte sich an den Türrahmen und versperrte ihr damit den Weg. Angesichts der Tatsache, dass er über einen Kopf größer war als Lucy mit ihren ein Meter siebenundfünfzig, hatte sie keine Chance, an ihm vorbeizukommen. Sie knurrte unterdrückt. Wieso musste sie sich immer mit den Blödmännern am Set herumschlagen?

Lucy musterte den Mann und registrierte, dass er zerrissene Jeans und ein altes T-Shirt trug. Trotz seines Aussehens war er nicht gekleidet, als wäre er jemand Wichtiges. Von seiner Erscheinung her könnte er jemand sein, der hinter den Kulissen arbeitete. Außerdem – wäre er jemand Wichtiges, wäre Lucy ihm schon begegnet. Sie war den Produzenten und dem Regisseur am ersten Tag ihrer Ankunft auf Hazel Island vorgestellt worden.

Dieser seltsame Mann, wer immer er war, lächelte sie immer noch an. Sein Lächeln war träge und erhitzt, und etwas in Lucys Bauch rührte sich. Sie ignorierte es. Sie hatte keine Zeit für gut aussehende Mistkerle, die ihr das Leben schwer machten.

»Sie sind ein kleiner Hitzkopf, oder?«, meinte er. »Ich mag Frauen mit Temperament.«

»Cool. Ich habe Sie nicht um Ihre Meinung gebeten. Und Sie stehen mir im Weg, falls Sie mich beim ersten Mal nicht gehört haben.«

»Doch, habe ich.«

Lucy verschränkte die Arme. »Was soll das werden? Macht es Ihnen Spaß, wahllos Frauen zu belästigen?«

»Wer hat denn etwas von Belästigung gesagt?« Sein Lächeln wurde breiter, und seine Zähne blitzten auf.

»Wenn das Ihre Art ist, Frauen aufzureißen, dann sind Sie schrecklich darin.«

»Ich habe Ihre Aufmerksamkeit doch gewonnen.«

Lucy knurrte leise, und der Mann lachte. Dann trat er beiseite und hob mit einer dramatischen Geste den Arm. »Nach Ihnen, kleiner Hitzkopf.« Er beugte sich vor, ehe sie an ihm vorbeigehen konnte, und flüsterte ihr ins Ohr: »Aber solltest du mich wiedersehen, versuche nicht, dich mir an den Hals zu werfen. Männer stehen auf ein wenig Mysterium.«

Lucy starrte dem Mann Dolche in den Rücken, als er erneut lachte und zurück zum Set ging. Aber schon bald bot ihr der Kostümwechsel die dringend nötige Ablenkung, und der unausstehliche Fremde war vergessen.

Der Dreh des Nachmittags begann mit einer Szene mit Lucy und Erin. Lucys Figur, Miranda, war beschrieben als »überarbeitete Karrierefrau, die vor drei Monaten von ihrem Verlobten vor dem Traualtar stehen gelassen wurde«. In dieser Szene erzählte Miranda Erins Figur, Layla, dass sie ihrem Ex-Verlobten auf dem örtlichen Bauernmarkt begegnet sei. Es war nicht so toll gelaufen.

»Er sah gut aus«, erzählte Lucy/Miranda mit einer Stimme, die zunehmend schriller wurde. »Wieso sah er gut aus? Sollte er nicht fett und traurig sein? Aber er sah sonnengebräunt aus! Wieso ist das Leben so unfair?«

»Cut! Cut, cut, cut.« Jim stand von seinem Stuhl auf. »Du klingst ja, als würdest du kreischen«, sagte er zu Lucy. »Diese Szene sollte emotional und witzig sein, aber nicht lächerlich. Du spielst Miranda, als wäre sie ein Witz. Denkst du, sie sei ein Witz?«

Lucy blinzelte. »Nein, natürlich nicht.«

»Dann hör auf, sie zu spielen, als wäre sie einer.«

Aus dem Augenwinkel sah Lucy, wie jemand zum Set kam. Zu ihrer immensen Bestürzung war es der Widerling vom Wohnwagen. Wollte er sie jetzt stalken?

»Hörst du mir zu?« Jims Stimme holte Lucy zurück in die Gegenwart. »Wir haben nicht die Zeit, eine Million Takes zu machen, weil du keine Lust hast, dir Mühe zu geben, Miss Younger.«

»Tut mir leid. Ich mache es besser«, stammelte Lucy. Sie konnte den Blick des Widerlings auf sich fühlen und wurde rot in dem Wissen, dass er mit ansah, wie sie zurechtgewiesen wurde wie eine Fünfjährige.

Als Jim zu seinem Regiestuhl zurückkehrte, flüsterte Erin Lucy zu: »Du kannst das. Jim hat nur einen Stock im Hintern.«

Während Lucy und Erin noch drei weitere Takes machten, sah Lucy immer wieder zu dem Widerling, der sich am Set herumtrieb. Mit seinem dunklen Haar und der langgliedrigen Statur erinnerte er Lucy an ein Raubtier. Wie ein Panther, der sich an seine Beute anschlich.

Sie schauderte bei dem Gedanken, dass er sich möglicherweise an sie anschleichen würde. Aber warum sollte er? Er kannte sie nicht. Er war nur irgendein Typ, der gern Leute drangsalierte. Sie wäre besser damit beraten, ihn vollständig zu ignorieren.

Nach dem zweiten Take brachte der Widerling einer Autorin einen Becher Kaffee. Er musste ihr Assistent sein. Lucy hatte keine Ahnung, warum Pamela einen so nervigen Assistenten haben sollte oder wieso er gekleidet wie ein Penner zur Arbeit kam. Aber vielleicht hatten seine Qualitäten als Augenweide sie überzeugt.

»Weißt du, wer das ist?«, fragte Lucy Erin zwischen zwei Takes.

Erin warf einen Blick dorthin, wo Lucy hingezeigt hatte. »Wer? Der Typ da?«

»Ja. Ich bin ihm vorhin in die Arme gelaufen.«

Erins Augen wurden groß, doch gerade als sie antworten wollte, bellte Jim: »Noch ein letzter Take, bevor wir Schluss machen für heute. Alle auf ihre Plätze!«

Lucy vergaß den Widerling fast, der ihr zusah, während sie arbeitete. Jedes Mal, wenn sie eine Szene drehte – egal, wie viele Takes es brauchte –, wurde sie daran erinnert, warum sie überhaupt Schauspielerin hatte werden wollen. In eine Figur einzutauchen, zu jemand anderem zu werden, das war eine der berauschendsten und suchterzeugendsten Erfahrungen, die sie je erlebt hatte.

Für eine Weile war sie nicht mehr Lucy Younger, eine unbekannte Schauspielerin, die zu viele Rechnungen bezahlen musste. Stattdessen wurde sie zu Miranda Leighton: Karrierefrau, CEO und eine Frau mit der Mission, einen Ex-Verlobten hinter sich zu lassen, der ihr das Herz gebrochen hatte.

Nach Lucys letzter Textzeile rief Jim: »Das war’s für heute. Endlich hast du mal einen Take gemacht, bei dem ich mich nicht selbst in Brand stecken will.«

Lucy konnte ein ungläubiges Lachen kaum unterdrücken. »Ähm, danke?«

Aber Jim hatte sich schon abgewandt, um mit jemand anderem zu sprechen. Lucy war dankbar, dass sie sowohl seinen zweifelhaften Komplimenten als auch seinem Zorn aus dem Weg gehen konnte.

»Toller Job bei dem letzten Take«, sagte Pamela mit strahlendem Lächeln. »Das ist eine meiner Lieblingsszenen. Ich musste mich mit den anderen Autoren streiten, um sie in den Film eingefügt zu bekommen, aber am Ende hatte ich Erfolg.«

Lucy lächelte. »Danke. Ich wollte nicht, dass Miranda zu verzweifelt rüberkommt. Ich hatte befürchtet, mein Auftritt wäre zu gekünstelt.«

»Gar nicht. Sie haben eine wundervolle Art, sich nur mit ihrem Gesicht auszudrücken. Ich konnte genau erkennen, was Sie dachten, ohne dass Sie ein Wort sagten.«

»Sie sind sehr ausdrucksstark«, sagte da eine Stimme, und Lucy versteifte sich.

»Sind Sie Lucy schon begegnet?«, fragte Pamela den Widerling.

Er lächelte dieses Lächeln, bei dem Lucy ihm am liebsten auf den Fuß treten wollte. »Oh ja, wir sind uns begegnet.«

Die Art, wie er sie ansah, schürte ihren Zorn noch. Machte er sich über sie lustig? Lucy hatte schon zu viele schmierige Schauspieler aushalten müssen, die vorausgesetzt hatten, sie sei leicht zu haben, um auch noch diesen Typen zu ertragen. Und er war Pamelas Assistent: Es stand ihm nicht zu, so mit der Hauptdarstellerin zu reden. Sie verstand nicht, wieso Pamela ihm nicht sagte, dass er verschwinden solle, aber vielleicht hatten sie ja irgendeine seltsame Beziehung. Vielleicht dateten sie sich ja.

»Wir sind zufällig aufeinandergestoßen«, erklärte Lucy angespannt.

»Buchstäblich. Ms. Younger hier hat sich mir praktisch an den Hals geworfen.« Er zwinkerte.

Pamela blinzelte überrascht – aber sie befahl ihrem Assistenten nicht, sich zurückzuhalten. Das machte Lucy noch wütender.

»Ist das die Art, wie Sie mit Schauspielern am Set reden? Denn falls ja, braucht Ihre Herangehensweise noch einiges an Arbeit«, konterte sie, ohne sich noch um Höflichkeit zu scheren.

»Lucy …«, flüsterte Erin hinter ihr, aber Lucy ignorierte sie.

»Anscheinend sind eher Sie diejenige, die sich hier aufplustert«, konterte der Widerling.

Lucy ballte die Hand zur Faust und fand große Befriedigung in der Vorstellung, dem Typen einen Kinnhaken zu verpassen.

»Wieso machen Sie sich nicht nützlich und besorgen mir einen Becher Kaffee? Das ist doch Ihr Job, oder nicht?«, meinte Lucy vernichtend und hob dabei die Stimme, damit alle sehen konnten, dass sie die Lage kontrollierte und nicht dieser Mistkerl.

Pamela runzelte so sehr die Stirn, dass ihre Augenbrauen fast hoch bis an den Haaransatz gingen, und Erin gab ein ersticktes Geräusch von sich. Lucy sah den Widerling finster an und forderte ihn mit ihrem Blick heraus, sich zu weigern. Assistenten sollten assistieren, nicht andere verärgern.

Doch schon bald wurde ihr klar, dass alle am Set mit dem, was sie gerade taten, aufgehört hatten. Sie konnte praktisch die Blicke aller kollektiv auf sich gerichtet fühlen, und ihr kroch Hitze in die Wangen.

»Mit Milch und Zucker?«, fragte der Mann zuckersüß.

Lucy straffte die Schultern. »Ja. Beides.«

Als der Mann ging, um Lucy ihren Kaffee zu besorgen, packte Erin sie am Arm und drückte ihn so fest, dass Lucy nach Luft schnappte.

»Was ist denn?«, fragte Lucy.

Erin schüttelte sie. »Weißt du denn nicht, wer das ist?«

»Er ist Pamelas Mistkerl von Assistent. Kannst du glauben, dass er so mit mir geredet hat?«

»Assistent? Lucy!« Erin grub so fest die Finger in ihren Arm, dass Lucy aufschrie.

»Au, du tust mir weh …«

»Du Dummkopf! Das ist dieser große Baseballspieler. Hast du ihn denn nicht erkannt? Er spielt für die Seattle Orcas.«

Etwas kribbelte in Lucys Hinterkopf. Ihre Kehle schnürte sich zu, als das Grauen in ihr hochstieg, und ihre Handflächen wurden kalt und schwitzig.

»Aber warum hat …?«, flüsterte sie.

Genau da kam der Widerling zurück und überreichte ihr mit einer sardonischen Verbeugung ihren Becher Kaffee.

»Lucy, darf ich Ihnen Mr. Roberts vorstellen?«, fragte Pamela in angestrengtem Tonfall.

Er streckte die Hand aus, aber Lucy war zu erstarrt, um sie zu schütteln.

»Carter Roberts«, stellte er sich in diesem nervtötend lässigen Tonfall vor, und in seinen Augen funkelte etwas, das aussah wie Triumph. »Baseballspieler und jetzt leitender Produzent, zu Ihren Diensten.«

Kapitel zwei

Als Carters bester Kumpel, Anthony Bertram, ihm vorschlug, ausgerechnet an einem Film mitzuarbeiten, hatte Carter gedacht, sein Freund hätte den Verstand verloren.

»Ich bin Baseballspieler«, hatte er gesagt. »Das Letzte, was ich mal geschrieben habe, war wahrscheinlich ein Aufsatz in der fünften Klasse. Und der ging auch über Baseball.«

Anthony hatte abgewunken. »Du musst ja nichts schreiben. Du spielst den Kontrolleur und sorgst dafür, dass alles im Zeitplan und im Budget bleibt. Und das Beste ist, dass du jetzt, da du für die Saison auf der Bank sitzen musst, etwas zu tun hast. Ich wollte es ja machen, aber ich bin zu beschäftigt hier in Seattle mit Thea und dem Unternehmen.«

Carter hatte Anthony gesagt, er solle dafür jemanden suchen, der tatsächlich qualifiziert sei. Aber irgendwie hatte Anthony sich in den Kopf gesetzt, dass Carter den Job machen sollte, und als er gesagt hatte, er brauche jemanden am Ruder, dem er trauen könne, hatte Carter nachgegeben. Und das, obwohl sein Interesse an der Filmbranche etwa so groß war wie sein Interesse an den Paarungsgewohnheiten von Seeanemonen.

Als er gestern früh auf Hazel Island eingetroffen war, um den Job anzutreten, hatte er damit gerechnet, dass er sich zu Tode langweilen und sich nach einer Woche nur noch stärker wünschen würde, er könnte wieder Baseball spielen.

Aber jetzt hatte Carter viel zu viel Spaß dabei, diesen umwerfenden blonden Hitzkopf zu ärgern. Sie schockiert stottern zu sehen, nachdem sie erfahren hatte, wer er war, war das Lustigste, was er seit Langem erlebt hatte.

Lucy – so hieß sie. Passte zu ihr, dachte Carter. Mit dem spitzen Kinn und den lodernden grünen Augen sah sie aus wie ein elfenhaftes Geschöpf, das man tief in den Wäldern finden würde. Im Augenblick war sie leuchtend rot und schien kurz davor, jemandem einen Boxhieb zu verpassen. Doch das ließ Carter nur noch breiter grinsen.

»Sind Sie … nein, sind Sie sicher?«, stotterte Lucy und warf Pamela einen Blick zu. »Ist das ein Witz?«

»Er ist der leitende Produzent«, zischte Pamela ihr zu, bevor sie Carter ansprach: »Es tut mir sehr leid, Mr. Roberts. Lucy hatte einen langen Tag. Ich bin sicher, ihre Unhöflichkeit tut ihr schrecklich leid.«

Lucy sah auch dieses Mal kein bisschen so aus, als täte es ihr leid, und Carter musste sich innen auf die Wange beißen, um nicht zu lachen. Eigentlich war er nicht der Typ, der eine hübsche Frau derart piesackte, aber etwas an der Art, wie sie vorhin die Hände in die Hüften gestemmt und ihm gesagt hatte, er könne sie mal, hatte ihn fasziniert.

Lucy schluckte sichtbar und blickte zwischen Pamela und Carter hin und her. »Tut mir sehr leid«, krächzte sie. »Das wusste ich nicht.«

»Oh, das ist kein Problem. Ich bin sicher, Sie können das irgendwann bei mir wiedergutmachen.«

Lucy straffte die Schultern, brummelte eine Entschuldigung und suchte umgehend das Weite.

Carter war nicht sauer darüber, dass sie ging, denn das bot ihm einen tollen Blick auf ihren Hintern, hübsch und rund in den engen Jeans.

»Mr. Roberts, es tut mir so leid«, sagte Pamela und gestikulierte, als wären ihre Hände wild gewordene Vögel. »Ich werde mit Lucy reden. Ich weiß nicht, warum sie Sie nicht erkannt hat, aber andernfalls hätte sie nie so mit Ihnen geredet. Auch wenn das keine Entschuldigung ist. Es tut mir so leid …«

Carter hob eine Hand. »Ist schon in Ordnung. Wie Sie schon sagten, sie hat mich nicht erkannt.«

Bevor Pamela zu einer weiteren Entschuldigungsrede ansetzen konnte, ging Carter, um Lucy zu folgen. Er wusste nicht, warum er den Drang verspürte, sie weiter zu ärgern.

Vielleicht weil er sich langweilte, seit er nach seiner Schulterverletzung auf die Ersatzbank verbannt worden war. Ohne Baseball hatte Carter sich treiben lassen, und sein Leben war zum Stillstand gekommen. Nicht einmal Frauen, Partys, Alkohol oder Geld konnten Baseball in seinem Leben ersetzen, egal, wie sehr er all diese Dinge genossen hatte.

Als sein guter Freund Anthony Bertram ihn bat, leitender Produzent eines Films zu werden, den er finanzierte, hatte Carter gedacht, Anthony hätte den Verstand verloren. Anthony war früher der milliardenschwere CEO von Bertram, Sons und Co. gewesen, und nun war er der millionenschwere Gründer von Goldfinch Press mit seiner Freundin Thea, also wusste er ein oder zwei Dinge über Unternehmungsführung. Das hatte Carter nur noch mehr verwirrt – warum er?

Was wusste Carter über Filme, außer dass er sich gern welche ansah – vorzugsweise die, die wegen »Szenen sexueller Natur« nicht jugendfrei waren? Nichts. Er wusste nichts. Doch Anthony hatte ihn dazu überredet, den Sommer über auf das winzige Hazel Island zu kommen, um dort »den Hintern hochzukriegen und etwas Nützliches zu tun«, wie er es ausgedrückt hatte.

Carter hatte immer noch keine Ahnung, warum er dieser bescheuerten Sache zugestimmt hatte. Vielleicht weil Anthony ihn die ganze Zeit so mitleidig angesehen hatte. »Ich weiß, dass du unglücklich bist, weil du auf der Ersatzbank sitzt«, hatte sein ältester Freund gesagt, »aber das heißt nicht, dass du ewig herumsitzen und Trübsal blasen kannst.«

Carter hatte geantwortet, dass er gar nicht Trübsal geblasen habe. Er sei nur ratlos gewesen, wie er weitermachen solle. Carter hatte Baseball gespielt, seit er ein Kind war, und nun, im Alter von neunundzwanzig Jahren, war der Gedanke, nicht zu spielen, schlicht undenkbar.

Carter brauchte nicht lange, um Lucy einzuholen. Sie blieb vor den Stufen zu ihrem Wohnwagen stehen und drehte sich um. »Wieso folgen Sie mir?«, wollte sie wissen. Sie war immer noch leicht rot und immer noch sehr aufgebracht, ähnlich wie eine Katze mit gesträubtem Fell. Carter wollte ihr Fell am liebsten eigenhändig sträuben.

»Ich bin nicht sicher, ob Ihre Entschuldigung aufrichtig war«, sagte er. Auf ihren entgeisterten Gesichtsausdruck hin unterdrückte er nur mit Mühe ein Lachen. »Ich bin nicht derjenige, der einen leitenden Produzenten beschimpft hat, wissen Sie?«

Lucy schluckte. »Bitte nehmen Sie meine Entschuldigung an, Mr. Roberts«, sagte sie dann kleinlaut und rang bekümmert die Hände.

Oh, sie war gut. Eine vollendete Schauspielerin, dieser Hitzkopf. Sie verstand ihr Handwerk.

»Sie sind gut, wissen Sie? Ich habe schon viele Schauspielerinnen gedatet, aber Sie sind eine der besten, von denen ich je eine Entschuldigung gehört habe.«

Lucys kleinlaute Miene verwandelte sich in einer halben Sekunde in eine wütende, was Carter bewies, dass seine Theorie stimmte. Er grinste.

»Wissen Sie, ich war noch nie an einem Drehort«, sagte er, »aber soweit ich es verstehe, sind die leitenden Produzenten für gewöhnlich nicht diejenigen, die den Schauspielern Kaffee bringen. Es sei denn, man ist ein großer Oscar-Preisträger. Sind Sie eine Oscar-Preisträgerin, Ms. Younger?«

Lucy wirbelte zu ihm herum. »Falls Sie sich das gefragt haben: Mir tut nicht leid, was ich getan habe. Sie sind der aufgeblasenste, arroganteste …«

»Das ist doppelt gemoppelt.«

»… nervigste Dummkopf, dem zu begegnen ich je das Missvergnügen hatte, und egal, was Sie sagen: Ich fürchte mich nicht vor Ihnen.«

Daraufhin zog Carter eine Augenbraue hoch. »Wieso sollten Sie sich denn vor mir fürchten?«

»Männer wie Sie sind doch alle gleich. Sie denken, Frauen existieren nur zu Ihrem eigenen Vergnügen.«

»Sie wissen gar nichts über mich, kleiner Hitzkopf.«

Sie reagierte gereizt auf den Spitznamen. »Ich habe keine Zeit für so etwas.«

»Und doch sind Sie hier.«

Lucy hob das spitze Kinn, und ihre Lippe zitterte ein klein wenig. Und ganz plötzlich fragte sich Carter, wie sich dieser Mund wohl auf seinem anfühlen würde.

»Wollen Sie mich jetzt feuern?«, fragte sie.

»So verlockend das auch wäre«, meinte Carter, »aber ich bin zu faul, um eine neue Darstellerin zu suchen und Jim dazu zu bringen, alles, was wir schon gemacht haben, noch einmal zu drehen.«

»Sie sind Baseballspieler. Was machen Sie überhaupt hier?«

Carter hatte keine Ahnung, aber das würde er Lucy nicht erzählen.

Mir ist langweilig. Ich weiß nicht weiter. Ohne Baseball bin ich ein Niemand.

Oh ja, er würde ihr nichts von alledem erzählen.

Er zuckte mit den Schultern. »Nennen Sie es eine Erweiterung meines Repertoires.«

Ihre grünen Augen wurden schmal, als sie ihn musterte, und Carter konnte sich gerade so davon abhalten, sich unter dieser abschätzenden Musterung zu winden. Ihr Blick war scharf, misstrauisch, doch darunter verbarg sich Neugier.

Dann wurden Lucys Augen groß, als ihr etwas klar wurde. »Sie sind dieser Baseballspieler.«

»Also haben Sie doch von mir gehört.« Triumph erfüllte ihn.

Er hätte mit ihren Krallen rechnen müssen, wenn man bedachte, wie er mit ihr gespielt hatte. Das hätte er, aber als ihre Krallen sich durch die Oberfläche bohrten, tat es dennoch weh.

»Das Letzte, was ich gehört habe, war, dass Sie auf der Reservebank sitzen. Also ist Filme zu produzieren etwas, das alle abgewrackten Baseballspieler in ihrer Freizeit machen?«

Carter wusste, dass er das verdient hatte. Er wusste es, und doch stellte er fest, dass er trotzdem unter dem Schmerz litt.

»Sie wissen absolut nichts über mich.«

Lucy schniefte. »Stimmt – tue ich nicht. Und ich habe keinerlei Absicht, irgendetwas sonst über Sie herauszufinden.« Sie sah ihn eindringlicher an. »Was wollen Sie überhaupt? Sie kennen mich nicht einmal. Und ich kenne Sie nicht. Haben Sie nicht irgendwelche schicken Produzentensachen zu erledigen?«

Er zuckte mit den Schultern. »Nicht im Moment. Ich wollte zurück zum Bed and Breakfast, vielleicht laufen gehen. Aber das hier ist unterhaltsamer.«

»Ich bin nicht hier, um Sie zu unterhalten.«

»Aber hier stehen Sie und unterhalten mich.«

Lucy hob das Kinn. »Ich habe keine Zeit für Ihre Spielchen. Ich habe zu arbeiten. Text zu lernen. Sie wissen schon, das, wofür ich angeheuert wurde.«

Carter hatte keine Ahnung, wieso er sie nicht beleidigt abrauschen ließ. War es Langeweile oder etwas anderes? Anziehung, Langeweile – eine Ablenkung. Nicht darüber nachdenken zu müssen, dass seine Karriere immer noch in der Luft hing und dass es für ihn endgültig vorbei war mit Profi-Baseball, falls sein Orthopäde ihm kein grünes Licht zum Spielen gab.

»Ich spiele gar nichts«, sagte er unschuldig. »Sie sind diejenige, die hier wegen einer einfachen Unterhaltung defensiv wird.«

Er konnte praktisch sehen, wie Dampf aus ihren Ohren stieg. »Wer in aller Welt hat Sie angeheuert?«, fragte sie.

»Anthony Bertram.« Als Lucys Augen groß wurden, fuhr er fort: »Sie kennen den Namen?«

»Ja, natürlich. Er finanziert dieses Projekt.«

Lucy wollte ihm nicht in die Augen sehen, als sie das sagte, und das machte Carter misstrauisch. Nicht, dass Anthony Thea je betrügen würde: Carter hatte die beiden Turteltauben zusammen gesehen, und sie waren so glücklich, dass einem fast schlecht davon wurde. Aber unwillkürlich fragte er sich, warum Lucy plötzlich so zugeknöpft wirkte.

»Hat es Ihnen jetzt die Sprache verschlagen?«, fragte Carter.

Lucy verdrehte die Augen. »Ich habe keine Zeit für so etwas. Ich mache mich an die Arbeit. Sie wissen schon, das, was Menschen tun, um Geld zu verdienen?«

»Noch nie davon gehört«, meinte er lässig.

Lucys blonder Pferdeschwanz hüpfte, als sie ihn stehen ließ und ging, in ihren Wohnwagen stieg und die Tür mit einem Knall zuschlug, der Carter grinsen ließ, obwohl er noch vor einem Moment gern an diesem Pferdeschwanz hätte ziehen wollen.

Es war ihm ein Rätsel, wie diese Frau es schaffte, den Grundschuljungen in ihm hervorzulocken. Er wollte an ihrem Haar ziehen und sie dazu bringen, hinter ihm herzurennen und zu schreien, dass sie ihre Rache noch bekommen würde.

Was Carter bisher für eine langweilige Verschwendung des Sommers gehalten hatte, wurde ganz plötzlich mit jeder Minute interessanter.

»Carter!«, rief Jim, als Carter gerade in seinen eigenen Wohnwagen stieg. »Ich will mit Ihnen reden.«

Carter konnte Jim Stanton nicht ausstehen und wusste, dass das Gefühl auf Gegenseitigkeit beruhte. Jim hegte einen riesigen Groll gegen ihn, weil Carter diesen Job nur durch Vitamin B bekommen hatte – etwas, das Jim ihm bei ihrem zweiten Gespräch unverblümt ins Gesicht gesagt hatte.

»Ich will schon seit gestern mit Ihnen reden. Wir haben endlich unsere männliche Hauptrolle besetzt«, begann Jim, und seine Knopfaugen leuchteten hinter seiner Brille.

Carter wartete ungeduldig auf Jims Pointe.

»Es ist uns gelungen, Hayden Masterson zu bekommen.« Normalerweise war Jim renitent und nervtötend, aber im Moment sah er aus, als wollte er jeden Augenblick zu singen anfangen. »Ich kann es auch nicht glauben. Es brauchte eine Menge Trickserei, aber er wird innerhalb der nächsten Woche hier sein.«

»Das ist toll«, antwortete Carter wenig begeistert. »Glückwunsch.«

»Ich will, dass Sie derjenige sind, der ihn hier empfängt.« Jim sprach die Worte aus, als wünschte er, er könnte sie zurücknehmen. »Nachdem Sie ja beide Hollywood-Leute sind, wissen Sie?«

»Ich bin Baseballspieler, kein Schauspieler.«

»Sie sind beide berühmt. Jacke wie Hose. Hayden muss das Gefühl haben, als wäre dies ein richtiges Filmset und kein Indie-Quatsch. Verstehen Sie?«

Carter verstand es nicht, aber er hatte nicht vor, das zuzugeben. Mit einem grimmigen Lächeln antwortete er: »Alles klar, Jim.«

Hayden Masterson – natürlich musste der es sein. Carter kannte den Schauspieler nicht besonders gut, doch vor einigen Jahren hatte Hayden Carters derzeitige Freundin sehr gut kennengelernt. Carter war drei Monate lang mit Rosie ausgegangen – praktisch ein Jahrzehnt für Carter –, bevor sie mit Hayden abgehauen war und ihm eine kurze Nachricht schickte mit Tut mir leid, aber es tut mir nicht leid und drei traurigen Emojis, was das Ganze noch schlimmer machte.

Carter war nicht verliebt in Rosie gewesen. Wenn man bedachte, dass das drei Jahre her war, erinnerte er sich kaum noch daran, wie sie ausgesehen hatte. Aber es ging ums Prinzip: Etwas, das jemandem gehörte, diesem Jemand vor der Nase zu stehlen, war unvertretbar. Um es noch schlimmer zu machen, hatte die Boulevardpresse Wind von dem Skandal bekommen, und die Sache war überall in den sozialen Medien explodiert. Erst als eine andere berühmte Schauspielerin dabei erwischt worden war, dass sie Heroin konsumierte, hatte die Öffentlichkeit den Blick endlich von Carters Demütigung und Rosies Treulosigkeit abgewandt.

Carter knirschte mit den Zähnen. Oh, er würde Hayden Masterson eine tolle Zeit bereiten. Und so wie er Jim kannte, wusste der über seine und Haydens Vorgeschichte Bescheid und hatte ihn nur aus reiner Kleinlichkeit gebeten, Haydens Fremdenführer zu sein.

Carter waren Menschen nicht neu, die ihn zu Fall bringen oder schwitzen sehen wollten. Er war mit einundzwanzig Jahren in die erste Liga rekrutiert worden und hatte sich dort behauptet. Er hatte mit eifersüchtigen Spielerkollegen zu kämpfen gehabt, die einen Jungspund wie ihn scheitern sehen wollten.