Mystische Schriften von Meister Eckhart - Meister Eckhart - E-Book

Mystische Schriften von Meister Eckhart E-Book

Meister Eckhart

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Beschreibung

Die "Mystischen Schriften von Meister Eckhart" bieten eine faszinierende Erkundung der tiefen spirituellen Einsichten des 14. Jahrhunderts. Eckhart, ein Dominikanermönch, entblättert in diesen Schriften die Geheimnisse der Einheit mit dem Göttlichen und den inneren Weg zur Erleuchtung. Sein Stil ist geprägt von einer ergreifenden Bildsprache und einer philosophischen Schärfe, die sowohl spirituelle Suchende als auch akademische Leser ansprechen. Die Texte verweben Mystik und Theologie, indem sie zeitgenössische christliche Lehren mit neuplatonischen Einflüssen verbinden und den Leser dazu einladen, über die Grenzen des Selbst hinauszugehen und Gott in der Stille des Herzens zu erfahren. Meister Eckhart selbst gilt als einer der bedeutendsten Mystiker des Mittelalters. Sein Leben und Wirken sind stark von theologischen Debatten und der Suche nach einer direkten Beziehungsform zu Gott geprägt. Eckhart lebte in einer Zeit großer religiöser Umwälzungen, die seine Gedanken zur individuellen Gotteserfahrung prägen sollten. Seine Texte reflektieren eine tiefe Auseinandersetzung mit der menschlichen Seele und dem Streben nach Transzendenz, was ihn zu einem Vorreiter der mystischen Literatur macht. Diese Schriften sind nicht nur für Leser von religiöser Literatur unverzichtbar, sondern auch für jene, die ein tieferes Verständnis für die innere Dimension des menschlichen Lebens anstreben. Die "Mystischen Schriften" bieten wertvolle Impulse und Gedanken, die auch im modernen Kontext nachhallen und den Leser auf eine transformative Reise zu sich selbst und zu Gott einladen. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Meister Eckhart

Mystische Schriften von Meister Eckhart

Bereicherte Ausgabe. Die tiefe Weisheit mittelalterlicher Mystik und Spiritualität
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Einführung, Studien und Kommentare von Quentin Sharp
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2023
EAN 8596547676782

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Historischer Kontext
Synopsis (Auswahl)
Mystische Schriften von Meister Eckhart
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Diese Ausgabe versammelt unter dem Titel Mystische Schriften von Meister Eckhart Predigten, Traktate sowie Fragmente und Sprüche. Ziel ist es, einen konzentrierten Zugang zu einem Werk zu eröffnen, das gleichermaßen seelsorgliche Ansprache, geistliche Anleitung und gedankliche Vertiefung umfasst. Der Umfang ist so gewählt, dass zentrale Motive, Denkbewegungen und Ausdrucksformen sichtbar werden, ohne die Leserin oder den Leser mit editorischer Vollständigkeit zu überfordern. Die Gliederung folgt den großen Textsorten und führt vom gesprochenen Wort über systematischer gefasste Abhandlungen bis zu knappen Sentenzen, die Eckharts mystische Intention in prägnanter Form erkennbar machen.

Die Sammlung versteht sich nicht als vollständige historisch-kritische Edition, sondern als repräsentative Zusammenstellung. Sie will Eckharts geistige Topographie in ihrer Breite und inneren Einheit zeigen: von der Anrede an eine Gemeinde über die Sammlung der Gedanken zu einem Thema bis hin zur kondensierten Einsicht. Das Vorwort bereitet auf diese Lesebewegung vor, indem es die Wege des Zugangs eröffnet und die Ordnung der Teile erläutert. So entsteht eine verlässliche Orientierung, die sowohl Erstbegegnungen ermöglicht als auch vertiefende Lektüren stützt und die eigenständige Stimme Eckharts in verschiedenen Schreib- und Redeformen hörbar macht.

Der Teil Predigten führt in den Hörraum einer geistlichen Unterweisung, die auf unmittelbare Wirkung zielt. Die Texte entfalten biblische Anlässe und greifen sie als Sprungbrett für innere Bewegung auf. Anschauliche Bilder, geduldige Wiederholungen und überraschende Zuspitzungen dienen dazu, das Denken zu lockern und das Herz zu weiten. Die Predigtform wahrt Nähe und Dringlichkeit: Sie begleitet, ermahnt, klärt und öffnet. In ihr verdichtet sich Eckharts Kunst, in alltäglicher Sprache Wege in die Tiefe zu bahnen und aus dem gelebten Vollzug heraus zum Wesentlichen zu führen.

Die Traktate bieten demgegenüber eine ruhigere, methodisch gefasste Form des Nachdenkens. Sie ordnen Begriffe, klären Zusammenhänge und führen Schritt für Schritt zu Einsichten, die in der Predigt nur angedeutet werden konnten. Argumentation und geistliche Praxis treten hier in ein fruchtbares Verhältnis: Die Überlegungen sind nicht Selbstzweck, sondern dienen der inneren Haltung, die sie beschreiben. So verbinden die Traktate klare Struktur mit der Bereitschaft, an die Grenze des Sagbaren heranzuführen. Sie zeigen, wie Eckhart das Denken ernst nimmt, um es in den Dienst der Verwandlung des Menschen zu stellen.

Fragmente und Sprüche bilden schließlich eine Sammlung kürzerer Stücke, die häufig wie Kristallisationskerne eines größeren Gedankengangs wirken. Sie bewahren prägnante Formulierungen, eröffnen Assoziationsräume und laden zur meditativen Wiederholung ein. Ihre Kürze schärft die Aufmerksamkeit: Ein einzelnes Bild, eine Wendung, eine gedankliche Drehung kann genügen, um den Blick zu verschieben. In dieser Form kommt die Schule der Erinnerung und der Einübung zur Geltung. Die Spruchhaftigkeit erlaubt es, das Gelesene mit in den Alltag zu nehmen, wo es unaufdringlich weiterarbeitet und die innere Aufmerksamkeit wach hält.

Über die Formen hinweg lassen sich Leitmotive erkennen, die Eckharts mystische Stimmen zusammenführen. Dazu gehören die Übung der Innerlichkeit, die Freiheit des Herzens, die Entlastung von falschen Bindungen und die Hinwendung zum Grund der Seele. Charakteristisch sind die Arbeit mit Spannungen und Paradoxien, die Kunst der Umkehrung und eine Sprache, die zugleich nüchtern und kühn sein kann. Bilder treten neben begriffliche Präzision, affektive Bewegung neben gedankliche Strenge. So entsteht ein Ton, der nicht belehrt, sondern in die Erfahrung hinein begleitet, und ein Denken, das nicht abschließt, sondern öffnet.

Als Gesamtheit sind diese Schriften bedeutsam, weil sie eine Einheit von Rede, Reflexion und Einübung erfahrbar machen. Wer sie zusammen liest, erkennt die Bewegungen, die von der konkreten Ansprache zur geklärten Einsicht und zur stillen Erinnerung führen. Dadurch werden Fragen berührt, die über Zeiten und Kontexte hinweg tragen: Wie wird das Innere frei? Wie findet das Wort Maß an der Wirklichkeit? Wie wächst aus Tiefe Verantwortung? Die Sammlung bietet keinen schnellen Konsum, sondern einen Weg, der Wiederkehr und Vertiefung verlangt. Sie lädt dazu ein, die eigenen Schritte an einem großen geistigen Entwurf zu prüfen.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Meister Eckhart (Eckhart von Hochheim), um 1260 in Hochheim bei Gotha (Thüringen) geboren, trat um 1275/76 in das Dominikanerkloster Erfurt ein. Seine Ausbildung führte ihn an das studium generale der Dominikaner in Köln, wo Albertus Magnus bis 1280 wirkte, und an die Universität Paris, wo er 1302/03 als magister in theologia lehrte. 1303–1311 amtierte er als Provinzial der sächsischen Ordensprovinz; 1311–1313 hielt er eine seltene zweite Pariser Lehrperiode. Danach wirkte er in Straßburg (1314–1322) als Vikar für Ordensfrauen und ab 1322/23 in Köln als Lektor. Er starb 1328, wahrscheinlich auf dem Weg nach Avignon.

Seine Laufbahn fällt in die Hochblüte der scholastischen Theologie, die seit dem 13. Jahrhundert Aristoteles’ Philosophie in den Lehrbetrieb integrierte. Thomas von Aquin (†1274) und Albertus Magnus (†1280) prägten die Dominikanertradition, an die Eckhart anknüpfte und die er eigenständig weiterentwickelte. Zugleich rezipierte er augustinische Innerlichkeitslehre und die negative Theologie des Pseudo-Dionysius Areopagita. In seinen lateinischen Arbeiten bediente er sich der quaestio-Form, Distinktionen und definitorischen Präzision; er plante ein Opus tripartitum (Opus propositionum, quaestionum, sermonum), das unvollendet blieb. Diese gelehrte Matrix liefert den begrifflichen Hintergrund für seine deutschsprachige mystische Rede vom Seelengrund, der Geburt Gottes in der Seele und der Vergöttlichung.

Das rasche Wachstum städtischer Zentren wie Köln, Straßburg und Basel um 1300 sowie die Ausbreitung der Bettelorden schufen neue Foren für Predigt und geistliche Unterweisung. Eckhart adressierte gebildete Klosterfrauen, städtische Laien und Ordensbrüder gleichermaßen und wechselte zwischen Latein und Mittelhochdeutsch. Als Vikar betreute er Konvente im Elsass, darunter in Straßburg und wohl Colmar, und bewegte sich im Umfeld beguinaler Frömmigkeit. Der Konzil von Vienne (1311/12) verurteilte Lehren von Begarden und Beginen, was in den Rheinlanden Misstrauen gegen spekulative Mystik verstärkte. Eckharts systematisch fundierte Predigtsprache zielt daher auf Präzision, um kontemplative Radikalität von schwärmerischer Libertinage abzugrenzen.

Die Avignoner Papstzeit (1309–1376) und die Auseinandersetzungen zwischen Papst Johannes XXII. (Pontifikat 1316–1334) und Kaiser Ludwig IV. dem Bayern (Regierungsantritt 1314; Exkommunikation 1324) verschärften kirchenpolitische Fronten im Reich. Im Erzbistum Köln leitete Heinrich II. von Virneburg als Erzbischof (1304–1332) ein Inquisitionsverfahren gegen Eckhart ein. 1326/27 wurden in Köln Sätze aus seinen lateinischen und deutschen Schriften angezeigt; Eckhart appellierte 1327 nach Avignon. Er starb 1328 vor Abschluss des Prozesses. Die Bulle In agro dominico vom 27. März 1329 verurteilte 28 Lehrsätze (15 häretisch, 11 suspekt), in dem beanstandeten Sinn, und prägte die Rezeption seiner Lehre über Jahrhunderte.

Eckharts Gesamtœuvre bewegt sich zwischen scholastischer Begriffsschärfe und erfahrungsnaher, paradoxaler Bildrede. Zentral sind Termini wie Abgeschiedenheit, Gelassenheit, Seelengrund, Bild und Gleichheit, sowie die Unterscheidung zwischen Gott und Gottheit. Seine negative Theologie betont die Unerfassbarkeit des göttlichen Grundes, während er zugleich die Geburt des Wortes im Innersten der Seele mit biblischer Exegese (Joh 1; Lk 10) entfaltet. Lateinische Disputationen und exegetische Traktate liefern die systematische Architektur; deutschsprachige Ausführungen übersetzen diese in geistliche Praxis. Dadurch sprechen seine Texte gelehrte Auditorien wie auch städtische Zuhörerschaften an und verbinden Kontemplation mit ethischer Selbstformung.

Die Überlieferung erfolgte zunächst handschriftlich in Predigtsammlungen und Traktaten, die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in rheinischen und oberdeutschen Skriptorien kursierten. Ordensnetzwerke und städtische Lesekreise bewahrten die Texte, trotz der Kautelen der Verurteilung, im Umlauf. Im Umfeld entwickelte sich die sogenannte Rheinische Mystik: Johannes Tauler (ca. 1300–1361) und Heinrich Seuse (ca. 1295–1366) rezipierten und popularisierten eckhartianische Motive für Konvente, Beginen und Bürger. Diese Rezeption erklärt, warum viele Konzepte – etwa die innere Armut und die Gelassenheit – in unterschiedlichen Gattungen erscheinen und die Spannweite zwischen scholastischer Spekulation und seelsorglicher Anweisung beibehalten.

Die Jahrzehnte um 1300 standen unter dem Eindruck beschleunigter Urbanisierung, wachsender Geldwirtschaft und wiederkehrender Krisen. Die Große Hungersnot von 1315–1317 traf auch das Rheinland und das Elsass; Handelsrouten und Zünfte prägten das städtische Leben in Köln, Straßburg und Erfurt. Diese Umbrüche schärften das Bedürfnis nach einer Spiritualität, die Alltagsarbeit, Gewissenserforschung und Kontemplation verbindet. Eckharts Betonung der Innerlichkeit, der Gleichmut in wechselnden Umständen und der Durchbruch zum göttlichen Grund konnte so Kaufleute, Handwerker und Ordensleute gleichermaßen erreichen. Seine Texte sind daher nicht nur spekulative Entwürfe, sondern Antworten auf soziale Verwerfungen und seelische Notlagen einer breiten Öffentlichkeit.

Das moderne Bild von Eckharts mystischen Schriften ist wesentlich eine Editions- und Rezeptionsgeschichte. Franz Pfeiffer veröffentlichte 1857 in Deutsche Mystiker des vierzehnten Jahrhunderts maßgebliche deutsche Texte und prägte die Sammlungsperspektive. Seit 1936 erscheinen die kritischen Deutschen Werke (DW), begründet von Josef Quint (1898–1976), sowie Die lateinischen Werke (LW), herausgegeben von einer Kölner/Deutschen Kommission. Diese philologische Sicherung erlaubt, Predigten, Traktate und Sentenzen werkübergreifend zu kontextualisieren und mit datierbaren Stationen (Paris 1302/03; Straßburg 1314–1322; Köln 1322–1326) zu verbinden. Die Forschung des 20. und 21. Jahrhunderts hat Eckhart als Theologen und Prediger im Spannungsfeld von Scholastik und Stadtkultur neu verortet.

Synopsis (Auswahl)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kontextualisiert Eckharts Leben, Wirkung und die Überlieferungslage der Texte; führt zentrale Leitbegriffe wie Abgeschiedenheit, Gelassenheit und die „Gottesgeburt“ im Seelengrund als Orientierung für die Sammlung ein.

I. Predigten

Deutschsprachige Predigten, die durch biblische Auslegung Eckharts Mystik entfalten: Armut im Geist, radikale Gelassenheit, der Durchbruch zum Gottheitlichen und die Geburt des Wortes in der Seele als Weg zu innerer Freiheit und Einheit mit Gott.

II. Traktate

Systematischere Lehrschriften (z. B. Reden der Unterweisung, Von Abgeschiedenheit, Vom edlen Menschen), die den Übungsweg beschreiben—Loslösung vom Eigenwillen, Vereinfachung des Herzens und die Ausrichtung auf den göttlichen Willen—mit Blick auf ein gottverbundenes Leben im Alltag.

III. Fragmente und Sprüche

Kurze Textreste und Sentenzen, die Eckharts Kerngedanken in prägnanten, oft paradoxen Formulierungen bündeln—zum Seelengrund, zur Unterscheidung von Gott und Gottheit sowie zur gegenwärtigen Praxis der Innerlichkeit.

Mystische Schriften von Meister Eckhart

Hauptinhaltsverzeichnis
Vorwort.
I. Predigten.
II. Traktate.
III. Fragmente und Sprüche.

Vorwort.

Inhaltsverzeichnis

Mit der Freiheit, die Liebe und Verehrung gibt, habe ich in dieser Ausgabe der Mystischen Schriften Meister Eckharts alles weggelassen, was uns nichts sagt. Meister Eckhart ist zu gut für historische Würdigung; er muss als Lebendiger auferstehen.

Johann Eckhart oder Eckehart ist zwischen 1250 und 1270 wahrscheinlich in Hochheim bei Gotha geboren. Er war Prior des Dominikanerordens in Erfurt und Vikar in Thüringen; 1300 an der Pariser Universität; 1304 Provinzialprior von Sachsen, 1306 Generalvikar von Böhmen, 1314 Magister und Professor der Theologie in Straßburg, später in Köln, 1317 wird er nach Frankfurt versetzt. 1326 leitet der Kölner Bischof v. Ochsenstein den Inquisitionsprozess gegen ihn ein; er appellierte an den Papst und beeilte sich 1327 zu sterben. 1329 erschien eine päpstliche Bulle, in der 26 Sätze Eckharts als ketzerisch verdammt wurden.

Die Lehrer, auf die er sich hauptsächlich stützt, sind: Dionysius Pseudareopagita, Augustinus, Thomas von Aquino; vermutlich hat er auch die verbotenen Schriften des Scotus Erigena gekannt. Durch Dionysius berührt er sich mit den Lehren der Neuplatoniker. Thomas und der ganze Geist seiner Zeit verbindet ihn mit den „Realisten“, so dass er wie sie die letzten und leersten Abstrakta für konkrete Dinge hält. Anderseits bringt ihn aber das auch dazu, die Gattung und Art als eine höhere Wirklichkeit anzusehen als die Individuen; so hat er starke Vorahnungen — trotz ganz primitiver Naturkenntnisse — der Theorien, die teils infolge, teils entgegen den Lamarck-Darwinschen Aufstellungen bei uns im Werden sind.

Er ist ebenso sehr Erkenntnistheoretiker und Kritiker als Mystiker. Er ist Pantheist, aber fast im umgekehrten Sinne als das, was man seit Spinozas Wiedererweckung darunter versteht. Dieser letztere Pantheismus löst — nicht im Sinne Spinozas freilich — den Gottesbegriff in der materiellen Welt auf; Eckhart dagegen löst die Welt und den Gott in dem auf, was er manchmal Gottheit nennt, was unaussprechbar und unvorstellbar ist, was aber jedenfalls etwas jenseits von. Zeit, Raum und Individualisierung und etwas Seelenhaftes ist. An die Stelle des Dinges setzt er eine psychische Kraft; an Stelle von Ursache und Wirkung ein Fließen. Sein Pantheismus ist Panpsychismus; zugleich aber erklärt er, nicht zu wissen, was die Seele sei. Seine Mystik ist Skepsis; freilich aber auch umgekehrt.

Die christlichen Dogmen und Überlieferungen haben für ihn fast nur symbolische Bedeutung; nur erlaubt es ihm der Zeitgeist nicht zu fragen, wie es, mit dem Verhältnis dieser Symbole zur Wirklichkeit bestellt sei. Die in der Kirche üblichen Vorstellungen betrachtet er als einer niedrigeren Stufe angehörig; aber es gelingt ihm nicht zu erkennen, dass diese Vorstellungen überhaupt keine Realität haben; vielleicht wird die Zukunft von unserm Verhältnis zu gewissen wissenschaftlichen Begriffen einmal dasselbe sagen. — Manchmal übrigens hat auch — wie wohl noch später bei Spinoza — die Vorsicht seine Einkleidung wählen helfen.

Er ist der Schöpfer der deutschen wissenschaftlichen Prosa und einer ihrer größten Meister. Immer schreibt er als Sprechender, immer persönlich; nie fehlt der begrifflichen Darlegung der Gefühlston, und ebenso wenig seinem Gefühlsüberschwang und seiner Versenkung ins abgründlich Dunkle der Zügel der Nüchternheit. Das Fernste hat er uns nah gebracht; das Nächste und gewöhnlich Scheinende hat er uns entfremdet, fragwürdig gemacht und vertieft. Er war ein Dichter, der aufs größte aus war und dem größten gewachsen. Perioden findet man bei ihm, die zum Hinreissendsten gehören, was irgend in Sprachen zu finden ist.

Seine Syntax, die er sich vermutlich vielfach im Anschluss an die gesprochene Sprache selbst geschaffen hat, habe ich nach Möglichkeit beizubehalten gesucht; ebenso wäre es verfehlt, an Stelle seiner technischen Ausdrücke, die er nach dem Muster lateinischer Scholastik hergestellt hat, die uns geläufigen blutlosen Wissenschaftsausdrücke zu setzen; bei ihm hat alles Farbe, Temperament, Ursprünglichkeit; seine Ausdrücke sind des Metaphorischen noch nicht entkleidet, sind noch nicht ausgelaugt; sie schaffen sich ihren Sinn erst während der Rede. Vielfach aber war es doch wieder nötig, die von ihm aus der Sprache der Wissenschaft in die Volkssprache übersetzten Termini wieder zurückzuübersetzen, damit das scharf in die Augen springt, was mich an dieser Ausgabe das Entscheidende dünkt: dass Meister Eckhart in all seiner Genialität nie ein mystizierender oder moralisierender Pietisterich war, dass er sich nie süßlicher Gottesminne ergeben hat, dass er nie perverser Askese gefrönt hat: sondern dass er ein kühner Erschütterer war, der Hirne wie der Herzen, einer, der um die Welterkenntnis gerungen hat und der, lebensfreudig und urkräftig, die Grenzen der Sprache als ein Wissender überschritt, um jenseits seines Ichbewusstseins und des Begriffsdenkens stark und innig in der unsagbaren Welt zu versinken.

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*Das allermeiste, was von ihm überliefert ist, ist für uns völlig wertlos geworden, da es nur logisches Wortgetiftel ist, das damals die Naturwissenschaft ersetzen musste, weil es an Beobachtungen und Kenntnissen fehlte. Wenn man bedenkt, wie viele angeblich philosophische, naturwissenschaftliche, medizinische Bücher aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts uns völlig unlesbar und Theologie geworden sind, wird man das besser verstehen, als wenn man glaubt, die Scholastik sei eine Spezialität des Mittelalters gewesen. Die folgende Auswahl bietet also etwa den fünften oder sechsten Teil dessen, was auf uns gekommen ist. Nichts, was Bedeutung hat, ist weggelassen.