Na also, ... geht doch! - Christa Duden - E-Book

Na also, ... geht doch! E-Book

Christa Duden

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Beschreibung

Carlotta ist eine introvertierte Frau, mittleren Alters, die vom Leben nicht mehr viel erwartet, bis auf den immer gleichbleibenden Trott. Ihr Leben verrinnt wie eine Sanduhr, ohne besondere Höhen und Tiefen. Den Job als Sekretärin erfüllt sie pflichtbewusst und diszipliniert. Für ihre Kollegen, ist sie „Frau Seltsam“ und für ihren Chef, eine nie klagende, loyale Mitarbeiterin. Alles wäre vermutlich auch noch Jahrzehnte so weiter gegangen, hätte sie nicht plötzlich, wie aus heiterem Himmel, eine Stimme vernommen. Diese macht ihr gnadenlos klar, dass sie die Schnauze gestrichen voll hat, von dem, was sie Leben nennt. Carlotta glaubt sich paranoid und versucht nach Kräften, sich der merkwürdigen Stimme zu entziehen. Doch alle Unternehmungen scheitern kläglich. Bei dem Versuch, die Stimme in ihr Leben zu integrieren empfindet sie plötzlich Gefallen an der außergewöhnlichen Kommunikation. Sie fasst sogar Vertrauen und schafft es zeitweise, ihrer Bedeutungslosigkeit zu entkommen. Damit kommt Farbe in ihr tristes Dasein. Carlotta lernt in dieser ungewöhnlichen Zeit neue Menschen kennen und beginnt sich den Herausforderungen zu stellen. Sie erkennt, dass diese Reise, ihre Wichtigste wird.

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Seitenzahl: 243

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Na also, ... geht doch!

1. Auflage, erschienen 1-2023

Umschlaggestaltung: Romeon Verlag

Text: Christa Duden

Cover-Bild: Hannelore Regini

Layout: Romeon Verlag

ISBN (E-Book): 978-3-96229-664-3

www.romeon-verlag.de

Copyright © Romeon Verlag

Das Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung des Werkes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks und der Übersetzung, sind vorbehalten. Ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Verlages darf das Werk, auch nicht Teile daraus, weder reproduziert, übertragen noch kopiert werden. Zuwiderhandlung verpflichtet zu Schadenersatz.

Alle im Buch enthaltenen Angaben, Ergebnisse usw. wurden vom Autor nach bestem Gewissen erstellt. Sie erfolgen ohne jegliche Verpflichtung oder Garantie des Verlages. Er übernimmt deshalb keinerlei Verantwortung und Haftung für etwa vorhandene Unrichtigkeiten.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Na also, ... ... geht doch!

Hör auf deine innere Stimme

ein Roman von

Christa Duden

Für Jochen,... Mann meines Lebens.

Ein Tag ohne Lachen,

ist ein Tag ohne dich...!

KAPITEL 1

Mein Name ist Carlotta. Früher war ich Single. Heute lebe ich immer noch ohne Partner. Warum ich das betone, mag erst einmal seltsam wirken, aber im Laufe meiner Geschichte erklärt sich das.

Geboren wurde ich in einem kleinen Dorf in Ostfriesland und habe meine gesamte Kindheit und Jugend in einem Ort verbracht, wo jeder jeden kennt.

Meine Familie lebte in einem kleinen Haus, das meine Mutter von ihren Eltern geerbt hatte. Geschwister habe ich leider keine. Als Kind sehnte ich mich manchmal nach einem großen Bruder, der mich bei Streit mit anderen Kindern beschützen sollte. Denn auf mich selbst gestellt musste ich schon früh lernen, dass der körperlich Stärkere immer gewinnt und Unterordnung schlicht vor weitere Prügel bewahrte. Ich erkannte schnell, für mein Wohl war es am besten, die allgemeine Hackordnung der Kinder im Dorf zu akzeptieren. Vor allem als Mädchen, die dort ohnehin nie für voll genommen wurden.

Von meiner Mutter fühlte ich mich bedingungslos geliebt, mein Vater aber zeichnete sich durch unnachgiebige Strenge aus. Ich will nicht behaupten, dass ihm meine Mutter ausschließlich ergeben gehorchte, meist fügte sie sich einfach schweigend in ihr Schicksal.

Insgesamt wuchs ich in einem Umfeld auf, dass mir die feste Erkenntnis vermittelte: Widerspruch zwecklos.

Mit siebzehn Jahren verließ ich die nach außen heile Welt unseres Dorfes und zog in die nächstgelegene Stadt, um eine Ausbildung zur Industriekauffrau zu beginnen. Da ich es mittlerweile gewohnt war, mich bescheiden und angepasst zu verhalten, durchlief ich auch diese Episode meines Lebens ohne größere Blessuren.

Schon zu Hause hatte ich nie viele Freunde gefunden und in der Stadt tat ich mich noch schwerer. Deshalb lernte ich von früh bis spät und absolvierte die Abschlussprüfung meiner Lehre mit Auszeichnung.

Trotz meines zurückgezogenen Lebensstils gab es die eine oder andere kurze Liebesaffäre. Aber bis auf die mit Paul war keine von Bedeutung. Die meisten Verbindungen scheiterten letztlich wohl an meiner Zurückhaltung. Wenn ich heute darüber nachdenke, was ich in meiner Jugend und im frühen Erwachsenenalter verpasst habe, wird mir ganz übel.

Meine Eltern leben heute nicht mehr. Sie starben vor ein paar Jahren. Meine Mutter leider zuerst. Sonst hätte sie diese Welt vielleicht noch mit ein paar schönen Erinnerungen verlassen können. Mein Vater, der vermutlich nach Mutters Tod niemanden mehr hatte, den er drangsalieren konnte, wurde nur ein halbes Jahr nach ihr beerdigt.

Zu der Zeit lebte ich immer noch in derselben Wohnung, in die ich als Auszubildende gezogen war und hatte lediglich ein einziges Mal meine Arbeitsstelle gewechselt. Aber auch nur, weil meine alte Firma in Konkurs gegangen war.

Auf mein Äußeres legte ich nie besonderen Wert. Ich zog es einfach vor, unauffällig zu bleiben. Meine langen dunklen Haare trug ich stets zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Um kleiner zu wirken, ließ ich die Schultern hängen. Denn mit meinen ein Meter achtzig fand ich mich immer viel zu groß.

Ich galt als sportlich schlank, obwohl ich gestehen muss, nie Sport gemacht zu haben. Immerhin, diese guten Anlagen verdankte ich meinem Vater. Das einzig Auffallende an mir waren strahlend blaue Augen, für die ich hin und wieder Komplimente erhielt.

Ich kleidete mich dezent. In meinem Kleiderschrank befand sich viel Dunkelblau, Schwarz und wenig in gewagtem Hellgrau. Zu meinem alltäglichen Standard gehörten die immer gleichen weißen Blusen.

Mein Tagesablauf war stets akkurat geplant. Pünktlich um halb sieben klingelte der Wecker. Ich hatte mir angewöhnt, die Kleidung, die ich anziehen wollte, schon am Abend zuvor bereitzulegen. Heute weiß ich, dass meinen Kollegen gar nicht aufgefallen wäre, wenn ich drei oder vier Tage hintereinander dasselbe getragen hätte. Aus ihrer Sicht schien ich sowieso uniformiert.

Für den Weg zur Arbeit nahm ich immer den gleichen Bus und hockte mich, wenn möglich, immer auf denselben Platz.

Mit der Präzision eines Uhrwerks wanderte ich durch meine Tage, ohne nennenswerte Abweichungen. Meine Kollegen waren zwar freundlich, aber ansonsten nicht weiter an mir interessiert. Ich hatte mit so gut wie niemanden Kontakt. Außer gelegentlich zu meiner Kollegin Rita und zu meinem Chef, Herrn Kielmann. Und so plätscherte mein Leben einfach dahin, bis zu einem folgenschweren Tag.

Mittwoch, 7.20 Uhr.

Eigentlich war alles wie immer. Ich war unterwegs zur Arbeit, die ich wie gewohnt gewissenhaft und klaglos erledigen würde, um mich abends schlicht in meine Wohnung zurückzuziehen.

Mein Leben hatte etwas von der schnöden Eintönigkeit einer ausgewachsenen Kuh. Tagsüber wurde ich gewissermaßen zum Grasen und endlosen Wiederkäuen auf die Weide geführt und am Abend zurück in den heimeligen Stall. Auf wenig beeindruckende Weise war ich genauso genügsam geworden wie ein Rindvieh.

An diesem Morgen jedoch hätte ich beinahe den Bus verpasst, was mir, in meiner ansonsten von Pünktlichkeit geprägten Welt, schon sonderbar hätte vorkommen sollen. Denn es wäre das erste Mal gewesen, dass ich den 45er nicht wie gewohnt exakt um drei Minuten nach halb acht bestiegen hätte, um an meinem angestammten Fensterplatz, zehnte Reihe links, meiner Vorliebe nachzugehen: die Menschen im Bus zu studieren.

Zu gern stellte ich bei meinen Beobachtungen Mutmaßungen darüber an, ob die Leute wohl in einem schönen Haus mit Garten wohnten, oder vielleicht doch nur, wie ich, in einer in die Jahre gekommenen Mietwohnung. Zudem überlegte ich, welchen Beruf sie hatten und ob er ihnen Spaß machte. Ich dachte mir Geschichten über die Menschen aus. Ein Spiel, das mich während der dreißigminütigen Fahrzeit aus meinem Alltagseinerlei riss.

Aber an diesem Morgen war alles anders. Nicht nur, dass der Platz, den ich nach all den Jahren schon fast als mein Eigentum betrachtete, besetzt war, denn dort saß an jenem Tag ein älterer Herr, sondern bis auf den Platz neben ihm waren auch alle anderen für mich in Frage kommenden Sitze belegt. Ich wurde also quasi genötigt, neben ihm Platz zu nehmen.

In den vergangenen Jahren hatte ich beispielsweise nur ein einziges Mal in der dreizehnten Reihe gesessen und prompt war etwas Negatives passiert. Jemand hatte mir einen vollen Pappbecher Kaffee über meinen neuen Mantel gegossen und es erwies sich später als äußerst schwierig, die Flecken zu entfernen. Zwar hatte der Verursacher angeboten, für die Reinigung meines Mantels aufzukommen, aber das hätte nur noch mehr unliebsame Umstände für meinen durchstrukturierten Alltag bedeutet.

Seit diesem unglückseligen Vorfall vermied ich es peinlichst genau, im Bus nicht weiter hinten zu sitzen als in der zehnten Reihe.

An jenem Morgen also, hockte ich in der richtigen Reihe, jedoch nicht auf meinem gewohnten Platz. Und ich fühlte mich unwohl. Zudem war der Bus überfüllt, vermutlich weil in der Stadt eine große Messe war. Obendrein drängelten die Fahrgäste in den Gängen massiv. Dennoch versuchte ich, meine Arme so eng anzulegen, dass ich den Herrn neben mir nicht berührte. Ich mochte Körperkontakt nicht sonderlich. Wenn Menschen, egal in welcher Situation, mir zu nah kamen, machte sich in mir ein unangenehmes Gefühl breit. Und die Angewohnheit anderer, sich bei jeder Gelegenheit zu umarmen und zu küssen, war mir sehr suspekt.

Plötzlich, wie aus dem Nichts und ohne jede Vorwarnung, rief an diesem Morgen im Bus jemand meinen Vornamen. Ich erschrak zutiefst und zuckte zusammen. Im Augenwinkel sah ich, dass der ältere Herr kurz zu mir blickte. Doch ich starrte weiterhin geradeaus, als sei nichts geschehen.

Nach einer Weile allerdings blickte ich mich verstohlen um. Unter den zahlreichen Fahrgästen konnte ich jedoch niemand entdecken, der mich gemeint haben könnte. Überall ausschließlich Menschen, die wie in Trance auf ihr Handy starrten, und in rasender Geschwindigkeit Nachrichten in ihr Telefon tippten. Nirgendwo jemand den ich kannte. Weshalb auch? Nur Wenige nannten mich beim Vornamen, niemand käme auf die Idee, derart laut nach mir zu rufen. Vorsichtig wandte ich den Kopf nach links, um herauszufinden, ob mich vielleicht doch der ältere Mann neben mir angesprochen hatte.

Zu meinem Leidwesen bemerkte ich in seinen braunen Augen sofort die Frage aufblitzen, der ich unbedingt aus dem Weg gehen wollte, denn Unterhaltungen mit Fremden schätzte ich überhaupt nicht.

„Fehlt Ihnen was? Sie sehen aus, als hätten Sie etwas verloren.“

„Nein, Nein“, antwortete ich hastig, „alles in Ordnung“. Da meldete sich die Stimme, die ich zuvor schon gehört hatte, erneut lautstark.

„Lüg doch nicht so! Klar hast du was verloren.“

Oh mein Gott, was bedeutete das? War ich gerade dabei, den Verstand zu verlieren und alle Fahrgäste wurden Zeuge davon? Drehte ich langsam durch? Wurde ich etwa Opfer meiner eigenen Geschichten, die ich hier im Bus tagtäglich über andere erfand? Ich wagte nicht, mich zu bewegen. Auch sonst gehörte ich ja eher zur unauffälligen Sorte Mensch. Nun aber war ich wie erstarrt.

„Meine Güte, nun lass doch mal locker, das ist ja wie im Schraubstock“, hörte ich die Stimme nun sagen.

Verdammt, was war das? War ich komplett gaga oder erlaubte sich jemand einen Spaß mit mir? Versteckte Kamera oder so? Hektisch fischte ich das Handy aus meiner Manteltasche und blickte auf das Display, in der Hoffnung, dass ich versehentlich eine Nummer gewählt hatte und die Stimme daher rührte. Aber Fehlanzeige.

Mein Sitznachbar, der die aufkommende Panik zu spüren schien, schaute mich beruhigend an und legte tröstend die Hand auf mein Knie. Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass es zitterte.

„Geht es Ihnen nicht gut? Kann ich vielleicht irgendwie behilflich sein?“, fragte er mitfühlend.

Ich spürte eine geballte Ladung Tränen in mir aufsteigen und schluckte schnell mehrere Male, um sie aufzuhalten. Ich wollte auf gar keinen Fall im Bus und neben einem, wenngleich netten, älteren Herrn grundlos zu weinen beginnen. Doch was hieß in dieser Situation schon grundlos? Ich hörte Stimmen, verdammt noch mal. Eine Stimme, die mir Gemeinheiten an den Kopf warf, und ich hatte nicht die geringste Ahnung, woher sie stammte. So gesehen hatte ich eigentlich guten Grund für verzweifelte Tränen.

Immer noch zitternd blickte ich den älteren Herrn an, schüttelte tapfer den Kopf und sagte: “Nein danke, Sie können mir leider nicht helfen.“

„Oh, wer weiß“, antworte er höflich. „sehen Sie, ich bin, schätzungsweise mindestens doppelt so alt wie Sie und deshalb verfüge ich auch über doppelt so viel Lebenserfahrung. Es kann doch schließlich nicht sein, dass wir nur älter und gebrechlicher werden. Ich denke mal, der sinnvolle Aspekt am Alter sind unsere Erfahrungen“, erklärte er und lächelte mich aufmunternd an. “Trauen Sie sich ruhig, wo drückt der Schuh?“

Ich starrte ihn entgeistert an. Völlig unfähig, auch nur ein Wort über die Lippen zu bekommen. Was in Herrgotts Namen hätte ich auch sagen können? Glückwunsch, Sie haben den ersten Preis gewonnen und dürfen miterleben, wie ihre Sitznachbarin den Verstand verliert?

„Nun sag‘s doch endlich,“ meldete sich die Stimme erneut zu Wort. “Er wirkt nicht, als würde er dich auslachen. Ältere Menschen sind häufig weise.“

Woher wusste die Stimme, was der Mann gesagt hatte? Ich erhob mich abrupt vom Sitz, entschuldigte mich knapp bei dem älteren Herrn und eilte zum Busausgang. Wie eine Ertrinkende krallte ich mich an die Haltestange und wartete ungeduldig, dass der Bus endlich anhielt.

Mein Büro war zwar noch zwei Haltestellen entfernt, aber das war mir jetzt völlig egal. Ich musste hier raus. Vielleicht passte alles irgendwie zusammen: der Bus, meine ausgedachten Geschichten, diese Stimme. Vielleicht bildete ich mir das alles ja nur ein. Ich wollte nur noch so schnell wie möglich weg.

Quietschend kam der Bus zum Stehen. Die Türen öffneten sich und ich stürzte hinaus. Dann rannte ich, ohne mich umzusehen die Straße entlang.

KAPITEL 2

Nach etwa hundert Metern verlangsamte ich meinen Schritt, blieb erschöpft stehen und sah, wie der Bus dicht an mir vorbeifuhr. Der ältere Herr in Reihe zehn winkte mir freundlich zu.

Erst jetzt holte ich ein paar Mal tief Luft. Ich hatte das seltsame Gefühl während der letzten Minuten darauf völlig verzichtet zu haben. Darum raste mein Herz nun wie wild.

Ich erkannte, dass ich mich in der Nähe des Bürgerparks befand und entschied spontan, zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Ein Blick auf die Uhr verriet: Noch fünfzehn Minuten bis Dienstbeginn. Das war gut zu schaffen.

Eigentlich war ich noch nie zu spät gekommen. Nur ein einziges Mal. Aber damals war ich schließlich krank. Eine Magenverstimmung hatte mir tagelang zu schaffen gemacht und an besagtem Tag rührte sich zudem mein Darm, sodass ich, bevor ich mich aus dem Haus traute, vorsichtshalber nochmals die Toilette aufsuchte. Deshalb hatte ich den Bus um wenige Minuten verpasst.

Damals traf ich völlig abgehetzt im Büro ein und meine Kollegin Rita, die einzige, mit der ich ein wenig Kontakt hatte, fragte verständnislos kopfschüttelnd, weshalb ich denn nicht zu Hause geblieben wäre.

Das wäre mir niemals in den Sinn gekommen, schließlich hatte meine Firma ein Recht auf meine Arbeitskraft. Dafür wurde ich bezahlt und dafür hatte ich die mir auferlegten Aufgaben zu erfüllen. Sich wegen jedes kleinen Wehwehchens krankschreiben zu lassen, empfand ich persönlich als unnötige Schwäche.

An jenem Morgen schlug ich also den Weg durch den Park ein. Der Frühling zeigte sich von seiner schönsten Seite. Die Knospen an den Bäumen öffneten sich zaghaft und das aufkeimende Grün wirkte vom morgendlichen Tau erfrischt.

In den Beeten waren die ersten Osterglocken und Tulpen zu entdecken. Kreisförmig gepflanzt wirkte es, als reichten sich die Farben Gelb, Violett und Weiß im steten Wechsel die Hände.

Während ich dies in Ruhe betrachtete, spürte ich, wie sich mein Herzschlag und meine Atmung normalisierten. Instinktiv machte sich Erleichterung in mir breit, obwohl die Anspannung der letzten halben Stunde stark an meinen Nerven gezehrt hatte.

Vor mir tauchte eine grüne Parkbank auf und ich schaute auf die Uhr, ob ich es mir erlauben konnte, bei einer kurzen Rast den Akku meiner verbrauchten Kraftreserven wieder aufzufüllen. Ich setzte mich seufzend.

„Na das ist doch mal ‚ne feine Sache und passt so gar nicht zu dir“, hörte ich die jetzt scheinbar zufriedene Stimme erneut.

Ich unternahm nicht einmal den Versuch, mich umzusehen, denn es war mir bereits vollkommen klar, dass sich niemand in meiner Nähe aufhielt.

Das flaue Gefühl im Magen setzte wieder ein, aber ich geriet glücklicherweise nicht in Panik. Allerdings lag das nur daran, dass ich hier im Park allein war. Peinlichkeiten vor Publikum waren mir unerträglich. Wenn schon verrückt werden, dann doch bitte ohne Zuschauer.

„Was willst du von mir?“, fragte ich leise.

„Waaaas? Ich verstehe dich nicht. Weshalb sprichst du denn derart undeutlich?“

Du meine Güte, ich saß tatsächlich im Park und sprach mit jemand, der nicht zu sehen war. Das durfte nicht wahr sein! Was war nur mit mir passiert, dass ich plötzlich halluzinierte?

„Nein“, lachte ich auf, als ich begriff, was ich gerade dachte. Halluzinieren wäre ja, wenn ich Dinge sähe, die nicht existierten. Da hatte ich ja wirklich Glück. Denn ich hörte ja bloß eine Stimme.

„Du hast Humor. Damit habe ich gar nicht gerechnet. Bisher bist du damit leider sehr sparsam umgegangen“, schmunzelte die Stimme.

Ich erschauderte. Ich hatte doch kein Wort gesagt, die Worte lediglich gedacht, aber nicht laut ausgesprochen. Das hieß, die Stimme wusste, was ich dachte. Herrje, jetzt wurde es eng.

„Na endlich, jetzt hast du‘s! Ich habe schon gedacht, du lässt mich hier am langen Arm verhungern, bevor dir klar wird, was los ist“, rief sie erfreut.

„Wer bist Du? Und was willst Du? Und weshalb lässt du mich nicht in Ruhe?“, fragte ich erbost.

„Das sind gleich drei Fragen auf einmal“, sinnierte die Stimme, „welche soll ich dir zuerst beantworten?“

„Wer du bist“, meinte ich leise und war schon wieder den Tränen nahe.

„Na, rate doch mal. Komm, tu mir den Gefallen!“, blieb sie mir eine Antwort schuldig.

„Ich bin nicht zum Rätselraten aufgelegt“, kreischte ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

„Och komm schon, sei kein Spielverderber. Wenn du ein bisschen nachdenkst, dann kommst du drauf “, erwiderte sie unbeeindruckt.

Langsam wurde ich wütend. Was war los mit mir? Ich verstand die Welt nicht mehr. Irgendein mieses Wesen unterhielt sich mit mir, forderte mich heraus und las meine Gedanken. Was war das?

„Ganz, ganz heiß“, schrie sie begeistert, “du bist ganz dicht dran. Ich wusste ja, wenn du deine Aufmerksamkeit auf das Wesentliche lenkst, kommst du drauf.“

Was, wie? Ich war dicht dran? Ich versuchte, meine flatternden Nerven zu beruhigen. Vielleicht war der Spuk vorbei, wenn ich das Rätsel löste. Wie im Märchen. Wie hieß das gleich noch mal?

„Nein!“, brüllte sie erneut, diesmal noch lauter. “Falsche Richtung. Geh zurück zum vorherigen Gedanken. Da warst schon nah dran.“

Ich war von der Parkbank aufgesprungen, wanderte jetzt aufgeregt hin und her und suchte in meinem Kopf verzweifelt nach diesem Gedanken. Ich zwang mich zur Konzentration und schlug mir mit der flachen Hand gegen die Stirn. Manchmal half das. Was hatte ich vorhin gedacht? Ich erinnerte mich nicht, denn ich war viel zu nervös, um klar zu denken.

„Verdammt noch mal“, schrie nun ich sie an, “dann hilf mir doch gefälligst“.

Es war so weit, jetzt sprach ich tatsächlich mit mir selbst. Hallo, Klapsmühle, ich komme!

„Jaaaaaaaa! Jetzt hast du‘s kapiert,“ rief sie und klatschte vor Freude in die Hände. Jedenfalls klang es in meinen Ohren so.

Moment, Moment. Ich setzte mich wieder auf die Bank, schloss die Augen, nahm den Kopf in beide Hände und dachte angestrengt nach.

Wenn ich mich nicht täuschte ... und das allein war schon ein hirnrissiger Gedanke. Die ganze Situation konnte doch nur eine einzige Täuschung sein.

Jetzt kam es mir wieder in den Sinn. Ich hatte gedacht, jetzt spreche ich tatsächlich mit mir selbst. Ja, genau! Das war es. Ich sprang erneut auf und freute mich, endlich die Lösung gefunden zu haben.

„Richtig. Der Kandidat hat hundert Puuunkte“, unterbrach mich die Stimme und zog das letzte Wort künstlich in die Länge. „Ich wusste doch, du kannst es! Hat zwar ein bisschen gedauert, aber gut, wir wollen mal großzügig sein. So früh am Morgen fällt das Denken ja bekanntlich etwas schwerer.“

Erschrocken blickte ich auf die Uhr an meinem Handgelenk. Oje, schon viertel nach acht. Ich würde tatsächlich zum ersten Mal zu spät zur Arbeit kommen. Panisch griff ich nach meiner Tasche, warf sie mir schwungvoll über die Schulter und rannte los.

„Nun mach mal nicht so einen Aufstand. Ist doch nichts passiert“, rief sie im Laufen. “Du kommst nach über zwanzig Jahren eine unbedeutende Viertelstunde zu spät. Na und? Aber vermutlich haben deine Kollegen wegen deiner Unpünktlichkeit schon den Notstand ausgerufen“, machte sie sich über mich lustig.

Wenn das meine eigenen Gedanken waren, weshalb lacht die Stimme, wenn mir gar nicht zum Lachen zu Mute ist? Das müsste ich doch auch tun, oder nicht? Oh mein Gott, wie verrückt würde diese Angelegenheit eigentlich noch werden?

Völlig außer Atmen erreichte ich das Gebäude meiner Firma. Ich hastete die Stufen hinauf, nahm gleich zwei Stufen auf einmal, denn ich wollte nicht auf den Fahrstuhl warten. Darum kam ich völlig abgehetzt in der zweiten Etage an.

Vor der Tür zum Büro holte ich tief Luft, fuhr mir mit den Fingern durchs Haar und spürte Schweißperlen auf der Stirn. Eilig kramte ich ein Taschentuch aus der Manteltasche und tupfte das Gesicht trocken. Jetzt machte ich vermutlich einen völlig desolaten Eindruck.

Als ich das Büro betrat, sahen wie vermutet alle Kollegen fragend zu mir auf. Bei einigen beschlich mich, dass sie meine Unpünktlichkeit offenbar amüsierte. Wahrscheinlich freuten sie sich, weil mir so etwas auch einmal passierte. Mit einem kurzen Nicken wanderte ich an ihnen vorbei in mein Büro. Ich fühlte mich elend.

Doch zugleich war ich aufrichtig erleichtert, mir im Laufe der Zeit ein kleines Privileg erarbeitet zu haben, sodass ich nicht wie die anderen im Großraumbüro sitzen musste, wo sich die Kollegen Schreibtisch an Schreibtisch gegenübersaßen. Allein der Gedanke von so vielen Menschen in einem Raum sorgte bei mir für eine Gänsehaut.

Da mein Chef meine gewissenhafte Arbeit schätzte, hatte er mir dieses, wenn auch sehr kleine, Büro zur Verfügung gestellt. Vielleicht war ihm nicht entgangen, wie schwer es mir fiel, mit den anderen zu kommunizieren. Jedenfalls war ich ihm außerordentlich dankbar und meine Loyalität zu ihm war nahezu grenzenlos. Wenn es mal wieder später wurde oder der eine oder andere Schriftverkehr noch erledigt werden musste, war ich stets die Letzte, die nach Hause ging.

Ich streifte den Mantel ab, warf ihn über die kleine Garderobe, die ich mir für mein Büro zugelegt hatte und setzte mich an den Schreibtisch.

Erst jetzt erlaubte ich mir, einen kleinen Seufzer auszustoßen. Das einzige, das an diesem Zimmer störte, waren die großen Glasscheiben, denn theoretisch konnte mich die Kollegenschaft jederzeit beobachten, weshalb ich immer peinlichst genau darauf achtete, ihnen keinen Anlass zum Tuscheln zu geben. Ich ging allerdings davon aus, sie taten es trotzdem. Meine Person lieferte ihnen vermutlich so oder so ausreichend Gesprächsstoff.

„Ha, das ist ja mal eine Erkenntnis, die der Wahrheit schon ziemlich nahekommt“, ertönte die Stimme erneut.

Für einen kurzen Moment hatte ich sie tatsächlich fast vergessen. Erschrocken sah ich zu meinen Kollegen. Die waren jedoch mit sich selbst beschäftigt oder telefonierten. Niemand sah zu mir herüber. Das beruhigte mich ein wenig.

Was sollte ich nur tun? Wenn dieser Zustand anhielt, würde ich meine Arbeit nicht erledigen können. Was sollten mein Chef oder die Kollegen von mir denken, wenn ich mich so merkwürdig benahm? Sie mussten glauben, ich war verrückt geworden, was vermutlich sogar den Tatsachen entsprach.

„Nun entspann dich erstmal“, sagte sie nun sanfter. „Ich will dir doch keine Angst machen, aber du hast mich bereits sooo viele Jahre ignoriert, dass ich dich nur mit einem lauten Knall dazu bringen konnte, mir endlich zuzuhören. Und ich gebe ganz offen zu, ich habe nicht wirklich geglaubt, dass es klappt.“

Als sei mir versehentlich etwas vom Tisch gefallen, bückte ich mich schnell unter den Schreibtisch, der glücklicherweise aus massiven Holz und darum von den Kollegen nicht einsehbar war.

“Weshalb sprichst du überhaupt mit mir, es gibt dich doch überhaupt nicht“, raunte ich.

„Wie? Es gibt mich nicht? Wie kommst du denn darauf? Hörst du mich oder hörst du mich nicht?“, stellte sie dröhnend fest.

„Pscht, nicht so laut“, gab ich aus Angst, sie wäre eventuell doch zu hören, zurück.

„Jetzt drehst du aber wirklich durch, oder? Natürlich kann mich außer dir niemand verstehen. Jetzt mal gaaanz sachte. Ich bin nur deine vernachlässigte innere Stimme, die dich ab sofort um ihre Aufmerksamkeit bittet, mehr nicht.“

„Mehr nicht?“, kreischte ich im Flüsterton und noch immer unter dem Tisch hockend. „Ich habe dich nicht gerufen und mir wäre es lieber, du haust ganz schnell wieder ab, bevor mich alle für durchgedreht erklären.“

„Was? Hast du eine Macke? Jetzt, wo ich es an die Oberfläche geschafft habe, willst du mich zurück in die Katakomben deiner Seele verbannen? Kommt gar nicht in Frage. Ich bleibe!“

Ich kroch immer noch auf allen Vieren auf dem Fußboden. „Was willst du?“, schrie ich und schlug mir vor Schreck die Hand vor den Mund. Ich war tatsächlich laut geworden. Rasch erhob ich mich, winkte lächelnd einem Kollegen zu, der aufgeschaut hatte, und gab ihm zu verstehen, dass es sich nur um ein Versehen handelte.

„Habe ich doch schon gesagt. Ich möchte deine Aufmerksamkeit“, erwiderte sie, “die ich ja scheinbar nun endlich habe.“

Durch zusammengebissene Zähne zischte ich: “Und was genau ist dein Problem?“

„Das ist ja wohl der Gipfel der Unverschämtheit. Nicht ich habe hier ein Problem, sondern ganz allein du, und wenn ich das mal so unverblümt sagen darf: schon sehr lange.“

Ich schnaubte verächtlich. „Bis zu dem Zeitpunkt, als du im Bus meinen Namen gerufen hast, ging es mir bestens.“

„Willst du mir ernsthaft weismachen, dass dir dein Leben Spaß macht?“, lachte sie.

„Bisher war mein Leben total in Ordnung. Ich hatte nichts daran auszusetzen. Alles war gut, bis du aufgetaucht bist und mich zum Idioten machen musstest.“

„Was heißt hier zum Idioten machen? Dazu war ich bisher doch gar nicht nötig“ lachte sie erneut ironisch auf.

Das ging jetzt aber wirklich zu weit. Nicht nur, dass von einer Sekunde auf die andere mein Leben aus den Fugen geriet, jetzt beleidigte mich meine eigene innere Stimme auch noch. Nein, was redete ich da? Ich beleidigte mich sozusagen selbst. „Oh nein!“

„Meine Güte, nun dramatisier doch nicht alles! Okay, ich bin deine innere Stimme. Ja, das stimmt. Aber“, schwang jetzt in ihrem Tonfall eine Art freudiger Überraschung mit, “ich bin auch die Klügere von uns beiden und das ist eine gute Nachricht. Also, meine Süße, du kannst, wenn du auf mich hörst, diese etwas vertrackte Situation wieder vollkommen in Ordnung bringen. Na, wie klingt das?“

Nun nannte sie mich auch noch Süße! Das klang nicht nur verrückt, das klang völlig irrsinnig. Ich unterhielt mich mit mir selbst und erklärte mir also, dass ein Teil von mir klüger als der andere war. Vollkommen absurd.

„Ja, das hast du gut erkannt“, erwiderte sie.

Okay. Nun mal ganz ruhig, sagte ich zu mir selbst.

„Sehr gut, ruhig Blut ist immer eine gute Entscheidung.“ hörte ich sie schon wieder.

Ignorieren, ignorieren. Ich hämmerte mir gegen die Schläfen. Zwischenzeitlich hatte ich wieder auf meinem Stuhl Platz genommen, drehte mich zur gegenüberliegenden Wand, wo niemand meine Unterhaltung verfolgen konnte. Hoffte ich zumindest.

„Glaub mir, deine Kollegen nehmen dich ohnehin kaum wahr. Die sind vermutlich froh, wenn du ihnen nicht permanent kontrollierend auf die Finger siehst“, erklärte sie.

Also noch mal von vorn. „Du bist also ich?“, fragte ich zweifelnd.

„Genau, aber der genialere Teil von dir,“ antworte sie.

Nein, wenn ich es recht überlegte, antwortete ich mir selbst. Unsinn, ich beschloss, sie weiterhin‚ die Stimme‘ zu nennen.

„Du kannst mich nennen, wie du willst, aber wie wäre es mit ‚Genius‘? Das käme ungefähr ansatzweise meiner Genialität entgegen. Außerdem bedeutet der Name Schutzgeist und das passt beides“, kicherte sie nun.

„Nein, so werde ich dich auf keinen Fall nennen. Was misst du dir überhaupt an zu behaupten, du seist die Klügere von uns?“, blaffte ich. In genau diesem Augenblick schwang die Bürotür auf und mein Chef trat herein.

Verwundert sah er mich an. „Ist alles in Ordnung, Frau Herbig? Ich dachte, ich hätte Sie mit jemand sprechen hören?“

Ich drehte mich zu ihm um und starrte ihn mit offenem Mund an. „Mund zu!“, rief sie und dann sagte ich oder vielmehr die Stimme: „Ja, vielen Dank, ich führe nur gerade ein Selbstgespräch. Kennen Sie das? Ich finde dann häufig schneller eine Lösung für ein Problem.“

„Oh ja, das kenne ich“, meinte er und lächelte mir zu. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verließ mein Büro. Ehe ich reagieren konnte, öffnete er die Tür jedoch abermals. „Ach, wenn Sie nachher Zeit haben, kommen Sie doch bitte in mein Büro, Frau Herbig. Danke Ihnen“, meinte er und schloss die Tür hinter sich.

Ich saß wie vom Donner gerührt auf meinem Platz und konnte nicht glauben, was soeben geschehen war. Ich hatte mich mit meinem Chef unterhalten, obwohl ich es eigentlich gar nicht gewesen bin. Sondern bloß meine innere Stimme und die hatte behauptet, dass ich öfters mit mir selbst spräche. Das konnte doch alles nicht wahr sein!

„Nun, wenn es nach dir gegangen wäre, würde die Antwort ja noch immer auf sich warten lassen. Ich habe da einfach mal fachmännisch gehandelt. Ist doch ganz super gelaufen, findest du nicht?“, triumphierte sie.

„Du kannst nicht einfach für mich antworten,“ erklärte ich vollkommen entsetzt.

„Doch, klar kann ich. Hast du doch gesehen. Außerdem war meine Entscheidung, schnell zu reagieren allemal besser als deine, mit offenem Mund zu schweigen.“

Trotz meiner Wut auf sie konnte ich nicht umhin, darin eine gewisse Logik zu erkennen.

„Na also“, kam es sogleich zufrieden.

Ich nahm ein paar Unterlagen vom Tisch, hielt sie mir dicht vor das Gesicht und flüsterte: „Nun gut, du hast für den Moment gewonnen. Können wir uns darauf einigen, dass du dich jetzt erst einmal zurückhältst, damit ich hier unbeschadet meinen Job erledigen kann, ohne mich lächerlich zu machen?“

„Nur, dass ich das richtig verstehe: Ich soll also genau wie in den vergangenen Jahrzehnten die Klappe halten?“, fragte sie skeptisch.

„Ja“, erwiderte ich vorsichtig. Ich wollte einfach das Risiko nicht eingehen, noch einmal von ihr unterbrochen zu werden.

„Okay“, antworte sie schneller als gedacht. „Aber nur, weil du gerade sagen wolltest, dass wir uns nach Feierabend eingehend miteinander befassen.“

Und tatsächlich. Genau das wäre meine Formulierung gewesen, wenn die Stimme mir die Gelegenheit dazu gelassen hätte.

KAPITEL 3

Die Stimme schaffte es wirklich, die restliche Zeit zu schweigen und so konnte ich diesen Arbeitstag, der dermaßen verrückt begonnen hatte, ohne weitere Zwischenfälle beenden.