Na sowas - echt wahr? - Marianne Brugger - E-Book

Na sowas - echt wahr? E-Book

Marianne Brugger

0,0
0,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

11 Kurzgeschichten über überraschende Momente, Ereignisse, die zu Einsichten führen, uns ins Erinnern bringen oder einfach nur unterhalten wollen. Mal ehrlich, haben Sie sich auch schon mal über einen Schwimm-Rowdy geärgert? Oder sich über das Verhalten Ihrer Nachbarn gewundert? Oder sich gar einen Plan zurechtgelegt, der nicht aufging? Vielleicht auch schon mal gefragt: Ist das jetzt tatsächlich so passiert? Solche und andere Erzählungen sind in diesem kurzweiligen Kurzgeschichtenband versammelt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 81

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Marianne Brugger

Na sowas - echt wahr?

Kurzgeschichten

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Der Cousin

Nur wegen dir

Die neue Hauseigentümerin

Die Begegnung im Wald

Die Sorgende

Kein Mann der Worte

Reise ins Dunkel der Nacht

Der Josefbart

Sein Daheim bleibt

Charly fehlt

Frau Urschel

Hinweis:

Impressum neobooks

Der Cousin

Corinna stellte sich auf Zehenspitzen und gab ihm einen langen und zugleich leidenschaftlichen Kuss.

„Ach, ich würde ja jetzt viel lieber bei dir bleiben“, seufzte sie. „Aber du weißt ja, die Frühjahrsmesse...“ Der Rest blieb unausgesprochen. „Soll ich dich, bevor ich ins Bett geh, anrufen oder lieber frühmorgens nach dem Aufstehen? Dazwischen bin ich nicht im Hotel und käme auch gar nicht dazu. Du weißt ja, dass auf der Messe immer jemand was von mir will. Da weiß ich manchmal wirklich nicht, wo mir der Kopf steht.“

Er schüttelte den Kopf. „Braucht’s nicht, mein Schatz! Morgens lieg ich wahrscheinlich noch in den Federn und wenn du dann wieder im Hotel bist, vielleicht auch schon. Ihr hockt ja nach der Messe meistens noch eine Weile zusammen.“ Er zwinkerte mit beiden Augen: „Wenn’s mir auch schwerfällt. Aber zwei Tage ohne dich werde ich schon noch aushalten. Obwohl du mir natürlich sehr fehlen wirst“,

fügte er dann aber pflichtbewusst hinzu. Als hinter seiner Frau die Tür ins Schloss fiel, atmete er jedoch innerlich auf. Endlich war ihm eine Atempause vergönnt. Zwei Tage nur vor sich hinleben, nicht aufs Äußere achten und vor allem weder zuhören noch reden zu müssen. ...

Wenn die Partnerin, die man erst kürzlich geheiratet hatte, 15 Jahre jünger war, das hatte eben seinen Preis. Als er selbst fünfzig gewesen war, hatte er auch noch viel mehr Elan gehabt. „Ausruhen kann ich, wenn ich alt bin!“ war damals seine Devise gewesen. Wie gut, dass er vor zwei Jahren auf das Angebot mit der Abfindung eingegangen war. Anders wäre er dem zuweilen überbordenden Aktivitätsdrang seiner Frau gar nicht gewachsen gewesen. Richtig großzügig hatte sich seine Firma gezeigt. Ein wenig war die Riesensumme aber auch auf sein Verhandlungsgeschick zurückzuführen gewesen. Selbstzufrieden stellte er wieder einmal fest, dass er - abgesehen von seiner ersten Ehe - immer alles gut hinbekommen hatte. Aber auch da hatte es keine ausufernden Streitigkeiten gegeben. Mit fortschreitenden Jahren war eben beiderseits eine Ehemüdigkeit eingetreten, was letztendlich zur gütlichen Trennung geführt hatte. Ja, er durfte berechtigterweise zufrieden mit sich sein.

Und was Corinna betraf, da hatte er schon beim Kennenlernen mit seinem großen Erfahrungsschatz und der Berücksichtigung von Udos Weisheiten punkten können. Über Regel Nr. 1 hatte ihn sein älterer Bruder, der sein Ratgeber in puncto Umgang mit Frauen gewesen war, schon früh belehrt:

„Tu so, als würde dich alles, was sie sagen, brennend interessieren. Und gib ihnen ja keine Ratschläge, auch wenn die Lösung ihres Problems so was von auf der Hand liegt.“

Er hatte sich beides zu Herzen genommen und war damit gut beraten gewesen. Nur seine geschiedene Frau war ihm irgendwann auf die Schliche gekommen und hatte gemerkt, dass er oft nur den aufmerksamen Zuhörer mimte, mit seinen Gedanken aber ganz woanders war. Doch nach der langen Partnerschaft, die sie da schon hinter sich gehabt hatten, war das ja auch nicht verwunderlich.

Als sie sich kennengelernt hatten, war Corinna natürlich auch kein unbeschriebenes Blatt mehr gewesen. Gleich zu Anfang ihrer Beziehung hatten sie beschlossen, die Vergangenheit auszusparen und den andern nicht damit zu belasten, was mit früheren Partnern gewesen war. Eigentlich hatten sie sich jeweils nur ihre offiziellen Hochzeitsfotos gezeigt und mit wenigen Worten die Gründe benannt, die zur Trennung geführt hatten. Beim Anblick der Fotos hatten sie beide herzhaft lachen müssen. Corinna in diesem altbackenen Spitzenkleid, irgendwie verkleidet hatte sie darin gewirkt. Aber auch er und ihr Ex hatten zum Schreien ausgesehen. Diese Langhaarfrisuren, die man für den Ehrentag in Form hatte bringen müssen. Aus dem Wenigen, das Corinna über ihren Ex verlauten ließ, hatte er gefolgert, dass dieser kein besonders helles Licht war.

Zuallererst nutzte er die Gelegenheit und legte das erst kürzlich veröffentlichte Album „Thriller“ von Michael Jackson ein, das Corinna eher ungern hörte, und machte sich strumpfsockig auf der Couch lang.

Plötzlich schreckte ihn die Türklingel auf. Er musste eingeschlafen sein. Hoffentlich war’s nur der Paketbote und nicht wieder diese beschränkte Mieterin von oben, die ständig irgendwelche Helferdienste einforderte. Nicht einmal einen Nagel bekam sie in die Wand. Doch es war nicht die Obermieterin und auch kein Paketbote. Vor ihm stand ein Mann mit leichtem Bauchansatz, der mit zu einem Lächeln verzogenen Lippen sagte: „Hallo, da bin ich“ und ihn dann erwartungsvoll ansah.

In Udos Kopf ratterte es. Wer war bloß dieser Glatzkopf mit dem trendigen Dreitagebart? Beim genauen Hinsehen kam ihm der zwar schon bekannt vor, aber sicherlich hatte er kein Date mit ihm. Und Corinna konnte ja nichts ausgemacht haben, da sie ja um diese Zeit alljährlich auf der Messe war.

„Du bist doch der Udo, oder?“, fragte der vor ihm Stehende, nur wenig kleinere Mann mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht.

„Schon, ja.“

„Ist Corinna denn nicht da?“

„Nein, sie kommt auch erst in zwei Tagen wieder!“

„Shit“, zischte der Fremde durch die Zähne und sah zu seinem Rolli hinunter, den Udo erst jetzt bemerkte. „Ich hab erst noch gedacht, erinner sie mal besser dran. Schließlich hab ich mich seitdem nicht mehr bei ihr gemeldet.“ Und dann folgte für eine Weile nach einem lang gezogenen „Hmmm“ nichts mehr. Udo, der sich nach Sekunden des Schweigens genötigt sah, auch etwas zu sagen, erwiderte:

„Sie hat mir gar nichts erzählt. Ich weiß jetzt wirklich nicht…“

„Ist auch schon eine Weile her. Ich hatte auch nur per Mail gefragt, ob sie mir ein Hotel empfehlen kann, ruhig gelegen, aber nicht überteuert. Sie hatte mir dann aber geschrieben, dass ich natürlich gerne bei ihr übernachten könnte.“

„Hmmm“, sagte nun seinerseits Udo. Und da sein Gegenüber keine Anstalten machte zu gehen, auch noch: „Eh, ich weiß jetzt natürlich auch deinen Namen nicht.“

„Ich bin der Peter. Ich denke, ihr habt bisher kaum über mich gesprochen. Du weißt ja mit Verwandtschaft oder ähnlichem Gesocks hatte sie es nicht so.“

Udos Gehirnzellen arbeiteten. Peter, so ein Allerweltsname. Allein in seiner Schulklasse hatte es mehrere Peter gegeben. Aber hatte er nicht Verwandtschaft gesagt. Aufs Geratewohl fragte er:

„Peter, der Cousin?“

„Ach, lass mal“, wehrte der Fremde anstatt einer Antwort ab. Ist nicht weiter schlimm. Werde schon noch in einem Hotel unterkommen.“ Und er machte, wenn auch in gemäßigtem Tempo, Anstalten zu gehen.

„Nee, warte mal“, hielt ihn Udo in der Hoffnung zurück, dass er das Angebot zu dem er sich nun verpflichtet fühlte, abschlagen möge. „Wenn du schon mal hier bist, kannst ja in Corinnas Büro schlafen. Ich mein, sie hat da zwar nur ne Couch. Ist auch nicht sonderlich bequem und...“

„Macht nix“, unterbrach ihn Peter. „Ich stell da keine großen Ansprüche.“

Eigentlich ganz nett dieser Peter, dachte Udo, nachdem er Corinnas Cousin dabei geholfen hatte, die Couch, die hierfür nicht wirklich geschaffen war, notdürftig mit einem Leintuch zu überziehen. Nach einem kurzen Blick in den Kühlschrank fühlte er sich deshalb umso mehr verpflichtet, seinen Überraschungsgast zum Essen einzuladen, was dieser sofort annahm.

Kurze Zeit später saßen sie sich im „Gusto“, einem renommierten Speiselokal in der Innenstadt gegenüber. Während Peter die Speisekarte studierte, forschte Udo in seinem Gesicht. Vom Alter her schien er sich eher in der Gegend von Corinna zu befinden. Aber anders als bei ihr hatten sich um Peters Augen bereits viele kleine Fältchen eingegraben, die aber allesamt als Lach- oder Schmunzelfältchen zu deuten waren. Sein fröhliches Gemüt steht ihm ins Gesicht geschrieben, dachte Udo. Sicherlich muss er sich nicht wie ich, des Öfteren um gute Laune bemühen. Nein, Peter war sie von Natur aus gegeben.

Hinter der Karte, die Peter hoch und nah an sich heran gehalten hatte - offensichtlich bereitete ihm das Lesen ohne Brille Schwierigkeiten - hörte er ihn sagen:

„Mensch, Trüffelsoße, Entenleberterrine, Kobe Rind. Das ist aber ganz schön exclusiv hier. Filet vom Kobe Rind soll ja eine richtige Köstlichkeit sein.“ Er runzelte die Stirn: „Aber der Preis!“

„Jetzt mach dir darüber keinen Kopf! Natürlich kannst du dir bestellen, was du möchtest. Wär ja noch mal schöner, wenn ich dich in ein Nobel-Restaurant einlade und dabei knausrig wäre“,

forderte Udo seinen Gast zum skrupellosen Bestellen auf und bereute es im nächsten Moment auch schon.

Wie schaffte es dieser Peter nur, dass er sich immer zu etwas genötigt fühlte, wozu er überhaupt nicht verpflichtet war? Schon bei der Wahl des Speiselokals hatte er sich von ihm beeinflussen lassen. Eigentlich hatte er Peter nur zum Italiener um die Ecke einladen wollen. Doch nachdem sie sich aufgemacht hatten, hatte Peter wieder seine geringen Ansprüche ins Spiel gebracht. Und als Corinnas Cousin dann auch noch gesagt hatte, dass in Nobellokalen sowieso alles überteuert sei, dass man bei einem einfachen Nudelgericht sicherlich kaum einen Unterschied herausschmecken würde, da hatte er ihn vom Gegenteil überzeugen wollen. Natürlich hatte er dabei im Auge gehabt, dass es sein Gast bei dem bereits erwähnten einfachen Nudelgericht belassen würde. Aber nun war es eben wie’s war. Am besten bestellte er sich jetzt auch das Kobe Filet. Nicht, dass er am Ende noch futterneidisch wurde.

Trotz der Kopfschmerzen, die ihn am nächsten Morgen plagten, quälte sich Udo zum Bäcker. Wenigstens ein notdürftiges Frühstück musste er seinem Gast, der genaugenommen nicht der seine war, schließlich bieten. Erstaunlich, was dieser Peter vertrug. Obwohl er den teuren Rotwein regelrecht in sich hineingeschüttet hatte, war ihm auf dem Nachhauseweg das Geradegehen wesentlich leichter gefallen als ihm. Udo stöhnte: Jetzt machte auch noch sein Kreislauf Sperenzchen. Umso erstaunter war er, als er in seiner Wohnung auf einen gut gelaunten Peter traf.

„Du hast Brötchen geholt. Super hab schon einen Bärenhunger ...“