Nach 50 Jahren - Beverly Jensen - E-Book

Nach 50 Jahren E-Book

Beverly Jensen

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Beschreibung

Eine bisher unveröffentlichte Geschichte über die unvergesslichen Hummerschwestern.

»Die Hummerschwestern«, der wunderbare Roman von der bereits vor Veröffentlichung verstorbenen Autorin Beverly Jensen, war in Deutschland ein großer Überraschungserfolg und stand monatelang auf der SPIEGEl-Bestsellerlisten. Nun hat Beverly Jensens Ehemann eine bisher unveröffentlichte Geschichte für die deutschen Leser zur Verfügung gestellt, die nun als E-Original verfügbar ist.

Maine im August 1986: Fünfzig Jahre ist es her, dass Idella ihren Ehemann kennengelernt hat. Fünfzig Jahre, aber noch immer ist der durchtriebene Kerl für Überraschungen gut. Und obwohl Edward, der eher Augen für Miss America hat als für seine Ehefrau, wieder einmal alles durcheinanderwirbelt, halten die Hummerschwestern zusammen. Komme, was wolle.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 67

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Maine im August 1986: Fünfzig Jahre ist es her, dass Idella ihren Ehemann kennengelernt hat. Fünfzig Jahre, aber noch immer ist der durchtriebene Kerl für Überraschungen gut. Und obwohl Edward, der eher Augen für Miss America hat als für seine Ehefrau, wieder einmal alles durcheinanderwirbelt, halten die Hummerschwestern zusammen. Komme, was wolle.

Eine bisher unveröffentlichte Geschichte über die zwei unvergesslichen Schwestern.

BEVERLY JENSEN wurde in Westbrook, Maine, geboren. Bevor sie mit dem Schreiben begann, studierte sie Schauspiel. Zwischen 1986 und 2003 schrieb sie mit Hingabe an den Hummerschwestern, während sie gemeinsam mit ihrem Mann Jay die beiden Kinder großzog und halbtags in einem Büro in New York City arbeitete. Als Beverly Jensen im Alter von neunundvierzig an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb, hatte sie noch kein Wort ihres Textes publiziert. Es waren ihre Familie und einige begeisterte Unterstützer, die »Die Hummerschwestern« schließlich als Buch veröffentlichten. Und die so dazu beitrugen, dass Beverly Jensen nach ihrem Tod der literarische Ruhm zuteilwurde, der ihr schon zu Lebzeiten gebührt hätte. »Die Hummerschwestern« war in Deutschland ein großer Erfolg und stand wochenlang auf den ersten Rängen der Spiegel-Bestsellerliste.www.beverlyjensen.net

Beverly Jensen bei btbDie Hummerschwestern. Roman Die Hummerschwestern. Roman. Leinenausgabe Auch als E-Book lieferbar

Beverly Jensen

Nach 50 Jahren

Deutsch von Beate Brammertz

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen. Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Deutsche Erstausgabe Dezember 2014 Copyright © 2014 by Jay Silverman, Executor of the Estate of Beverly Jensen. All rights reserved. Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München Umschlaggestaltung: semper smile, München Umschlagmotiv: Alan Copson/Getty Images Satz: Uhl + Massopust, Aalen ISBN 978-3-641-14602-3 V002 www.btb-verlag.deBesuchen Sie auch unseren LiteraturBlogwww.transatlantik.de!

Old Orchard Beach, Maine

August 1986

»Lass uns nach Hause fahren, Eddie. Ich werde nicht in diesem Auto sitzen und mir einen weiteren dieser unseligen Schmuddelfilme anschauen. Ich habe in meinem Leben schon mehr als genug von denen gesehen.« Idella war so wütend, dass sie Eddie nicht anschauen konnte. Sie zerknüllte in einer Hand eine Serviette von Ken’s Clam Bar und blickte aus dem Seitenfenster. Die Muscheln würden ihr wahrscheinlich Blähungen verursachen, aber er musste sie unbedingt haben, musste einfach den ganzen weiten Weg nach Old Orchard hinausfahren und gebratene Muscheln kaufen.

»Ich will aber, Idella«, grunzte Eddie. Er umklammerte das Lenkrad fest mit beiden Händen. Der breitkrempige Hut war ihm tief in die Stirn gerutscht, das Kinn hatte er trotzig nach vorne geschoben. »Ich werde Miss America sehen, und zwar ohne was an.«

Die Schilder von Motels und Fastfood-Restaurants blitzten zu beiden Seiten der Route One in Neon auf. Im Laufe der Jahre hatten sie all die Restaurants ausprobiert. Eddie war immer auf der Suche nach dem billigsten Essen, den perfekten Zwiebelringen, dem größten Eis. Höchstwahrscheinlich war er auch in einem dieser Motels abgestiegen, schon möglich. Das würde sie ihm durchaus zutrauen. Nach fünfzig Jahren Ehe mit Eddie überraschte sie nichts mehr – aber er konnte sie immer noch auf die Palme bringen.

»In dem Film spielt die Miss America doch gar nicht mit! Auf gar keinen Fall, das sag ich dir! Nur weil ihr Name im Titel vorkommt. Nur weil um die Bilder in diesem Magazin so viel Aufhebens gemacht wurde. Es ist schlimm genug, dass du die Zeitschrift gekauft hast. Und sie zwischen den Handtüchern verstecken, Himmelherrgott noch mal! Dachtest du wirklich, ich würde sie nicht finden?« Idella legte die Hand vor sich auf das Armaturenbrett. Die weiche Oberfläche war vom andauernden Druck ihrer Finger leicht verformt.

»Der Mistkerl fährt, als wären wir hier auf einer Beerdigung.« Eddie drückte auf die Hupe. »Franzosenpack. Denken wohl, es ist lustig, extra abzubremsen. Den überhol ich!«

»Edward, untersteh dich!«

Eddie scherte bei der Ampel an der Saco Street für ein Überholmanöver scharf nach links aus. »Hätte an ihnen vorbeiziehen können, hätt ich das gewollt. Verdammte Franzosen. Früher war Old Orchard der sauberste Strand auf der Welt, bis diese verdammten Frankokanadier in ihren Bikinis runtergekommen sind!«

»Himmel steh mir bei«, sagte Idella. »Immer die gleiche Leier.«

»Und die Männer tragen Haargummis in den Haaren. Werfen in den Restaurants einfach ihren Müll auf den Boden! Sie haben den Ort verändert. Und die Frauen! Die tragen nichts als ihre Unterwäsche. Essen Pommes frites in Unterwäsche. Mit nackten Füßen. Und sie geben Essig auf Pommes anstelle von Ketchup. Pommes sind amerikanisch! Man isst sie mit Ketchup, nicht mit Essig.«

Idella seufzte nur und beobachtete die Scheinwerfer des entgegenkommenden Verkehrs, die so rund und hell in der Abenddämmerung aussahen wie große weiße Pfingstrosen. Sie wirkten in diesem Zwielicht größer als in der tiefsten Nacht. Musste etwas mit der Luft oder der Sonne oder dem Betrachtungswinkel zu tun haben. Sie wusste nicht, woran es lag.

»Der Wagen ist immer noch vor uns. Müssen fünf oder sechs von denen sein. Noch dazu ein ausländisches Auto. Ein Schrotthaufen.«

Für Idella sahen Autos irgendwie alle gleich aus, aber sie waren ein wichtiger Teil von Eddies Leben. Er war so stolz auf seines. Nachdem er sie über dreißig Jahre verkauft hatte, hatte er gespart und einen fabrikneuen Wagen bestellt. Er hatte im Laufe der Jahre viele neue Autos gefahren, Vorführwagen, aber dieses hier gehörte allein ihm. Es hatte immer noch den typischen Neuwagengeruch an sich, was ihr den Magen umdrehte, wenn das Fenster nicht einen Spalt heruntergekurbelt war. Er hatte sogar eine besondere Farbe bestellt – Herbstgold –, mit Sprenkeln, die in der Sonne funkelten.

Idella blickte zum Sommerhimmel hinauf, wo die Sterne gerade erschienen. Sie hatte kapituliert. Sie würde hier in diesem Auto sitzen und das Zeug anschauen. Sie hoffte, dieser Miss-America-Film käme als Erster dran, damit er endlich Ruhe gab und sie nach Hause fahren konnten.

Eddie bog von der Saco ab und reihte sich in die kurze Schlange vor dem Autokino ein. Ein Pick-up war vor ihnen und die Frankokanadier davor. »Wie spät ist es?«, blaffte er.

»Du hast genügend Zeit. Keine Sorge.« Es war fast ein Wunder, dass sie nicht schon seit dem Mittag hier warteten. Dafür könnte sie dankbar sein. Immer hatte er Angst, etwas zu verpassen. Er trieb sie in den Wahnsinn, wenn er mit laufendem Motor im Wagen auf sie wartete und auf die Hupe drückte, wo sie noch nicht einmal im Badezimmer ihren Lippenstift nachgezogen hatte. Er war einfach unmöglich.

Eddie hielt vor dem Ticketschalter – schrecklich nah, dachte Idella – und bezahlte für ihre Eintrittskarten. Er würde kein Geld ausgeben, um mit ihr einen anständigen Film anzuschauen. O nein! Dieser hier war zumindest auf Englisch. Sie hasste es, diese ausländischen Filme mit Untertiteln über sich ergehen lassen zu müssen. Die Hälfte der Zeit konnte man sie überhaupt nicht lesen. Er glaubte, alles Ausländische müsste unanständig sein, und wurde sauer, wenn dem nicht so war. Manchmal, selbst wenn sie sich amüsierte, wurde er wütend und verließ das Kino mitten im Film. Wenn es nicht um Sex ging, wenn es eine gute Geschichte war oder es vom Krieg oder echten Menschen oder irgendetwas handelte, schmollte er und fuhr nach Hause.

Großer Gott, früher hatten sie sogar Paulette mitgenommen, da war sie noch so klein gewesen, dass sie nicht einmal lesen konnte. Unvorstellbar, ein Kind in einen dieser ausländischen Filme mitzunehmen. Die arme Kleine hatte andauernd gefragt: »Was hat er gesagt? Was hat sie gesagt?«, den ganzen Film hindurch. Man konnte es ihr nicht vorwerfen – sie war noch so klein gewesen. Spaß hatte es keinem von ihnen gemacht, so viel stand fest.