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Nora Anderson macht gerade eine schwere Zeit durch. Nach dem tragischen Tod ihrer Eltern bei einem Flugzeugabsturz führt die Einundzwanzigjährige die Bibliothek der beiden tapfer weiter - unterstützt von Miss Kicket, die ihr liebevoll-mütterlich wieder auf die Beine hilft. Aber ein Schicksalsschlag kommt selten allein. Seit geraumer Zeit verschafft sich immer wieder ein unheimlicher Fremder Zugang zu Noras Wohnung, um sie zu vergewaltigen. Zunächst verheimlicht Nora diese grausame Schandtat vor ihren Mitmenschen, zu groß ist ihre Scham. Doch eines Tages vertraut sie sich Miss Kicket an, schließlich ist sie so etwas wie ihre "zweite Mutter" geworden. Doch was Nora daraufhin erfährt, haut selbst den Hartgesottensten vom Hocker.
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Seitenzahl: 252
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Impressum 3
Widmung 4
– Teil 1 – Er zieht mich aus 5
Kapitel 1 6
Kapitel 2 12
Kapitel 3 20
Kapitel 4 27
Kapitel 5 33
Kapitel 6 41
– Teil 2 – Er dringt in mich ein 47
Kapitel 7 48
Kapitel 8 56
Kapitel 9 62
Kapitel 10 68
Kapitel 11 75
Kapitel 12 83
Kapitel 13 89
Kapitel 14 96
Kapitel 15 102
Kapitel 16 108
– Teil 3 – Er verlässt mich 114
Kapitel 17 115
Kapitel 18 122
Kapitel 19 127
Kapitel 20 134
Kapitel 21 139
Kapitel 22 145
Kapitel 23 151
Kapitel 24 159
Kapitel 25 166
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
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© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-160-7
ISBN e-book: 978-3-99131-161-4
Lektorat: Alexandra Eryiğit-Klos
Umschlagfoto: Nadja Suter
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Widmung
An alle Frauen auf dieser Welt,
denen eine solch grauenvolle
Tat widerfahren ist.
– Teil 1 –Er zieht mich aus
Kapitel 1
Die Eingangstür meiner Zweizimmerwohnung fällt beinahe lautlos ins Schloss, ich spüre, wie er mich rücksichtslos am Oberarm packt und ungeduldig den Gang entlang in die Richtung meines Schlafzimmers zieht. Seine riesigen und groben Hände hinterlassen auf meinen Armen eine Gänsehaut. Ein unangenehmes Kribbeln durchzuckt meinen Körper. Ich schreie unwillkürlich darauf los. Noch schlage ich um mich, in der Hoffnung, ihn von der geplanten Tat abhalten zu können, doch ich weiß, dass in wenigen Minuten der Zeitpunkt kommen wird, in dem ich mich nicht mehr zu wehren versuchen werde.
Meine angespannten, zu einer Faust geformten Hände, meine Ellenbogen sowie meine Knie und Füße treffen seinen stark gebauten Körper immer wieder an verschiedenen Stellen, doch ihn scheint dies nicht zu stören. Vielmehr genießt er das Gefühl der leichten Schmerzen, die ihm widerfahren, und den Anblick der leidenden, verzweifelten Frau vor sich. Ich erkenne aus dem Augenwinkel, wie seine spitze Zunge immer wieder seine dünnen Lippen benetzt und seine weißen Zähne sich so tief darin vergraben, dass mir beim bloßen Anblick übel wird. In seinen dunkelbraun glänzenden Augen, unter denen tiefe Augenringe zu sehen sind, erkenne ich pures Vergnügen. Er stellt es sich bereits mit jedem noch so kleinen Detail vor, da bin ich mir ganz sicher. Er kann sich nicht mehr stoppen. Ich habe keine Chance.
Ehe er mich in mein Schlafzimmer schubst, zieht er sich rasch sein schwarzes T-Shirt über den Kopf mit den perfekt gestylten, schwarzen Haaren und dem grässlichen, viel zu langen Bart. Drückt mich dann auf die Matratze auf meinem Bett und lehnt sich, mit den Knien und Händen auf dem Polster abgestützt, über mich. Ich lasse meinen Blick über seinen nackten Oberkörper und die verschiedenen großen und kleinen Narben schweifen, finde jedoch wie jedes Mal absolut keinen Gefallen daran. Will ihn auf die Seite drücken, aus dem Zimmer laufen, ihm gar jegliche Möglichkeit nehmen, mich berühren zu können. Doch er ignoriert meine wälzenden Bewegungen, bekommt mit seiner linken Hand bereits meine beiden Handgelenke zu fassen und drückt diese über meinem Kopf in den weichen Stoff meines großen Kissens. Obwohl ich pausenlos klägliche, schmerzerfüllte Laute von mir gebe und ihn mit meinen Knien und Füßen noch immer von mir wegzustoßen versuche, macht er sich bereits mit hektischen Bewegungen an meinem Oberteil zu schaffen.
„Warum habe ich heute nicht einen meiner dicksten Pullover angezogen?“,denke ich mir.„Da hätte er wenigstens länger gebraucht, um ihn mir vom Leib zu reißen …“
Jetzt ist es zu spät. Die sechs Knöpfe meiner schwarz-weiß gepunkteten Lieblingsbluse, die mein Vater immer so sehr mochte, hat er bereits aufgerissen, den dünnen Stoff mit geübten Handgriffen zuerst über meine rechte Schulter und den rechten Arm, dann über die linke Schulter und den linken Arm gestreift und meine Arme zuletzt durch seinen harten Griff um meine Handgelenke wieder unter Kontrolle gebracht. Auch meine Beine drückt er nun mit seinem rechten Schienbein auf die Matratze und nimmt mir so die letzte Möglichkeit, mich irgendwie zu wehren.
Nun fasst er mit seiner rechten Hand mit geübtem Griff unter meinen Rücken und umschließt mit Daumen und Zeigefinger den Verschluss meines einfachen, schwarzen Büstenhalters. Begleitet von einem schelmischen Grinsen lässt er diesen daraufhin von meinem Oberkörper springen. Dann nur noch die Träger von meinen Schultern und über meine Arme streifen und das für ihn nutzlose Kleidungsstück in eine der vier Ecken meines Zimmers werfen und schon kann er mit seinen vernarbten, von Schmutz geprägten Händen über meine Brüste und Nippel fahren und sie so stark drücken, dass der Schmerz durch meinen gesamten Körper fährt.
Scham, Angst und Wut mischen sich gleichzeitig in meine Gefühle und meine Gedanken, er nimmt mir schon wieder meinen Körper. Ergreift Besitz von ihm. Missbraucht ihn. Langsam komme ich dem Punkt näher, an dem ich mich nicht mehr wehren möchte und kann, dennoch versuche ich stark zu bleiben, nicht nachzugeben, mich ihm nicht vollends auszuliefern. Drehe meinen nackten Oberkörper in alle möglichen Richtungen, möchte mich seinen Griffen und Berührungen nicht hingeben, doch mir geht mehr und mehr die Kraft aus. In dem Moment, in dem ich dies realisiere, dreht er sich um 180 Grad, setzt sich auf meinen von seinem schweren Körper bereits schmerzenden Bauch und drückt meine Arme durch seine beiden Beine gekonnt neben meinem zitternden Körper in die Matratze unter mir. Bekommt dann den Bund meiner lockeren Jogginghose zu fassen, in der ich mir eigentlich, trotz des immer schöner werdenden Sommerwetters, einen gemütlichen Sonntagnachmittag vor dem Fernseher machen wollte. Ohne zu zögern, zieht er mir die Hosen inklusive des dunkelblauen Slips langsam über meine Hüfte, über meine Knie und zuletzt über meine Füße, indem er sich immer weiter nach vorn beugt. Klar mache ich es ihm nicht einfach, zapple wie wild mit meinen Beinen, bewege meinen Oberkörper ruckartig immer wieder in eine andere Richtung und versuche die Arme mit aller Kraft unter seinen Beinen hervorzuziehen, doch er ist zu stark. Ich kann und will ihn nicht mehr aufhalten. Der Kampf ist verloren.
Der Moment ist gekommen – ich gebe mich ihm hin. So kann ich den Schmerz, während er die Vergewaltigung in vollen Zügen genießt, immerhin möglichst klein halten. Mittlerweile liege ich nämlich komplett nackt unter ihm und er streift sich seine schwarzen, mit unzähligen Löchern versehenen Hosen mit einer Hand schrittweise über seine eigenen Beine. Ich weiß, dass wenn ich mich von nun an zu wehren versuche, sofort mit anderen Mitteln in Zaum gehalten werden würde, damit er freie Bahn hätte. Und dies würde mir nur noch mehr Schmerzen bereiten.
Also bin ich still, lasse die Kraft aus meinem Körper entweichen und schließe meine Augen. Lasse der Dunkelheit Einzug in meine Wahrnehmung, sodass irgendwann vielleicht die Vergessenheit nachkommt. Versuche ihm zu zeigen, dass ich ihn mit seinen eingefallenen Wangenknochen und seinem schelmischen, hässlichen Grinsen nicht mehr sehen kann. Versuche ihm zu zeigen, dass es mir nichts mehr ausmacht.
Belüge mich selbst.
Noch immer spüre ich seinen gierigen Blick auf meinem Körper. Auf meinem rotbraunen, schulterlangen Haar und auf meiner viel zu hellen Haut. Auf meinen Brüsten, meinem Bauch, meiner Vagina – meinem gesamten, nackten Körper. Nur meine silberne Kette mit dem kleinen, ganz fein eingearbeiteten „N“, die ich von meiner Mutter zu meinem achtzehnten Geburtstag geschenkt bekommen habe, trage ich noch. Ich merke, wie sein Körper immer heißer wird, er beginnt innerlich zu brennen. Er kostet das prickelnde Gefühl vor dem Geschlechtsverkehr in vollen Zügen aus.
So ist es jedes Mal. Seit zwei Wochen überrollt er mich zu Hause beinahe jeden zweiten Tag, vergnügt sich an mir, vergewaltigt mich. Stiehlt mir jedes Mal aufs Neue meinen Körper. Immer dann, wenn niemand bei mir ist, aber immer dann, wenn ich es nicht erwarte.
Es geht nicht mehr lange, dann ist es so weit. Bereits mehrere Male hat er versucht, meine rechte Hand zu seinem Penis, welchen er zusammen mit seiner Jeans von seiner karierten, viel zu lockeren Unterhose befreit hat, zu führen. Aber es scheint ihm dieses Mal keinen Spaß zu machen, wenn er mir auch noch befehlen muss, die gewünschten Bewegungen auszuführen. Also legt er selber Hand an. Packt sich an sein Glied und streift die darüber liegende Haut langsam und genüsslich vor und zurück, bis ich den Lusttropfen, der sich von der einen auf die andere Sekunde von seiner Eichel löst, auf meinen Bauch tropfen spüre. Derweilen wird mir so richtig übel. Ich spüre, wie der Drang, in mein Badezimmer zu rennen und meinen Magen durch Erbrechen vom heutigen Mittagessen zu befreien, immer stärker wird. Aber ich merke einmal mehr, wie die Vergewaltigung kein Ende finden wird, bevor er nicht auf seine Kosten gekommen ist.
Und wirklich, schon greift er nach einem der Kondome, die er stets in seiner Hosentasche verstaut hat, und ich höre kurz darauf die Flüssigkeit beim Überrollen des Gummis. Weiß, dass ich keine Chance hätte, währenddessen aus meiner Wohnung zu flüchten, da er viel schneller wäre. Er würde mich einholen, ehe ich um Hilfe rufen könnte. Ich halte meine Augen weiterhin geschlossen, zumal ich ihn auf keinen Fall glauben lassen möchte, sein Körper würde mir gefallen. Außerdem gelingt es mir nur so, die Übelkeit ein wenig zu verdrängen. Wie erwartet, ist ihm dies aber ziemlich egal und er kommt mir mit seinem Körper, welcher eine immer stärkere Hitze und ein immer gierigeres Verlangen ausstrahlt, immer näher. Verschränkt seine Finger mit meinen, stützt sich auf diesen neben meinem Kopf ab und dann ist es so weit. Ich weiß es ganz genau, obwohl ich es lieber verdrängen würde. Ich spüre es, obwohl ich in diesem Moment lieber vom Erdboden verschluckt werden würde.
Er dringt mit seinem dicken, hässlichen Schwanz in mich ein. Ohne zu fragen, ohne mich vorzuwarnen. Ein stechender Schmerz durchzuckt meinen ganzen Körper, doch ich schaffe es, einen erschrockenen Aufschrei zu unterdrücken. Stattdessen presse ich meine zitternden Lippen verzweifelt aufeinander.Verziehe mein Gesicht zu einer grässlichen Grimasse, doch von ihm kriege ich nur ein weiteres, schweres Atmen zu hören. Wenn ich meine Augen für einen Bruchteil einer Sekunde öffne, sehe ich, wie er seine Augen entweder geschlossen hat oder mit einem vor Lust und Begehren triefenden Blick an meinen Brüsten hängen bleibt – wie immer. Tränen treten mir in die Augen, doch ich versuche, sie nicht zu offenbaren.
Alsbald beginnt er, sein Gesäß in ruckartigen Bewegungen vor und zurück zu schieben. Dringt immer wieder aufs Neue in mich ein, fügt mir bei jedem Mal unsagbare Schmerzen zu, weil ich mich natürlich in keiner Weise darauf einlassen kann. Wie auch? Immer wieder stößt er mit seinem harten Penis gegen meine Gebärmutter und fasst mir an die Brüste, deren Nippel ich schon gar nicht mehr spüre, weil sie so sehr brennen. Er treibt es so weit, bis er schwer atmend und mit zitterndem Körper zu seinem Höhepunkt kommt. Und genau in diesem Moment drehe ich mein Gesicht von ihm weg und eine einzige Träne rinnt aus meinem rechten Augenwinkel. Er hat mich ein weiteres Mal gebrochen. Ein weiterer Teil meines Ichs ist soeben kaputtgegangen. In Tausende von klitzekleinen Stückchen zersprungen.
Nach dem kräftezerrenden Akt geht wie erwartet alles ganz schnell. Er rollt sich und seinen schweren, verschwitzten Körper von mir, streift sich das glitschige Kondom von seinem Penis und steht auf, bevor er sich seine Kleider schnappt und sich diese in Sekundenschnelle überzieht. Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen. Ohne irgendwelchen Lärm zu veranstalten. Kein Geräusch. Keine Worte. Er verhält sich mucksmäuschenstill. Seine Stimme ist mir noch nie zu Ohren gekommen.
Dann geht er aus meinem Schlafzimmer, wirft das Kondom in den nächsten Abfalleimer und lässt meine Wohnungstür erneut hinter sich ins Schloss fallen.
Meinen Körper schleppe ich daraufhin mit letzter Kraft in mein Badezimmer. Setze mich da in meine kleine, rechteckige Dusche mit der raumhohen Glaswand und lasse das eiskalte Wasser auf meine nackte, schmutzige Haut prasseln. Winkle meine beiden schwachen Beine an, lege meine Arme darum und lege mein Kinn darauf. Schließe die Augen und spüre, wie in mir alles zusammenfällt. Wie einzelne, kleine Dominosteine. Das Wasser kühlt mich ruckartig ab, hinterlässt eisige Gänsehaut auf meinem Rücken. Die Haare hängen mir klitschnass über die Schultern. Ich weiß, dass ich etwas dagegen unternehmen und mich irgendwie gegen diese mich von innen auffressenden Gefühle wehren müsste. Aber genau diese Gefühle und die unzähligen, harten Landungen der Wassertropfen auf meiner Haut sind das Einzige, was mir noch irgendwie guttut. Das Einzige, was mir irgendwie das Gefühl gibt, noch einen Körper zu haben. Noch hier zu sein.
Noch zu existieren.
Oh, wie ich diesen Brandon Johnson für seine grässlichen Taten hasse.
Kapitel 2
„Das macht dann siebzehn Dollar, wenn Sie so gut wären, Miss Kicket. Soll ich Ihnen noch eine Tasche geben?“
„Nein, Liebes, das geht schon. Hier dein Geld, du darfst den Rest behalten!“
„Vielen Dank! Ich wünsche Ihnen einen wundervollen Start in die neue Woche und natürlich viel Spaß beim Lesen. Bis bald!“
Ich sehe, wie mir Miss Kicket, die gutmütige, bereits etwas ältere Frau vom Haus nebenan, kurz aufmunternd zuzwinkert, sich mit einem kurzen Winken von mir verabschiedet und dann mit kleinen, vorsichtigen Schritten meine Bibliothek, dieLibrary of Love, verlässt. Sie kommt jede Woche zu mir. Immer am Montag, meist abends. Leiht sich ein Buch von Agatha Christie, Ernest Hemingway oder Raymond Chandler aus, liest dies bis Ende der Woche und bringt es dann zurück, bevor sie sich ein neues ausleiht und sich dies in der folgenden Woche zu Gemüte führt.
Aber sie ist keine normale Kundin. Nachdem meine Eltern vor knapp zwei Jahren im Dezember bei einem Flugzeugabsturz gestorben sind und mich damit kurz vor meinem neunzehnten Geburtstag für immer verlassen haben, ist sie quasi meine zweite Mutter geworden. Brachte mich wieder auf den richtigen Weg, als ich nicht mehr wusste, wo es langging. Hat mich in den Arm genommen, als ich vor Trauer einfach nur stundenlang unerbittlich geweint habe. Mir Abendessen gekocht, wenn ich mich nicht dazu aufraffen konnte, in der Küche zu stehen und meinem Körper etwas Gutes zu tun. Und mich bei jedem einzelnen Schritt unterstützt, als ich die Bibliothek meiner Eltern übernommen habe. Sie gab zweihundert Prozent, als ich jegliches Prozent verloren hatte. Als mir die Lebenskraft fehlte und sie nie mehr wiederfinden wollte.
Außerdem ist sie die Einzige, die von Brandon und seinen Taten weiß. Ihr habe ich es vor vier Tagen erzählt, als sie mich, kurz nachdem Brandon mich einmal mehr vergewaltigt und danach mein Zuhause ohne Worte verlassen hat, bei mir in der Wohnung gefunden hat. Ich saß gerade in meiner Dusche, spürte das eiskalte Wasser auf meinem vor Schmerz zitternden Körper und ließ meinen Tränen freien Lauf. Hätte, wenn sie nicht gekommen wäre, wohl noch lange in dieser Position verharrt. Doch sie schaffte es irgendwie, mir aus der Dusche zu helfen, mir Kleider überzuziehen und mich auf mein Sofa zu setzen. Und da erzählte ich ihr alles mit jedem noch so kleinen Detail und beantwortete ihr jede Frage, die sie völlig hemmungslos stellte. Doch ihre schlussendliche Reaktion verlief ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Denn alles, was sie sagte, war: „Gib dem Jungen Zeit!“ Dann beendete sie das Gespräch, verabschiedete sich von mir und verließ meine Wohnung. Hinterließ bei mir unzählige Fragezeichen.
Völlig in Gedanken versunken, schaue ich Miss Kicket hinterher. Denke an Brandon, an den gestrigen Tag, an die letzten Wochen. Denke daran, was ich tun sollte, doch ich finde keine Lösung. Was hat Miss Kicket mit diesem einen Satz gemeint? Ich habe Sie noch nicht danach gefragt. Ich traue mich nicht.
„Huhuuu, Nora?“, höre ich auf einmal eine mir bekannte Stimme meinen Namen rufen.
Schnell befehle ich meinen Armen kurz durch meine etwas zerzausten, rotbraunen Haare zu streichen, die Ärmel meines dunkelgrauen Pullovers bis über meine Daumen zu ziehen, damit man die blauen Flecken an meinen Handgelenken ganz sicher nicht sehen kann, und den Lippenstift, der mir heute Morgen – obwohl ich mich sonst eigentlich nie schminke – das Gefühl von Sicherheit verliehen hat, auf meinen Lippen zu verteilen. Wappne mich innerlich für die Konversation mit einer meiner zwei besten Freundinnen, Olivia Collard, die vor wenigen Sekunden in die Bibliothek gekommen sein muss und nun vor mir steht. Sie und Ella Taylor, die dritte in unserem kleinen Freundeskreis, wissen nichts von alldem.
„Hey, wie geht’s? Schon Feierabend?“, frage ich mit möglichst neutraler Stimme.
„Yep, hatte die Schnauze voll von meiner Lerngruppe. Zum Glück sind bald Semesterferien“, erwidert sie, während sie ungeduldig versucht, ihre kastanienbraunen, ziemlich wild gelockten Haare unter Kontrolle zu bringen. Diese scheint der leichte Sommerwind, der draußen durch die ruhigen Straßen und Gässchen von Melbane zieht, durcheinandergebracht zu haben. Denn obwohl es erst Mitte November ist, lässt der Sommer in unserem kleinen, von kilometerlangen Feldern und Wäldern umrahmten Dörfchen im Süden Australiens nicht mehr lange auf sich warten.
Sofort muss ich lächeln, auch wenn mir überhaupt nicht danach ist. Olivia ist wohl die einzige Person, die ich kenne, die seit Beginn ihres Studiums keine Lust darauf hat, es aber trotzdem nicht abbricht. Sie studiert irgendetwas in Richtung Marketing and Business Development. Aber nicht etwa, weil sie es möchte, sondern einfach, weil sie ihre größere Schwester, Sara, um ihr abgeschlossenes Jurastudium beneidet.
„Wollen wir uns ins Toby’s setzen und einen Kaffee trinken?“, fragt sie mich nun. „Ella wollte auch kommen“, fügt sie noch hinzu. Puh, sie scheint mein etwas spöttisches Lächeln nicht gesehen zu haben. Zum Glück, denn so wird sie vielleicht auch nicht merken, dass es mir heute einmal mehr nicht besonders gut geht. Schnell erwidere ich möglichst neutral: „Können wir machen, gib mir zwei Minuten.“
Ohne zu zögern, gehe ich kurz durch die Gänge der Bibliothek und kontrolliere, ob noch jemand hier ist, aber Miss Kicket ist sowieso meist die Letzte. Also ziehe ich mir schnell meine dünne Hardshelljacke, die ich bei diesem noch leicht frischen Übergangswetter so gerne trage, über und schnappe mir kurzerhand meinen dunkelgrauen Rucksack vom Tisch in meinem kleinen Büro. Drehe danach das an der Hinterseite der Eingangstür hängende Schild auf Closed, bevor ich mit der leise vor sich hin summenden Olivia die Bibliothek verlasse, die Tür hinter uns abschließe und wir uns auf den Weg in unser Lieblingscafé um die Ecke machen.
Wir haben uns schon immer sehr oft zu dritt dort getroffen, weil wir alle den Besitzer des Cafés, Toby Smith, sehr gut kennen und er einfach den weltbesten Kaffee macht. Doch auch das unbeschwerte Trinken eines Kaffees nach dem Feierabend fällt mir seit der ersten Vergewaltigung nicht mehr leicht. Durch Brandon hat sich alles verändert. Er hat mir nicht nur meinen Körper, sondern auch meine offene und direkte Verhaltensweise gestohlen. Scheint mir diese so schnell nicht wieder zurückgeben zu wollen, denn wie es aussieht, werden die Vergewaltigungen nicht weniger, was ich zu Beginn noch geglaubt hatte. Zu Beginn, als Brandon als unschuldiger Mann in unser Dorf kam. Er wäre arbeitslos und seine Eltern wollten nichts mehr von ihm wissen, hörte man. Sie hätten ihn aus dem Haus geschmissen und könnten ihn nicht mehr länger als Sohn akzeptieren. Dies tat mir leid. Weil gerade ich wusste, wie schwer es ohne Eltern sein konnte. Doch kurz darauf fand er beinahe täglich den Weg in meine Wohnung und ich begann ihn zu verabscheuen. Er fand den Weg in meine Wohnung, in mein Bett und in meinen Körper. Völlig aus dem Nichts. Woher er mich überhaupt kennt oder wieso er genau zu mir kommt, ist mir noch immer ein Rätsel. Wie er sich immer wieder ungesehen Zutritt in meine vier Wände verschaffen kann – auch wenn die Türe abgeschlossen ist – ist mir nicht klar.
Als Ella mit ihren kurzen, weißen Maler-Klamotten von der Arbeit mit einem breiten Lächeln ins Café kommt, die blonden Haare ordentlich zu einem strammen, hohen Dutt geformt, sitzen Olivia und ich mit unseren Lieblingsgetränken bereits in unserer gewohnten Ecke und diskutieren über ihre ach so lästigen Professoren. Liebevoll umarmt uns Ella kurz, bevor sie Toby lauthals zuruft, was sie trinken möchte. Zum Glück ist er dies mittlerweile gewohnt, denn Ella kann gar nicht anders, als überall mit voller Energie durchzustarten. Für viele Menschen ist dies ganz schön anstrengend, aber ich finde es toll, wie sie mich und Olivia regelrecht damit ansteckt und uns zeigt, wie schön das Leben doch sein kann. Denn dies vergessen wir alle viel zu oft.
Aber wie soll ich mein Leben lieben? Ein Leben, das von einem Tag auf den anderen von einem fremden Mann über den Haufen geworfen wurde. Das kann ja gar nicht funktionieren.
„Wie geht es euch? Hattet ihr ein tolles Wochenende?“, fragt Ella dann auch schon total euphorisch und richtet kurz ihr weißes T-Shirt, sodass ihre sportliche Figur noch mehr zum Ausdruck kommt.
„Oh ja, ich habe draußen auf der Terrasse zwei Bücher gelesen und am Sonntag kam Mom vorbei und hat mit Sara und mir gekocht und gebacken. Besser hätte es also nicht sein können! Bei dir?“
Ella setzt sofort einen neidischen Blick auf und rollt mit den Augen, während sie ihre perfekt gezupften Augenbrauen hochzieht. „Ach, das hätte mir auch gepasst … Ich habe mein Wochenende allerdings auf der Arbeit verbracht. Man merkt, dass der Sommer bald ins Land zieht – die Leute wollen alles wieder neu gestrichen haben.“
„Och, mein Beileid. Und du, Nora? Konntest du dir deinen geplanten Filmnachmittag gönnen?“, gibt Olivia lächelnd von sich.
Ich erstarre. Traue mich nicht, auf die Frage zu reagieren. Weiß sowieso nicht, was ich sagen soll. Ihnen von den Vergewaltigungen zu erzählen, kommt nicht infrage. Also beginne ich wie immer zu improvisieren und gebe möglichst gleichgültig und mit einem etwas schiefen Lächeln von mir: „Ja, hat geklappt, danke der Nachfrage. Es war wunderschön!“
Ich merke allerdings, wie mir die beiden meine Antwort nicht so richtig abkaufen und ich mir selbst nicht einmal richtig glaube. Füge daher, um von der eigentlichen Sache abzulenken, noch folgenden Satz hinzu: „Entschuldigt, ich habe momentan echt ein wenig zu kämpfen. Wo es doch auf den zweiten Todestag meiner Eltern zugeht …“ Ich weiß, wie sehr sich die beiden manchmal Sorgen um mich machen, besonders seit dem Tod meiner Eltern. Seither kennen sie mich noch besser und spüren noch schneller, wenn es mir nicht gut geht. Wenn sich meine sonst so gute Laune verabschiedet und sich die kühle Abwesenheit bemerkbar macht. Wenn ich meine Eltern einmal mehr von ganzem Herzen vermisse. Dies nutze ich manchmal einfach aus, um von einer anderen Sache, die mich ebenfalls zutiefst beschäftigt, abzulenken.
„Kein Problem, das verstehen wir, das weißt du doch“, höre ich von Ella und beruhige mich sofort ein wenig. Nicke fast unmerklich. Kriege es wirklich hin, dass die Sehnsucht nach meinen Eltern die Oberhand gewinnt und ich Brandon für einen Moment vergesse.
„Wollen wir eigentlich auch diesen Dezember wieder etwas zusammen unternehmen?“, frage ich meiner Meinung nach viel zu optimistisch in die Runde. „Ihr wisst schon, quasi zu Ehren meiner Eltern … Es würde mich sehr freuen.“
Im letzten Dezember überraschten mich meine beiden Freundinnen nämlich mit einer Woche Urlaub am See, mit dem ich unglaublich viele Erinnerungen an meine Eltern verbinde. Mit ihnen erlebte ich da ein Abenteuer nach dem anderen. Baute mit ihnen Steintürme, machte Wasserschlachten, sah verschiedenste wild lebende Tiere und schlief zum ersten Mal in einem Zelt. Manchmal durfte ich sogar meine Freundinnen mitnehmen, was mich immer noch mehr freute. Also dachten sich Olivia und Ella im letzten Jahr, wir könnten dies doch wiederholen, um mir einen Anlass zu bieten, die natürlich noch immer bestehende Verbindung zwischen mir und meinen Eltern an diesem einen Tag besonders stark zu spüren. An jenem 5. Dezember. Dem Tag, an dem sich mein ganzes Leben verändert hat.
„Ich bin dabei!“, höre ich sofort die begeisterte Stimme von Ella und sehe, wie ihr Olivia mit einem sehr überzeugten Nicken zustimmt. „Dürfen wir dich auch dieses Jahr wieder überraschen?“, fragt sie anschließend und ich bejahe ihre Frage sofort. Spüre, wie in mir das Gefühl von Vorfreude immer größer und stärker wird und alles zu kribbeln beginnt, doch ich zwinge mich, ruhig zu bleiben. Die Gedanken an Brandon holen mich ein. Was ist, wenn er mich während des nächsten Urlaubs überrascht? Mich während dieser wertvollen Zeit vergewaltigt? Es meine beiden Freundinnen erfahren und ich ihnen alles erklären muss? Erklären, dass ich sie tage- beziehungsweise wochenlang belogen habe, mich meines Körpers habe berauben lassen und nun nicht mehr alleine aus diesem tiefen Loch der Scham und Angst finde, sie aber trotzdem nicht um Hilfe bitte?
Ohne lange zu zögern, stehe ich auf, trinke den letzten Schluck meines Milchkaffees und verabschiede mich von den beiden. Sage ihnen, ich wolle heute lieber früh ins Bett gehen, damit ich morgen wieder fit für meine Kunden sei. Sie schauen mich zum Abschied mit einem mitleidigen, aber doch irgendwie aufmunternden Blick an und wünschen mir eine gute Nacht. Ich bedanke mich und winke ihnen und auch Toby, der lachend hinter dem Tresen steht, kurz zu, bevor ich aus dem Café gehe und mich auf den Weg mache zu meiner kleinen Wohnung, die sich etwa fünf Minuten vom Toby’s entfernt im zweiten Stock eines riesigen Mehrfamilienhauses in einem etwas ruhigeren Viertel befindet. Unterwegs nehme ich das ruhige, abendliche Stimmengewirr um mich herum und das laute, ausgelassene Lachen vereinzelter, mir eigentlich bekannter Personen kaum wahr. Ignoriere das wundervolle, letzte Zwitschern der Vögel, die sich bei den immer wärmer werdenden Temperaturen immer wohler fühlen, und das Klirren der Weingläser in den kleinen Restaurants entlang der Straße. Halte meinen Blick stets auf den Boden gerichtet, da ich ohnehin Angst habe, ich könnte meinem Vergewaltiger versehentlich über den Weg laufen oder ihn irgendwo in einer einsamen Ecke auf mich warten sehen. Mache keinen Halt, bis ich vor meinem Briefkasten stehe. Obwohl eigentlich nie etwas drin ist, weil ich grundsätzlich jegliche Post an die Adresse der Bibliothek geliefert bekomme, werfe ich kurz einen Kontrollblick hinein.
Sofort sticht mir etwas ins Auge. Eine rotes Kärtchen, etwa so groß wie eine Visitenkarte. Darauf prangen zwei mit schwarzer Schrift schwungvoll gezeichnete Herzen, die sich seitlich leicht überschneiden. Was das wohl sein soll, frage ich mich sofort und greife, ohne zu überlegen, nach meinem Schlüsselbund in meiner Tasche und daran nach dem passenden Schlüssel, bevor ich die kleine Karte zusammen mit zwei dünnen Werbezeitschriften aus dem Briefkasten befreie. Drehe die Visitenkarte anschließend mit meinen Fingern so, dass ich den Text auf der Rückseite lesen kann. Im selben Schwarzton, aber mit verschiedenen Schriftarten und -größen steht da geschrieben:
„Suchst Du Deinen Seelenmenschen, dem Du alles anvertrauen kannst? Der Dich so akzeptiert, wie Du bist, und der Dich bei allem, was Du machen willst, unterstützt? Dann bist Du bei uns – der größten Dating-App Australiens – genau richtig. Rufe mit Deinem Smartphone folgende Seite auf und finde Deinen Seelenverwandten! Er/Sie freut sich auf Dich!“
Ich schüttle verwirrt den Kopf, zerknülle die Karte zwischen den Fingern meiner rechten Hand und begebe mich dann in meine vier Wände. Was soll denn ausgerechnet ich damit anfangen? Mich will ja sowieso keiner. Mein Körper ist schwach, wertlos und verschmutzt. Es lohnt sich nicht mehr, ihm Aufmerksamkeit oder sogar Liebe zu schenken. Geschweige denn, ihn nur eine Minute lang zu schätzen.
Ich schüttle den Kopf, befreie mich von den irreführenden Gedanken und schmeiße das Papierbündel in meiner Hand achtlos auf meinen Esstisch. Lege mich dann in mein Bett, starre an die Decke und warte, bis der nächste Tag anbricht.
In der Hoffnung, dass dann alles besser wird.
Kapitel 3
Der nächste Tag bricht an, doch nichts wird besser. Ich schlage meine Augen auf, strecke mich ausgiebig, doch den Gedanken, dass Brandon heute Abend einmal mehr in meine Wohnung stürzen und mich überrollen könnte, werde ich unmöglich los. Ich beginne zu zittern. Will nicht aufstehen. Will mich nicht aus dem Bett kämpfen, um am Abend wieder gezwungen zu werden, mich hineinzulegen. Ein Wunder, dass ich diese Nacht einigermaßen gut schlafen konnte.
„Guten Morgen! Wollen wir eine Runde joggen gehen?“, schreibt mir Ella in diesem Moment, doch begeistert mich mit ihrer Idee keineswegs. Ich überlege, ob ich mich dazu zwingen soll. Streiche mir gedankenverloren über meine Hüftknochen. Spüre, wie die wunden Stellen von vorgestern langsam Farbe annehmen müssten. Und auch an den Handgelenken bekomme ich langsam, aber sicher die neuen Druckstellen zu spüren. Komme zu dem Entschluss, dass Ella dies sicher auffallen und sie Fragen stellen wird. Das kann ich nicht riskieren. Auch wenn mir die Bewegung an der frischen Luft guttun würde.
„Sorry, mir geht es noch immer nicht so gut. Können wir das auf ein anderes Mal verschieben?“, schreibe ich also.
„Ja natürlich, dann geh ich alleine, keine Sache. Sehen wir uns später? Ich komm sonst mit Olivia zu dir, okay?“
„Gerne! Freu mich!“
Ja, ich freue mich wirklich. Ablenkung tut mir gut. Und dann weiß ich immerhin, dass Brandon nicht kommt. Denn er kam noch nie, als jemand bei mir war.
Plötzlich kriege ich Angst. Was ist, wenn er jetzt kommt? Zwar ist meine Wohnungstür über die Nacht immer abgeschlossen, aber dies hat ihn noch nie davon abgehalten, zu mir zu kommen. Eine verschlossene Tür hält Vergewaltiger nicht davon ab, zu ihren Opfern zu gelangen. Ich spüre, wie sich auf meinen Armen die gewohnte Gänsehaut ausbreitet und ich unkontrolliert zu zittern beginne.
„Warum nur? Das kann doch nicht sein! Ich darf mich nicht so einfach hingeben!“, denke ich mir. Morgens kam er schließlich noch nie.
Ruckartig stehe ich auf, gehe in die Küche und starte, ohne nach links und rechts zu blicken, meine Kaffeemaschine. Versuche mich mit dem lauten, so unheimlich beruhigenden Geräusch abzulenken, was mir ausnahmsweise auch gelingt. Wenige Minuten später schnappe ich mir die warme Kaffeetasse mit dem anregenden, leicht bitter schmeckenden Inhalt und setze mich im Wohnzimmer auf mein rotes Sofa. Den heißen Kaffee anschließend in kleinen Schlucken zu trinken, tut gut. Denn diesen kann ich am Morgen wenigstens noch aufnehmen und mir damit ein wenig Kraft schenken. Etwas Festes zwischen den Zähnen würde ich sofort wieder von mir geben, obwohl ich mir früher, also bevor Brandon in mein Leben trat, stets ein sehr großzügiges Frühstück gegönnt habe. Ob Toasts, Spiegeleier oder auch mal ein Omelett, ganz egal, der gute Start in den Tag zählte. Heute bringe ich nicht mehr als einen Kaffee runter, auch wenn ich essen möchte. Obwohl ich weiß, wie wichtig es ist, den Körper durch eine ausgewogene Ernährung in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Ich kann nicht – nicht mehr.
So bin ich gute fünfzehn Minuten später bereits in der Bibliothek und drehe das Schild auf Opened.
