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Um seinen Vater und die Krieger, die er auf dem Planeten Perech in der Gefangenschaft der Magier zurücklassen musste, zu befreien und von einer tödlichen Krankheit zu heilen, kehrt Cole Fonder nach Burean zurück. Seine ehemaligen Kameraden, die Pretecaner, sind ihm mittlerweile feindlich gesinnt; man wirft Cole den Mord an einem Pretecaner-Captain vor. Doch Cole ist unschuldig und hat einen Plan; er schlägt dem Commander der Eliteeinheit einen Deal vor, den dieser unmöglich ablehnen kann. So wird seine Verurteilung aufgeschoben, und er begibt sich auf eine Rettungsaktion mit ungewissem Ausgang. Cole weiß, dass sich die Schlinge immer enger zieht – schon bald wird ein Todesurteil gefällt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
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Seitenzahl: 618
Veröffentlichungsjahr: 2023
Nachhall Der Verdammten
Gefährliche Bündnisse
Um seinen Vater und die Krieger, die er auf dem Planeten Perech in der Gefangenschaft der Magier zurücklassen musste, zu befreien und von einer tödlichen Krankheit zu heilen, kehrt Cole Fonder nach Burean zurück. Seine ehemaligen Kameraden, die Pretecaner, sind ihm mittlerweile feindlich gesinnt; man wirft Cole den Mord an einem Pretecaner-Captain vor.
Doch Cole ist unschuldig und hat einen Plan; er schlägt dem Commander der Eliteeinheit einen Deal vor, den dieser unmöglich ablehnen kann. So wird seine Verurteilung aufgeschoben, und er begibt sich auf eine Rettungsaktion mit ungewissem Ausgang. Cole weiß, dass sich die Schlinge immer enger zieht – schon bald wird ein Todesurteil gefällt werden.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.dnb.de abrufbar.
© 2023 P.S. Hanlor
Lektorat/Korrektorat: Sascha Rimpl, Lektorat TextFlow
Cover/Buchsatz/Illustrationen: Lars Hütz, 4H-DIGITAL
Druck und Distribution im Auftrag :tredition GmbH, An der
Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany Deutschland.
ISBN Softcover: 978-3-347-95010-8
ISBN E-Book: 978-3-347-95012-2
Inhalt
Was bisher geschah
Verkauft
Eine Koalition mit dem Feind
Die Beichte
Die Sklavin
In der Festung der Magier
Ein aggressiver Ausbilder
Tod einer Heilerin
Rückkehr nach Perech
Die verborgenen Krieger
Die Fheore in der Feuerwüste
Beratungen
Flucht vor den Schattenwesen
Ein Pakt mit den Schwarzen Kämpfern
Auf der falschen Seite
Die Schwarzen Kämpfer
Ein Todesurteil
Wahrheiten
Die Wende
Die vergifteten Krieger
Die Macht der Gefühle
Manipulationen
Prüfungen
Die Nacht der Hexen
Der verkleidete Kopfjäger
Aufgehetzt
Alte Feinde
Der Informant
Unerwarteter Besuch
Der Wasserplanet
Hexenverbrennung
Das Erbe der Krieger
Die Absprache
Konflikte
Gefährliche Schatten
Der Weg zurück
Vorschau auf Band 3
Man sagt:
»Ohne ein Ziel gibt es auch keinen Weg.«
Was bisher geschah
Der junge Cole Fonder gehörte einst zur Führungsspitze einer Elitekampfgruppe – der Pretecaner. Nach einem missglückten Einsatz fordern die Schlichter, ein Gremium aus Volksvertretern mehrerer Planeten, seine Entlassung. Bevor der Commander der Pretecaner Vandrak dem Wunsch der Schlichter entsprechen kann, wird Cole von einem Freund gewarnt und verlässt die Eliteeinheit.
Die Prophezeiung der Hexe Gridala, deren Enkeltochter Memue er auf dem Planeten Dura aus den Fängen der riesenhaften Kiaren befreit hat, schickt ihn auf die Suche nach seinem Vater.
Gefälschte Beweise sorgen jedoch dafür, dass Cole auf dem Gefängnisplaneten Bervercher von dem Magier Fisterat in Gefangenschaft gehalten wird und durch grausame Folterungen fast stirbt. Als alle Hoffnung in ihm erloschen ist, bekommt er Hilfe. In seiner Befreierin erkennt er die Hexe Memue wieder. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht.
Die Magier Retsud und Fisterat setzen den Kopfjäger Mesan auf ihn an, der ihn aufspürt. Es kommt zu einem Kampf, bei dem Mesan verletzt wird und Rache schwört.
Cole findet auf dem Planeten Perech neben Mutter und Schwester auch seinen gefangenen und vergifteten Vater Furpe, der einer der verschwundenen Krieger ist. Er erfährt, dass die Pretecaner einst grundlos die Krieger und damit seine Familie überfallen und selbst Kinder brutal ermordet haben. Dieses Wissen stürzt Cole in tiefe Verzweiflung, denn er fühlt sich als ehemaliger Captain den Pretecanern noch immer verbunden und einige von ihnen sind gute Freunde, wie Aaro Schanley, der die Eliteeinheit freiwillig verlassen hat, um ihm zu helfen.
Durch seine Erfahrungen mit Fisterat weiß Cole, dass er gegen die Magier keine Chance hat. Er muss die Krieger, zu denen er durch Blutsbande gehört, befreien. Sie sind seine Familie, und er braucht sie, um den Kampf gegen die Magier aufzunehmen. Cole beschließt, seinen Vater und mit ihm die letzten Krieger zu retten, und flieht von Perech, um Hilfe zu holen.
Verkauft
Femke saß im Deep am Tresen und stierte in ihren halb vollen Becher. Neben ihr waren die Plätze leer, obwohl die Kneipe aus allen Nähten platzte. Nach ihrer Ankunft in der Bar war sie nur damit beschäftigt gewesen, Männer abzuwimmeln. Bis sie ihre Waffe gezogen und an die Decke geschossen hatte. »Lasst mich verdammt noch mal in Ruhe!«, hatte sie gebrüllt. Nach diesem Ausbruch war sie nicht mehr angesprochen worden.
Der typische Lärm rauschte an ihr vorbei. Der Raum war verqualmt und stickig, sodass sich Schweißperlen auf ihrer Stirn bildeten. Doch Femke wischte sie nicht weg. Ihre Gedanken drehten sich seit mehreren Zeiteinheiten im Kreis.
Seit Cole fort war, erschien ihr alles öde und leer. Viel zu lange schon wartete sie auf seine Rückkehr, doch er tauchte einfach nicht auf. Vor einigen Tagen hatte sie es aufgegeben, ständig zum Hauptterminal in der Metropole des Grottenplaneten zu gehen und die Anzeigetafeln der ankommenden Flüge zu studieren. Es waren nur fremde Reisende gewesen, die an ihr vorbei zum Ausgang gestrebt waren.
Nun musste sie sich zu allem Überfluss auch noch eingestehen, dass sie pleite war. Selbst dieses Drecksloch erwies sich als zu teuer für ihre Verhältnisse. Sie brauchte dringend einen Job. Sich als Bedienung in einer vergammelten Bar blöde anmachen zu lassen – beim bloßen Gedanken daran jagte es ihr einen Schauer über den Rücken. Sie kannte sich, dafür schoss sie viel zu schnell. Anpacken ließ sie sich nicht, und jeder Besitzer würde sich bedanken, wenn sie zahlende Gäste killte.
Kurz tauchte die Überlegung auf, erneut den Kontakt zu den Pretecanern zu suchen. Nach allem, was sie gehört hatte, brauchten die jeden Informanten, der sich noch auf ihrer Seite hielt, und sie hatte schließlich schon einmal für die Eliteeinheit gearbeitet. Femke kaute auf ihrer Unterlippe. Soll ich oder soll ich nicht? Die Bezahlung dort ist erstklassig, und es kostet nicht viel Mühe, an interessante Meldungen heranzukommen, dachte sie.
Doch sie entschied sich dagegen. Nein! Dieser Captain Danckin hatte sie damals überheblich abgewiesen, und was noch schwerer wog: Die Typen hatten Cole Fonder aus ihrer Einheit verstoßen, den Mann, mit dem sie aufgewachsen war und den sie liebte. Damit gab es auch keine Zusammenarbeit mehr mit ihr.
Sie klopfte mit den Fingern auf die Thekenkante. Gedankenverloren zog sie ihr Messer aus dem Gürtel und drehte es in der Hand. Sie starrte es an, bis ihr Zexla einfiel. Warum nur hatte sie nicht gleich daran gedacht!
Ihr Vater war der Anführer einer Söldnertruppe, die auf diesem Planeten einen Stützpunkt unterhielt. Zexla befand sich auch im Grottensystem und war somit in kurzer Zeit erreichbar. Dort kannte sie sich aus, dort hatte sie Freunde. Sie beschloss, nach Zexla zurückzukehren.
Aber nicht so, wie sie einst abgehauen war. Der Alte, wie sie ihren Vater insgeheim betitelte, konnte ihr enorme Schwierigkeiten bereiten. Sie musste sich etwas einfallen lassen, damit er sie nicht wieder dazu zwang, an Überfällen der Söldner teilzunehmen.
Femke rechnete sich gute Chancen aus, ihren Vater zu entmachten. Sie wusste, dass viele mit seiner brutalen Art nicht klarkamen, und hoffte deshalb darauf, weitere Leute gegen ihn anzuwerben.
Er hatte sie damals gezwungen, das Leiden ihrer Mutter bis zu deren Tod mit anzusehen. Sie selbst war von ihrem Vater nicht nur jahrelang misshandelt worden, sondern er hatte sie wie seine Sklavin gehalten. Zahlreiche Narben auf ihrem Körper zeugten von seinen Gewalttaten. Der Gedanke, ihn zu töten, verursachte daher bei Femke nur für wenige Augenblicke ein mulmiges Gefühl.
Sie zuckte mit den Schultern, als ihr klar wurde, dass sie in die Söldnerwelt zurückging, aus der sie vor Jahren unter großem Risiko geflohen war, weil sie es nicht mehr ausgehalten hatte.
»Na, was soll’s«, murmelte sie vor sich hin, »ich bin eben für ein ehrliches Leben nicht geschaffen. Außerdem bin ich älter und erfahrener. Es liegt an mir, das Beste daraus zu machen.«
Femke holte tief Luft. Dann erschien ihr Coles Gesicht vor Augen. Überdeutlich glaubte sie seine Vorwürfe zu hören. Das sorgte dafür, dass ihr Magen rebellierte. Sie wusste, dass er ihr Vorhaben nicht billigen würde. Schnell unterbrach sie diesen Gedanken und stand auf. Sie rückte ihren Waffengürtel zurecht und verließ das Deep.
In den Gassen herrschte rege Betriebsamkeit, obwohl es bald hell werden würde. Sie ließ sich von dem Strom der Nachtschwärmer mitreißen. Beim ersten Dämmerlicht erreichte sie die Absteige, in der sie untergekommen war. Sie verkaufte alles, was ihr Eschas einbrachte. Dann buchte sie ein Ticket und betrat am nächsten Morgen einen öffentlichen Transporter. Kurze Zeit später verließ sie den Grottenplaneten …
Nachdem sie am folgenden Tag nachmittags auf Zexla gelandet war, durchquerte Femke das Terminal und sah sich davor suchend um. Etliche Gleiter und Shuttles standen auf Kundschaft wartend in einer Reihe. Sie stellte sich etwas abseits und zählte ihre verbliebenen Zahlungsmittel. Dann sah sie zu den Preishologrammen.
Zielstrebig marschierte sie zu einem der Gleiter. Der Pilot war so volltrunken, wie er von Weitem gewirkt hatte. Sein Atem stank nach Fusel. Es dauerte nicht lange, und er erklärte sich lallend bereit, sie in die Zone SW III-VI zu fliegen. Femke setzte sich auf den Platz direkt hinter ihm.
Ruckelnd hob der Gleiter ab. Femke sah nach unten. All die Wälder, Seen, Siedlungen und Gebirge kannte sie aus ihrer Kindheit. Die Erinnerungen überrollten sie. Sie sah sich wieder als kleines Mädchen inmitten einer Horde wilder Männer. Es waren harte Jahre, doch sie war es nicht anders gewohnt gewesen. Die schönsten Erlebnisse verband sie mit Cole Fonder. Daran dachte sie gern zurück.
Als sie nach drei Zeiteinheiten landeten, sah sie auf, zog die Eschas aus ihrer Tasche und schmiss sie dem Piloten in einen Becher neben der Konsole. Bevor er nachzählen konnte und dann merken würde, dass es zu wenige waren, langte sie nach ihrem Rucksack, drückte den Türöffner an der Bordwand und sprang ins Freie.
Femke rannte los. Sie hatte sich extra einige Seitengassen von Peidros Unterkunft entfernt absetzen lassen und hastete nun die Straßen entlang. Als sie sicher war, dem Piloten entwischt zu sein, wurde sie langsamer. Zum Glück habe ich den betrunkenen Piloten gefunden, dachte sie. Einem nüchternen Mann wäre ich nicht entkommen, oder er hätte mich im Voraus bezahlen lassen. Eine Zeiteinheit später erreichte sie das Haus, in dem Peidro wohnte.
Sie klopfte, im nächsten Moment öffnete sich die Tür, und Peidro stand unrasiert und mit glasigen Augen vor ihr. Sie drängte sich an ihm vorbei. Erleichtert warf sie im Wohnraum ihre Sachen auf einen Stuhl und ließ sich laut aufatmend nieder.
»Es ist wirklich schön, wieder hier zu sein«, sagte sie.
Femke reckte und streckte sich. Spitzbübisch schielte sie zu Peidro, der nichts sagte. Was hat er nur? Er wirkte verunsichert und nervös. So kannte sie ihn gar nicht. Nun presste er seine Lippen zusammen und setzte sich schwerfällig ihr gegenüber. Sie ließ ihre erhobenen Arme sinken.
»Was ist los?«
Noch immer schwieg der Mann, dann räusperte er sich. »Dein Vater ist tot, Femke. Ich weiß, dass du ihn nicht gemocht hast, aber er war immerhin dein Vater.«
»Na und?« Sie verbarg den Schreck, der ihr trotz allem durch die Glieder fuhr. Nur für einen Moment sah sie das Bild ihres Alten vor sich, dann war es vorbei. »Hat ihn endlich einer abgeknallt?«
»Nein, er wurde vergiftet, der Täter ist unbekannt«, sagte Peidro, dann wechselte er das Thema. »Warum bist du hergekommen?«
Kurz zögerte sie, dann sprudelte es aus ihr hervor: »Ich wusste nicht wohin, Peidro. Cole ist fort, und ich war allein. Das Leben ist teuer, wenn man keinen Job hat.«
»So ist das also. Weißt du, ob er noch auf Perech ist?«
»Nein, ich habe schon lange nichts mehr von ihm gehört. Ich wünschte, er würde zurückkommen und wieder hier bei uns leben. Vielleicht kann ich ihn ja davon überzeugen. Zu den Pretecanern kann er sowieso nicht mehr. Und das Grottensystem ist für ihn zu gefährlich geworden. Schließlich wird er nach seiner Flucht gesucht, und jeder könnte ihn ans Messer liefern. Dem Kopfjäger Mesan ist er auch nur knapp entkommen.«
»Tja, das stimmt wohl. Aber ich glaube kaum, dass er zu uns Söldnern zurückkehrt. Dieses Leben war noch nie etwas für ihn.« Peidro schüttelte den Kopf. »Na, na, wer wird denn jetzt Trübsal blasen. Irgendwie hast du ja recht. Wir sind trotz allem seine Familie. Übrigens ist auch diese Kleine noch hier irgendwo. Er war zwar sauer auf sie, aber ich schätze, wenn er sich etwas beruhigt hat, wird er sie holen und von hier wegbringen.«
Femke horchte auf. »Von wem sprichst du?«
»Na, das Mädchen, das ihn bei seinem letzten Besuch auf Zexla begleitet hat. Ich glaube, sie hieß Memue oder so ähnlich. Sie sah ziemlich verunstaltet aus und ist einfach weggerannt. Tja, ich habe keine Ahnung warum. Jedenfalls habe ich Cole versprochen, sie zu suchen und auf sie zu achten. Bis jetzt habe ich sie aber noch nicht gefunden. Wer weiß, wo sie hingelaufen ist.«
»Memue …« Diesen Namen hatte sie schon gehört, nur wo und wann? Sie dachte an Cole. Wenn er wirklich zurückkam, um dieses Mädchen zu holen, würde es gut sein, wenn sie wüsste, wo es sich befand. Nachdem Peidro sie nicht gefunden hatte, gab es eigentlich nur noch eine Möglichkeit. »Diese Memue muss sich auf einer der unteren Ebenen aufhalten«, murmelte sie. »In diesem Gebiet lebt nur noch der Abschaum. Selbst die Söldner meines Vaters lassen sich dort nicht mehr blicken, denn es geht das Gerücht um, dass tödliche Krankheiten da unten die Runde machen.«
Spontan fasste sie einen Entschluss. Um diesen Schritt allein zu wagen, fehlte es ihr jedoch an Mut.
»Ich werde sie herholen, wenn du mit mir kommst, Peidro. Ich brauche deine Hilfe, und du hast es Cole versprochen.«
Er schien zwar nicht begeistert, aber sie schaffte es, ihn zu überzeugen.
Am nächsten Morgen machten sie sich auf den Weg. Sie liefen die Straße entlang, bis sie die Schlucht erreichten und vor den Dächern der Hochhäuser standen. An den Bauten waren neben Leitern, die in die Tiefe führten, auch Aufzüge angebracht, die man über Brücken erreichen konnte. Sie entschieden sich für die Turbolifte. Als sie in einem der unteren Stockwerke ausstiegen, würgte Femke. Es stank nicht nur erbärmlich, die Luftfeuchtigkeit war auch ungewöhnlich hoch. Femke zog ein Tuch aus ihrer Jackentasche und band es sich vor Mund und Nase.
In jeder Etage gab es Stege, um zu den einzelnen Wohnungen zu gelangen. Sie führten nicht nur um die Gebäude herum, sondern verbanden diese auch miteinander. Peidro zog sie einen der Stege entlang, bis sie über eine Notleiter weiter nach unten kletterten.
Femke sah nach oben. Das Licht verlor sich weit über ihr. Die Hauswand, an der die Leiter befestigt war, wies Roststellen auf. Eine helle und schäumende Substanz hatte sich gebildet und floss an der Wand hinab.
Dann erreichten sie die nächste Ebene. Und wieder liefen sie über Brücken. Sie passierten Eingänge und kamen an Fenstern vorbei, durch die man anscheinend nur von innen nach außen sehen konnte. Jeden, den sie trafen, fragten sie nach Memue. Doch niemand kannte sie oder hatte sie gesehen. Einige Fühlende unterschiedlicher Völker in zerlumpter Kleidung forderten Eschas und streckten ihnen verschmutzte Hände, Klauen oder Pranken entgegen, doch Femke wusste, dass sie nur ausgenommen werden sollten. Auch Peidro schien so zu denken, denn er gab nichts.
Femke überkam das Gefühl, von Tausenden Augen beobachtet zu werden. Galt sie etwa als nette Abwechslung in dieser verkommenen Gegend? Sie drehte sich ständig um und richtete die Waffe auf alles, was sich bewegte. Femke zitterte vor Anspannung, aber sie würde ihre Schwäche nie eingestehen, nicht einmal vor Peidro.
Es wurde immer dunkler. Bei jedem Schritt, den sie sich vorwärtstasteten, verstand Femke weniger, warum sie das alles auf sich nahm. Je tiefer sie in den Sektor vordrangen, desto unheimlicher wurde es. Unzählige Schatten schienen sie zu bedrohen.
Und wieder fragte Peidro eine in Fetzen gehüllte Gestalt. Ein schmaler Kinderarm kam hervor und wies nach unten. »Eine Etage tiefer«, erklang eine dünne Mädchenstimme. »Ihr Gesicht ist schrecklich verunstaltet, und sie liegt bei den Abfällen an der Seite.«
Diesmal zog Peidro einen Eschas mit wenig Wert aus seiner Tasche und drückte ihn der Kleinen in die Hand. Der Kopf hob sich, und strahlende Kinderaugen kamen zum Vorschein.
Femke wandte sich ab, während das Kind fortlief. »Komm weiter«, sagte sie zu Peidro. »Ich muss hier dringend weg.«
Sie folgten dem Hinweis des Kindes und fanden Memue in einer Abfalldeponie. Sie hielt den Kopf gesenkt, Peidro wies mit dem Finger in ihre Richtung. »Das muss sie sein«, flüsterte er. »Die Kleidung, obwohl verdreckt, erkenne ich wieder.«
Femke folgte seinem Fingerzeig, dann schluckte sie mehrmals und kämpfte dagegen an, sich nicht zu übergeben, obwohl sie einiges gewohnt war. Diese Memue trug nur noch Fetzen an ihrem Körper, und es stank furchtbar. Sie saß mit geschlossenen Augen an eine Wand gelehnt. Dicht neben ihr flossen Fäkalien vorbei, sie bewegte sich nicht. Femke kostete es enorme Überwindung, zu ihr zu gehen, um zu prüfen, ob überhaupt noch Leben in diesem Körper existierte.
Als sie ihre Hand ausstreckte, spürte sie einen Schmerz, und sie zuckte zurück. Da erst erkannte sie, dass an Memue lauter Cerelas, die sich von Abfällen ernährten, nagten.
Voller Ekel schrie Femke auf. Sie konnte es nicht verhindern. Peidro reagierte sofort und schoss auf die weghuschenden Biester mit den drei Augen und dem struppigen Fell, die ihnen bis zur Wade reichten. In den breiten aufgerissenen Mäulern kamen spitze Zähne zum Vorschein. Überall aus den Resten von Memues Kleidung strömten die stinkenden Nagetiere nun hervor und verschwanden hinter der Hausecke.
»Pfui!« Femke schwenkte ihre Waffe.
Peidro deutete auf Memue. »Ich kümmere mich darum.«
Für einen Moment wirkte Femke unschlüssig, dann gab sie nach. Sollte sich Peidro damit abgeben. Sie fasste dieses verseuchte Stück Mensch bestimmt nicht an. Da holte man sich ja sämtliche Krankheiten der Galaxie an den Hals.
Peidro beugte sich zu dem Mädchen, zögerte kurz und griff dann rasch zu. Er hob sie hoch und lud sie sich auf die Schulter. Femke kam der Gedanke, dass er später mit Sicherheit eine tagelange Reinigung bräuchte. Schnell trabte er los, und sie folgte ihm schweigend. Diesmal deckte sie ihm den Rücken.
Als sie den Sektor verlassen hatten, legte Peidro seine Last ab und sah sich um. »Bei mir kann und will ich sie nicht haben. Nicht einmal Cole zuliebe nehme ich das auf mich«, sagte er und sah Femke an.
»Und was dann?«, fragte sie ihn.
»Ein Medicenter kommt nicht infrage, davon gibt es zu wenige, und die sind ständig überfüllt. Nur die Privilegierten bekommen noch Plätze. Die hohe Bezahlung lässt sich für unsereins kaum aufbringen.«
»Also privat«, sagte Femke. »Das ist auch viel billiger. Doch wo?« Peidro lebt hier seit Jahren, er muss sich auskennen. Soll er entscheiden.
Lange blieb es still, dann straffte er sich. »Es ist einen Versuch wert. Bleib bei ihr und warte auf mich.«
Sie äußerte sich nicht, was er als Zustimmung zu interpretieren schien, denn er verließ sie.
Femke fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut. Die Zeit verging quälend langsam, immer wieder sah sie in die Richtung, in der Peidro verschwunden war. Passanten kamen vorbei. Neugierige Blicke musterten sie und gingen dann zu dem Mädchen, das neben ihr auf dem Boden lag.
Die Gegend war unsicher. Es gab ständig Berichte über Raubmorde, und so presste Femke den Rücken gegen eine Hauswand und hielt vorsorglich ihre Schusswaffe bereit. Die Mündung wies direkt zur nächsten Ecke, an der sich nun eine Gestalt zeigte. Als sie Peidro erkannte, nahm sie die Waffe herunter und holte tief Luft.
»Bist du wahnsinnig?« Sie schrie ihn an, da sie ein Ventil für ihre überreizten Nerven brauchte. »Mann, ich hätte dich fast abgeknallt!«
Peidro lächelte nur. Neben ihm tauchte ein weiterer Mann auf. Femke kam das Gesicht zwar bekannt vor, jedoch wusste sie nicht, woher. Der junge Mann sah sie grinsend an.
»Na, Femkechen, lange nicht gesehen und auch nicht wiedererkannt, was?«
Femke zuckte zusammen. Es gab nur einen, der sie mit diesem abscheulichen Spitznamen anredete und den ihre Gefühle nicht zu interessieren schienen. Judge, der Typ, der sie vor langer Zeit, als sie noch ein halbes Kind gewesen war, gewaltsam entjungfert hatte. Nie hatte sie jemandem davon erzählt, doch ihr Vater hatte es herausbekommen. Seine Strafe war sehr hart gewesen …
Widerwillig nahm sie Judges Anwesenheit zur Kenntnis. Der Mann pfiff durch die Zähne, als er auf die Waffe in ihrer Hand sah. Dann wandte er sich ohne ein weiteres Wort ab und betrachtete das verdreckte Bündel Mensch zu seinen Füßen. Judge zuckte kaum merklich zusammen, als er die Fetzen mit zwei Fingern zur Seite schlug. Femke ließ ihn nicht einen Moment aus den Augen.
Peidro schien bereits mit ihm über Memue gesprochen zu haben, denn er nahm sie erneut über die Schulter und folgte Judge. Dieser grinste herausfordernd und ergriff Femkes Hand, die sie ihm jedoch umgehend entriss. Er schien sich darüber nur zu amüsieren.
»Nichts für ungut«, meinte er. »Sag mal, seit wann bist du eigentlich wieder hier? Ehrlich, ich dachte, ich treffe dich nie wieder. Tja, freut mich jedenfalls, dass die Gerüchte zu stimmen scheinen.« Judge schielte kurz zu Femke, doch sie reagierte nicht, obwohl sie seinen Blick bemerkte. Sie tat, als müsse sie die Gegend beobachten, um in keinen Hinterhalt zu laufen. Er lachte leise, und sie biss sich wütend auf die Lippen.
Noch ein paar blöde Bemerkungen, und ich schieß ihn über den Haufen. Ein Verlust wäre es bestimmt nicht!
Noch ehe sie dazu kam, tauchte eine verdreckte Absteige vor ihnen auf. Auf einem windschiefen Schild stand: »Private Medibetreuung – günstige Versorgung für jeden!«
Als Femke den Vorraum betrat, rümpfte sie die Nase. Es stank erbärmlich. Sie sah sich um und entdeckte einen Schalter an der Wand mit einem wellenartigen Symbol. Schnell aktivierte sie die Lüftung, dann schob sie einen Vorhang zur Seite und betrat das angrenzende Zimmer. Peidro ging mit Memue über der Schulter an ihr vorbei und legte die Bewusstlose auf eine Trage, die an der Wand stand.
»Ich bin ausgebucht«, kam eine krächzende Stimme von der gegenüberliegenden Seite. »Nehmt sie wieder mit und verschwindet!«
Femke sah hinüber und beobachtete, wie eine alte Frau hinter einem breiten Tisch die Hand hob und zum Ausgang wies.
Judge kam herein und blieb neben Femke stehen. »Sie bleibt, und du kümmerst dich, verstanden? Du hast sicher noch irgendwo einen Platz frei. Denk daran, dass du mir noch einen Gefallen schuldest. Schließlich verschaffe ich dir oft genug Patienten.«
»Meinetwegen«, brummte die Greisin nach einer Weile. »Aber nur dir zuliebe, und du zahlst im Voraus. Nicht, dass ich auf den Kosten sitzen bleibe.«
»Sicher, doch dein Misstrauen verletzt mich.«
Die Frau begann zu kichern.
»Peidro«, meinte Judge und wies mit dem Kopf zu der Frau hinüber.
Peidro ging zum Tisch und drückte der Greisin ein paar Eschas in die Hand. Als die alte Frau begann, sich um Memue zu kümmern, verließ Femke fast schon fluchtartig die Absteige.
Draußen atmete sie erleichtert auf, als sie die halbwegs frische Luft in ihre Lungen sog. Kurz nach ihr tauchten die beiden Männer auf.
»So, nun möchte ich wissen, wer das da drin überhaupt ist«, sagte Judge.
»Die Kleine hat uns mal einen großen Gefallen getan, und wir sind ihr was schuldig«, erwiderte Peidro. »Außerdem brauchen wir sie noch. Doch erst einmal soll sie wieder gesund werden, dann erzähle ich dir den Rest.«
Warum Peidro den jungen Mann anlog, wusste Femke nicht. Seine Reaktion erstaunte sie, doch sie schwieg. Peidro lud sie und Judge auf einen Drink ein.
Judge war ein ziemlich verwegener Bursche, und das sah man ihm auch an. Seine blonden Haare waren lang und zottelig. Femke erinnerte sich daran, dass er stets kleine Schusswaffen und mehrere Messer versteckt unter seiner Kleidung trug. Zwei Projektil-Waffen steckten in den Halftern an seinen Oberschenkeln.
»Vergesst nur nicht, dass ich euch heute geholfen habe. Irgendwann werde ich euch um einen Gefallen bitten. Dann sollte eure Dankbarkeit groß sein«, meinte Judge, während sie eine der zahlreichen Bars aufsuchten.
Mitten in der Nacht trennten sie sich.
Einige Wochen waren vergangen, seit sie Memue aus einer der unteren Ebenen in der Zone SW III-VI von Zexla geholt und zu der alten Frau geschafft hatten. Da es ihr so schlecht gegangen war, hatte Peidro sich nur über Com regelmäßig nach ihr erkundigt und immer nur gehört, dass sich ihr Zustand noch nicht gebessert hatte. Er dachte fast täglich an das Mädchen, schon allein deshalb, weil Cole mit ihr gekommen war und eines Tages Rechenschaft fordern würde.
Dass er ihn verraten und in den Hinterhalt seiner Feinde geschickt hatte, versuchte er zu verdrängen. Es gelang ihm nicht. Sein schlechtes Gewissen meldete sich jeden einzelnen Tag. Peidro redete sich ein, dass Cole sicher die Falle erkannt hatte und fliehen konnte. Er musste einfach überlebt haben. Er musste!
Eines Tages, Femke trieb sich einmal mehr herum, stand Peidro wie so oft am Fenster und starrte auf die Straße. Bis vor wenigen Augenblicken hatte er noch an seiner Waffe herumgeschraubt. Nun fehlte ihm die Lust, etwas Neues zu beginnen. Er wischte sich seine Hände mit einem Tuch sauber. Immer wieder schrubbte er in Gedanken versunken daran herum.
Ich werde jetzt einfach hingehen. Es wird Zeit, dass ich mich um sie kümmere, schließlich habe ich es Cole versprochen. Auch wenn die Alte von mir wahrscheinlich noch mehr Eschas fordern wird. Na, mal sehen, wie es läuft. Judge kann ich immer noch holen.
Peidro machte sich auf den Weg. Als er endlich vor der Absteige, in der sie Memue gelassen hatten, ankam, zögerte er kurz. Dann betrat er den Raum. Sein Blick suchte die Alte, die summend an dem Tisch hockte und dabei den Oberkörper im Takt wiegte.
»Wo ist sie?«, rief er, noch in der Tür stehend.
»Wen meinst du?«, fragte sie nach, obwohl sie sicherlich genau wusste, auf wen er anspielte.
»Sag es endlich!«
»Ich habe sie verkauft.«
»Was?« Er spürte, wie er die Fassung verlor, und trat näher. Angesichts ihres verdreckten Äußeren verkniff er es sich, sie zu schütteln. »Du hast was?«
»Sicher habe ich sie verkauft«, erwiderte die alte Frau. »An der war doch eh nichts mehr dran. Und der Preis, den du mir gezahlt hast, war viel zu gering. So habe ich wenigstens einen Teil meiner Unkosten zurückgekriegt.«
»Unkosten?« Peidro glaubte sich verhört zu haben und spie ihr das Wort förmlich entgegen.
»Sicher. Ich hatte jede Menge, ob du es mir glaubst oder nicht!« Sie hob die Schultern.
»An wen hast du sie verkauft?«, fragte Peidro.
»Wie viel ist dir die Auskunft wert?« Mit gierigen Augen starrte sie ihn an.
Peidros Hand glitt in seine Tasche. Er zog ein paar Eschas hervor und zeigte sie ihr. »Erst den Namen!«
Meckernd lachte sie auf. »Du lernst schnell! Ha, ha, ha …«
Dann jedoch gab sie ihr Wissen preis, und Peidro blieb nur die Hoffnung, dass sie auch die Wahrheit sprach.
»Solltest du mich angelogen haben, werde ich dich erledigen!« Er schmiss die Bezahlung auf den Tisch und machte, dass er wegkam. Nur raus hier, raus aus diesem Elend und fort von diesem unmöglichen Weib.
Eine Koalition mit dem Feind
Danckin, gerade erst mit seiner Pretecaner-Einheit auf Burean gelandet, hetzte mit weit ausholenden Schritten zur Zentrale und ließ sich bei Vandrak anmelden. Wenig später wies der Commander ihn an, Platz zu nehmen, doch Danckin blieb stehen.
»Also los, was gibt es so Dringendes?«, fragte Vandrak.
Der Nahkampfausbilder holte tief Luft, bevor er dem Commander Bericht erstattete. Je länger er sprach, desto mehr erblasste Vandrak.
»Fonder wurde eindeutig identifiziert, als er Levent erschossen hat«, sagte Danckin, dann schwieg er. Nun lag es am Commander. Der zeigte jedoch keinerlei Gefühlsregung. So fuhr Danckin nach einer kurzen Pause fort: »Fonder wird dafür büßen, dass er einen unserer Männer umgebracht hat. Ich gebe gleich Mont die Order, nach dem Verbleib von diesem Mistkerl zu forschen. Es wird schnell gehen, da bin ich sicher.«
»Nein!«, sagte Vandrak mit Nachdruck. »Noch nicht, Danckin, jetzt noch nicht. Er besitzt Informationen, die ich dringend benötige – leider. Bis es so weit ist und wir ihn angehen, werden wir unsere Leute neu organisieren. Dann, erst dann, schlagen wir zu!«
Danckin überlegte. Eine Falle für Fonder? Kein Problem! Da gab es reichlich Möglichkeiten … Er wechselte das Thema. »Wir brauchen dringend Ersatz für Levent.« Und da der Commander sich nicht gleich äußerte, fügte er hinzu: »Die beste Leistung bringt Jad …« Er zögerte und fuhr dann widerstrebend fort: »Und neben ihm noch Aaro und Miles.«
Vandrak dachte kurz nach, dann teilte er seinen Entschluss mit. »Sie kommen alle drei nicht infrage.«
Das erstaunte Danckin, doch Vandrak begründete seine Entscheidung, noch ehe er nachfragen konnte.
»Aaro wäre schon geeignet, doch er war zu lange weg und muss sich erst wieder bewähren. Wir können ihn nicht zum Captain machen, denn wir müssen davon ausgehen, dass er die Pretecaner jederzeit wieder verlässt.«
Danckin teilte die Bedenken des Commanders und nickte ihm stumm zu.
»Tja, Danckin, und von Miles brauchen wir erst gar nicht zu reden. Du weißt doch auch, dass er sich nicht durchsetzen kann. Er ist nicht in der Lage, Befehle zu erteilen. Und dann ist da noch etwas: Er sieht in Fonder trotz allem noch immer einen Freund, und ich werde nicht das Risiko eingehen, dass er als Befehlshaber auf einem Einsatz mit ihm zusammentrifft.«
»Stimmt«, murmelte Danckin. »Und was ist mit Jad?«
Der Commander hob seine Hand. »Jad hat sich schon vor Jahren sein Kommando von Fonder wegnehmen lassen. Ich bin nicht blind, auch wenn die zwei davon ausgegangen sind, dass ich nichts mitbekomme.«
»Inzwischen sieht das aber anders aus.«
»Mag sein, und ich bin auch bereit, ihm weiterhin kleinere Gruppen anzuvertrauen. Damit kommt er klar, doch einen großen Einsatz kann er nicht koordinieren. So weit ist er noch nicht.«
»Dieser Zobego ist auch gut«, sprach Danckin weiter. »Ihn könnten wir einsetzen.«
»In Ordnung«, meinte Vandrak, nachdem er kurz überlegt hatte, »doch zunächst wird ihm nur eine kleine Gruppe unterstellt. Mal sehen, ob er das hinbekommt. Da er, seit er zurückgekommen ist, noch keinen Einsatz mitgemacht hat, kommt er schon deshalb nicht in die Auswahl für eine so wichtige Beförderung.«
»Und wer dann?«
»Caden wird einspringen. Ich wollte ihn sowieso in Kürze zum Captain ernennen. Er weiß genau, was er will. Du kannst ihm gleich Bescheid sagen, und gib ihm Levents Abzeichen.«
Nachdem Danckin salutiert hatte, verabschiedete er sich.
Tage vergingen, dann, eines Morgens, rief Vandrak die Pretecaner zum Appell. Sie standen zusammen und warteten auf den Commander, der kurze Zeit später auf einer Tribüne erschien. Er räusperte sich, dann gab er öffentlich bekannt, dass eine Einheit der Pretecaner wegen einer Bombendrohung der Schwarzen Kämpfer auf dem Grottenplaneten gewesen war und dass dabei der Captain Levent von Cole Fonder hinterrücks ermordet wurde. Die Gesichter wurden hart. Jeden schien zu beschäftigen, dass der Mord an einem ihrer Captains von einem ehemaligen Pretecaner verübt worden war. Viele gaben lautstark ihrer Empörung Ausdruck.
Aaro sah sich unauffällig um. Er stand neben Miles und merkte, dass um sie herum ein freier Platz entstand. Die Männer rückten von ihnen weg. Aaro registrierte feindliche Blicke, und ein mulmiges Gefühl stieg in ihm auf.
An den kommenden Tagen wurde es schlimmer. Die hasserfüllten Kommentare, dass er und Miles zu einem Mörder hielten, waren erst der Anfang. Jedes Training glich einem Kampf auf Leben und Tod. So rechnete er bald damit, dass ihn oder Miles ein »unbeabsichtigter« Schuss treffen könnte.
Beide zogen es vor, zusammenzubleiben und die Hände nicht mehr von ihren Waffen zu nehmen. Noch galt das Gesetz der Kampftruppe, doch dies konnte sich ändern. Geboren aus dieser gereizten Stimmung gab es mehr beleidigende Flüche als je zuvor. Aaro fiel es von Tag zu Tag schwerer, die Gemeinheiten zu schlucken.
Doch er konnte und wollte nicht gegen so viele Pretecaner kämpfen, und so hoffte er, dass sich die Lage schnell entspannen würde. Trotzdem blieb er ein Freund von Cole, auch wenn er in der nächsten Zeit nichts mehr zu dessen Gunsten sagte.
Dann meldete sich Mont beim Commander. Vandrak sah ihm neugierig entgegen, als der Mann sein Arbeitszimmer zu so ungewöhnlicher Zeit betrat. Die Besprechungen fanden üblicherweise am frühen Morgen statt, und jetzt stand die Sonne bereits hoch am Himmel.
»Sir, Cole Fonder hat um Landeerlaubnis gebeten«, sagte Mont. »Ich wollte erst mit Euch darüber sprechen und habe ihn auf Warteposition geschickt.«
»Informiere Danckin«, erwiderte Vandrak, nachdem er kurz zusammengezuckt war. »Ich will, dass sofort alle, die noch hier sind, alarmiert werden. Achte darauf, dass alles still und unauffällig geschieht. Fonder darf auf keinen Fall etwas merken. Erst wenn das erledigt ist, erhält er eine Erlaubnis zum Betreten von Burean, und nicht einen Moment vorher. Du wirst ihn runterholen lassen und sofort zu mir bringen. Und, Mont, ich erwarte, dass du nicht mit ihm redest, verstanden?«
Mont nickte und drehte sich um. Bevor er die Tür erreichte, hielt Vandrak ihn zurück.
»Eines noch: Sobald er hier ist, wirst du dafür sorgen, dass die Posten verdreifacht werden. Sie sollen sich bereithalten.«
Damit entließ ihn der Commander, und Mont, nun blass wie die Wand neben ihm, schob sich durch die Tür.
Inzwischen starrte Vandrak nach draußen und überlegte, was diesen Schuft Fonder hierhertrieb.
Als das Shuttle des Lotsen zur Landung ansetzte, fühlte Cole Wut in sich aufsteigen. Sich umsehend, erinnerte er sich an die vergangenen Zeiten. Alles, absolut alles, war ihm hier vertraut, war ihm einst eine Heimat gewesen. Doch das war vorbei! Endgültig! Er bewegte sich auf feindlichem Boden. Die Pretecaner waren die Feinde der Krieger und damit nun auch die seinen. Sie hatten die Krieger grundlos angegriffen, nicht umgekehrt!
Und seine Freunde hier, wie Aaro, Miles, Mont … Schluss damit! Er verbot sich jede weitere Unachtsamkeit. Für sein Aufeinandertreffen mit Vandrak brauchte er alle Kraft, die er aufzutreiben vermochte. Wie das hier ausging: Fast hätte Cole an dieser Stelle bitter aufgelacht. Null Plan, hohes Risiko und nur ein Minimum an Erfolgsaussichten.
Am Hangar traf er auf Mont, der ihm bedeutete, ihn zu begleiten. Cole, selbst in Gedanken versunken, kam es ganz gelegen, dass sein Freund schweigsam blieb.
»He, Fonder, das darf doch wohl nicht wahr sein, dass du es wagst, dich hier noch einmal sehen zu lassen!« Vandrak befand sich ohne Zweifel auf dem Höhepunkt einer seiner Wutattacken, als Cole kurz darauf vor ihm stand. »Eigentlich müsste ich dich auf der Stelle erschießen oder ausliefern. Schätze, das sollte ich auch tun. Das war das Mieseste, was du dir je geleistet hast.«
»Nun mal langsam!« Obwohl leicht irritiert, unterbrach Cole den Commander der Pretecaner. »Wovon redest du eigentlich? Was soll ich getan haben?«
»Tu doch nicht so. Die Männer haben dich eindeutig erkannt. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass du so tief sinken kannst und deine ehemaligen Kameraden von hinten feige abschlachtest.«
Cole hakte seine Daumen hinter den Gürtel. Mit einem harten Empfang hatte er gerechnet, aber das hier war eine ungerechtfertigte Anklage. Das konnte er so nicht stehen lassen. »Du musst verrückt geworden sein. Noch nie in meinem Leben habe ich irgendjemanden von hinten erschossen, das solltest du doch eigentlich wissen.«
»Hör mit deinen Lügen auf!«, fuhr Vandrak ihn an. »Es reicht! Und wo ist Shanina de Fabre? Sag wenigstens jetzt die Wahrheit.«
Vandrak schob die Hand zu seiner Waffe. Cole beobachtete diese Bewegung genau. Lass es sein, Vandrak. Ich gehöre nicht zur Kategorie »Unbewegliche Zielscheibe«. Wenn du ziehst, wehre ich mich. Und ich bin verflixt schnell.
Da Vandrak die Waffe stecken ließ, konzentrierte sich Cole auf Vandraks Frage. Er würde sich später genauer mit diesen gravierenden Vorwürfen auseinandersetzen.
»Also gut«, sagte Cole. »Eines hattest du versäumt, mir zu sagen, nämlich, dass von ihren Eltern der Befehl kam, mich auszuschalten.«
»Woher weißt du das?«
»Unwichtig, ich habe ein paar Beziehungen, schon vergessen?«
»Gut, sei’s drum. Trotzdem wirst du mir sagen, wo Shanina ist, und ich hoffe für dich, dass es ihr gut geht«, sagte Vandrak.
Cole zuckte gespielt gelangweilt mit den Schultern, obwohl sich alles in ihm verkrampfte. Der Kampf begann. Kurz erschien ihm das Bild seines Vaters und der anderen Krieger vor Augen. Krank, dem Tode nahe und zu geschwächt, um noch lange überleben zu können. Er musste ein Bündnis mit den Pretecanern eingehen. Er brauchte deren Mediraumer, um das Leben seines Vaters und seiner Kameraden zu retten. So straffte er sich.
»Okay, Vandrak. Aber ich brauche ein paar Männer und etwas medizinische Hilfe aus euren Versuchslabors.«
Cole hatte nicht vor, mit offenen Karten zu spielen, und er würde den Teufel tun und die Pretecaner informieren, wem sie helfen sollten.
»Ich weiß genau, dass du die beiden Geschwister finden musst, und schätze, dass dies zurzeit oberste Priorität für die Pretecaner hat. Wir machen es folgendermaßen: Ich hole dir Shanina, und du kümmerst dich um meine Wünsche«, fuhr Cole fort. »Als Bonus bekommst du Dale de Fabre. Nur so werden wir ins Geschäft kommen. Versuche gar nicht erst zu handeln, denn das ist mein letztes Wort. Ich bringe Shanina zu ihrem Bruder, und wenn ich sehe, dass du mich diesmal nicht hängen lässt, werde ich dir den Aufenthaltsort von beiden de Fabres bekannt geben.«
Endlich brach Vandrak sein Schweigen. »Also gut, heute hast du alle Trümpfe in der Hand, und ich werde dir ein paar Männer geben. Aber nur unter einer Bedingung: Ich will wissen, wozu du die Männer brauchst, was du vorhast und wie lange es dauert.«
Cole überlegte nur kurz. »Ich schulde einigen Freunden einen Gefallen. Sie werden von Retsuds Handlangern gefangen gehalten.« Er brach ab, das musste reichen. Vandrak würde ihn vernichten, wenn er auch nur ahnen sollte, dass Cole die Hilfe der Pretecaner forderte, um deren Feinde zu retten.
»Dass du überhaupt noch Freunde hast, wundert mich«, meinte Vandrak verächtlich. »Wenn du so weitermachst, werden auch sie bald nicht mehr dazugehören, und ich kann ihnen nur wünschen, dass sie endlich dein wahres Gesicht kennenlernen. Aber sei es drum! Bring mir Shanina und Dale. Dafür bekommst du die Männer für fünfzig Standardtage. Das muss reichen. Und noch etwas: Wenn diese Geschichte vorbei ist, werden wir dich jagen und töten. Ich denke, ich habe mich klar genug ausgedrückt.«
»Also gut, schätze, ich muss damit zufrieden sein. Ich treffe deine Leute in ein paar Tagen im Grottensystem, Provinz sieben auf dem Grottenplaneten.«
Bevor Vandrak sich umentscheiden konnte, verließ Cole zügig den Raum. Die Posten starrten ihn an, doch da sie keinen anderen Befehl erhielten, ließen sie ihn durch.
Draußen auf dem Flur trat Aaro auf ihn zu.
»Dich könnte ich gleich gut gebrauchen.« Freudig überrascht, zur Abwechslung in ein freundliches Gesicht zu blicken, stieß ihm Cole leicht gegen die Schulter. »Vandrak gibt mir sowieso ein paar Männer, und da kannst du eigentlich auch jetzt schon mitkommen.«
Aaro zögerte nicht einen Moment. »Ich bin bereit!«
Gemeinsam liefen sie zum Hangar. Die Shuttles der Lotsen standen erwartungsgemäß parat. Der Pilot, der Cole bereits heruntergebracht hatte, ließ sie an Bord und holte sich die Startfreigabe. Wenig später hoben sie ab.
Als sie Coles Flieger betraten, setzte Aaro eine Nachricht an den Commander ab, in der er ihn informierte, dass er Cole begleitete. Diese Nachricht würde Vandrak erst erreichen, nachdem sie die Umlaufbahn Bureans verlassen hatten.
Die Beichte
Cole setzte zur Landung auf Zexla an. Ganz wohl war ihm nicht dabei, obwohl er seinen Flieger am Rand der SW-Zone und etwas abseits der stark frequentierten Parkplätze nahe den Terminals abstellen würde. Ihn beschlich ein beklemmendes Gefühl. Wenn die Söldner sich hier aufhielten, würde er schnell in einen Kampf verwickelt werden. Er musste versuchen, unerkannt zu bleiben.
Sobald sie den Boden erreichten, holte er tief Luft und schaltete den Bordcomputer auf Stand-by. »Bleib im Cockpit, und wenn es hart auf hart kommt, starte sofort«, befahl er Aaro.
Cole senkte den Kopf und aktivierte seine Splitts, bevor er den Flieger verließ. Draußen spähte er vorsichtig umher. So friedlich hatte er den Hangar gar nicht in Erinnerung. Das Bodenpersonal nahm keine Notiz von ihm, was auch neu für ihn war.
Aber halt! Diese Gestalt, die quer über das Rollfeld auf ihn zurannte, die kannte er doch! Femke! Aufatmend steckte Cole seine Waffe weg.
»Ich wollte es gar nicht glauben, als Peidro mir sagte, dass du dich bei ihm gemeldet hast und hierherkommst. Seitdem habe ich die Landeanzeige genau beobachtet, und voilà, da bin ich«, sprudelte es aus ihr hervor. Völlig außer Atem warf sich Femke in seine Arme und presste ihre Lippen auf seine. Cole erwiderte ihren Kuss und drückte sie fest an sich.
»Ich habe dann doch schon mal den Bordcomputer heruntergefahren«, machte sich Aaro bemerkbar und trat zu ihnen. »Es scheint hier ungefährlich zu sein. Übrigens, hi, Femke, schön, dich wiederzusehen.«
Cole ließ sie los, und während Aaro noch die automatische Verriegelung am Flieger aktivierte, marschierte er mit Femke an seiner Seite los. Unterwegs erzählte sie, was sich alles verändert hatte. Aaro hatte sie inzwischen eingeholt, blieb jedoch stumm. Auch Cole hörte ihr schweigend zu, ließ ihre Worte geduldig über sich ergehen.
»Mein Vater ist tot, die Söldner handeln jetzt unter der Führung seines damaligen Stellvertreters, aber der Kerl bringt es nicht«, rasselte sie herunter. »Ich habe mich bei dem Typen schon ins Gespräch gebracht und meine Mitarbeit angeboten. Gegen eine ordentliche Beteiligung, versteht sich. Peidro hat sich ausgeklinkt. Er fühlt sich zu alt für den Söldnerjob und kassiert nur noch für Planungen und solche Sachen. Doch dich würden sie sicherlich gerne aufnehmen. Nun sag doch etwas!« Sie unterbrach sich selbst und boxte Cole in die Rippen.
Er hatte erleichtert zur Kenntnis genommen, dass der Söldnerführer keine Gefahr mehr darstellte. »Willst du hier für immer als Söldnerin leben? Stellst du dir wirklich so deine Zukunft vor?« Cole wollte nicht glauben, dass sie diese Option ernsthaft in Erwägung zog. Sie war eine exzellente Pilotin und eine treffsichere Schützin. Als Personenschützerin oder auch als Informantin würde sie es weit bringen. Ihr standen mehrere legale Wege offen.
»Warum nicht?«, erwiderte Femke fast schon trotzig. »Was soll daran falsch sein, oder glaubst du, dass sie mich irgendwo als Pilotin einstellen? Ich will nicht in irgendeiner Bar als Bedienung versauern.« Bevor er darauf eingehen konnte, sprach sie hastig weiter. »Allerdings, wenn dir meine Zukunft wirklich so wichtig ist und du nicht zu den Söldnern zurückwillst, dann machen wir es anders. Du und ich bilden ein spezielles Team, auch privat. Schließlich kennen wir uns seit Ewigkeiten und verstehen uns blind. Ich kann dir den Rücken freihalten oder auch Informationen beschaffen. Da bin ich unschlagbar, und das weißt du auch. Die Idee ist wirklich perfekt. Tja, sie stammt ja auch von mir.«
»Du solltest dir das noch einmal genau überlegen, Femke«, sagte Cole. »Vergiss nicht, ich werde gesucht, bin ständig auf der Flucht und werde den Teufel tun, dich mit in diesen Abgrund zu reißen.«
»Das ist mir egal.«
»Wir werden sehen«, sagte Cole abschließend.
Femke gab nach. »Los, kommt, wir sollten endlich machen, dass wir von hier verschwinden.« Damit beschleunigte sie ihre Schritte und zog Cole mit sich. »Schließlich habe ich noch was anderes vor.«
Den Rest des Weges schwiegen sie.
Es dauerte nicht lange, und sie erreichten Peidros Behausung. Während Cole und sein Ziehvater sich begrüßten, verabschiedete sich Femke hastig und verschwand. Cole ließ sie gehen, während Peidro ihr irritiert nachsah.
»Was ist los?«, fragte Peidro und stieß Cole dabei leicht gegen die Schulter. »Warum verschwindet sie jetzt? Sie hat so lange auf dich gewartet.«
Cole verdrehte seine Augen. »He, ich mag sie, ja wirklich. Aber mit ihr zusammenbleiben, nein, das ist nicht mein Ding.«
Noch während er die Worte aussprach, fiel ihm ein, dass er genau genommen schon seit einiger Zeit mit einer jungen Frau verheiratet war. Zwar hatte Memue ihm an den Kopf geknallt, dass diese Hochzeit nach Hexengesetzen nicht galt, aber offiziell sah das anders aus.
»Was hast du gerade gesagt? Du willst doch wohl nicht behaupten, dass Femke dir solch einen Vorschlag gemacht hat?«, fragte Peidro überrascht. Er klang belustigt, doch dann wurde er ernst. »Obwohl, eigentlich hätte ich es wissen müssen. Schließlich hat sie fast die ganze Zeit nur von dir geredet.« Plötzlich wurde Peidro blass. Er schien in sich zusammenzusinken.
»Was hast du?«, fragte Cole besorgt, doch Peidro schüttelte seinen Kopf. »Sag es mir!«, forderte Cole. »Ich sehe, dass dir etwas schwer zu schaffen macht. Also, was ist los?«
Peidro schluckte. Er ballte die Hände zu Fäusten, sodass die Knöchel weiß wurden. Dann sah er Cole mit verschleiertem Blick an. »Ich bin schuld! Aber ich wollte es nicht, das musst du mir glauben!«
»Ich verstehe kein Wort. Ich bin ja bereit, dir zu glauben, doch was?« Cole beugte sich nach vorn. Er sah, wie Peidro nach Worten suchte, und ließ ihm Zeit. Als er merkte, dass Aaro sich einmischen wollte, gab er ihm mit seiner Hand ein Zeichen und schüttelte den Kopf. Aaro schloss den Mund wieder.
»Perech war eine Falle«, flüsterte Peidro.
»Das weiß ich«, sagte Cole. »Sprich weiter!«
»Ein Magier hat hier eine Menge Kinder entführt. Er hat von mir verlangt, dass ich dich nach Perech schicke. Im Gegenzug wollte er das Leben der Kinder verschonen. Mir blieb keine Wahl. Was sollte ich tun? Ich habe gehofft, dass du der Falle entkommst, auch wenn es ein Magier war. Denn du bist schnell und du kannst kämpfen. Die Kinder konnten das nicht.« Peidro wischte sich mit dem Handrücken über die Augen.
»Dann kam dein Tipp mit Perech von einem Magier?«, fragte Cole, und Peidro nickte. »Die Geschichte von dem Weltraumpiloten, die du mir damals aufgetischt hast, war also gelogen?«, bohrte Cole weiter. Peidro nickte erneut. »Welcher Magier hat dir von Perech erzählt und gefordert, dass du mir den Chip mit den Informationen gibst und mich in den Hinterhalt schickst?«
Peidro sah ihm in die Augen. »Retsud«, hauchte er so leise, dass Cole ihn nur mühsam verstand.
»Schon gut, Peidro. Gegen Retsud hattest du keine Chance. Vermutlich nicht einmal gegen einen seiner Magier. Doch das spielt keine Rolle mehr. Übrigens, Perech hat sogar gestimmt. Mein Vater lebt dort in Gefangenschaft. Er wurde erst mit einer ansteckenden Krankheit verseucht und dann vergiftet. Bis jetzt wussten die Krieger nur, dass Magier dahinterstecken, doch dass Retsud persönlich dafür gesorgt hat, ist mir neu. Vor allem ist mir jetzt auch klar, warum sie mich direkt in der Gegend heruntergeholt haben, wo sich auch mein Vater befand. Ich hatte mir eingeredet, dass es Zufall war oder dass sie alle Besucher dort aufnehmen. Aber sie wussten genau, dass ich komme, und haben mich auf Perech erwartet.«
»Wie konntest du der Falle entkommen?«, fragte Peidro, doch Cole hob nur leicht seine Hand.
»Ich hatte Glück, mehr nicht«, sagte er.
Peidro räusperte sich. »Ich habe damals alles versucht, um eine Spur von deinem Vater zu finden. Vergeblich! Es hatte sich herumgesprochen, dass ich auf der Suche war, und dann kam eines Tages dieser Magier hier herein. Erst hat er mir eine Menge Eschas geboten, doch ich habe abgelehnt. Niemals hätte ich dich verkauft. Dann setzte er mich mit den Kindern unter Druck, und ich wurde schwach.« Peidro senkte den Kopf. Dann sah er auf. »Du sagtest, dein Vater ist wirklich auf Perech, aber als Gefangener?«
Cole nickte.
»Du willst ihn retten?«, fragte Peidro nach.
»Ja, Peidro, das werde ich.«
»Dann bin ich dabei. Du kannst auf mich zählen«, sagte sein Ziehvater mit fester Stimme.
»Nein, Peidro. Ich nehme dich nicht mit. Du bist zu alt für so eine gefährliche Mission.«
Peidro stand auf. »He, nichts für ungut, aber für mich wird es Zeit. Wir sehen uns morgen früh. Und, Cole, überleg es dir noch mal! Mein Angebot steht.«
Damit verließ er den Raum. Cole und Aaro folgten ihm bald.
Am nächsten Morgen erwachte Cole schon sehr früh. Die Dämmerung setzte gerade ein, und er trat ans Fenster. Ein Blick auf die Straße – noch schlief alles. Bei dieser Ruhe konnte Cole hören, wie Peidro im Nachbarzimmer herumkramte. Er dachte zurück, ließ sich in alte Erinnerungen fallen.
Wenig später kam Peidro herein. »Na, Cole, wie in alten Zeiten, was? Du hast dich also nicht geändert. Noch immer liebst du die stille Morgendämmerung. Aber nun sag mir endlich, was dich hierhergeführt hat. Du bist doch nicht ohne Grund gekommen. Also, was willst du?«
Cole sah ihn an, und ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht. »He, vielleicht wollte ich dich ja einfach nur mal kurz besuchen.«
Peidro lachte auf. »Das glaubst du doch wohl selbst nicht. Schließlich kenne ich dich schon seit Ewigkeiten. Nun los, spuck es aus! Warum bist du hier?«
Coles Belustigung verschwand. »Ich suche Memue.« Er erwähnte nicht, dass Memue und die Tochter des Schlichters Shanina de Fabre ein und dieselbe Person waren.
»Tja, weißt du …« Peidro stockte. »Ich muss dir ein Geständnis machen. Es fällt mir schwer, obwohl …« Peidro machte eine kurze Pause, dann sprach er weiter. »Na ja, sie lebt noch. Aber ich glaube, du wirst sie nicht mehr wiedererkennen.«
»Was ist passiert?«
Peidro fuhr fort: »Femke und ich haben sie aus dem unteren Sektor geholt. Ihr ging es ziemlich schlecht, und wir haben sie zu einer – wie soll ich es bloß ausdrücken? –, na ja, privaten Medibetreuung gebracht. Versteh mich nicht falsch, Cole, aber eine große Medistation konnte ich nicht bezahlen. Ich hatte also kaum eine andere Wahl.«
»Stopp, Peidro. Ich verstehe das schon. Hör also auf, drum herumzuquatschen, und sag mir endlich, was geschehen ist.«
»Na gut. Du gibst ja doch keine Ruhe, so wie ich dich kenne.«
»Peidro!« Cole schlug mit der Handfläche gegen das Fenster.
Sein Ziehvater räusperte sich. »Um es kurz und schmerzlos zu machen: Man hat sie als Sklavin verkauft!«
Die Worte dröhnten durch den Raum.
Cole erblasste und glaubte, nicht richtig verstanden zu haben. Man hat bitte was? Die Tochter des Vorsitzenden der Schlichter Shanina de Fabre als Leibeigene? In ihm stieg es heiß auf.
»Das kann nicht sein!«, sagte er. »Sie ist in der Lage, Gedanken zu manipulieren. Erzähl mir nicht, dass sich Memue mit dieser Fähigkeit freiwillig verkaufen lässt.«
»Davon weiß ich nichts«, stammelte Peidro.
»Zeig mir, wo diese private Medistation ist.« Cole rückte seinen Waffengurt zurecht und ging zur Tür.
Beide gingen die Straßen entlang, bis sie die Schlucht erreichten und über eine der Brücken zum Lift gelangten. Damit fuhren sie abwärts, stiegen aus und kamen bald darauf zu der Absteige. Cole trat gegen die Tür, sodass sie aufsprang. Mit gezogener Waffe ging er auf die Alte zu.
Die Greisin starrte ihn mit weit geöffneten Augen an. »Was soll das?«, zeterte sie.
»Beantworte mir ein paar Fragen, wenn du meinen Besuch überleben willst.« Cole trat einen Schritt nach rechts, sodass Peidro neben ihm stehen konnte.
»Ich weiß doch nichts«, jammerte die Frau.
»Oh doch, du weißt genau, worum es geht. Sag nicht, dass du mich nicht wiedererkennst!« Drohend richtete Peidro seine Waffe auf die Greisin.
»Vielleicht könnte ich mich erinnern, wenn …« Sie rieb ihren Zeigefinger gegen ihren Daumen.
Cole lachte. »Wie viele Treffer brauchst du, um zu antworten? Du darfst dir sogar aussuchen, in welcher Reihenfolge ich deinen Körper durchsiebe. Allerdings …« Cole machte eine Pause, bevor er weitersprach. »Herz und Kopf sind erst mal tabu.« Die Mündung der Waffe richtete sich auf ihre Schulter.
»Du wirst doch nicht auf eine alte, schwache Frau schießen.«
»Für mich bist du eine Straftäterin, die einem unschuldigen Mädchen unberechtigt die Freiheit genommen hat.« Coles Zeigefinger beugte sich leicht.
»Nicht schießen, ich rede!«
»Dann los!« Cole hielt seine Splitts weiterhin auf die Greisin gerichtet. Nicht für einen Moment ließ er sie aus den Augen.
»Wie konntest du das junge Mädchen, das ich in deine Obhut gegeben habe, verkaufen?«, mischte sich Peidro ein und beschrieb Memue.
»Das habe ich dir doch schon mal erklärt.« Die Alte sah kurz zu Peidro, dann blickte sie wieder verängstigt in die Mündung der Waffe.
»Du kannst sie aber nicht einfach so verkaufen«, sagte Cole. »Sie hat gewisse Fähigkeiten, mit denen sie dich davon hätte abhalten müssen.«
»Diese Fähigkeiten habe ich ihr genommen.«
»Wie?«
Mit zitternden Beinen stand die alte Frau auf und humpelte zum Schrank in der Ecke. Sie zog eine Schublade auf und nahm eine Ampulle heraus, die sie nach oben hielt. »Ein Serum, das als Gedächtnislöscher bekannt ist. Ich gebe es all meinen Patienten, bevor ich sie verkaufe. Kelmar, der Sklavenhändler, nimmt sie mir so ab.«
»Sie weiß nicht mehr, wer sie ist?« Cole wollte nicht wahrhaben, was er erfahren hatte.
Die Frau nickte.
»Kann man das rückgängig machen?«
»Vielleicht …«
»Ja oder nein?«, herrschte Cole sie an. »Verflucht, rede!«
»Ja, kann man.« Sichtlich erschrocken sank die Alte in sich zusammen. Dann drehte sie sich um und kramte erneut in der Schublade. Sie fand etwas, das sie Cole zeigte. »Wenn sie diese Kapsel zerbeißt, wird das Serum neutralisiert, und sie kann sich wieder an alles erinnern.«
»Lügst du mich an?« Drohend trat Cole näher.
»Nein, ich schwöre. Kelmar hat sie für sich selbst gekauft. Er wird sie nicht versteigern, denn sie soll bei den Gedärmbeißern arbeiten. Alles, was ich gesagt habe, stimmt.«
»Falls nicht, komme ich wieder. Ich finde dich, egal wo du dich versteckst.« Damit nahm Cole die Kapsel aus der Hand der Frau.
»Und meine Bezahlung?«, wagte sie einen letzten Versuch.
»Dein Leben. Das genügt als Bezahlung, oder bist du nicht so viel wert?«
Die Alte brabbelte daraufhin Schimpfwörter vor sich hin, doch Cole hörte nicht länger zu, sondern verließ die dreckige Behausung. Peidro folgte ihm.
»Du hast es gehört«, sagte Peidro kopfschüttelnd. »Kelmar, der Sklavenhändler, hat sie für sich gekauft.«
»Als Leibeigene, die seine Kampfwesen versorgt?«
»Ja«, murmelte Peidro. »Besonders die Gedärmbeißer töten trotz Verbot immer wieder die Leibeigenen. Wenn Memue da gelandet ist, lebt sie gefährlich.«
»Wie oft finden die Kämpfe statt?« Cole ging nicht näher auf seine Worte ein. Er wollte Memue da rausholen, und das nicht nur, weil er sie als Pfand für Vandrak brauchte.
»Eigentlich jeden Tag, so wie früher. Kelmar kauft immer noch ständig gefährliche Spezies ein, lässt sie gegeneinander kämpfen, und falls der Verlierer überlebt, wird er weiterverkauft. Will ihn keiner haben, verfüttert Kelmar ihn.«
»Es hat sich also nichts geändert«, murmelte Cole vor sich hin. Er erinnerte sich, dass er sich als Kind immer wieder zu Kelmars Sicherheitskomplex geschlichen hatte, um die spektakulären Kämpfe zu sehen. Mit der Zeit hatte er sich so viel Insiderwissen angeeignet, dass ihn niemand mehr erwischte. Das konnte ihm heute von Nutzen sein. »Komm mit, Peidro. Wir brauchen einen Plan«, sagte er und lief in Richtung Unterkunft.
Die Sklavin
Den ganzen Tag hatten Cole, Aaro und Peidro an einem Befreiungsplan gearbeitet. Cole beschrieb Aaro, was er noch über Kelmars Sklavenareal wusste. Peidro unterbrach ihn nur, wenn inzwischen bauliche Veränderungen vorgenommen worden waren. Sie fertigten eine Skizze an und prägten sich alles genau ein. Die Sklavenunterkünfte befanden sich nach wie vor in den Katakomben, genau wie die Käfige der Kreaturen.
Peidro flog später zu einer wandernden Schauspielgruppe, die nahe dem Freilichttheater am äußersten südöstlichen Stadtrand lagerte, und besorgte auffallende Kleidung, die teuer wirkte, es jedoch nicht war. Cole widerstrebte es, mehr Eschas als nötig auszugeben. Die Kleidung war schließlich nur für den einmaligen Einsatz gedacht. Als Peidro zurückkam und die Sachen an Aaro übergab, kräuselte der die Nase. »Echt jetzt?«, sagte er und hob eine rot-lila gestreifte, mit glitzernden Goldfäden durchzogene Frackjacke hoch. Dazu gehörte eine goldfarbene Pluderhose und eine Art Zylinder in knalligem Rot.
»Das Zeug steht dir bestimmt gut«, sagte Cole grinsend und ignorierte das Funkeln in den Augen seines Freundes.
»Das hier habe ich für dich besorgt«, sagte Peidro und reichte Cole einen Beutel.
Cole riskierte einen Blick hinein, und sein Lachen erstarb.
»Na los, zeig mal«, forderte Aaro ihn auf.
Cole zog ein hellgraues Rüschenhemd, das ihm bis zu den Oberschenkeln reichte, und einen giftgrünen Poncho hervor. Dazu gehörten eine lilafarbene Bundhaube und eine weißhaarige Perücke.
»Damit sieht man mich schon aus der Ferne«, beschwerte Cole sich. »Ich wollte mich hineinschleichen. Das wird mit den Klamotten nicht klappen.«
Nun lachte Aaro. »Das Offensichtliche ist das Unauffälligste, hat man mir mal gesagt. Wir machen uns beide lächerlich.«
Peidro zuckte die Schultern. »Ich gehe normal«, gab er bekannt. »Kelmar kennt mich und weiß, dass ich öfter vorbeischaue. Ich werde ganz normal Eintritt bezahlen und euch vom Zuschauerplatz her den Rücken freihalten. Sobald ihr das Mädchen habt, sorge ich für eine Massenpanik. Gebt mir nur ein deutliches Zeichen.«
»Du wirst uns bestimmt nicht übersehen«, brummte Aaro und zog sich die Frackjacke über. Seine Splitts schob er in ein Schulterhalfter und zupfte den Stoff zurecht, sodass von der Waffe nichts mehr zu erkennen war.
Auch Cole schlüpfte in seine Verkleidung. Dann händigte Cole Aaro den Kontenchip aus, den er von Nick erhalten hatte. Dabei erinnerte Cole sich, wie überrascht er gewesen war, als er erkannt hatte, wie hoch das Vermögen war, über das er verfügen konnte.
Wenig später marschierten sie die Straße entlang. Aaro, der auf Zexla unbekannt war, vorneweg, Cole mit gesenktem Kopf dicht hinter ihm. Aaro gab sich als Sklavenkäufer aus, Cole als dessen Diener. Sie besuchten die teuersten Bars und Clubs, wo Aaro mit Eschas nur so um sich warf. Er lud jeden Gast ein und rundete bei der Bezahlung großzügig auf. Beim Betreten des vierten Lokals wurden sie bereits am Eingang unterwürfig begrüßt und zu einem der besten Tische geleitet. Der Türsteher hatte den Besitzer, einen Klanten, gerufen und ihn vorgestellt. Sich immer wieder verbeugend, lief der Mann vor ihnen her und gab der Bedienung einen Wink.
»Wisch den Tisch ab und halte dich ausschließlich für diesen Herrn bereit«, sagte der Klante. »Jeder Wunsch wird ihm sofort erfüllt, verstanden?«
Cole wusste nun, dass Aaros vorgegebener Reichtum sich herumgesprochen hatte. Nach einem Drink ließen sie einen Flieger kommen und sich zurückbringen.
Als die Dämmerung einsetzte, verließen sie Peidros Wohnung wieder. Draußen wartete bereits ein Privatgleiter, den Peidro für sie gemietet hatte.
Der Pilot flog sie bis zum Haupteingang von Kelmars Eventpalast. Dieser befand sich im Zentrum der Metropole inmitten einer weitläufigen privaten Parkanlage. Davor gab es befestigte Lande- und Parkplätze. Das große mehrstöckige Gebäude wurde von etlichen Scheinwerfern angestrahlt. Ein überdimensionales »K« bildete die Eingangspforte.
Cole verließ als Erster den Gleiter und sah sich um. Dann nickte er Aaro zu und verbeugte sich, als sein Freund an ihm vorbeistolzierte.
Aaro zeigte den Posten am Eingang eine Handvoll Eschas. Die Türsteher drängten die anstehenden Besucher zur Seite, sodass die beiden Freunde ungehindert eintreten konnten, und schoben sich die Bezahlung in ihre Taschen.
»Ich will zu Kelmar«, forderte Aaro. »Geschäftlich!«
»Von Eurer Anwesenheit auf Zexla haben wir bereits gehört. Folgt mir, Sir.« Einer der Posten wies mit ausgestrecktem Arm in Richtung Eingangshalle.
Cole trottete mit gesenktem Haupt hinter ihnen her. Sie durchquerten die Halle und benutzten eine Wendeltreppe, die sie in die obere Etage brachte. Dann liefen sie einen mit kostbaren Teppichen ausgelegten Flur entlang, bis zu einer verschnörkelten Glastür.
Ihr Führer klopfte. »Verzeiht, erhabener Kelmar«, begann der Mann. »Ich bringe Euch einen reichen Mann und seinen Diener. Er will Euch sprechen.«
»Eintreten!«, befahl eine Stimme hinter der Tür.
Cole folgte Aaro in einen mit kostbaren Möbeln eingerichteten Raum. Gemälde verzierten die Wände. Am Fenster saß ein großer, schlanker Mann, der unzählige funkelnde Ketten und Ringe trug. Neben ihm standen zwei weitere Männer, ihre Waffen für jeden sichtbar.
»Ich bin Kelmar. Was kann ich für Euch tun?«, begann der schlanke Mann das Gespräch.
Cole sah unter seiner Perücke hoch, jedoch hob er den Kopf nur so weit, dass der Sklavenhändler sein Gesicht nicht erkennen konnte. Er erinnerte sich an den Mann, Kelmar hatte sich kaum verändert.
»Ich brauche neue Sklaven«, sagte Aaro und setzte sich in einen der bequem aussehenden Sessel neben Kelmar. Cole blieb schräg hinter ihm stehen.
»So, so«, sagte der Sklavenhändler. »Ich besitze die größte Auswahl in der Galaxie. Sagt mir, welche Rasse Ihr bevorzugt, und Ihr bekommt sie, wenn Ihr meinen Preis akzeptiert.«
»Menschliche natürlich!« Aaro gab sich empört. »Erst will ich die Ware sehen. Dann sprechen wir über Eschas.«
»Wie viele?«, wollte Kelmar wissen.
»Zwanzig oder mehr. Das kommt auf den Zustand an. Deshalb will ich die Begutachtung auch vor den angekündigten Kämpfen. Nicht dass mein zukünftiger Besitz beschädigt wird.«
»Bei mir finden Sklavenkämpfe nur zweimal im Monat statt, und sie werden extra angekündigt. Heute gibt es keine. Sklaven brauche ich schließlich zur Versorgung der Kreaturen, oder zu meiner persönlichen Bedienung und Belustigung. Nur alle überflüssigen verkaufe ich.«
