Nachricht von Jesus - Jörgen Peterson - E-Book

Nachricht von Jesus E-Book

Jörgen Peterson

0,0
2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Blackout. Die Welt ist im Chaos versunken. Das Gold, das digitale Zeitalter ist in die unendlichen Weiten des Universums entschwunden. In einem kleinen Land am Rande der großen Berge in Ostkorea ist ein kleiner, ein bisschen dicker Diktator am Pläne schmieden. Irgendwo in den schneeverwehten bayrischen Steppenlandschaften sind zwei Herren am Saufen und über die dramatische Lage am Diskutieren. Im Vatikan ist die Hölle los. Ein Pater möchte ein Rohr verlegen. Ein Rollstuhlfahrer vergewaltigt Frauen. Massenvergewaltigungen können gerade so vermieden werden. Blut spritzt. Zyankali kommt zum Einsatz. Hinrichtungen sind an der Tagesordnung. Die Mutti hat Langlaufschier mitgebracht. Der Bundeskanzler schildert die Lage in Deutschland. Der Papst küsst den Boden. Irgendwo in einem Land vor unserer Zeit sitzt ein Mann unter Palmen und versucht, die Frauen zu verstehen. Eine verrückte, bissige Politsatire und eine ach so schöne Lovestory zugleich. Eine schöne, manchmal bösartige Geschichte - aber immer am Puls der Zeit.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 335

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der Autor: Jörgen Peterson. Jahrgang 1946. Obwohl von Polio befallen, vom Herrn Pfarrer verprügelt, hatte er eine schöne Kindheit. Er, das Gewächs der Achtundsechziger Jahre, war vom einfachen Arbeiter zum Millionär aufgestiegen und hatte Karriere im Angelsport gemacht. Und war wieder tief gefallen, zum Sozialhilfe-Empfänger abgestiegen.

Trotz Sozialhilfe geht er auf große Reisen und beginnt über das Ach so schreckliche Leben im Rollstuhl zu schreiben. Heute lebt er in einer behindertengerechten Wohnanlage und zeitweise auf einem kleinen Balkon unter Palmen…

Sein Romandebüt: Mit dem Rollstuhl ins Paradies der Sinne…erschien im Debehr Verlag Radeberg.

Copyright by Jörgen Peterson

ISBN:

978-3-7469-2056-6 (Paperback)

978-3-7469-2057-3 (E-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Verlag & Druck: tredition GmbH, Hamburg

Jörgen Peterson

Nachricht von Jesus…

Und wie die Atombombe auf meinen Balkon kam…

Politsatire

Nachricht von Jesus

Und wie die Atombombe auf meinen Balkon kam

Eine Geschichte in 35 Kapiteln

Kapitel 1Es funkeln die Sterne…

Kapitel 2Der Tag, an dem die Erde…

Kapitel 3Krisensitzung…

Kapitel 4Leben in den modernen Zeiten…

Kapitel 5Englischer Tee und dicke Bohnen…

Kapitel 6Der Tag, an dem Sunny kam…

Kapitel 7Lady in Uniform…

Kapitel 8Die Goldmacher…

Kapitel 9Schneeverwehungen…

Kapitel 10Er möchte ein Rohr verlegen…

Kapitel 11Nachricht aus dem All…

Kapitel 12Dreißig Drachenboote südwärts…

Kapitel 13Im Vatikan ist die Hölle los…

Kapitel 14Wo geht’s denn hier zur Walking Street…

Kapitel 15Von hier aus kann man auf den Strand schauen…

Kapitel 16Weiße Tauben und blutige Messer…

Kapitel 17Hundert Lottogewinner…

Kapitel 18Sie waren in Holzkisten verpackt…

Kapitel 19Wir schaffen das…

Kapitel 20Dinner mit einem Vampir…

Kapitel 21Hohe Herrschaften treffen ein…

Kapitel 22Die Schöne von der Rezeption…

Kapitel 23Der Kniefall…

Kapitel 24Invasion im Morgengrauen…

Kapitel 25Die Schriftrolle von Pattaya…

Kapitel 26Der Tag geht- Sunny kommt…

Kapitel 27Im Jahr des Herrn…

Kapitel 28Das Fest des Friedens…

Kapitel 29Der Traum vom Gold…

Kapitel 30Liebe liegt in der Luft…

Kapitel 31Ein Duft von Bittermandel.

Kapitel 32Es liegt Kaffeeduft…

Kapitel 33Die Nacht, als der Regen...

Kapitel 34Party der hohen Tiere…

Kapitel 35Verwunden mein Herz …

Epilog

Prolog

Wenn Sie erfahren möchten, wie die Nachricht von Jesus lautete. Und wie die Atombombe auf seinen Balkon kam. Und warum nicht alles Gold ist, was glänzt. Und warum das Leben in den guten alten Zeiten nicht immer gut war. Und warum zwei Bayern nach Pattaya gingen. Und warum ein Präsident und ein Reichspräsident mit dem Feuer spielten. Und warum der tote Bischof doch noch an der Vatikanparty teilnahm. Und warum die Altkanzlerin ein Herz für hohe Tiere hatte. Und warum Affen, Elefanten und Russen am Strand waren.

Und warum die Geschichte auch noch eine schöne bezaubernde Liebesromanze ist. Fragen über Fragen. Wenn Sie die Geschichte von klugen, starken Frauen und Männern in rollenden Gefährten lesen möchten, so steigen Sie ein in die verrückte Welt des Jörgen Peterson.

Wenn Lebensfreude und Lebenslust Ihnen noch nicht völlig abhandengekommen ist, so liegen Sie bei ihm richtig. Viel Spaß beim Lesen wünscht der Autor.

Und plötzlich wird das Spiel der Liebe abrupt unterbrochen. Das Funkgerät brummt. Ein grünes Licht leuchtet auf. Sie schwingt sich herab und geht zum Schreibtisch. Sie stülpt sich den Kopfhörer über und lauscht…

Sie überreicht ihm den Kopfhörer und sagt: „Ein Mister Jesus möchte dich sprechen…“

Es funkeln die Sterne…Kapitel 1

Ohio. Es ist eine sternenklare, mondlose Nacht. Professor Jerry Edelmann ist auch in dieser Nacht wieder mal, wie seit vielen Jahren, am BIG-EAR Radioteleskop der Ohio University tätig. Er trinkt seinen zweiten Espresso. Er fühlt sich schlapp und müde. Das jahrelange, fruchtlose und ergebnislose Suchen nach dem Signal, dem positiven Signal, hat ihn ermüdet- zermürbt. Ihn zeitweise in depressive Stimmung versetzt. Auch in dieser ihm endlos erscheinenden Nacht ist er wieder auf der Suche, auf der Pirsch nach dem Signal der Signale.

In den langen Jahren seiner Tätigkeit hat er hunderttausende von Signalen empfangen, aber nur negative Signale aufgefangen. Er hat normale im Äther jederzeit vorhandene Signale und Radiostrahlen vernommen. Nur einmal in all den langen Jahren war ein extrem intensives Signal an seine Ohren gedrungen, ein Signal, das länger als 36 Sekunden anhielt und ihn und seine Kollegen ins Spekulieren brachte. Wo Hoffnung aufkam, es könnte sich um ein interstellares, aus der Tiefe des Alls kommendes Signal handeln. Aber da diesem Signal nie eine Wiederholung widerfuhr, blieb es bis zum heutigen Tage ein einmaliges, rätselhaftes Signal…

Er, Jerry Edelmann, nimmt den Kopfhörer ab, blickt auf seine Uhr…es ist 3:59 Uhr, der Morgen ist noch in weiter Ferne. Wieder mal hat er sich die Nacht um die Ohren geschlagen.

Und wieder nur das übliche Rauschen des Äthers…nur negative Signale hat er vernommen. Er gähnt. Er fühlt die aufkommende Müdigkeit.

Er nimmt die Tasse hoch. Um seine Lebensgeister zu wecken, trinkt er den nächsten Espresso. Sein Gegenüber Dr. David Plummer tut es ihm gleich. Nur, dass sein junger Assistent seinen Kopfhörer nicht abgesetzt hat und weiterhin dabei ist intensiv zu lauschen…

Plötzlich ruft er: „Jerry, Jerry! Setz sofort den Kopfhörer auf, ich habe ein starkes Signal!“

Er, Professor Edelmann, ist plötzlich hellwach. Er setzt den Kopfhörer auf und lauscht. Ein vom starken, immerwährenden Hintergrundrauschen nicht überdecktes, extrem starkes, wesentlich stärkeres Signal als das übliche erdgebundene, sonnensystemgebundene Signal oder das Signal, das vom Funkeln der Sterne ausgelöst wird, ist zu hören. Er ist voller Anspannung, seine Hände zittern, als er feststellt, dass das intensive Signal dabei ist, die übliche 36-sekündige Länge zu überschreiten und 72 Sekunden fortdauert und erst danach schwächer und schwächer wird - vom ewigen Rauschen des Alls übertönt wird. Dies sagt ihm, dass es sich um ein interstellares Signal, um ein Radiosignal aus fernen Galaxien handeln könnte.

Er blickt auf die vom Oszillograph dargestellten wellenförmigen, gezackten Signale, die Buchstaben, Ziffern und Zeichensymbole enthalten. Er kodiert diese und versucht zu eruieren, ob die aufgezeichnete Reihenfolge: „ … .. …..“ einen Sinn ergibt. „Wow!“, schreit er auf, als er feststellt, dass die Anordnung der Reihenfolge einen mathematischen, logischen Sinn- die Rechnung drei und zwei ist fünf- ergibt!

„David, David, schau dir das an, das ist ja unglaublich!“, ruft er mit aufgeregter Stimme zu seinem Assistenten und reicht ihm die Aufzeichnungen hinüber. Sein Assistent studiert intensiv die Aufzeichnungen und vergleicht sie mit seinen Aufzeichnungen. Er blickt auf und sagt mit zittriger Stimme:

„Wow! Jerry, das könnte ein interstellares Signal sein! Der erste interstellare Kommunikationsversuch! Unglaublich! Es könnte das Signal sein, auf das wir viele Jahre gewartet haben…“ „Ich bin überzeugt, das ist es“, fügt Professor Edelman an.

„Aber Jerry, du weißt auch, dass jetzt das große Warten beginnt. Das Warten auf die Wiederholung des gleichen oder auf ein neues interstellares Signal beginnt.

Wenn es sich nicht wiederholt, nicht bestätigt wird, war es sinnlos–nur Schall und Rauch aus dem Äther. Solange kein neues Signal dieser Art auf die Antenne des BIG-EAR trifft, müssen wir warten, uns in Geduld fassen.“

„David, du weißt, dass es Jahre, im schlimmsten Fall Jahrzehnte dauern kann, bis es zu einer Wiederholung kommt.

Erst dann wissen wir, ob es wirklich das erste intelligente Signal, der erste Kommunikationsversuch von außerirdischen Intelligenzen war. Aber wir dürfen auch die Möglichkeit nicht ausschließen, dass es nur ein Pulsar-Signal war, welches zufälligerweise diese Reihenfolge aufwies…“ Er wischt sich den Schweiß von der Stirn und meint: „Jerry, auf jeden Fall sollten wir denen da draußen auch mit unserer eingeschränkten Technik eine weitere Empfangsmöglichkeit anbieten. Wir sollten eine Breitband CB Frequenz anbieten, um auch andere Radiowellen aufzufangen“, merkt er an und begibt sich zur manuellen Steuerung des BIG-EAR Teleskops.

Der Tag, an dem die Erde...Kapitel 2

Koreanische Halbinsel. Wir schreiben das Jahr 2560. In den Bergen des Landes ist bereits der erste Schnee gefallen. Die Hamster legen schon ihre Wintervorräte an….

Der Präsident befiehlt seinen Brigadegeneral zur Lagebesprechung in den Palastbunker. Er beugt sich über die ausgebreitete Weltkarte, studiert sie, erhebt seine Arme vom Tisch, schaut mit ernstem Blick zu seinem Befehlshaber und sagt: „Die Lage ist ernst. Die Lage ist bedrohlich. Wir müssen zuschlagen. Wir müssen losschlagen!“ „Ja, mein Präsident, wir müssen angreifen. Der Gegner ist zurzeit noch schwach, für einen Angriff nicht gewappnet. Die Zeit arbeitet für uns. Auch ich sage: Losschlagen- Losschlagen - Angreifen!“ Der Präsident setzt seine Nickelbrille ab und fragt seinen General: „Wie ist die Wetterlage dort? Ist der Strand, den wir ausgewählt haben, befestigt und gut bewacht? Welche Einheiten liegen dort?“

„Mein Präsident, außer einem Wachturm am Strand ist der Strand nicht befestigt. Der Turm ist nur mit einem Wächter besetzt, der das Treiben am Strand beobachtet. Andere größere Einheiten konnten unsere Spione nicht entdecken. Die Wetterlage ist für eine Landung äußerst günstig. Am Tag der geplanten Landung herrscht Neumond, sodass wir unbemerkt landen können. Am geplanten Landeabschnitt herrscht zur Zeit des Angriffes Flut, sodass wir direkt bis zur Strandpromenade vordringen können.“

„Mein General, sind wir ausreichend bewaffnet, um meine Drohung wahrmachen zu können? Wie ist die Wetterlage bei der Überfahrt? Sind die neuen Navis einsatzbereit? Nicht, dass wir wieder mit den Sternen navigieren müssen!“

„Mein Präsident, wir sind bis an die Zähne bewaffnet. Unsere Wetterfrösche sagen, dass bei der Überfahrt ruhige See herrschen soll, sodass unsere Sturmboote problemlos über den großen Teich übersetzen können. Ja, die neuen Navis sind soweit einsatzbereit. Mein Präsident, um Ihre Drohung wahrmachen zu können, bitte ich um die Freigabe der Drohung - der neuen Atomwaffen.“

„Die haben sie. Hiermit erteile ich die Freigabe der Drohung – der neuen Waffen-, sodass die Amis endlich begreifen, dass meine Drohungen keine leeren Drohungen sind“, sagt der Herr Präsident und trommelt dabei mit den Fäusten auf den Tisch.

„Jawohl, mein Präsident, ich werde sofort den Befehl zum Angriff an alle Einheiten durchgeben!“, sagt der General und geht im Stechschritt zur Tür. „Moment, Moment warten Sie einen Augenblick. Sind eigentlich die neuen Waffen wirklich schon einsatzbereit? Da gab es doch ein Problem mit den Zündern? Und was ist mit dem Gold?“, fragt er und schlürft genüsslich an seinem Tee.

„Die Intelligenz des Landes ist in den Bergwerken am Schuften. Wir sind auf bestem Wege. Mein Präsident, das kleine Problem mit den Navis werden unsere Ingenieure sicher bald gelöst haben – schließlich haben wir die besten Ingenieure der Welt!“, sagt er und schreitet mit stolzgeschwellter Brust zur Tür.

Er beugt sich wieder über die große Karte, schlürft an seinem Tee und grübelt und grübelt…denkt laut und sagt so vor sich hin: „Sollte ich vielleicht doch…, sollte ich? Ja, ich werde ein Ablenkungsmanöver starten. Ich werde die Wessis zum Schein mit Raketen beschießen, damit der Schwarze sich mal wieder fürchterlich aufregen wird und es nicht bemerkt, dass wir schon zu ihm unterwegs sind - bei ihm vor der Haustür landen werden!“

Krisensitzung…Kapitel 3

Thailand. Wir schreiben immer noch das Jahr 2560 buddhistischer Zeitrechnung. In der oberen Behörde in Pitsanuk hat der Big BOSS eine Krisensitzung einberufen. Der Boss für Energie, Umwelt und Bewässerung erhebt sich vom Stuhl und blickt in die Runde der führenden Köpfe des Landes. Mit ernster Stimme sagt er: „Meine Damen und Herren, wir haben ein Problem. Die Stauseen sind fast leer. Die Bewässerung der Reisfelder ist gefährdet. Wir laufen Gefahr, unsere Position als zweitgrößter Reisproduzent der Welt zu gefährden. Im schlimmsten Fall kann die Reisversorgung der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet werden. Dies wäre eine Katastrophe für unser Land.

Miss Loan, meine Stellvertreterin, wird Ihnen einen Bericht und die neuesten Zahlen zur aktuellen Situation vortragen.“ Die junge Dame an seiner Seite steht auf, rückt den Uniformrock zurecht, blickt in die Runde und spricht mit ruhiger, aber betonter Stimme: „Meine Herren, meine Damen. Nach Aussage der Meteorologen ist auch im nächsten Monat der Regenzeit nicht mit Niederschlägen zu rechnen. Die ausgebliebenen Regenfälle der letzten Monate haben dazu geführt, dass die Stauseen nur noch zu einem Drittel gefüllt sind und einige Flüsse kurz vor dem Austrocknen sind. Regenfälle gab es nur im Süden des Landes. Da es dort, wie Sie alle wissen, nur wenige Stauseen gibt, waren diese Regenfälle wenig hilfreich.

Nach den neuesten von mir ermittelten Zahlen ist es die längste Trockenperiode seit 40 Jahren. Die Lage ist hier im Issan, der Reiskammer des Landes, besonders kritisch. Die Stromerzeugung musste um fünfzig Prozent zurückgefahren werden, um die Bewässerung der Reisfelder gewährleisten zu können…“

Der Big Boss steht auf und fragt: „Miss Loan, wie lange, wie weit kann die Stromerzeugung noch aufrechterhalten werden, um das zwischenzeitlich so wichtige Aufladen der Batterien zu garantieren, sodass wir keinen Strom aus China dazukaufen müssen?“

„Sir, diese Frage kann auch ich Ihnen nicht beantworten. Dies alles liegt nicht in unser aller Macht. Die Antwort kann Ihnen nur Buddha geben, indem er uns den lang ersehnten Regen schickt…Wir können einfach nur beten!“ Sie blickt in die betretenen Gesichter der Runde und setzt sich wieder auf ihren Platz neben den Herren im schwarzen Nadelstreifenanzug.

Er steht auf, blickt in die Runde und sagt: „Wir müssen Stromsparmaßnahmen einleiten, um uns den neuen Zeiten anzupassen. Miss Loan, ich ernenne Sie zur Projektleiterin-Moderne Zeiten. Erarbeiten Sie ein Konzept, wie wir die zur Verfügung stehende Energie und die verbliebenen technischen Ressourcen sinnvoll einsetzen können. Der Not gehorchend dürfen Sie auch außergewöhnliche, aber praktikable Maßnahmen ergreifen. Hierfür haben Sie freie Hand.“

Sie beugt den Kopf, faltet die Hände vor dem Gesicht und sagt: „Ja Sir, ich werde mich sofort an die Arbeit machen.“

„Meine Damen, meine Herren, gehen Sie an die Arbeit, tun Sie ihr Bestes. Ansonsten hilft nur noch beten“, sagt der Herr im schwarzen Nadelstreifenanzug.

Leben in den modernen ZeitenKapitel 4

Pattaya. Mein Balkon ist von Dunkelheit umgeben, in völlige Schwärze gehüllt. Der Lichterglanz rund ums Hotel ist erloschen. Nur die Glühwürmchen sind noch am Glühen. Der Hoteleingang wird von einer großen Palmöllampe schwach erhellt. Es ist still, nur der Wachmann mit seiner Laterne dreht seine Runden. Er ist wahrscheinlich, wie ich, über die neuen Zeiten am Nachdenken. In dieser warmen lauen Nacht blicke ich, der Mann, der mit Jesus sprach, zum Himmel – zu den leuchtenden Sternen. Dort, wo sie wieder angelangt sind – die Zeitreisenden… Die Gebote, die Mahnungen sind verkündet. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Die Heiligen haben sich aus dem Staube gemacht und haben mich, den Jörgen, alleine in den neuen Zeiten zurückgelassen. Manchmal kann ich es selbst nicht glauben, dass sie hier waren, ich ihnen leibhaftig begegnet bin, sie hautnah erlebt habe. Aber vor mir auf dem Tisch liegen die Beweise ihres Hiergewesenseins.

Vom Scheine der kleinen Kerze erhellt, liegt das kleine Holzkreuz, das Jesus mir mit den Worten:

„Du darfst mein Kreuz tragen, weil du das Deinige mit Würde und Lebensfreude am Tragen bist…“ geschenkt hatte. Ich blicke zum angesengten, verkohlten Gewand, welches mir Maria Magdalena mit den Worten: „Bewahre das Zeichen seiner Auferstehung, es möge dich allzeit beschützen und dich deines Weges begleiten“ übergab.

Neben dem Tisch steht Adolfs Aktentasche, die er mir mit den Worten gab: „Ich überreiche dir meine Tasche. Sie enthält das Manuskript meiner anscheinend sinnlosen Rede, die ich auf der großen Konferenz gehalten habe. Meine Worte des Guten sind ohne Wirkung geblieben. Wären es die von mir gewohnten bösen Worte gewesen, so wären die Menschen mir wieder gefolgt…Jörgen, du kannst ja deine Schriftstücke, deine Aufzeichnungen, in denen du die Welt wissen lässt, was hier geschah…, dass es noch Wunder gibt und dass die Menschheit von ihm die letzte Chance erhielt, in dieser Tasche aufbewahren. Ich sage das, so wahr ich Adolf Hitler bin

– nicht nur so heiße!“

Jesus ist zusammen mit Maria und seiner Angetrauten zurück zu den Sternen gegangen, um von oben die Auswirkungen seiner Wunder besser beobachten zu können. Aber auch, um sich von seiner stressigen Arbeit– dem Manipulieren zum Guten– zu erholen. Und um auf die Frage aller Fragen: „Wie krieg ich die Dummheit aus den Köpfen der Menschen heraus?“ nachzudenken.

Er verweilt dort oben in der Hoffnung, vielleicht doch eines Tages eine gescheite Antwort auf diese Frage aller Fragen zu finden. Hoffentlich muss er damit nicht bis zum nächsten Jüngsten Tage warten, denke ich.

Beim Abschied der Lichtgestalten gab es Tränen. Der Adolf hatte Tränen in den Augen, als Jesus es ihm versprach: Ihn und Natascha wieder auf den Inseln des Friedens, den Weihnachtsinseln, abzusetzen, sodass er nicht zurück ins schwarze Loch musste, denn niemand hätte ihm dort geglaubt, dass er, der Böse, geläutert worden ist, vom Bösen abgelassen hat und sich bei den Gutmenschen einreihte.

Im Scheine des Kerzenlichtes sitze ich hier unter Palmen. Aber ich bin traurig. Das Leben kann so hart sein. Mona hat mich verlassen. Die Frau, die nicht nur ein Gemälde war, sondern bei der ich mich immer sauwohl gefühlt habe, sie hat mich verlassen. Zusammen mit Mister Leonardi hat sie das Land des Lächelns verlassen und ist ins Land, wo es immer noch nichts zu lachen gibt, nach China gegangen. Um sich dort von Mister Leonardi wieder malen zu lassen, weil er nach getaner Arbeit, als technischer Direktor der neuen chinesischen Fahrzeugindustrie, beim Bau des Air Mobiles vom Stress befallen ist und Entspannung beim Malen sucht. Und auch weil Mister Leonardi die nächtlichen Sitzungen mit Glitzersteinchen bezahlen tut. Den Sack Glitzersteinchen, den er dafür erhielt, dass China mit dem Per Pedum Mobilie Made in China wieder mal den Weltmarkt überschwemmen will.

Aber auch, weil die deutsche Automobil Industrie die Lizenz zum Weiterfahren nicht erwarb. Weil sie mit dem Bau von Fahrzeugen anderer Art voll ausgelastet war. Und weil Petra von der Grünen mangels Masse in den deutschen Kassen und wegen fehlendem Nachweis der Umweltverträglichkeit auf den Kauf der Pläne fürs Air Mobil verzichten musste.

„Nun, es ist nicht zu ändern, was nicht zu ändern ist“, denke ich, trinke mein Bier aus und gehe mit dem Gedanken „Mal sehen, was für Heilige ich die nächste Zeit hier so treffen werde“ ins Bett.

Englischer Tee und dicke Bohnen …Kapitel 5

Es ist Nacht. Eine schwüle, heiße, mondlose Nacht. Der nächtliche Himmel ist übersät mit hell leuchtenden Sternen. Nachdem ich keinen Schlaf finden konnte, bin ich jetzt, in der Hitze der Nacht, so in Gedanken versunken, dass ich nicht bemerkt habe, dass mein Freund Terry mit einem Wasserkanister und einer großen Tüte in der Hand am Balkon steht und „Hi Jörgen“ sagt. „Hallo Terry, wo treibst du dich mitten in der Nacht so rum? Warst du wieder an der Beach Road?“

„Nein, ich war am Pool und habe geduscht und den Wasserkanister aufgefüllt.“

„Terry, warum hast du am Pool geduscht?“

„Stell dir vor, letzten Monat hatte ich eine Wasserrechnung von Hundert Bath. Die vom Hotel können den Hals nicht voll genug bekommen. Immer wollen die nur Geld, Geld und nochmals Geld von mir. Genau wie die Frauen, immer nur Geld, Geld…“

(Anmerkung des Autors 100 Bath sind ca. 2,50Euro)

„Apropos Frauen. Terry, du bist ja wieder alleine. Denkst du noch an die kleine Suzi?“

„Ja, ich denke oft an Suzi. Ich vermisse sie sehr. Ich liebe sie immer noch. Suzi, die mich nach ihrer Wiederkunft in der gleichen Nacht wieder verließ…und jetzt irgendwo unter nächtlichem Sternenhimmel an einem Strand im heißen Sand liegen wird…Suzi vermisse ich sehr…“, sagt er mit bewegter Stimme und blickt nach oben zu den funkelnden Sternen. „Weißt du Jörgen, trotz ihrer vulgären Sprüche, ihrer Krankheit, dem Alkohol, muss ich immer noch an die Zeit mit ihr denken. Einmal sagte sie zu mir: ,Du bist zwar ein alter Knacker und ein Geizhals dazu, aber ich mag deine schmalen Hände, deine schlanken Finger, die mich so zärtlich streicheln können, und ein guter Muschilecker bist du auch noch.‘ Jörgen, ihre Streicheleinheiten, ihre Zärtlichkeiten werde ich nie vergessen können. Auch wenn wir nur gelegentlich Sex hatten, so war ich doch immer zufrieden und glücklich, wenn sie bei mir war, aber Suzi ist nicht mehr bei mir“, sagt er, setzt die Mütze ab und streicht sich durch die grauen, schütteren Haare. Er fährt fort: „Alles was ich außer Liebe und Zärtlichkeit brauche, habe ich hier in der Tüte.“ „Was hast du denn in dieser Tüte?“, frage ich ihn. Er öffnet die Tüte und zeigt auf die Dosen mit dicken Bohnen, das Weißbrot und die Packung Englischen Tee und sagt: „Ich muss sparsam sein, ich bin ein armer, alter Mann. Deshalb komme ich ja auch nach Thailand, wegen dem Sparen.“

„Terry, wenn du so wenig Geld hast, wie und wo lebst du dann in England?“, frage ich.

„Jörgen, übrigens, ich habe es dir noch nie gesagt: Ich bin von adeligem Blut –ich bin: Terry von Bristol…!“ Bei seinen Worten stelle ich mir den adeligen Engländer vor, der im großen Ohrensessel vor dem offenen Kamin sitzt, einen Whisky trinkt und die Times liest. „Dort wohne ich in einem ehemaligen Hasenstall. Wo das Dach einen Schaden hat und die Bude nicht so ganz winterfest ist und es im Winter saukalt wird. Wegen der Wärme gehe ich nach Thailand. Auch in England lebe ich von Weißbrot, dicken Bohnen, englischem Tee und Wasser aus der Leitung. Wenn es dort einmal sehr kalt ist, ziehe ich mir drei Pullover an und wickle mich in meine Heizdecke“, fährt er fort.

„Und wie kochst du?“, frage ich ihn und beobachte, wie er seine unter der Mütze hervorschauenden Haare mit einem Filzstift einfärbt.

„Ich koche nicht richtig. Ich hab nur einen Spirituskocher. Mit dem koche ich das Wasser für den Tee und mache die Bohnen warm“, sagt er und schielt auf die Bierflasche auf dem Tisch und fragt:„ Könnte ich vielleicht ein Bierchen haben?

Gelegentlich trinke ich ein Bier, um besser schlafen zu können.“

„Aber selbstverständlich, Terry“, sage ich, öffne die Flasche, stelle sie ihm auf die Balkonbrüstung und frage ihn: „Terry, willst du auch ein Glas?“

„Danke nein– ich bin Engländer…“, meint er und nimmt einen tiefen Schluck aus der Flasche, setzt ab und sagt: „Danke für das Bier.“

„Mein adeliger Freund ist nicht nur ein Geizhals, sondern ein Schnorrer dazu“, denke ich.

„Terry, heute Abend geht es sicher wieder zu den Ladys an der Beach Rod?“

„Nein, heute Abend gehe ich tanzen zu den Ladys von der Beach Rod– zu den alten Schabracken gehe ich nicht. Ich gehe in die Disko. Da gibt es viele junge Mädchen. Und außerdem liebe ich Techno Musik.“

„Techno Musik in seinem Alter…“, denke ich. „Terry, kannst du auf Techno Musik tanzen?“, frage ich ihn und stelle mir vor, wie er mit jungen Mädchen auf Techno Rhythmen am rockt - der alte Mann.

„Jörgen, du weißt doch, dass ich täglich trainiere, den halben Tag auf dem Laufband bin. Ich bin topfit. Ich kann gut Techno tanzen –ich will doch die Mädchen beeindrucken -vielleicht kann ich ja eine abschleppen, ein neues Mädchen finden…“

„Terry, warum müssen es bei dir eigentlich immer junge Mädchen, junge Frauen sein?“

Er hat eine ernsthafte Miene aufgesetzt, als er antwortet: „Alt bin ich selbst.“

„Terry, meinst du nicht, dass du für die Disko, für die Mädchen dort ein wenig zu alt bist? Wie alt bist du eigentlich?“, frage ich ihn und beobachte, wie er dabei ist, mit einem Filzstift die grauen Schläfen und das Ziegenbärtchen zu schwärzen.

„Nein! Für junge Mädchen bin ich nicht zu alt – noch nicht. Ich bin zwar einundachtzig, aber für die Liebe bin ich immer noch bereit. Und wenn ich auch noch das Testosteron Zeug auftrage, dann geht noch alles bei mir…Und außerdem stehen die Mädchen auf mich.“ „Terry, könnte es nicht sein, dass die Mädchen auf dein Geld stehen?“

Er zwirbelt an seinem zwischenzeitlich schwarzen Bärtchen und antwortet: „Nein! Nicht an meinem Geld. Ich bin doch ein armer Mann. Wenn ich dafür bezahlen muss, kann ich sowieso nicht. Ich kann nur Liebe machen, wenn das Mädchen mich liebt!“ Mit von Stolz geschwellter Brust fügt er hinzu: „Ein guter Liebhaber bin ich auch!“

Er färbt weiter an seinem Ziegenbart herum und sagt:„ Jörgen, weißt du, auf die Marias habe ich gestanden. In die hatte ich mich verliebt, aber die beiden haben sich, genau wie Suzi, aus dem Staub gemacht, sind nicht mehr greifbar, sodass ich ihnen meine Vorzüge und speziellen Fähigkeiten nicht demonstrieren konnte, obwohl ich mich bei der einen schon ganz nahe an ihre Muschi herangetastet hatte…“

Mit einem Wohlgefallen in den Augen betrachtet er das Ergebnis seiner Färberei - das schwarze Ziegenbärtchen. Er blickt zu mir auf: „Ich gehe jetzt, ich muss viel schlafen. Ich will für die Disko fit sein. Hoffentlich finde ich ein Mädchen, welches sich in mich verliebt! Sonst habe ich alles, was ich zum Glücklichsein brauche…“, sagt er, nimmt die Tüte und den Kanister auf und geht seines Weges.

Ich lausche den Geräuschen der tropischen Nacht und denke: „Es müssen nicht immer junge Mädchen sein…oder?“

Der Tag, an dem Sunny kam…Kapitel 6

Es ist heiß in Pattaya – brütend heiß. Eine Hitzeglocke liegt über dem Hotelgelände. Nur ein kleines, aber unangenehm heißes Lüftchen weht.

Es summt leise, als ein Kombiauto am Hoteleingang vorfährt. Eine Thai-Lady steigt aus, öffnet die Heckklappe des Kombis und holt zwei Rollstühle heraus. Sie schiebt einen Rolli zur Beifahrertür und öffnet diese. Eine schmale Hand greift an die Reling auf dem Dache des Autos. Zwei blondbehaarte Beine ragen aus der Tür. Die Beine zittern, als er sich vom Sitz abhebt und sich in den Rollstuhl schwingt.

Jan, der Fahrer des Autos, hat sich in seinen Rolli umgesetzt. Er entdeckt mich auf dem Balkon und ruft mir zu: „Komm in die Lobby, ich will dir einen neuen Kollegen vorstellen. Ich will dich mit Sunny aus Stuttgart bekannt machen.“

Als Yeng, die Thai Lady, den Neuen die Rampe zum Eingang hochschiebt, fällt mir auf, dass der Neue in unnatürlicher Haltung, zusammengekrümmt wirkend, den Kopf zur Seite nach unten hängend, im Rollstuhl sitzt.

Ich rolle raus in die Lobby, wo der neue Rollstuhlfahrer mit Hilfe von Jan eincheckt.

„Jörgen, darf ich dir Sunny vorstellen? Er ist dein neuer Zimmernachbar“, sagt Jan und legt ihm die Hand auf die Schulter. Er sagt zu ihm: „Sunny, das ist der Jörgen. Der kennt sich hier aus, der weiß was hier los ist. Wenn du etwas wissen willst, so kannst du ihn immer fragen.“

Er, der Sunny, mit seinen weißen Shorts, dem blauen blumengemustertem Hemd, seinen kurz geschnittenen blonden Haaren. So hängt er vor mir - der fesche junge Mann. Als er zum Sprechen ansetzen will, rinnt Speichel aus seinem Mund. Seine Hand zittert, als er den langen Faden des Speichels mit einem Tuch wegwischt und mit holpriger, lallender Stimme sagt: „Gu…ten Tag gi…bt es hier im Hotel schö….ne Mädchen…?“

Ich muss es mir eingestehen, dass ich sein Gelalle fast nicht verstanden habe, nur ahnen kann, was er meint, deshalb antworte ich: „Ja Sunny, hier im Hotel gibt es auch schöne Mädchen, aber in der City gibt es viele hübsche Mädchen, aber da kannst du sicher nicht hingehen.“

„Ich war schon ö…fters hier. Die Wa…lking Street ist gut. D..a gibt es vie…le Mädchen. Ich will in d…ie Walki…ng Street!“

Bei seinen Worten lächelt Jan und erzählt mir: „Sunny hat ein schweres Schicksal erlitten. Er war Hobbybergsteiger. Vor zehn Jahren war er beim Besteigen der Eiger Nordwand aus großer Höhe abgestürzt und hatte sich dabei sechsundzwanzig Knochenbrüche zugezogen und schwere Kopfverletzungen erlitten. Nach Jahren der Reha ist er zu einem Pflegefall geworden, deshalb haben sie, seine Familie, ihn in ein Pflegeheim für Schwerstbehinderte gesteckt. Nun ist er, Sunny, wieder hier. Er ist alleine gekommen, ohne Assistent, ohne Pflegerin. Ich glaube, es werden harte Zeiten auf das Hotelpersonal zukommen…“

Nitanya, die Lady von der Rezeption, schaut Jan fragend an und fragt mit besorgter Stimme: „Ist der wirklich ganz alleine – ohne Pflegerin? So wie der aussieht, kommt der doch nie alleine zurecht. Wir Mädchen von der Rezeption können uns doch nicht ständig um den armen Kerl kümmern. Wir haben doch unsere Arbeit. Beim Kofferauspacken und so, da können wir schon helfen, aber nicht beim Poabputzen und so…!“

„Nitanya, mach dir keine Sorgen um ihn. Er hat ein Schreiben von der Heimleitung dabei, in dem bestätigt wird, dass Sunny vollkommen selbständig ist und alleine klarkommt. Allerdings hat die Heimleiterin angemerkt, dass er jemanden braucht, der auf ihn aufpasst, nicht, dass er wie beim letzten Mal wieder so große Dummheiten macht. Aber eigentlich ist es unverantwortlich, ihn alleine reisen zu lassen“, sagt Jan, blickt zu mir, schaut zu Nitanya:„Ich gebe ihn in eure Obhut. Passt mir auf, dass er keine Dummheiten macht“, sagt er und rollt zum Ausgang.

„Eigentlich sieht er - wie er im Rollstuhl mehr hängt als sitzt mitleiderregend und hilflos aus“, denke ich und frage ihn deshalb: „Sunny, wie hast du das geschafft, hierher zu kommen?“

„Ich bin mit der Ta…nte gekommen…“

„Deine Tante ist deine Assistentin? Aber wo ist die jetzt?“

„Nein, ich bin m..it dem Ta…nte Ju Flieger gekommen…Ich bin ga…nz all…alleine geflogen.“

„Ach so. Sunny, warum hast du keinen Assistenten dabei? Dies wäre doch hilfreich für dich.“

„Die haben doch all…e keine Ze…it. Un…d das will ich au…ch nicht. Ich bin selb…ständig un…d mache all…es alleine. Un…d ich hab doch die Mä…dchen. Dort im Heim regen d…ie sich a…a…lle auf wenn ich nach Thai…land gehe. Die Tante Lisbet regt sich immer so fürchterlich auf, we…nn ich wieder zu den Mä…Mäd…chen will. Sie hat mir eine Straf…pre…predigt gehalten und zu mir gesagt: ,Sunny willst du wirklich wieder zu den Nutten gehen. Dort holst du dir noch was. Du bist doch schon schlimm betroffen genug. Wenn das auch noch dazu kommt, dann bist du endgültig ein Pflegefall. Hier hast du doch alles, was du brauchst. Bei uns ist es doch schön – schön gemütlich. Hier wirst du rund um die Uhr versorgt und gepflegt. Bei uns im Pflegeheim geht es dir doch gut, du hast doch alles, was du brauchst…Wir haben auch bald wieder einen Bastelnachmittag, da kannst du wieder Weihnachtssterne basteln.‘ Die Tante Li…sbet ka…nn mich kreuz… kreuz...weise am Arsch le…cken. Mit meinen Fingern kann ich sowieso nicht basteln. Ich bastele lieber an den Mäd… Mädchen.“

Mit zittrigen Fingern greift er nach dem Strohhalm und suckelt genüsslich an dem Eistee, den ihm Nitanay hinhält, wobei ihm ein langer Faden Speichel aus dem Mund rinnt.

„Ich will jetzt zu den Mäd…chen“, sagt er. „Nein, Mister Sunny, jetzt nicht. Die Mädchen von der Rezeption werden mit Ihnen aufs Zimmer gehen, Ihren Koffer auspacken und Ihnen die Stützstrümpfe ausziehen, mehr aber nicht. Verstanden, Mister Sunny?“, fragt Nitanya, richtet ihn auf und schiebt ihn in sein Zimmer.

„Ja“, sagt er, „aber spä… später will ich…“

Lady in Uniform...Kapitel 7

In der Lobby bin ich gerade dabei, die neue Speisekarte zu studieren, als vom Eingang her eine mir bekannte Stimme erschallt. Sunny ruft: „Ich hab ne neue La…La…dy gefunden.“ Am Eingang sehe ich, wie Sunny der Rollende von einer jungen Dame in Uniform in die Lobby gerollt wird. Er ist aber nicht alleine in seinem Rollstuhl. Auf seinen Knien thront ein riesiger Vogelbauer, in dem vier weiße Tauben zu sehen sind.

Die Dame schiebt ihn an die Rezeption. Bei seinem Anblick halten die Ladys die Hände vor die Augen und sagen dabei im Chor, ächzend und stöhnend: „Schon wieder! Er ist schon wieder auf Wanderschaft gewesen.“

„Er wird schon wieder von der Polizei zurückgebracht“, denke ich.

Die Polizistin, die Dame in der Uniform, fragt an der Rezeption: „Ist der hier richtig? Wohnt der hier? Ich habe ihn hierher geschoben, weil hinten auf dem Rollstuhl ein Schild mit der Aufschrift hing: Wenn er, der Mister Sunny, sich verirrt hat, bitte zurück ins Garden Hotel bringen. Danke.“

„Ja, der wohnt hier. Zu unser aller Leidwesen wohnt Mister Sunny hier. Aber danke, dass Sie ihn zurückgebracht haben“, sagt Nitanya, die Chefin an der Rezeption, und setzt dabei ein von Leid geprüftes Gesicht auf.

„Der war mir im Seven Eleven aufgefallen, weil er hilflos wirkend dort umhergeirrt war. Er hat mir so leidgetan, der arme Kerl. Er hat mich so traurig angeschaut, mir hilfesuchende Worte zugeflüstert, deshalb habe ich ihn, obwohl ich eigentlich keine Zeit habe, hierher geschoben“, schildert die Dame in Uniform.

Der hilflose arme Kerl lallt, stottert so vor sich hin: „D…ie, d…ie mit der Uni…form, die will ich auf meinem Zimmer haben. D…ie soll mich pflegen. Die will ich stöp… stöpseln. Ich ge…gebe der auch Geld dafür!“

Die Lady in Uniform wischt ihm den fließenden Speichel vom Mund, schaut sich etwas hilfesuchend in der Gegend um, sieht mich und fragt:

„Sorry Sir, ich habe ihn nicht verstanden. Haben Sie verstanden, was er gesagt hat?“

„Wenn ich ihn richtig verstanden habe, will er von Ihnen gepflegt werden und so. Er hat Ihnen dafür Geld angeboten“, sage ich zu ihr und schaue ihr tief in die schwarzen Augen.

Sie hat ein Blitzen in den Augen, als sie zu mir sagt: „Thank you, Sir. Oh ein gutes Angebot von ihm. Aber ich habe ja keine Zeit für ihn. Ich bin ja beruflich unterwegs. Nochmals Danke Sir.“

„Keine Ursache, schöne Frau“, sage ich und schaue sie etwas genauer an: Sie hat schöne schwarze Augen, die ständig am Blitzen sind. Ihre kurzen schwarzen Haare hat sie mit Silberspangen in drei Scheitel gelegt, was irgendwie pfiffig aussieht. An ihren Konturen, die sich auf der Uniform abzeichnen, kann ich erkennen, dass sie nicht ganz so schlank ist, eher etwas füllig wirkt, was sich aber beim Anschauen ihrer Brust und des wohlgeformten Hinterteils nicht nachteilig auf ihr Gesamterscheinungsbild auswirkt. Ihre weißlich schimmernde Haut zeigt mir, dass sie offenbar eine Bürotätigkeit ausübt.

„Die Lady lächelt, klimpert mit den Wimpern und sagt mit weicher Stimme: „Thank you Sir. Danke für das Kompliment!“

Bei ihren Worten verspüre ich ein Prickeln, so als wenn ich Schmetterlinge im Bauch hätte.

„Wenn ich schon mal hier bin, könnte ich ja hier mein Büro, die Außenstelle, errichten“, denkt sie und fragt an der Rezeption: „Haben Sie ein Zimmer mit Balkon frei?“

Kim durchblättert die Belegungsliste und sagt: „Sorry the Lady- wir haben zwar Zimmer frei, aber keines mit Balkon. Sorry.“

„Oh…aber für meine Tauben brauche ich unbedingt einen Balkon. Auch wenn es nur ein ganz kleiner wäre.“

„Sorry Lady. Wir haben nichts mehr frei – wir sind voll belegt. Sorry again.“

Bei Kims Worten schießt mir ein Gedanke in den Kopf: Ich könnte die Lady mit den Tauben, zumindest die Tauben bei mir aufnehmen. Auf dem Balkon beherbergen. Ich nehme all meinen Mut zusammen und frage sie: „Lady, es gibt da eine Möglichkeit, wo Sie Ihre Tauben unterbringen könnten. Ich habe einen extra großen Balkon, der dazu geeignet wäre, Ihren Tauben, bis Sie ein Zimmer mit Balkon gefunden haben, ein Heim zu sein. Mein Balkon kann zwar keinen Taubenschlag ersetzen, aber ansonsten ist er hell und luftig und zu fressen gibt es dort auch genügend, denn auf der Balkonbrüstung sind ständig hunderte bis tausende rote Ameisen am Herumrennen, die nur darauf warten gefressen zu werden.“

„Ach, das ist ja interessant. Das ist aber ganz lieb von Ihnen, Sir. Wie war nochmal Ihr Name, Sir?“, fragt sie und setzt dabei ein zauberhaftes Lächeln auf.

„Peter – Jörgen Peter aus Deutschland.“

„Angenehm. Ich bin die Loan aus Phitsanuk. Ich bin die Regierungsbeauftragte für die Wasser- und Stromversorgung im Lande. Ich soll hier in Pattaya Energiesparmaßnahmen einleiten und überwachen. Und für wen arbeiten Sie – wenn ich fragen darf?“

„Ich bin Beauftragter des Sozialamtes und arbeite nebenbei für die Rentenversicherungsanstalt. Auf Deutsch gesagt: Ich bin Rentner!“

„Oh good“, sagt sie und streckt den Daumen in die Höhe.

Frech, wie ich manchmal bin, frage ich sie: „Darf ich Sie auf einen Kaffee auf meinen Balkon einladen? Da könnten Sie gleich die neue Heimstatt Ihrer Tauben begutachten möchten Sie?“

„Oh yes Sir! I like it very much!”

Sie ergreift die Schiebegriffe vom Rolli, setzt zum Schieben an, schaut sich fragend um und fragt: „Wo ist eigentlich Ihr Zimmer?“

„Wir stehen kurz davor. Es ist direkt neben der Rezeption – Zimmer 102.“

Sie will den Rolli in Bewegung setzen, als ein Protestruf durch den Gang ertönt: „Die, die will ich! Ich will k… k..keinen Lady Boy. Ich will dieeee mit der Uniform!“

Mit dem Lady Boy meinte er Kim, die Lady von der Rezeption, die Sunny zwischenzeitlich zu seinem Zimmer geschoben hatte. Er ist weiter am Protestieren, fuchtelt wild mit den Armen herum und ruft: „Ich wi..will die mit der Uniform…“

Kim fackelt nicht lange, stößt die Tür auf, schiebt ihn ins Zimmer und wirft die Tür zu. Kim wischt sich den Schweiß von der Stirn und sagt: „Geschafft!“

„Was wollte der? Der arme Kerl tut mir ja so leid.“

„Der arme Kerl, Sunny, wollte Sie auf dem Zimmer haben. Nur Sie.“

„Really – Wirklich! Warum?“

„Er wollte von Ihnen gepflegt werden und so…“

„Soso gepflegt werden und so wollte er von mir…und so…?“

Sie will mich ins Zimmer schieben, als der Manager herbeieilt und ruft: „Stopp! Stopp so geht das nicht! Auch wenn sie Polizistin sind, müssen Sie erst ihre ID Card abgeben. Oder sind Sie dienstlich hier?“, fragt er.

„Nein, ich bin rein privat hier“, sagt sie und übergibt ihm ihre ID Card. Er blickt auf die Karte und zuckt zusammen. Er blickt noch mal auf die Karte. Schweißperlen stehen auf seiner Stirn. Mit zitternder Stimme, aus einem kreidebleichem Gesicht stammelt er: „Sorry – Sorry - So sorry…“ Er buckelt…und buckelt...und sagt: „Sorry the Lady. So Sorry. Have a nice Time at our Hotel!“

Sie sagt nichts. Sie schiebt mich, samt dem Vogelbauer, ins Zimmer, zieht die Schuhe aus, stellt ihre Tasche auf den Schreibtisch, blickt sich um und sagt: „Sie haben ein schönes Zimmer Sir. So groß und geräumig. Oh und so ein großes Bett. Das sieht aber ziemlich zerwühlt aus und überhaupt hier müsste mal aufgeräumt werden. Your Lady dont take care you very good!“

„Entschuldigen Sie die Unordnung hier. Ich habe keine Freundin, die aufräumt und die Betten macht, aber die Zimmermädchen kommen in zwei Tagen.“

„Ach so.“

„Dürfte ich Sie auf den Balkon bitten, Ihnen den Taubenschlag, die Heimstatt Ihrer Tauben zeigen?“

„Gerne“, sagt sie und ergreift den Vogelbauer und folgt mir. Draußen stellt sie den Vogelbauer auf die Balkonbrüstung. Sie schaut sich kritisch um, bemerkt die große Plastiktüte mit meinen verschwitzten Sachen, sieht hinein, nimmt ein T Shirt heraus, schnuppert daran und sagt: „Es wäre an der Zeit, dass Ihre Wäsche gewaschen wird. Ich will jetzt Ihre Wäsche waschen oder haben Sie etwas dagegen?“

„Nein, habe ich nicht, aber ich habe kein Waschmittel – kein Seifenpulver mehr“, sage ich zu ihr und denke: „Gute Hausfrauen sind halt überall in der Welt zu finden.“

„Okay dann später – danach…“, sagt sie zu mir und denkt: „Da könnte ich meine Uniform- das Höschen und so - gleich mitwaschen…“

„Lady, darf ich Sie was fragen?“ „Ja, Sie dürfen.“

„Warum schleppen Sie eigentlich diese Tauben mit sich herum?“

„Ach die, die Brieftauben. Die sind für die Kommunikation mit dem Big Boss. Bis die neuen mobilen Geräte kommen, muss ich mit denen vorliebnehmen.“

„Ach so. Ich würde Sie ja gerne auf einen Kaffee einladen. Aber der Wasserkocher geht nicht. Irgend so ein Idiot hat mal wieder den Strom gesperrt - wollen Sie vielleicht ein Wasser?“

„Der Idiot bin ich!“

„Wie? Wie meinen Sie das?“

„Das Stromsperren ist ein Teil meiner Arbeit.“

„Arbeiten Sie bei den E – Werken?“

„Nein, ich arbeite wie gesagt bei der oberen Behörde für Energie und Bewässerung. Nachdem wegen des fehlenden Regens die Stauseen des Landes fast leer sind und es Probleme bei der Bewässerung der Reisfelder und der Energieversorgung gibt, hat mich mein Boss in Bangkok zur Projektleiterin für die Stromsparmaßnahmen ernannt. Deshalb bin ich hier in Pattaya, weil nach Bangkok Pattaya der zweitgrößte Stromfresser des Landes ist.“

„Ach so.“

„Der Big Boss hat mich beauftragt, hier ein Büro zu eröffnen, die Sparmaßnahmen zu überwachen und die Situation in Zahlen zu erfassen und an ihn weiterzuleiten. Mister Peter, Sie haben ja mitbekommen, dass ich kein geeignetes Zimmer für die Eröffnung eines Büros gefunden habe und dass guter Rat teuer ist“, sagt sie und trinkt ein Schlückchen Wasser.

„Wenn ich Sie was fragen darf?“ „Ja, Sie dürfen.“ „Wer ist eigentlich Ihr Big Boss? Und welche Position üben Sie aus?“

„Naja, der Big Boss in Bangkok halt. Noch bin ich nur in der Position des kleinen Bosses – nur Projektleiterin. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern, denn schließlich will ich Karriere machen – möglichst bald aufsteigen!“

„Auf wen? In welcher Position?“, frage ich und beobachte mit lüsternen Blicken ihre Berge, die sie stolz nach vorne drückt.