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In humorvollen Kurzgeschichten schreibt der Autor über das abenteuerliche und abwechslungsreiche Leben einer neapolitanischen Familie. Rund um das Neapel der siebziger Jahre erzählt das Buch vom Leben in Neapel, seiner Kultur und seinen Menschen. Er nimmt uns auf eine unterhaltsame Reise rund um sein Neapel mit, zeigt uns bekannte und weniger bekannte Schauplätze, erzählt von einer glücklichen Kindheit, von Lebensfreude und von all dem guten Essen. Wird es der Familie auch in der Ferne gelingen, sich ein neues Little Italy aufzubauen?
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Seitenzahl: 77
Veröffentlichungsjahr: 2020
FÜR MEINE ELTERN, EVA UND VITTORIO,
MEINEN BRUDER STEFANO
UND FÜR MATRIXE
SAPORI DI NAPOLI
LA MANO MORTA – DIE TOTE HAND
IL PALAZZO DEGLI SPIRITI
EL RINDOLO UND ONKEL SCHMATZI SCHMATZI
KINDHEIT IN NEAPEL
ES IST NICHT LEICHT, EIN BRUDER ZU SEIN!
DREI BRÜDER
UN PALAZZO A NAPOLI
SIE NANNTEN IHN „SCHNITZEL“
SONNTAG IN LITTLE ITALY
ISCHIA - SEHNSUCHT
ISCHIA SEPTEMBER FEELING
ITALIENISCHE MÄNNER SIND ANDERS!
ISCHIA DER HL. GIOVAN GIUSEPPE DELLA CROCE
ISCHIA - RUDI UND DIE VORSEHUNG
SORRENTO-DER GEHEIME STRAND
SFUMATURE
NONNO GEWINNT EIN SCHWEIN
ANTONIO UND DAS MEER
HERBST IN DER MAREMMA
DIE WEINTANKSTELLE
GRAN PREMIO DI NAPOLI
NAPOLI - DIE KÜSTE DES PAUSILYPON
CINEMA POSILLIPO A NAPOLI
EIN SOMMER IN NEAPEL
ZIO ENZO FEIERT GEBURTSTAG
MIZAR - DER KATER AUS ISCHIA
DON VITO - DER KAPITÄN
DIE NEAPOLITANISCHEN WEIHNACHTSDETEKTIVE
DER TRAUM VOM MEER
DAS UNTERIRDISCHE NEAPEL
UNTERHALTUNG AUF ITALIENISCH
Wie sollte es wohl anders sein? Natürlich beginnt die Reise durch meine Geburtsstadt Napoli im kulinarischen Bereich. Begleiten Sie mich, durch die Töpfe der neapolitanischen Küche und ihrer Gerichte. Variationen an frischen Lebensmitteln, viele in der fruchtbaren Erde des Vesuvs gewachsen und unter der Sonne des Südens gereift.
Schon zu Beginn stehen wir vor unüberwindbare Hürden. Hürden der Zeit. Bereits die alten Griechen und Römer kannten eine Fülle an Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Eintöpfe aus Gemüse, diverse Kohlsorten, Grünkohl, viele Arten von Broccoli nicht umsonst werden die Menschen im Süden oft verächtlich als „Gemüsefresser“ beschimpft. Rund um den Vesuv ist die Erde besonders fruchtbar, so bietet sie das ganze Jahr über, ein vielfältiges Angebot an Obst und Gemüse.
Wie zahlreiche Fresken an den Wänden der Häuser in Pompeji und Hercolaneum belegen, gab es damals bereits eine große Auswahl. Die sogenannten „armen Speisen“ wurden später oft Gerichte, die ihresgleichen suchten an Geschmack und Frische. Oliven, Käse, frischer Fisch aber auch zahlreiche in Salz eingelegte und so konservierte Speisen wechseln sich ab mit frischen Pilzen, Feigen, Trauben, Datteln oder meinen geliebten Nespole (Mispeln). Saucen, wie das „Garum“ aus fetten in Salz eingelegten Sardinen wurden zu Fisch und Fleisch gereicht.
Wechseln wir nun in die Gegenwart, finden sich gewisse Gerichte wieder. Allein die Variationen mit Hülsenfrüchten wie „Pasta e fagioli“ oder „Pasta e cecci“ „Pasta e patate“ sind nur einige Nudelgerichte mit Gemüse, aber auch Fleisch kommt natürlich nicht zu kurz. Würste, salsiccie genannt, verfeinert mit Pfeffer, Pistazien oder gewürzt mit wilden Fenchelsamen schmecken wunderbar mit friarielli, einer Unterart von Kohl- Broccoli Gemüse. Sogar auf der Pizza trat diese Kombination seinen Siegeszug an. Unerwähnt bisher Artischocken, zartbitter im Geschmack, gefüllt als Beilage zu Fleischgerichten oder mit Pasta als „primo piatto“ ein gar königliches Gemüse. Die Neapolitaner lieben es, ihr Gemüse, ihren Käse, ja sogar die Pizza in heißem Öl zu frittieren.
Zahlreiche „primi“ (erster Gang) zeugen davon. Zucchini, Melanzani neapolitanisch „Mulignani“, entweder in Scheiben mit Mehl frittiert mit Mozzarella, Cacciocavallo oder Provolone werden entweder paniert und wie Zucchiniblüten in Bierteig und heißem Öl frittiert. Gewürfelt werden Melanzani auch mit Sugo zu diversen Gerichten wie Pasta al Forno (Nudeln im Ofen) oder die bereits beschriebene Parmigiana. Es gibt unendlich viel Auswahl an Gemüse: Karfiol, Erbsen, Karotten, Hülsenfrüchte, Bohnen wie die Fave, die köstlich schmecken.
Ich erinnere mich zu Ostern beim Nonno am Sonntag wurden Berge davon mit Salami, Brot und Käse als Vorspeise gegessen mit einem leichten Tropfen Wein aus dem Keller vom Nonno, während in der Küche schon seit Stunden das Ragu langsam vor sich hin köchelte.
Im Italien der Nachkriegszeit war es nicht einfach das andere Geschlecht kennenzulernen. Im Haus, wo mein Vater aufwuchs, wohnten drei Generationen. Die Großeltern, seine Eltern und 6 Kinder. Es gab nur ein Schlafzimmer, kein fließendes Wasser und als Toilette hatte jeder einen Baum, wo er seine Notdurft verrichtete. Sein Großvater starb unter einem Baum, jenseits der 90, als er im Dunkel der Nacht seine Notdurft verrichten wollte. Er wurde von einem US-Soldaten erschossen.
Obwohl alle auf engstem Raum zusammenlebten, hatte mein Vater seine Eltern nie nackt gesehen. Geboren 1940, mussten alle am Bauernhof mitarbeiten. Kinderarbeit war kein Thema. Er war der jüngste Sohn und bis auf seine Schwester, Zia Maria, waren alle älter. Mann und Frau waren strikt getrennt. Frauen durften keine Weintrauben stampfen, da der Aberglaube besagte, dass der Wein sonst kippen würde. Meine Mutter war die erste Frau, die naiv und unbekümmert den Weinkeller betrat. Die Sechziger waren sehr prüde, nackte Haut ein Skandal. Nach und nach brachen die alten Strukturen langsam auf. Mein Vater und seine Brüder waren als Geleitschutz mit, wenn eine der drei Töchter eine Verabredung hatte. Es gab weder Aufklärung noch irgendwelche Umarmungen mit dem anderen Geschlecht, ganz zu schweigen von küssen oder mehr. Wer mehr wollte, musste in die Unabhängigkeit, dies war auch der Grund, warum es die Männer der Familie in die Ferne zog.
Zum einen entzog man sich der Kontrolle und zum anderen hatte man da und dort schon gehört, dass die Sitten und Frauen der anderen Länder lockerer waren. Das Kino und Sophia Loren mit viel nackter Haut verfehlten ihre Wirkung nicht. Das Blut der jungen Männer war in Wallung. Hollywood und die ersten entblößten Touristen taten ihr übriges. Einsam reisende Damen aus dem Norden, Inländische wurden ja gut bewacht, boten so die Möglichkeit sich einer Frau überhaupt zu nähern, einen Kuss zu erhaschen oder gar seine ersten Erfahrungen zu machen. Mutter erzählte oft die Geschichte, als sie mit Vater auf Capri spazieren ging und plötzlich die Stimme einer älteren Dame “Vittorio, Vittorio!“ süsselte. Meine Mutter sagte zu ihm: "Vittorio, da ruft dich jemand.“ Vater verneinte, betonte die Dame nicht zu kennen und alle drei ließen die Sache auf sich beruhen. Sie musste jedes Mal schmunzeln und mein Vater ließ es mit einem Lächeln über sich ergehen. Vater hatte seine ersten Erfahrungen mit allein reisenden Touristinnen gemacht. Ein italienischer Gigolo – und Mutter brachte die Moderne.
Uns fragte er immer, ob wir schon „la mano morta“ – „die tote Hand“ ausprobiert hätten, wenn wir mit einem Mädchen im Kino waren. Er sagte: “Ganz einfach, im Dunkeln legst du die ‚tote Hand‘ auf ihren Schoß, entweder lässt sie die Hand dort liegen oder du riskierst eine, aber du weißt sofort, woran du bist!“ Mein Vater war ein Mann der Tat. Wer heikel war, kam auf die Ersatzbank, nicht nur damals. Wie heißt es so schön: “Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.“
Wir fuhren die schmal asphaltierte Straße von Marechiaro hinauf, vorbei an der kleinen Siedlung „la Siberia“, die wohl wegen ihrer Abgeschiedenheit (man konnte nur über eine kleine befestigte Straße hinunter gelangen) den Namen „Sibirien“ trug, aber auch deshalb, da dort einige Menschen wohnten, die etwas „anders“ waren. Ich erinnere mich, mein Onkel Ciro wohnte auch dort, er war der Bruder meiner Nonna und war homosexuell. Er kam uns oft besuchen, auf der Via Manzoni, wo wir wohnten, denn mit meiner Mutter konnte er offen über alles reden. In den Vierzigern hatte er es sicher nicht leicht in Neapel! .
Ich erinnere mich: Wir Kinder waren gern dort, der Fernseher lief immer, es gab Süßigkeiten und jede Menge Freunde zum Spielen.
Die „Discesa Marechiaro“, wo Nonno früher wohnte und nun der Zio Enzo, war hier mit großen, glatten Pflastersteinen ausgelegt und wechselte immer wieder mit der asphaltierten Straße. Abwärts führte sie bis zum Meer und dem berühmten, besagten und vielbesungenen finestrella (Fenster) von Marechiaro, von dem Schriftsteller Salvatore di Giacomo.
Die Via Posillipo, die am Hafen von Margellina in die „Via Carracciolo mündet mit ihrer Promenade dem Meer entlang und den vielen kleinen Bars und Chalets, führt stadtauswärts hinauf, bis zu der Via Manzoni. Diese schlängelt sich parallel den Hügelkamm entlang bis zum Vomero, einem der höchsten Punkte Neapels. Dort führt dann die „Funiculare centrale“ die Standseilbahn wieder hinunter. Sie verbindet den Vomero mit der Via Toledo, der langen Einkaufsstraße im Zentrum.
Der Meeresspiegel in Neapel war von jeher starken Schwankungen unterworfen. Dies zeigt auch die alte Römersiedlung in Baiae, deren antiker Hafen und Villen unter dem Meeresspiegel liegen. Ein archäologisches Schutzgebiet – die Unterwasser Archäologie Welt. Die phlegräischen Felder, ein riesiger Vulkankegel, hat die Küste und den Meeresspiegel immer wieder gehoben und gesenkt. Das beweisen alte Ruinen entlang der Küste, die entweder knapp am oder unter dem Meer liegen. In Marechiaro gibt es z.B. „Il Palazzo degli Spiriti“, eine Ruine direkt am Meer. Eine alte Villa aus der Römerzeit, die nun von den Jugendlichen dazu benutzt wird, um aus verschiedenen Höhen ins Meer zu springen.
Ich erinnere mich, als wir einmal mit Zio Raffaele dort fischen waren. Wir saßen in einem kleinen Ruderboot und uns war übel,
