Neue Zukunftspläne – überall - Friederike von Buchner - E-Book

Neue Zukunftspläne – überall E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Britta stand am Fuß der Freitreppe. Mit einer Hand schirmte sie ihre Augen gegen die Morgensonne ab und schaute Julchen zu. Die Zehnjährige trat stehend in die Pedale. Es war ein altes Fahrrad, das lange im Schuppen gestanden hatte. Zenzi hatte es von Hansi instand setzen lassen. Dass sie hier in Waldkogel radeln konnte, gefiel dem kleinen Mädchen. Das war in München so nicht möglich gewesen, weil es ihre Mutter nicht erlaubte. »Guten Morgen, Britta!«, grüßte Zenzi. Britta drehte sich um, Zenzi stand in der Tür. »Guten Morgen, Zenzi, gut geschlafen?« »Ich schlafe immer gut, nun ja, meistens jedenfalls, und ich schlafe durch. Du siehst noch müde aus, Britta.« Britta gähnte. »Ich habe nur wenige Stunden geschlafen. Es war weit nach Mitternacht, als ich aus München zurückkam. Danach war ich sehr aufgekratzt. Aber es ist wirklich alles gut über die Bühne gegangen. Womit könnte ich Tim und Jenny eine Freude machen? Sie haben mir sehr geholfen.«

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Toni der Hüttenwirt – 383 –Neue Zukunftspläne – überall

Unveröffentlichter Roman

Friederike von Buchner

Britta stand am Fuß der Freitreppe. Mit einer Hand schirmte sie ihre Augen gegen die Morgensonne ab und schaute Julchen zu. Die Zehnjährige trat stehend in die Pedale. Es war ein altes Fahrrad, das lange im Schuppen gestanden hatte. Zenzi hatte es von Hansi instand setzen lassen. Dass sie hier in Waldkogel radeln konnte, gefiel dem kleinen Mädchen. Das war in München so nicht möglich gewesen, weil es ihre Mutter nicht erlaubte.

»Guten Morgen, Britta!«, grüßte Zenzi.

Britta drehte sich um, Zenzi stand in der Tür. »Guten Morgen, Zenzi, gut geschlafen?«

»Ich schlafe immer gut, nun ja, meistens jedenfalls, und ich schlafe durch. Du siehst noch müde aus, Britta.«

Britta gähnte.

»Ich habe nur wenige Stunden geschlafen. Es war weit nach Mitternacht, als ich aus München zurückkam. Danach war ich sehr aufgekratzt. Aber es ist wirklich alles gut über die Bühne gegangen. Womit könnte ich Tim und Jenny eine Freude machen? Sie haben mir sehr geholfen.«

»Das ist nicht nötig. Sie haben das gern getan. Hast du alles mitnehmen können, was du wolltest?«

»Ja, so ziemlich«, antwortete Britta Körner. Sie gähnt erneut.

»Madl, du kommst jetzt mit mir. Nach einem großen Becher Kaffee wirst du wieder munter.«

Sie gingen gemeinsam in die Schlossküche.

»Hinsetzen und bedienen lassen!«, befahl Zenzi lächelnd.

»Danke!«, murmelte Britta. »Ich gebe zu, ich gehe auf dem Zahnfleisch. Mir tut alles weh, als hätte ich Muskelkater. Dabei waren die Koffer und Kisten gar nicht so schwer. Aber ich kenne das von mir. Wenn ich aufgeregt bin und angespannt, tut mir alles weh.«

»Das verstehe ich. Da war die Angst, dass Jules Vater auftauchen könnte. Ich hätte dich gern begleitet, aber du wolltest das ja nicht.«

Britta nickte. »Ja, ich wollte das allein durchstehen. Du hast schon so viel für uns getan, Zenzi.«

»Weißt du, ich hätte mir gewünscht, dass der Unhold kommt, und ich dort gewesen wäre. Britta, ich sage dir, ich hätte dem Burschen eine unvergessliche Lektion erteilt und ihn mit dem Regenschirm vertrieben.«

Britta musste lächeln. »Das kann ich mir gut vorstellen. Aber es ging alles gut. Ich nehme an, er hat überhaupt nicht mitbekommen, dass ich in München war. Wobei man es nie wissen kann. Vielleicht lässt er weiterhin die Wohnung beobachten. Deshalb bin ich nachts hingefahren, um unsere Kleider und persönlichen Sachen zu holen. Es ist nur noch wenig dort. Meine alte Vermieterin hatte Tränen in den Augen. Sie hat mir angeboten, die Möbel stehen zu lassen. Sie macht sich Hoffnung, dass wir doch wieder zurückkommen. Sie will die Wohnung auch nicht mehr vermieten. Ich habe ihr versprochen, dass wir zu Besuch kommen. Sie hing sehr an Julchen.«

»Julchen ist auch ein herziges Madl. Sage deiner lieben Vermieterin, sie kann jederzeit zu Besuch kommen. Rufe sie an und richte ihr Grüße von mir aus. Oder gib mir ihre Telefonnummer, dann rufe ich sie an und lade sie ein, euch hier zu besuchen. Das ist sicherlich besser.«

Britta nickte.

Zenzi schenkte ihr Kaffee ein.

Britta fügte Zucker und Milch dazu und rührte lange um. Sie seufzte leise.

»Was hast du? Woran denkst du? Du machst dir doch um etwas Gedanken, Britta.«

»Die Sache mit Julchens Vater belastet mich noch sehr. Obwohl mein Leben eine neue Wendung bekam – durch dich. Seit ich jetzt in München war, sind die alten Ängste wieder da.«

»Ich kann das nachempfinden, Britta. Sie werden wieder abklingen. Und je mehr Zeit vergeht, desto weniger wirst du daran denken. Außerdem kümmern sich Magnus und sein Vater um die Angelegenheit. Ich denke, sie können dir Ruhe verschaffen.«

»Sie bemühen sich. Magnus sagte, wenn Jules Vater nicht freiwillig die Erklärung unterzeichnet, dass er sich in Zukunft von Julchen und mir fernhält, wird er verklagt. Aber das könnte bedeuten, dass ich und vielleicht auch Julchen befragt werden.«

»Mache dir mal keine Sorgen, Britta, und höre auf, immer das Schlimmste zu erwarten. Aber ich verstehe dich. Es soll kein Tadel sein. Du bist immer vor ihm auf der Hut gewesen und warst immer in Verteidigungshaltung. Dir fällt es schwer, an einen unkomplizierten Ausgang zu glauben. Aber auf Magnus und seinen Vater kannst du vertrauen. Die Rechtsanwaltskanzlei Moser hat nicht umsonst den besten Ruf in München.«

»Du hast recht, Zenzi. Wahrscheinlich bin ich zu müde, um gelassen zu sein.«

»Leg dich noch etwas hin! Du musst heute nicht arbeiten.«

»Ja, ich muss nicht ins Hotel. Beatus Seeberger hat mir freigegeben.«

»Das ist schön.«

»Ja, das ist es. Außerdem hat er mir ermöglicht, jeden Tag eine Stunde länger zu arbeiten und dafür öfter ein langes Wochenende zu nehmen. Er weiß, dass ich viel lernen muss für die Prüfung. Es ist zehn Jahre her, dass ich meine Nase in Lehrbücher gesteckt habe.« Britta seufzte. »Ich hätte nie gedacht, dass ich so schnell meine Prüfung ablegen kann. Als ich den Termin bekam, geriet ich in Panik. Ich fragte mich, wie ich das schaffen soll. Ich habe vorgestern mit Martin darüber gesprochen, als ich für die letzte Infusion bei ihm in der Praxis war. Er meinte, ich soll mich hüten, zu viel zu lernen. Das hatte ich nicht verstanden. Er hat es mir erklärt. Er sagte, ich solle mir den Stoff einteilen. Wenn ich mit einem Teil fertig sei, sollte ich nicht gleich weitermachen. Das Gehirn benötige Pausen.«

»Das klingt sehr vernünftig«, sagte Zenzi. »Du kannst mit Julchen Wanderungen machen. Mei, das Madl ist so begeistert von den Bergen.«

Britta lächelte. »Das stimmt. Sie macht an der Teppichstange Klimmzüge, um ihre Muskeln zu trainieren. Sie kann kaum abwarten, alt genug zu sein, um in den Bergen klettern zu dürfen.«

»Ja, sie hat mir erklärt, sie wolle später als Bergführerin arbeiten«, erzählte Zenzi.

Sie schmunzelten beide.

»Das hat sie mir auch gesagt«, sagte Britta. »Ich habe sie darin bestärkt, wie ich das immer getan habe. Sie wollte schon viele Berufe ergreifen, Lehrerin, Kinderärztin, Polizistin, Pilotin und jetzt Bergführerin.«

»Das ist bei allen Kindern so«, sagte Zenzi.

Britta hatte ihren Kaffee ausgetrunken. Sie schenkte sich nach. »Langsam werde ich munter. Ich will heute alle Kisten und Koffer auspacken. Julchen freut sich auf ihre Spielsachen, besonders auf ihre Stofftiere. Sie wird sie dir bestimmt alle vorstellen.«

Zenzi lächelte.

»Du sagst, du könntest jeden Tag eine Stunde länger arbeiten. Wie passt das zu den Zeiten des Tagesinternats? Kommt Julchen dann vor dir nach Hause?«

»Nein, ich fange einfach eine Stunde früher an. Es wird auf jeden Fall so sein, dass ich am späten Nachmittag Schluss machen kann, wenn Julchens Tag ebenfalls zu Ende ist.«

»Sie scheint sich in der Kloster-Schule gut eingelebt zu haben.«

»Oh ja, das hat sie. Am Nachmittag ist sie im Tagesinternat. Sie macht ihre Hausaufgaben und nimmt freiwillig an verschiedenen Kursen teil. Ich erkenne sie kaum wieder. Sie ist so fröhlich und blüht richtig auf.«

»Das ist mir auch aufgefallen, Britta. Aber du bist auch aufgeblüht.«

»Ich möchte den erleben, dem es in Waldkogel nicht gut geht«, sagte Britta mit Nachdruck. »Okay, manchmal habe ich noch einen kleinen Rückfall und komme ins alte Fahrwasser. Doch das wird vorbeigehen.«

»Mit Sicherheit wird es vorübergehen! Ach, da fällt mir etwas ein. Ich habe fast vergessen, es dir zu sagen. Magnus hat angerufen. Er kommt am Wochenende mit Charlotte und den Kindern auf die Berghütte. Moritz und Hedwig wollen unbedingt zu ihrem Urgroßvater. Charlotte und Magnus bleiben nur kurz. Magnus will zu einer Tagung und Charlotte fährt mit. Sie holen die Kinder am Sonntagabend wieder ab.«

»Da wird sich Alois freuen«, sagte Britta lächelnd.

»Verbringe doch ebenfalls das Wochenende auf der Berghütte! Julchen hat mir gesagt, dass sie sehr schön mit Hedwig und Moritz spielen kann.«

»Ja, das ist eine gute Idee«, antwortete Britta. Sie strich sich zwei Haarsträhnen hinter die Ohren. »Vielleicht kann ich dann kurz mit Magnus persönlich sprechen. Das ist besser, als zu telefonieren.«

»Das stimmt. Also verschwindest du am Freitagabend auf die Berghütte«, beschloss Zenzi.

Das Telefon klingelte. Zenzi nahm das Gespräch an. »Oh, du bist es Marie. Grüß Gott, was gibt es?«

»Ich mache mir ein bisserl Sorgen um die Ella Waldner. Ich habe sie schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Das ist mir nur irgendwie aufgefallen. Bilde ich mir das mir ein?«

»Stimmt, ich habe auch in den letzten drei Wochen nichts mehr von Ella gehört. Mir hätte es auffallen müssen. Sonst kam sie immer ein bis zweimal in der Woche hier vorbei. Gut, dass es dir aufgefallen ist, Marie. Aber ich war die letzte Zeit sehr beschäftigt. Ich werde sie besuchen, noch heute. Danke für deinen Anruf! Wie steht es bei euch im Sägewerk, nach dem Brand?«

»Die Versicherung ist immer noch dabei, den Brand zu untersuchen. Wir müssen Geduld haben.«

»Es wird schon werden, Marie.«

»Das denke ich auch, Zenzi. Grüße mir alle!«

»Du ebenso, Marie, pfüat di!«

»Pfüat di, Zenzi!«

Zenzi beendete das Gespräch und stand auf. »Britta, trinke ruhig deinen Kaffee aus. Marie Weißgerber hat mich auf etwas aufmerksam gemacht. Es kann ein paar Stunden dauern, bis ich zurück bin.«

Zenzi verließ sofort die Küche.

Augenblicke später hörte Britta, wie der Motor von Zenzis Auto ansprang und sie davonfuhr.

Britta nahm den Kaffeebecher mit hinauf in ihre Wohnung. Sie hatte viel zu tun und wollte unbedingt mit dem Auspacken und Einräumen fertig sein, wenn ihre Tochter am späten Nachmittag heimkam.

*

Es war schon fast dunkel, als sich vier Lichtkegel der Berghütte näherten.

Alois saß auf der Terrasse. ›Das sind sie‹, dachte er. Er formte die Hände zum Trichter vor den Mund und rief: »Charlotte!«

Das Echo hallte zwischen den Bergen wider.

Charlotte, eine seiner beiden Enkelinnen, hob den Arm und winkte mit der Stablampe.

Augenblicke später erreichte Charlotte mit ihrem Mann Magnus und den Kindern Moritz und Hedwig die Berghütte.

Die Kinder umarmten ihren Urgroßvater herzlich.

Erst dann konnten sich Charlotte, Magnus und Alois begrüßen.

»Ich dachte, ihr kommt früher?«, sagte Alois.

»Oh ja, das war auch unser Plan. Aber erstens kam ich später aus der Kanzlei und zweitens standen wir schon kurz nach dem Ortsausgangsschild im Stau«, antwortete Magnus Moser.

»Stau zur Hochsaison ist fast normal«, sagte Alois. »Kommt rein! Wollt ihr ein Bier?«

Charlotte und ihr Mann warfen sich Blicke zu.

»Alois, wir nehmen schnell einen Kaffee«, sagte Charlotte. »Du weißt, dass wir nur die Kinder zu dir bringen wollten. Magnus muss zu einer Tagung. Wir können nicht lange bleiben. Hier in den beiden Rucksäcken sind alle Sachen von Hedwig und Moritz.«

Sie gingen in den Wirtsraum.

»Wo sind Toni und Anna?«, fragte Magnus.

»Sie sind runter zur Ziegenalm. Wendy und Henk haben sie eingeladen«, antwortete Alois.

»Schade, dann sehen wir sie erst, wenn wir die Kinder am Sonntagabend wieder abholen«, meinte Charlotte.

Alois ging in die Küche, um Kaffee zu machen. Alle liefen ihm hinterher.

»Dürfen wir wieder bei dir in deiner Kammer schlafen, auf einem Matratzenlager, wie echte Bergler?«, fragte Moritz.

Alois schmunzelte. »Was heißt – wie echte Bergler? Ihr seid meine Urenkel. Ihr seid Bergler«, sagte er. »Ich habe euch schon alles zurechtgemacht.«

Moritz und Hedwig warfen die Arme hoch und jubelten vor Freude.

»Pst! Wollt ihr alle wecken?«, sagte Alois.

Schnell hielten sie sich den Mund zu. Dann klammerten sie sich liebevoll an ihrem Urgroßvater.

»Los, ab mit euch – aber ganz leise«, sagte Charlotte.

»Julchen schläft in der Kammer gegenüber«, sagte Alois.

»Schade, dass sie schon schläft«, brummte Hedwig.

»Zieh nicht so ein Gesicht! Ihr werdet euch morgen sehen. Sie war müde und ihre Mutter hat sie ins Bett geschickt«, erklärte Alois.

Die Kinder sagten gute Nacht und schlichen auf den Zehenspitzen in seine Kammer.

Charlotte ging hinterher und stellte ihnen die Rucksäcke mit ihren Sachen in die Kammer.

»Dann hat sich Britta auch schon hingelegt?«, erkundigte sich Magnus bei Alois.

»Nein, sie hat Julchen nur ins Bett gebracht. Sie wird gleich herauskommen.«

»Das ist gut, ich wollte mit ihr sprechen. Kann ich mit ihr ins Wohnzimmer gehen?«

»Bub, klar kannst du das«, antwortete Alois. Er griff nach einem Tablett und richtete es mit Tassen, Zucker, Sahne und einer Kanne Kaffee. »Hier – das kannst du mitnehmen. Bei einem Becher Kaffee redet es sich leichter.« Er ging voraus und hielt Magnus die Tür auf.

Alois und seine Enkelin Charlotte setzen sich an den Kamin.

»Wie geht es Britta?«, fragte Charlotte.

»Es geht ihr viel besser, seit sie in Waldkogel ist. Sie arbeitet jetzt im Hotel ›Zum Ochsen‹ und bereitet sich auf die Prüfung als Hotelfachfrau vor. Oberin Justina hat da wohl ihre Kontakte spielen lassen. Britta bekam einen Sondertermin. Jetzt ist sie am Pauken. Aber die Sache mit Julchens Vater lastet doch noch sehr auf ihr«, antwortete Alois.

»Ich denke, das konnten Magnus und sein Vater regeln. Es gibt aber noch ein paar Details, denen Britta zustimmen muss. Einzelheiten weiß ich nicht.«

Alois nickte. »Ich werde Britta holen«, sagte er.

Es vergingen keine fünf Minuten, dann saßen Britta Körner und Magnus Moser im Wohnzimmer von Toni und Anna.

»Mei, Britta, bist du vielleicht angespannt! Sei locker! Es ist vorbei, wenn du willst.«

»Wenn ich will? Ich will schon so lange, dass es vorbei ist. Julchens Vater soll mich und sie in Ruhe lassen!«

Magnus nickte. »Britta, das wird er. Er hat sich vertraglich dazu verpflichtet. Ich denke, er wird sich daran halten. Außerdem kann er nicht mehr auf das Wohlwollen des Jugendamts zählen.«

»Er hat sich wirklich schriftlich dazu verpflichtet?«, fragte Britta. »Ich kann es nicht fassen.«

»Doch, so ist es. Er hat eine Willenserklärung abgegeben, die sogar notariell beglaubigt wurde. Ich soll dir etwas ausrichten.«

»Magnus, ich will nichts wissen. Bitte, sei still!«

Doktor Magnus Moser schüttelte den Kopf. »Also, ich soll dir seine Entschuldigung ausrichten. Er hat eingesehen, dass er ständig zu weit gegangen ist. Das hat einen tieferen Grund. Er leidet sehr darunter, keine Kinder zu haben. Mein Vater und ich haben lange mit ihm gesprochen. Mein Vater hat ihn überzeugt, sich wegen der Sache in Therapie zu begeben. Britta, du musst dir das so vorstellen: Er stand unter einem inneren Zwang, wie ein Alkoholiker oder ein Drogenabhängiger. Die fragen sich nur, wo sie die nächste Flasche Schnaps oder den nächsten Schuss herbekommen; er wollte das Sorgerecht für Julchen. Wie bei einem Alkoholiker oder bei einem Junkie die Gedanken um den nächsten Kick kreisen, war er davon besessen, Julchen zu bekommen. Okay, mein Vater und ich sind keine Therapeuten oder Ärzte, wir sind Rechtsanwälte. Aber wir haben einige Erfahrung mit Mandanten, die unter Zwang stehen und deshalb auf die schiefe Bahn kommen. Julchens Vater ist krank.«

Britta schüttelte den Kopf und sagte: »Warum ausgerechnet Julchen? Er hätte ein Kind adoptieren können. Es gibt im Ausland auch Leihmütter.«

»Das ist beides richtig. Aber es ist nicht nur so, dass seine Frau keine Kinder bekommen kann. Es hat sich herausgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er Vater werden kann, sehr gering ist. Die Ärzte haben ihm wenig Hoffnung gemacht. Dass es Julchen gibt, das ist ein Hauptgewinn für ihn, größer als jeder Jackpot.«

Britta Körner atmete tief durch. »Okay, ich habe verstanden«, seufzte sie. »Aber das ist kein Grund, immer und immer wieder zu versuchen, mir Julchen wegzunehmen.«