Neues vom Führer - Armin Spree - E-Book

Neues vom Führer E-Book

Armin Spree

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Beschreibung

In diesem Sammelband spricht der Führer Klartext. Er kritisiert vor allem die Verkehrsbehörden, die ihn ohne Führerschein ließen und somit dem deutschen Volk jede Mobilität nahmen. Wir erfahren aber auch viel über Wagner, Nüsse und die Weltkriege. Sie sparen hier sehr viel Geld, wenn Sie die ganze Wortgewalt in einem erwerben, denn einzeln gekauft, haben Sie den mehrfachen Schaden.

In diesem Band finden Sie folgende Werke vom Autor Armin Spree:

  • Das geheime Tagebuch der Eva Braun
  • Die geheimen Tischgespräche des Adolf Hitler
  • Mein Hanf
  • Hitlers Fluch(t)
  • Haunebu 2
  • Die geheimen Liebschaften des Adolf Hitler
  • Rede eines wahren Fußballfans
  • Jetzt rede ich - Blondi packt aus

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Armin Spree

Neues vom Führer

(scheinlosen)

BookRix GmbH & Co. KG81371 München

Cover Mein Hanf

 

Klappentext Mein Hanf

 Im Nachlass eines in einem Spital in Chile verstorbenen Mannes fand sich dieses Manuskript, das den Forschern Rätsel aufgibt. Es handelt sich bei dem Autor um einen offensichtlich an Größenwahn leidenden Hanfbauern, der seit Jahren unauffällig in dem Land lebte. Es ist im Übrigen nicht wahr, dass jeder chilenische Staatsbürger dieses Buch bei seiner Trauung erwerben muss, aber wahr, dass es keiner haben will.

Mein Hanf (1)

Polizeistation - Santiago de Chile

 

„Ich sagte Ihnen doch, dass ich nur geredet habe, vor dem Volk“, sagte ein alter Mann mit einem Schnäuzer.

„Für uns ist das Vagabundieren“, sagte ein Polizist.

„Ich habe eine historische Mission zu erfüllen und daran können Sie mich nicht hindern, denn die Vorhersehung hat mehr Einfluss, junger Freund, als Ihre lächerliche Uniform“, sagte Mittler.

„Name und Adresse“, sagte der Polizist scharf.

„Adolf Mittler, Berlin, derzeit in den chilenischen Anden“, gab Mittler bereitwillig zu Protokoll.

„In Ihrem Pass steht aber Sanjues, Jose. Ich warne Sie, auf Vagabundieren und das Halten von aufwiegelnden Reden steht Gefängnis“, sagte der Polizist.

„Wenn Sie nicht verstehen können, dass ich mich sowieso nicht mehr lange in diesem Land aufhalten werde und Ihr Verhalten in der Zukunft schwere Konsequenzen für das diplomatische Klima zwischen England und Chile haben wird, dann verlange ich auf der Stelle, Ihren Vorgesetzten zu sprechen. In meiner aktiven Zeit hätte ich Sie erschießen lassen“, sagte Mittler.

Der Polizist verließ die kleine Verhörzelle und ging in ein Nebenzimmer, in dem ein Spiegel angebracht war, der einseitig durchsichtig war. Durch den verglasten Spiegel konnten die Polizisten Mittler beobachten. Der Polizist sagte zu seinem Vorgesetzten: „Was ist das denn für ein schräger Vogel? Der ist komplett durchgedreht.“

„Was wirft man ihm vor?“, sagte der Vorgesetzte.

„Wir haben den vagabundierenden Mann auf dem Marktplatz verhaftet. Er stand da auf einer selbst errichteten Tribüne und hielt Reden. Wir sind von einem Bürger angerufen worden, dass der alte Mann sich völlig verausgabt und gegen Afrikaner hetzt. Zudem gibt er einen falschen Namen an und redet wirres Zeug“, sagte der Polizist.

„Das soll es ja geben, dass einer denkt, ein anderer zu sein. Ist er denn gewalttätig?“, fragte der Vorgesetzte.

„Nicht bis jetzt. Wenn man mal von seinen Hasstiraden absieht, die der vom Stapel lässt“, sagte der Polizist.

„Wir sollten da mal unseren Psychologen konsultieren. Das ist wohl eher ein Fall für die Klapse. Schicken Sie Herrn Bunitas mal zu ihm. Der kann sich den dann mal ansehen“, sagte der Vorgesetzte und veranlasste, dass Mittler in eine kleine Zelle verlegt wurde.

 

Bunitas erfuhr nur, dass er einen alten Mann explorieren sollte, der sich merkwürdig verhielt. Er war Polizeipsychologe. Er hatte schon viele Fälle begutachtet. Psychopathen, Exhibitionisten und Schizophrene. Als er die Zelle betrat, sah er Mittler am Tisch sitzen.

„Guten Tag, ich heiße Bunitas. Dr. Bunitas.“

„Guten Tag.“

„Herr Sanjues?“, sagte der Psychologe.

„Wenn Sie so wollen“, sagte Mittler.

„Oder wer sonst?“, stieg der Psychologe gleich in die Suggestionsfragen ein.

„Es ist doch absolut uninteressant, wie ich heiße“, sagte Mittler.

„Ist es nicht, Herr Sanjues. Der Name ist wichtiger Teil unserer Identität. Das ist schon wichtig, wie wir heißen. Sie gaben noch einen anderen Namen zu Protokoll bei Ihrer Vernehmung heute früh. Was hat es mit diesem Namen auf sich?“, sagte der Psychologe.

„Ein Alias, nichts weiter“, sagte Mittler abwiegelnd.

„Ein merkwürdiger Alias, Herr Sanjues. Sie sagten, Sie seien Adolf Mittler“, insistierte der Arzt.

„Und wenn schon“, verschloss sich Mittler.

„Aber um Ihnen gleich den Wind für Ihre lächerlichen Versuche, mich zu psychiatrieren, aus den Segeln zu nehmen“, sagte Mittler bestimmt, um fortzufahren, „ich werde mich von keinem Wald- und Wiesenarzt hier zum Wahnsinnigen stempeln lassen. Ich sage grundsätzlich immer das, was ich denke. Dies ist das ureigene Recht jedes Menschen. Wenn ich also gesagt habe, dass ich Mittler heiße, dann wird das auch so sein. Es soll wohl mehr als einen Menschen geben, der mehrere Namen besitzt. Dies gibt es bei Schriftstellern. Dies gibt es bei Diplomaten. Dies gibt es bei mir.“

„Mag sein. Aber dennoch gibt es wenige, die vorgeben, einen derart bekannten Namen zu haben. Sie müssen zugeben, dass dies nicht normal ist. Oder was meinen Sie, Herr Sanjues?“

„Bekannt oder nicht bekannt. Ich bin eh nicht mehr lange in diesem primitiven Land“, erwiderte Mittler.

„Was machen Sie denn beruflich?“, fragte der Psychologe.

„Ich bin Hanfbauer. Ich gehe einer ehrlichen und männlichen Arbeit nach. Wenn ich auch in meinem Leben eher mit dem Kopf als mit der Hand gearbeitet habe, so ist es für keinen Menschen eine Schande, sich mannhaft zu ernähren“, sagte Mittler.

„Das ist es sicher nicht. Aber ich würde gerne mehr über Ihren Alias-Namen erfahren. Warum sagten Sie, dass Sie Adolf Mittler heißen?“

„Junger Mann, es mag ja sein, dass Sie auf einer dieser Universitäten gelernt haben, wie man Messer und Gabel hält, und ferner mag es auch sein, dass Sie glauben, ein schlauer Kopf zu sein. Ich versichere Ihnen aber, dass Sie sich an mir Ihre gelehrten Zähne ausbeißen werden. Denn ich bin klar und deutlich. Ich habe in meinem Leben eine Menge Erfahrungen gesammelt, die man an keiner Universität lernen kann. Wie eh das Gelehrte sich immer am Wert für die Gemeinschaft messen muss. Was nutzt uns denn eine Bildung, wenn sie nicht auch den Menschen formt und dazu ermächtigt, Dinge richtig einzuordnen und sinnvoll einzusetzen. Die Bildung heutiger Tage erscheint mir da, mit Verlaub, nichts Anderes zu sein als dahingeklatschtes Wissen ohne Verankerung zu einem Wert, ohne emotionalen Bezug zu irgendeiner rationalen Idee. Wie sollte das auch anders sein, wenn die Bildung nur von Menschen gelehrt wird, die selbst zum Leben nur rudimentär tüchtig sind und selbst kaum ein Wissen über das Gesamte haben. Es ist für mich keine Bildung, wenn man das nachbetet, was sich die Machthaber, je nach Gutdünken, zusammengereimt haben. Es ist doch ein ganz normaler Vorgang, dass man immer nur das auch lernen darf, was politisch opportun ist. So glauben Sie doch wohl nicht, dass bei den Römern irgendeine Bildung stattfand, die über den damaligen Wertekanon des römischen Weltreiches hinausging. Das wäre auch geradezu dumm, wenn die Herrscher einer Ideologie die Bildung zuließen, die sie selbst hinterher schwächt. Das liegt doch auf der Hand und auch ich habe natürlich in meinem Leben immer wieder mit Nachdruck und Konsequenz darauf peinlichst geachtet, dass der Pimpf nur das lernt, was er lernen soll, dass das Mädel nur das lernt, was es lernen darf. Bei den Völkern, die wir erobert haben, sind wir noch weiter gegangen. Wir haben die Menschen ihre eigene Sprache vergessen lassen, indem wir eine Rechtschreibreform nach der anderen eingeführt haben. Das hat die Menschen so verwirrt, dass sie hinterher ihre eigenen Bücher nicht mehr lesen konnten. Das war ein wirksames Mittel, um die sogenannten intellektuellen Eliten davon abzuhalten, ihr Wissen an die jüngeren Generationen weiterzugeben. So wie es für ein Sklavenvolk eben auch völlig ausreicht, wenn es bis 10 zählen kann und seinen Namen schreibt. Mehr brauchen Sklaven nicht. Im eigenen Interesse aber muss man natürlich die Forschung und die militärische Entwicklung forcieren und jede Art von Kreativität dulden, wenn sie denn der Machterhaltung und Machtausdehnung dienlich ist. So lebt das Bildungssystem immer mit dem Widerspruch, dass der Kluge mit dem Dummen gar nicht lernen kann. Deshalb muss man auch den Dummen nicht fördern und den Klugen zu den Eliten stecken. Das muss man konsequent machen. Denn was nutzt einem denn ein dummer Mensch, der den Klugen daran hindert, zu den Höhen aufzusteigen, die seine intellektuelle Ressource hergibt. Deshalb haben wir auch peinlichst darauf geachtet, dass wir da ganz früh aussieben. Wir haben die Klugen in Eliteschulen gesteckt und die Dummen sehr schnell einer Arbeit zugeführt, die körperlich vom Dummen zu leisten war. Denn es gibt keinen größeren Quatsch als die Annahme, dass man jemanden fördern kann, der dazu keine Anlage hat. Ich kann einen unbegabten Menschen fünfhundert Jahre Klavier lernen lassen, der wird doch niemals ein Klavierkonzert spielen können. Wenn ich aber einen begabten Menschen da ranlasse, dann hat der innerhalb kürzester Zeit ein Ergebnis vorzuweisen. Wenn dann heute behauptet wird, dass man die Schwachen fördern muss, und wenn dann da Millionen und Milliarden in die Defizitärenförderung gesteckt werden, dann ist das der größte Unsinn, den sich eine Gesellschaft leisten kann. Denn würde man nur ein Zehntel davon in die Förderung der Eliten stecken, dann wäre das Ergebnis brauchbar und für die Gemeinschaft nützlich. Alles Andere ist nur rausgeschmissene Energie und verschwendetes Geld. Ich glaube aber nicht, und da denke ich grundlegend anders als viele konservative Menschen, dass Bildung nur etwas für die Reichen ist. Denn es hat sich immer wieder gezeigt, dass es nicht nur die Reichen und sogar oft gerade nicht die Reichen sind, die eine vernünftige Bildung verdienen. Auch an meinem Beispiel sieht man deutlich, dass es durchaus möglich ist, dass mitten aus dem Volk eine außergewöhnliche Begabung erwächst. So was muss man erkennen. Da ist jeder Lehrer gefragt, egal in welchem Umfeld, da muss gesiebt und genau hingesehen werden. Denn wenn wir nur einen verlieren, wenn wir nur einen dieser Rohdiamanten auf dem Weg verlieren, dann ist das ein unermesslicher Verlust für alle. Deshalb haben wir auch alles getan, um die Klugen von den Dummen abzugrenzen. Es gibt im Übrigen ein sehr probates Mittel, um einem Dummen auch eine Lebensaufgabe zuzuweisen, die ihn ausfüllt und glücklich macht. So hängen Sie doch einem Dummen eine Binde um und geben Sie ihm einen Rang. Sie werden sehen, wie schnell sich der Dumme diese Rolle aneignen und wie gewissenhaft er seine Aufgaben erledigen wird“, monologisierte Mittler.

Der Psychologe war erstaunt. Mit einem solchen Vortrag hatte er nicht gerechnet. Der Mann redet gerne, dachte sich Bunitas und wusste, dass er von diesem Mann alles erfahren konnte, was er zur Exploration benötigte. Wie ein offenes Buch würde dieser Mann am Ende sein und er konnte aus dem Wortschwall sicher viele Informationen filtern, die ein abgerundetes Gesamtbild ergeben würden.

„Sie scheinen sich mit diesen Dingen beschäftigt zu haben?“, heuchelte Bunitas Vertrauen.

„Ach, junger Mann. Ich musste mich mit allem beschäftigen. Denn das war doch gerade die Aufgabe, die ich mir mit eiserner Disziplin und ohne Rücksicht auf meine eigene Person aufgelastet habe. Aber ich tat dies nicht aus eigenem Gusto. Es war die Vorhersehung, die mir mehr als einmal diese verantwortungsvolle Aufgabe andiente, und wer wäre ich denn gewesen, wenn ich nicht uneigennützig dieser Mission große Teile meines Lebens geopfert hätte? Was hätten Sie denn getan, wenn man Ihnen diese Rolle quasi in den Schoß gelegt hätte? Es hat sich gezeigt, dass 42 Attentatsversuche bei mir nicht fruchteten. Dies war nicht nur mein Instinkt, der immer einen Führer auszeichnet, sondern es waren auch die Bestimmung und die göttliche Vorhersehung, die nicht wollte, dass ich meine Aufgaben nicht zu Ende bringe. Als der Stauffenberg damals mit einer verräterischen Clique versuchte, den Ausgang der Weltgeschichte zu verändern, da hat sich doch gezeigt, dass Gott nicht wollte, dass dies alles vorzeitig endet. Ich habe spätestens an diesem Punkt endgültig begriffen, dass mich die Vorhersehung niemals aus meiner Verantwortung entlassen würde. Ich wusste ja, dass man den ganzen Zinnober früher oder später hinter sich lassen muss. Aber es war damals nicht an der Zeit und die feigen Verräter wurden ihrer gerechten Strafe zugeführt. Man hat es im Bürgerbräukeller versucht, man hat es in Museen versucht, man hat es in Flugzeugen versucht und man hat es auf Veranstaltungen versucht. Niemals aber konnte einer dieser Verbrecher einen Erfolg verbuchen. Dies ist aber auch dem Umstand zuzuschreiben, dass mein Instinkt mich nie verlassen hat. Sie können mir glauben, dass es keinen Führer gibt, der ohne diesen Instinkt auch nur zwei Minuten in der Politik überlebt“, fabulierte Mittler.

„Sie sind ein Führer, Herr Sanjues?“

„Nun glauben Sie doch nicht, dass ich nicht wüsste, dass alles nicht den Anschein danach hat, als ob dem so wäre. Ich bin doch nicht so verblendet, dass ich nicht wüsste, dass ich ein armer Bauer bin, der hier große Reden schwingt. Das muss auf alle wahnsinnig wirken. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich dies nur deshalb nach Jahren des Schweigens tue, weil ich mich zum zweiten Mal entschieden habe, in den Lauf der Geschichte einzugreifen.“

„Herr Sanjues, Sie meinen das doch nicht wirklich ernst? Sie sind ein Führer und verändern die Geschichte? Finden Sie nicht, dass das alles etwas sehr abgehoben klingt? Ich will Ihnen nicht verhehlen, dass es durchaus auf mich keinen geistig gesunden Eindruck macht, was Sie da von sich geben“, sagte der Psychologe wahrheitsgemäß.

„Es soll doch den Eindruck machen, den Sie wollen. Für mich ist das nicht wichtig. Denn wenn die Geschichte zu mir kommt, dann werde ich den Ruf erhören. Und wenn die Vorhersehung es will, dann können weder Sie noch Ihr lächerlicher Staat mich daran hindern, meine Pflicht zu erfüllen. Denn das mag manchen erstaunen, aber die Geschichte wird nicht nur von Männern gemacht. Es kommt dabei viel mehr darauf an, dass die Zeit reif ist. Wenn ein Volk seine Schmach nicht mehr erträgt, wenn eine Ungerechtigkeit den Menschen die Zornesröte ins Gesicht treibt, wenn die Machteliten versagen und das Volk nach Gerechtigkeit ruft, da kann niemand die Entwicklung aufhalten. Das war bei Danton so, das war bei Napoleon so, das war bei Lenin so und das war auch bei mir so. Ich kenne die Befindlichkeit der Volksseele besser als mancher, der sich dazu aufschwingt, sein Volk zu kennen. Ich weiß, wann es an der Zeit ist, dass man handelt. Nur der Mutige hat das Schicksal. Nur der Entschlossene und der nicht Zauderliche und der nicht Zögernde erobert die Welt. Natürlich darf das kein Blinder sein, der mit dem Kopf durch die Wand rennt und nicht weiß, wann seine Stunde gekommen ist. Sehen Sie sich die Welt doch an. Meinen Sie nicht, dass alles da draußen im Argen liegt? Halten Sie diese Welt für gerecht? Fühlen Sie sich wohl bei den 38 Kriegen, die jetzt auf dem Erdball toben? Fühlen Sie sich wohl, wenn Sie sehen, dass vielleicht 1% der Menschen mehr Reichtum besitzt als alle Anderen auf der Welt? Halten Sie so etwas für gerecht?“, sagte Mittler.

Der Psychologe hatte zunächst genug gehört. Er verabschiedete sich und versprach, in nächster Zeit Mittler wieder aufzusuchen. Mittler goutierte das gleichgültig.

 

Bunitas saß in seinem Büro und schrieb einen Bericht. Der Fall Sanjues war interessant. Der Mann war offensichtlich schwer gestört. Er glaubte, ein Führer zu sein, eben Adolf Mittler und er konnte von dieser Wahnvorstellung nicht mehr abstrahieren. Er muss seit Jahren mit diesen Symptomen kämpfen, dachte sich Bunitas. Der jetzige Ausbruch seiner Wahnideen muss aber extrem stark sein, denn Sanjues war niemals in psychiatrischer oder auch nur psychologischer Behandlung. Bunitas empfahl der Polizeibehörde, Sanjues in ein Spital zu verlegen und den weiteren Verlauf der Krankheit zu beobachten. Er glaubte nicht, dass von dem Patienten direkte Gefahr ausging. Er konnte das aber auch nicht gänzlich ausschließen.

Mein Hanf (2)

 

Im Besprechungszimmer des Spitals:

 

„Ich halte das alles für einen ungeheuren Eingriff in meine persönliche Freiheit“, sagte Mittler, der in einem Besprechungszimmer einer psychiatrischen Klinik saß.

„So beruhigen Sie sich doch, Herr Sanjues. Wir wollen doch alle nur das Beste für Sie“, sagte ein Arzt.

Der Arzt, Dr. Benued, hatte die Akte vor sich liegen, in der Bunitas seine Einschätzung niedergeschrieben hatte. „Manisch-depressive Megalomanie mit chronischen Schüben.“

„Wir wollen doch alle nur, dass es Ihnen besser geht. Wollen Sie eine Tasse Kaffee, Herr Sanjues?“, fragte der Arzt.

„Ach lassen Sie mich doch in Ruhe. Ich habe nun weiß Gott Besseres zu tun, als mich mit Ihnen hier zum Kaffeetrinken zu verabreden“, sagte Mittler konsterniert.

„Was haben Sie denn so Wichtiges zu tun?“, insistierte Dr. Benued.

„Wenn ich Ihnen das sage, dann kann ich wohl den Rest meiner Tage hier verbringen. Wahrscheinlich denken Sie, dass ich auch kleine grüne Männlein sehe und mich für Napoleon halte“, entrüstete sich Mittler.

„Nun, für Napoleon nun nicht gerade, aber für Mittler.“

„Ja, und? Ich kann doch nun wirklich nicht behaupten, dass ich wie der Blinde von der Farbe rede. Wenn ich seit Jahren mein Dasein als einfacher Landarbeiter gefristet habe, so doch nur deshalb, weil ich keinerlei Aufsehen erregen wollte. Nun ist die Sachlage aber eine andere. Ich bin fest entschlossen, diesem ganzen Zirkus ein Ende zu machen. Ich kann nicht mehr länger mit ansehen, wie die gesamte Welt ein Moloch ist. Dafür bin ich noch zu jung. Ich fühle mich durchaus in der Lage, der Welt nun den finalen Akt zu ermöglichen, der entweder mit dem totalen Sieg oder mit der totalen Niederlage enden wird“, ereiferte sich Mittler.

„Der gesamten Welt, Herr Sanjues? Ist das nicht etwas hoch gegriffen?“, fragte der Arzt.

„Nun denken Sie doch wahrscheinlich, da ist einer, der weiß nicht, was er tut. Wir hatten das auch. Aber ich kann Ihnen versichern, ich bin so gesund, wie ich hoffe, dass Sie es auch sind. Sie können gerne überprüfen, ob ich nicht bei Verstand bin. Fragen Sie mich etwas. Irgendetwas Beliebiges aus meiner aktiven Zeit. Sie werden sehen, dass ich Ihnen jede Frage beantworten kann, denn mein Gehirn arbeitet tadellos“, sagte Mittler.

„Zu welcher Zeit soll ich Sie denn befragen, Herr Sanjues?“, fragte Benued.

„Hören Sie zunächst einmal auf, mich beim falschen Namen zu nennen. Ich bin Adolf Mittler, ehemaliger Führer des dritten großdeutschen Reiches und noch immer rechtmäßiger Kanzler der letzten frei gewählten deutschen Vertretung“, sagte Mittler.

„Nun gut, Herr... Mittler. Dann erzählen Sie mal. Warum sind Sie dann hier?“

„Ich bin emigriert. Als 1945 das Ende nah war, da habe ich den Speer gefragt, was ich tun soll. Meine Paladine haben mir geraten, aus Berlin zu fliehen und vom Süden des Reiches die Geschicke der Nation zu lenken. Nun ist Fliehen nicht gerade meine beste Tugend. Ich bin kein Feigling und auch der Speer hat gesagt, dass ich auf der Bühne stehen sollte, wenn der Vorhang fällt. Nun war dies aber keine unwichtige Frage. Denn ein Selbstmord im Führerbunker wäre auch nicht das Ideal dessen, was ich mir unter dem ehrenvollen Abschied eines Führers vorstelle. Da kam mir der Porsche zur Hilfe. Der hatte eine geniale Lebensverlängerungssubstanz entwickelt, die mir der Morell nicht zubereiten konnte. Wie der Morell sowieso ein Quacksalber war. Ich hatte also eine wichtige Entscheidung zu treffen. Soll ich Deutschland für alle Zeiten verlassen, soll ich, was wichtiger ist, die Welt verlassen, ohne weiter auf den Lauf der Geschichte Einfluss zu nehmen, oder sollte ich Porsches Elixier zu mir nehmen und den weiteren Gang aus einem sicheren Exil heraus weiter verfolgen? Nach langer Abwägung hatte ich mich dann für die zweite Variante entschieden. So bin ich damals nach Argentinien emigriert, da ich da, wie viele Andere aus unserer Bewegung auch, einige politische Freunde hatte. Ich lebte dort einige Zeit, bis ich es für ratsam hielt, nach Chile auszuwandern. Seitdem lebe ich hier unter bescheidenen Verhältnissen als Hanfbauer“, erläuterte Mittler seine Situation.

„Aha, das klingt plausibel“, heuchelte der Arzt.

„Natürlich klingt das nicht plausibel. Das klingt sogar verrückt. Meinen Sie, ich wüsste das nicht? Aber es spielt doch keine Rolle, wie etwas klingt, sondern lediglich, ob es wahr ist oder nicht. Nun werden Sie das nicht anhand von Dokumenten überprüfen können. Denn ich habe keine. Das wäre auch noch schöner, wenn ich hier frank und frei als Adolf Mittler rumlaufen würde. Da würde sich der Mossad aber freuen. So dumm kann keiner sein. Ich habe gesehen, wie sie alle nach und nach gekriegt haben. Den Eichmann, diesen Dummkopf, und den Mengele, diesen Perversen. Aber ich wäre nicht Adolf Mittler, wenn ich ähnlich gestrickt wäre wie meine Paladine. Ich habe mir das alles ganz genau angesehen, was nach mir geschehen ist. Die Atombombe, den Flug zum Mond, die Kriege in Korea und Vietnam, den Untergang der Bolschewiken und die Errichtung des Staates Israel. All das habe ich gesehen und alles registriert. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten, dass ich in der Welt stehe. 

Ich bin doch keiner von Ihren lebensuntüchtigen Gestalten, die hier auf Staatskosten durchgefüttert werden und sich womöglich noch unter Ihrer Obhut vermehren. So etwas hätten wir gar nicht zugelassen. Bei uns gab es die Euthanasie, die das Normale von dem Kranken radikal trennt. Die Erhaltung der Volksgesundheit war mir immer oberstes Anliegen, denn wer will denn schon ein Land, in dem nur Wahnsinnige ihr Unwesen treiben. Da muss man eiskalt sein. Da haben die Kirchen gemosert und aufgejauchzt. Davon habe ich mir nichts angenommen. Wir mussten da aber Rücksicht nehmen auf den normalen Otto auf der Straße. Denn der war noch nicht so weit. Da muss ich aber doch die Ärzteschaft loben, die da auch ganz loyal war. Die hatte noch mehr verstanden, warum wir das taten, denn die musste ja den ganzen Tag diese Kranken versorgen. Es ist doch keinem gesunden Menschen zuzumuten, dass da Verrückte in einem Restaurant sitzen und dass die Kinder so was auch sehen. Das braucht die Volksseele nicht. Wir haben da ganz klare Ansichten gehabt. Da waren wir aber nicht die Einzigen. So etwas haben sehr viele gedacht. Dass man da eben auch mal, um das Ganze zu schützen, dass man da auch Härtefälle hat, das erklärt sich doch von selbst.“

Mittler bat um ein Glas Wasser.

„Wenn ich das nun aber so höre, Herr... äh... Mittler, dann würde das aber jetzt für Sie gar nicht gut aussehen. Da können Sie froh sein, dass der chilenische Staat da andere Ansichten hat“, sagte der Arzt.

„Wollen Sie mir drohen?“, sagte Mittler, um fortzufahren: „Ich bin doch kein Verrückter. Ich rede hier von den Menschen, die Erbkrankheiten haben und die unheilbar erkrankt sind. Denen kann man nicht helfen, denen muss man nicht helfen und denen soll man auch nicht helfen. Das ist doch evolutionärer Irrweg. Jede Gesellschaft schwächt sich doch selbst, denn diese Menschen sind ansteckend. Ihr Wahnsinn überträgt sich doch auf die gesunde Masse der Bevölkerung. Was noch schlimmer ist, wenn die sich dann auch noch vermehren, dann fügen diese Kreaturen auch noch der Nachwelt einen Schaden an, der nicht mehr heilbar ist. Da bin ich immer ganz klar gewesen.“

Der Arzt schaute Mittler an. Er wusste nicht genau, was er von diesem Mann halten sollte, dessen Redeschwall voller bösartiger Verdrehungen war, der über Menschen sprach, als wären sie Tiere. Das Schlimmste aber war, dass Mittler offensichtlich ein Überzeugungstäter war. Er war fest davon überzeugt, dass er entscheiden konnte, wer das Recht zu leben hatte und wer nicht. Mittler hielt sich für eine Art Gott. Tatsächlich wusste Benued, dass das Euthanasieprogramm der Nazis Tausenden Menschen das Leben gekostet hatte. Er wusste, dass Menschen oft ohne ersichtlichen Grund sterilisiert wurden und in den Kliniken des Reiches verschwanden, wo sie oft unter menschenunwürdigen Verhältnissen dahinvegetierten oder ermordet wurden. Besonders schlimm traf es die Menschen, die Juden oder Roma, die Sinti oder die, die aus den besetzten Gebieten stammten, denn hier wurde gar kein Federlesen mehr gemacht. Viele endeten in den Gaskammern oder erhielten eine Todesspritze.

Aber Mittler war noch nicht fertig mit seinem Vortrag: „Wenn wir damals einige von diesen Verrückten sterilisiert haben, dann haben wir allen damit genutzt. Denn was hat denn so ein kranker Mensch davon, der doch selbst sich kaum auf den Beinen halten kann, geschweige denn selbst sich ernähren kann, was hat denn ein solcher Tropf davon, wenn er sich auch noch um seinen Nachwuchs kümmern soll. Das überfordert den Menschen absolut. Das können die gar nicht. Also waren unsere Maßnahmen auch ein Schutz für diese Menschen.“

Das war die Höhe. Also auch noch ein Schutz? Mittler hatte keine Probleme, aus seinem Massenmord an den kranken Menschen eine Heilstat zu glorifizieren. Das war schon glatter Selbstbetrug und Betrug an jedem, der sich so etwas veranschaulichen musste.

„Herr Mittler, mal ganz abgesehen davon, dass ich Ihnen nicht glaube, dass Sie 126 Jahre alt sind und Adolf Mittler sind, mal ganz davon abgesehen, werde ich mir Ihren Blödsinn nicht sehr lange anhören“, entrüstete sich Benued.

„Ja, das kennen wir. Die Demokraten, diese scheinheiligen Vertreter der eigenen Interessen, die haben auch immer behauptet, dass es eine Meinungsfreiheit gibt. Aber wenn man dann mal was gesagt hat, wenn man mal eingehakt hat, dann sind die gerannt wie die Hasen. Die konnten sich doch nicht einmal mit den Realitäten auseinandersetzen. Ein Demokrat kann doch nur so lange Bestand haben wie der Sessel, in den er sich durch Lüge und Intrige hat hinsetzen lassen, so lange wie der Sessel von der Korruption und dem Lobbyismus gewärmt ist. Als wir dann damals die Meinungsfreiheit abgeschafft haben, da haben wir doch nur das getan, was diese Demokraten auch immer taten. Denn eine Diskussion, eine wirkliche Auseinandersetzung, konnten diese Figuren doch gar nicht führen, da wäre jeder zusammengebrochen. Wie sollten sie das denn auch, denn sie haben sich doch nur für sich selbst interessiert und sich immer nur daran gehalten, wie viel Diäten sie verdient haben und welche Schecks ihnen von der Industrie zugesteckt wurden. Das Volk hatte das doch irgendwann durchschaut. In der Weimarer Republik war die Demokratie doch nichts Anderes als eine reine Lüge. Das Volk verarmte, das Geld inflationierte und deflationierte, die Menschen waren zu Millionen arbeitslos. Die Demokraten hat das nicht geschert. Und die Presse, die war gekauft von den gleichen Leuten, die auch die Demokraten gefüttert haben. Ich habe damals schmunzeln müssen, als der Göbbels gesagt hat, vor der versammelten gleichgeschalteten Presse, dass es eben nun an der Zeit sei, die Schandtaten der Presse zu sühnen, die sie in ihrer sogenannten Freiheit verbrochen haben. Dass es eben genügend Möglichkeiten für die freie Presse gab, aus ihrer Freiheit auch etwas zu machen, das dem Volk nützlich ist. Diese Chance haben die Pressevertreter aber verspielt, und da sie dazu nicht in der Lage waren, ist es nur das gute Recht des Volkes, dieser Freiheit jetzt mal eine Zensur entgegenzusetzen“, sagte Mittler und schmunzelte in sich hinein.

„Ja, eine Zensur, die alles unterdrückte, was anderer Meinung war. Die alles internierte und in Konzentrationslager steckte, das nicht genehm war. Die eine Willkürjustiz installiert hat, die ohne rechtsstaatliche Grundlagen war, die jede und jeden unterdrückte und mit Terror überzog, der nicht dem idealen Bild der Propaganda entsprach. So etwas nennen Sie das Recht des Volkes? Man kann nun wirklich nicht zynischer über das Recht reden, das Menschenrecht, eine eigene Meinung haben zu dürfen. Wir wissen doch alle, dass es im dritten Reich ein Denunziantensystem gab, das sogar nicht davor zurückschreckte, die Kinder gegen die Eltern aufzuhetzen. Wo ein Witz ausreichte, um ins KZ zu wandern. Das nennen Sie das Recht des Volkes?“, sagte Benued und merkte, wie Mittler es irgendwie geschafft hatte, ihn aufzuregen und in eine politische Debatte zu verstricken. 

„Nun tun Sie doch nicht so. Die freie Meinung war immer eine Mär. Die galt doch, besonders in der Weimarer Republik, immer nur für die Reichen. Wer sich einen Anwalt leisten konnte, der bekam vielleicht auch Recht. Aber Lieschen Müller bekam doch nie Recht. Das konnte die sich doch gar nicht leisten. Deshalb haben wir auch damit aufgeräumt. Bei uns war es egal, ob da ein verzogener Adeliger saß oder Otto Normal. Bei uns hatten beide die gleichen Rechte und Pflichten. Wir haben Schluss gemacht mit dem Standesdünkel und jedem gesagt, dass er ein Volksgenosse ist oder eine Volksgenossin, das war unser Credo. Da gab es doch mehr Recht als in den Zeiten der Demokratie. Bei uns konnte der ärmste Bauer klagen oder sich sogar an mich selbst wenden. Sie glauben nicht, wie viele einfache Bürger mir geschrieben haben. Ich konnte natürlich nicht alles lesen, aber ich habe mir immer die Zeit genommen, um auch dem einfachsten Landser zuzuhören“, sagte Mittler.

„Ja, der wohlwollende Diktator. Sie glauben doch selbst nicht, was Sie sagen, Mittler als Treuhänder der Gerechtigkeit. Das ist an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten, Herr Mittler. Das Rechtssystem der Nazis basierte auf Willkür und auf Gesetzen, die kriminell waren. Diese Gesetze, wie die Nürnberger Gesetze, waren kriminelle Gesetze“, warf Benued ein.

„Waren sie das? Ich halte es nicht für kriminell, das Edle, das Reine vor dem Schmutzigen und Verdorbenen zu beschützen. Schauen Sie sich doch die Menschen heute an. So viel Pornographie und Schmutz – die Jugend heutiger Tage wird zugeschüttet mit Schmutz. Die jungen Seelen werden durch den bolschewistischen Mist so lange zugemüllt, bis nichts mehr in ihnen übrig ist an Edlem und Reinem“, sagte Mittler.

„Jetzt wird es mir aber wirklich zu bunt, Herr Mittler oder Herr Sanjues, oder wie immer Sie heißen. Ich werde es nicht zulassen, dass Sie hier Propagandareden halten, die ich im Übrigen für geschmacklos und inhaltlich unbegründet halte. Sie reden im Namen dieses Mittlers von Reinheit? Der Zweite Weltkrieg ist und bleibt die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts und die Nazis haben daran die Verantwortung. An 60 Millionen Toten, an 6 Millionen ermordeten Juden, an dem Tod von Roma und Sinti, an Tod, Leid, Verwüstung und Raub. Wenn ich nicht wüsste, Herr Sanjues, dass Sie sehr schwer krank sind, dann würde ich mich keine Sekunde mehr mit Ihnen unterhalten und ich sage Ihnen jetzt etwas. Ich werde mich von jetzt an nur noch und zwar ausschließlich mit Ihrer Krankheit beschäftigen. Was Sie politisch denken oder ob ein Reissack in China umfällt. Es ist mir egal – für mich sind Sie krank und das wollen wir ändern. Für heute ist es aber definitiv genug.“

Mein Hanf (3)

Adolf Mittler liegt in seinem Krankenzimmer. Die Schwester ist bei ihm.

 

„Na, mein junges Ding. Sie sind sicher die angenehmste Freude in dieser Tristesse, in der ich mich unfreiwillig befinde“, sagte Mittler zu der Schwester.

„Wir wollen nur, dass Sie schnell wieder gesund werden, Herr Sanjues“, sagte die Schwester.

„Ach bitte, nennen Sie mich Mittler. Adolf Mittler“, bat er die Schwester.

„Gut, wenn Sie es wünschen. Der Arzt sagt immer, wir sollten unsere Patienten ernst nehmen und unterstützen, und wenn es Ihnen halt gefällt.“

„Sehr nett von Ihnen. Wissen Sie, in meiner aktiven Zeit, da hatten wir ja viele so schöne Mädel, wie Sie eines sind. Ich hatte aber kein Auge dafür. Denn wo wären wir hingekommen, wenn ich, ähnlich wie der Göbbels, jedem Frauenrock hinterhergestiegen wäre. Das wäre doch meiner Position gegenüber völlig unangemessen gewesen. Ich musste mich dagegen mit allem herumschlagen, auch mit den wenig erfreulichen Dingen.“

„Haben Sie noch einen Wunsch, Herr San... ich meine, Herr Mittler?“

„Ach seien Sie doch so lieb und geben Sie mir Papier. Mir reichen ein bescheidener Bleistift und ein Block mit Blättern. Vielleicht werde ich einige Skizzen anfertigen, die ich dann später den Architekten vorlege. Das wird dann alles gebaut. Oder ich verfasse ein Pamphlet. Irgendwie muss ich mich ablenken. Bitte, tun Sie mir den Gefallen“, sagte Mittler freundlich.

„Ich schau mal, da lässt sich bestimmt was machen. Malen Sie doch was Schönes oder schreiben Sie ein Gedicht“, sagte die Schwester, um den Raum zu verlassen und nach kurzer Zeit mit einem Kugelschreiber und einem Block wiederzukommen.

„Sie vergessen aber nicht, die Tabletten zu nehmen, Herr Mittler?“, sagte sie, als sie ihm den Block gab.

„Nein, nein, mein Kind. Vielen Dank. Die Geschichte wird das Ihnen danken“, sagte Mittler und bedeutete der Schwester, dass sie nun gehen konnte.

Mittler nahm die Tabletten und versteckte sie unter seinem Bett. Morgen nach der Visite würde er sie verschwinden lassen.

Mein Hanf (4)

Ich habe mein Volk verloren. Ich suche mein Volk.

Seit die Bolschewiken im Schulterschluss mit den Yankees mein geliebtes Berlin heimgesucht haben, werde ich nicht mehr heimisch in der Welt. Da der weltfremde Speer meinen Zerstörungsbefehl sabotierte und boykottierte, ist es nun den Siegermächten ein Leichtes, das schwache und dem Untergang geweihte Restvolk der Restdeutschen am Rumpf zu verbiegen. Ich verdanke es nur dem genialen Ferdinand Porsche, dass ich hier, in den chilenischen Anden, ein bescheidenes Dasein fristen kann. Seine Erfindung, eine geheime Substanz mit einem Motoröl seiner Sportwagen zu mischen, hat mir ein unbegrenztes Leben ermöglicht. So flog ich dereinst mit einem Fieseler Storch aus dem umkämpften Berlin, um in einem U-Boot nach Argentinien und danach nach Chile verbracht zu werden. Hier züchte ich mit wachsender Leidenschaft Hanf und kann mir von der Pflanze einen mehr schlechten als rechten Lebensunterhalt verdienen.

Vergessen die Tage, an denen ich Olympiaden eröffnete und Kriege führte. Die Welt, die ich heute sehe, ist voller Rauch und Dampf. In Chile ist es eine verbreitete Sitte, dass die einfachen Bauern und Knechte sich von der harten Tagesarbeit mit allerlei Hanfigem Erleichterung verschaffen. Ich selbst, und dies war mir immer Gesetz, verfalle aber mit festem Willen und eiserner Entschlossenheit nicht dem Rauschmittel, da ich weder trinke noch rauche.

So kann ich aus der Ferne beobachten, wie die Welt nach mir vor sich hinsiedet, sich selbst wie eine Fratze entstellt und sicher bald dem Untergang entgegengeht. Denn es ist eben das natürliche Gesetz, dass ein Fuchs ein Fuchs ist und das bleiben wird. In meiner langen Lebenszeit konnte ich immer wieder überprüfen, ob meine Ideen und Gedanken, ob meine Ideologie, ob meine Analysen und die daraus resultierenden Entscheidungen, ob all dies Bestand hat vor dem Gericht der Geschichte. Denn ich habe es schon 1924 vor dem Gericht in München gesagt, dass es nur ein Gericht gibt, dem ich mich verpflichtet fühle, dem ich Rechenschaft abzugeben habe, und dies ist das heilige Gericht der Nation. Wenn ich heute mit tränenden Augen den Globus betrachte, dann sehe ich nichts als Fäulnis und Dekadenz. Ich muss bei lebendigem Leibe mit ansehen, wie in Deutschland eine Kanzlerin regiert, die Hosenanzüge zum stilistischen Avantgardemittel erhoben hat. Die mit tapsigen Händen durch die Weltgeschichte eiert, als wäre Politik etwas für ein Mädcheninternat. Ich muss mit tränenden Augen vor den Trümmern stehen, die von meinem Lebenswerk geblieben sind. Ich sehe einen Rollstuhl fahrenden Finanzminister, der das Vermögen der deutschen Nation, sofern dies überhaupt noch existiert, der dieses Vermögen mit vollen Händen an die Südländer und die Hochfinanz verjubelt. Ich sehe einen ehemaligen Vizekanzler, der offensichtlich Chinese ist und es tatsächlich wagt, zu behaupten, dass er den Willen der Nation verkörpert. Ich sehe Parteien, die an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten sind. Da nennen sich einige geistige Brandstifter bewusst „Piraten“, ohne dabei auch nur einmal zu bedenken, dass die Piraterie zu Recht zu allen Zeiten verfolgt wurde und zu den verabscheuungswürdigsten Verbrechen zählt. Da nennen sich politische Chaoten „die Grünen“ und verseuchen das politische Klima mit Abgeordneten, die weder je einen Friseur gesehen haben, noch jemals in ihrem Leben mannhaft ihren Dienst an der Waffe getätigt haben. Da gab es mal einen Außenminister, der das Parlament in Turnschuhen betrat. Nicht, dass ich das Parlament besonders achte. Aber einen gewissen Respekt sollte doch jeder, der in der Tagespolitik beschäftigt ist, zumindest aus etwas Anstand heraus, besitzen.

Da sehe ich eine Frau, die aussieht wie die Rosa Luxemburg und natürlich wie damals eine Räterepublik errichten möchte und mit einem Überläufer liiert ist, der aus den Reihen der Sozialdemokraten stammt. Die sogenannte „Linke“ ist ja nichts Anderes als ein Abklatsch der damaligen KPD, denen meine Schlägerhorden schon damals den Schneid abkauften.

Ich sehe eine Hochfinanz in der Welt jubeln, die endlich am Ziel ihrer Wünsche und am Ziel ihrer Träume ist. Ein deregulierter, globalisierter Markt ist entstanden, der nicht Lieschen Müller und auch nicht Otto Normal nützt, sondern nur den Reichen und Superreichen immer mehr die Taschen füllt. Ich sehe Länder aus den Mittelmeerregionen, die sich in ein neuartiges Supergebilde namens EU mit Lügen und Falschaussagen einkaufen und die dem deutschen Volk den letzten Cent aus der Tasche ziehen. So wie die Mark, die gute alte Deutsche Mark, so wie dieses dem Deutschen doch immer heilige Zahlungsmittel, wie diese bewährte und stabile Währung auf dem Altar der Superhochfinanz geopfert wurde und mit einem korrupten und für die Launen der Finanzmärkte anfälligen Euro ersetzt wurde, so wurde Lieschen Müller gleich zweimal belogen. Da sagte man ihr doch tatsächlich, dass ein Euro so viel Wert besäße wie zwei Deutsche Mark in der Vergangenheit. Heute sieht aber Lieschen Müller, dass ein Euro nicht mal mehr 50 Pfennig wert ist. Der Euro ist für Lieschen Müller gar nichts wert. Aber niemand hat sie gefragt. So wie man Otto Normal auch nicht gefragt hat, als es darum ging, marode Staaten, deren sprichwörtliche Inflation, wie Italien und andere Pleitegeierländer, zum Himmel stanken, wie man diese Staaten in eine Zwangsgemeinschaft presste und dann auch noch zu allem Überfluss die Souveränität der gewählten Vertreter nach Brüssel delegierte. Lieschen Müller steht staunend vor diesem Verrat, der nicht auf ihrem Mist gewachsen ist. Denn kein normaler Mensch, der in Deutschland lebt und lebte und leben wird, möchte Mitglied einer europäischen Union sein, die nicht Deutschland als Hauptsitz und Zentrale hat. Denn das ist doch klar: Deutschland kann durchaus mit Europa in Frieden und Anstand leben, aber doch nicht, wenn Europa nicht den Sinn hat, Deutschland auch zu nutzen. Ich habe ja damals nicht umsonst gesagt, dass ein geeintes Europa natürlich unersetzlich ist. Denn Europa gehört zusammen. Aber natürlich unter deutscher Führung...

 

„Herr Mittler, warum arbeiten Sie denn so viel. Sie müssen sich ausruhen“, sagte die Schwester zu dem über seinem Manuskript brütenden Mittler.

„Ach nein, mein Kind. Ich bin entspannt, wenn ich eine Aufgabe habe“, sagte Mittler.

„Ich habe eine Überraschung für Sie, Herr Mittler. Raten Sie mal, wer da ist?“

„Ja wer denn?“

„Paula ist da. Sie kommt Sie besuchen.“

In der Tür stand eine große dunkelhäutige Frau. Paula Ziruwski war seit einigen Jahren die Haushaltshilfe und Vertraute des alten Mannes. Sie hatte einen großen Strauß Blumen mit und bat die Schwester um eine Vase.

„Jose, wie geht es dir denn?“, sagte Paula.

„Ach, Eva. Schön, dass du gekommen bist“, sagte Mittler zu der enttäuschten Paula.

„Ich bin nicht Eva, Jose“, sagte sie und konnte ihre Tränen kaum unterdrücken.

„Ja, setze dich, Kind. Ich weiß ja, dass du es jetzt auch nicht leicht hast. Wahrscheinlich verwirren dich die ganzen Fragen der Genossen und all der Rummel wegen der Reise nach England. Aber es wird alles gut werden. Wenn wir erst einmal da sind, dann machen wir es uns gemütlich. Das ist zwar nicht der Berghof, aber wir werden dennoch ein schönes Anwesen haben. Dann kannst du auch mal wieder die See sehen. Ich weiß doch, dass du die See liebst.“

„Was redest du denn da, Jose? Wir können uns eine Reise nach England doch gar nicht leisten. Was sollte ich auch da. Ich kann doch gar kein Wort Englisch“, sagte Paula.

„Ja ja, du bist eben nicht gerne da, wo ich nicht bin. Das alles macht dich jetzt nervös. Aber du magst es dennoch, wenn wir wieder zusammen sind. Dann wird sich schon alles finden. Der Bonemann ist ja auch ganz eifrig bei der Sache. Es ist gut, wenn man weiß, dass man sich auf seine Getreuen verlassen kann.“

„Er wird dich bald auch besuchen. Mensch, Jose, wach doch endlich wieder auf. Was ist bloß mit dir los? So kenne ich dich gar nicht. Du redest so merkwürdige Dinge“, sagte Paula besorgt.

„Du hast vollkommen recht. Ich sollte vor Antritt meiner Reise gut und kräftig schlafen. Ich werde meine Kraft brauchen. Ich möchte, dass du wieder ganz die Alte bist. So wie wir uns kennenlernten. Weißt du noch? Du warst ja so ein junges Ding. Und ich noch lange nicht Kanzler. Du hast es mir nie verziehen, dass ich dich nicht allen gezeigt habe und allen gesagt habe, dass wir zusammen waren. Und Blödsinn hast du gemacht. Wolltest dich umbringen. Aber ich konnte das ja nicht. Aber nun, da wir ja noch im Bunker geheiratet haben, musst du dich nicht mehr schämen. Ich werde allen sagen, dass du Eva bist, und alle sollen wissen, dass wir zusammen sind“, begann Mittler in seinen Träumen zu schwelgen.

„Ach Jose, ich hoffe nur, dass du bald wieder gesund bist und zurückkommst und wieder auf der Plantage arbeitest. Da gehörst du doch hin“, sagte Paula beschwörend.

„Sicher, mein Kind, ich werde wieder einen offenen Wagen fahren. Das kann ich auch noch in meinem Alter...“

Paula wusste nicht mehr, was sie sagen sollte. So hatte sie Jose nie erlebt. Ob so etwas heilbar war? Sie wusste es nicht. Dazu war es noch so abstoßend. Wäre er doch wenigstens im Wahn etwas Sympathisches geworden. Aber dieser Mittler, das war ja wohl die letzte Rolle, die sie bei Jose sehen wollte.

„Ich muss jetzt gehen… Jose“, sagte Paula und drückte ihm die Hand.

„Mach nur, Kind, und sag dem Bonemann, dass ich das Theoretische schon vorbereite, er soll sich um die Ausarbeitung der Einmarschbefehle kümmern.“

 

Jetzt aber ist das Gegenteil eingetreten und das deutsche Volk wird jeden Tag mit neuen Horrormeldungen konfrontiert, die sich Bürokraten in aller Herren Länder ausgesponnen haben. Da werden Glühbirnen verordnet und per Gesetz eingeführt, die keine Lebenserwartung haben und kein Licht geben. Da werden Kontonummern geändert, die dann Lieschen Müller aufgrund einer eventuellen Leseschwäche gar nicht mehr eingeben kann. Da werden unsinnige Verordnungen und Gesetze erlassen, die alle nur dem einen Zweck dienen, nämlich Lieschen Müller zu verwirren und ihr jeden Lebensmut zu nehmen.

Da reden die angeblichen Demokraten in Berlin davon, dass sie schließlich vom Volk gewählt worden seien. Ich aber sage: Was ist denn eine Wahl wert, die bei jeder durchschnittlichen Klassensprecherwahl in einer Dorfschule für ungültig erklärt würde? Oder ist eine Wahl denn dann wirklich gültig, wenn 40 % der Wahlberechtigten da gar nicht hingehen. Wäre so eine Wahl in meiner Realschule damals durchgeführt worden und 40 % der Schüler wären krank gewesen, ja, man hätte sehr wahrscheinlich diese Wahl gar nicht erst stattfinden lassen. Aber da scheint es keine Klausel im Grundgesetz zu geben, denn wahrscheinlich ist in den Augen der Demokraten in Berlin eine Wahl auch dann noch gültig, wenn nur 0.1 % der Wahlberechtigten gewählt haben. Da wäre die doch auch gültig, diese Wahl. Ich bin aber überzeugter Demokrat. Das sage ich hier deutlich. Jedenfalls so lang, bis ich an der Macht bin.

Ich hielt Wahlen immer für überflüssig. Denn eine Wahl ist vom Gedanken aus schon eine Lüge. Denn niemand kann wirklich wählen, wenn er keine Alternativen hat. Wenn nämlich alle Parteien in allen Fragen eh einer Meinung sind, wozu ist denn dann eine solche Wahl zunutze? Oder sieht Lieschen Müller denn irgendeinen Unterschied zwischen der SPD und der CDU? Oder zwischen der FDP und den Grünen?

Nein, den sieht sie nicht und das zu Recht, denn der deutsche Michel soll auch nur glauben, dass er eine Wahl hat. In Wirklichkeit hat er keine. Denn wäre da wirklich eine Wahl, die etwas ändern könnte, und da muss ich dem Tucholsky, den ich ansonsten nicht so schätze, einmal ausnahmsweise Recht geben, dann wäre so eine Wahl längst verboten worden.

Der deutsche Michel ist aber auch derart naiv, dass er nicht versteht, dass es doch vollkommen irrelevant ist, ob es eine PKW-Maut gibt oder nicht, ob es eine Rente mit 60 oder mit 80 gibt, dies alles ist doch ebenso wichtig wie die Frage, ob es heute Kartoffelpuffer gibt oder nicht. Das mag den einen oder anderen interessieren, aber die Frage, ob es Kartoffelpuffer gibt, ändert doch nichts am Lauf der Welt.

Wenn ich mir den verblödeten Deutschen heutiger Tage ansehe, dann frage ich mich, wozu es eigentlich mal eine deutsche Geschichte gegeben hat. Ausgehend von Karl dem Großen und der Varusschlacht, ausgehend von den Wurzeln der Germanen bis zu den Weltkriegen. Der Deutsche heutiger Tage benimmt sich, als wäre er ein Neutrum. Ein unbetretener, unberührter Fleck der Natur. Aber das ist er mitnichten. Ganz im Gegenteil ist der Deutsche voll mit Geschichte. So voll, dass ihm der Stehkragen zu platzen droht.

Der fehlende Humor der heutigen Deutschen zeigt sich besonders im Umgang mit meiner Person. Ich laufe den ganzen Tag auf allen Sendern. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgendwo in Deutschland gesendet werde. Aber das schmeichelt meinem Ego nicht, denn ich habe schließlich den Führerkult, wenn auch nicht erfunden, so doch in Deutschland eingeführt. Das hat der Benito mir gezeigt, wie wirksam das ist, wenn die Massen etwas haben, zu dem sie aufsehen können. Der Mensch mag es eben nicht, wenn er den ganzen Tag die Qual der Wahl erdulden muss und der Freiheit hilflos ausgeliefert ist. Das mag der Mensch ebenso wenig, wie eine Krämerin zur Operndiva geboren ist, so ist die Masse eben nichts weiter als eine pulsierende Anhäufung von Quasaren, die nach einer Ordnung suchen. Diese Ordnung kann aber dem kleinen Menschen auf der Straße nicht von Schießbudenfiguren vermittelt werden, denen die Lebensuntüchtigkeit aus den Augen quillt. Die Masse mag Tatkraft und kein Geschwätz.

Aber ich berichtete darüber, dass ich jeden Tag im deutschen Fernsehen gesendet werde. Ohne Eitelkeit kann ich also behaupten, dass ich heute noch, fast 70 Jahre nach meiner Emigration, dass ich eben heute noch der meistgesehene Schauspieler der Welt bin. Mich macht das nicht stolz. Denn die Gülle, die da über mein Haupt geschüttet wird, diese Gülle würde mich ekeln, wenn ich nicht wüsste, dass die Schmierenschreiber, die Deutschland mit platten Journalien vermüllen, dass diese Brut von Journalisten eben nur das sagt und denkt, was ihre Geldgeber ihr befehlen. Denn wem gehören denn die Fernsehsender in Deutschland? Sie gehören einer Familie namens Bertelsmann und dann den Amerikanern. Das sieht man dann in einem anderen Licht, denn erwartet Lieschen Müller nun gerade vom Amerikaner Objektivität? Aber ich frage mich dann schon, warum die Sender meinen Führerkult eins zu eins übernommen haben. Vielleicht wollen sie einfach zeigen, dass sie mich nicht vergessen haben. Das kann gut sein. Aber was kann denn Lieschen Müller dafür, dass die Amerikaner mich nicht vergessen haben? Der Deutsche ist so naiv, dass er sich sogar Fernsehserien andrehen lässt, die ernsthaft behaupten, über die Mütter und die Väter zu berichten. Ja aber, dann frage ich einmal: Was denkt wohl der Zuschauer, wenn er dann amerikanische Soldaten sieht. Ja, sind etwa die Amerikaner die Mütter und Väter der Mehrheit der Deutschen? Zu meinen Zeiten wäre ein Aufschrei durchs Volk gegangen und der Göbbels hätte da mal gehörig zwischengefunkt.

Der Deutsche von heute lässt sich alles erzählen. Aber eines Verdienstes, dessen rühme ich mich, denn ich habe immer gesagt, dass es ein Deutschland, dass es ein lebenswertes Deutschland, dass es das nach mir sicher nicht mehr geben wird. Da habe ich Recht behalten. Und man kann mir nicht vorwerfen, dass ich nicht mit aller Konsequenz dafür gesorgt habe, dass ein schwaches Deutschland dem Untergang geweiht ist. Denn was ist Deutschland wert, wenn es sich gegen den Ansturm der asiatischen Horden nicht erwehren kann und wenn es nicht, wie ich es immer wieder eingefordert habe, bis zur letzten Kugel und bis zum letzten Mann seine Heimatscholle verteidigt?

Ich kann einem solchen Deutschland keine Träne hinterherweinen. So wäre es doch besser gewesen, wenn Speer meinen Befehl nicht sabotiert hätte und alle Grundlagen, die das Volk zu seinem primitivsten Überleben benötigt, wenn all die zerstört worden wären.

Nun hat der Deutsche aber gesehen, was es heißt, einen Weltenbrand in Gang zu setzen und dann nicht die nötige Konsequenz zu besitzen, die ein totaler Krieg nun einmal erfordert. Nun kann der Deutsche sehen, dass seine Marionettenfiguren, die ihn regieren, dass diese Marionetten alles im Sinn haben, aber sicher nicht das Wohl des deutschen Volkes. Nun kann der Deutsche auch sehen, dass ich recht hatte, wenn ich immer wieder gewarnt habe, dass ein Zurückweichen, gleich an welcher Stelle, dass jedes Aufgeben einer einmal errungenen Stellung fatale Konsequenzen hat.

Ich habe daher schon kurz nach dem Ende der Kampfhandlungen im Jahre 1945 beschlossen, dass ich die Deutschen einfach vergesse. Nun ist es aber nicht leicht, sich ein neues Volk zu suchen. Denn wenn man all die Energie und Hingabe bedenkt, die ich seit meiner Jugend in den Aufbau der nationalsozialistischen Bewegung investiert habe, wenn man bedenkt, dass ich damals meine Gesundheit opferte, nur um immer für mein Volk da zu sein, dass ich weder eine normale Ehe führen konnte noch am Sonntagabend mich mit leichten Filmen vergnügen durfte. Ich war zu beschäftigt, um mich entspannen zu können. Wenn man all dies in Rechnung stellt, dann weiß man wohl, dass es keine Kleinigkeit ist, sich ein neues Volk zu suchen. Das schüttelt man nicht einfach so aus dem Ärmel. Das will gut überlegt sein und das will gut geplant sein.

Auf meiner Suche nach einem neuen Volk waren viele gedankliche Hindernisse zu umgehen. Denn was gestern blond und arisch sein musste, das konnte heute auch schlitzäugig und dunkel sein. Auf meiner Suche habe ich viele Fehlschläge erlitten. Die Koreaner waren kurzzeitig ein Favorit. Natürlich nicht der Süden, sondern der Norden. Dort herrschen Verhältnisse, die ich sehr gut kenne. Der Führerkult und ein gut erzogenes Volk. Auch gab es noch das Bonbon, dass Nordkorea Atomwaffen besitzt. Das fand schon mein Interesse. Aber ich muss auch sagen, dass der Menschenschlag der Koreaner mir, rein äußerlich, nicht wirklich zusagte. Auch der kleine Wuchs und das ewig gleiche schwarze Haar stießen mich eher ab, als dass ich ernsthaft meine Energie in das Zwergenland zu investieren bereit war.

Auch die Chinesen kamen aus einigen Gründen infrage, aber auch hier überwog am Ende mein gesunder Menschenverstand, dass man einem Volk, das nicht mit Messer und Gabel isst, dass man ein solches Volk niemals zum Herrscher des Globus‘ machen kann.

Bei den Russen schied diese Frage allein schon deshalb aus, weil ich aus bekannten Gründen sicher nicht die asiatischen Bolschewiken zu meinem Volk machen wollte. Bei den Amerikanern hatte ich da schon mehr Affinität, aber auch hier gab es viele Dinge, die mir nicht in mein Konzept passten. Denn wer den Amerikaner kennt, der weiß , dass seine sprichwörtliche Oberflächlichkeit und seine abnormen Essgewohnheiten, dass diese Eigenschaften auch nicht zu dem gehören, was ich mir als Führer versprochen habe. Die großen Weltmächte schieden für mich aber aus dem Grund aus, weil ich sicher keine Unterstützung bei den Finanzeliten gefunden hätte und ein Ford, der zwar noch immer produziert, oder ein Thyssen da allein nicht ausreichen würde. Denn wenn ich mich auf meine alten Tage noch einmal dazu entschließen sollte, ein Weltreich zu gründen, dann täte ich das nur, weil ich eine berechtigte Hoffnung hegen würde, diesmal eben das richtige Volk gefunden zu haben. Ich kann aber doch nicht, und das wird doch selbst die einfachste Krämerseele verstehen, ich kann doch nicht einen Pygmäenstamm oder ein schwarzes Dschungelvolk mit meinem Genie veredeln. Dies ergibt sich doch schon vom einfachen Anschein heraus.

Da stieß ich auf die Engländer, die schon immer, besonders in den aristokratischen Kreisen, eine gewisse Sympathie für meine Ideen hegten. Wenn der völlig verblödete Hess damals diese Wahnsinnsreise nach England antrat und mich damit in der ganzen Welt blamiert hat, dann war es aber doch auch deshalb, weil der Engländer natürlich dem Arier am nächsten steht. Nun, die Ariertheorie stimmt ja nicht, denn sonst hätte der Deutsche siegen müssen. Aber ein bisschen vielleicht doch. Natürlich, und das muss man doch auch mir vergeben, natürlich bin ich etwas verunsichert, besonders was die Frage angeht, ob der Arier nun wirklich allen überlegen ist. Denn eigentlich ist der Zweite Weltkrieg doch der Beweis dafür, dass der Arier eben doch nicht siegen kann, und dann stimmt die ganze Theorie nicht mehr. Aber ich habe natürlich darüber analytisch und eiskalt nachgedacht.

Ich bin dann zur Ehrenrettung der Theorie zu dem Schluss gekommen, dass der Arier eben noch nicht so weit war. So wie mein Genie turmhoch meiner Zeit voraus war, so wie ich gedanklich wie ideologisch auf einem anderen Stern weilte als das Gros der Menschheit, so war eben auch das deutsche Volk noch nicht wirklich reif für mich. Die Zeit muss zu den Ereignissen kommen. Wenn die Zeit, die immer allen wichtigen Dingen fehlt, wenn die Zeit also nicht reif ist, dann nutzt auch der größte Führer nichts. Insofern hab ich mir vergeben. Ich hatte Visionen, die Lieschen Müller selbst bei größter Anstrengung nicht verstehen konnte. Der einfache Mann auf der Straße musste überfordert sein von dem weltumspannenden und in der Geschichte der Menschheit einzigartigen Ringen um Macht und mich.

Ich habe den Zweiten Weltkrieg nicht einfach so vom Zaun gebrochen. Das wird heute so oft dargestellt, als hätte ich da wie irgend so ein verrücktes Kind aus den USA, als hätte ich da am Schreibtisch ein Spiel gespielt. Aber dem war doch nicht so. Bevor ich den Angriff auf Frankreich fast neunundzwanzigmal verschoben habe, ja wieso macht man denn so was, dass man neunundzwanzigmal einen Angriff verschiebt. Das macht man doch nur, wenn man genau und eiskalt analysiert. Das habe ich immer getan. Es ist keine Kleinigkeit, wenn man einfach so mal ins Sudetenland einmarschiert oder einfach mal so eben Österreich heimholt. Das macht man doch nicht aus Spaß. Ich habe immer wieder dem deutschen Volk gesagt, dass ich das alles gut überlege. Und wenn dann in Stalingrad die Truppen eingekesselt wurden, wer war es denn da, der mit eiserner Faust seine Tränen unterdrückte und das große Ganze höher achtete, als dem schmachvollen Ende der sechsten Armee dadurch noch Gewicht zu verleihen, dass der Feind noch tiefer in andere Regionen, die zu diesem Zeitpunkt strategisch wichtiger waren, einbrach?

Wenn ich aber dem deutschen Volk gebetsmühlenartig und durch die stete Propaganda bestärkt, immer und immer wieder versucht habe klarzumachen, dass dieses Ringen ein einmaliges und ohne Rücksicht zu führendes Unterfangen ist, wenn ich dafür selbst mich und meine Gesundheit zu opfern bereit war, wenn ich all dies dem deutschen Volk immer wieder gepredigt habe, was kann ich denn dann dafür, wenn der deutsche Michel versagt?

Wenn die korrupten Versager von der Generalität meinen Schneid nicht hatten. Was kann man da machen? Wenn der Morphinist Göring immer fetter und fetter wird und es nicht schafft, die Soldaten vernünftig aus der Luft zu versorgen. Ist das etwa meine Schuld? Ich konnte doch immer nur nach Sachlage entscheiden. Das muss doch selbst der Dümmste verstehen, dass ein Führer nur die Informationen auswerten kann, die ihm auch zur Verfügung stehen. Wenn ich heute in einigen dieser sogenannten Biographien lese, dass ich hinterher, also zum Ende hin, dass ich da Armeen befehligt habe, die nur auf dem Papier existierten. Ja, aber ich hatte doch nur das Papier. Sollte ich etwa an vorderster Front an allen Fronten mitkämpfen und damit Deutschland der Gefahr aussetzen, eines der größten Feldherren seiner Geschichte beraubt zu werden?

Ich habe immer versucht, die Gesamtlage im Blick zu haben. Für einen Realschüler, der nie in eine Universität immatrikulieren durfte, zumindest nicht vor 1933, war es eine unglaubliche Leistung und ein nicht zu verkennender Kraftakt. Ich bin aber, auch wenn meine geistigen Fähigkeiten sich mit keinem meiner Paladine vergleichen lassen, natürlich auch ein Mensch. Denn auch ich machte Fehler.

Da mag das deutsche Volk ja staunen, aber ich habe auch Fehler begangen. Es waren zugegebenermaßen nicht viele, aber einige Fehlentscheidungen sind mir unterlaufen. Da war die Sache mit dem Rauchergesetz. Wenn ich heute sehe, wie eiskalt das die Marionetten in Berlin im Deutschland heutiger Tage durchgesetzt haben, dann frage ich mich, warum ich damals nicht auch die Kraft dazu hatte. Ich nahm Rücksicht auf die Front, bei der es den Soldaten nur schwer zu vermitteln war, dass sie zwar sterben, aber eben nicht rauchen durften. Aber warum tat ich das? Es hat sich doch in meinem Leben immer gezeigt, dass alle Schwäche, dass alle Gutheit, und ich war übervoll davon, dass all das am Ende nur dazu führte, dass man verachtet, belogen, betrogen und entehrt wurde.

Ich war immer gegen das Rauchen. Das wollte ich und das hätte ich auch, wenn Germania erst einmal gebaut worden wäre, dann wäre das Gesetz gewesen. Denn Deutschland braucht gesunde Soldaten und Deutschland braucht gesunde Mütter. Nun ist das zwar im Deutschland heutiger Tage nicht so, dass die mehr Soldaten brauchen, aber ich vermute auch, dass die Politiker mit dem Rauchergesetz eigentlich nur ein Versammlungsverbot in den Gaststätten verhängen wollten. Denn ähnliche Gedanken waren uns damals auch nicht abhold. Nur haben wir das dann nicht mit einem Rauchergesetz gemacht, sondern haben Veranstaltungen einfach verboten. Der Stammtisch war auch eher auf unserer Seite, als das heute so bei den Stammtischen mit der SPD ist. Aber die Idee ist natürlich nicht schlecht, wenn man durch ein Rauchverbot die gesamte Kneipenkultur in Deutschland von heute auf morgen einfach auf den Kopf stellt. Hätte ich denen in Berlin eigentlich gar nicht zugetraut, aber auch sie wissen eben, dass bestimmte Einschnitte in die Meinungs- und Versammlungsfreiheit manchmal unumgänglich sind.

Aber um auf meine gemachten Fehler zurückzukommen.

Einmal machte ich noch einen Fehler, als ich die Engländer an Frankreichs Küsten einfach entkommen ließ. Wäre ich damals mit eiserner Faust und mit rücksichtsloser Härte meinem Gusto gefolgt, dann wäre die Schwächung der Engländer massiv gewesen. Ich hätte Hunderttausende einfach so auslöschen können. Aber damals waren die Generäle diejenigen, die es nicht für klug hielten, zu diesem Zeitpunkt dem Engländer eine solche Provokation zu bieten. Heute weiß ich, dass man nie genug provozieren kann. Diese Chance kam nie wieder. Der Fehler von Dünkirchen war insofern wieder meiner Gutheit zuzuschreiben. Heute wäre ich da schlauer. Man ist nie gut. Schon gar nicht in der Politik. 

Ich habe immer bescheiden gelebt.

Ich schwelgte nie im Luxus, lebte spartanisch und zog den Feldrock nie mehr aus, den ich zu Beginn des Weltkrieges angezogen habe. Ich brauchte kein Carinhall wie der drogenabhängige Göring und ich brauchte auch kein Luxusauto.