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NIBELUNGENLIED Der Sage letzter Teil Libretto Textbuch und Musik: Mathias Christian Kosel nach Motiven Richard Wagners, des Nibelungenlieds und der Edda
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Seitenzahl: 62
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Der Sage letzter Teil
Textbuch und Musik:
Mathias Christian Kosel
unter Verwendung von Motiven Richard Wagners
und Texten aus dem Nibelungenlied und der Edda
LIBRETTO
„Tunc bene navigavi, cum naufragium feci.“
Friedrich Nietzsche
Die Personen
Prolog
Erster Aufzug
Zweiter Aufzug
Dritter Aufzug
Tagebuch
Gutrune / Kriemhild
Die Witwe Siegfrieds und die Mutter seines Sohnes, Schwester von Gunther und Giselher, eine sehr junge Frau, der in kürzester Zeit alles genommen wurde, was ihr lieb und teuer war.
Hagen von Tronje
gilt als heldenhafter Kämpfer, vorausschauend und bedingungslos königstreu, doch auch als düster und verschlagen. Nach einem Streit zwischen Brünnhild und Gutrune forderte er Siegfrieds Tod.
Etzel
Etzel ist im Nibelungenlied der zweite Ehemann Gutrunes und der König der Hunnen. Mit Etzel ist Attila, der Hunne, gemeint, der als großer Eroberer historisch im 5. Jahrhundert in ganz Europa gefürchtet war.
Giselher
Giselher ist der Bruder von Gunther und Gutrune (Kriemhild) und König der Gibichungen nach Gunthers Tod. Während dieser dem Plan der Ermordung Siegfrieds zustimmte, war Giselher dagegen und bleibt Gutrune auch im Angesicht des Todes treu.
Dietrich von Bern
ist der mächtigste und treueste Lehnsmann König Etzels. Am Ende des Nibelungenliedes kämpft Dietrich am Hunnenhof gegen die Burgunder.
Uta / Erda
Uta, Königin, die Mutter von Giselher und Gutrune; als mythische Figur ist sie die Mutter der Erde.
Volker von Alzey
Spielmann und Ritter König Giselhers.
Die Rheintöchter
Die Hüterinnen des Rheingoldes, des Wassers und des Lichts: schöne, aber grausame Sirenen.
Burgunder. Hunnen. Heerrufer. Wachen. Männer und Frauen.
Orte:
Der Hof zu Worms
Das Rheinufer
Die Etzelburg im Hunnenland
Zeit:
Wir schreiben das Jahr 1200
Synopsis
Gutrune schwört nach jahrelanger Witwenschaft am Hofe zu Worms und nächtelang quälenden Albträumen Rache für ihren ermordeten Gatten Siegfried. Sie nimmt die Werbung des Hunnenkönigs Etzel an und heiratet ihn, wobei die Burgunder in der Gibichungenburg wohl wissen, dass sie dessen Machtmittel zur Rache nutzen wird. Nach einiger Zeit erfolgt in der Tat aus dem Hunnenland eine Einladung durch Dietrich von Bern, und es ist ein Gebot der Ehre für die Burgunder, ihr zu folgen, obwohl sie ahnen, dass dies ihren sicheren Tod bedeuten kann. Um zu verhindern, dass sich Gutrune mit dem Schatz ein Heer aufbaut, versenkt Hagen darob in einer stürmischen Nacht den Nibelungenschatz im Rhein, als Pfand für den verfluchten Ring. König Etzel wird nach seiner Vermählung mit Gutrune alsbald mit ihrer fortwährenden Trauer konfrontiert. Es gelingt ihr, ihrem Gemahl nach heftigem Widerstand das Versprechen abzutrotzen, die Burgunder nach ihrer Ankunft in eine Falle zu locken und vernichten. Diese werden von den Hunnen zunächst freundlich mit einem Festmahl empfangen. Als die Königin erscheint, verhöhnt Hagen sie auf den erneuten Vorwurf, er sei der Mörder ihres Mannes, vor aller Augen und Ohren: Siegfried sei tot und stehe nicht mehr auf. Sie hätte jetzt ihren Hunnenkönig. Gutrunes Antwort ist nichts weniger als die der Vergeltung. Sie wird zum grimmigen Racheengel Kriemhild und verrät dabei ihren Bruder Giselher. Nach einem Feuer im Saal entbrennt ein blutiger Kampf, den das Burgunderheer verliert. Kriemhild hat Siegfrieds Schwert Nothung an sich genommen, um Hagen zu enthaupten, vor sich auf den Knien. Doch in diesem Moment erscheint Uta, Kriemhilds Mutter, nun in Gestalt der Göttin Erda, die das Schwert an sich nimmt, es wieder in den Stamm der Weltesche stößt und das Menschenkind unter den drei Quellen der Urd zur Umkehr geleitet, zu Vergebung und Hoffnung auf eine friedlichere Welt.
Ein Schlafgemach. Die erste Stunde nach Mitternacht.
Der Mond scheint fahl durch ein verschleiertes Fenster.
Gutrune
(mit einem Schrei aus unruhigem Schlafe erwachend)
Ah!
Was träumt ich, was erschaut ich,
Was erlangt ich und verlor, das ich fand?
Vieles ersah ich,
Vieles erfuhr ich,
Lernte von dem, was ich fand.
Wähnte mich wissend,
Ein Weib im Wahne,
Ertrank ich, versank ich,
Unbewußt in tiefster Lust,
Zum Raum ward mir die Zeit,
Die Zeit gedieh mir zum Raum.
Eine andre da war
Eine Zeit weit vor mir da.
Von Flammen umkettet,
In Steine gebettet,
Ihre Seele zu Eis erfror,
Zum Leben verdammt,
Sich zu geben dem Einen,
Dessen Kühnheit sie einst sich erkor.
Doch ein andrer da kam,
Zum Weibe sie nahm.
In meines Bruders Namen
Sie von weither kamen.
Zu finden die Eine,
Deren Schönheit man heimlich beschwor.
Das ewig Weibliche zog sie hinan,
Der Sünde Gral verhöhnend fortan.
Doch ein andrer da kam,
Dessen Wort ich vernahm.
Entsendet als gefallener Held.
Nicht sehend, nicht ahnend,
Nicht hörend das Mahnen,
Geblendet, durchmaß er die Welt,
Zu ewgem Leben verdammt.
Ein Weltenwanderer,
Wandernd umher
Seit Ewigkeiten im ewigen Meer,
Dienend einem hehren Geschlecht,
Das schlecht ihm diente als Heer
Aus Göttergeschlechtern,
Verhassten Spöttern zum Spott.
Ihrem Ende eilten sie zu,
Die so stark in Bestehen
Glanzvoll sich wähnten.
Nicht fanden sie Ruh,
Ruhloser noch, rastloser noch,
Gieriger noch als er, der Gott.
Nicht sehend, nicht ahnend,
Nicht hörend das Mahnen,
Verblendet, durchmaß er die Welt,
Zu finden den Einen,
Der seiner Macht sich entzog,
Dessen Kraft niemals er band.
Ein Gebietender ward er,
Ein Gefallener wurd er.
Vergessen der Fluch,
Besessen zu suchen
Zu strafen die Eine,
Die seiner Macht sich entzog,
Deren Kraft vergebens er band.
Sie brachte ein Opfer, opferte sich selbst,
Vernichtend das ganze Göttergeschlecht,
Erda, Erda, vergib ihre Schuld!
Vergib, Wissende, was sie Dir tat!
Der Welten Erbe erkaufte ihr Glück,
Was Du begehrtest, sie gab es zurück.
Den Reif fassend, gab sie ihn fort.
Ihre Asche nun, ich nahm sie zu eigen!
Doch das Feuer, das sie lohend empfing,
Es reinigte vom Fluche nicht den Ring!
Zerschlagen die Wehr,
Zerbrochen der Speer,
Durchschritten das Feuer,
Zu Asche die Burg.
Mein Bruder – begraben.
Mein Sohn – kindstot.
Mein Gatte – er starb
In höchster Not.
Ein Gebietender ward er,
Ein Gefallener wurd er,
Dessen Kraft ich einst mir erkor.
Doch fiel er selbst seinem Speere anheim,
Verspielt das Leben, das auch ich verlor.
Gleich einem Nachtmahr spukend
Der Alb erschien mir im Traum,
Da zwei Adler schlugen
Den schlanken Falken im Baum,
So erschlug der Tronjer trügrisch
Den einen voll Tücke und Schmach,
Den ich ehrte mit reinem Herzen
Wie keinen zuvor und keinen danach.
Eine Waise ward ich,
Zur Witwe wurd ich,
Durch Träume streifend,
Geschunden, getäuscht,
So fiel ich selbst dem Trug anheim.
Verspielt das Leben, das einst ich verlor,
Verborgen, vergraben, allein.
Einsamkeit ist nun mein einzig Los,
Kein Horn mehr ertönt,
Nur Zorn mich verhöhnt,
Erhörung ersehnt ich,
Zerstörung erlangt ich.
Erinnerung bleibt mir ein letzter Trost.
Leb wohl, Du kühner, erkalteter Held,
Du meines Herzens heiligster Stolz,
Du unschuldig unwissendes Kind!
Leb wohl, leb wohl, leb wohl!
Wer meiner Wahrheit Worte fürchtet,
Durchdringe diese Mauern nie!
Erhörung ersehnt ich,
Zerstörung erlangt ich.
Zorn will ich zeigen,
Beeid ich es nun,
Und Krieg und Kampf
Zerschlag Euer Tun!
Wahn wird walten,
So schwör ich es hier,
Ruchlose Rache
Soll ausgehn von mir!
Sühne such ich, rächend meine Not,
Rache will ich für Siegfrieds Tod!
Verwandlung
Erstes Bild. Das Innere der Gibichungenburg in Worms zu früher Stunde. Die Sonne schickt einige wenige milchige Strahlen durch den morgendlichen Dunst. Die Revelge wird geblasen.
Erster Heerrufer
Hoiho! Hoiho!
Erwacht! Erwacht!
Zweiter Heerrufer
Hoiho! Hoiho!
Gebt acht! Gebt acht!
Erster Heerrufer
Ein Reiter naht! Ein Bote offenbar!
Zweiter Heerrufer
Ein Reiter nahet sich der Stadt!
Erster Heerrufer
Das Tor macht hoch, die Brücke weit,
Empfangt ihn recht, den Reitersmann!
Zweiter Heerrufer
